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Ilona Baldus studierte in Heidelberg Chemie. Zurzeit promoviert sie am Heidelberg Institute for Theoretical Studies (früher EML-research gGmbH), dem Forschungs-institut der Klaus Tschira Stiftung und erforscht den Einfluss mechanischer Kräfte auf Redoxpotentiale in Proteinen.
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21.01.10 · 10:35 Uhr
Das Problem des Atommülls - ein Gedankenspiel
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 50
Atomkraftwerke werden debattiert soweit ich zurückdenken kann. Zurzeit geistert Atommüll durch die Schlagzeilen, im Falle der Kernkraftrückstände also das, was übrig bleibt, wenn der Brennstab ausgebrannt, und alles Weiterverwertbare zurückgewonnen wurde. Das Spektrum ist groß: es reicht von Technetium über Iod und Cäsium bis hin zu Neptunium und Plutonium. Sie alle sind radioaktiv und hochgefährlich.
Wohin also mit dem Müll? Ein sicheres Endlager muss her, denn das Versuchsendlager Asse wird den Anforderungen nicht gerecht. Welche Vorraussetzungen müsste ein Lager das auf ewig dicht hält, denn erfüllen?
Eigentlich nur eine: es müsste länger standhalten, als der Atommüll strahlt. Leider hat Atommüll eine wirklich unangenehme Eigenschaft: Er ist verdammt langlebig. Bei radioaktiven Elementen betrachtet man die Halbwertszeit. Beispielsweise sind von 1 kg Plutonium (239 Pu) nach 24100 Jahren noch 500 g übrig. Aus dem zerfallenen Plutonium entsteht Uran, welches selbst stark radioaktiv ist. Das Problem der Strahlung hat sich also nach dem Zerfall eines Plutonium Kerns nicht erübrigt, die Zerfallskette setzt sich fort.
Dennoch, Uranerze sind ja natürliche Bestandteile diverser Gebirge. Natürliche Uranvorkommen sind jedoch kein Grund, das Gebirge zu meiden. Warum also die Angst vorm Atommüll?
Der Urananteil in Uranerzen - also solchen Gesteinen, die genug Uran enthalten um letzteres im Namen zu erwähnen - liegt meist nur bei 0,3 %. Einige Plutonium-Isotope (das sind verschiedene Formen des Elements Plutonium) finden sogar in der Technik ihre Anwendung. Plutonium 238 ist beispielsweise Bestandteil von Herzschrittmachern und damit für einige Menschen lebenswichtig. Aber ein ganzes Lager voller Atommüll möchte wohl niemand vor seiner Haustür wissen, denn wie es so schön heißt: Die Dosis macht das Gift. Und hier kommt alles zusammen, was wir zu recht fürchten: Während wir einer ständigen, natürlichen Strahlungsexposition von 4 Millisievert pro Jahr (mSv/a) ausgesetzt, der wir uns nicht entziehen können, erlaubt die deutsche Strahlenschutzverordnung, dass die allgemeine Bevölkerung maximal weiteren 1 mSv/a ausgesetzt werden darf. Die Gesamttoxizität der Spaltprodukte von Uran die in einem einzigen Reaktor binnen eines Jahres anfallen wird auf 1.43 • 109 Sv/a geschätzt.
„Die Planung und Errichtung eines Endlagers für derartige Abfälle muss der nach dem Atomgesetz erforderlichen Schadensvorsorge nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gerecht werden", so dass Bundesministerium für Umwelt, Natur und Reaktorsicherheit Das klingt in meinen Ohren nach einem „nach bestem Wissen und Können". Und in letzterem sehe ich ein Problem. Gibt uns die Einhaltung dieser Forderung, nämlich dass wir so gut wir eben können, ein Endlager errichtet haben, auch das Recht ein solches mit Atommüll voll zustopfen?
Angenommen, unsere Politiker finden einen geeigneten Ort für ein Endlager und die komplette Menschheit weiß bescheid, dass letzterer nicht betreten werden darf. In 150 Jahren wird das letzte Kernkraftwerk überflüssig, und das Endlager ist voll. Machen wir also die Tür zu. Sicherheitsschloss, Tresortür, Warnschilder - vom Totenkopf bis zu Schildern wie „Zutritt verboten - Ungehorsame zahlen mit ihrem Leben" säumen den Weg zum Endlager.
200 Jahre später interessiert sich kaum mehr jemand für die Energieprobleme des 21. Jahrhunderts.
Lassen wir 6000 Jahre vergehen. Was passiert währenddessen? Kriege? Naturkatastrophen? Eine Neue Weltordnung? Im Jahre 8423 machen Jugendliche eine tolle Entdeckung: Ein mysteriöser Weg, gesäumt von altertümlichen Schriftzeichen. Ein Grab? Vielleicht das einer wichtigen Persönlichkeit?
Die schwere Tür lässt auf einen besonderen Schutz des Verstorbenen schließen - so wie die Labyrinthe in den Pyramiden von Gizeh. Was da wohl drin sein mag?
Oder anders: Wie erginge es uns heute, hätten die Etrusker uns ein solches Erbe hinterlassen und hätten wir diese unwissend vor 100 Jahren geöffnet?
Als Wissenschaftlerin sehe ich das Problem so: Wenn man es löst, ist es keins mehr...
Autor: Ilona Baldus· 50 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (50)
"Wie erginge es uns heute, hätten die Etrusker uns ein solches Erbe hinterlassen und hätten wir diese unwissend vor 100 Jahren geöffnet?"
Haben sie doch! Und überhaupt: wohl noch nie was vom "Fluch des Pharao" gehört, oder wie? ;-)
Selbst wenn das "Endlager" in Vergessenheit gerät und nie wieder geöffnet wird. Es gibt kein Bauwerk, das mehr als ein paar Tausend Jahre hält. Korrosion, Wasser, Erdbeben, und der ständige radioaktive Beschuss werden dafür sorgen, dass das Zeug wieder hervorkommt.
In diesem Zusammenhang glaube ich, die rostigen Sowjet-Atom-Uboote auf dem Grund des Nordatlantiks halten da in den nächsten 20 Jahren noch einige Überraschungen für uns bereit.
