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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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Archiv Februar 2009

28. Februar 2009

Video: James Randi spricht über Carl Sagan

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 22

Absolut sehenswert: James Randi spricht über Carl Sagan:


Ich denke, das Video spricht für sich selbst. Ich kann James Randi nur absolut zustimmen. Aber ein Zitat (es gibt so viele, die erwähnenswert wären...) von Carl Sagan (aus seinem genialen Buch "The Demon-Haunted World: Science as a Candle in the Dark") möchte ich hier trotzdem nochmal wiederholen:

"I worry that, especially as the Millennium edges nearer, pseudoscience and superstition will seem year by year more tempting, the siren song of unreason more sonorous and attractive. Where have we heard it before? Whenever our ethnic or national prejudices are aroused, in times of scarcity, during challenges to national self-esteem or nerve, when we agonize about our diminished cosmic place and purpose, or when fanaticism is bubbling up around us-then, habits of thought familiar from ages past reach for the controls. The candle flame gutters. Its little pool of light trembles. Darkness gathers. The demons begin to stir. "

Autor: Florian Freistetter· 28.02.09 · 06:11 Uhr· 22 Kommentare

27. Februar 2009

Michael Schmidt-Salomon: Susi Neunmalklug erklärt die Evolution

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften·Themenwoche·Wissenschaft für Kinder  ·  Kommentare: 153

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Seit einer Woche wird hier schon heftig über das Buch "Susi Neunmalklug erklärt die Evolution" diskutiert. Genauer gesagt, diskutiert wurde über das Promo-Video - das Buch selbst konnte ich erst heute lesen.Und hier ist nun mein Eindruck davon.

Die Autoren Michael Schmidt-Salomon (Text) und Helge Nyncke (Grafik) sind ja schon durch ihr heiß diskutiertes Buch "Wo bitte gehts zu Gott, fragte das kleine Ferkel" bekannt geworden. Auch in "Susi Neunmalklug erklärt die Evolution" widmen sie sich wieder dem Thema Religion - diesmal im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie.

Susi Neunmalklug ist eine "Superheldin". Sie ist "so schlau, wie Superman stark ist und sie kann so gut denken, wie Spiderman klettern kann". Da kommt eines Tages ihr Lehrer, Herr Hempelmann, in die Klasse und kündigt für den nächsten Tag einen Test an. Thema: "Die Entstehung der Welt". Dann erklärt er den Kindern, wie die Welt nun entstanden ist. Diese Erklärung entspricht genau der, die in der Bibel zu finden ist und endet mit den Worten

"Deshalb liebe Kinder, dankt Gott dem Herrn! (...) Alles, was in dieser Welt ist, kommt von ihm!"

Das findet Susi ziemlich komisch:

"'Aber Herr Hempelmann!', sagte sie kichernd. 'Das haben Sie ja völlig falsch verstanden! Ich erkläre Ihnen mal, wie das wirklich war..."

Danach folgt Susis Erklärung, die auf 15 (Bilderbuch)Seiten kurz den aktuellen Wissensstand zum Thema "Entstehung der Welt und des Menschen" erläutert. Ausgehend vom Urknall wird erklärt, wie sich die ersten Sterne und dann die Sonne und die Erde gebildet haben. Dann wird kurz erklärt, wie sich die frühe Erde so weit entwickelte, dass dort die ersten Lebewesen entstehen konnten. Danach kamen dann langsam die ersten Landlebewesen die sich bis hin zu den Dinosaurieren entwickelten. Auch der große Asteroideneinschlag vor 65 Millionen Jahren, der mitverantwortlich für das Aussterben der Dinosaurier war, wird erwähnt; ebenso wie die wichtige Rolle, die dieses Massensterben für die Entwicklung der Säugetiere hatte. Dann folgt die Erklärung der menschlichen Evolution von den ersten Ur-Primaten bis hin zum modernen Mensch. Susi endet mit

"So verlief die Evolution, die Entwicklung von den einfachsten Lebewesen aus der Ursuppe über die Ursäuger bis hin zu uns Menschen. (...) Es gab dazwischen viel Auf und Ab, Arten entstanden und gingen wieder unter wie die Dinosaurier. Doch der Staffellauf des Lebens ist nie abgerissen. Es hat 13,7 Milliarden Jahre seit dem Urknall gedauert, aber nun sitzen wir hier, Herr Hempelmann. Eine verrückte Geschichte! Doch mit dem lieben Gott hat das rein gar nichts zu tun!"

