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18.03.11 · 11:40 Uhr
Eine Überdosis Himmelsmechanik
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 19
Ich bin ja eigentlich Himmelsmechaniker, d.h. ich beschäftige mich mit der Dynamik von Himmelskörpern wie Asteroiden und Planeten. Und ich freue mich immer, wenn ich mal die Gelegenheit habe, an einer speziellen Konferenz für Himmelsmechanik teilnehmen zu können. Die gibt es seltener als man denken könnte - aber seit 1984 steht eine solche Konferenz als Fixpunkt auf dem Terminkalender der europäischen Himmelsmechaniker. Damals fand - die ersten Male noch in der steirischen Ramsau - das erste "Alexander von Humboldt Colloquium on Celestial Mechanics (HCM)" statt und wird seitdem alle 4 Jahre wiederholt.
Organisiert werden diese Treffen von der "AstroDynamicsGroup (ADG)", der Himmelsmechanik-Arbeitsgruppe der Universitätssternwarte Wien (dort habe auch ich meine Diplom- und Doktorarbeit geschrieben). Die erste Humboldt-Tagung an der ich teilgenommen habe war HCM5 im Jahr 2000 - das seit damals in Bad Hofgastein in Salzburg stattfindet - und seitdem war ich jedesmal dabei. Diese Treffen sind wirklich außergewöhnlich. Normalerweise ist man ja auf Konferenzen mit hunderten andern Wissenschaftler in großen Tagungszentren zugange; es finden oft dutzende parallele Sessions statt und es ist schwer, alles das zu sehen/hören, was man gerne möchte.
Ganz anders laufen die HCM-Tagungen ab. Hier treffen sich nur knapp 40 Himmelsmechaniker; meistens aus Europa aber ein paar aus Übersee sind auch immer dabei. Alle wohnen gemeinsam im gleichen Hotel (das für diese Woche dann auch quasi komplett uns gehört); essen dort und dort finden auch die Vorträge statt. Im Gegensatz zu anderen Konferenzen gibt es bei den HCM-Treffen Vorträge immer Vormittags und Abends und die Nachmittage sind frei. Das bedeutet, dass man sehr viel Zeit hat, um mit den Kollegen zu diskutieren, zu arbeiten, mal gemeinsam wandern oder skifahren zu gehen - und auf diese Art sehr viel mehr zu lernen als man es bei normalen Konferenzen tun würde!
Eigentlich sollte HCM8 nach Plan ja erst nächstes Jahr stattfinden. Aber Rudolf Dvorak, Leiter der AstroDynamicsGroup geht demnächst in Pension und deswegen wurde die Konferenz ein Jahr vorverlegt. Leider wird es auch das letzte Mal sein, dass wir uns alle in Bad Hofgastein treffen... denn wenn Rudi einmal weg ist, dann wird die Arbeitsgruppe wohl ebenfalls nicht mehr lange existieren - die frei werdenden Stelle an der Unisternwarte Wien wird wohl nicht mehr mit einem Himmelsmechaniker nachbesetzt werden.
Deswegen freue ich mich umso mehr, dass ich beim letzten Humboldt-Colloquium dabei sein kann. Sonntag geht es los und dann steht eine Woche lang Himmelsmechanik auf dem Programm! Das Treffen steht diesmal unter dem Motto "8th Alexander von Humboldt Colloquium for Celestial Mechanics - Resonances in n-body systems" und das Programm klingt spannend (ok, zumindest dann wenn man Himmelsmechaniker ist ;) ). Ich werde natürlich die Gelegenheit nutzen und dieganze nächste Woche von der Konferenz berichten und die interessantesten Vorträge für euch zusammenfassen.
Und falls jemand interessiert ist - hier sind die Folien zu dem Vortrag den ich halten werde (obwohl sie vielleicht ohne weitere Erläuterungen nicht so einfach zu verstehen sind):
Also: bis Sonntag in Salzburg! (und wer bis dahin nicht warten kann, der kann ja schauen, was ich vor 3 Jahren über HCM7 gebloggt habe).
Autor: Florian Freistetter· 19 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (19)
Okay, ich verstehe nicht viel, aber es geht offensichtlich um Wespen und Dynamit. Die Schädlingsbekämpfungsmethoden werden auch immer extremer..... ;)
hmh ist doch nur ne ausrede um sich ordentlich einen geben
Sorry, ich kann die Zahlen auf den Achsen der Diagramme im Vortrag kaum lesen. Bei wieviel AU ist denn jetzt die 2:1 Resonanz? Und sehe ich das richtig, dass WASP-3c dann ein höchstens ein neptunartiger Planet sein kann? Ich frag das deswegen, um abzuschätzen, wann und wie man den mit RV-Messungen auflösen könnte. Nach nem Transit werdet Ihr vermutlich selber suchen.
ich seh berge mit schneee
@Ludmila: Also die 2:1 Resonanz sitzt bei 0.0503 AU. Und nachdem was die Beobachter bis jetzt haben, hat 3c so etwa 15 Erdmassen. Der Talk und die Rechnung basieren aber auf dem Maciejewski-Paper von 2010. Mittlerweile haben die Leute einige neue Beobachtungen gemacht - aber noch nicht publiziert. Was ich aber bis jetzt weiß, haben sich die Parameter ein wenig geändert.