Mit dieser Frage beschäftigt sich seit etlichen Jahren ein kleiner und leicht skurriler Forschungszweig - die Atomsemiotik. Von kurios bis clever wird da alles geboten:
oder:
http://de.wikipedia.org/wiki/Atomsemiotik
@Ilona Baldus
"Als Wissenschaftlerin sehe ich das Problem so: Wenn man es löst, ist es keins mehr..."
Als Laie sehe ich das Problem so: Wenn die Atomwirtschaft die von Ihr erschaffenen Risiken selbst bei einem Versicherungsunternehmen versichern müßte, gäbe es nicht ein einziges Atomkraftwerk.
Da aber die Allgemeinheit dieses Risiko trägt, ist es verhältnismäßig preiswert, Atomstrom zu erzeugen. Es bleibt sogar etwas Gewinn übrig.
Man stelle sich eine solche Abwälzung mal bei der Kfz-Haftpflicht vor......
Aber das ist ja nun kein chemisches Problem.
@Christian Reinboth:
Mit Märchen und Mythen und konzentrischen Kreisen ließe sich hervorragend eine neue Religion gründen.
Das wäre dann eine Gamma-Rayligion.
Also ich denke ja, dass man in Zukunft (und jetzt vielleicht auch schon?) den Geigerzähler beim Öffnen unbekannter, lange verschlossener Räume nicht einfach daheim liegen lassen wird. Soll heißen: die zukünftige Technologie verhindert Schlimmeres.
"Dennoch, Uranerze sind ja natürliche Bestandteile diverser Gebirge. Natürliche Uranvorkommen sind jedoch kein Grund, das Gebirge zu meiden."
Ist das nicht die Lösung? Einfach in kleinen Mengen weit streuen?
Wenn jeder Deutsche zum Beispiel Gramm Atommüll in seinem Garten vergraben würde; zugeschickt per DHL in kleinen Mini-Castorlis...
Das liegt freilich vor allem daran, dass es weder genügend Kernkraftwerke gibt, um das Konzept einer Versicherung -- Verteilung großer Einzelschäden auf eine große Anzahl Versicherter -- tragfähig zu machen, noch genügend Unfälle in Kernkraftwerken, um eine empirische Risikobewertung zu ermöglichen. Das Problem ist nicht so sehr, dass die möglichen Schäden per se zu hoch wären, sondern dass der Risikobegriff an seine Grenzen stößt.
De facto ist die Kfz-Haftpflichtversicherung nichts anderes als eine solche Abwälzung auf die Allgemeinheit der Kraftfahrzeughalter. Was genbau spricht dagegen, die Risiken der Stromerzeugung auf die Stromverbraucher umzulegen?
@Samuel:
Leider bietet die heutige Technologie aber noch keine vernünftige Lösung zur wirklich sicheren Endlagerung langzeitstabiler Radioisotope an.
Ich denke auch, dass ein Strahlungsmessegrät oder eben "zukünftige Technologie" nur so lange schlimmeres verhindern kann, wie sie auch angewendet wird. Das hat dann mit der Wissenschaftskultur und nicht mit der theoretisch verfügbaren Technik zu tun. Wenn in ferner Zukunft durch optimierte Energiegewinnung radioaktiver Abfall keine Rolle mehr spielt, wird man bei Ausgrabungen vermutlich auch nicht routinemäßig Strahlungsmesser mit sich rumführen.
Vor 400 Jahren war konnte man auch bei einem Spaziegang in mitteleuropäischen Wäldern von einem Braunbären gefressen werden. Führst du deswegen heute ständig eine Waffe mit dir, wenn du in den Wald gehst? Denkst du an das minimale, wenn auch durchaus existente Risiko in deutschen Wäldern von einem Bären angefallen zu werden?
Versteh mich nicht falsch, ich will hier keineswegs Atommüll mit Bären vergleichen (eigentlich ein lustiger Gedanke), sondern lediglich darauf hinweisen, dass das Gefahrenbewusstsein einer Population sehr vom Zeitgeist bestimmt ist.
@ Samuel: Wird das dann die nächste Generation von Schweizer Taschenmesser? Messer, Korkenzieher, Geigerzähler? Interessante Vorstellung
@ Robin: Den Gedanken hatte ich auch schon. Und was, wenn in jedem Garten die kritische Masse liegt? Das könnte nach 20 Jahren der Fall sein. Ich denke vor allem, dass wenn das Problem des Atommülls als geklärt gilt, die Atomenergie einen Aufschwung erleben könnte.
Die dezentrale Lagerung wurde meines Wissens auch schon vor x Jahren in der Titanic kartooniert. Ich geh jetzt aber nicht in den Keller, um das Heft zu suchen ;-)
Mal eine philosophische Frage: Sind wir eigentlich dankbar dafür, dass das heute nicht mehr so ist? Oder hätte man sich rechtzeitig und explizit auf das Vorsorgeprinzip berufen müssen, um sich für unseren Schutz vor den Bären Ethikpunkte ans Revers heften zu dürfen? Finden wir's vielleicht gar blöd, weil uns die Artenvielfalt viel wichtiger ist und wir sowieso nur noch im Auto durch den Wald fahren?
@Sven Türpe,
fast beinahe wäre ich durch Deinen Beitrag überzeugt gewesen. Aber nur fast.
Die Versicherungswirtschaft braucht nicht eine Mindestanzahl von Versicherungsgegenständen, um ein Risko für sich zu kalkulieren, die sind da ganz plietsch und können vom Einzelrisiko durchus hochrechnen. Und die Möglichkeit, Atomkraftwerke gegen Großunfälle zu versichern wurde mehrfach untersucht. Dabei kamen derart horrende Versicherungsprämien heraus, das die Atomkraftwerksbetreiber beim Abschluß einer solchen Versicherung auch sofort einen Insolvenzantrag wegen völliger Überschuldung hätten stellen müssen. Deswegen hat die Politik die Betreiber von Atomkraftwerken von dieser Versicherungspflicht
per Gesetzt befreit. Das ist ja wohl nicht mit der Kfz-Haftpflicht, die ja nach wie vor gesetzlich vorgeschrieben ist, als risikoabhängige Umlage zu vergleichen.