Herr Hempelmann konternt nun mit einem Argument, dass man sehr oft hört: Vielleicht war es wirklich ja wirklich alles so, wie Susi es beschrieben hat - aber trotzdem kann Gott doch eine Rolle gespielt haben, oder? Vielleicht war er es, der sich darum gekümmert hat, dass die allerersten Lebewesen in der Ursuppe entstanden? Immerhin ist die Frage der ersten Entstehung des Lebens von der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt.

Susi antwortet mit einer Variation von Ockhams Rasiermesser: wenn Gott tatsächlich Menschen schaffen will, dann wäre es doch ein ziemlich bescheuerter Weg, erst Unmengen an Tieren zu schaffen, unter anderem die Dinosaurier und diese dann wieder auszurotten, um in einer weiteren Millionen Jahre dauernden Evolution die Menschen werden zu lassen.

(Natürlich ist das kein zwingendes Gegenargument. Irgendwie kann man Gott immer mit rein bringen, wenn man will. Ein allmächtiges Wesen ist eben allmächtig und kann machen was es will. Vielleicht wurde die Welt, mitsamt ihrer Geschichte und unseren Erinnerungen daran, erst vor 5 Minuten geschaffen? "Gottes Wege sind unergründlich" - damit lässt sich jedes Argument erschlagen.)

Auch ein weiteres oft gehörter Satz wird von Herrn Hempelmann ins Feld geführt:

"Also das ist schon ein sehr, sehr finsteres Bild vom Leben! (...) Wäre es denn nicht viel schöner, an einen Gott zu glauben, der alles gut gemacht hat?"

Darauf kontert Susi mit dem Argument, dass Wunschdenken noch lange keine Realität schafft. Auch wenn es schöner wäre, wenn ein Osterhase tatsächlich Ostereier bringen wurde, muss man trotzdem noch nicht daran glauben. Und die Welt, die Gott angeblich so "gut gemacht" hat, erweist sich bei näherer Betrachtung für viele Menschen als nicht wirklich so toll. Susi meint

"Aber nun leben wir halt in dieser Welt und müssen das Beste daraus machen! Und deshalb müssen wir uns unterstützen und voneinander lernen! So dumme Geschichten, wie die, die Sie uns erzählt haben, helfen da nicht weiter!"

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!

So weit zur Geschichte im Buch. Was ist nun davon zu halten?

Also erstmal braucht sich niemand Sorgen machen, dass hier der christliche Glaube lächerlich gemacht wird. Die christliche Kirche wird in dem Buch nichtmal erwähnt. Es geht darum, dass ein Lehrer den Kindern eine religiöse Weltsicht als wissenschaftliche Erklärung präsentiert. Und dagegen geht Susi - zu Recht! - vor. Manche mögen sich daran stoßen, dass Herr Hempelmann und die Schöpfungslehre als "dumm" bezeichnet werden. Aber mal ehrlich: für jemanden, der die Genesis tatsächlich als ernsthafte Alternative zur wissenschaftlichen Evolutionstheorie ansieht fällt mir schwer ein passenderes Adjektiv ein.

Ich finde das Buch ganz ok. Die Illustrationen sind zwar nicht ganz mein Geschmack und manche Teile hätte man vielleicht ausführlicher erklären können. Aber alles in allem ist es ein gutes Buch und gut geeignet, um mit Kindern darüber zu diskutieren, wie die Welt und die Menschen entstanden sind. Es wurde im Buch nicht angegeben, welche Zielgruppe man angepeilt hat. Aber ich würde mal sagen, dass es sicher für Kinder von 5 bis 10 Jahren passend ist. Älteren Kindern kann man dann durchaus schon ausführlichere (Sach)Bücher über Evolution zumuten (eigentlich auch jüngeren).

