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Forschung ist sexy! Zumindest wenn man verstanden hat, um was es geht. Wissenschaft und Forschung so zu vermitteln, dass es auch begriffen wird, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen, Biologe und Wissenschaftsredakteur.

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09.08.11 · 09:35 Uhr

Wissenschaft für Kinder

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 19

Hier habe ich mich aufgeregt, dass es scheinbar einen Markt gibt für vollkommen überteuerte Kinder-Wissenschaft-Bespassung. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass es eine kostengünstige Alternative gibt.

Kind_mit_Seifenblase.jpgIm Grunde sind Kinder schon von kleinst auf Wissenschaftler. Kinder lernen durch Probieren und Variieren. Ganz alleine, ohne äußere Einwirkung kann ein 1-jähriges Kind in der Badewanne den Auftrieb (für sich) entdecken. Man muss es nur lassen und ihm die Gelegenheit und evtl. Material geben. Es bedarf eben nicht einem 100 Euro pro Tag Halli-Galli-Bimbamborium.
Wie ich hier schon ein paar Mal erwähnt habe, bin ich beim Haus der kleinen Forscher aktiv. Das Ziel der Stiftung ist es, grob vereinfacht, MINT-Fächer wieder als etwas Selbstverständliches zu etablieren. Auf der Homepage und in den Seminaren gibt es daher verschiedene Experimente, die mit ganz normalen, alltäglichen Gegenständen kostengünstig zu realisieren sind. Diese Experimente sind aber eigentlich nur ein Rettungsanker, falls Kinder experimentieren wollen UND keine eigene Ideen haben sollte, (oder den Fachkräften nichts einfällt).
Die besten Experimente sind eigentlich solche, die von den Kindern selbst kommen und aus ihren alltäglichen Beobachtungen entstehen.
Die "Kunst" besteht nur darin, die Kinder richtig zu begleiten.

Denn eigentlich vermittele ich immer: Es gibt kein falsches Experiment, nur ein unerwartetes Ergebnis. In den unzähligen Experiment-Büchern stehen meist nur Rezepte, mache dies, bastel jenes, fülle A in B, dann passiert C.
Passiert aber eben mal nicht C, dann ist das falsch, Experiment misslungen, Wissenschaft ist doof und Kind enttäuscht.

Lässt man sie aber selber eine Theorie entwickeln, einen Versuchsablauf erarbeiten und dann die Hypothese mit den Ergebnissen vergleichen, dann, ja dann lernen sie Lernen und Experimentieren. Wenn sich dann ein anderes Ergebnis ergibt, dann leitet das wieder zu neuen Versuchen über. Es ist nicht misslungen, es ist einfach anders als erwartet.

Mit einem solch eher theoretisch klingenden Hintergrund lässt sich ganz hervorragend mit allem möglichen experimentieren. Das geht, um es noch einmal zu wiederholen, ohne schweineteurem Zubehör. Auf dem Haus der kleinen Forscher Kanal bei YouTube gibt es eine ganze Reihe von Experimenten.
Das in meinen Augen wichtige dabei: Die Kinder behalten ihre Neugier. Wenn sie eine Frage haben, überlegen sie sich, wie sie eine Antwort finden. Oder wie Florian in einem Video es verlinkt hat:

Was sind Wissenschaftler? Es sind Menschen, die nie aufgehört haben, Kinder zu sein.

WENN in den Kommentaren die Meinung kam, dass es marktwirtschaftlich doch vollkommen in Ordnung sei, dass finanziell besser gestellte auch eine bessere andere Ausbildung geniessen können, dann halte ich mal dagegen: Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken. Sie sind auf Karriere trainiert, kopieren sich später ihre Diss zusammen (weil sie es nicht anders können) und wollen Vorsitzende im Forschungsausschuss werden... oder so...

 

Autor: Chris· 19 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (19)

Kommentar-Direktlink REALM· 09.08.11 · 09:56 Uhr

Wie richtig die damit:
"Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken." liegen,
konnte ich leidvoll auch bei akademisch Gebildeten erleben, die ich regelmäßig als Arbeitnehmer suchte.
Zitieren irgendwelcher Aussagen von Professoren ja, eigene Ideen kamen selten.

Gratulation zu dieser Initiative, werde versuchen auch in A so etwas zu initiieren!