Ganz so, wie es in dem Artikel und einigen Kommentaren geschrieben ist, ist es ja nun nicht. So ist nicht geplant, dass nach der Schließung eines Endlagers noch viel von diesem zu sehen ist. Im Gegenteil: nach der Schließung wird alles dicht gemacht und eine grüne Wiese gepflanzt. Das Endlager befindet sich zu dieser Zeit zwischen 800 und 1000 Meter unter der Erde in einem Salzstock der sich aufgrund des Konvergenzverhaltens des Salzes nach weniger als 100 Jahren absolut dicht geschlossen hat. Also nix mit großen Bauten, geheimnisvollen Türen etc.
Und was die Zeiträume angeht: ein ganz großer Fehler, den viele Menschen machen, ist der, dass sie eigene Maßstäbe anlegen. Natürlich sind tausend und mehr Jahre für uns schwer vorstellbar. Aber jede Wissenschaft bringt ihre eigenen Maßstäbe mit. Während für einen Kernphysiker (mein ehemaliges Fachgebiet) die Lebensdauer eines Myons schon ewig lange ist, können Astronomen gar Milliarden Jahre überblicken. Und für die ganze Sache der Endlagerung muss ebenfalls eine andere Skala angelegt werden: die geologische Zeitskala.
So lange uns das auch vorkommen mag, geologisch gesehen sind eine Millionen Jahre durchaus überschaubar. So kann gesagt werden, dass die in Betracht kommenden Salzstöcke vor etwa 250 Mio. Jahren entstanden. Sie überlebten das Entstehen und Auseinanderbrechen von Pangäa, die Hebung der Alpen und das damit einhergehende Absinken des norddeutschen Tieflandes sowie einige Dutzend Eiszeiten. Weiterhin kann man mit den heutigen Wissenstand um Tektonik und Seismik sehr wohl vorhersagen, wie sich die kontinentalen Platten weiter bewegen werden und dass in der geforderten Zeit die Bedingungen an ein ungestörtes Endlager eingehalten werden.
In den Salzstöcken wurden im Rahmen der Erkundung Wasserblasen gefunden die über den gesamten Zeitraum von 200 Mio. Jahren keinerlei Kontakt mehr zur Biosphäre hatten und die Hoffnung ist nun groß, dass der Mensch eine solche Sphäre künstlich zu schaffen in der Lage ist. Als jemand der nun schon länger im Bereich Endlagerung forscht, kann ich sagen, dass ich recht gute Chancen sehe dass dieses Ziel erreicht wird und wir das Thema radioaktiver Abfall in absehbarer Zeit lösen werden.
Und was hindert in 3000 Jahren irgendjemanden daran ein Loch in den Salzstock zu bohren um sein Frühstücksei besser genießen zu können?
Wenn wir das Problem nicht mehr sehen ist es doch noch lange nicht gelöst! Die Wasserblasen im Salz waren da 250 Mio Jahre drin und vielleicht hätten die da noch weitere 500Mio Jahre unberührt überdauert - aber dann kamen ein paar neugiere Menschen und haben Löcher in das Salz gebohrt.
Das man einen erdbeben-plattentektonisch-wassereinbruchssicheres Endlager bauen kann, das mag ja sein. Einen menschensicheren wird es auch dann nicht geben.
gibts es Zahlen für das weltweilte Abfallvolumen, dass noch "entsorgt" werden muss?
Gibts es Prognosen, wieviel da noch dazu kommt?
Unter welcher Prämisse soll der Atommüll als geklärt gelten, egal wo dieser auch immer versteckt wird, kann seine gebündelte zerstörerische Kraft nicht neutralisiert werden. Dieser Umstand einer potentiellen Gefahr ist erst dann geklärt, wenn die Zeit diese neutralisiert und dies ist ein bekanntlich langer. Die Energieerzeugung aus Kernkraft ist eine überaus destruktive, bündelt sie doch hochgefährliche zerstörende Strahlung für einen langen Zeitraum, für eine Energiegewinnung, die auch mit anderen, weitaus weniger zerstörenden Kräften betrieben werden kann. Bleibt nur zu hoffen, das das Erlebnis eines Aufschwungs der Atomenergie, einen Abschwung der selben bedeuteten könnte.
@Thomas J
Über die weltweiten Zahlen weiß ich nichts, in Deutschland werden, falls sich die Daten für den Ausstieg nicht ändern, bis zur Schließung der Endlager in 2080 etwa 270.000 Kubikmeter schwach- und mittelaktiver Abfall sowie 23.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall ansammeln. Hinzu kommen noch die Abfälle aus der Asse.
@Kaukomieli
Das ist natürlich richtig, daran hindern wird man niemanden können in das Salz zu bohren. Aber die gesamten Vorkommen die im Norden Deutschlands vorhanden sind, werden auch in prospektorischer Hinsicht ausgewertet. Und es gibt einige Salzstöcke die ein Abbau lohnen, und welche die es nicht tun. Zu letzteren gehören dann die, die für ein Endlager in Frage kommen. Hierzu empfehle ich den Bericht des AkEnd von 2002: Auswahlverfahren für Endlagerforschung.
Aber natürlich kann auch hier eingwendet werden dass schon in 1000 Jahren andere Kriterien wichtig sind, die wir heute noch gar nicht überschauen können. Und vielleicht wird in 1000 Jahren wirklich genau dieser Salzstock für des Abbaus würdig befunden. Hier kommen wir aber an einen sehr schwierigen Punkt. Wir können eben nicht die gesellschaftliche und technische Entwicklung absehen sondern nur die geologische. Aber daraus zu schließen dass wir dann das Problem gar nicht angehen ("ich weiß eh nicht was kommt also lass ich es"), ist der falsche Weg.
Der Müll ist da und muss entsorgt werden. Das ist Fakt. Also haben wir keine andere Wahl als die Ärmel hochzukrempeln und das Problem anzugehen. Und in den 60 Jahren in denen nun schon dieses Problem analysiert wurde, hat sich nunmal herausgestellt, dass die Verbringung in tiefe geologische Formationen die beste Möglichkeit darstellt.