Da heute Abend beim Einschlafen wieder der "Kirschkuchenkrimi" von Richard Scarry (genialer Kinderbuchautor übrigens) gewünscht wurde, konnte ich das Buch noch nicht an der Zielgruppe testen ;) Aber sobald ich entsprechende Kommentare habe, werde ich die hier bekannt geben!


Die anderen Artikel aus der Serie "Wissenschaft für Kinder": Botanischer Garten Jena, Optisches Museum Jena, Phyletisches Museum Jena, Susi Neunmalklug erklärt die Welt, Cosmic Quantum Ray (Fernsehserie)

Noch mehr Buchrezensionen auf ScienceBlogs: 02_Sciencebooks_550.jpg

Autor: Florian Freistetter· 27.02.09 · 23:00 Uhr· 153 Kommentare

Astro-Dynamische-Manifestation: Was nicht passt, wird passend gemacht

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Umwelt  ·  Kommentare: 28

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Da glaubt man, man hat schon jeden esoterischen Unsinn gesehen - und dann findet man plötzlich etwas neues, dass einem den Mund offen stehen lässt.

Eigentlich wollte ich ja nur mal ein bisschen recherchieren, um endlich die Diskussion zu klären, ob "Astrodynamik" eine modernere Bezeichnung für "Himmelsmechanik" ist, oder eine spezielle Bezeichnung für das Teilgebiet der Himmelsmechanik, das sich mit künstlichen Objekten (Rakten, Satelliten, etc) beschäftigt.

Das Problem habe ich immer noch nicht gelöst - aber ich bin auf die Seite astrodynamik.com von Karl Heinz Welz gestossen.

Die hat mich wirklich vom Hocker gehauen. Esoterik und Voodoo-Technologie vom feinsten (wundert mich, dass Ulrich da noch gar nicht drüber berichtet hat - das würde ihm gefallen). Karl Heinz Welz (ein Tiroler) hat einige tolle Dinge gemacht: er hat einen "Chi-Generator" erfunden und sogar ein spezielles Material ("Orgonite"). Dann hat er noch "Orgonverstärker" gebaut und mit "Orgonenergie" Signale über den Atlantik gesendet. Natürlich hat er sich auch mit der "Forschung" seines Tiroler Kollegen beschäftigt und "Wasserbelebungsgeräte" gebaut. 

Und nun hat er sich der Astrologie zugewandt und die "Astro-Dynamische-Manifestation" entwickelt. Damit kann man

"(...) die astrologischen Energien, die für Ihr Schicksal und Ihren Erfolg ausschlaggebend sind, selbst herstellen.  Dann können sie diese astrologischen Energien dort einsetzen, wo sie die vorteilhafteste Wirkung für Sie haben."

Wenn also der nächste Astrologe schlechte Zeiten vorhersagt, braucht man sich keine Sorgen mehr machen sondern lässt sich von Welz' Chi-Generator einfach die passende Energie zuschicken und das Problem ist gelöst.

Doch, das funktioniert! Es gibt nämlich sogar einen Beweis! Dazu muss man sich nur ein "Transferdiagramm" ausdrucken und seine Händer darüber halten. Und weil auf dem "Chi-Generator" in Welz' Labor in Atlanta das selbe Diagramm klebt, wird die Orgonenergie in das bedruckte Papier geleitet (Das liegt an den "Strukturalverbindungen", die Welz auch entdeckt hat). Diese Energie kann man dann "fühlen". Das muss doch eigentlich den größten Skeptiker überzeugen, oder?

