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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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26.02.11 · 10:45 Uhr

Geowissenschaften und Fossiliensuche

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

Wozu braucht man Geowissenschaften? Gut, die Frage "Wozu ist das gut?" ist eigentlich in der Wissenschaft fehl am Platz. Ok, klar ist es wichtig herauszufinden, was sich mit einem wissenschaftlichen Ergebnis anfangen lässt; was man daraus bauen kann; welche Produkte man produzieren kann; wie unser Alltag verändert werden könnte - usw. Aber als Wissenschaftler motiviert einen meistens nicht das "Wozu ist das gut?" sondern eher das "Warum ist das eigentlich so?". Aber egal - das Video (gefunden bei Mente et Malleo) das erklärt, wozu man die Geowissenschaften braucht ist trotzdem gut:


Ich finde Geologie und den ganzen Rest ja selbst äußerst interessant - habe aber leider viel zu wenig Ahnung davon. Ich probier schon seit einiger Zeit hier ein wenig was dazu zu lernen aber so einfach ist das ja dann auch nicht. Irgendwie scheint es auch sehr wenig populärwissenschaftliche Bücher über Geologie et al. zu geben. Naja - momentan übe ich auf diversen Wandereungen durch die Jenaer Hügel gerade unteren, mittleren und oberen Muschelkalk bzw. mittleren und oberen Buntsandstein auseinanderzuhalten. Und wir probieren, Fossilien zu finden (vor allem das Kind wünscht sich ja schon lange ein selbst gefundenes...)

Aber leider habe ich von dem Thema zur Zeit noch weniger Ahnung als von Geologie und daher beschränkt sich unsere Suche meist darauf, wahllos irgendwelche Steine auzuheben und ab und zu mit dem Hammer darauf herum zu klopfen. Bis jetzt waren wir mit dieser "Methode" nicht wirklich erfolgreich. Oder vielleicht doch nicht? Letztens haben wir was gefunden, dass wenn auch nicht wie Fossil zumindest doch irgendwie seltsam aussieht. Vielleicht weiß von den mitlesenden Geophysikern jemand, was sowas sein kann.

Der Stein sah so aus (und wir haben ihn an einem der typischen Muschelkalk-Hänge in Jena gefunden):

stein1.jpg

Als wir mit dem Hammer ein Stück abgeschlagen hatten, kam sowas hier zum Vorschein:

stein2.jpg

Wahrscheinlich ist das etwas völlig normales - aber wie ich schon sagte: von Steinen habe ich leider wenig Ahnung. Ich hab das komische Ding (versteinerte Bonsaihundekacke??) nochmal vergrößert (ist leider etwas unscharf):

steinzoom.jpg

Hat jemand ne Ahnung, was sowas im Inneren eines Steins zu suchen hat und wie das dort hinkommt bzw. entsteht?

Nachtrag: Ich hab noch ein bisschen weiter auf dem Ding rumgehämmert. Was wirklich in dem Stein ist, könnt ihr hier sehen.


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Autor: Florian Freistetter· 14 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (14)

Kommentar-Direktlink Lars Fischer· 26.02.11 · 11:08 Uhr

Das neue von Richard Fortey ist ziemlich gelungen.

Kommentar-Direktlink Tinschen· 26.02.11 · 11:20 Uhr

Eigentlich studiere ich Biologie aber Ich habe vergangenen Sommer mal ein Praktikum beim Eichstätter Juramuseum (dort, wo einer der Archaeopterixe aus Solnhofen gezeigt wird) gemacht und da eine Woche lang vor allem kleine Fische aus dem Jurakalk geklopft (Mein Souvenier: Orthogonikleithrus hoelli http://a4.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash2/62046_151183571579279_100000629100862_313120_5983_n.jpg). Auf den ersten Blick hätte ich gesagt, dass ich dich enttäuschen muss und du eine stinknormale Luftblase gefunden hast (so ein Paläontologe, der Touristensteinbrüche betreut muss das täglich den Leuten erklären ;) ). Eventuell hast du aber doch etwas mehr Glück, und es ist doch ein "Koprolith" (versteinerte Kacke ^^) - wobei da typischerweise auch irgendwelche Essensreste noch erkennbar wären. Dieses spiralförmige Gebilde ist durchaus etwas ungewöhnlich, aber normalerweise irrt man sich bei sowas bei seiner Wichtigkeit immer ;)

Falls es dich interessiert: Diese Kuppelform deines Steins kommt wahrscheinlich von einer Strömung im Sediment damals. Mein Grabungsleiter hat aber mal auf den 5. Blick in einem ähnlich geformten bzw. "beschatteten" (um so ein Fossil herum ist der Stein oft mal etwas anders beschaffen) Platte eine Schildkröte entdeckt!

