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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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Neues in der Kategorie Der Stern zum Wochenende

26. Juli 2008

Der Stern zum Wochenende: Heute nicht!

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 18

Diesen Samstag gibt es keinen Stern zum Wochenende. Letzte Woche hatte ich ja festgestellt, dass diese Beiträge zu den am wenigsten gelesenen gehören und hatte meine Leserinnen und Leser gefragt, ob ich stattdessen lieber etwas anderes bringen soll. Denn eine wöchentlich Serie, die sich explizit mit Astronomie beschäftigt hätte ich schon weiterhin gerne in meinem Blog (auch, weil ich das Gefühl habe, in letzter Zeit zu wenig über Astronomie geschrieben zu haben).

Wie wäre es vielleicht mit einer Serie "Neues aus der Forschung" (oder "Wochenendforschung"?) in der ich jeden Samstag einen interessanten aktuellen Beitrag aus der astronomischen Forschung kurz vorstelle? Natürlich bin ich auch offen für alle anderen realisierbaren Vorschläge! Wer Anregungen hat, kann die gerne in den Kommentaren kundtun!


Autor: Florian Freistetter· 26.07.08 · 10:19 Uhr· 18 Kommentare

19. Juli 2008

Der Stern zum Wochenende: Nunki

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

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Ich möchte diesmal den Stern mit dem hübschen Namen Nunki vorstellen. Nunki (oder auch Sigma Sagitarii) ist ein recht heller Stern zweiter Größe (seine Magnitude beträgt 2,01 mag). Sein Spektraltyp ist B3 - und damit ist er auch deutlich größer und heißer als die Sonne: er ist fünfmal größer und siebenmal schwerer als die Sonne. Seine Oberflächentemperatur beträgt über 20000 Kelvin (etwa viermal heißer als die Sonne). Wie viele andere ähnliche Sterne rotiert auch Nunki ziemlich schnell: er dreht sich mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Sekunde (720000 kmh) um seine Achse - die Sonne ist mit einer Rotationsgeschwindigkeit von 20 km/s rund hundertmal langsamer!

So große und massive Sterne wie Nunki verbrennen ihr Gas sehr viel schneller als sonnenähnliche Sterne. Deswegen ist ihre Lebensdauer auch viel kürzer: Nunki wird nur etwa 50 Millionen Jahre alt werden - die Sonne dagegen ist schon mehr als 5 Milliarden Jahre alt.

Der schöne und außergewöhnliche Name - Nunki - ist übrigens sumerischen Ursprungs und bedeutet "Herrin der Erde/Wasser der Erde".

Nunki ist der zweithellste Stern im Sternbild des Schützen und befindet sich sehr nahe an der Ekliptik. Das ist die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel und auch die Ebene, in oder nahe der sich die meisten Planeten (und der Mond) bewegen. Es kann also vorkommen, das Nunki vom Mond oder einem Planeten bedeckt wird. Wegen der speziellen Konfiguration der Planetenbahen in unserem Sonnensystem ist Nunki im Moment1 sogar der hellste Stern am Himmel, der von den äußeren Planeten bedeckt werden kann. Allerdings treten solche Ereignisse sehr selten auf. Nunki wurde das letzte Mal im Jahr 423 (am 3. September) durch einen äußeren Planeten - Mars - bedeckt. Bedeckungen durch den Mond oder innere Planeten kommen häufiger vor. Am 17. November 1981 wurde Nunki z.B. von der Venus bedeckt. Bedeckungen durch den Mond kommen noch häufiger vor. Solche Sternbedeckungen sind oft nicht leicht zu beobachten - aber für die Astronomie nicht unwichtig.

Wenn ein Stern z.B. von einem Asteroid bedeckt wird, kann man aus der Dauer der Bedeckung Rückschlüsse auf die Form des Himmelskörpers ziehen. Wenn ein Stern von einem Planeten bedeckt wird, kann man kurz vor der Bedeckung das Licht des Sterns beobachten, wie es durch die Atmosphäre des Planeten scheint. Dieses Licht kann man dann analysieren und untersuchen, welche Wellenlängenbereiche durch die Atmosphäre absorbiert worden sind. Daraus kann man feststellen, aus welchen Elementen die Atmosphäre zusammengesetzt ist. Durch Bedeckungen lassen sich die Bahnen von Himmelskörpern genauer bestimmen. Auch die Ringe von Uranus hat man entdeckt, als er 1977 einen Stern bedeckte und das Licht des Sterns kurz vor der eigentlichen Bedeckung nochmal kurz von den bis dahin unbekannten Ringen verdunkelt wurde.

