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25.06.10 · 13:48 Uhr
Kinder stellen fest: Wissenschaftler sind ganz normale Menschen
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 26
Das Klischeebild des Wissenschaflers kennt jeder: dicke Brille, Laborkittel, leicht verwirrt und dabei komplizierte Formeln an die Tafel schreibend - das ist noch die positive Variante. In der negativen Version stellt man sich irre Dr. Seltsams vor, denen alles egal ist und die keine Tabus kennen und die bei ihrer Forschung über Leichen gehen. Hollywood und Fernsehen bestärken die Menschen im Allgemeinen bei diesen Vorurteilen und die wenigsten haben die Möglichkeit herauszufinden, wie Wissenschaftler wirklich sind. Dabei ist das gar nicht so schwierig - man müsste nur mal an einer Universität vorbeischauen um zu sehen, dass Forscher im Wesentlichen auch nur ganz normale Menschen sind.
Siebtklässler in den USA haben nun genau das gemacht und die Wissenschaftler am Fermilab besucht. Und es ist äußerst interessant zu sehen, wie sich ihr Bild vom Wissenschaftler dadurch gewandelt hat...
So hat z.B. Ashley vor dem Besuch am Fermilab sich die Wissenschaftler vorgestellt:

Dazu schreibt sie:
"To me, a scientist is bald and has hair coming out of the sides of his head. . . . Scientists live in their own world and the rest of society puts them there."
Nach dem Besuch sah ihr Bild so aus:

Und sie schreibt:
"You can not judge a book by the cover!" Scientists come in all shapes and forms. Women, men, chemists, biologists, and physicists are all in the field of science."
Wie aus dem Klischeebilderbuch sieht der Wissenschaftler aus, den Amy vor dem Besuch gezeichnet hat:

"I think of a scientist as very dedicated to his work. He is kind of crazy, talking always quickly. He constantly is getting new ideas. He is always asking questions and can be annoying. He listens to others' ideas and questions them."
Nach dem Besuch hat sich ihr Bild dramatisch verändert:

"I know scientists are just normal people with a not so normal job. . . . Scientists lead a normal life outside of being a scientist. They are interested in dancing, pottery, jogging and even racquetball. Being a scientist is just another job which can be much more exciting."
Auch die restlichen Bilder und Beschreibungen sind äußerst interessant. Viele der Kinder hatten tatsächlich die üblichen (falschen) Vorstellungen über Wissenschaftler. Aber der Besuch am Fermilab erzeugte bei den meisten ein völlig neues Bild. Bei "Restructure!" gibt es dazu ein paar aufschlußreiche Statistiken: 94 Prozent der Kinder hatten vor dem Besuch die Wissenschaftler mit Laborkitteln gezeichnet - nach dem Besuch war es nur noch ein einziges Kind (3%). Und 65% der Kinder haben in ihren Beschreibungen nach dem Besuch darauf hingewiesen, dass Wissenschaftler ganz normale Menschen sind...
Interessant ist auch der Unterschied in der Auffassung der verschiedenen Geschlechter. Von den Mädchen zeichneten vor dem Besuch im Fermilab 36% eine Frau - nach dem Besuch waren es 57 Prozent! Bei den Jungen hatten vorher alle einen Mann gezeichnet - und nach dem Besuch hat sich daran nichts geändert: für sie ist ein Wissenschaftler immer noch ein Mann.
Ich finde ja, dass Kinder bzw. Jugendliche sowieso regelmäßig in Kontakt mit Wissenschaft und Wissenschaftler kommen sollten! In der Schule soll man nicht nur das Wissen selbst lernen - sondern auch erfahren, wo dieses Wissen herkommt. Wenn man sieht, wie tief verankert die Vorurteile über Wissenschaftler schon bei kleinen Kindern sitzen - und wenn man vor allem sieht, dass diese Vorurteile dann doch so leicht abzubauen sind, dann sollten Exkursionen dieser Art eigentlich verpflichtend in den Lehrplänen der Schulen vorgesehen sein! Wenn man nichts gegen diese Vorurteile tut, dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn die Kinder sie mit ins Erwachsenenleben nehmen und es dann Statistiken gibt, die zeigen, dass zwei Drittel der Deutschen meinen, Wissenschaftler könnten eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen.
