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10.08.11 · 20:30 Uhr
Die Erde hat einen Gürtel aus Antimaterie
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Von PAMELA hatten wir es schon mehrere Male, das ist der Satellit ("Payload for Antimatter Matter Exploration and Light-nuclei Astrophysics") der das Verhältnis von Teilchen zu Antiteilchen misst. Also wieviele Elektronen und wieviele Positronen man dort draußen im All auffangen kann. Und wieviele Protonen/Antiprotonen. Die findet man vor allem in der kosmischen Strahlung, und kann dann Rückschlüsse auf die Quellen der Strahlung. Wie z.B. Dunkle Materie. Oder vielleicht auch doch nicht. Aber natürlich kann der Satellit auch Protonen einfangen die im Magnetfeld der Erde gefangen sind. Und konnte so auch nachweisen, dass es auch einen Gürtel an Antiprotonen um die Erde gibt!
Die Erde ist von einem Magnetfeld umgeben, glücklicherweise, denn es schützt uns vor kosmischer Strahlung, vor allem vor Sonnenstürmen. In der inneren Region des Magnetfeldes, wenige hundert Kilometer über der Erdoberfläche, befinden sich die van Allen-Strahlungsgürtel, die sich um die Erde legen und elektrisch geladene Teilchene insperren können. Außen sind Elektronen gefangen, etwas weiter innen Protonen.
![]()
Die Teilchen stammen vor allem aus der Sonnenaktivität, können aber auch aus kosmischer Strahlung von außerhalb des Sonnensystems kommen. Sie müssen nur, zufällig, die richtige Richtung einschlagen, sodass sie in den Gürteln gefangen werden. Und da dort draußen wenig Betrieb ist, sitzen sie dann auch halbwegs ungestört in der Falle - was uns zu den Antiprotonen bringt.
Ja wo kommt ihr denn her?
Schließlich reagieren Protonen mit Antiprotonen in gegenseitiger Zerstörung - daher sind nur draußen im All und nur da wo Magnetfeld-Fallen sind die Chancen gegeben, Antimaterie gelagert zu finden. Dieser neue van Allen-Gürtel aus Antiprotonen wurde theoretisch vorhergesagt und konnte jetzt von der PAMELA-Kollaboration bestätigt werden (hier im arXiv).
Antiprotonen können direkt aus Paarbildung mit einem Protn entstehen. Um viele Größenordnungen häufiger ist allerdings der sogenannte CRANbarD-Prozess. Er geht aus dem CRAND (Cosmic Ray Albedo Neutron Decay)-Prozess hervor, bei dem Neutronen die in der oberen Atmosphäre aus Kollisionen mit kosmischen Strahlen entstanden sind, aus der Atmosphäre entkommen. Freie Neutronen aber zerfallen zu Protonen, die eingefangen werden können und dann ihrerseits wieder in Stoßprozessen Neutron-Antineutron-Paare erzeugen. Die Antineutronen wiederum zerfallen zu elektrisch negativ geladenen Antiprotonen, die bei passender Flugrichtung in einem Magnetgürtel gefangen werden.
Kosmischer Surfer
Wie konnte man diesen nun finden? Nun, PAMELA kreist dort draußen um die Erde und sieht sich vor allem nach Antiteilchen um. Auf dem Weg surft der Satellit aber auch manchmal ein Stück durch die vorhergesagte Position des Antimaterie-Gürtels - in der Southern Atlantic Anomaly (SAA), in der die Gürtel der Erde am nächsten sind. Und da schaute man eben einmal hin, ob man mehr Antiprotonen messen konnte:
![]()
Die roten Kreise (mit dem roten Fehlerbalkenkreuz) geben die gemessenen Antiprotonen in der gesuchten Region an. Insgesamt hat man 28 Antiprotonen gefangen, vergleichsweise wenig aber immer noch deutlich mehr als nur aus der kosmischen Strahlung stammend (die schwarzen Quadrate) oder aus atmosphärischer Produktion (offene blaue Kreise). Außerdem sieht man noch zwei Linien, das sind zwei theoretische Vorhersagen für die Antiprotonen-Dichte. Man sieht, Selesnick et al. lagen deutlich näher dran, aber immer noch einen Faktor 10 daneben.
Aus diesen Messungen kann man ermitteln, dass dort draußen Milliarden Antiprotonen gelagert sind, sagte Francesco Cafagna dem "New Scientist".