Ich habe auch noch ein nettes, kurzes Video gefunden. Dort sieht man, wie Nunki am 3. März 2008 vom Mond bedeckt wurde:

Besonders für Amateurastronomen sind Sternbedeckungen immer ein lohnendes Beobachtungsprojekt - vielleicht liest hier ja jemand mit der oder die selbst ein paar schöne solche Bilder oder Videos gemacht hat?


Fußnoten: 1: "im Moment" bedeutet hier von etwa 5000 v. Chr. bis 5000 n. Chr. ;)
Dieser Beitrag ist eine Neueinstellung eines alten Beitrags aus meinem alten Blog

Autor: Florian Freistetter· 19.07.08 · 10:04 Uhr· 1 Kommentar

12. Juli 2008

Der Stern zum Wochenende: HE1327-2326

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Der Stern HE 1327-2326 ist der älteste Stern der bisher entdeckt wurde. Mit einem Alter von etwa 13 Milliarden Jahren ist er fast so alt wie das Universum selbst!

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Bild: Subaru Teleskop


HE 1327-2326 wurde 2005 unter der Leitung der Hamburger Astronomen Norbert Christlieb und Cora Fechner entdeckt im Rahmen der Hamburg/ESO-Himmelsdurchmusterung entdeckt. Aufgefallen ist der den Forschern wegen seiner extrem geringen Metallizität. Die Metallizität wird in der Astronomie verwendet um anzugeben, wie groß der Anteil an schweren Elementen in einem Stern ist. Astronomen haben hier eine etwas andere Definition von "Metall" als normalerweise üblich: Alles außer Wasserstoff und Helium wird pauschal als "Metall" bezeichnet. Vergleicht man nun die Metallizität von HE 1327-2326 mit der der Sonne, dann zeigt sich, dass sie etwa dreihundertausendmal geringer ist! Was lässt sich daraus folgern?

Dazu muss man erst einmal verstehen, wo die schweren Elemente überhaupt herkommen. Nach dem Urknall waren im Universum nur die beiden leichtesten Elemente vorhanden: Wasserstoff und Helium. Daraus formten sich dann die allerersten Sterne (die sg. Population III). Im Inneren dieser Sterne wurden nur durch Kernfusion aus Wasserstoff und Helium schwerere Elemente erzeugt. Wenn die Sterne der Population III dann ihr Leben z.B. in einer Supernova beenden, werden diese schwereren Elemente wieder ins All geschleuderte und standen dort wieder als "Baumaterial" für neue Sterne zu Verfügung. Die nächste Population der Sterne (Population II) bestanden also nicht mehr nur aus Wasserstoff und Helium sondern auch aus einer kleinen Mengen an schwereren Elementen. Auch bei diesen Sternen werden durch die Kernfusion schwerere Elemente erzeugt - diesmal noch schwerere als zuvor. Daraus haben sich dann die Sterne der Population I gebildet - wie z.B. unsere Sonne! (Daraus folgt übrigens auch, dass (fast) die komplette Materie, aus der unsere Erde und alles darauf - uns Menschen eingeschlossen - im Inneren eines Sterns entstanden ist; bei einer Supernova ins All geschleudert wurde und sich schließlich irgendwann zu einem Planeten geformt hat!).

Je weniger schwere Elemente ein Stern hat, desto älter muss er also sein. HE 1327-2326 ist bisher der Stern mit der geringsten Metallizität. Er ist kein Stern der Population III (von denen wurde bisher noch keiner entdeckt) da er ja zumindest ein paar Metalle hat - ist aber trotzdem der "Methusalem" in unserer Galaxie.

Zumindest vorerst - es warten sicherlich einige noch ältere Sterne auf ihre Entdeckung!


