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Volker Lange ist studierter Historiker und arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist (TV, Print und online) und Lehrbeauftragter für Wissenschaftskommunikation in Berlin.
Kommentare
- herbie · 14.03.09 · 23:55 Uhr Vatikan plant Kongress zur Evolution
- Hans Dampf · 11.02.09 · 15:58 Uhr Die menschliche Evolution beschleunigt sich...
- MSmith · 30.09.08 · 11:37 Uhr Von Dodos und "Rebellen"
- Werner Hahn · 04.06.08 · 19:32 Uhr Das dritte Grundprinzip der Evolution?
- Ingo Bading · 09.03.08 · 18:04 Uhr Wie Darwin sich "seine Meriten verdiente"...
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10.12.07 · 07:42 Uhr
Das dritte Grundprinzip der Evolution?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Ist Kooperation – neben Mutation und Selektion – das dritte Grundprinzip der Evolution? Martin A. Nowak, Professor für Biologie und Mathematik an der Harvard Universität, glaubt das. Letzte Woche hat er in Wien dazu einen Vortrag gehalten.
Für Martin Nowak war es ein Heimspiel. Promoviert an der Universität Wien lehrt er inzwischen in Harvard und ist in der Evolutionsbiologie ein gefragter Wissenschaftler geworden. Erst kürzlich widmete ihm scienceblogs-Autor Carl Zimmer (The Loom) ein Portrait in der "New York Times". Nun war er zu einer „Radon Lecture“ in seiner alten Heimat und die österreichische "Presse" hat ausführlich über seine Thesen berichtet.
Kurzfassung: Nowak hat mathematische Modelle entwickelt, mit deren Hilfe er die Entwicklung verschiedener Gesellschaften am PC durchgespielte. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die Evolution das Prinzip der Kooperation braucht, um höhere Ebenen der Organisation zu konstruieren: Nowak: "Das ist wie beim Fußball. Es geht nicht darum, welches Individuum die meisten Tore schießt, sondern darum, dass am Ende des Spiels die eigene Mannschaft gewinnt."
Demnach spielt nicht nur der Selektionsvorteil für das einzelne Gen eine Rolle, sondern Nowak sieht ausdrücklich auch das Prinzip der Gruppenselektion und überträgt das offenbar auch auf menschliche Gemeinschaften. Interessanter Punkt, vor allem unter dem Aspekt, wie sich in einer globalisierten Welt menschliche Gemeinschaften in Abgrenzung zu anderen noch definieren lassen. Als Staaten? Regionen? Kommunen? Wie groß darf eine Gemeinschaft sein, dass bei ihr noch das Prinzip "Kooperation" zum tragen kommen kann und wie scharf müssen Populationen in einer sich globalisierenden Welt noch von einander abgegrenzt sein, damit das Prinzip "Kooperation" evolutionär wirksam werden kann? Fragen über Fragen...
Autor: Volker Lange· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Danke für die Links. Und die Fußballanalogie von Martin Zimmer ist wirklich sehr instruktiv. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch in dieser Richtung hören werden. Wer identifiziert als Erster das "Altruismus-Gen"? ;-)
Und im Artikel bei der "Presse" lese ich noch folgenden Absatz:
"Nowak: „In den bisherigen Experimenten wird unterschätzt, dass Bestrafte zur Rache neigen und dass Strafe den Strafenden etwas kostet. Ich behaupte: Strafen bringen Nicht-Kooperative nie zum Kooperieren!“
Ebenfalls sehr spannend!
Anmerkung:
Jetzt habe ich oben natürlich dummerweise "Martin Zimmer" statt Martin NOWAK geschrieben. Wäre schön, wenn man in Zukunft die eigenen Kommentare noch korrigieren könnte...