Und an dieser Stelle möchte ich noch zwei Punkte anbringen: wir reden beim hochaktiven, sprich Wärme entwickelnden, Abfall von ca. 23.000 Kubikmeter. Die Chance, dass in einem von hunderten Salzstöcken, die jeder ein paar Millionen Kubikmeter groß sind, gerade diese winzige Blase angestochen wird, ist nicht soo groß. Gewiss, wenn es passiert ist auch schlimm, aber im Gegensatz zu anderen Optionen die zur Entsorgung vorgeschlagen wurden, ist hier das geringste Risiko.
Der zweite Punkt, den ich wesentlich bedenklicher finde, ist die Verbringung von chemisch-toxischen Abfall. Hier frage ich mich, warum immer auf dem radioaktiven Müll rumgeritten wird, der chem.-tox. aber gar nicht beachtet wird. Letzterer wird ebenfalls in der Erde in einem Endlager verbuddelt. Im Gegensatz zum radioaktiven Müll werden bei dieser Art von Lager aber keine jahrelangen Analysen und Szenarienmodellierungen gemacht. Und es gilt zu bedenken, dass, obwohl eine Mio. Jahre ne lange Zeit ist, der radioaktive Müll nach dieser Zeit nicht mehr gefährlich ist. Der chemisch-toxische hingegen ist, da nicht radioaktiv, für immer hoch gefährlich. Also auch in hundert oder tausend Mio. Jahren. Und dann ist da noch die Menge: allein in der Untertagedeponie Herfa-Neurode werden nach deren Schließung ca 42 Mio Kubikmeter hochgiftige Abfälle lagern. Aber dort demonstriert niemand.
Ich will nicht sagen, dass radioaktiver Abfall ungefährlich ist, im Gegenteil. Und wir sollten zusehen, dass wir das Problem in den Griff bekommen und dabei alle mögliche Vorsicht walten lassen. Aber gemacht werden muss was, und den Weg den wir da aktuell gehen, stellt nunmal den besten aller möglichen Wege dar.
Hochgefährliche zerstörende Strahlung? Ist das hier ein Superman-Comic oder die Realität? Bitte mal ein bißchen informieren, was radioaktive Strahlung ist, z.B. hier:
http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/09/radioaktivitat.php
Meine Voraussage: In 1000 Jahren oder früher wird man den heutigen Müll wieder ausgraben, weil die Rohstoffe, die heute als mit gefährlichen Eigenschaften behafteteter Müll angesehen werden, dann eine technische Verwendung gefunden haben.
Eine hier noch nicht angesprochene Gefahr geht von rücksichtslosem Umgang mit ungeliebtem Abfall aus. Hier findet wenigstens eine Diskussion in der Öffentlichkeit statt, andere Länder kippen ihr "Zeugs" einfach ins Meer (damit meine ich nicht nur die Skandalmeldung vom letzen(?) Jahr bezüglich Mafiaaktionen im Mittelmeer). Leider kann über die Herkunft des kontaminierten Materials nur spekuliert werden.
"Der Müll ist da und muss entsorgt werden. Das ist Fakt. Also haben wir keine andere Wahl als die Ärmel hochzukrempeln und das Problem anzugehen."
Es gibt Ansätze, Atommüll zu zerstören, indem man das radioaktive Material mit Neutronen beschießt. Dadurch kann man eine Kernumwandlung erzwingen. Die Methode wird jedoch zur Zeit noch erforscht (an der TU Wien). So hofft man, die Isolationszeiten von 1 Mio auf 300 - 500 Jahre verkürzen zu können.
Spekulativ, ich bin kein Versicherhungsexperte, aber plausibel: Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die Versicherung unter den gegebenen Umständen zu einer Geldanlage degeneriert. Das Versicherungsunternehmen geht daberi das Risiko ein, dass der Schadensfall vor Erreichen des Anlagezieles eintritt. Es wird die anfängliche Prämie folglich so kalkulieren, dass die Einzahlungen binnen eines überschaubaren Zeitraumes den maximal möglichen Schaden abdecken. Das aber impliziert, dass die Höhe der Prämien nicht in erster Linie vom tatsächlichen Risiko eines Schadens abhängt.
@Robin Husch· Ist das nicht die Lösung? Einfach in kleinen Mengen weit streuen?
Wenn jeder Deutsche zum Beispiel Gramm Atommüll in seinem Garten vergraben würde; zugeschickt per DHL in kleinen Mini-Castorlis...
Dieses wird derzeit schon erfolgreich in De praktiziert, ohne dass sich ein Grüner darüber wesentlich aufregt. In einem typ. grossem Kohlekraftwerksblock (ca. 1 GW) fällt täglich Asche mit ca 30kg. Uran an, das sind pro Jahr und Gesamt-DE ca. 200t Uran. Diese werden zu einem geringen Teil über die Abluft in die Umgebung und auch die Lungen der Bürger, zum grösstem Teil aber als Füllmaterial zB. zum Autobahnbau fein verteilt und endgelagert. Aber natürlich ist dieses URAN sogenanntes Bio-Uran und hat nicht die erhebliche Aktivität wie im Artikel erwähnt! Oder sollte ich mich da irren?
Übrigens das "Kohle-Asche"-Uran enthält immer noch mehr Energie, als die verbrannte Kohle. In China ist sogar eine amerikanische Firma aktiv, die das dortige "Kohle"-Uran aus der Asche abtrennt und weiternutzt.
Ähnliches gilt z.b. für Asse als Kalibergwerk. Der Gehalt von K40 im Kalisalz das vorher gefördert wurde, hat eine wesentlich höhere rad. Aktivität als das gesamte eingelagerte Inventar des Endlagers. Mit anderen Worten , die Anwohner müssten sich eigentlich freuen. Durch die Nutzung als Endlager wurde die gesamte Aktivität von Asse deutlich reduziert. Auch wenn das Hr. Gabriel nie zu schätzen wusste, wenn er seine gefährlichen Pressekonferenzen im Schacht gab, mit einer K40- Aktivität von ca 25 Mio. Bq pro m3 in der Umgebung!