Wahrscheinlich ist alles daran nichts, aber man weiß ja nie.. Geh mal zum Geologen/Paläontologen deines Vertrauens, der das Ding mal mit seinem Hämmerchen überprüft ;)

Author Profile Page Florian Freistetter· 26.02.11 · 11:53 Uhr

@Tinschen: Danke für die Info! Hab mir ja schon gedacht, dass das nichts ist (aber das Kind hätte so gerne, dass das eine fossile Schnecke wäre ;) ). Luftblasen kann ich mir ja vorstellen? Aber wie kommt diese "Hundehaufen"-Form zustande? Hat das irgendwas mit den Sedimenten zu tun? Aber das mit der Strömung und der Kuppelform ist schonmal cool!

Kommentar-Direktlink chrische· 26.02.11 · 11:58 Uhr

ich kenne in rudolstadt einen tollen geophysiker. ihr würdet euch bestimmt verstehen...

Kommentar-Direktlink JolietJake· 26.02.11 · 12:39 Uhr

Koprolith
Cool, das muss ich mir merken! Sowas wie "Wäre deine Aussage Jahrmillionen alt wäre sie...".


Bei meiner Mutter steht noch ein fossilierter Ammonit rum. Riesenteil, keine Ahnung wo wir den her hatten.
Unglaublich die Vorstellung, dass das Ding zig Millionen Jahre alt ist!

Ich versteh nicht, warum Esoteriker sowas nicht schon faszinierend genug finden...

Kommentar-Direktlink Andreas P.· 26.02.11 · 12:55 Uhr

@Flo
fahrt mal nach Wöllnitz (Richtung Lobeda raus, linke Seite) und von dort macht mal ne Wanderung in's Pennickental .. da gabs (oder evtl gibts immer noch) einen alten Muschelkalk Steinbruch, da hab ich als Jungspund ein paar schöne versteine Muscheln und Farne rausgeholt ... viel Glück!

Kommentar-Direktlink a· 26.02.11 · 13:03 Uhr

Hi Florian,
wie so haeufig in der Geologie kann man nur durchs Ankucken nicht so viel sagen, schon gar nicht via Fotos. ;-)
Nach Wellen- oder Stroemungsrippeln sieht das aber nicht aus. (Mach mal ne Google-Bildersuche nach "Wellenrippel")
Und dass Luftblasen erhalten bleiben, habe ich noch nie gehoert (bin aber auch kein direkter Palaeontologe. Bei der Diagenese (wenn lose Sedimente durch den hohen Druck der aufliegenden Massen (x km) zu Sedimentgestein werden, wird das alles zerdrueckt. Daher bleiben auch keine Innereien erhalten, sondern nur harte Teile (Schalen,...)
Fuer den Erhalt weicher Teile muss das Sediment SEHR fein sein, also Ton. Ferner darf es keine Stroemung geben, damit diese feinsten Teilchen nicht fortbewegt werden und damit das reduzierende Milieu nichjt durch Sauerstoff-Eintrag zerstoert wird, also etwa umgekippte Seen, Tuempel, oder Senken im Meer, wo sauerstoffarmes Tiefenwasser "steht"

Was Du in der Hand haelst, ist ein Kalkstein oder ein Mergel (=Mix aus Kalk und Sandstein), gebildet in der lichtdurchfluteten oberen Schicht eines Meeres, d.h. Kuestenbereich, Schelfgebiete, also oxidierendem Milieu, starke Stroemungen, etc.

Von der Landseite wird Sediment eingetragen (ueber die Fluesse, nahezu 100% Sand, d.h. Verwitterungsreste aus dem Landesinneren) und das vermischt sich im Meer mit dem Kalk aus abgestorbenen Organismen - und je nachdem, was ueberwiegt, bekommst Du (reiner) Kalkstein, Mergel oder (reiner) Sandstein.

Das grosse Ding ist wohl ne Muschel.

Literatur gibt es sehr viel.
Empfehlen kann ich (fuer deinen Fall) sehr (!)
Wagenbreth&Steiner (2005) Geol. Streifzuege: Eigentlich Popul-wissenschtl., aber sehr detailiert und mit sehr vielen Diagrammen UND: mit Focus auf Ost-Dtl., Thueringer Becken, etc. Gibts gebraucht bei Amazon

Ferner vielleicht Ziegler: Einfuehrung in die Palaeobiologie, Band 1 (und nur Band 1, weil Bd. 2+3 sind Spezielle Zoologie, sehr dick und nichts fuer dich ;-) ) Bd. 1 dagegen erklaert seht und gut verstaendlich die Grundlagen der Fossilienbildung, ist auch nicht sehr dick das Buch, soll heissen, man verliert sich nicht beim Lesen, gerade wenn man etwas fachfremd ist.

