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15.04.09 · 14:05 Uhr
2012 - Das Ende aller Zeiten (Brian D'Amato)
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Themenwoche · Kommentare: 31
Als ich das Buch mit dem Titel "2012: Das Ende aller Zeiten" im Bücherladen gesehen habe, war mir klar, dass ich es lesen muss. Auch wenn es sich bei einem Roman mit so einem reißerischen Titel und diesem Thema vermutlich um wilden, esoterischen Unsinn handeln wird.Tja, so kann man sich irren...

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass es sich hier weniger um Esoterik sondern mehr um Science-Fiction handelt. Aber der Reihe nach: Hauptperson des Buches ist Jed DeLanda - ein in Guatemala geborener Maya mit einer mathematischen Inselbegabung. Als er noch ein Kind war, wurden seine Eltern im guatemaltekischen Bürgerkrieg verschleppt und getötet. Jed landete als Pflegekind bei einer Mormonen-Familie in Utah.
Aus seiner Kindheit in Guatemala hat er aber das Wissen um das "Opferspiel" mitgenommen, das ihm seine Mutter beigebracht hat. Dieses alte mesoamerikanische Brettspiel dient u.a. als eine Art Orakel. Als Erwachsener arbeitet Jed gemeinsam mit einem Spieltheoretiker zusammen, der das Opferspiel untersucht und daraus ein Computermodell zur Katastrophenvorhersage ableitet (das aber nie wirklich dramatisch gut funktioniert). Mit der ganzen Maya-Esoterik hat Jed allerdings nicht viel am Hut:
"Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich ungefähr seit der siebten Klasse mit diesem Datum [21.12.2012] ein gewaltiges Problem hatte. Ständig fragte mich jemand darüber aus, und ich musste erklären, dass es eine riesige Überinterpretation sei, wenn man es als Datum des Weltuntergangs bezeichnet. Der 21. Dezember sei ohne Frage ein wichtiger Tag, aber nicht notwendigerweise das Ende von irgendetwas, geschweige denn von allem. Zur großen Sache wird es nur deswegen, weil sich zu viele hochspirirtuelle Idioten herumtreiben, die tief enttäuscht sind, weil die christliche Jahrtausendwende ohne jede Katastrophe verstrichen ist und der 11. September ihre Gurus völlig überrascht hat. Also suchen sie sich einen neuen, bequemen Stichtag. Sobald die Welt endet, nehmen die Spenden an die Kirchen zu. Sie wissen schon - wozu sparen? Es ist ein uralter, ewiger Schwindel.
Wenn sie zufällig auch nur ein Achtel Indianerblut in sich haben sollten, kennen Sie das ja selbst: Diese Hohlköpfe kommen zu Ihnen und führen sich auch, als hätten sie irgendeine spirituelle Aura."
Jed selbst benutzt das Spiel, um sich am Aktienmarkt kleine Vorteile zu verschaffen, und wird einigermaßen wohlhabend. Dann wird er durch eine Nachrichtenmeldung aus seinem Alltagsleben gerissen: Forscher haben einen neuen Maya-Codex entdeckt und entziffert.
Dieser Codex scheint neue Informationen über das Opferspiel zu enthalten und seine Erforschung wird von einer multinationationalen Firma (geleitet von einem hochrangigen Mormonen) finanziert, die auch noche einige andere sehr seltsame Forschungsgebiete fördert. Auch der Spieltheoretiker, mit dem Jed früher zusammengearbeitet hat, wird von dieser Firma finanziert.
Gemeinsam mit ihm und dem Computermodell probiert Jed mittels des Opferspiels herauszufinden, was an bestimmten Tagen in naher Zukunft passieren wird. Den laut des Maya-Codex sollen hier Katastrophen stattfinden.
Als sich eine der Katastrophen, die Jed prognostiziert hatte, tatsächlich ereignet, will die Firma nun alles daran setzen, herauszufinden, was am ominösen 21.12.2012 ereignet. Dazu ist es aber nötig, mehr über das Spiel herauszufinden und darüber, wie es von den Maya in der Vergangenheit tatsächlich eingesetzt wird.