Ähnliche Artikel: Alle bisherigen Artikel in der Serie "Der Stern zum Wochenende"

Autor: Florian Freistetter· 12.07.08 · 10:05 Uhr· 3 Kommentare

05. Juli 2008

Der Stern zum Wochenende: Iota Horologii

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften

Iota Horologii ist ein sonnenähnlicher Stern am Südhimmel. Er ist Teil des Sternbildes Pendeluhr (auf der Südhalbkugel sind die Sternbilder oft nach technischen Geräten benannt) und etwa 51 Lichtjahre von der Erde entfernt. Dieser Stern hat einige Besonderheiten zu bieten - unter anderem einen Planeten um den vielleicht ein erdähnlicher Mond kreist.

Als Stern ist Iota Horologii der Sonne sehr ähnlich: der Spektraltyp ist der gleiche und Masse und Radius sind nur ein wenig größer als bei unsere Sonne. Und noch ein weiteres Merkmal teilen sich Iota Horologii und Sonne: Um beide Sterne kreisen Planeten!

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1998 (nur 3 Jahre nachdem der erste Exoplanet entdeckt wurde) konnte auch bei Iota Horologii ein Planet gefunden werden (an der Entdeckung war übrigens auch ein Freund von mir beteiligt, der damals seine Doktorarbeit an der Universität Wien geschrieben hat). Dieser Planet (Iota Hor b) hat etwa die doppelte Masse von Jupiter und befindet sich fast genau so weit von Iota Horologii entfernt wie die Erde von unserer Sonne. Und da Iota Horologii ja der Sonne sehr ähnlich ist, befindet sich der Planet - genauso wie unsere Erde - in der sg. habitablen Zone - also der Bereich um einen Stern, in dem theoretisch Leben auf einem Planeten existieren könnte! Iota Hor b ist allerdings ein Gasriese - er hat keine feste Oberfläche und Leben kann dort nicht existieren. Wenn Iota Hor b aber, so wie Jupiter oder Saturn, einen oder mehr größere Monde hat, dann könnten dort unter Umständen erdähnliche Bedingungen herrschen.

Im Jahr 2000 wurde eine weitere Ähnlichkeit mit unserem Sonnensystem festgestellt: etwa 65 Astronomische Einheiten von Iota Horologii entfernt hatte man eine Staubscheibe entdeckt (siehe dazu auch meinen Beitrag über Beta Pictoris) - ein deutlicher Hinweis auf einen Asteroidengürtel. Und auch in unserem Sonnensystem befindet sich ja bei etwa 50 Astronomischen Einheiten ein Asteroidengürtel (Kuipergürtel). Leider hat sich ein Jahr später herausgestellt, dass es sich bei der "Entdeckung" um einen Instrumentenfehler handelte...

Iota Horologii bleibt aber weiter ein interessanter Stern. Mitte April gab es eine neue Pressemeldung der ESO (Europäische Südsternwarte): diesmal ging es um die Herkunft von Iota Horologii. Ein Stern steht ja nicht still am Himmel (das - veraltete - Wort "Fixstern" ist hier ein bisschen irreführend) sondern bewegt sich durch unsere Milchstrasse. Iota Horologii ist Teil eines sg. Bewegungssternhaufen. Das ist eine Gruppe von Sternen, die sich alle in die gleiche Richtung am Himmel bewegen. Iota Horologii bewegt sich zwar auf die gleiche Art und Weise wie die Sterne der Hyaden - ist aber sehr weit von ihnen entfernt.

Aktuelle asteroseismologische Untersuchungen konnten nun neue Hinweise auf die Entstehung von Iota Horologii bringen. Asteroseismologie funktioniert im Prinzip so wie die Seismologie auf der Erde: hier probiert man ja aus den Schwingungen (die z.B. bei Erdbeben entstehen) Informationen über das unbeobachtbare Innere der Erde abzuleiten. Genau das selbe kann man auch bei Sternen machen. Hier ist es natürlich schwieriger, die Schwingungen zu messen - aber mit ein bisschen Mühe klappt es doch.

Wenn ein Stern schwingt, dann gibt es von der Erde aus gesehen Bereiche an der Sternoberfläche, die sich auf uns zubewegen und Bereiche, die sich von uns wegbewegen. Dadurch verschiebt sich auch die Frequenz des empfangenen Lichts ein klein wenig - und diese Verschiebung kann man messen. Sylvie Vauclair von der Universität Toulouse und ihre Mitarbeiter haben genau das gemacht und bis zu 25 verschiedene Schwingungen bei Iota Horologii identifiziert.

