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21.06.09 · 12:00 Uhr
Richard Wiseman: Quirkologie
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Themenwoche·Themenwoche
Welchen Einfluss hat der Nachname auf die Berufswahl? Ist die Schrittgeschwindigkeit des durchschnittlichen Fußgängers ein Indiz für die Hektik der Zeit? Gibt es wirklich Menschen, die einfach mehr Glück haben? Unterscheiden sich Länder darin, wie schnell man an der grünen Ampel angehupt wird? Und wie erkennt man Lügner?
Die Forschung an diesen und vielen anderen Fragen bezeichnet Richard Wiseman, Professor für "Public Understanding of Psychology" in Hertfordshire, als "Quirkology". Quirks, das sind die Eigenarten des Alltags. Sie begegnen uns also ständig, und sind doch teils mysteriös und teils verblüffend, wenn man denn mal nachsieht. Und genau das, das Nachsehen, betreiben einige Psychologen und Sozialforscher, auch Wiseman, und er stellt in diesem Buch eine muntere Zusammenfassung der interessantesten Ergebnisse vor.
Dann beschreibt Wiseman, wie man Lügen erkennt. An den Augen, am Verhalten? Nein. Daran, wie der Lügentext formuliert ist, was er schön am Beispiel von Leslie Nielsen erforscht hat, der einmal eine wahre, einmal eine erfundene Geschichte über seinen Lieblingsfilm erzählen musste. Überhaupt finde ich das spannendste am Buch nicht unbedingt nur die Ergebnisse, sondern die cleveren und teilweise aufwändigen Methoden, mit denen Forschergenerationen versuchen und versucht haben, die Wahrheit herauszukitzeln. Und damit Aberglauben auflösen! Was Leute alles glauben, das sehen wir hier oft. Aber wo kommt dieser Glaube her und vor allem - was richtet er alles an? Als Unglückstag geltende Wochentage sehen in Japan viel weniger Geburten, und Infraschall löst mysteriöse, quasi-religiöse Gefühle aus.
Weiter beschäftigte sich Wiseman mit dem lustigsten Witz der Welt, in einer riesigen Internetkampagne. Eine Ausgabe des englischsprachigen Originals des Buches hat dazu auch das Werbefoto mit ihm als Wissenschaftler und einem Studenten im Huhnkostüm auf dem Titelbild, das finde ich wesentlich witziger als die deutsche Ausgabe, wo ein Bild von Einstein drauf ist; oben auf der Umschlagseite ist es nochmal umgedreht, aber mit gedrehtem Augenpaar, und das sieht man zuerst nicht. Aber das ist gar nicht beschrieben im Buch, da scheint der deutsche Verlag wieder selbsttätig kreativ geworden zu sein...
Das Buch ist kurzweilig und schnell zu lesen, und man bekommt eine Menge interessante Dinge mit. Da schließt sich dann auch ein leichter Kritikpunkt an, denn auch wenn man im Großen und Ganzen eine gute Beschreibung der wissenschaftlichen Methode bekommt, zu Nachfolge- oder reproduzierenden Studien erfährt, und nicht verschwiegen wird wenn es Disput gibt; so schließt doch die Menge an Themen aus dass eines genauer beleuchtet wird. Einige Male hätte ich mir dann doch eine genauere Beschäftigung gewünscht, wie sich die These jetzt bestätigt hat oder warum Forscher diese kritisieren. Allerdings betrifft dies nur die Teile, in denen über frühere Forschung berichtet wird, seine eigenen Experimente beschreibt Wiseman gut. Insgesamt ist es wirkliche Populärwissenschaft, man nimmt viel mit, lernt einiges über wissenschaftliche Neugier und Methodik und wird aber nicht mit zu trockener Materie belästigt.
Wiseman ist übrigens auch im Netz sehr aktiv - das muss für ihn wie geschaffen sein, wo er doch so großen Spaß an Massenexperimenten hat, und es sowieso schwierig ist, eine große Menge Leute zu finden, die an etwas teilnehmen. Er schreibt ein lohnendes Blog, u.a. mit einem netten Rätsel jeden Freitag. Auf Twitter ist er unter @RichardWiseman zu finden, wo er gerade auch ein Experiment durchgeführt hat ob es möglich ist, seinen Aufenthaltsort durch "psychische" Kräfte herauszufinden (nein, ist es natürlich nicht). Ich denke, da werden sich noch weitere Möglichkeiten bieten, an (spannenderen) Experimenten teilzunehmen.
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Autor: Jörg· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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