Kommentar-Direktlink stoffel· 09.08.11 · 10:31 Uhr

@REALM

...werde versuchen auch in A so etwas zu initiieren!
Die steiermärkische Landesregierung hat bereits das Forscherixa-Projekt ins Leben gerufen (siehe http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/11170145/44163239). Etwas Ähnliches in Kärnten zu initiieren ist leider an den finanziellen Möglichkeiten gescheitert :(
Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg.

Author Profile Page Christian Reinboth· 09.08.11 · 11:07 Uhr

Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken. Sie sind auf Karriere trainiert, kopieren sich später ihre Diss zusammen (weil sie es nicht anders können) und wollen Vorsitzende im Forschungsausschuss werden... oder so...

Das halte ich schon für eine ziemlich gewagte These: Naturwissenschaftliche Frühbildung im Kindergarten erzieht Kinder zu Betrügern, wenn sie Geld kostet und macht Kinder zu guten Wissenschaftlern, wenn sie kein Geld kostet? Das von Dir beschriebene Phänomen - das es ja leider tatsächlich gibt - würde ich eher darauf zurückführen, dass Eltern oft suggeriert wird, ihr Kind müsse unbedingt vier Fremdsprachen und drei Instrumente beherrschen oder dass Jungstudenten eingeimpft wird, sie müssten alle mit 22 schon fertig sein - inklusive natürlich dem obligatorischen Jahr in den USA etc. pp. - (Stichwort Employability) um dann bei Pricewaterhousecoopers oder McKinsey als Berater die große Kohle einfahren zu müssen. So kommt es dann zu uniformen Lebensläufen, in denen sich letztendlich nur noch die Nachkommastellen der Noten voneinander unterscheiden...

Ob nun aber ein Wissenschaftler, der dafür ein paar Euro extra bekommt, oder aber eine Erzieherin den Kindern zeigt, wie sich Sonnenlicht im Wasserglas bricht, macht vermutlich keinen Unterschied - und für 100 Euro am Tag wird einem ja vermutlich auch mehr geboten als nur "fülle A in B damit C passiert"....

Author Profile Page Chris· 09.08.11 · 11:14 Uhr

Naturwissenschaftliche Frühbildung im Kindergarten erzieht Kinder zu Betrügern, wenn sie Geld kostet
Nein, das es Geld kostet, ist alleine kein Qualitätsurteil, da stimme ich Dir vollkommen zu. ABER diese Kurse müssen ihren Preis rechtfertigen und überzeugen durch Quantität statt Qualität. Die Idee, die Kreativität des Forschens bleibt dabei auf der Strecke. Es ist ein Frontalunterricht mit effektvollen "Wir füllen jetzt A in B und C knallt". WIE man seine eigenen Ideen und Fragestellungen beantwortet, interessiert nicht.

Kommentar-Direktlink Made· 09.08.11 · 13:05 Uhr

"Es ist Menschen, die neu aufgehört habe, Kinder zu sein."

Es SIND Menschen, die NIE aufgehört habeN, Kinder zu sein.

Was ist da denn schiefgelaufen?

Dem Artikel stimme ich natürlich zu. Das Wichtigste bei Kindern sind nicht Antworten, sondern Fragen, Neugier und die Möglichkeit diese Neugier auszuleben. Dann kommen die Antworten von allein.

Author Profile Page Chris· 09.08.11 · 13:17 Uhr

Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

Kommentar-Direktlink Albrecht M· 09.08.11 · 13:24 Uhr

> "Was sind Wissenschaftler? Es ist Menschen, die neu aufgehört habe, Kinder zu sein."

Ich kann hier leider das Video nicht sehen, und es könnte evtl ein direktes Zitat sein, aber ich kenne den vorletzten Absatz als
... sind Menschen, die nie ... haben...
Evtl ein Schreibfehler?

Kommentar-Direktlink Albrecht M· 09.08.11 · 13:28 Uhr

Sorry!
Habe mehrere Blogbeiträge in die Tabs geladen und dann nicht nochmal neu geladen, um zu gucken, ob schon korrigiert war.

Kommentar-Direktlink Constantin· 09.08.11 · 18:33 Uhr

Ich stimme auch absolut zu! Ueberhaupt scheint mir am Wichtigsten zu sein, Kindern nicht beizubringen, dass Fragen und Lernen Langweilig ist! Ich glaube, dass alle Kinder von Natur aus wissbegierig sind, und es das Vorbild der Erwachsenen ist, die Kinderfragen oft belaecheln oder ignorieren, das Kinder ihre Neugier verlieren.