"Diese Ergebnisse zeigen wie gut die Asteroseismologie funktioniert. Sie zeigen auch, das Iota Horologii die selbe Häufigkeit an Metallen und das selbe Alter wie die anderen Sterne im Hyaden-Haufen hat. Das kann kein Zufall sein."

sagt Vauclair.

Durch die Messungen konnte nicht nur die Metallhäufigkeit sondern auch die Temperatur (6150 K) und das Alter (625 Millionen Jahre) von Iota Horologii besser bestimmt werden. Diese Werte stimmen alle mit denen der Hyaden überein - der Stern muss also gemeinsam mit ihnen entstanden sein. Im Laufe der Zeit hat er sich aber von seinen "Geschwistern" entfernt und befindet sich heute etwa 130 Lichtjahre von seinem Geburtsort entfernt!


Ähnliche Artikel: Alle bisherigen Artikel in der Reihe "Der Stern zum Wochenende"



Autor: Florian Freistetter· 05.07.08 · 16:57 Uhr· 0 Kommentare

28. Juni 2008

Der Stern zum Wochenende: S2

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Der Stern mit dem Namen S2 ist eigentlich nicht außergewöhnlich. Er befindet sich allerdings fast im Zentrum unserer Milchstrasse. Und durch die Beobachtung seiner Bewegung konnte nachgewiesen werden, dass sich in diesem Zentrum ein supermassives schwarzes Loch befinden muss!

Das sich in den Zentren der Galaxien sehr große schwarze Löcher befinden haben die Astronomen schon seit einiger Zeit aus theoretischen Überlegungen abgeleitet. Direkt beobachtet werden konnte so ein schwarzes Loch aber natürlich noch nicht. Dort, wo sich das Zentrum unserer Milchstrasse befindet konnte allerdings eine starke Radioquelle ausgemacht werden. Dieses Objekt - Sagittarius A* (SgrA*) - ist vermutlich das schwarze Loch. Diese wunderbare Aufnahme zeigt das Zentrum unserer Milchstrasse und die Position von SgrA*:

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Bild: European Southern Observatory/ Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik

Für einen eindeutigen Beweis dafür, dass SgrA* ein schwarzes Loch ist müssen aber erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Ein Team des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) in München hat daher das Zentrum unserer eigenen Milchstrasse genauer unter die Lupe genommen. Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO konnten hochauflösende Bilder der galaktischen Zentralregion gewonnen werden. Diese Aufnahmen wurden mit älteren Radiodaten kombiniert. Auf diese Weise erhielten die Forscher einen Überblick über die Bewegung der Sterne über einen Zeitraum von 10 Jahren. Dabei machten sie eine überraschende Entdeckung: der SgrA* am nächsten gelegene Stern (mit der Bezeichnung S2) bewegte sich innerhalb der 10 Jahre fast einmal um das Zentrum herum!

Eigentlich bewegen sich ja alle Sterne um das Zentrum der Milchstrasse - genauso wie sich die Planeten um die Sonne bewegen. Die meisten Sterne sind allerdings so weit vom Zentrum entfernt, dass eine Umrundung enorm lange dauert - unsere Sonne braucht dafür etwa 230 Millionen Jahre. S2 schafft das viel schneller - er braucht nur knapp 15 Jahre. Und seine Bahn um das Zentrum der Milchstrasse konnte nun durch die Forscher des MPE aufgezeichnet werden:

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S2 hat eine stark elliptische Bahn und kommt sehr nahe an SgrA* heran (siehe die rechte Grafik). Anfang 2002 war S2 nur noch 17 Lichtstunden bzw. 18 Milliarden Kilometer von SgrA* entfernt! Mit den nun bekannten Bahndaten lässt sich Masse von SgrA* berechnen: das Objekt ist etwa 3 Millionen mal schwerer als unsere Sonne! Ausserdem - und das war das wichtigste Ergebnis dieser Forschungsarbeit - kann man nun eine Obergrenze für die Ausdehnung bestimmen: SgrA* kann keinen größeren Durchmesser als 18 Milliarden Kilometer haben. Diese gewaltige Masse ist also in einem relativ kleinen Volumen konzentriert - und damit kann es sich um nichts anderes als ein schwarzes Loch handeln! Bis dahin bestand zumindest noch theoretisch die Möglichkeit, dass sich im Zentrum der Milchstrasse kein schwarzes Loch sondern z.B. eine Anhäufung von Neutronensternen oder sehr viele normalen Sternen befindet. Diese alternativen Möglichkeiten lassen sich mit den neuen Beobachtungen nicht mehr vereinbaren.