Allgemeines Geologie Lehrbuecher gibt es viele, viele:
Vielleicht Press&Siever: Allgemeines Geologie: Ist vom Stil ein typisches "amerikanisches" Lehrbuch, GRossformat, viele, viele Bilder, aber manches nicht sehr detailliert, (nur) fuers 1. Semester. Nachteil: ziemlich teuer, steht aber garantiert in der UB deines Vertrauens,

Vielleicht hat ja sonst noch jemand einen Buchtipp? Achja, Finger weg von div (Kinder-, Einsteiger-) Fossilienbuechern, ist rausgeschmissenes Geld: Fossis sehen sehr unterschiedlich aus, selbst wenn sie von der gleichen Art kommen, nur mit Fotos kann man nix bestimmen, man muss schon wissen, auf welche Merkmale man achten muss...

Kennst Du eigentlich den Aufschluss Westende Kleiner Hoerselberg, direkt an der A4, da gabs mal massenhaft Ammoniten...

Gruss, A.

Kommentar-Direktlink a· 26.02.11 · 13:16 Uhr

ein Nachtrag zum Koprolith: wenn Profs gut drauf sind, kriegt man das garantiert in einer Pruefung in die Hand ;-)
Eine Unterhaltung ueber die Form des Abgangs - hilft garantiert, die Aufregung zum Beginn einer Pruefung zu legen

Wie ist das bei Euch Astronomen? Ihr beginnt ne Pruefung gleich mit Themen wie der kosmologischen Konstante?

Author Profile Page Florian Freistetter· 26.02.11 · 13:58 Uhr

@a: Danke für die ausführliche Antwort! Ich werd mal schauen, ob ich ein paar von den Büchern bekomme.

Kommentar-Direktlink Tinschen· 26.02.11 · 14:22 Uhr

@A ^^ Ja ich bin ja kein Geologe ;) In Eichstätt, wo es eben den Jurakalk gibt, hab ich ständig in den oberen Schichten solche "Verwerfungen" gefunden, und die hat mir mein Grabungsleiter so erklärt ;) Hab mich wohl vom Wort "Kalk" zu sehr hinreißen lassen - dachte das wäre dann wohl überall ungefähr dasselbe, aber die Wikiseite zum Muschelkalk find ich jetzt auch für einen guten Beleg, dass diese krisselige Oberfläche da nicht nur die Kratzspuren von einem Hammer sind (Da wo ich geklopft hab, Ettling, war das Gestein ziemlich porös).
http://de.wikipedia.org/wiki/Solnhofener_Plattenkalk So sieht das bei uns überall aus ;) Wäre vielleicht auch ein nettes Urlaubsziel für so einen kleinen Fossilienfan. Dendriten, die wie kleine Pflänzchen aussehen, findet man dort massenweise und wenn man an den richtigen Stellen sucht... alle paar Jahre finden Touristen hier erstaunliche Viecher, die dann ins Juramuseum kommen...

Author Profile Page Florian Freistetter· 26.02.11 · 14:33 Uhr

So - ich hab noch ein wenig weiter auf dem Ding herum geklopft. Mit überraschenden Ergebnis...

Kommentar-Direktlink a· 26.02.11 · 14:50 Uhr

Hui, schoen... - definitiv eine Schnecke
Glueckwunsch.

Geht vielleicht in Richtung Turmschnecken (Turritella oder so aehnlich) - ist jetzt aber nur geraten, ich bin im Organischen nicht ganz so sehr beheimatet...

Du kannst Dein GLueck ja mal unter :
http://species-identification.org/
versuchen. Dann weiter zu mollusces => snails, slugs...
Aber ich glaube, auf der Seite gibt`s nur rezente Arten

Vielleicht liest hier ja ein Zoologe mit?

Kommentar-Direktlink a· 26.02.11 · 15:02 Uhr

Noch ne Bemerkung, weil das ja wie das "Innenleben" der Schnecke aussieht:
tatsaechlich sind die gesamten Innereien des Tieres sicher verwest, bevor es vollstaendig von neuem Sediment bedeckt war. Nach der Zudeckung bzw. bei der Diagenese (also SEHR viel spaeter) sind dann silikat u/o kalkreiche Loesungen im Gestein zirkuliert und haben den Hohlraum ausgefuellt. Diese (anorganischen) Minerale sind dann nach und nach ausgeschieden.
Es ist also ein Innenabdruck. Ob von der Schale auch noch was vorhanden ist oder ob diese umgewandelt wurde, kann ich auf dem Photo nicht sicher erkennen
Das Gestein selbst ist aber reiner Kalk(-stein)

Kommentar-Direktlink Ben· 26.02.11 · 16:15 Uhr

Ich würde mich bei deiner uni mal bei den geographen erkundigen, wann dort tageseqkursionen laufen mit geomorphologischem/geologischen schwerpunkt (gibt auch humangeographie, zB. stadtentwicklung etc). Jetzt anfang sommer sollten solche exkursionen stattfinden und die sind idR sehr interessant und ich denke kein dozent, der die führrung macht wird was dagegen haben, wenn du mitgehst.

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