Also: Lasst die Kinder in die Universitäten!
Autor: Florian Freistetter· 26 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (26)
*lächel* Bringt mich ja auf eine Idee ..
Finde den Begriff Wissenschaftler auch "zu groß" für Kids. Ich denke, die Bilder würden noch interessanter werden, wenn man die Wissenschaftler spezifiziert. "Mal doch mal einen Mathematiker oder einen Physiker"
Da mein Sohnemann nur mit Informatikern und einem Politikstudent konfrontiert worden ist, käme wahrscheinlich ein PC mit aufs Bild *gg*
Und ein Wissenschaftler brauch definitiv eine Brille, recht hatte sie !!!! :P Danke, find des süß :)
Klasse. da sieht man mal wieder, was Klischees sind, und wie schnell sie bei Kindern (Darwin sei Dank!) sich ändern können, sobald sie der eigenen Erfahrung widersprechen. Das sollte doch Anlass zur Hoffnung geben, oder?
Hoffnung, ja, auf jeden Fall. Aber wer oder was führt dazu, dass sich Klischees so lange halten?
Wissenschaft ist böse, bestenfalls irre: Das scheint in manchen Teilen der Gesellschaft Konsens zu sein. Wie können wir das ändern?
"Wissenschaft ist böse, bestenfalls irre: Das scheint in manchen Teilen der Gesellschaft Konsens zu sein. Wie können wir das ändern?"
1. Gute (!) populärwissenschaftliche Vermittlung - allerdings, wie fällt man dabei den Medien in den Arm, die aus allem doch nur wieder eine Lowbrow-Show à la "Monster-Schnitzel im Duell" oder so machen würden?
2. Reform der Lehrpläne, gezielter Rückbau der geisteswissenschaftlichen Dominanz in den Gymnasien, diesem Relikt des 19. Jh.
Etwas böswillig könnte man natürlich auch sagen, das Projekt zeigt vor allem, wie sehr geschickte (Wissenschafts-)PR insbesondere bei Kindern verfängt.
Das "nun" oben im zweiten Absatz sollte übrigens eher relativ verstanden werden: Die Zeichnungen vom Fermilab stammen (laut Webseite) aus dem März 2000 ;-)
@Alexander Stirn: Oh, dass das 2000 passiert ist, hab ich übersehen. Naja; interessant ist das trotzdem.
@Nele
Kein Geisteswissenschaften-bashing am Freitagnachmittag bitte! Und wenn, dann etwas differenzierter. Ich möchte eine praktisch orientierte und naturwisenschaftlich fundierte Philosophie auf jeden Fall in den Schulen sehen. Und die gibts immer noch nicht als reguläres Lehrfach!
genau, mehr geisteswissenschaften für die schulen, es mangelt gewaltig an logik, wissenschaftstheorie und erkenntnistheorie im allgemeinen
@Cydonia: Naja - GeWi-Bashing würde ich das nicht nennen. Prinzipiell ist es ja schon so, dass jedenfalls in Deutschland sehr viel mehr Wert auf eine geisteswissenschaftliche Bildung gesetzt wird als auf eine naturwissenschaftliche. Unter "Bildung" verstehen die meisten ja wohl auch, dass man Goethe und Schiller gelesen hat; einen Rembrandt von einem Van Gogh unterscheiden kann und weiß, wieviel Opern Beethoven geschrieben hat... Ob man eine Funktion differenzieren kann oder weiß, warum ein Flugzeug fliegt oder wie ein Mikrowellenherd funktioniert - das ist im Allgemeinen ziemlich egal. Aber in der Diskussion hier gehts ja eigentlich darum, wie man das Bild des Wissenschaftlers in der Öffentlichkeit korrekt darstellen kann. GeWi vs. NaWi ist eigentlich ein anderes Thema - es sei denn, man verwendet das Wort "Wissenschaft" exklusiv für Naturwissenschaften (womit ich auch kein allzu großes Problem hätte ;) )
Zumindest scheint keins der "vorher"-Bilder einen Geisteswissenschaftler zu zeigen. ;)
@Florian
"In der Schule soll man nicht nur das Wissen selbst lernen - sondern auch erfahren, wo dieses Wissen herkommt."