Übrigens in Deutschland hat eine frühere Regierung beschlossen dass der KKW-Abbrand einfach nicht rückholbar ins Endlager geworfen würde. In anderen Ländern (z.B. Japan) werden die Brennstäbe recycelt und damit verringert sich die Gesamt-Aktiviät pro erzeugtem GW. In Schweden sind die Abfälle rückholbar, da man dort die Möglichkeiten der Nuklearphysik (und -chemie) schätzt und beschlossen hat als Hochtechnologieland (im Gegensatz zu Deutschland ) Forschung z.b. in Transmutation zu betreiben.
Wie kleingläubig sind wir eigentlich, dass wir glauben, nach uns wird es keine weiteren Forschungsergebnisse dazu geben?
Und noch ein Punkt, nachdem der BlogschreiberChemiker ist: Wie werden eigentlich die zehntausende Tonnen von Arsen und ähnlichen Giften die jedes Jahr ins Endlager kommen und die keine Halbwertszeit haben, für die Ewigkeit geschützt? Durch einen NABU-Ablassbrief gegen gutes Geld?
Und falls jetzt diese Fragen kommen: Ja ich würde lieber neben einem AKW oder Endlager wohnen, als auch nur in der Nähe oder Kaminreichweite eines dieser laufenden neuen "umweltfreundlichen" Kohlekraftwerke.
Und ich hätte auch nichtsdagegen in meinem Garten einen Castor zu stellen und mit der Nachwärme mein Haus zu heizen! Leider wird dieses nicht genehmigt.
@Sven Türpe
Ich bin auch kein Versicherungsvertreter, aber nach meinem Kenntnisstand wurde eine Verstrahlung mit einem Radius von "nur" 50 Km angenommen. Alles darin befindliche wird für Jahrtausende unbenutzbar. So, und nun rechen :
die Grundstücke müsssen zumindestens mit dem Verkehrswert entschädigt werden
(auch die öffentlichen) incl. der aufstehenden Gebäude. Alle dort lebenden Menschen benötigen den (wahrscheinlich kurzen) Rest ihres Lebens teure med. Betreuung, können nicht mehr arbeiten, das gibt Rente. Alle anderen Gegenstände, von Baby-Nuckel bis zum Rolls Royce, müssen zum Wiederbeschaffungswert entschädigt werden und die Ernten der nächsten 30 Jahre auf den verseuchten Grundstücken sind rein theoretisch ebenfalls entschädigungsfähig. Man kann sich kaum vorstellen, was das kostet. Das Bruttosozialprodukt der nächsten 50 Jahre reicht jedenfalls als Ausgleich nicht aus.
Ach nein, ich google lieber, wie unsere Gesellschaft in der Vergangenheit mit Großschäden umgegangen ist. Dass ich das Konzept der Versicherung an dieser Stelle für untauglich halte, habe ich ja nun hinlänglich erklärt, wir müssen diesem Strohmann also nicht noch einen Anzug nähen. Das tatsächlich angewandte Verfahren hat übrigens den Vorteil, dass es im Gegensatz zu einer spezifischen Versicherung flexibel auch auf andere Schadensfälle anwendbar ist.
@Sven Türpe
Ich glaube nicht, dass die momentane Gesetzeslage eine Abälzung direkt auf den
einzelnen Überlebenden hergibt. Der Vergleich mit einem Krieg wird inhaltlich nur sehr schwewr zu führen sein, ist auch nicht zu vergleichen. Nach dem Krieg war Boden nach wie vor nutzbar, von einigen Blindgängern mal abgesehen. Der Lastenausgleich erfolgte auch nicht zum Verkehrswert.
So wie ich unsere Gesellschaft einschätze, wird ein Zaun um den Komplex gezogen, ein Schild "Betreten verboten" aufgestellt, die Kranken etwa so entschädigt wie im Moment unsere Soldaten, wenn sie sich bei Einsätzen in anderen Ländern verletzen, als fast gar nicht und alleanderen Betroffen haben eben Pech gehabt.
Aber das ist ja nun auch kein chemisches Problem.
Spezialgesetze zur Reaktion auf ungewöhnliche Einzelereignisse macht man auch nicht auf Vorrat, sondern hinterher. Eben weil es sich um ungewöhnliche Einzelereignisse handelt.
Nur gehörte ein Gutteil davon auf einmal zu anderen Ländern.
Eben, von solchen Perfektionsvorstellungen lösen wir uns ganz schnell, wenn es erforderlich sein sollte. Im hypothetischen Schadensszenario käme es auf den Verkehrswert nicht mehr an.
@JanG: Als ehemaliger Kernphysiker haben sie viel Ahnung von Geologie! Respekt!...wenn bloß alle Wissenschaftler so gebildet wären!!
@Sven Türpe
Sie sollten in die Politik gehen. Dann hätte der Staat keine Schulden mehr. Dafür wäre dann jeder einzelne Bürger rettungslos überschuldet. Spezialgesetzgebung eben.
Und nun die Gretchenfrage : " Wie halten Sie es mit der Freiheit?"
Im Bedarfsfalle auch "Spezialgesetze"?
Die nehme ich mir, wieso?
Im Prinzip würds ja reichen, das Zeug so lange sicher zu lagern, bis die Raumfahrt halbwegs in Schwung kommt und es dann auf den Mond oder sonstwohin zu schmeissen. Am besten gleich in die Sonne - da störts dann wirklich niemanden mehr ;)
Aber vermutlich ist das Zeug vorher zerfallen bevor wir das hinbekommen...
@ Florian: ja, der Müll den wir in diesem Jahrhundert produzieren ist bis dahin teils zerfallen, aber vielleicht ist das ja ein hilfreicher Tipp für nachfolgende generationen. ;)
@Florian Freistetter
"Im Prinzip würds ja reichen, das Zeug so lange sicher zu lagern, bis die Raumfahrt halbwegs in Schwung kommt und es dann auf den Mond oder sonstwohin zu schmeissen."