Kommentar-Direktlink maxfoxim· 09.08.11 · 22:31 Uhr

http://www.time.com/time/photogallery/0,29307,2087112_2299983,00.html

hierzu ein schönes Bild das zeigt, dass LEGO nicht nur für Kinder ist ;) oder vielleicht doch :)

Kommentar-Direktlink Christoph Moder· 10.08.11 · 00:43 Uhr

Es gibt kein falsches Experiment, nur ein unerwartetes Ergebnis. [...] Passiert aber eben mal nicht C, dann ist das falsch, Experiment misslungen, Wissenschaft ist doof und Kind enttäuscht.

Sehr richtig. Ich denke, es geht nicht darum, das grundsätzliche Interesse an Naturwissenschaften zu wecken, denn das ist nach meiner Beobachtung bei vielen Leuten grundsätzlich vorhanden - und außerdem muss die Begeisterung "von innen" kommen, das kann man niemandem beibringen. Das Problem ist wohl genau, dass den Kindern der Spaß an einem an sich interessanten Thema vergällt wird, wenn sie sehen, dass es nur darum geht, Experimente zu machen, deren Ergebnis schon vorher klar ist oder die nicht klappen, und ansonsten klugscheißerisch Dinge nachzuplappern. Das ist leider zu oft in populärwissenschaftlichen Darstellungen so; vgl. die ganzen Fernsehsendungen, wo der Wissenschaftler grundsätzlich in einem dunklen Raum vor möglichst bizarren Geräten interviewt wird.

Was Kinder IMHO brauchen, ist, die Vorgehensweise richtig zu lernen. Dass man nicht auf alles sofort eine Antwort wissen muss. Dass sie sich für dumme Fragen nicht schämen müssen. Dass es nicht auf Kompliziertheit und Fachbegriffe ankommt, sondern darauf, Dinge in ihrer Gesamtheit zu sehen/verstehen und Muster zu erkennen. Dass Fehler erlaubt sind, wenn man aus ihnen lernt. Dass man den Mut haben soll, etwas anzunehmen oder auszuprobieren, auch wenn es vermutlich falsch ist.

Was sind Wissenschaftler? Es sind Menschen, die nie aufgehört haben, Kinder zu sein.

Ja. Eigentlich sehe ich in der Wissenschaft vor allem zwei Arten von Leuten: Zum einen gewisse Überflieger, die anscheinend nie gezwungen waren, sich groß anzupassen und deshalb Kinder bleiben konnten; und zum anderen Leute, die nur durchschnittlich begabt sind, aber ein großes Selbstbewusstsein/-vertrauen haben und entsprechend keine Scheu vor den oben genannten Dingen.

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 12.08.11 · 04:48 Uhr

WENN in den Kommentaren die Meinung kam, dass es marktwirtschaftlich doch vollkommen in Ordnung sei, dass finanziell besser gestellte auch eine (bessere) andere Ausbildung geniessen können, dann halte ich mal dagegen: Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken. Sie sind auf Karriere trainiert, kopieren sich später ihre Diss zusammen (weil sie es nicht anders können) und wollen Vorsitzende im Forschungsausschuss werden... oder so...
Wie schon beim vorangegangenen Artikel scheinen gewisse Missverständnisse vorzuliegen, was die Vermögenden betrifft.

Der heranwachsende Vermögende findet sich oft in einer Situation wieder, die durch komplexe soziale Verhältnisse gekennzeichnet ist. So sind oft noch vglw. intakte Familienverhältnisse festzustellen, Geld hält sozusagen zusammen, dazu dann die Angestellten (Stichwort: Personalverantwortung), die Partner (die rein geschäftlich gebunden sind, vs. Freunde), soziale Verpflichtungen wie bspw. Wohlfahrt und die politisch-wirtschaftliche Schiene; Geld hat viele Freunde.

Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, ist oft eine Kultur der Bildung vorgesehen für die lieben Kleinen, dazu kommt oft eine gewisse Weltoffenheit, eine Internationalität und eine Verständigkeit das Politische betreffend hinzu.

So jedenfalls die Theorie, die aber wesentlich sachnaher scheint als die im Artikel vorgetragenen Projektionen.