Das dürfte man ruhig mal fett schreiben. Soweit ich mich erinnern kann, wurde das während meiner Schulzeit kein einziges Mal wirklich erklärt.
@cydonia
Ach, ich denke als Magister Artium der anglistischen LitWiss und der neueren Geschichte, als Doktor der Philosophie und mit meinen Jährchen als Studienrat der Fächer Englisch, Geschichte und Latein kann ich mir die eine oder andere kleinere Unverschämtheit den Geisteswissenschaften gegenüber herausnehmen. :) Ich weiss ja ganz gut, wovon ich rede.
Ja. Die gymnasiale Ausbildungsordnung (zumindest in NRW) und der praktizierte Diskurs an den Gymnasien hier - genau wie in den anderen Bundesländern - überepräsentiert geisteswissenschaftliche Inhalte durch die Parallelisierung schon rein quantitativ. Ein Überhang von sprachlich/musisch/geisteswissenschaftlichen Fächern steht sowohl von der Zahl der Fächer als auch vom Stundenvolumen her unterrepräsentierten MINT-Fächern gegenüber. Das muss man sich mal vorstellen: im übelsten Fall lernt man in drei Fächern gleichzeitig - und wohlmöglich noch doppelt und dreifach über die Jahre hinweg, wie man Theaterstücke oder Gedichte interpretiert und lernt dabei so nützliche Fachtermini wie "Hendidyoin" oder "Synkope" auswendig, die man dann seinen Lebtag nicht mehr braucht.
Auch die innere Haltung des Schulsystem der Naturwissenschaft oder den Ingenieurswissenschaften gegenüber ist unterschwellig immer noch feindselig - letztere sind im gymnasialen Selbstverständnis de facto nicht denkbar: wieviele Werkräume gibt es denn so in einem durchschnittlichen Gymnasium, an denen die Schüler hands-on-Erfahrung mit Technik erfahren? Informatik zählt - dem bayerischen Widerstand in der KMK sei Dank! - im Fächerkanon der Prüfungsordnung immer noch nicht als Naturwissenschaft, was erst nach Jahren harten Kampfes gegen geisteswissenschaftlich gefärbte Bildungsvorstellungen allmählich aufgeweicht zu werden beginnt. Wie käme man auch dahin, das Fach, dass überall in der Welt "Computer Science" bezeichnet wird, als Wissenschaft zu betrachten - ist doch nur Rechenmaschinenbedienerei...
Neinein. Der erklatante Mangel an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern unter den Studienanfängern, unter dem wir hier in D leiden, hat schon einige hausgemachte Gründe - wobei ich natürlich auch nicht von Monokausalität reden würde.
@ perk
Ich gehe mit dir d'accord, dass es da ein Problem gibt, dem ich auch in meiner eigenen Unterrichtspraxis definitiv entgegenwirken versuche. Allerdings glaube ich kaum, dass ein "Mehr" an Geisteswissenschaft da etwas nützen würde - es gibt nämlich eine didaktische Kultur der geisteswissenschaftlichen Fächer, die ihrerseits frei-kreative Unterrichtsformen propagiert. Ob das sinnvoll ist oder nicht, ist ein anderer Acker. Jedenfalls hat das die sehr konkrete Folge, dass Abiturienten aus prüfungsstrategischen Gründen in der Kurswahl in Richtung geisteswissenschaftlicher/musischer Fächer gedrängt werden, die oft als "leichter" empfunden werden, was wiederum in der Studienfachwahl reproduziert wird. Gewisse Defizite in der Art und Weise, wie Naturwissenschaft im Gymnasium unterrichtet wird (auch hier eine etablierte didaktische Kultur!) tun da sicherlich das ihrige.
