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Nils Cordes ist Entomologe an der Universität Bielefeld. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zum Verhalten von Wachsmotten. Wenn er nicht gerade in Klimakammern oder am Computer sitzt, zeichnet, fotografiert und dokumentiert er die Welt der Insekten vor seiner Haustür.

Archiv Juli 2011

26. Juli 2011

WWF aus der Sicht des Boulevardjournalismus

Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 6

Auch wenn es schon etwas länger her ist, die Brisanz mancher Themen lässt nicht nach. Und sollte sie das doch tun, ist es manchmal gut, ab und zu daran zu erinnern, damit ein Gesprächsthema nicht durch die nächste Fußball-WM wieder vom Tisch verschwindet. Ich will allerdings hier eigentlich nur mal meine Meinung los werden. Die Diskussion, die sich vor ein paar Wochen um den WWF drehte, ist zu komplex als dass wir ohne Mithilfe des WWF darauf eine klare Antwort finden könnten; doch während sich da zwei Seiten in den Medien zoffen, möchte ich ein paar Punkte einfach mal festhalten.

Nur ein blaues AugeAm 22. Juni zeigte die ARD eine Dokumentation zum WWF ("Der Pakt mit dem Panda", hier weiterhin auch online anzuschauen), in der u.a. die Stellung vertreten wurde, der WWF würde Gentechnik unterstützen, mit Monsanto kooperieren, die Rechte indigene Völker Asiens mit den Füßen treten und die Abholzung von Regenwald unterstützen, indem er mit der Palmölindustrie kooperiert. Der WWF hat dazu im Anschluss in einem "Faktencheck" umfangreich Stellung genommen.

Mich interessierte dabei zuerst einmal gar nicht, in wie weit die Anklagen alle stimmten. Denn die Dokumentation selbst bestand aus solch einseitiger Berichterstattung, dass man das Meiste nicht glauben konnte. Fast alle WWF-Mitarbeiter scheinen ganz plötzlich mit einem Mikrofon konfrontiert zu werden; die Interviews wirken beinahe wie Verhöre. Die Art und Weise wie Frau Bieler auf Schritt und Tritt sogar beim Essen gefilmt wurde ist ein Paradebeispiel für schlechten Boulevardjournalismus. Das anschließende Gespräch mit ihr besteht aus Fragen, die mit einzelnen kurzen Sätzen beantwortet werden bevor zur nächsten Frage geschnitten wird. Automatisch fragt man sich was in der Zwischenzeit besprochen wurde. Ähnliche Methoden benutzt Michael Moore in seinen Dokus um zu suggerieren, Gespräche hätten genau so statt gefunden wie wir sie erleben. Doch egal ob wir nun die Aussage einer Doku gut finden oder nicht, wenn das Gespräch so verzerrt und einseitig wieder gegeben wird, ist das Betrug am Zuschauer.

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Autor: Nils· 26.07.11 · 17:42 Uhr· 6 Kommentare

03. Juli 2011

Picks: Der Sinn des Lebens und andere Größenverhältnisse

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

Um zwischen Publikationen, Statistik und Mottenfutterrezepten so etwas wie einen Rhythmus in meinen Blog zu kriegen, will ich hier versuchen jeden Monat mehr oder weniger regelmäßig ein paar "Picks" vorzustellen. Das sind interessante Bücher, Webseiten, Videos, oder was ich sonst noch erwähnenswert finde. Die meisten Links führen leider auf englischsprachige Seiten, lohnen sich aber häufig auch für jeden, der kein Englisch kann. Ist das einmal nicht der Fall, kennzeichne ich den Link mit einem kleinen "(ENG)".



"Is there an answer?" Searching for the meaning of life in The Hitchiker's Guide to the Galaxy (ENG) ist ein kleiner Artikel von Journalistin Julia Galef (Bloggerin bei Rationally Speaking, von denen ich mir erlaubt habe die Idee und den Titel für diese Rubrik, "Picks", zu klauen) darüber, was uns die Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" darüber verrät, warum wir Menschen eigentlich hier sind. "Mäuse?"

Ein Gefühl dafür, wie groß Zellen eigentlich sind kann man sich auf der Seite der University of Utah verschaffen. Was ist kleiner, das Hepatitis- oder das Grippevirus?

