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Forschung ist sexy! Zumindest wenn man verstanden hat, um was es geht. Wissenschaft und Forschung so zu vermitteln, dass es auch begriffen wird, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen, Biologe und Wissenschaftsredakteur.
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Archiv August 2011
26. August 2011
GEO und wie es die Social Media versucht
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 19
Das große Magazin GEO hat bei den meisten Leuten einen eigentlich recht passablen Ruf. Ist es doch ein standfestes Magazin, dass seit gefühlten Jahrhunderten mit seinem eigenen Grün im Zeitschriftenregal um die Gunst des Käufers ringt. Ein klein wenig, meine ich, war es ein Versuch, das große National Geographic in deutsch nachzubauen.
Und wie es sich gerade so gehört, gibt es auch einen Facebook Account von GEO. Social Media sind in, die Leser ernst nehmen, mit ihnen in Dialog treten, statt immer nur einen Monolog zu halten wie die Jahrzehnte zuvor (wenn man die Leserbriefe mal nicht dazu rechnet.)
Jetzt gerade zeichnet sich in dieser Aktivität von GEO bei Facebook ein Grundproblem ab:
Was mache ich, wenn ich Contra kriege? Wie geht ein großer Verlag mit Gegenwind der Leser um?
Die erste Reaktion war kontern: "Du willst ja bloss meckern"
Dann aber, so ein Mist aber auch, kamen Argumente, Gegenargumente, die die Kritik unterlegten, plausibel noch dazu.
und dann
Nichts. Wenn man den Kommentaren bei Facebook glaubt, möchte die Redaktion keine Stellung dazu beziehen. Das, liebes GEO-Team, funktioniert so nur bedingt. Vielleicht einfach die Kommentare ausschalten. Das hat dann zwar nur noch recht wenig mit Social Media zu tun, aber man kann sich wenigstens ein Facebook-Icon auf die Seite kleben. Aber dann, oh Wunder, gab es doch den Versuch einer Reaktion. Beantwortet wurden leider recht wenige Fragen und es endet mit dem Satz
von unserer Seite wollen wir es hierbei belassen
Heißt, diskutiert weiter, aber ohne uns. Die offenen Fragen bleiben offen.
Verlage, lernt, dass Ihr einfach keinen Monolog mehr halten könnt. Die Diskussionen sind da, nutzt die Chance und beteiligt Euch, ehrlich und konstruktiv.
Wenn früher Abonnenten abgesprungen sind, habt nur Ihr das bemerkt. Jetzt wird öffentlich, wie sich treue Leser abkehren, für jeden sichtbar und für Ewigkeiten protokolliert und bei Google archiviert.
Drüben bei den Scilogs befasst sich Enkapsis mit den inhaltlichen Schwächen des Textes. Den Text des Anstoßes kann man hier nachlesen, das Heft ist am Kiosk schon verschwunden.
Autor: Chris· 26.08.11 · 11:20 Uhr· 19 Kommentare
09. August 2011
Wissenschaft für Kinder
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 19
Hier habe ich mich aufgeregt, dass es scheinbar einen Markt gibt für vollkommen überteuerte Kinder-Wissenschaft-Bespassung. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass es eine kostengünstige Alternative gibt.
Im Grunde sind Kinder schon von kleinst auf Wissenschaftler. Kinder lernen durch Probieren und Variieren. Ganz alleine, ohne äußere Einwirkung kann ein 1-jähriges Kind in der Badewanne den Auftrieb (für sich) entdecken. Man muss es nur lassen und ihm die Gelegenheit und evtl. Material geben. Es bedarf eben nicht einem 100 Euro pro Tag Halli-Galli-Bimbamborium.
Wie ich hier schon ein paar Mal erwähnt habe, bin ich beim Haus der kleinen Forscher aktiv. Das Ziel der Stiftung ist es, grob vereinfacht, MINT-Fächer wieder als etwas Selbstverständliches zu etablieren. Auf der Homepage und in den Seminaren gibt es daher verschiedene Experimente, die mit ganz normalen, alltäglichen Gegenständen kostengünstig zu realisieren sind. Diese Experimente sind aber eigentlich nur ein Rettungsanker, falls Kinder experimentieren wollen UND keine eigene Ideen haben sollte, (oder den Fachkräften nichts einfällt).