Das ganze geht jetzt schon etwas in Richtung off-topic und war jetzt auch nur auf eine Schulform gerichtet, aber ich denke, es hängt schon mit der Frage zusammen, warum die NatWissenschaften so einen geringen Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung haben. Und ich hoffe, das war jetzt differenziert genug, so dass ich mich nicht dem Vergehen des Geisteswissenschafts-bashings schuldig gemacht habe. :)
Jep Nele, da muss ich dir Recht geben. Lauter Nerds unter uns ;) Selbst in meinem Freundeskreis alles Informatiker/EDV-Techniker und leider nur zwei angehende Physiker und diese werden gleich als eignes Volk und Freaks bezeichnet.
Aber wo willst heute noch die Wissenschaftsinteressenten hernehmen? Schau dir die jungen Leut an. Die meisten müssen sehn, dass sie überhaupt einen Abschluss machen. Da wird sichs eben so einfach wie möglich gemacht.
Wir haben uns früher noch mit den Brockhaus ins Bett gelegt *grins* Heut gehts mit I-Pod ins Bett, nachdem sie sich die halbe Nacht mit WoW blöd gezockt haben.
Kann man eben nicht beeinflussen, nur bei den eigenen Kids das Bestmöglichste tun.
perk·
25.06.10 · 18:17 Uhr
macht doch nix.. ist allemal interessanter als über handgemalte bilder zu kommentieren ;)jain
ein "mehr" strebe ich nicht an.. eher eine fokusverschiebung innerhalb der schulbildung: es gibt kein fach philosophie, und damit meine ich nicht ethik und moralphilosophie die dauernd in ethik angekratzt werden sondern das für schüler wichtigste lernziel (was auch florian vorhin nannte): woher kommt wissen?
es wird zzt ja nichteinmal versucht beizubringen wie schlussfolgern funktioniert, es wird nicht trainiert wie man thesen aufstellt und aus ihnen kriterien ableiten kann an denen man sie überprüfen könnte..
ich habe das gefühl dass unter vielen menschen in deutschland die mentalität herrscht "ah da steht aussage gegen aussage also wird wohl beides irgendwie richtig sein und die wahrheit ist dann in der mitte zu finden" und dieser schwachsinn sorgt dafür dass der versuch auf naturwissenschaftlichem gebiet zu lernen gründlich in die hose geht.. man hat das gefühl, dass einem "unumstößliche wahrheiten" vorgesetzt werden, die man stur zu lernen hat und begeht gerade damit den großen fehlschluss:
man selbst hat nie analytisches logisches denken gelernt und scheitert daran erkenntnissysteme zu verstehen
nur deswegen kommt einem alles so schwer vor: man sperrt sich aus emotionalen gründen gegen wissen weil man nicht versteht wo es herkommt, wie es generiert wird und warum es überhaupt "wissen" ist..
bei mathenachhilfe hab ich immer gemerkt dass schüler fordern so wenig wie möglich gesagt zu bekommen, dass sie jeden zusätzlichen lösungsweg auf gar keinen fall wissen wollen, weil sie nie verstanden haben dass in einem konstistenten auf logik aufgebauten denksystem mehr wissen die sache nicht schwerer sondern leichter macht
in geschichte in denen man das 100.te ereignis auswendig lernt stimmt es wohl auch dass zusätzliches wissen eine belastung ist.. aber in naturwissenschaften baut alles so aufeinander auf dass man durch neues wissen in altem bestärkt wird
...
egal ich hör mal auf zusammenhanglos über die bildungsmisere zu schimpfen und prokrastiniere weiter an meiner masterarbeit vorbei...