Und genauso funktioniert auch die "Astro-Dynamische-Manifestation": Man druckt sich eine Art Wählscheibe mit den astrologischen Häusersystem aus; dazu ein paar bunte Bildchen der Sternzeichen und Planeten. Außerdem gibts noch ein paar Diagramme zum selber ausfüllen. Dazu ruft man bei der Firma des Herrn Welz an und die sagen einem dann, was man dort eintragen muss. Die gleichen Diagramme pappen nämlich auch auf dem "Chi-Generator" in Atlanta. Und nun muss man nur noch die Sternzeichen- und Planetenbildchen astrologisch korrekt auf die Häuser-Wählscheibe auflegen und kann sich dann mittels der übertragenen "Orgonenergie" ein Glas Wasser passend aufladen. Je nachdem was man braucht: ein Liebestrank, ein Glückstrank - alles geht.

Voodoo-Technologie UND Astrologie UND Wasserbelebung! Besser gehts ja wohl kaum noch.

Die oben beschriebene Methode ist natürlich nur zum Testen. Wenn man das öfter machen will, dann muss man sich selbst einen "Chi-Generator" kaufen. Das Einsteigermodell gibts schon um 129,-. Ein echtes Schnäppchen also. Für ein "Hochenergie Multifrequenz-Orgon-Generator mit Transferkombo" muss man allerdings schon 1299,- auf den Tisch legen.

Man kann sich noch lange durch das Universum des Karl Heinz Welz klicken. Da gibt es Runen, Magie-Kurse, Computerprogramme mit denen man "Positionen mit Frequenzen versehen" kann und und und...

Aber ich fall da nicht drauf rein! Ich bastel mir selber mein Orgon-Gerät. Dazu braucht man nämlich nur ein bisschen Alufolie:


Irgendwie erinnert mich das ein bisschen an die "Rethrophrenologie" aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Büchern. Dort hat sich der geschäftstüchtige Zorgo folgendes gedacht: wenn sich laut der Phrenologie Charaktereigenschaften aus der Form des Schädels ablesen lassen, dann müsste doch eigentlich eine Verformung des Schädels den Charakter ändern. Also hat er sich als Rethrophrenologie selbstständig gemacht und klopft den Leuten den Schädel solange zurecht, bis sie die gewünschten Charaktereigenschaften haben.


Ähnliche Artikel: Astrologie ist Unsinn, Astrologie ist immer noch Unsinn, Ich habe schon wieder ein Horoskop bekommen, Astrologie vs. Klimawandel, Firma vergibt Job anhand von Sternzeichen, Überprüfung verboten? Astrologische Prognosen dürfen nicht zitiert werden, Suspended: No Astrology Allowed, Die Prophezeiung 2009: Wahrsagen auf RTL, Über den Umgang mit Pseudowissenschaften und Esoterik, Die Finanzkrise und die Astrologie, Astrologie und Galileo Mystery, Astrologen mögen mich nicht, Aszendent Liebe: ein selten dummer Film, Ich habe ein Horoskop bekommen, EM 2008 und Astrologie, Update: EM 2008 und Astrologie


Autor: Florian Freistetter· 27.02.09 · 06:30 Uhr· 28 Kommentare

26. Februar 2009

Faschingskostüme für Nerds

Kategorie: Kultur·Technik  ·  Kommentare: 8

Fasching (bzw. Karneval) ist ja für dieses Jahr schon vorbei - aber dieses coole Kostüm muss ich hier doch noch mal würdigen:

Evan Booth hat sich aus einem tragbaren DVD-Player und einer Digitalkamera das hier gebastelt:

big_hole_costume.jpg

Und so funktioniert es:

big_hole_costume_setup.jpg
Ich bin ja jetzt nicht wirklich ein Fan der alljährlichen Kostümierung - das letzte Mal war ich 2004 verkleidet (als "Meer"). Aber das finde ich recht beeindruckend.


P.S. Übrigens fordere ich noch einen Blogbeitrag mit Karnevals-Fotos der SB-Redaktion. Zumindestens das tolle Wonderwoman-Kostüm solltet ihr den Lesern nicht vorenthalten ;)

Autor: Florian Freistetter· 26.02.09 · 12:02 Uhr· 8 Kommentare

25. Februar 2009

Ich will doch nur ein kleines Stück Plastik!

