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Marc Scheloske ist Sozialwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist. Nach dem Studium an der LMU München war er an einer Studie zur Risiko- kommunikation für die EU beteiligt. Von 2008-2010 war er verantwortlicher ScienceBlogs-Redakteur. Seit 2011 ist er mit seiner Wissenswerkstatt als Berater für digitale Wissenschafts- kommunikation tätig.
Er twittert als Werkstatt.
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Neues in der Kategorie Geistes- & Sozialwissenschaften
07. Februar 2010
Nebenfolgen der Schweinegrippe: Kinder-Impfstoffe ausverkauft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Politik · Kommentare: 24
Es klingt unglaublich und für viele junge Eltern wie ein schlechter Witz: in Deutschland sind derzeit insgesamt sieben Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten nicht oder nur schwer lieferbar, darunter der Sechsfach-Impfstoff für Säuglinge "Infanrix hexa" von GlaxoSmithKline. Die Impfstoffhersteller haben offenbar seit letztem Herbst fast ihre gesamten Produktionskapazitäten für die Herstellung des Schweinegrippe-Impfstoffs reserviert. Wie man dabei vergessen konnte, daß andere Impfstoffe weiterhin nachgefragt werden und lieferbar sein müssen, ist rätselhaft.
Deutschland im Frühjahr 2010: Kinder-Impfstoffe werden knapp.
Wie man heute in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nachlesen kann [Text von Volker Stollorz, leider nicht online], gibt es seit wenigen Wochen einen Lieferengpaß bei einigen Kinder-Impfstoffen. Die Vorräte bei den Apotheken sind aufgebraucht, GlaxoSmithKline aber kann keinen neuen Impfstoff mehr liefern. Die Kinderärzte müssen die Eltern also abweisen und vertrösten; nachvollziehbar, daß sowohl Ärzten, als auch den Eltern das Verständnis fehlt.
Sechsfach-Impfstoff "Infanrix hexa" derzeit nicht lieferbar
Denn unter den derzeit ausverkauften Impfstoffen ist auch der Sechsfach-Impfstoff Infanrix hexa®. Dabei handelt es sich um den einzigen zugelassenen hexavalenten Impfstoff, der zur Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b sowie Hepatitis B eingesetzt wird. Dieser Kombi-Impfstoff ist natürlich schon allein deswegen häufig nachgefragt, weil dadurch die Anzahl der Impftermine reduziert werden kann.
Autor: Marc Scheloske· 07.02.10 · 14:00 Uhr· 24 Kommentare
25. Januar 2010
Die Zumutungen der digitalen Informationsgesellschaft und die Hilflosigkeit des Denkens
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur · Kommentare: 5
Es ist ein ungleicher Kampf: auf der einen Seite steht das Internet, das universelle, global-vernetzte digitale Gedächtnis mit seinem unüberschaubaren Informations- und Wissensangebot. Auf der anderen Seite befindet sich der Mensch: begrenzt in jeglicher Hinsicht, je individuell mit Talenten ausgestattet und doch je limitiert in seinen Möglichkeiten. Und seine Verarbeitungskapazität für zeitgleich auf ihn einstürzende Informationen? Ach, reden wir nicht darüber...
Diese Grundkonstellation ist der Ausgangspunkt für Frank Schirrmacher, der in seinem Buch "Payback" die Schattenseiten des digitalen Informationsüberangebots beklagt. Vor ziemlich genau zwei Monaten war das Buch Schirrmachers erschienen, in dem er ein bisweilen recht düsteres Szenario entwirft: die Aufmerksamkeitsspanne der Mediennutzer schmilzt vermeintlich immer weiter dahin und der einstmals autonom denkende Mensch begibt sich mehr und mehr in Abhängigkeit von maschinellen Algorithmen.
Schirrmachers Befürchtungen und Thesen wurden zuletzt in Blogs und den Feuilletons recht anregend diskutiert. Vielversprechende Ausgangsbedingungen also für das Panel zum selben Thema auf der DLD-Konferenz - wobei die Diskussion letztlich doch deutlich hinter dem schon erreichten Reflexionsniveau zurückblieb.
Autor: Marc Scheloske· 25.01.10 · 21:00 Uhr· 5 Kommentare
08. Juli 2009
Die Lindauer Nobelpreisträgertagung als Ereignis der Wissenschaft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 2
Wann ist Wissenschaft? So hatte Jörg Friedrich vor einigen Wochen gefragt. Man könnte die Frage auch etwas variieren und fragen: Wann reden wir von Wissenschaft? Oder: Wo findet Wissenschaft statt.
Es ist dabei letztlich immer die spannende Frage, welche "Form" sich ein soziales Ereignis geben muß, damit es als wissenschaftliches Ereignis zweifelsfrei erkannt wird. Dabei gibt es natürlich bestimmte Erkennungs- und Kennzeichen, die uns signalisieren, daß wir gerade einem wissenschaftlichen Gegenstand gegenüberstehen.