@Perk Aber das Problem ist doch nicht nur in der Schule. Ich finds toll, wenn sich ein Lehrer da solche Gedanken macht :) Aber die Erziehenden sind immernoch die Eltern und die machen es sich doch ebenso einfach. In den meisten Familien fehlt doch ebenso das Wissen der Eltern. Wo werden denn Kinder in die Welt gesetzt? Also ich kenne viele "Akademiker", die a) gar keine Zeit zum Kinder kriegen haben b) kein Bock auf Kinder oder c) ihre Energie und ihr Leben eben mehr ihrem Intellekt widmen. Wie es bei den kinderreichen Familien aussieht, muss ich ja nicht erklären denk ich.
Und da kann selbst das Bildungssystem nix machen, wenn zuhause das Kind lieber vor den PC/Fernseh/Konsole gesetzt wird um Ruhe zu haben, weil die Eltern selbst überfordert sind (wg "Nichtwissen" oder Alltagsstress).
Ich selbst bin auch nicht wissenschaftlich begabt. Aber die Interesse ist eben da. Muss auch sagen, ich habe wirklich supertolle Lehrer gehabt in Physik und Mathematik. Gehörte zu den wenigen Mädels in meiner Schulzeit, die unter Lieblingsfach Physik und Chemie stehen hatte *g*
Aber mehr als Allgemeinwissen, soweit es ein überhaupt interessiert, war halt nichts drin vom Elternhaus her.
Ich finde, dass die Perspektivlosigkeit der Eltern leider auf die Kinder übergeht und Lehrer nicht für jedes Kind individuell da sein können. Dann reichen nichtmal 13 Jahre Schulzeit (im besten Falle) aus, geschweige denn die 9 Jahre Schulpflicht.
Und was werden später? Lehrer ist zb. mittlerweile eher ein undankbarer Beruf. Physiker? Chemiker? Biologe? Interessant in der Forschung ja, kommt man da heut noch so schnell hin?
Arzt? m.E. wie Lehrer :(
Aber vllt fehlt auch mir da die Perspektive !
Wissen fängt zuhause an und nicht in der Schule und wenn dort nichts gefördert wird, können selbst die Lehrer nichts machen, denke da haben mittlerweile auch viele Lehrer aufgegeben und rattern ihren Stoff uninteressant herunter anstatt interessant zu vermitteln, was ich ihnen noch nicht mal verübeln kann.
neugier zu wecken und den wert von erkenntnis zu setzen ist erziehungsaufgabe des zuhauses.. das seh ich auch so: aber die methode, den überblick und die einordnung sollte die schule leisten
Hmh Überblick okay, aber woher nehmen, wenn die Lehrenden selbst keinen mehr haben?
Aber Methode? Darf ich wissen, wie du das meinst?
Das, was ich vermute, was du meinst ist nicht machbar und das ist auch gut so. Ich denke, dass jedes Kind individuelle Talente, Interessen und Wünsche hat und da ist es wieder Aufgabe der Eltern diese zu erkennen und zu fördern.
@perk:
Langsam, langsam, langsam ... ;) Ich lese wahnsinnig gerne Bücher über Spätantike und Mittelalter, und es ist ganz bestimmt ein Vorteil, Ereignisse in einen Kontext einordnen zu können. Wenn man weiß, bis wann Attila gelebt hat (und was danach mit seinem Reich passierte), dann ist der Tod des Aetius eine relativ natürliche Folgerung ;) Das ist ein interessanter Gedanke. Ich habe dieses Jahr zwei Leuten Nachhilfe gegeben, und mein Eindruck war, dass eine der Schwierigkeiten ein Abstraktionsproblem ist ("Nein, Vektoren werden mit Klein-, und Punkte mit Großbuchstaben bezeichnet!"). Das haut wahrscheinlich in die gleiche Kerbe, dass die Mathematik nämlich als eine sehr schematische Betätigung verstanden wird, wo die Lösungsvorschrift überall nach Schema F angewandt werden muss.Vielleicht hilft mir deine Bemerkung, meine Nachhilfe abwechslungsreicher zu gestalten ;)
Bildung ist so ähnlich wie Essen: Ausgewogen sollte es sein.
