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03.08.10 · 12:50 Uhr
Aouda: der Marsmensch am Gletscher
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Umwelt · Kommentare: 12
Erst kürzlich habe ich über die deutschen Pläne für den Bau eines Raumschiffs berichtet. Am Ende dieses Projekts soll ja ein neues Fahrzeug für die bemannte Raumfahrt stehen. Aber nicht nur Deutschland, auch Österreich beschäftigt sich mit der bemannten Raumfahrt. Bei uns ist alles ein bisschen kleiner als beim großen Nachbarn und daher baut man hier kein komplettes Raumschiff - sondern einen neuen Weltraumanzug.
Das Österreichische Weltraumforum (ÖWF) arbeitet schon seit 2007 am PolAres-Programm. Es geht um die Erforschung des Mars und darum, wie man eventuelle zukünftige bemannte Missionen dorthin am besten unterstützen kann. Deswegen sucht das ÖWF im Rahmen von PolAres zum Beispiel nach Gegenden auf der Erde, auf denen man am ehesten Bedingungen wie am Mars vorfindet. Dort können dann andere Geräte getestet werden, die vom ÖWF entwickelt werden. Ein Marsrover zum Beispiel - oder aber ein passender Anzug für den Aufenthalt am Mars!
Dieses Projekt trägt den Namen "Aouda" (benannt nach der Prinzessin aus Vernes "In 80 Tagen um die Erde") und wurde am Wochenende am Kaunertaler Gletscher in Österreich getestet. Auf 2750 Meter Höhe war es dort mit 8 Grad in etwa so warm wie im marsianischen Sommer und auch die Umgebung hatte etwas von den Felswüsten auf unserem Nachbarplaneten.
Die Anzugstester Ulrich Luger und Daniel Föger sollen aber nicht einfach nur in der Gegend rumstehen. Sondern auch tatsächlich Arbeiten erledigen wie sie später vielleicht auch am Mars anfallen. Löcher ins Eis bohren zum Beispiel:

Natürlich will man den Mars auch genau vermessen, wenn man schon mal da ist - also wurde auch getestet, ob man im Aouda-Anzug die GPR (Ground Penetration Radar) Geräte vernünftig bedienen kann und wie es sich damit so durchs Gelände klettern lässt:
Zwei Tage lang hat man am Gletscher getestet - mit Erfolg, wie ÖWF-Verantwortlicher Sebastian Sams meint:
"Noch nie haben wir den Anzug und den Testern an derartige Grenzen geführt. Jetzt wissen wir, wie weit wir mit dem Anzug gehen können was die Trittsicherheit und anspruchsvolles Terrain betrifft."
Es ist schön zu sehen, dass auch im kleinen Österreich noch Platz für vernünftige Raumfahrtprojekte ist. Und wer weiß - vielleicht tragen die zukünftigen Marsbesucher ja tatsächlich einen Anzug aus Österreich ;)
Autor: Florian Freistetter· 12 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (12)
Die Begegnung mit Leben muss der Mann aber noch üben. Das sieht auf dem Bilder ein bisschen herablassend aus.
Außerdem ist der Schnitt der Jacke weit entfernt von perfekt. Moshammer würde im Sarg rotieren, wenn er das sehen würde. Weniger Alufolie, mehr Plüsch bitte!
Warum eigentlich ist der Anzug silbern? Ich würde ja vermuten wollen, daß man Strom für die Anzugheizung sparen möchte (ich erinnere mich: jedes Kilogramm Masse, das zum Mars transportiert wird, kostet ekelhaft viel Geld) und daher den Anzug in dunklem freundlichen Schwarz designt, damit auch noch das letzte Photönchen den Weg in das gute Kleidungsstück findet und der Akku dementsprechend etwas leichter sein kann.
@Florian
Ich las auf der PolAres Seite folgendes: "The science focus is planetary protection".
Schutz des Mars?? Geht es wirklich darum?
Weil Schutz der Erde, wird ja problematischer, weil der Astronaut ja mit Staub etc das Raumschiff wieder bei Rückkehr betreten muss. Da hilft der Anzug ja weniger. Oder sehe ich das falsch?