Mutation und Selektion sind ohnehin nicht die einzigen "Grundprinzipien", ich würde sie eher Mechanismen nennen. Zumindest Gendrift, Rekombination und Genfluss sind noch zu nennen. Es wurde schon mehrfach versucht Gruppenselektion auf eine konkrete Basis zu stellen und ich bin da sehr gespannt. Gespannt aber skeptisch. ;)
Denn bisher scheiterten noch alle Versuche daran zu erklären, wie Schummeln verhindert werden kann. Also die Ausnutzung des Altruismus' der anderen Individuen ohne sich selbst altruistisch zu verhalten. In bisherigen Simulationen brach das System dann schnell ein, weil die resourcensparenden Schmarotzer schnell die Oberhand gewinnen. Altruismus benötigt demnach einen konkreten und sofort (also für das altruistische Individuum) wirksamen Vorteil.
Was die menschliche Gesellschaft betrifft, halte ich die ökonomische Betrachtungsweise ohnehin für wirksamer, hier ist die evolutionäre Sicht reduktionistisch. Da wir uns die Vernunft evolutionär schonmal erworben haben, arbeiten wir damit auf einer anderen Ebene. Sicherlich spielen ebenfalls erworbene intuitive Fähigkeiten eine starke Rolle, aber auch die sind vermutlich stark auf Ökonomie ausgerichtet, da diese eine stark selektive Wirkung hat.
Innere Ursache als drittes Grundprinzip der Evolution
Moderne Kreationisten stochern nach den Lücken der Evolutionstheorie, um einen “Intelligenten Designer” an die Stelle von Mutation und Selektion zu setzen. Das Wandlungsproblem wird durch eine Selektionstheorie mit dem Postulat einer alleinigen Außenselektion im Sinne Darwins natürlich nicht gelöst. Die jeweils erste Entstehung der neuen morphologischen, physiologischen und verhaltensmäßigen Ausstattung einer Spezies entwickelt sich evolutionär unabhängig von der möglicherweise sekundär einwirkenden „äußeren“ Selektion über interne Konstruktions/Bifurkationsmechanismen. Die Erwartung eines „inneren Prinzips“, einer „inneren Ursache“, welche Ordnung und Richtungssinn in der Evolution bestimmt, wurde von namhaften Forschern vorgebracht. Rupert RIEDL sprach hier von der „Grundfrage der Evolutionstheorie“. Die bekannten Hauptmechanismen biologischer Evolution – Selektion (Darwinismus), Mutation (Neo-Darwinismus) und Populationsdynamik reichen nicht aus, um die erweiterungsbedürftige Evolutionslehre wirklich zu verstehen. Emergenz, das heißt das Auftauchen neuer Systeme beziehungsweise neuer Systemeigenschaften in der Evolution, kann als selbstorganisierende Prozessdynamik beschrieben werden: Wie im Prozess des evolutionären Geschehens konstruktiv Neues entsteht, vermag eine den Formenwandel erklärende, umfassende evolutionär orientierte Symmetrietheorie zu beschreiben. Das Forschungsprogramm Evolutionäre Symmetrietheorie (kurz: EST) belegt den neuen Aspekt eines engen Zusammenhangs von Symmetrie bzw. Symmetriebrechung und der Dynamik struktur- und musterbildender selbstorganisierender (anorganischer und organischer) Systeme. Es wurde in der (vergriffenen) Anthologie „Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme“ (Stuttgart 1996; Hrsg. Werner Hahn und Peter Weibel) aus der Sicht verschiedener Disziplinen erörtert: Symmetriebrechung als Prozess kann, verknüpft mit der Symmetrie-Neubildung, als Motor der Evolution verstanden werden. 1997 schrieb Spektrum der Wissenschaft: „Möglicherweise wird dieses Buch in der Zukunft von hohem Wert sein als Leitfaden zur Entdeckung neuer allgemeiner Charaktere der Naturkräfte.“ Zu EST siehe mehr auch in www.art-and-science.de (PDF EST ebenda). Das „DARWINJAHR 2009″ sollte EST-Ideen aufgreifen und diskutieren! Mit einer neuen Erfindung – einem neuen Sehen (dem beidäugigen doppelten Raumsehen; Spiegelvorrichtung zum Doppelspiegel-Sehen) - sollte sich Evolutionstheoretiker in diesem Zusammenhang befassen: siehe http://www.wikipatents.com/de/3341933.html