Seit diesen Beobachtungen - die schon im Jahr 2002 veröffentlicht wurden - können wir also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass sich im Zentrum unserer Milchstrasse (und auch den anderern Galaxien) ein supermassives schwarzes Loch befindet!
Für diese wichtige Entdeckung wurde Reinhard Genzel, der Leiter der Forschungsgruppe, daher auch vor 2 Wochen mit dem Shaw-Preis für Astronomie ausgezeichnet. Dieser Preis, der jährlich in den Fächern Astronomie, Mathematik und Lebenswissenschaften/Medizin vergeben wird, ist immerhin mit einem Preisgeld von einer Million US-Dollar dotiert - also kein schlechter Preis der zu Recht für eine hervorragende Forschungsarbeit vergeben wurde!



Ähnliche Artikel
: Alle Beiträge der Serie "Der Stern zum Wochenende"

Autor: Florian Freistetter· 28.06.08 · 10:33 Uhr· 2 Kommentare

20. Juni 2008

Der Stern zum Wochenende: Castor

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften

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Der Stern für dieses Wochenende ist Castor - einer der Hauptsterne im Sternbild Zwilling. Betrachtet man diesen Stern mit freiem Auge am Himmel dann erscheint er erstens sehr hell (und mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,5 Magnituden gehört er zu den hellsten am Nordhimmel) und zweitens als Einzelstern. Das ist er aber nicht - in Wirklichkeit ist Castor ein seltenes Sechsfachsternsystem! Und man findet dort wirklich alle Arten von Doppel/Mehrfachsternen, die es so gibt.

Betrachtet man Castor mit einem Teleskop, erkennt man drei einzelne Sterne (siehe Bild rechts unten): Castor A, Castor B und YY Geminorum. Aber auch diese 3 "Sterne" sind in Wirklichkeit Doppelsterne. Bei ihnen handelt es sich um sogenannte spektroskopische Doppelsterne. Das sind Sterne, die so eng umeinanderkreisen, dass sie auch mit den besten Teleskopen nicht (kaum) aufgelöst werden können. Man kann aber aus der Untersuchung der Spektrallinien feststellen, dass es sich um Doppelsterne handeln muss.

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Die beiden Sterne, aus denen sich YY Geminorum zusammensetzt sind Rote Zwerge. Das sind sehr kleine Sterne mit einer Masse die zwischen etwa 5 und 55 Prozent der Sonnenmasse liegen kann. Das besondere an diesen beiden roten Zwergen ist, dass sie sg. Bedeckungsveränderliche sind. Das bedeutet, dass von der Erde aus gesehen in regelmäßigen Abständen einer der beiden Sterne den anderen verdeckt. Betrachtet man das Licht dieses Sterns (bzw. eigentlich Sternpaars) dann erkennt man periodische Helligkeitsschwankungen. Je nachdem, welcher der beiden Sterne gerade den anderen verdeckt bzw. je nachdem ob gerade eine Bedeckung stattfindet oder nicht sehen wir von der Erde aus mehr oder weniger Licht. Aus solchen Lichtkurven lassen sich viele Informationen über die Sterne (Masse, Radius, ...) ableiten. Darum sind sie für die Stellarastronomie auch sehr wichtig. Die Leute, die den Himmel nach Exoplaneten absuchen haben für Bedeckungsveränderliche allerdings meist wenig übrig. Denn nach extrasolaren Planeten sucht man auch oft mit Hilfe von stellaren Lichtkurven - und probiert Sterne zu finden, deren Licht periodisch von einem ihn umkreisenden Planeten verdunkelt wird. Solche Lichtkurven kann man leicht mit der eines Bedeckungsveränderlichen verwechseln...

Es wäre interessant, falls man auch um einen der Sterne des Castor-Systems mal einen Planeten finden würde. Interessant vor allem mal aus dynamischer Sicht... aber wenn man sich vorstellt, wie es wäre in einem Sechsfachsternsystem zu leben, hat das auch einen gewissen Reiz ;)



Ich bin übrigens zur Zeit gerade in Hamburg - deswegen gibt es wieder nur einen Beitrag aus meinem altem Blog. Sonntag abend bin ich wieder zurück - dann kann ich auch auf eventuelle Kommentare antworten.