Wie erkennen wir eigentlich, daß es sich um ein wissenschaftliches Ereignis handelt?
Wenn wir uns in einem großen Saal mit abfallenden Sitzreihen befinden, so sollte es uns nicht überraschen, wenn das Licht erlöscht und ein Film an die Leinwand projiziert wird. Sollte stattdessen ein einzelner Mann oder eine Frau erscheinen und einen mit allerlei Fachterminologie aufgepeppten Vortrag beginnen, so sind wir nicht im Kino, sondern vermutlich im Hörsaal einer Universität gelandet.
Die Unterschiede zwischen diesen beiden "Darbietungen" sind gar nicht so groß. Doch erkennen wir zweifelsfrei, in welchem Fall es sich um Wissenschaft handelt. Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, ein wirklich bemerkenswertes wissenschaftliches Ereignis aus der Nähe zu beobachten. Denn bei der 59. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau ging es ganz ohne Zweifel um Wissenschaft. Aber: woher weiß ich das so genau?
Autor: Marc Scheloske· 08.07.09 · 13:45 Uhr· 2 Kommentare
16. Mai 2009
Wolfram Alpha: Viele Zahlen, wenig sozialwissenschaftlicher Sinn. Eine Antwortmaschine auf der Suche nach ihrer Form
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 5
Der Anspruch könnte größer kaum sein: Wolfram|Alpha, der seit Wochen mit Hochspannung erwartete Dienst, will eine neue Ära der Informations- und Wissenspräsentation im Internet einleiten. Dabei will Wolfram Alpha ausdrücklich keine Suchmaschine á la Google sein, nicht eine bloße Auflistung von Webseiten liefern, sondern echte Antworten auf echte Fragen ausgeben.
Seit einigen Stunden ist Wolfram|Alpha nun online - ein erster kurzer Test, ob die Antwortmaschine hält, was ihr Name verspricht.
Die Vorabinformationen zu diesem hochambitionierten Projekt waren mehr als vielversprechend. Stephen Wolfram, einstiges Wunderkind, Physiker, Mathematiker und Vater des legendären Matheprogramms "Mathematica", arbeitet seit rund vier Jahren mit einem stattlichen Expertenteam an einem System, das Informationen aus einer Unmenge an Datensätzen auswertet, kombiniert und als Antwort in Form von Tabellen und Graphen ausgibt.
Beginn einer neuen Ära? Wolfram Alpha will ausdrücklich keine Suchmaschine á la Google sein, sondern echte Antworten auf echte Fragen liefern.
Um wirklich relevante Resultate auszugeben - so die wohlklingende Ankündigung - , setzt Wolfram Alpha auf ein Technologie, die einerseits eine (semantische) Interpretation der Fragestellung leistet, andererseits Informationen aus Datenquellen - die eine Art Qualitätsprüfung durchlaufen haben - berechnet und bündelt.
Autor: Marc Scheloske· 16.05.09 · 18:30 Uhr· 5 Kommentare
14. Mai 2009
Pharmamarketing und das Wunder der Reziprozität: Kleine Geschenke, große Wirkung
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin · Kommentare: 5
Es sind fast immer die Klassiker: Notizblöcke mit Firmenlogo oder die unvermeidlichen Kugelschreiber mit Werbeaufdruck. Und die große Frage, die sich stellt: Wer zum Teufel braucht diesen Kram? Und wieso überschütten Firmen überhaupt ihre Kunden und Geschäftspartner mit all diesen Werbegeschenken?
Daß die großzügige Verteilung von Werbeartikeln durchaus sinnvoll und natürlich keineswegs uneigennützig ist, zeigt eine aktuelle Studie, die die Effizienz subtiler Einflußfaktoren in der Medizin illustriert.
Autor: Marc Scheloske· 14.05.09 · 19:40 Uhr· 5 Kommentare
06. Mai 2009
Nur Gewinner: Das CHE-Hochschul-Ranking
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 7
Letztlich sind die Unterschiede zwischen der Wissenschaft und dem Formel-1-Zirkus nur marginal. In beiden Fällen ist ein ganzes Team daran beteiligt, um möglichst schnell, möglichst effizient das Ziel zu erreichen. Und am Ende zählt der Platz auf dem Siegerpodest.
Der Platz ganz oben auf dem Treppchen ist freilich begrenzt; da trifft es sich gut, daß es das Universitäts-Ranking des CHE gibt. Das produziert - wie man lesen kann - eigentlich ausschließlich Gewinner.
Man könnte eine ganze Artikelserie verfassen, in der man die einzelnen Aspekte darstellt, die das Wissenschaftssystem als Wettbewerbssystem kennzeichnen. Da gibt es den Wettlauf der Forscher untereinander: ganz egal ob es um die Publikation von Papers in den relevanten Journals geht oder um die Konkurrenz um Mitarbeiterstellen oder Professuren.