Diese Idee hat man in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ernsthaft geprüft
(alles in die Sonne schmeissen). Bedauerlicherweise sind da dann irgendwelche Mondraketen abgestürzt und man hat von der Idee wieder Abstand genommen.
Bei einem solchen Absturz würden die radioaktiven Stoffe explosionsartig in alle Winde verstreut und das Risiko nicht mehr absehbar. Die Aufbewahrung in Berwerken erschien dann doch weniger problematisch zu sein
@Florian:
"... bis die Raumfahrt halbwegs in Schwung kommt" ist leider nicht ausreichend. Theoretisch müsste man 100% Sicherheit gewährleisten (was natürlich nicht geht). Aber um die rund 17.000 Tonnen sicher ins All (und dann weiter am besten in die Sonne) zu befördern, wären bei einer Nutzlast von 10 Tonnen (hab ich mal geschätzt, ist vielleicht auch mehr ;)) rund 1.700 Flüge alleine für Deutschland nötig. Selbst wenn "nur" einer von tausend Flügen in einer Katastrophe, also einer Explosion der Rakete endet, so wäre es auch eine Katastrophe auf der Erde: zehn Tonnen hochradioaktiver Müll der irgendwo in 15 km Höhe in der Atmosphäre verteilt wird, ist eine Sache, für die ein Begriff wie "schlimme Katastrophe" noch arg geschmeichelt wäre.
Leider ist auch ein "Abwarten" keine gute Option. Natürlich ist immer irgendwo die Hoffnung, dass die zukünftigen Generationen eine bessere Möglichkeit haben werden, mit dem Müll umzugehen. Ehrlich gesagt bin ich davon sogar überzeugt. Aber bis dahin muss der Abfall sicher gelagert werden. Und hier liegt die Crux: keiner kann eine Sicherheit geben dass eine solche sichere Lagerung gewährt werden kann. Vielleicht findet schon in 50 Jahren ein Bürgerkrieg statt. Oder Terroristen versuchen, diese Lager zu plündern oder zu bombardieren. Alles Möglichkeiten die mit Blick auf unsere Geschichte leider nicht auszuschließen sind.
Eine der obersten Prämissen, die im Rahmen der Endlagerung getroffen wurden, war der Wille, unseren Müll nicht den folgenden Generationen aufzubürden. Eine Einstellung die ich nur begrüßen kann. Und damit sind wir wieder beim Anfang: angesichts der aktuellen Möglichkeiten ist eine Verbringung des Abfalls in tiefe geologische Formationen die beste Alternative. Wobei ich hier aber schon eine Lockerung der Gesetze präferieren würde: Schweden bleibt nur eine Lagerung in Granit, die Schweiz kann nur in Ton lagern. Beides Materialien die gegenüber Salz deutliche Nachteile haben. Eine "Überführung" des Abfalls in ein Land mit Möglichkeiten wie sie Deutschland Gott sei Dank hat, wäre hier die bessere Alternative. Leider wird eine solche Überführung durch die Gesetzte verboten: Jedes Land muss seinen eigenen Müll entsorgen.
@Dr Glukose: Danke für dieses Kompliment. Nachdem ich einige Jahre an COSY in Jülich als Kernphysiker war, hat es mich vor zwei Jahren in die freie Wirtschaft in den Bereich Endlagerung "getrieben". Und mit der Zeit kommt da auch n bissl geologisches Wissen zustande ;-)
Vielleicht sind wir dann die Guten, die Terroristen gemeinerweise viel stärker als wir und schmutzige Bomben unsere einzige Rettung. Vielleicht sind es aber auch Deine Nachkommen, die den Bürgerkrieg verursachen, dann gäbe es eine einfachere Lösung für das Problem.
Nichts gegen phantasievolle Szenarien, aber ein einzelnes aus einem weiten Möglichkeitsraum eignet sich definitiv nicht als ethische Leitlinie. Bei nüchterner und umfassender Betrachtung des Problems werden wir feststellen, dass wir heute genau keine Möglichkeit haben, durch gezieltes Handeln oder Unterlassen den Ausbruch, den Verlauf oder den Ausgang eines Konfliktes 50 Jahre in der Zukunft zu beeinflussen.
@Sven Türpe
Das ist richtig und das habe ich auch gesagt: wir haben keinerlei Möglichkeiten, zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen vorherzusehen oder gar zu beeinflussen. Was wir aber vorhersagen können, ist die geologische Entwicklung eines Salzstockes. Wir können mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit sagen, dass in den entsprechenden Gebieten in den nächsten Millionen Jahren keine seismische Aktivität zu erwarten ist und auch eventuelle Eiszeiten keine Gefahr darstellen. Oder um es ganz deutlich zu sagen: Der sichere Einschluss von Abfall (ob nun radioaktiv oder chemisch-toxisch) über einen Zeitraum von einer Millionen Jahre ist heute technisch machbar.
Und da wir eben nicht vorhersehen können, wie sich im Gegensatz dazu die Menschheit entwickeln wird, muss der Müll von der Erde verschwinden solange wir die Möglichkeit haben. Ansonsten wüßte ich aber auch keinen Ausweg. In Deinen Post schreibst Du, dass ein einzelnes Szenarium sich nicht als ethische Leitlinie eignet. Meinst Du damit aber auch, dass wir dann lieber ganz die Finger von der Problematik lassen sollen und den Müll für die folgenden Generationen aufheben sollen? Oder habe ich Dich hier falsch verstanden?
Und noch ein Wort zu den phantasievollen Szenarien: der Abfall muss über einen Zeitraum von einer Millionen Jahre sicher eingeschlossen sein. Das heißt, dass für eine vernünftige Szenarienmodellierung Ereignisse betrachtet werden, deren Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb einer solchen Zeitspanne groß genug wird um diesen sicheren Einschluss zu gefährden. Ein Meteoriteneinschlag hat diese Wahrscheinlichkeit nicht, wird also in den Kriterien der Endlagerung keine Rolle spielen. Ein Bürgerkrieg hat diese Wahrscheinlichkeit, also muss auch ein solcher Fakt mit in die Planung einbezogen werden.
