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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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01.11.11 · 12:45 Uhr

Der Hammer und die Feder: Was fällt schneller?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 26

Ich bin sicher das dieses Experiment jeder kennt: Man lässt zwei Objekte mit unterschiedlicher Form und unterschiedlichen Gewicht fallen - was fällt schneller? Was ändert sich, wenn man das Experiment im Vakuum durchführt? Ich hab diesen Versuch in der Schule gesehen - aber wesentlich beeindruckender ist das, was Apollo-15-Astronaut David Scott 1971 live auf dem Mond vorgeführt hat (Danke an das Astronomy Picture of the Day, das mich wieder an dieses Video erinnert hat).
Scott hat einen Hammer und eine Feder und wenn er beides auf dem luftleeren Mond fallen lässt, dann erreichen sie - entgegen all unserer Alltagserfahrung - den Boden gleichzeitig:



Ein altes Video, aber doch jedesmal wieder gut!

Ich hatte mal wieder Lust, ein wenig mit Formeln zu spielen und dachte mir, es wäre ganz nett, mal aufzuschreiben, wie die Sache mathematisch aussieht. Es ist keine große Hexerei nötig, um zu sehen, dass die Masse eines Körpers tatsächlich keinen Einfluss darauf hat, mit welcher Geschwindigkeit er zu Boden fällt (im luftleeren Raum jedenfalls).

Die Formel für die Gravitationskraft ist bekannt, seit sie Isaac Newton im 17. Jahrhundert fand. Die Kraft zwischen einem Körper der Masse m und der Erde mit der Masse ME ist direkt proportional zum Produkt dieser beiden Masse und indirekt proportional zum Quadrat des Abstands (), das der Körper zur Erde hat. Die Proportionalitätskonstante G ist die Gravitationskonstante

gravformel0-1.png

Wir können die Kraft auf einen Körper der Masse m natürlich auch nach dem zweiten Newtonschen Axiom aufschreiben: Kraft ist Masse mal Beschleunigung:

gravformel0-3.png

Wenn wir uns nun auf der Erdoberfläche befinden, dann können wir als Abstand den Erdradius nehmen und wir erhalten den Wert für die Beschleunigung:

gravformel0-2.png

Es gilt also:

gravformel0.png

Wenn wir fallende Körper betrachten, dann interessiert uns aber nicht nur die Kraft, wir wollen wissen wie stark die Beschleunigung ist. Und wenn - siehe oben - Kraft gleich Masse mal Beschleunigung ist, dann muss Beschleunigung gleich Kraft durch Masse sein:

gravformel1.png

Und das war auch schon das große Geheimnis! Die Gravitationskraft hängt direkt von der Masse des Körpers ab, die Beschleunigung aber indirekt. Wenn ich also jetzt die Gravitationskraft durch die Masse dividiere um die Beschleunigung zu erhalten, dann kürzt sie sich weg. Die Beschleunigung eines Körpers im freien Fall ist also immer gleich der Schwerebeschleunigung und hängt nicht von der Masse ab:

gravformel2.png Das gilt aber nur im luftleeren Raum. Fällt ein Körper durch ein Medium wie Luft, dann wirkt ihm ein Luftwiderstand entgegen. Es gibt also nicht mehr nur die Gravitationskraft die von Bedeutung ist, sondern auch die Kraft des Luftwiderstands:

gravformel3.pngOder, wenn wir wieder F=mg einsetzen:

gravformel4.png Was den Anteil der Gravitationskraft angeht: Hier kürzt sich die Masse wieder weg.  Aber die Kraft des Luftwiderstands ist etwas komplizierter. Die Masse verschwindet hier nicht und deswegen fallen bei uns auf der Erde ein Hammer und eine Feder unterschiedlich schnell.

 

Autor: Florian Freistetter· 26 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (26)

Kommentar-Direktlink UMa· 01.11.11 · 13:54 Uhr

Auftrieb? Ok, bei normaler Umgebung eher klein, aber bei höheren Dichten?

Kommentar-Direktlink Christoph· 01.11.11 · 14:18 Uhr

Wenn man das Experiment nacheinander ausführt und misst, wie lange jeweils Hammer und Feder fallen, dann könnte es sein, dass man für den Hammer in der Tat eine kürzere Fallzeit misst.
Der Hammer zieht durch seine größere Masse den Mond stärker an als die Feder.

Kommentar-Direktlink cydonia· 01.11.11 · 14:20 Uhr

Ich meine, die Frage ist doch nur, wie die das in ihrem Mond-Studio hingekriegt haben....Der Hammer ist federleicht, ganz klar. Wissenschaftler rechnen immer nur(bei den ganzen Formeln blickt doch eh keiner durch), dabei ist die Lösung ganz einfach. Eine Rakete hätte die Erdanziehungskraft auch sowieso nie überwinden können: da muss ich nicht rechnen, dass sagt mir mein Bauchgefühl!

