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"Was ist schön?" In diesem Blog machen wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf diese Frage, die so alt ist wie die Menschheit.
Welche Schönheitsideale prägten die Antike? Wie verändern sich die Vorstellungen von dem, was als schön gilt? Gibt es Konstanten, die unser ästhetisches Urteil bestimmen? Und wie erklärt die moderne Wissenschaft, weshalb es so menschlich ist, nach Schönheit zu streben?
Am Ende werden wir vermutlich nicht eine, sondern viele Antworten haben...
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10.01.11 · 06:24 Uhr
Schönheit schärft den Blick des Betrachters
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 1
"To me, Beauty is the wonder of wonders. It is only shallow people who do not judge by appearances." Für mich ist Schönheit das Wunder aller Wunder. Nur hohle Menschen urteilen nicht nach dem Schein.Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray
Das Urteil des Paris, Peter Paul Rubens (ca. 1638), Museo del Prado, Madrid
Zugegeben: Kaum jemand wird öfter falsch aus dem Zusammenhang heraus zitiert als Wilde (auch obiges Zitat stammt von einer negativ besetzten Figur des Romans, dem dekadenten Lebemann Lord Henry Wotton). Aber wenn man einem neuen Paper glauben darf, das im aktuellen Journal Psychological Science erschienen ist, dann wäre zumindest ein Teil dieser Aussage richtig: dass es nicht zwingend oberflächlich sein muss, nach dem Äußeren zu urteilen. Das Paper, verfasst von Genevieve Lorenzo, Jeremy Biesanz und Lauren Human (alle drei vom Social Accuracy Lab der University of British Columbia in Vancouver), kommt zwar zu dem Schluss, dass attraktive Menschen vorteilhafter beurteilt werden - aber dass dieses Urteil eben nicht oberflächlich gefällt wird, sondern im Gegenteil das Resultat einer im Vergleich zu nicht besonders attraktiven Personen deutlich eingehenderen Betrachtung ist.
Overall, people do judge a book by its cover, but a beautiful cover prompts a closer reading, leading more physically attractive people to be seen both more positively and more accurately.
Schön wär's ja, wenn Schönheit also nicht nur oberflächlich unsere Aufmerksamkeit weckt, sondern auch tatsächlich unseren Blick schärft. Was ja auch plausibel wäre: Einer sympathischen Person widmet jeder gerne mehr Aufmerksamkeit, und gutes Aussehen macht, wie frühere Studien belegt haben, generell erst mal sympathisch. Die Frage ist nur, ob dieser schärfere Blick dann auch wirklich tiefer in die Persönlichkeit hinein sieht - und das lässt sich anhand der Studie zumindest nicht eindeutig beantworten (ich würde sogar sagen: es ist zu bezweifeln). Denn die 56 Studentinnen und 17 Studenten, die sich an den Tests beteiligt hatten, mussten zwar in kurzen und gegenseitigen Drei-Minuten-Interviews ein 21-teiligen Persönlichkeitsprofil ihres Gegenübers erstellen (und ihre Gesprächspartner zudem auf einer Attraktivitätsskala von 1 bis 7 einordnen), und in der Tat korrelieren hohe Attraktivitätswerte mit einer hohen Kongruenz zwischen dem fremd erstellten Persönlichkeitsprofil und der Eigendarstellung der Probanden. In anderen Worten: Attraktivere Menschen werden von anderen eher so gesehen, wie sie sich auch selbst sehen.
Aber das ist eben nicht deckungsgleich mit einer "objektiven" Wahrnehmung. Attraktive Menschen - genauer gesagt: solche, die sich dafür halten - haben beispielsweise auch generell ein stärkeres Selbstbewusstsein, was sich in überzeugenderer Selbstdarstellung niederschlagen kann. Aber auch das Auge des Betrachters ist hier nicht neutral: Der Sympathievorschuss, den wir attraktiven Menschen gewähren, ist in drei Minuten gewiss noch nicht aufgezehrt; unsere Bereitschaft, ein uns attraktiv erscheinendes Gegenüber so zu akzeptieren, wie es sich selbst sieht, ist größer als bei unattraktiven.
Aber sicher ist wohl, dass wir bei Schönheit gerne genauer und länger hinschauen. Was nicht immer im Interesse der Betrachteten liegen muss: Ein im November 2010 veröffentlichtes Paper mit dem Titel Don't hate me because I'm beautiful kam zum Schluss, dass attraktive Menschen vor allem bei der Jobsuche benachteiligt sein können - vorausgesetzt, die beurteilende Person (z.B. der Personalchef bzw. die Personalchefin) sind erstens vom gleichen Geschlecht und zweitens selbst nicht so attraktiv wie der Bewerber oder die Bewerberin. Der so geschärfte Blick wird quasi zum Federmesser, mit dem sich die Pfeile des Neides zuspitzen lassen.
Quellen:
- Lorenzo, G.L., Biesanz, J.C., & Human, L.J.: What is beautiful is good and more accurately understood: physical attractiveness and accuracy in first impressions of personality, Psychological Science, 21 (12), 1777-82
- Maria Agthe, Matthias Spörrle, Jon K. ManerDon't hate me because I'm beautiful: Anti-attractiveness bias in organizational evaluation and decision making, Journal of Experimental Social Psychology, Volume 46, Issue 6, November 2010, Pages 1151-1154
- Judith H. Langlois et, al: Maxims or Myths of Beauty? A Meta-Analytic and Theoretical Review, Psychological Bulletin, 2000, Vol. 126, No. 3, 390-423
- Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray
Autor: Jürgen Schönstein· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Über alle kulturellen Grenzen hinweg wird sehr oft als schön angesehen, was Gesundheit ausdrückt. Beispiel : schönes langes und glänzendes Haar .
Solche Haare haben nur Frauen, deren Hormonhaushalt ausgeglichen ist, ergo normale Empfängnis und komplikationsfreie Schwangerschaft und Geburt werden signalisiert.
Frauen, die ein bestimmtes Größenverhältnis (0,7 zu 1,0) zwischen Taille und Hüfte haben, leiden kaum unter Schwangerschafts- oder Geburtsproblemen.
All dies signalisiert Mann "Achtung! Gute Partnerin für Fortpflanzung."
Darüber braucht er nicht nachdenken, das ist ihm in die Wiege gelegt.
Natürlich gibt es neben den als schön empfundenen Anzeichen von Gesundheit auch Einflüsse der Mode. Diese können manchmal zu Zeiten so groß sein, dass sie die "natürlichen" Anzeichen von Schönheit verdecken. Aber die können sich in der Regel nicht so lange halten, wie die der Evolution.
Ach ja, selbstverständlich gibt es auch bei Männern solche Gesundheitanzeichen, die sie in den Augen der Damenwelt unwiderstehlich machen.