An dieser Stelle kommt aber in mir der Optimist hervor der sich dafür einsetzt, dass es nicht dazu kommen wird bzw. der Abfall bis dahin sicher im Boden verwart ist.
@Sven Türpe:
"Nichts gegen phantasievolle Szenarien, aber ein einzelnes aus einem weiten Möglichkeitsraum eignet sich definitiv nicht als ethische Leitlinie."
Das war ein Beispiel, um zu zeigen das der Möglichkeitsraum von uns heute nicht eingeschätzt werden kann.
Ihr Beitrag liest sich, als wollten Sie mögliche Zukunftsentwicklungen aus der heutigen Überlegung einfach streichen, da sie nicht abgeschätzt werden können. Damit macht man es sich aber zu leicht, denn es ist genau diese Unwägbarkeit gegen die ein Endlager gesichert werden müsste. Man kann doch ein Problem nicht dadurch lösen, dass man beschließt es nicht mehr zu betrachten.
@JanG in Bezug auf meinen vorhergehenden Beitrag
Ich halte nichts davon das Endlagerproblem nicht anzugehen nur weil man die Zukunft nicht abschätzen kann. Aber es ist eben auch falsch beispielsweise aus der aktuellen Nichtwirtschaftlichkeit des Abbaus bestimmter Salzvorkommen daraus zu schließen, dass dieser Abbau auch für eine sehr lange Zeit nicht wirtschaftlich bleiben wird.
Eine langfristige Lösung muss die Gefahrenquelle adressieren (bei Chemieabfällen meiner Ansicht nach auch). Der schwedische Weg an Transmutation zu forschen und die Abfälle in einer tauglichen Art und Weise zu bewahren bis man hier eine Möglichkeit gefunden hat ist meiner Ansicht nach der einzig richtige. Es kann ja auch ruhig 100 oder 200 Jahre dauern, es würde die Einlagerung trotzdem auf überschaubare Zeiträume beschränken. Durch Forschung an und mit den entsprechenden Substanzen wäre außerdem einigermaßen sichergestellt, dass das Wissen über diese Lagerstätten in dieser Zeit erhalten bleibt und die Lagerung kontinuierlich verbessert werden könnte.
Fässer in ein Salzbergwerk zu kippen und das ganze mit Salzbeton auszugießen dagegen würde jede spätere Behandlung deutlich erschweren und ist meiner Ansicht nach Ausdruck einer Nach-mir-die-Sintflut-Haltung.
@Kaukomieli
Hier haben Sie mich missverstanden. Ich habe ja im Beitrag vom 21.01. 16:03 geschrieben, dass es durchaus sein kann, dass ausgerechnet dieser Salzstock in einer nahen oder fernen Zukunft abgebaut wird. Nur sollte das eben kein Grund sein, die ganze Sache an sich aufzugeben.
Was die Transmutation angeht: ein schwedischer Weg ist das nicht ausschließlich. Immerhin forschen hier ne ganze Menge anderer Länder mit. Das Problem ist aber, dass es bisher nur Grundlagenforschung ist. Ob und wann es denn in die Anwendung geht, weiß bisher noch keiner. Vorsichtige Stimmen nennen die Mitte des Jahrhunderts. Aber wie gesagt: nichts Genaues weiß man nicht. Und leider wird hier in Deutschland dieser Weg der Forschung zusätzlich erschwert: um nämlich auf dem Gebiet der Transmutation zu forschen, brauchen wir Wiederaufarbeitungsanlagen. Leider gibt es genug Leute die es immer wieder erfolgreich schaffen, den Bau solcher Anlagen zu verhindern.
Außerdem ist diese ganze Haltung („die zukünftigen Generationen werden das schon machen“) meines Erachtens sehr gefährlich denn sie verleitet dazu, das Problem immer wieder zu vertagen. Und dann passiert es doch irgendwann mal dass ein paar durchgeknallte Fundamentalisten so ein Zwischenlager sprengen.
Und auch wenn die Transmutation funktionieren würde, um ein Endlager kämen wir ja doch nicht herum. Ein gewisser Rest verbleibt nun mal und der muss dann trotzdem althergebracht entsorgt werden. Und hier gehen auch die Schweden den ganz normalen Weg und sind auf Standortsuche. Allerdings in Granit, eine andere Wahl haben sie ja leider nicht.
Übrigens, ganz so wie Sie schreiben, ist es nicht. Eine Nach-uns-die-Sintflut-Einstellung hatten wir schon, diese hat uns die Asse beschert. Nach meiner eigenen Erfahrung aber hat doch ein großer Teil der an diesen Projekten beteiligten Wissenschaftler aus diesen Fehlern gelernt und es wird zum Teil sehr sorgfältig vorgegangen. Und am Ende soll dann mal ein Endlager entstehen bei dem der Gedanke einer Rückholung oder einer weiteren Behandlung keine Rolle mehr spielt.
Wir reden hier von einem Szenario, bei dem eine zukünftige Generation nicht nur nicht mehr weiß wo, sondern dass überhaupt radioaktiver Müll vergraben wurde. Diese Generation weiß nichts mehr über Radioaktivität, kann diese also auch nicht messen, ist aber in der Lage Bergbau in über 500 m Tiefe zu betreiben. Und das nicht um Bodenschätze zu finden (denn es werden zu diesem Zeitpunkt keine mehr vorhanden sein) sondern nur aus Neugier, weil man festgestellt hat, dass dort schon jemand vor einem ein Loch gebuddelt hat. Die Frage ist, wie realistisch ein solches Szenario ist.
Hallo leute
ich bin neu auf diese Seite gestoßen würde aber trotzdem mal gerne zum nachdenken anregen und mitdisskutieren.
gibt es irgendwas was ich beachten muss wenn ich hier kommentare verfasse????
egal zum thema:
1. ich glaube da brauchen wir nichtmal 800 Jahre warten wir wissen ja schon heute nichtmehr wo einige gesunkene Atom.Uboote von vor 60! Jahren liegen.