Da wird dann schon gerechnet, wie man damit Weltraummissionen antreiben könnte. Aber da würde ich jetzt mal die Science Fiction im Hut lassen...aber ein paar interessante Experimente lassen sich sicherlich damit anstellen.
Adriani, O., Barbarino, G., Bazilevskaya, G., Bellotti, R., Boezio, M., Bogomolov, E., Bongi, M., Bonvicini, V., Borisov, S., Bottai, S., Bruno, A., Cafagna, F., Campana, D., Carbone, R., Carlson, P., Casolino, M., Castellini, G., Consiglio, L., De Pascale, M., De Santis, C., De Simone, N., Di Felice, V., Galper, A., Gillard, W., Grishantseva, L., Jerse, G., Karelin, A., Kheymits, M., Koldashov, S., Krutkov, S., Kvashnin, A., Leonov, A., Malakhov, V., Marcelli, L., Mayorov, A., Menn, W., Mikhailov, V., Mocchiutti, E., Monaco, A., Mori, N., Nikonov, N., Osteria, G., Palma, F., Papini, P., Pearce, M., Picozza, P., Pizzolotto, C., Ricci, M., Ricciarini, S., Rossetto, L., Sarkar, R., Simon, M., Sparvoli, R., Spillantini, P., Stozhkov, Y., Vacchi, A., Vannuccini, E., Vasilyev, G., Voronov, S., Yurkin, Y., Wu, J., Zampa, G., Zampa, N., & Zverev, V. (2011). THE DISCOVERY OF GEOMAGNETICALLY TRAPPED COSMIC-RAY ANTIPROTONS The Astrophysical Journal, 737 (2) DOI: 10.1088/2041-8205/737/2/L29
Autor: Jörg· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Jörg Rings schrieb (10.08.11 · 20:30 Uhr):
> [...] Neutronen die in der oberen Atmosphäre aus Kollisionen mit kosmischen Strahlen entstanden sind, aus der Atmosphäre entkommen. Freie Neutronen aber zerfallen zu Protonen, die eingefangen werden können und dann ihrerseits wieder in Stoßprozessen Neutron-Antineutron-Paare erzeugen. [...]
Verglichen mit der Anzahl solcher Neutron-Antineutron-Paare, die wie beschrieben in Stoßprozessen eingefangener Protonen erzeugt wurden,
wie groß (klein?) ist wohl die Anzahl von
Anti-Neutronen, die in der oberen Atmosphäre aus Kollisionen mit kosmischen Strahlen entstanden sind und die ggf. zu Anti-Protonen, die eingefangen werden können zerfallen würden? ...
Auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie der in der IBT gemachte Übergang von 'billions of particles', also insgesamt einigen 1E-15g hin zur Vorrechnung des Energiegehaltes von einem ganzen Gramm gerechtfertigt werden sollte: Magnetische Flaschen haben doch (wie normale ebenfalls) einen Maximal-Füllgrad. Falls es irgendwann einmal möglich sein sollte, die Antiprotonen in mitgebrachte Transportbehälter abzufüllen - gibt es aus der Theorie eine Vorstellung über die Nachfüllrate der AM-Gürtel? Jupiter böte sich ja zusätzlich als Erntegegend an...
Oder bleibt Eigenarbeit auch langfristig produktiver und wirtschaftlicher?
Das Paper sagt dazu nur: Mehrere Größenordnungen kleiner und verweist auf (Fuki et al. 2005; Selesnick et al. 2007)
Fuki, M., “Cosmic-ray antiproton spatial distributions computed in magnetosphere”, 2005, International Journal of Modern Physics A, 20, 6739–6741, doi: 10.1142/S0217751X05029976.
Selesnick, R. S., Looper, M.D., Mewaldt, R. A., Labrador, A. W., “Geomagnetically trapped
antiprotons”, 2007, Geophys. Res. Lett., 34, 20.
@Jörg Rings Wie lange ist die Lebensdauer der Antiprotonen im van Allen-Gürtel?
Ich kann es nicht genau sagen, die Lebensdauer hängt von der Stärke des Sonnensturms ab und ist im Selesnick 2007-Paper in EInheiten angegeben aus denen man nicht mal so eben Lebensdauern ableiten kann.
@Jörg Rings Danke für die Antwort. Ich habe einen Bericht gefunden: http://tecnoscience.squarespace.com/journal/2011/8/4/antimatter-ring-found-around-earth-2.html da wird die wahrscheinliche Lebensdauer zwischen Minuten und Stunden angegeben. "The antimatter, which may persist for minutes or hours before annihilating with normal matter."
Ah, interessant, danke!