Autor: Florian Freistetter· 20.06.08 · 14:21 Uhr· 0 Kommentare

14. Juni 2008

Der Stern zum Wochenende: Nemesis

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 19

Nemesis ist ein Stern, den es eigentlich gar nicht gibt. Besser gesagt: man weiß nicht, ob es ihn gibt oder nicht. Einige Wissenschaftler vermuten nämlich das unsere Sonne in Wirklichkeit ein Doppelstern ist.

Artensterben und unbekannte Sterne

Anfang der achtziger Jahre veröffentlichten die Paläontologen David Raup und John Sepkoski eine Arbeit mit dem Titel "Mass Extinctions in the Marine Fossil Record". Darin untersuchten sie die zeitliche Verteilung prähistorischer Massensterben auf der Erde. Sie fanden, dass in der Vergangenheit der Erde schon 12 große Massensterben stattfanden. Und zwar nicht zu beliebigen Zeitpunkten sondern immer in einem zeitlichen Abstand von etwa 26 Millionen Jahren!

Zwei Jahre zuvor veröffentlichte Luis Alvarez gemeinsam mit seinem Vater Walter, Frank Asaro und Helen Michel seine berühmte Untersuchung über das Aussterben der Dinosaurier. In ihrem Artikel "Extraterrestrial Cause for the Cretaceous Tertiary Extinction" wiesen sie nach, dass das Massensterben vor etwa 65 Millionen Jahren dem die Dinosaurier zum Opfer fielen auf den Einschlag eines Asteroiden zurückzuführen ist.

Es lag also nahe, solche Ereignisse auch für die anderen Massensterben verantwortlich zu machen. Im Laufe der Zeit fand man auch passende Impaktsrukturen die zeitlich mit den Massensterben übereinstimmten. Das folgende Bild habe ich auf einer Konferenz bei einem Vortrag von Christian Köberl gemacht (einer der großen Experten auf dem Gebiet der Impaktforschung):

impacts.jpgMan sieht deutlich, dass in periodischen Abständen eine sehr große Zahl an (marinen) Lebewesen ausgelöscht wurde. Die roten Punkten zeigen Krater an, die zeitlich mit dem Aussterben der Tiere übereinstimmen. Allerdings existieren nur beim sg. "K/T-Ereignis" (benannt nach der geologischen Übergangsschicht zwischen Kreide und Tertiär) - dem Aussterben der Dinosaurier - genügend klare Belege um einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Einschlag des Chixulub-Asteroiden auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko herzustellen.

Raup und Sepkoski stellten die Hypothese auf, dass alle Massensterben ursächlich auf Asteroideneinschläge zurückzuführen sind. Aber was könnte der Grund dafür sein, dass Asteroiden im Abstand von 26 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen?
Wenn unsere Sonnen einen Begleiter hätte, einen anderen Stern, der sich großer Entfernung befindet aber trotzdem noch gravitativ an unser Sonnensystem gebunden ist, könnte das eine mögliche Erklärung sein! Dieser Stern würde auf seiner Bahn regelmäßig den äußeren Bereichen unseres Planetensystems nahe kommen. Dort befindet sich die sg. Oortsche Wolke. Diese "Wolke" besteht aus Unmengen von kleinen und großen Gesteinsbrocken und umgibt unser Sonnensystem kugelförmig in einem Abstand von bis zu etwa 1,5 Lichtjahren. Wenn nun ein Stern nahe an diese Wolke kommt, können seine gravitativen Störungen dafür sorgen, dass sich einige dieser Asteroiden aus der Oortschen Wolke in die innerern Bereiche unseres Sonnensystems bewegen und dort dann auch in die Nähe der Planeten bzw. der Erde kommen und schlußendlich mit ihr kollidieren.


Wo ist Nemesis?


Diesen hypothetischen Sonnenbegleiter nannte man Nemesis. Aber ausser den periodischen Abständen zwischen den prähistorischen Massensterben gab es keine weiteren Hinweise auf seine Existenz. Und müsste man einen Stern, der sich so nahe an der Sonne befindet, eigentlich nicht längst entdeckt haben?

