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08.06.09 · 15:32 Uhr
Wie könnte die EU-Wahl europäischer werden?
Kategorie: Politik · Kommentare: 7
Gestern war also EU-Wahl. Ist jemand wählen gegangen? Ich nicht - ich hab meine Stimme per Briefwahl verschickt. Aber viele andere Menschen scheinen sich für die europäische Politik kaum zu interessieren; die Wahlbeteiligung war gering. Und die, die zur Wahl gingen, haben sich wohl eher von nationaler Politik leiten lassen anstatt von europäischen Themen.
Immerhin wurde es nicht ganz so schlimm wie erwartet; die grausliche FPÖ mit ihrem Chef H.C. Strache, der bei Wahlkampfreden das Kruzifix schwingt ("Abendland in Christenhand") und den Leuten einredet, Israel würde der EU beitreten wollen, hat zwar deutlich gewonnen - die Rechtsextremen landeten aber trotzdem "nur" auf Platz 4.
Zumindest in Österreich kommt es mir so vor, als würden dort die Parteien den EU-Wahlkampf fast nur mit nationaler Politik bestreiten. Das größere Ganze - eben die europäische Union - kommt gar nicht vor. Vermutlich ist das auch in anderen Ländern so - aber da können die Politik-Experten sicher mehr dazu sagen.
Aber irgendwie ist die EU selber schuld daran. Bzw. das Wahlsystem. Warum werden überhaupt nationale Parteien in ein übernationales Parlament gewählt? Warum kandidieren nicht direkt die Fraktionen des Europäischen Parlaments? In jedem Land würden dann die gleichen Parteien auf dem Wahlzettel stehen und die Stimmen der europäischen Bürger würden gemeinsam ausgezählt werden. Damit eine Partei in das EU-Parlament einziehen kann, bräuchte sie dann eben europaweit eine gewissen Mindestanzahl an Stimmen (bzw. eine Mindestanzahl an Stimmen aus einem Land). Die Spitzenkandidaten müssten sich dann mit den Problemem aller Länder beschäftigen und bei fraktionslosen Parteien wie z.B. der FPÖ würde ihre Isolation innerhalb der europäischen Demokratie wesentlich deutlicher werden als jetzt.
Abgesehen davon, dass sich die Länder Europas wahrscheinlich mit Händen und Füssen gegen so ein Wahlrecht wehren würden: gibt es irgendwelche grundsätzlichen Probleme/Nachteile bei so einem Wahlsystem? Ich bin ja kein Experte - vielleicht stelle ich mir das ja auch zu einfach vor?
Autor: Florian Freistetter· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Berlusconi hat sogar auf allen regionalen Listen als Kandidat Nummer 1 gestanden was, soweit ich das verstehe, explizit gegen die Regeln der Eurowahl ist, da er gar nicht nach Strassburg gehen will. Caligula Berlusconi ist das aber auch schon laengst egal und das naechste Gesetz, was er nach seinen Beduerfnissen aendern wird, duerfte wohl das Mindestalter fuer Verkehr mit Minderjaehrigen sein.
Tu felix Italia.
@Georg: Ich versteh ja auch nicht, wie dieser Typ zweimal gewählt werden konnte. Ich mein, der war doch schon weg vom Fenster! Und da wählen die Italiener den nochmal...
Naja - die Kärtner haben den Haider ja auch wieder zum Landeshauptmann gewählt, nachdem er einmal schon zurücktreten musste. Die Menschen sind anscheinend manchmal komisch, wenns um Politik geht.
wvs/RELAtief·
09.06.09 · 00:31 Uhr
Gründe:1. Wohin sollen denn die hierzulande "etablierten" Parteien all die Politiker schicken für die keine 'sicheren' Listenplätze gefunden werden?
2. Die Abgeordneten des EU-Parlamentes müßten den Wählenden erklären warum sie gewählt werden wollen, was sie also <b>für</b> die Wählenden tun wollen und warum - da sie das selbst nicht so genau wissen bleibt es bei der bisherigen Vorgehensweise ....
3. Das 'Nationalstaatsdenken' ist noch lange nicht überwunden: Siehe Bayern vs. Bund! Das kann doch niemand verstehen, geschweige denn den Wählenden erklären ....
4. Die Lobbyisten brauchen noch ein paar Jahre bis sie von 'nationaler Bestechung' auf 'EU-Bestechung' umgestellt haben - einstweilen also blockieren sie (national) die EU-weite Wahl nach EU-Fraktionen ....
PS/off topic
Es nervt, daß im gesamten Science-Blogs-Bereich Beiträge & Kommentare zentriert angezeigt werden ...! ALLES, sogar die Seitenspalten!
wvs/RELAtief·
09.06.09 · 00:31 Uhr
Gründe:1. Wohin sollen denn die hierzulande "etablierten" Parteien all die Politiker schicken für die keine 'sicheren' Listenplätze gefunden werden?
2. Die Abgeordneten des EU-Parlamentes müßten den Wählenden erklären warum sie gewählt werden wollen, was sie also <b>für</b> die Wählenden tun wollen und warum - da sie das selbst nicht so genau wissen bleibt es bei der bisherigen Vorgehensweise ....
3. Das 'Nationalstaatsdenken' ist noch lange nicht überwunden: Siehe Bayern vs. Bund! Das kann doch niemand verstehen, geschweige denn den Wählenden erklären ....
4. Die Lobbyisten brauchen noch ein paar Jahre bis sie von 'nationaler Bestechung' auf 'EU-Bestechung' umgestellt haben - einstweilen also blockieren sie (national) die EU-weite Wahl nach EU-Fraktionen ....
PS/off topic
Es nervt, daß im gesamten Science-Blogs-Bereich Beiträge & Kommentare zentriert angezeigt werden ...! ALLES, sogar die Seitenspalten!
Also ich seh alles normal; nichts ist zentriert...
@wvs/RELAtief: die hier bei mir funktionale Lösung wird =»dort in den Kommentaren beschrieben.
@Florian, Georg: Die Italiener haben schlicht keine funktionierende, stabile Demokratie. Nie gehabt. Schlagt mal nach, wie oft in den letzte 50 Jahren das Parlament wechselte. Und bei dem tiefsitzenden Misstrauen des Nordens gegen den Süden und umgekehrt und alle gegen Rom wird das auch nichts mehr mit der Demokratie. Und dann sind da noch die Mafia-Clans, die in viel zu vielen Fällen die wahre Regierung stellen.
Die Italiener sind es gewöhnt, dass alle Politiker Betrüger sind. Was leider auch stimmt. Denn die wenigen, die es nicht sind, werden entweder niedergeschossen oder von einer Bombe zerfetzt.
Lieber regen die sich über die nackten Frauen in Berlusconis Villa auf als über seine ständigen Rechtsbrüche und seinem Medienmonopol. Das ist ungefährlicher.