Kommentar-Direktlink MartinB· 01.11.11 · 14:21 Uhr

Noch einfacher wird's in der Allgemeinen Relativitätstheorie :-)
Da gibt's ja keine Schwerkraft und das Äquivalenzprinzip sorgt automatisch dafür, dass alles gleich schnell fällt:
http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2011/02/wie-man-die-raumzeit-krummt-teil-v.php

Kommentar-Direktlink Kallewirsch· 01.11.11 · 14:41 Uhr

@Christoph
Du kannst das so betrachten, musst dann aber auch zugestehen, dass der Hammer eine größere träge Masse hat und daher träger auf diese größere Kraft reagiert. Im Endeffekt kürzen sich aber diese beiden Effekte heraus und der Hammer benötigt wieder die gleiche Zeit wie die Feder um die Distanz zum Mondboden zu überwinden.

Kommentar-Direktlink 12stein· 01.11.11 · 14:45 Uhr

@Christoph· 01.11.11 · 14:18 Uhr: " Der Hammer zieht durch seine größere Masse den Mond stärker an als die Feder. "
Ja das stimmt. Gleichzeitig hat er eine grössere Trägheitsmasse und fällt daher gleichschnell wie die Feder.

Kommentar-Direktlink UMa· 01.11.11 · 14:46 Uhr

@Kallewirsch: Der Mond fällt schneller auf den Hammer zu, als auf die Feder, weil die Masse größer ist. Ich bezweifele aber, dass die Messgenauigkeit ausreicht.

Kommentar-Direktlink Christoph· 01.11.11 · 14:53 Uhr

@Kallewirsch: @12stein:

Die Beschleunigung des Hammers und der Feder wird durch g_Mond festgelegt. Aber die Beschleunigung des Mondes ist in einem Fall g_Hammer und im anderen Fall g_Feder. Und da g_Feder

Kommentar-Direktlink UMa· 01.11.11 · 14:56 Uhr

Allerding muss man dazu den Hammer beim Fallen der Feder weit entfernen. Sonst zieht der Hammer die Feder stärker an als den Mond...

Kommentar-Direktlink Christoph· 01.11.11 · 15:01 Uhr

Da ist wohl kein intelligenter Eingabefilter am Werke. Ich wollte Folgendes schreiben:

... Und da g_Feder KLEINER ALS g_Hammer, ist die Fallzeit des Hammers kürzer als die der Feder.

Inwieweit man das messen kann? Da kommen wohl bei kleinen g_Hammer und g_Feder Quanteneffekte ins Spiel. Bei größeren g_Hammer (ich denke da an g_Jupiter) wird man das schon messen können.

Kommentar-Direktlink Muddi & theBlowfish· 01.11.11 · 15:01 Uhr

...und wenn der Hammer fällt, muss man schneller den Fuss wegziehen als bei der Feder- aber das nur am Rande.

Kommentar-Direktlink Blaubaer· 01.11.11 · 16:29 Uhr

@Muddi: Ich würde den Fuss eher in der Mitte wegziehen als am Rende...

Kommentar-Direktlink Blaubaer· 01.11.11 · 16:30 Uhr

... "Rande" meinte ich :-(

Kommentar-Direktlink Kallewirsch· 01.11.11 · 16:31 Uhr

@Christoph

hmm
Der Effekt ist aber trotzdem symetrisch. Hammer und Mond bewegen sich aufeinander zu. Der Mond entsprechend weniger. Die Kraft des Hammers auf den Mond ist zwar größer als die der Feder, dafür sorgt aber die geringere Trägheit der Feder dafür, dass der Mond bis zum Kontakt eine kürzere Strecke zurücklegen muss. Anders gesagt: Die Feder kommt dem Mond weiter entgegen als der Hammer.

Kommentar-Direktlink Alexander· 01.11.11 · 16:32 Uhr

Cool. Was mich vor allem beindruckt, ist, dass man schön sieht, dass Hammer und Feder merklich langsamer fallen als auf der Erde.
Und was man heute alles an didaktischer Wissensvermittlung machen könnte, wenn Mensch sich mal darauf verständigen würde, wieder in die bemannte Raumfahrt zum Mond und zum Mars zu investieren.

Kommentar-Direktlink nihil jie· 01.11.11 · 17:13 Uhr

@MartinB

Noch einfacher wird's in der Allgemeinen Relativitätstheorie :-) Da gibt's ja keine Schwerkraft [...]

da gibt es aber auch keine Hämmer und Federn ;)

Kommentar-Direktlink Christoph· 01.11.11 · 18:03 Uhr

@Kallewirsch:

Der Witz an der Rechnung in diesem Blogpost ist ja, dass die Beschleunigung des Hammers nicht von seiner Masse abhängt. Nur von der Masse des Gegenübers. So wird der Hammer auf der Erde mit g und auf dem Mond mit g_Mond angezogen. Für den Mond entstehen aber unterschiedliche Beschleunigungen je nach Objekt. Und wenn man dann einmal die Beschleunigung des Mondes jeweils berechnet hat, dann spielt die Masse keine Rolle mehr.