2. Gab es schonmal den Vorschlag den Atommüll einfach mit einer Rakete ins Weltall zu Schiesen und in der Sonne Verglühen zu lassen??? muss ja keine Extra(teure) Rakete sein kann ja "nebenbei" irgendwo mitgenomme nwerden und nach und nach verschwinden dann die reste^^
mfg
@ Max: beachten musst du nicht viel, außer der üblichen Nettiquette und es empfiehlt sich natürlich, die bereits geposteten Kommentare zu lesen, aber ich geh mal davon aus, dass du das getan hast ;)
zu 1. U-Boote bringen eine Schwierigkeit mit sich, die uns Endlager ersparen, denn wir wussten von Anfang an nicht, wo sie auf den Grund gegangen sind. Wenn man dann noch das Meer wüten lässt, so entsteht ein viel größerer Radius in dem sich das U-Boot befinden könnte. Es sind also nicht nur die Koordinaten sondern auch die Tiefe unbekannt. Ein Endlager hingegen steht ja, ohne den Gezeiten ausgesetzt zu sein. Es ginge insofern hauptsächlich um die Weitergabe dieses Wissens vin Generation zu Generation. Und ebendiese hinterfrage ich.
zu 2. Ja, solche Vorschläge gab es. Soweit ich weiß, kostet das Abschießen einer Rakete mehr Energie, als der abtransportierte Atommüll zuvor an Energie eingebracht hat. Die Rechnung ginge also nicht auf. Was das "nebenbei" mitnehmen anbetrifft, bin ich mir nicht sicher, wie problematisch das würde, bzw. ob es sich rechnen würde, denn man müsste für ein "nebenbei" ja nur kleine Mengen mitnehmen, und dann stellt sich die Frage, ob sich der Atommüll nicht dennoch weiterhin häufen würde.
Dazu kommt - nur als kleiner Einwurf - , daß nicht jeder Raketenstart erfolgreich verläuft. Und DIE Schweinerei will und kann keiner aufwischen.
Irgendjemand hatte auch schon einmal die Idee, ein passende Religion zu gründen - schließlich haben Religionen als gesellschaftliche Konstrukte die längste Haltbarkeit (ich kann mich auch an ein entsprechendes Computerspiel aus den 80ern erinnern...).
Ich glaube auch nicht, dass es eine Möglichkeit gibt, die in Frage stehenden Zeiträume zu überblicken. Daher muss die Endlagerlösung auch nicht für diese "Ewigkeit" ausgelegt sein, sondern sie muss so lange halten, bis es eine bessere techniche Lösung gibt. Leider wissen wir nicht, wann und wie oft das passieren wird. Daraus ergeben sich mMn. zwei Folgerungen:
1. Die Endlagerung muss zugänglich sein, um neue Techniken einzusetzen (was ein gewisser Widerspruch zur Idee einer "End"lagerung an sich ist).
2. Es muss kontinuierlich an einer verbesserten Handhabung der Abfälle geforscht werden, mit dem Ziel, den Abfall tatsächlich zu neutralisieren.
Aus der ganzen Unsicherheit folgt ein Drittes:
Wir sollten endlich aufhören massenweise diesen Abfall zu produzieren, nur um ein wenig heute billigeren Strom zu erzeugen bzw. die Eigentümer der entsprechenden Kraftwerke mit hohen Renditen zu beglücken...
Im Prinzip ist ein ordentlich verfülltes Endlager immer zugänglich, wenn man nur bereit ist, ein komplett neues Bergwerk aufzufahren. Den Abfall bewusst rückholbar endzulagern bedeutet immer auch Kompromisse bei der Sicherheit. International plant das auch niemand wirklich auf Dauer. Rückholbarkeit ist immer nur für einen bestimmten Zeitraum bis zum endgültigen Verschluss eines Endlagers vorgesehen.
Für die Sicherheit wird die Transmutation nicht so viel beitragen, wie oft geglaubt wird. Ich tausche eine geringere Aktivität innerhalb eines Endlagers gegen einen beindruckenden industriellen Komplex über Tage mit allen dazugehörigen Risiken. Wie ich finde, ist das ein schlechter Tausch!
Die Frage ist auch, ob 800m tief vergrabener Atommüll wirklich noch gefährlicher ist, als ein paar durch die nächste Eiszeit schön verschmierte Hausmülldeponien und ob die Diskussion zu dem Thema richtig gewichtet wird.
Wieso mit Raketen ins All schicken? Lasst uns eine große Kanone bauen, die Urangeschosse mit Fluchtgeschwindigkeit Richtung Sonne schießt.
sehr interessanter bericht zu dem thema atomkraftwerke in deutschland:
http://www3.ndr.de/sendungen/45_min/videos/atomluege114.html
besonders schön find ich den part wo gefragt wurde was in einem störfall passieren wird. mhh zum glück passiert das ja bei unseren kraftwerken nie. und das ist auch gut so!!!!
http://www.bewusst.tv/natur-umwelt/friedlich-in-die-katastrophe
Kommt zwar von einer Esoterikseite, dieses Interview ist aber wirklich interessant da es mit einem der bekanntesten Atomkraftgegner geführt wird.
"Regierung verdreifacht Atommüll" schreibt die Frankfurter Rundschau am 7.9.2010. Aber die Endlagerung ist bei weitem nicht geklärt. Die langfristigen Kosten, wir müssen hier wegen der extrem langen Halbwertzeiten in Jahrtausenden kalkulieren, werden noch unseren Ur-Ur-Ur-Enkeln schlaflose Nächte bereiten. Während die Energiegewinnung durch Solarmodule oder Windanlagen vollkommen umweltfreundlich ist, wird weiter auf die überaus problematische Atomkraft gesetzt, bzw. die Profitsucht der Energieversorger unterstützt. Ich wage zu behaupten, dass die Kosten für die Endlagerung weit höher sind, als eine sofortige Umstellung auf alternative Energiegewinnung. Die Bundeskanzlerin ist eine studierte Physikerin und sollte NEIN sagen zur Verlängerung von Laufzeiten für Atomkraftwerke und JA sagen zur Beibehaltung der Höhe der Einspeisevergütung für alternative Stromgewinnung.