Autor: Marc Scheloske· 06.05.09 · 18:00 Uhr· 7 Kommentare
27. März 2009
Darwinfans und Darwinleugner: Eine Meldung und verschiedene Botschaften
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 4
Eigentlich ist es nur eine Variation der alten Geschichte vom Glas, das entweder halb voll oder halb leer ist. Der Blickwinkel macht es, der Standpunkt von dem aus man die Sache betrachtet. Jeder weiß, daß jede Beobachtung vom jeweiligen Beobachter abhängt. Und daß Beobachter bestimmte Standpunkte haben und die Dinge eben auf "ihre" Weise betrachten...
Und doch ist es manchmal ganz nett, wenn man diesen Sachverhalt wieder in aller Deutlichkeit vor Augen geführt bekommt. Wie am Beispiel dieser unverdächtigen Allensbach-Studie zum Stellenwert der Evolutionslehre in der Gesellschaft...
Allensbach-Befragung zur Evolutionslehre
Ganz kurz zum Gegenstand: das Allensbacher Institut für Demoskopie hat vor wenigen Wochen insgesamt 1800 Bundesbürger befragt, ob ihnen erstens die auf Charles Darwin zurückgehende Erklärung für die Entstehung der Arten bekannt ist und zweitens, ob sie dementsprechend glauben, daß Affe und Mensch gemeinsame Vorfahren haben.
63% der Bundesbürger halten Darwins Lehre über die Entstehung der Arten für zutreffend
Das Ergebnis der Befragung: Immerhin 63 Prozent (in Westdeutschland 61 Prozent, in Ostdeutschland 72 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Evolutionslehre richtig ist. 18 Prozent der Bevölkerung bezweifeln diese These. 19 Prozent verhalten sich unentschieden zu Darwins Lehre. Unter den Katholiken fällt - was wenig verwundert - die Zustimmung zur Evolutionslehre etwas geringer aus: nur 53 Prozent halten sie für zutreffend.
Eigentlich sollte man meinen, daß eine Meldung über diese kleine Befragung kaum Spielraum für großartige Verzerrung bietet. Oder etwa doch?
Autor: Marc Scheloske· 27.03.09 · 18:30 Uhr· 4 Kommentare
27. Februar 2009
Unaussprechliche Risiken: Über phonetisch-terminologische Aspekte der Risikowahrnehmung
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 6
Die Bewertung von Risiken ist ein riskantes Geschäft. Ganz egal ob Einzelpersonen oder Gruppen eine Einschätzung von Gefahrensituationen vornehmen oder ob Experten oder Laien gefragt sind: bei der Beurteilung von Risiken liegen wir regelmäßig falsch. Selbst relativ nebensächliche Aspekte wie die Begriffe, mit denen bspw. bestimmte Substanzen bezeichnet werden, beeinflußen unsere Risikowahrnehmung.
Wobei vorab klargestellt werden muß: Ein Patentrezept oder gar eine "richtige" Form des Risikokalküls kann es kaum geben. Welche Gefahrenschwelle noch toleriert wird, variiert von Person zu Person und von Situation zu Situation. Und das Wissen, das uns in der jeweiligen Situation zur Verfügung steht, ist ohnehin kaum ausreichend oder stellt sich (wenigstens im Nachhinein) als ungenügend heraus. Interessant ist es dennoch, was jüngst die US-Psychologen Hyunjin Song und Norbert Schwarz festgestellt haben: je unaussprechlicher die Risiken, desto gefährlicher wurden sie eingeschätzt.
Autor: Marc Scheloske· 27.02.09 · 13:45 Uhr· 6 Kommentare
20. Februar 2009
Echolot: Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur · Kommentare: 3
Das Echolot ist vollkommen aus der Mode. Vor knapp 100 Jahren wurde das Echolot zur akustischen Messung von Fluss- oder Meerestiefen erfunden und patentiert. Doch heute stehen uns andere, bessere nautische Orientierungsverfahren zur Verfügung.
Aber vielleicht ist es in diesem Sinne auch ganz passend, wenn dieser Blog den Namen "Echolot" trägt. Denn nicht jedes modische Accessoire ist wirklich ein Fortschritt und gerade ein aus der Mode geratenes, unzeitgemäßes Instrument verspricht doch spannende Ein- und Aussichten.
Lust und Leiden an der Wissenschaft
An der Niederschrift dieser Beobachtungen (die - hoffentlich - mit Hilfe des Echolots zustande kommen) versucht sich künftig ein "Liebhaber der Wissenschaften", durchaus im Sinne Bruno Latours. Wobei die Lust und das Leiden an der Wissenschaft ungefähr gleichen Raum einnehmen.
Autor: Marc Scheloske· 20.02.09 · 15:45 Uhr· 3 Kommentare
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