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16.12.11 · 19:30 Uhr
Christopher Hitchens Leseliste
Kategorie: Kultur · Kommentare: 9
Die Welt hat einen der größten Intellektuellen verloren. Dass Christopher Hitchens gestorben ist, war nicht wirklich überraschend, litt er doch seit mehr als einem Jahr an Speiseröhrenkrebs. Aber Hitchens hat bis zum Schluss geschrieben und noch vor kurzem seine schlimmste Befürchtung geäußert, nicht mehr schreiben zu können. So ist ihm wenigstens das wohl erspart geblieben.
Aber wenige haben ihr Leben so voll wie Hitchens gelebt, und er ist gestorben ohne großes Bedauern zu äußern und das Hadern mit seinem bevorstehenden Tod hat er in großartigen Texten verarbeitet.
Der Guardian hat eine Liste mit Texten von Hitchens.
Im Oktober noch hat er eine atheistische Konferenz in Texas besucht, um den Dawkins-Preis entgegenzunehmen. Ein mutiges achtjähriges Mädchen, Mason Crumpacker, hat ihn nach einer Bücherempfehlung gefragt, und Hitchens hat sich hinterher die Zeit genommen, mit ihr zu sprechen und ein paar Empfehlungen herauszufinden. Ja, er hat etwas getan, was Religiöse nicht tun, er hat zugehört und das Mädchen ernst genommen, und die Bücher nach ihren Interessen ausgewählt. Es lohnt sich, die ganze Geschichte zu lesen, wie die Mutter sie berichtet. Aber hier ist die Liste:
Hitchens' list of books and authors: Dawkins' Magic of Reality, Greek and Roman myths, particularly those compiled by Robert Graves, anything satirical, all of Shakespeare, Geoffrey Chaucer, Ayaan Hirsi Ali (author of Infidel and Nomad: From Islam to America: A Personal Journey Through the Clash of Civilizations), PG Wodehouse ("for fun"), David Hume, and Charles Dickens' A Tale of Two Cities.
England-lastig, natürlich.
Sein Buchtitel "God is not Great" ist auch Basis für George Hrabs Opener vom letzten Album gewesen:
Zum Schluss noch diese Video mit der Schlussbemerkung von Hitchens in einer Debatte mit Bill Dembski, in der er einfach mal die üblichen religiösen Vorurteile und "Argumente" mit einer großen Portion Menschlichkeit platt fährt:
Ich werde mich an Christopher Hitchens aber vor allem für einen kurzen Satz erinnern, der so dicht gepackt so Wahrheit enthält, die sich sich immer und immer und immer wieder bestätigt:
Religion vergiftet alles.
Autor: Jörg· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (9)
@Jörg
"Ja, er hat etwas getan, was Religiöse nicht tun, er hat zugehört und das Mädchen ernst genommen, und die Bücher nach ihren Interessen ausgewählt."
Das ist jetzt aber echt dummdreist, wirklich, musste das sein?
Na, jedenfalls werd ich heute einen Single Malt im Andenken an Hitchens trinken (oder doch einfach einen Jack Daniels?)
Aus dem Artikel bei WEIT:
Aber ist ja auch völlig logisch, wenn man unantastbare "Wahrheiten" verbreiten möchte, bleibt eben keine andere Lösung als Menschen die Freiheit zu nehmen darüber zu entscheiden.
@Jörg
du setzt dich doch auch für gendergerechte Sprache ein... wieso denn jetzt hier diese Pauschalverurteilung von Religiösen?
Du verstehst schon, was ich meine, oder?
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du setzt dich doch auch für gendergerechte Sprache ein... wieso denn jetzt hier diese Pauschalverurteilung von Religiösen?
Du verstehst schon, was ich meine, oder?
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Weil niemand sich sein Geschlecht aussuchen kann, und es nur mit größter Mühe und oberflächlich ändern kann, während Religiöse sich ihren Glauben aus freien Stücken unterwerfen.
Und wenn jemand freien Geistes eine Wahl trifft, dann darf man den dafür zur Verantwortung ziehen und über ihn urteilen.
@Philipp G
über Einzelpersonen immer... pauschal über ganze Gruppen? Wenn ihr meint? Bitteschön, ist Euer gutes Recht, so mit Euren Mitmenschen umzugehen.
xxx
An Christopher Hitchens werde ich mich vor allem wegen Sätzen wie "Don't be such a lesbian" (zu Andrew Sullivan) oder seine - selbstverständlich nie zurückgenommene - Einschätzung der Dixie Chicks als "sluts" und "f*cking fat slags". Bei all der Lobhudelei der letzten Tage dürfte ein Hinweis nicht schaden, dass Hitchens auch ein pöbelnder Alkoholiker war, der seine Entgleisungen und Verbal-Rülpsereien mitunter nur mühselig stilistisch verdecken konnte.
Ta-Nehisi Coates geht es hier relativ sachte an:
http://www.theatlantic.com/national/archive/2011/12/christopher-hitchens-is-dead/250096/
Belle Warig auf crookedtimber verlinkt kommentarlos, aber offensichtlich befürwortend auf Hitchens als "overrated white dude" ("More lucid than the average mean-spirited drunk."). Auch PZ Myers schafft es, auf Hitchens den Bully einzugehen:
http://freethoughtblogs.com/pharyngula/2011/12/16/the-dark-side-of-hitchens/
Und wenn man mal von seinem Atheismus absieht, nimmt ihn Glenn Greenwald mitsamt der aktuellen echten und Krokodilstränen im aktuellen Medien-Geschehen auseinander (via Ta-Nehisi Coates, der ihm nur teilweise, und in der Gesamtaussage gar nicht zustimmt):
http://www.salon.com/2011/12/17/christohper_hitchens_and_the_protocol_for_public_figure_deaths/singleton/
Nach einer Lektüre von Hitchens "A War to Be Proud Of" darf ich - bei aller Anerkennung seiner brillianten Beiträge - leise Zweifel zum Ausdruck bringen, ob die Einschätzung die Welt habe einen ihrer "größten Intellektuellen" verloren, vorbehaltlos, oder überhaupt, vorgetragen werden sollte.
Man sieht, daß Hitchens kein pazifistisches Weichei war und denselben bei Gelegenheit auch gerne mal ordentlich eingeschenkt hat, werden die Linken ihm nie verzeihen. Dabei lies gerade das ihn aus der Masse linker Intellektueller herausragen.
@ Stormking
Das ist natürlich richtig. Hitchens hat sich ja auch von der ersten Sekunde an dem Krieg gegen den Terror verschrieben und hat eigenhändig dafür geschrieben, dass andere kämpfen sollen. Aufgrund des unglaublichen Mutes, das Beleidigtsein anderer tapfer zu ertragen, hat er es wahrscheinlich auch für notwendig betrachtet, das pazifistische Weichei Nelson Mandela, der im Vergleich zu Hitchens rein gar nichts vollbracht hat, zu kritisieren, weil dieser Mugabe nicht kritisiert hat (was noch dazu nachweislich falsch ist). Das fällt wohl unter dieselbe Kategorie wie Aufreger über die pazifistische Weicheier-Partie im Weißen Haus, die mit Bin Laden ernst gemacht hat, ja?
Groß Reden und wirklich etwas Weiterbringen sind zwei verschiedene Dinge. Hitchens fiel in erstere Kategorie.
Pazifistische Weicheier: Mahatma Gandhi, Nelson Mandela
Größte Intellektuelle unserer Zeit: Christopher Hitchens, Ann Coulter