Deine Beobachtung ist ja richtig. Wenn man mal die Bewegungen übereinanderlegt: Wenn der Hammer den Mond berührt, ist die Feder auf der gleichen Stelle wie der Hammer. Nur im Federexperiment ist der Mond noch nicht so weit entgegengekommen. Die Zeit, die benötigt wird, um diese Lücke zu schliessen, ist die Zeit, die die Feder länger zum Fallen benötigt.

Kommentar-Direktlink Maligne Logorrhöe· 01.11.11 · 20:01 Uhr

Nun, das Experiment mag auf dem Mond funktionieren. Hier auf der Erde ist es etwas anders:
Durch Beobachten vieler Arten von erdeingeborenen Bauarbeitern kann ich sagen, dass um 4 definitiv der Hammer fällt, egal wer sonst noch eine Feder fallen lässt. Allerdings soll ja die Feder mächtiger (schwerer ?) als das Schwert sein. Wenn man jetzt noch wüsste was für das für ein Schwert ist (Zwei- oder Ein-Händer etc) und damit den Handwerker bedroht, dann, ja dann könnte es aber noch viel komplizierter sein oder zumindest für eine Einweisung in einen gefederten Raum (Gummizelle) reichen...

Allen noch einen schönen Abend

Kommentar-Direktlink BreitSide· 01.11.11 · 20:18 Uhr

@ML: dafür sind Bauarbeiter gut für Olympia gerüstet. Jedenfalls die von der Gewerkschaft. Ende des entsprechenden Witzes: "Vatta hat imma gesaacht, wenn Dir einer ein Hamma in die Hand drückt, wirf ihn gaaanz weit wech."

Kommentar-Direktlink Christian Berger· 01.11.11 · 20:29 Uhr

Ich bin schon versucht, das Video so zu scheiden, dass es während des Falles immer langsamer läuft, und somit aus der Beschleunigung eine gleichmäßige Bewegung wird.

Ich glaube damit könnte man eine Menge neuer Verschwörungstheorien machen.

Kommentar-Direktlink Christian Berger· 01.11.11 · 20:38 Uhr

Entschuldigung, ich habe mich da verschrieben. Ich habe _überlegt_ das Video so zu schneiden, nicht _versucht_. Entschuldigung

Kommentar-Direktlink commonsense· 01.11.11 · 21:05 Uhr

Im Artikel ist eine Ungenauigkeit: Das 2. Axiom von Newton ist nicht F=mg, sondern F=ma. Der Unterschied ist einfach, dass F=ma eine Verknüpfung von Ursache F und Wirkung a darstellt. Dagegen ist F=mg einfach ein Ausdruck für die Gewichtskraft.

Author Profile Page Florian Freistetter· 01.11.11 · 21:34 Uhr

@commonsense: "Das 2. Axiom von Newton ist nicht F=mg, sondern F=ma. "

Das hab ich auch nicht behauptet, sondern:

Wir können die Kraft auf einen Körper der Masse m natürlich auch nach dem zweiten Newtonschen Axiom aufschreiben: Kraft ist Masse mal Beschleunigung

Es steht also explizit da, dass F=ma. Und angewandt auf den Fall der uns interessiert - die Beschleunigung im freien Fall - wird das eben zu F=mg.

Kommentar-Direktlink Thomas Wolkanowski· 01.11.11 · 22:26 Uhr

Florian hat lediglich die Gravitationskraft in die gleiche Form gebracht, wie sie auch im zweiten Newtonschen Axiom gefunden werden kann. Im zweiten Schritt setzt er dann den nun umformulierten Kraftausdruck in Newton Zwei ein und stellt fest, dass die Massen sich wegheben (vorausgesetzt natürlich, das träge und schwere Masse identisch sind...).

Anmerkung von mir: Es wäre in meinen Augen das i-Tüpfelchen, wenn man in der Zeile über der letzten Gleichung F_{g}=mg anstelle von F=mg schreiben würde...

Kommentar-Direktlink Thomas Wolkanowski· 01.11.11 · 22:30 Uhr

"dass" mit zwei "s" natürlich...

Jedesmal, wenn ich hier kommentiere, scheint mein Schreibvermögen zu klemmen...

Kommentar-Direktlink 12stein· 02.11.11 · 11:24 Uhr

Wie man hier sieht sind Dreikörperprobleme (Mond, Hammer, Feder) kompliziert.

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