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Joerg Rings versucht sich gerade in Davis, Kalifornien daran, einen ganzen Baum im Computer verdunsten zu lassen. Physik und Wissenschaft sind faszinierend - weil sie wissen dass man nichts glauben sollte, nur weil man möchte dass es wahr ist.
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25.05.09 · 20:15 Uhr
Wenig Interesse an Bletchley Park
Kategorie: Technik · Kommentare: 7
...hat zumindest die britische Regierung. Jedenfalls nicht genug, um den für den Zweiten Weltkrieg so entscheidenden Ort zu einem Teil des "Imperial War Museum" zu machen, wie BoingBoing schreibt. Es würde wohl Unterstützung geben, aber das Bletchley Park hat im Moment arge Geldnöte und wird vielleicht bald die Stätte nicht mehr erhalten können.
Bletchley Park war vielleicht die kriegsentscheidende Stätte, denn hier wurden die Deutschen Verschlüsselungssysteme Enigma und Lorenz geknackt und dazu die Vorgänger heutiger Computer eingesetzt.
Zeitweise arbeiteten bis zu 10000 Menschen dort, darunter viele berühmte Wissenschaftler, allen voran Alan Turing, der die Entschlüsselung der Enigmas leitete und der Begründer der Informatik ist. Ich denke, sein Name ist noch viel zu unbekannt: Daher, wenn man Alan Turing hört, an die Größten der Großen denken.
Die Technik in Bletchley Park beruhte auf den Erkenntnissen polnischer Kryptologen wie Marian Rejewski, die bis 1938 bereits Enigmas nachgebaut hatten und eine Maschine erfunden hatten (die Bomba), die die Kombinationen der Walzen der Enigma durchging. Nach Kriegsausbruch arbeiteten die Wissenschaftler in Bletchley Park mit den britischen Mathematikern zusammen und bauten zahlreiche weitere Bomben für die fortwährende Entschlüsselung der Enigma-Botschaften.
Für die Entschlüsselung der noch besseren Lorenz-Schlüsselmaschinen wurde der erste speicherprogammierbare Rechner der Welt, der Colossus entworfen. Ab 1943 wurden diese Maschinen eingesetzt. Zur Entschlüsselung halfen dabei immer Hinweise, wie Namen von Generälen oder Standorten in den Nachrichten, oder kleine Fehler wie doppelt verwendete Codierungen oder auch die Tatsache, dass ein Buchstabe nicht in sich selbst verschlüsselt werden konnte. Insgesamt basierten die Methoden auf schwierigen statistischen Analysen.
Vor wenigen Jahren ist ein Nachbau eines Colossus in Bletchley Park in Betrieb gegangen. Dort ist heute ein Museum, dass ich mir zu gerne einmal ansehen würde. Im Angesicht der Tatsache, dass dieser Standort nicht nur kriegsentscheidend war, sondern auch nachhaltig die Welt des Rechnens geprägt hat, ist es umso unverständlicher, dass man dort mit argen Geldsorgen zu kämpfen hat.
Wer ein bißchen mehr über die Geschichte der Kryptograpie lernen will, kann sich z.B. mal das Cryptonomicon von Neal Stephenson ansehen. Ein großartiger, vielschichtiger Roman, bei dem man im Vorbeigehen noch einiges zur Kryptographie mitnimmt. Alan Turing kommt auch vor :)
Autor: Jörg· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Sehr spannend ist auch "Enigma" von Robert Harris (auch wenn man dort über den mathematischen Background wenig erfährt).
Gibt's auch als Film, den Film habe ich aber noch nicht gesehen.
Simon Singhs Buch ist meiner Ansicht nach das Beste, was populärwissenschaftlich an die Thematik heranführt. Auch wenn ich auf meine Mathematik-Hausarbeit diesbezüglich damals nur 7 Punkte bekam :( [Ist mir im Nachhinein aber sowas von egal^^]
Turing kommt da auch vor und es wird alles recht anschaulich erklärt... auch wenn es Singh ist^^
Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich mit einem deutchen U-Boot-Kommandanten, der mir erzählte, dass viele während des Krieges berteits ahnten, dass es den Alliierten gelungen war, Enigma zu entschlüsseln. Deshalb erscheint es verwunderlich, dass trotzdem an diesem System festgehalten wurde.
@MSmith
Naja, ist vermutlich so wie bei den Computerspielen. Irgendein Kopierschutz ist immer noch besser als gar kein Kopierschutz.
@Ronny
Es wäre ja möglich gewesen, ein neues Verschlüsselungssystem zu entwickeln. Wenn man bedenkt, welch gigantischer Aufwand bei der Entwicklung neuer Waffen betrieben wurde, wäre dies wohl eine Kleinigkeit gewesen.
Aber im Endeffekt ist es natürlich gut, dass es so gekommen ist. Ansonsten hätte der Krieg sicherlich länger gedauert und somit noch mehr Menschenleben gefordert.
Die Enigma ist 43 nochmal erweitert worden, was für Aufregung in Bletchley gesorgt hat. Aber wenn die 38 schon geknackt war, und man das auch vermutet hat...ich lehne mich mal uninformiert aus dem Fenster und sage: Das ist die fehlende Achtung vor den Wissenschaftlern gewesen. Wir können ja froh drum sein, denn was hätten bessere Kryptologen und bessere Nuklearwissenschaftler anrichten können...
Ich hoffe, daß Station X erhalten bleiben kann; zumindest solange bis ich es endlich dorthin geschafft habe ;)