Hier kommt nun die Science-Fiction ins Spiel: die Firma der Mormonen hat nämlich eine Möglichkeit gefunden, durch die Zeit zu reisen. Hier handelt es sich allerdings nicht um eine Zeitmaschine a la "Zurück in die Zukunft" oder "The Time Machine". D'Amato hat sich für die Zeitreise eine - im Rahmen eines Science-Fiction Romans - sehr wissenschaftliche Erklärung ausgedacht (im Buch werden sogar die entsprechenden Differentialgleichungen der Kerr-Newman-Metrik abgedruckt!).
Jed soll also in die Vergangenheit reisen und direkt bei den Maya das Opferspiel lernen. Allerdings ist die Vergangenheit nicht so ganz, wie Jed sich das vorstellt. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen:
"Verdammt. Ich hatte erwartet, dass die Vergangenheit lässiger wäre"
Ansonsten will ich nicht zuviel verraten. Das Buch ist hervorragend und jeder sollte es selbst lesen! Im Prinzip kann man es als Mischung aus Science-Fiction und Historien-Roman beschreiben. Und auf beiden Gebieten ist es sehr originell und bietet weit mehr als Durchschnittskost.
Auch der Stil von D'Amato hebt sich vom gewohnten Schreibstil dieser Bücher ab. Ohne genau sagen zu können warum, erinnert er mich irgendwie an Matt Ruff. Aber am besten ist es, jeder urteilt selbst. "2012 - Das Ende aller Zeiten" (ich finde den Titel immer noch grauenhaft) ist das ideale Buch für den Sommerurlaub!
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Autor: Florian Freistetter· 31 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (31)
Vielen Dank für den Tipp! Ich habe bald (und leider) den letzten "Otherland"-Band von Tad Williams hinter mir und würde gerne im selben Genre weitermachen. Kommt mir sehr entgegen! ;-)
Otherland ist genial! Und das Buch von D'Amato passt das wirklich ganz gut dazu. Ist zwar kein Tad Williams - aber auch ein schöner Genre-Mix wie Otherland.
Naja, Matt Ruff hat mich nicht so überzeugt, aber trotzdem klingt das Buch hier interessant und wird wohl mal auf meine mentale Shortlist wandern :)
Wie gut ist denn Otherland im Vergleich zum Drachenbeinthorn? Der war nämlich großartig!
@Jörg: Otherland ist mindestens genauso gut wie der Drachenbeinthron! Ist halt keine echte Fantasy - aber trotzdem fesselnd.
Und wie kann einem Matt Ruff nicht gefallen? ;) "Fool on the Hill" ist eines der genialsten Bücher, die ich je gelesen habe. Wegen diesem Buch wollte ich immer unbedingt mal zur Cornell University (will ich eigentlich immer noch...). Die anderen Bücher von ihm sind nicht mehr ganz so genial - aber immer noch gut.
@ Jörg: So gehen die Meinungen auseinander. Otherland war besser als der Drachenbeinthron - und der war echt Schrott. Dafür finde ich Matt Ruff wirklich klasse.
Ich denke, ich lese gleich nochmal "Fool on the Hill" *g*. Und wenn ich dann noch den Rest der hier liegenden Bücher und die Empfehlungen von Ludmilla und Florian durch habe ist es wohl wirklich 2012...
Nee Fool on the Hill war schnarchig, das waren mir mindestens 3 Handlungsstränge zu viel, von denen 2 irgendwie auch wenig Sinn ergeben haben. Na gut, ich kenn auch den Sommernachtstraum nicht, aber mir hat das nicht gefallen.
Hmm, hört sich gut an. Vernünftige Science Fiction ist echt selten geworden.
Aber schon witzig diese Koinzidenz von Geschmäckern hier. "Otherland" fand ich auch richtig gut. Mal eine ganz neue Herangehensweise an das Thema Fantasy. Auch wenn mir das Ende zu mystisch war.
Lukanjenko - der Wächter-Zyklus-Erschaffer - schreibt auch ziemlich gute Science Fiction.
Na mal sehen, wenn ich meinen ersten Alastair Reynolds durch habe, dann schnupper ich mal in "Fool on the Hill" rein.
Alastair Reynolds ist - umm. Der erste band seiner Triologie ist genial, die Teile danach fallen ab.
Was mir immer mehr fehlt ist harte SF ohne PSI und Fantasy Geschwurbel. Ich kann es einfach nicht leiden wenn neben dem Raumschiff auf einmal $Gott$ mit $Kraft auftaucht und das ganze gerne in die Fantasy kippt.