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 15

Ich muss mich hier jetzt mal kurz ärgern.

Vor 2 Wochen habe ich mir einen netten kleinen Laptop gekauft.

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Ideal für jemanden wie mich, der ständig zwischen 2 Städten hin und her pendelt. Ich bin auch sehr zufrieden mit dem Gerät - nur dann ist mir vor kurzem das hier passiert:

tastatur.jpg

Ok, die rechte Pfeiltaste ist jetzt nicht soo wichtig - aber es wäre schon schön, wenn sie funktioniert und nicht einfach so abfällt. Vor allem, bei einem komplett neuen Gerät.
Also bin ich heute in den Laden gegangen um das ganze in Ordnung zu bringen. Naiverweise dachte ich, so etwas wäre schnell erledigt.

Tja, falsch gedacht.Anscheinend ist die einzige Möglichkeit, dass zu reparieren, den kompletten Computer zur Herstellerfirma (MSI) einzuschicken und die Tastatur austauschen zu lassen! Das bedeutet: lange, nervtötenden Gespräche mit der Service-Hotline, Backups all meiner Daten auf dem Laptop erstellen, viel Porto zahlen um das Gerät einzuschicken und dann lange warten, bis er wieder zurück kommt (und ich brauch den Rechner aber ständig).

Wo ist das große Problem, so ein kleines Stück Plastik auszutauschen? Irgendwo auf der Welt muss ne riesige Kiste, voll mit rechten Pfeiltasten stehen. Aber anscheinend gibt es keine Möglichkeit, an die ranzukommen. Warum muss das alles so kompliziert sein? Woran liegt das? Schlechte Logistik? Globalisierung? Unfreundlichkeit? Oder ist das eh alles normal und ich ärgere mich einfach gerade zu sehr?

Ich will doch nur ein kleines Stück Plastik...

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(Ach ja, ich werde meinen Computer nicht einsenden. Irgendwas fällt mir schon noch ein...)

Autor: Florian Freistetter· 25.02.09 · 22:15 Uhr· 15 Kommentare

Astronomie in der Schule: Wie weit ist die Andromedagalaxie entfernt

Kategorie: Astronomie in der Schule·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Gerade erst wurde bei Ludmila darüber diskutiert, ob die Begutachtungsmethoden wissenschaftlicher Artikel geändert werden und vielleicht direkt durch die Leser durchgeführt werden sollten.

Und da dachte ich mir, ich probiere das hier gleich mal aus und lasse meine Leserinnen und Leser eine meiner Arbeiten begutachten. Es handelt sich allerdings nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um eines der Projekte, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit für das europäische virtuelle Observatorium EURO-VO durchführe. Wie ich schon mal beschrieben habe, geht es dabei darum, astronomische Daten für Forscher und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich möchte nun probieren, Lehrer davon zu überzeugen, dass es durchaus sinnvoll und lehrreich sein kann, die astronomischen Daten aus den virtuellen Observatorien direkt im Schulunterricht einzusetzen. Dabei lassen sich einerseits grundlegende physikalisch-astronomische Konzepte vermitteln und andererseits lernen die Schüler den Umgang mit echten wissenschaftlichen Daten.

Ich bastel nun gerade also an verschiedenen Projekten, bei denen man die Daten und Methoden der virtuellen Observatorien einsetzen kann. Eines davon ist mehr oder fertig, und das will ich hier jetzt präsentieren: Wie kann man die in den Datenbanken vorhandenen astronomischen Aufnahmen und Messungen benutzen, um die Entfernung zur Andromedagalaxie zu bestimmen?