Die besten Experimente sind eigentlich solche, die von den Kindern selbst kommen und aus ihren alltäglichen Beobachtungen entstehen.
Die "Kunst" besteht nur darin, die Kinder richtig zu begleiten.
Denn eigentlich vermittele ich immer: Es gibt kein falsches Experiment, nur ein unerwartetes Ergebnis. In den unzähligen Experiment-Büchern stehen meist nur Rezepte, mache dies, bastel jenes, fülle A in B, dann passiert C.
Passiert aber eben mal nicht C, dann ist das falsch, Experiment misslungen, Wissenschaft ist doof und Kind enttäuscht.
Lässt man sie aber selber eine Theorie entwickeln, einen Versuchsablauf erarbeiten und dann die Hypothese mit den Ergebnissen vergleichen, dann, ja dann lernen sie Lernen und Experimentieren. Wenn sich dann ein anderes Ergebnis ergibt, dann leitet das wieder zu neuen Versuchen über. Es ist nicht misslungen, es ist einfach anders als erwartet.
Mit einem solch eher theoretisch klingenden Hintergrund lässt sich ganz hervorragend mit allem möglichen experimentieren. Das geht, um es noch einmal zu wiederholen, ohne schweineteurem Zubehör. Auf dem Haus der kleinen Forscher Kanal bei YouTube gibt es eine ganze Reihe von Experimenten.
Das in meinen Augen wichtige dabei: Die Kinder behalten ihre Neugier. Wenn sie eine Frage haben, überlegen sie sich, wie sie eine Antwort finden. Oder wie Florian in einem Video es verlinkt hat:
Was sind Wissenschaftler? Es sind Menschen, die nie aufgehört haben, Kinder zu sein.
WENN in den Kommentaren die Meinung kam, dass es marktwirtschaftlich doch vollkommen in Ordnung sei, dass finanziell besser gestellte auch eine bessere andere Ausbildung geniessen können, dann halte ich mal dagegen: Diese Kinder lernen kein eigenständiges Denken. Sie sind auf Karriere trainiert, kopieren sich später ihre Diss zusammen (weil sie es nicht anders können) und wollen Vorsitzende im Forschungsausschuss werden... oder so...
Autor: Chris· 09.08.11 · 09:35 Uhr· 19 Kommentare
03. August 2011
Wissenschaftliche Zwei-Klassen-Gesellschaft
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 30
Ich bin gerade etwas sprachlos. Es gibt viele (gute) Initiativen und Bemühungen, Wissenschaft wieder als etwas normales und notwendiges in der Gesellschaft zu verankern, den (zu oft strapazierten) Elfenbeinturm zu öffnen oder gar abzureißen.
Die Scienceblogs sind letztlich ja auch ein Teil davon.
Und dann lese ich hier, dass es eine Firma gibt, die Naturwissenschaften in die Kindergärten bringt. Sehr löblich, bei einer Stiftung mit gleicher Ausrichtung bin ich selbst aktiv. Aber dann verschlägt es mir echt den Atem. Der Spaß schlägt bei jener Firma in einer Rechnung nieder, bei der pro Kind und Tag 100 Euro fällig werden. Ich weiß ja, dass Wissenschaftler nicht wirklich gut verdienen, aber ist das jetzt die Nebenbeschäftigung, um das Gehalt irgendwie aufzubessern?
Und weiter noch, welcher Sponsor lässt sich derart verarschen, dass er einen Kindergarten bei solche Apothekenpreisen unterstützt? Oder sind es wirklich die Eltern, die ihren Kindern im Kindergarten schon früh Wissen eintrichtern wollen und das bezahlen? Was machen die Kitas, die keine spendablen Sponsoren oder reiche Elternförderkreise haben?
Bleibt eine kindgerechte, wissenschaftliche Frühförderung wirklich nur den finanziell gut ausgestatteten Kindern vorbehalten? Sicherlich oder hoffentlich nicht, aber ganz offensichtlich gibt es Menschen, die das Geld bezahlen, sonst würde es die Firma ja nicht geben...
Autor: Chris· 03.08.11 · 14:58 Uhr· 30 Kommentare
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