@HdS: Hast du schon mal Hamilton probiert? Night's Dawn Trilogie? Ist zwar auch vage mystisch - aber im Prinzip ist alles sehr Sci-Fi.
@Jörg: "Nee Fool on the Hill war schnarchig,"
Du schrammst knapp an einer Sperre vorbei ;) Dich rettet nur dein SB-Account - den kann ich gar nicht sperren, glaub ich ;)
@Ludmila: Lukanjenko ist auch super - hab die Wächter-Bücher und die mit diesen komischen Türmen gelesen. Haben mir sehr gut gefallen!
Wir lesen die gleichen Autoren, cool.
@Florian: Du darfst einmal kostenlos über Neal Stephenson lästern :)
@HdS: Harte Science Fiction mit neuen Ideen und ohne Gott? Schonmal "Blindflug" von Peter Watts versucht?
@sil, Florian beide habe ich noch nicht gelesen, die Klappentexte waren eher abschreckend ;)
Gut finde ich "Die Suche" von Jan McDevitt und "Schwarz wie der Tag" von Shfeffield.
Besonderer Tipp für alle die Military-Sf mögen: The lost Fleet
Mal schauen, ob es mir gefällt.. Der Ersatz des althergebrachten Knöchelchen-Werfens durch ein wie immer auch geartetes Spiel scheint ein des öfteren gebrauchter Kunstgriff der SF zu sein, um einen für die Prognostik benötigten Determinismus durch Scheinzufall zu kaschieren (oder doch Wissenstunnelung durch Effekte des Quantenbewußtseins? :). Im Moment fällt mir das Quis aus Catherine Asaros Skolia-Zyklus ein, mir ist aber so, als hätte ich dergleichen schon öfter gelesen. Der aus den schier unzähligen Notizen & Kommentaren zu erstellende Index über die sich immer weiter vermehrenden ~3K SciFis sollte vielleicht doch mal in Angriff genommen werden...
Fantasy ist (bis auf schnell abzählbar wenige Ausnahmen) überhaupt nicht mein Ding, aber die bildet im Bereich der phantastischen Literatur ein erfreulich fest umgrenztes Gebiet mit nur wenig Auswüchsen in das Fremde - und zum Glück schwappt die HardSF-Welle immer wieder nach oben und spült derartige Einflüsse etwas zurück. @HdS: kannst Dich ja mal bei Ian Banks, Stephen Baxter oder Charles Stross umschauen.
Ach so, das ist ein Roman !!
Ich hab es letztens gesehen und mir gedacht: Manno, wie kann man 500 Seiten mit Geschwurbel füllen :)
SCi-Fi und Fantasy lese ich kaum mehr da ich sofort immer versuche die Widersprüche zu finden und dann die Story verpasse :)
Andererseits jetzt zum 5ten Male alle Pratchetts nochmal zu lesen... vielleicht greife ich doch auf eure Buchtipps mal zurück.
Ich hab das Buch letzte Woche schon in der Hand gehabt und dachte, das wäre wieder so ein esoterisches Weltuntergangsbuch... da sieht man wieder hin und wieder täuscht der erste Eindruck doch ;-)
Zum Thema Science-Fiction wollt ich nur mal kurz sagen, dass einige Sachen was vor 30 - 50 Jahre noch als Science-Fiction galt, heute teilweise schon real ist :P
Ich denke, ich muss noch nicht mal beispiele aufzählen, ihr kommt bestimmt von alleine auf einige gute Sachen.
Ah was, 2012 ist nicht das Ende, es ist der Neuanfang der interessant ist!
Habe es schon gelesen und finde das Buch gut gelungen.Hier und da wieder ein bisschen zu kompliziert aber in großen und ganzem spannend geschrieben.Der schluss hat mir am besten gefallen.Kann es guten gewissens weiterempfehlen
Hmm ich bin mir sicher das 2012 nix passieren wird.
Es sagen nur die , die dumm sind ! :D
Und wie gehts euch allen ? :D :D :D
Es kann aber auch sein , das die Erde explodiert :D:D
oder nicht !? :D
@Reginaaaa
Was auch imer 2012 passiert, die Erde wird nicht explodieren. Das angesprochene Buch finde ich gut und mit dem Kommentar von @jimbo dazu stimme ich weitestgehnd überein.