HTH
Dr. Webbaer

Author Profile Page Chris· 12.08.11 · 08:55 Uhr

@Bär
Schon klar, ich skizziere ein vollkommen polarisierendes Klischee und Du widersprichst mit einem derart von Vorurteilen und Klischees beladenem Prototypen einer x-beliebigen Soap dagegen. Auf was basieren Deine ach so tiefgründigen Einblicke in die Welt der heranwachsenden Vermögenden? Dr. Carter von Emergency Room? Dr. Hodgins von Bones?

und ich habe es wieder getan

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 12.08.11 · 16:35 Uhr

@Inhaltemeister
Wenn Sie die Klischeehaftigkeit Ihrer Aussagen erkennen, ist das ja schon einmal ein Fortschritt. - Die oben im Kommentar geschilderten Beobachtungen können -wenn man die neureiche Kollegen, wie bspw. die Sportsleute und Künstler, mal außen vor lässt- leicht nachvollzogen werden. Verfügt eine Familie generationenübergreifend über Vermögen, dann ist dieses verständig zu verwalten - damit es nicht verschwindet.

Geld bedingt also einen beträchtlichen sozialen Überbau "wg. Verwaltung".

Erheben Sie sich bitte gerne und gehen Sie bitte mal ein wenig vom Klassenkämpferischen weg,
HTH
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink s.s.t.· 13.08.11 · 18:45 Uhr

@WB

Der heranwachsende Vermögende findet sich oft in einer Situation wieder, die durch komplexe soziale Verhältnisse gekennzeichnet ist. So sind oft noch vglw. intakte Familienverhältnisse festzustellen, Geld hält sozusagen zusammen, dazu dann die Angestellten (Stichwort: Personalverantwortung), die Partner (die rein geschäftlich gebunden sind, vs. Freunde), soziale Verpflichtungen wie bspw. Wohlfahrt und die politisch-wirtschaftliche Schiene; Geld hat viele Freunde.

Es ist wirklich gut, dass man sich komplexe Gedanken um die reale Riesengruppe der heranwachsenden Vermögenden macht. Du meine Güte, diese Leute kaufen sich einfach einen prom. Physiker, der einem bei Gelegenheit gute Buzzwords in Ohr flüstert. Nicht nur Freunde, sondern auch NaWis (zumindest als Lehrer) sind käuflich.

"Komplexe soziale Verhältnisse" als besonders häufiges Refugium für die Spezies "Vermögende"? Kennst Du eigentlich noch jemanden außer Dir selbst? Siehst Du zuviele Soaps? (Falls nicht, schreibst Du die Drehbücher dazu? Dein Beitag erinnert an "Denver" und "Dallas", die, gefühlt, im Mittelalter gedreht wurden.)

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 14.08.11 · 13:46 Uhr

@SST

WENN in den Kommentaren die Meinung kam, dass es marktwirtschaftlich doch vollkommen in Ordnung sei, dass finanziell besser gestellte auch eine bessere andere Ausbildung geniessen können, dann halte ich mal dagegen: Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken. (...)
Da musste halt widersprochen werden. - Vermögen seduziert sozusagen Bildung. - Man muss diese Sicht nicht teilen, no prob, aber das "Klassenkämpferische" hat sich zuletzt in den Artikeln ein wenig gehäuft. - Das Klischeehafte im ersten Kommentar kam -wie auch betont- als Theorie. Mittlerweile hat ja auch der hiesige Inhaltemeister das Klischee eingeräumt. - Aus Sicht des alten dicken Webbaeren wäre nun der Fall -nach Klarstellung der unterschiedlichen Sichten- sozusagen gelöst.

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink Sven Türpe· 16.08.11 · 11:26 Uhr

WENN in den Kommentaren die Meinung kam, dass es marktwirtschaftlich doch vollkommen in Ordnung sei, dass finanziell besser gestellte auch eine bessere andere Ausbildung geniessen können, dann halte ich mal dagegen: Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken.

Wenn ich es richtig verstehe, besteht der angeprangerte Umstand darin, dass Vermögende einen Teil ihres Geldes schlecht anlegen. Was ich nicht verstehe: warum erfordert dieser Umstand unsere Beachtung und was sollen wir ggf. dagegen tun?



Sie sind auf Karriere trainiert, ...

Wie könnte jemand ohne eigenständiges Denken Karriere machen?

Author Profile Page Chris· 16.08.11 · 13:40 Uhr

Wenn ich es richtig verstehe
Nein, hast Du nicht.

Kommentar-Direktlink Sven Türpe· 17.08.11 · 10:08 Uhr

Dann muss ich fragen, auf welchen Umstand sich das Lamento richtet, denn das wird weder aus den Texten noch aus der logischen Verknüpfung ihrer Einzelaussagen klar.

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