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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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04.01.12 · 14:10 Uhr

Ein Gletscher und die Richtung der Zeit

Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 7

So richtig kalt ist dieser Winter momentan ja noch nicht (was übrigens nichts damit zu tun hat, dass die Erde heute Nacht ihren sonnennächsten Punkt erreicht). Wer Eis und Schnee sehen will, der muss in den Norden fahren oder auf hohe Berge klettern. Oder aber man fährt ganz weit in den Süden. In das südliche Argentinien zum Beispiel zum Perito-Moreno-Gletscher. Der ist wirklich atemberaubend:

Perito_Moreno_Glacier_Patagonia_Argentina_Luca_Galuzzi_2005.JPG

Bild: Luca Galuzzi, http://www.galuzzi.it, CC-BY-SA 2.5

Ich war dort leider noch nie. Dafür aber der britische Physiker Brian Cox. Dessen fantastische Fernsehserie Wonders of the Solar System hab ich hier ja schon öfter erwähnt. Die Fortsetzung "Wonders of the Universe" kenn ich bis jetzt noch nicht. Aber sie scheint ebenfalls ziemlich toll zu sein. Cox jedenfalls nimmt den Besuch beim Gletscher nicht nur zum Anlass, ein paar wunderbare Naturbilder zu zeigen, sondern auch um über die Richtung der Zeit zu reden:


Ich habe dieses Thema schon im Rahmen meiner Rezension des Buches "Der Stoff aus dem der Kosmos ist" besprochen. Die physikalischen Gesetze unterscheiden nicht zwischen Prozessen die vorwärts bzw. rückwärts in der Zeit laufen. Die Eisstücke, die von den Wellen des Sees genau auf die richtige Art und Weise angeschubst werden, um auf den Gletscher zu hüpfen und sich dort mit dem restlichen zu verbinden, widersprechen keinen physikalischen Gesetzen. Trotzdem ist es ein Prozess, der in der Natur schlicht und einfach nicht vorkommt. Genausowenig sehen wir Eiswürfel, die plötzlich aus unserem Drink kristallisieren oder Scherben, die sich zu einem Teller zusammensetzen. Das hat mit der Entropie zu tun, also dem physikalischen Maß der Ordnung (simpel gesagt) eines Systems. Zukunft ist die Richtung anwachsender Entropie. Daraus folgt, dass das Universum ganz zu Beginn einen Zustand niedriger Entropie gehabt haben muss. Das im Detail zu erläutern würde hier aber zu weit führen - ich empfehle euch nochmal das Buch von Brian Greene bzw. meine komplette Rezension dazu.

 

Autor: Florian Freistetter· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (7)

Kommentar-Direktlink Wolf· 04.01.12 · 14:52 Uhr

Wenn es um Naturbilder geht:

http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/tv-film-tipps/home-die-geschichte-einer-reise

http://www.youtube.com/watch?v=b38GerDI-jE&feature=relmfu (Kommentare einfach nicht lesen)

Ich habs letztens bei N24HD gesehen und kann nur sagen: WOW! Ganz schön Schön unsere kleine Kugel (Ok, unsere runde Kartoffel :-P )

Kommentar-Direktlink Noblinski· 04.01.12 · 15:37 Uhr

Also wenn zwischen Perihel und Aphel 5 Mill Kilometer Unterschied im Sonnenabstand liegen, das sind 3,3%, bedeutet das für den Fall, daß die Neigung der Erdachse am fernsten Punkt von der Sonne weg und im Perihel auf die Sonne zu zeigen würde, daß sich die Sonneneinstrahlung im europäischen Sommer um 11% erhöhen und im Winter um 11% vermindern würde. Ist das richtig?

Kommentar-Direktlink Schmidts Katze· 04.01.12 · 17:37 Uhr

"Die physikalischen Gesetze unterscheiden nicht zwischen Prozessen die vorwärts bzw. rückwärts in der Zeit laufen."

Ist der 2. Hauptsatz kein physikalsches Gesetz?

Kommentar-Direktlink blah· 04.01.12 · 21:58 Uhr

""Die physikalischen Gesetze unterscheiden nicht zwischen Prozessen die vorwärts bzw. rückwärts in der Zeit laufen."

Ist der 2. Hauptsatz kein physikalsches Gesetz?"

Das wurde im Artikel ungünstig vormuliert. Die Thermodynamik ist ja eine emergente Theorie.
Das faszinierende ist, dass Mechanik, Quantenmechanik, Relativitätstheorie alle Zeitinvariant sind. D.h., wenn man die Zeit rückwärts laufen lässt, bekommt man immernoch mit den Theorien vereinbare Ergebnisse.
Zur Thermodynamik gelangt man, indem man ein Ensemble von vielen Teilchen betrachtet, die alle der Mechanik, Quantenmechanik, Relativitätstheorie gehorchen, also Zeitabhängig sein sollten, was aber nicht der Fall ist.

Kommentar-Direktlink Christian Berger· 04.01.12 · 22:48 Uhr

Also ich muss ganz ehrlich sagen, ich mag seine "kleinen" Sachen lieber. Ich finde die auch wichtiger.
Beispielsweise hatte er kürzlich einen schönen Fernsehvortrag vor Prominenz gemacht. Der Titel war "A Night with the Stars". Er hat dann auch keine Experimente mit den Leuten da gemacht.
Auch gut fand ich seinen Auftritt bei "Blue Peter", einer Kindersendung die seit 1958 läuft. Das war genau die richtige Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit. Zunächst haben die alte Aufnahmen von Ihm gezeigt, als er noch als Musiker arbeitete, danach haben sie Ihm die Aufgabe gegeben, er solle Konzepte der Astrophysik in kurzer Zeit erklären. Die waren auf der Rückseite von Pappplaneten geklebt, bei denen er dann einen auswählte.
Genial ist auch "The Infinite Monkey Cage". Das ist eine Science Comedy Panel Radio Show. Das ist genial.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 04.01.12 · 23:10 Uhr

xxx

Kommentar-Direktlink Hans Hamm· 05.01.12 · 23:45 Uhr

Bisher dachte ich immer, dass die Richtung der Zeit die Lichtgeschwindigkeit ist...

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