Hochintelligente Affen: Zufällig stieß ich auf ein Video, das zeigt dass manche Affen nicht nur bis 10 zählen können, sondern sich diese Zahlen auch noch merken können, wenn sie nur eine Sekunde lang auf einem Bildschirm gesehen haben. Wow. Wenn wir nicht aufpassen, sperren die uns bald in Käfige ein ...

Sollte Mathe in der Schule unterrichtet werden? Drüben im Mathlog habe ich ein Video gefunden, auf dem die Kandidatinnen der Miss USA darüber diskutieren, ob Mathe ein Schulfach sein sollte. Im Anschluss zeigt Thilo noch ein Video, dass ich persönlich noch viel schrecklicher finde - ich musste mir tatsächlich die gesamten 14:48 Minuten anschauen.

Darwins persönliche Bibliothek (ENG) kann jetzt online angeschaut werden. Angeblich sind das alle Bücher, die bei ihm im Büro auch standen. Allerdings konnte ich bislang nicht das berühmte Vestiges of the Natural History of Creation finden, doch gelesen hatte das Darwin ganz sicher. Hat er es direkt weiter verschenkt?!
Und für alle, die es noch nicht wissen, Charles Darwins gesammelte Werke, inklusive Notizbücher, finden sich zum Lesen und Runterladen auf Darwin Online. Seine gesammelte Korrepondenz mit anderen Wissenschaftlern findet sich derweil beim Darwin Correspondence Project.

Zuletzt muss ich noch ein Buch empfehlen, das ich gerade zu lesen angefangen habe. Ich bin zwar erst bei Kapitel 6, aber ich wage es einfach und empfehle es jetzt schon. (Ich will nicht bis Seite 1157 warten, außerdem ist es noch gar nicht fertig und wer weiß wie viel noch kommt.) Harry Potter und die Methoden des rationalen Denkens ist ein Roman, der Harrys Geschichten nacherzählt - mit einer kleinen Änderung: Was wäre wenn Harry Potter nicht unter der Treppe seiner Tante und seines Onkels aufgewachsen wäre, sondern bei einen Biochemieprofessor und seiner Frau? Wenn Tante Petunia nicht einen Bohrmaschinenhersteller geheiratet hätte sondern einen Wissenschaftler, dann würde (laut diesem Buch) Harry schon mit elf Jahren wissen wie man Experimente durchführt, um etwas zu beweisen ("Nein," sagte Harry, "um die Nullhypothese zu falsifizieren!"), er könnte komplizierte Mathematik und würde ganz sicher nicht ohne weiteres glauben, dass ein Mensch sich einfach in eine Katze verwandeln könnte, nur weil er es mit eigenen Augen sieht:

Harry atmete stoßweise. "Das GEHT nicht!", keuchte er.

"Es ist nur eine Verwandlung", sagte McGonagall. "Eine Animagusverwandlung, um genau zu sein."

"Sie haben sich in eine Katze verwandelt! Eine KLEINE Katze! Sie haben gegen die Energieerhaltung verstoßen! Das ist nicht nur irgendeine Regel, es folgt aus der Darstellung des Hamiltonoperators in der Quantenphysik! Ohne Energieerhaltung kommt es zu Inkonsistenzen und Informationsübertragung mit Überlichtgeschwindigkeit! Und Katzen sind KOMPLIZIERT! Ein menschliches Gehirn kann sich nicht einfach die ganze Anatomie und biochemische Zusammensetzung einer Katze vorstellen, ganz zu schweigen von der Neurologie! Wie können Sie mit einem Katzenhirn denken?"

McGonagalls Lippen verzogen sich immer stärker. "Magie."

"Magie reicht dafür nicht aus! Sie müssten ein Gott sein!"

McGonagall blinzelte. "Das ist das erste Mal, dass jemand so etwas zu mir sagt."

Das Buch hat im Englischen bisher 72 Kapitel, ins Deutsche wird es relativ langsam übersetzt. Geschrieben wurde es übrigens von Eliezer Yudkowsky, ein Wissenschaftler aus Kalifornien, der Künstliche Intelligenz erforscht. Verschieden eBook-Varianten in verschiedenen Sprache gibt es hier runterzuladen.

So das war's. Eigentlich wollte ich jetzt mich mal hinsetzen und meine Meinung zu der ganzen WWF-Geschichte schreiben, aber bisher fehlen mir dazu noch die Worte ...


Autor: Nils· 03.07.11 · 20:42 Uhr· 5 Kommentare

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