Vielleicht hat ja jemand Lust, und möchte das mal selbst ausprobieren? Das Projekt sollte eigentlich so aufgebaut sein, dass man es ohne Erfahrungen in Sachen virtueller Observatorien bearbeiten kann. Ansonsten würde ich mich auch über alle anderen Anregungen oder Verbesserungsvorschläge freuen (Das ganze Projekt kann man auch als pdf-Datei hier runterladen: Projekt M31.pdf)



Wie weit ist die Andromeda-Galaxie entfernt?
Ein Beispiel für die Benutzung virtueller Observatorien

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1) Überblick zur Entfernungsbestimmung

Die Entfernung zu anderen Himmelskörpern zu bestimmen, ist keine leichte Aufgabe. Bei sehr nahen Objekten wie dem Mond oder einigen Planeten ist es noch relativ einfach. Dorthin kann man Radarsignale senden und messen, wie lange es dauert, bis sie vom Planeten abprallen und wieder zurück zur Erde reflektiert werden. Aus dieser Zeit kann man dann leicht den Abstand berechnen. Auch bei nahen Sternen lässt sich der Abstand mittlerweile recht gut bestimmen: Dazu benutzt man die Parallaxenmethoden. Da sich die Erde im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne bewegt, befindet sie sich zu verschiedenen Zeiten im Jahr an verschiedenen Stellen ihrer Umlaufbahn. Wird nun von der Erde aus ein naher Stern beobachtet, dann scheint er sich, je nach Position der Erde, an einem geringfügig anderen Ort am Himmel zu befinden (Den gleichen Effekt erhält man, wenn man den Daumen der ausgestreckten Hand mal mit dem einem, mal mit dem anderen Auge ansieht. Der Daumen scheint vor dem Hintergrund hin und her zu springen). Aus dieser Positionsverschiebung lässt sich mit ein wenig Trigonometrie leicht die Entfernung des Sterns bestimmen.

Doch bei fernen Objekten wird die Entfernungsbestimmung ungleich schwieriger. Wir können ja von der Erde aus nur die scheinbare Helligkeit der Sterne bestimmen - wie hell sie wirklich sind, lässt sich auf den ersten Blick nicht sehen. Ein kleiner, eigentlich schwach leuchtender Stern der sich in der Nähe der Erde befindet kann für uns am Himmel genauso aussehen wie ein großer, stark leuchtender Stern, der weit entfernt ist.

Dieses Problem der Entfernungsbestimmung hatte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch nicht gelöst. Damals war man besonders daran interessiert, herauszufinden, wie weit die so genannten "Nebel" entfernt waren. Man hatte in den Jahrzehnten davor festgestellt, dass sich überall am Himmel schwach leuchtende, verschwommen aussehende, nebelförmige Objekte befanden. Manche Astronomen waren der Meinung, dass es sich dabei um Gaswolken handelt, die sich innerhalb unserer Milchstraße befinden. Diese Astronomen glaubten auch, dass sich alle Himmelskörper innerhalb der Milchstraßen-Galaxie befinden und diese unser ganzes Universum darstellt. Andere Astronomen waren der Ansicht, bei den Nebelflecken handelt es sich um enorm weit entfernte, eigenständige Galaxien. Demnach wäre das Universum sehr viel größer als unsere Milchstraße und wäre von unzähligen anderen Galaxien bevölkert.

Ohne die Entfernung zu diesen Nebeln bestimmen zu können, war es allerdings nicht möglich, diese Frage zu beantworten. Das änderte sich, als die Astronomin Henrietta Swan Leavitt 1912 eine spezielle Gruppe von Sternen untersuchte: die Cepheiden. Das sind Sterne, deren Helligkeit sich periodisch im Verlauf einiger Tage ändert. Leavitt fand heraus, dass die Periode der Helligkeitsschwankungen mit der wirklichen Helligkeit (nicht der scheinbaren, die wir von der Erde aus sehen können) zusammenhängt. Kennt man also die Periode der Helligkeitsänderung P (und die lässt sich leicht beobachten), kann man die wahre Helligkeit M nach folgender Formel bestimmen:

M = -1,43 - 2,81 * log (P)