Ich lese momentan das Buch und es ist absolut klasse!
Leider muss man aber auch sagen, das die Übersetzung extrem
STÜMPERHAFT
geworden ist. Dazu kommen Schreibfehler wie doppelt aufeinanderfolgende Wörter, Sätze die auch nach dem 10. mal lesen KEINEN Sinn ergeben... das ist armseelig.
Wer hat das Korrektur gelesen?.. Wird heutzutage überhaupt noch Korrektur gelesen?
Sowohl der Luebbe-Verlag - als auch die Übersetzer Koonen und Schmidt haben in meinen Augen mehr als versagt.
Peinlich.
Einen wunderschönen guten Morgen allerseits,
der letzte Eintrag hier is wohl schon was her...
aber das hält mich nich davon ab trozdem meinen Senf dazu zu geben ^^
Also Florian, ich kann Deine Meinung nur teilen...
Dieses Buch hat mehr in sich als es auf dem Cover verspricht.
Mir kam es durch Zufall in die Finger und ich war postiiv überrascht.
Übrigens ... Matt Ruff´s Ich und die Anderen is auch sehr zu empfehlen
Es grüßt Dementia
Bei threads mag Nekromantie ja funktionieren... Aus gegebenem Anlaß möchte ich auf die Erfüllung der von einigen Seiten getätigten Salamitaktik-Prophezeiung hinweisen: Nächstes Buch => nächstes Jahr.
Ich warte schon sehnsüchtig auf die Fortseztung (2013-Nachricht an die Gegenwart)
Sie hätte im Februar 2011 in der deutschen Übersetzung kommen sollen, aber sie ist noch immer nicht da
Da kaufe ich mal einen Roman, weil ich mich noch gut daran erinnern konnte, das Florian ihn mal empfohlen hat, und dann... Zugegeben, der Zeitreise-Ansatz war innovativ, der Schreibstil wirklich erfrischend und über die "Doomster"-Theorie könnte man vermutlich sogar ziemlich lange diskutieren. Aber wenn ein Zeitreise-Buch gleich im ersten Absatz auf das berühmte "Großvater"-Paradoxon eingeht, um die Unmöglichkeit von Zeitreisen zu begründen, dann erhofft man sich als Leser doch irgendwie, dass es dem Autor im späteren Verlauf gelingt, eben dieses Problem im eigenen Zeitreise-Ansatz zu umgehen - leider ist ja aber das genaue Gegenteil der Fall... Verwirrend.
Wobei das ja eigentlich nur eine nerdige Petitesse ist, verglichen mit dem krassen 9/11-Verschwörungsunfug um Halliburton, Dick Cheney und den "false flag"-Terroranschlag in Florida, der sich genüsslich im Gegenwarts-Subplot ausbreitet. Also das fand ich wirklich übel - hätte D'Amato auf diese Nummer verzichtet, könnte ich das Buch guten Gewissens weiterempfehlen, aber so...
Ist schon lang her, dass ich es gelesen habe. Aber so schlimm fand ich die Verschwörungssachen nicht. Vielleicht war ich aber auch nur so sehr darüber erfreut, dass es kein 2012-Unsinn war, dass ich den Rest übersehen hab.
Irgendwie scheint sich D'amato aber auch mit den restlichen Teilen ziemlich Zeit zu lassen... Teil 2 ist immer noch nicht erschienen.
@Florian: Stimmt, der fehlende 2012-Unsinn war wirklich erfreulich. Würde man bei dem Cover und bei dem Titel gar nicht erwarten (im Original sieht da ja aber auch ganz anders aus). Trotzdem...dieser Verschwörungsplot schrie geradezu nach "Truther". Und stimmt - der zweite Teil fehlt immer noch. Eigentlich blöd, wo der erste ja mit einem ziemlichen Cliffhanger endet...
Moin moin, habe mir das Buch gekauft nach der Empfehlung hier, gebraucht bei Amazon für 3,56 inkl. Porto! Freu! So viel Spaß für wenig Geld! ;-) Hat sich gut gelesen, warte jetzt auch auf die Fortsetzung!
Der Titel mußte wahrscheinlich unbedingt ein "2012" im Titel haben, gaaaanz wichtig, der Originaltitel ist treffender...
Auch schöne SF: Lem oder die Strugatzki-Brüder, sehr fein!