Nicht zwingendermaßen. Natürlich kann Nemesis kein großer bzw. heller Stern sein. Aber ein kleiner Stern oder gar ein brauner Zwerg könnte durchaus noch unentdeckt sein. Der Himmel ist ziemlich groß - und wenn man auf einer Aufnahme einen schwachen Stern sieht kann man auf den ersten Blick nicht wirklich sagen, ob es sich um einen nahen, lichtschwachen oder einen fernen, leuchtstarken Stern handelt. Es ist also durchaus im Bereich des Möglichen, dass es noch einen unentdeckten Stern in unmittelbarer Nähe der Sonne gibt.
Aus den Informationen, die man durch die Periodizität der Massensterben ableiten kann, ergibt sich, dass die Bahn von Nemesis eine sehr langgestreckte Ellipse sein muss (die Exzentrizität beträgt etwa 0,7) die eine große Halbachse von etwa 100000 Astronomischen Einheiten hat (also 100000 mal länger als der Abstand zwischen Erde und Sonne). Es existieren auch noch andere Modelle mit etwas anderen Parametern - fest steht jedenfalls, das Nemesis, wenn sie den existiert eine stark elliptische Bahn haben muss.

Die Chancen, dass Nemesis tatsächlich existiert ist gering - aber die Möglichkeit besteht! Neue Teleskop-Systeme zur Himmelsdurchmusterung wie z.B. Pan-STARRS (Panoramic Survey Telescope And Rapid Response System) oder LSST (Large Synoptic Survey Telescope) könnten Nemesis finden, wenn sie denn existiert.

Allerdings ist mittlerweile längst nicht mehr sicher, dass wirklich Asteroideneinschläge für alle Artensterben verantwortlich sind. Man konnte im Laufe der Zeit auch viele andere Mechanismen identifizieren, die Massensterben verursachen. Gewaltige Vulkanausbrüche und Schwefelwasserstoffproduzierende Bakterien können genauso gefährlich sein wie Asteroiden. Auch große stellare Explosionen ("Gamma-Ray-Bursts") weit entfernt von unserem Sonnensystem haben in der Vergangenheit vielleicht Massensterben verursacht.

Das Universum ist also auf jeden Fall ein gefährlicher Platz - auch wenn keine unentdeckte Nemesis um unsere Sonne kreist.



P.S. Nicht wundern, wenn dieser Beitrag dem entsprechenden Artikel in der Wikipedia ähnelt. Den Wikipediaartikel habe ich nämlich letztes Jahr gemeinsam mit einigen Studenten im Rahmen einer Vorlesung selbst erstellt. Hier kann man sich ausnahmsweise einmal sicher sein, das dort nicht allzuviel Blödsinn steht ;)



Autor: Florian Freistetter· 14.06.08 · 16:12 Uhr· 19 Kommentare

07. Juni 2008

Der Stern zum Wochenende: Barnards Stern

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften

Barnards Stern hat einige Besonderheiten: er gehört nicht nur zu den sich am schnellsten am Himmel bewegenden Sternen - sondern war sogar das Ziel eine geplanten (aber nicht realisierten) bemannten interstellaren Weltraummission!

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Autor: Florian Freistetter· 07.06.08 · 12:10 Uhr· 0 Kommentare

31. Mai 2008

Der Stern zum Wochenende: WOH G64

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

WOH G64 ist ein wirklich großer Stern! Er ist zweitausendmal so groß wie unsere Sonne - und befindet sich außerhalb unserer Milchstrasse. Trotzdem ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn vor kurzem gelungen ein räumlich aufgelöstes Bild dieses Stern zu machen.

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Autor: Florian Freistetter· 31.05.08 · 10:45 Uhr· 2 Kommentare

24. Mai 2008

Der Stern zum Wochenende: Beta Pictoris

Kategorie: Der Stern zum Wochenende·Naturwissenschaften

Auf den ersten Blick ist Beta Pictoris ein relativ unspektakulärer Stern. Auf den zweiten Blick ist er eines der interessantesten Objekte am Himmel! Der Stern ist von einer riesigen Scheibe aus Staub umgeben - und dieser Staub enthält Informationen die darauf hindeuten, dass sich dort vielleicht auch Planeten befinden.

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Autor: Florian Freistetter· 24.05.08 · 10:00 Uhr· 0 Kommentare

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