Hier wird die Periode P in Tagen gemessen und die Helligkeit M in Magnituden.
Nun weiß man, wie hell der Stern wirklich ist und man kann beobachten kann, wie hell der Stern uns von der Erde aus gesehen erscheint (das ist seine scheinbare Helligkeit m). Jetzt lässt sich daraus leicht bestimmen, wie weit er entfernt sein muss.
Die Formel dafür nennt man Entfernungsmodul und sie lautet:

m - M = -5 + 5 log r

m und M werden hier wieder in Magnituden angegeben und die Entfernung r in Parsec. Ein Parsec entspricht einer Entfernung von 3,262 Lichtjahren bzw. circa 31 Billiarden Kilometern.
1923 schaffte es der Astronom Edwin Hubble dann, Cepheiden im Andromedanebel zu beobachten. Mit der Beziehung zwischen Periode und Helligkeit war er imstande, die Entfernung zu berechnen. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei tatsächlich um ein Objekt handelt, dass sich außerhalb der Milchstraße befindet und eine eigenständige Galaxie darstellt!

2) Berechnung der Entfernung zur Andromeda-Galaxie mit Aladin

Um die Entfernung der Andromeda-Galaxie mit dem Program Aladin (kann hier runtergeladen bzw. online benutzt werden) zu bestimmen, muss zuerst nach entsprechenden Beobachtungsdaten gesucht werden. Um die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung auszunutzen, werden Daten für die Perioden von Cepheiden in der Andromedagalaxie benötigt. Um diese zu finden, wird eine Suche in den vorhandenen Katalogen gestartet:
 
Datei -> Öffnen -> rechts unter "Katalogserver", "All ViZier" wählen.

Als "Ziel" gibt man hier natürlich "Andromeda" ein (oder die zugehörige Messier-Nummer "M31"). Da wir noch nicht wissen, in welchen Katalog die gesuchten Daten zu finden sind, ist es am besten, über die Schlagwort-Suche nach allen Katalogen zu suchen, die Daten über Cepheiden enthalten. Dazu gibt man im entsprechenden Feld das Suchwort "Cepheid" ein. Mit einem Klick auf "Absenden" wird die Suche gestartet:

bild1.jpgAls Resultat erhalten wir drei Kataloge:

bild2.jpgIm Feld "Description" sind weitere Informationen zu den Katalogen enthalten. Wir wählen den aktuellsten Katalog aus dem Jahr 2003 aus. Im Hauptfenster von Aladin sehen wir nur die Position der im Katalog enthaltenen Objekte; rechts im "Stapel" von Aladin erkennt man das zugehörige Symbol des Katalogs „J.A+A.402.113".

bild3.jpgIm nächsten Schritt wollen wir die Katalogdaten genauer betrachten. Dazu wählen wir aus der Werkzeugleiste (links neben dem Stapel) das Werkzeug "wahl" und markieren alle Cepheiden. Im Meßfenster (unter dem Hauptfenster) erscheinen nun die einzelnen Katalogeinträge.

bild4.jpg"ID" ist die Bezeichnung des Sterns; "RAJ2000" und "DEJ2000" geben die Rektaszension und Deklination der Cepheiden an, also deren Position am Himmel. "Rcmag" und "Icmag" sind die scheinbaren Helligkeiten der Sterne, gemessen mit verschiedenen Filtern. Mit "DeltaRc" wird die Fehlergrenzen der Helligkeitsmessung angegeben. "Age" ist das Alter der Sterne und unter "IcFile" und "RcFile" sind die detaillierten Messkurven für die Helligkeiten verlinkt. Die Spalte, die uns hier besonders interessiert, ist mit "Per" überschrieben und gibt die Periode der Helligkeitsänderung an.

Betrachtet man die komplette Liste, dann sieht man, dass die Periode nicht für alle Sterne gemessen werden konnte. Um die Daten übersichtlicher zu gestalten, wollen wir nun einen Filter definieren, der nur diejenigen Cepheiden anzeigt, für die Periodenmessungen vorliegen.