Erkenntnis- und Wissensbildungstheorie in der Schule, ja, dass wär mal was!
Ich weiß nicht, wie es früher in der Lehrerausbildung war, wenn sie aber ähnlich stattfand, wie heute, dann seh ich auch da schon eins der Grundprobleme: Zwei meiner Freunde werden Mathe- respektive Physiklehrer und bekommen an der Uni auch hauptsächlich Dinge nach dem Schema "das sind die Fakten und so vermittelt man sie einigermaßen didaktisch sinnvoll" eingetrichtert, wobei der letzzte Teil wahrscheinlich gar nicht so schlecht ist. Wenn ich den Teil "wissenschaftlich arbeiten", besonders im Vergleich zur reinen Physikerausbildung, anschaue, dann gibt es da dann doch auch erheblichen Nachholbedarf, wie ich finde.
Und jeah, GeWi-Bashing! Nieder mit fünfhebigen Trochäen und ähnlichem Schnickschnack. Wär zB im Deutschunterricht nicht ein vertiefender inhaltlicher Diskurs über gelesene Gedichte viel interessanter als ausgedehnte Formanalysen? ^^
Ein kleines bisschen off-topic ist die Diskussion natürlich schon, gefällt mir aber ausnehmend gut!
@Nele & alii
Klar, Synkope, Jamben etc., das braucht kaum jemand, und im Großen und Ganzen teile ich die Kritik der werten Mitdiskutanten an dem, was in den Schulen im geisteswissenschaftlichen Bereich vermittelt wird.
Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass es neben dem klassischen Bildungskanon noch andere Dinge gibt, die vermittelt werden können und vermittelt werden müssten, um echte Bildung zu gewährleisten.
Es ist sicher kein Zufall, dass viele der aggressivsten, in der Öffentlichkeit auftretenden Kreationisten ein Ingenieursstudium vorzuweisen haben. Das scheint nicht auszureichen, um die Wirklichkeit adäquat interpretieren zu können.
Ich breche zum wiederholten Male eine Lanze für die Philosophie als vermittelnde Wissenschaft(jawohl Wissenschaft!), und bin aus eigener Erfahrung zur Überzeugung gelangt, dass neben einer fundierten naturwissenschaftlichen Bildung ein Instrumentarium vonnöten ist, dieses Fundament zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Den Naturwissenschaften selber fehlt oft die Fähigkeit auf sich selbst herabzublicken: Dazu könnten wir dann schon etwas brauchen, das noch mit einem Fuß in den reinen Naturwissenschaften drinsteckt, sich aber bei Bedarf vom rein technischen Blick wenigstens zeitweise distanzieren kann.
Muss mal vom mal vom abweichenden Thema abweichen :D
Bin grad aufgestanden und mein Kind sitzt doch glatt mit meinem Astronomiebuch da :)
Ich finde ihn schon fast sonderlich im Gegsatz zu andren in seinem Alter. Er brauch abends immer sein Taschenbrockhaus oder "Mein großes Buch des Wissens"
Trotzdem find ich es toll :)
Er hat auch einen Wissenschaftler gemalt - Wollte es Fotografieren, erkennt man leider kaum.
Sein Wissenschaftler hat Brille und einen schwarzen Anzug mit gelber Krawatte und er lächelt. Die Frisur ist Beatles-like *g*
@gänseblümle: Braves Kind! Bei uns gibts auch kein Einschlafen ohne "Was ist Was"-Hörspiel ;)
Und wenn dein Sohn auf Wissenschaftler mit Beatles-Frisur steht, dann solltet ihr mal "Wonders of the Solar System" schauen ;) http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/03/die-wunder-des-sonnensystems.php
Obs das auch in deutsch gibt? Muss ich mal suchen. Danke .. ein lustiger Kerle :)
@"Wonders of the Solar System": Ich hatte auch schon danach gesucht. Auf deutsch scheint es das -- zumindest noch -- nicht zu geben und leider bisher auch nicht in meinen Bibliotheken. Ich hoffe, das beheben sie noch. :-(