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Marc Scheloske ist Sozialwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist. Nach dem Studium an der LMU München war er an einer Studie zur Risiko- kommunikation für die EU beteiligt. Von 2008-2010 war er verantwortlicher ScienceBlogs-Redakteur. Seit 2011 ist er mit seiner Wissenswerkstatt als Berater für digitale Wissenschafts- kommunikation tätig.
Er twittert als Werkstatt.


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28.07.09 · 14:15 Uhr

Städtische Risikoschwangerschaften? Smog und Intelligenz

Kategorie: Medizin

Kleinkind.jpgSmog macht dumm. So könnte man die Ergebnisse einer aktuellen US-Studie zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Intelligenzentwicklung von Kindern zusammenfassen. Die Studie legt nahe, daß bestimmte Parameter der Luftqualität bereits während der letzten Schwangerschaftsmonate entscheidend sind. Sind Stadtkinder also dümmer?

In ihrer Studie fokussierte Frederica P. Perera von der New Yorker Columbia-Universität vor allem auf die Rolle, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) spielen. In früheren Studien hatte sie bereits festgestellt, daß hohe Belastungen der Atemluft werdender Mütter zu Entwicklungsverzögerungen bei Kleinkindern führt und auch mit geringerem Geburtsgewicht und Kopfumfang bei der Geburt korreliert.

Sind die PAKs, die bei der Verbrennung von Kohle und Öl entstehen, die Übeltäter?

Verbrennungsabgase und Smog beeinträchtigen Leistung bei Intelligenztests

Im Zusammenhang mit ihrer aktuellen Untersuchung hatte Frederica P. Perera etwa 400 Mütter in ihrem letzten Schwangerschaftsdrittel mit einem Luftmessgerät bzw. Analyserucksack ausgestattet. Während 48 Stunden wurde die Luftqualität gemessen. Vor allem die Belastung mit den erwähnten PAKs war von Interesse. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen bei der Verbrennung von organischem Material, also Kohle, Heizöl, Kraftstoff, Holz oder auch Tabak.

Die Mütter waren zwischen 18 und 35 Jahre alt und lebten in den New Yorker Stadtvierteln Manhattan und Bronx. Gemäß der Belastung der Atemluft mit PAKs wurden zwei Gruppen gebildet; nun zeigte sich bei den Intelligenztests der Kinder (die nun fünf Jahre alt sind), daß die Kinder erhebliche Unterschiede aufweisen: die Kinder der gering mit PAK-belasteten Gruppe erzielten durchschnittlich einen IQ-Wert von 101.6, die andere Gruppe, die im Mutterleib einer hohen PAK-Konzentration ausgesetzt war, kam im Durchschnitt auf einen IQ von 96.5.

Handeln Schwangere unverantwortlich, wenn sie sich in verkehrs- und abgasreichen Städten aufhalten?

In die Auswertung wurden übrigens nur 249 der ursprünglich rund 400 Kinder einbezogen; der Grund: Kinder aus spanischen Elternhäusern wurden nicht getestet, da Perera fürchtete, daß die Ergebnisse verzerrt werden könnten. Nach Angaben der Wissenschaftler wurden andere Einfluß- und Verzerrungsfaktoren (wie etwa der Bildungsgrad der Mütter, sowie das Passivrauchen) ausgeschlossen.

Interessant wäre es nun freilich, wie die Belastung mit PAKs in der Atemluft bei Schwangeren in ländlichen Gegenden ist und wie diese Kinder in den Tests abschneiden.

Deutlich wird allerdings, daß die Auswahl des Wohnviertels (denn es sollten eher die Hauptverkehrsstraßen mit hoher Abgasbelastung sein, die zu einer hohen PAK-Belastung führen) einen größeren und weitreicherenden Einfluß auf unsere Lebensqualität, Gesundheit und gar unsere Intelligenz haben, als wir oft denken. Aber was wundert uns das, wo doch das "falsche" Stadtviertel auch unser Gewicht und Infarktrisiko beeinflußt?


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Autor: Marc Scheloske· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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