Wer Tippfehler findet, darf sie zwar behalten - aber vielleicht hast Du ja noch Zeit, auf Folie Nr. 6 "litertature data" in "literature data" zu ändern ... ;-)
@ Cyberdroid:
Und um Yetis. Und Pippi L. ist auch dabei.
Hmm, m_V=10.64 und nen Planet mit 15 Erdmassen bei 0.05 AU... Ad-hoc würde ich sagen: Könnte am Rand der Machbarkeit sein. Aber es ist schon einfacher was zu finden, wenn mensch weiß wonach er/sie suchen soll. Na dann: Viel Glück.
@Ludmila & Florian:
bitte weitermachen so lange es geht. ich versteh kein wort, aber es macht mich auf schräge weise an.
danke = )
OH MAN die machen das doch grade verständlich
*schnief*
Ist das ein Trend auf Tagungen, dass ein Ski-Programm angeboten wird? Ich kenn das von NIPS und Cosyne (~500 Teilnehmer, etwas größer), dass die Workshops in einem Skigebiet stattfinden. Ich dachte, die wärn damit ziemliche Ausnahmen.
@Christian A.: Also ob das Skifahren ein Trend ist, weiß ich nicht. Aber Rudi (der Organisator der HCMs) fährt gerne Ski und es kann gut sein, dass das bei der Planung des Tagungsortes und der Tagungszeit eine Rolle gespielt hat ;)
Es ist aber wirklich praktisch - denn die interessanten und wichtigen Dinge bei einer Konferenz spielen sich ja meistens nicht bei den Vorträgen ab sondern bei den Gesprächen und Aktivitäten drumherum. Und eine Ski- und Wanderregion wie das Gasteinertal bietet da natürlich super Möglichkeiten ;)
Ich hoffe, ich blamiere mich nicht unsterblich mit meiner Frage, aber was für Rechenmethoden benutzt man eigentlich für die numerische Bahnbestimmung von Himmelskörpern? In den sechziger Jahren hat Erwin Fehlberg bei der NASA alle möglichen Rechentricks ausgeknobelt, um Runge-Kutta-Verfahren z.B. achter Ordnung mit geringerem Aufwand zu berechnen. Gibt es heute was dramatisch besseres? Ist Runge-Kutta für die Himmelsmechaniker tot? Oder nutzt man unter neuen, eindrucksvollen Namen wie "Cash-Karp" immer noch dasselbe Prinzip?
Intensivhaltung von Himmelsmechaniker, eine recht spezielle Form der Monokultur ;)
@JPeelen: Ne, mit Runge-Kutta läuft da wenig... Da gibts andere Methoden. Ich hab hier was geschrieben:
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/04/mercury-ein-professionelles-programm-zur-simulation-der-planetenbewegung.php
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/05/integration-durch-differenzieren-lieintegration.php
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/03/ordnung-und-chaos-in-extrasolaren-planetensystemen-teil-1-probleme-mit-den-parametern.php
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/04/ordnung-und-chaos-in-extrasolaren-planetensystemen-teil-2-wie-man-simuliert.php
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/04/ordnung-und-chaos-in-extrasolaren-planetensystemen-teil-3-wie-misst-man-chaos.php
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/05/ordnung-und-chaos-in-extrasolaren-planetensystemen-teil-4-die-dynamik-des-tres2-systems.php
Eindeutig Chemtrails.
Schönes Wochenende
Andreas
@Florian: So, hab' jetzt mal Zeit gehabt, mir die Folien anzuschauen. Ich finde das meiste eigentlich auch ohne mündliche Erklärungen drum herum recht gut verständlich. Nur deine Diagramme sind teilweise etwas unklar ohne Erklärungen:
* Was ist auf Seite 8 auf der Hochachse aufgetragen? Da steht anscheinend e_G - naheliegend wäre also die Exzentrizität. Die ist aber ja direkt drunter schon als Farbkodierung angegeben...?
* Was genau bedeutet die Farbkodierung in den Diagrammen auf Seiten 9 bis 13 (und ähnlich wohl nochmal Seite 16 und 17)? Anscheinend wird durch die Farbe irgendwie die Stabilität der Bahn ausgedrückt (von schwarz = sehr stabil bis gelb = sehr chaotisch oder so); aber was genau bedeuten die Zahlenwerte von 0 bis 1 dann?
Im Übrigen muss ich mich Ludmila anschließen: die Achsenbeschriftungen sind leider teilweise kaum lesbar. Ich hoffe, das wird besser, wenn man die Folien an die Wand projiziert...
@Bjoern: es ist tatsächlich die Exzentrizität - auf der Achse ist die Startexzentrizität aufgetragen; die Farbe gibt die maximale Ex. an die im Lauf der Simulation erreicht wurde.
Den Vortrag hab ich gestern schon gehalten - lief sehr gut!
@Florian: Danke!