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Nils Cordes ist Entomologe an der Universität Bielefeld. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zum Verhalten von Wachsmotten. Wenn er nicht gerade in Klimakammern oder am Computer sitzt, zeichnet, fotografiert und dokumentiert er die Welt der Insekten vor seiner Haustür.

Archiv Oktober 2011

20. Oktober 2011

Buchkritik: "The Magic of Reality" von Richard Dawkins

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 22

Angenommen ich schriebe ein Kinderbuch. Eines, in dem ich all die großen Fragen von Kindern beantworte, zum Beispiel: Was sind Erdbeben? Woraus besteht eine Regenbogen? Und warum sind wir eigentlich hier? Und um dabei auch gleich zu erklären woher wir die Antworten auf solche Fragen wissen, erzähle ich nebenbei Geschichten, Mythen, die wir Menschen uns lange Zeit erzählten, um eben diese Fragen zu beantworten. Ich illustriere dann das Buch mit informativen Abbildungen und schreibe es so, dass jeder 12-jährige einerseits von der Thematik gefesselt ist, andererseits sein Interesse geweckt wird, den Sachen weiter auf den Grund zu gehen.

Gar nicht schlecht, oder? Ich würde es wagen, zu behaupten, dass, solange ich die ganzen biochemischen, physikalischen und astronomischen Fakten korrekt hintereinander kriege, jeder dieses Projekt sehr zu schätzen wüsste.

Doch ist das anscheinend eine andere Sache, wenn nicht ich sondern ein gewisser Richard Dawkins dieses Buch schreibt. Richard Dawkins ist durch seinem Bestseller "Der Gotteswahn" zu sehr unter das Label der "Radikalen Atheisten" geraten (nicht dass ihn das groß stören würde), als dass man ihm glauben könnte, er schreibe ein Buch lediglich aus einer Faszination heraus. Nein, da muss doch eine Agenda hinter stecken, oder?

Tatsächlich liest sich sein neues Buch so, als wollte er die jugendlichen Leser von den wissenschaftlichen Kenntnissen überzeugen, wollte ihnen deutlich machen, welchen Unfug die australischen und griechischen Mythen, die alten europäischen Legenden und vor allem natürlich die christliche Entstehungsgeschichte der Welt doch darstellen. Man könnte fragen, ist das denn so schlimm? Im Grunde finde ich, nein, es ist völlig in Ordnung. Das neue Buch von ihm, "The Magic of Reality," würde ich fraglos jedem Schüler der Sekundarstufe 1 weiter empfehlen. Es ist in vieler Hinsicht ein unterhaltsames, sehr persönliches Buch, aus dem Kinder und viele, viele Erwachsene jede Menge lernen können.

Wäre es nicht von Richard Dawkins geschrieben ...

MoR1

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Autor: Nils· 20.10.11 · 09:42 Uhr· 22 Kommentare

07. Oktober 2011

LUCA, der Vorfahre aller Lebewesen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 12

Schaut man sich unser Genom an, also sämtliche vererbbare Information in unseren Körpern, lässt sich feststellen, dass wir viele Gene mit anderen Lebewesen teilen. Da liegt es nahe, anzunehmen, dass wir auch alle einen gemeinsamen Vorfahren haben, von dem wir abstammen. Dieser Vorfahre wird allgemein LUCA genannt, kurz für "Last universal common ancestor." Dieser muss so weit zurück liegen, dass sich aus ihm die drei großen Gruppen (Domänen) von Lebewesen entwickelt haben, die es heute auf der Erde gibt: Eukaryoten (das sind wir und alle anderen Lebewesen mit einem Zellkern), Bakterien und Archaea.

Arche-was? Wie auch Bakterien besitzt diese Gruppe keinen Zellkern, unterscheidet sich aber zusätzlich durch ein paar andere Merkmale, besonders in der ribosomalen RNA.

Hier sind alle drei Gruppen einmal schematisch nebeneinander aufgezeigt:

Stammbaum des Lebens

Uns findet man oben rechts. LUCA ist auf dieser Abbildung auch schon zu finden, und zwar in der Mitte unten, wo sich die schwarzen, blauen und roten Linien treffen. DAS ist unser letzter gemeinsamer Vorfahre mit Pflanzen, Pilzen, Protozoen, Bakterien und Archaeen.

Darf ich vorstellen, LUCA

Hypothetisch existierte unser letzter gemeinsamer Vorfahre ungefähr solange wie die Menschen wussten, dass wir mit anderen Lebewesen der Erde verwandt sind. Es ist aber schwieriger, direkt Hinweise darauf zu finden, wie LUCA ausgesehen hat. Es ist schon schwierig, einen Eindruck davon zu bekommen wie unsere Vorfahren vor ein paar Tausend Jahren aussahen, da ist es quasi unmöglich sich vorzustellen, wie Leben vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren aussah.

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Autor: Nils· 07.10.11 · 20:42 Uhr· 12 Kommentare

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