Das sieht ja aus wie aus einem 50er Jahre Sience-Fiction-Film... Toll!!!
Danke an Astrodicticum für den Blogeintrag und es tut gut zu hören, dass es sich um ein vernünftiges Projekt handelt :-)
Zu den Fragen von den Kommentaren:
Der Anzug ist silberfarben, weil es ein Kevlar-Panox Matrix mit Aluminumbeschichtung ist. Dieses Material haben wir aus 400 verschiedenen Stoffproben ausgewählt, weil es die besten Eigenschaften hinsichtlich mechanischer und thermischer Stabilität hat und kaum Staub aufnimmt.
Womit wir auch schon bei "Planetary Protection" wären. Aouda ist tatsächlich optimiert den Übertrag von biologischen Material in beiden Richtungen zu minimieren. Damit wollen wir verhindern/untersuchen, dass wir etwa mit Bakterien von der Erde unabsichtlich Gesteinsproben vom Mars kontaminieren.
@ÖWF
Danke für die kompetente Antwort.
Noch eine Frage hinterher: Welche Möglichkeiten bestehen eigentlich, dass der Anzug überhaupt zum Einsatz kommt? Die neue NASA-Doktrin geht doch mehr zur Nutzung privatwirtschaftlicher Unternehmen über. Gibt es da schon irgendwelche Kontakte, oder ist der Anzug eher Grundlagenforschung ohne 'Verwertungsmöglichkeit'? (Für mich wäre auch das OK, weil Grundlagenforschung einfach wichtig ist, Der Return kommt später.)
mfg
MartinS
Das ganze ist nur eine nette Spielerei, ohne jeden wissenschaftlichen Nutzen. Solange der Flug zum Mars ein Himmelfahrtskommando bleibt, machen solche Sachen keinen Sinn.
@Randifan: "Das ganze ist nur eine nette Spielerei, ohne jeden wissenschaftlichen Nutzen. "
Ist gut, ich werds weiterleiten damit das ÖWF nicht unnötig weiterarbeit. Oder... vielleicht auch nicht. Wann soll man sich denn deiner Meinung nach mit Raumanzügen für Marsmissionen beschäftigen? Wenn die ersten Astronauten gelandet sind und sich überlegen, was sie jetzt anziehen?
@MartinS
Der Anzug ist ja ein Analog-Anzug d.h. der ist nicht Mars tauglich. Wir betreiben hier klassische Grundlagenforschung sind aber offen für Kooperationen (NASA, ESA etc.) und bieten unseren Anzug bzw. auch vor allem die anderen PoAlres Komponenten wie Stratosphärenballon und Rover als Testbed an.
Zudem haben wir ein Science and Technology Advisory Board dass sich aus senioren Leuten der Raumfahrtbranche zusammen setzt. (www.polares.org für detaillierte Programmbeschreibung).
Wir haben auch Kontakte zur NASA's Desert Rats Gruppe die ebenfalls Grundlagenforschung in Richtung Mars Analogforschung und Entwicklung von Raumanzügen betreiben.
@ÖWF
Nochmal danke für die Antworten.
Weitermachen!!
;-)
@ÖWF
Aber so ein paar rosarote oder hellblaue Punkte auf dem Anzug... ?
Mich machen meine hellblauen Pantoffeln ganz glücklich... und sone Reise zum Mars dauert ja... ein bisschen Farbe aufm Mars kann nicht schaden :)
@ MartinS bez Verwertbarkeit und EInsatzoptionen bei einer realen Marsexpedition: Der Anzug ist nur ein Simulator, der als Prototyp für die Grundlagenforschung gedacht ist. Wir haben aber in der wissenschaftlichen Qualitätssicherung des Programmes auch Kollegen von ESA und NASA dabei, mit denen wir uns abstimmen. Letztlich kann mit so einem Projekt ein großer Teil der Requirements für die tatsächlcihe Ausschreibung an die Industrie gemacht werden: Wir testen sozusagen, welche Technologien überhaupt Sinn machen, sie einzusetzen, was nicht funktioniert und wie man das Ding operativ einsetzt etc...