Dazu öffnet man das Aladin-Modul, mit dem sich neue Filter definieren lassen:

Katalog -> Einen neuen Filter erzeugen

Wir wechseln in den "Modus für Fortgeschrittene" und wählen unter "Spalten" die entsprechende Spalte "Per" aus unsere Katalog aus. Die Bezeichnung ${Per} wird im Filter-Fenster angezeigt. Wir wollen nur die Einträge sehen, die einen Wert enthalten und nicht leer sind. Also spezifizieren wir: ${Per} > 0. Um die so gefilterten Einträge auch wieder anzuzeigen, modifizieren wir den Filter noch wie folgt: ${Per} > 0 {draw}.

bild5.jpgMit "Übernehmen" wird der Filter aktiviert und im Stapel als neues Symbol angezeigt.

Es werden nun nur noch die Cepheiden angezeigt, für die Perioden im Katalog vorhanden sind. Für diese 25 Sterne kann nun mit der Perioden-Leuchtkraft-Beziehung zuerst die absolute Helligkeit M berechnet werden und in Folge ihre Entfernung. Zur Berechnung der absoluten Helligkeit erstellt man eine neue Katalogspalte:

Katalog -> Eine neue Spalte hinzufügen

Im Spaltenrechner geben wir nun zuerst einen Namen für die neue Spalte an. Da die absolute Helligkeit traditionell mit dem Buchstaben "M" bezeichnet wird, bietet es sich an, auch die Spalte "M" zu nennen. UCD und Einheit können, müssen aber nicht spezifiziert werden (M wird in Magnituden bzw. mag gemessen). Nun muss noch spezifiziert werden, wie die neue Spalte berechnet wird. Im Feld "Ausdruck" geben wir daher nun die Formel für die Perioden-Leuchtkraftbeziehung ein.

bild6.jpgDie Namen der einzelnen Spalten können hier direkt aus dem Menü unter dem Feld übernommen werden; ebenso Rechenoperatoren und mathematische Funktionen. Der korrekte Ausdruck lautet:

-1.43 - 2.81 * log(${Per})

Mit einem Klick auf "Neue Spalte hinzufügen" werden die Werte berechnet und im Meßfenster angezeigt. Aus diesen Werten für die absolute Helligkeit lässt sich nun die Entfernung der Cepheiden bestimmen. Dazu erzeugt man wieder eine neue Spalte, diesmal mit der Formel für den Entfernungsmodul. Die Entfernung r (in Parsec) ist gegeben durch

r = 10^((m-M+5)/5)

Für die scheinbare Helligkeit m wählt man am besten die Spalte Icmag aus dem Katalog. Der Ausdruck für den Spaltenrechner lautet dann

10^((${Icmag} - ${M} + 5)/5)

Will man die Entfernung nicht in Parsec sondern in Lichtjahren haben, dann muss der obige Ausdruck noch mit 3,26 multiplizieren:

(10^((${Icmag} - ${M} + 5)/5))*3.26

Wir erhalten für die Entfernung Werte zwischen 1.7 und 3.8 Millionen Lichtjahren.
 
Natürlich ist so eine simple Analyse recht ungenau. Um exakte Werte zu erhalten, müssen auch die Konstanten in der Formel für die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung exakt auf die ausgewählten Filter, die für die Helligkeitsmessung verwendet wurden, abgestimmt werden.
Berechnet man allerdings einen Mittelwert der Entfernungen, erhält man ein sehr realistisches Ergebnis: Die Andromedagalaxie ist etwa 2.5 Millionen Lichtjahre entfernt. Der wahre Wert beträgt 2.52 +/- 0.14 Millionen Lichtjahre.

3) Berechnung der Entfernung zur Andromedagalaxie mit ViZieR

Aladin ist ein Programm, dass den Zugriff auf verschiedenste Kataloge und Beobachtungsdaten ermöglicht. Zusätzlich stellt es Werkzeuge zur Verfügung, um diese Daten zu bearbeiten und zu analysieren. Es ist aber auch möglich, direkt auf die Originalquellen der Daten zuzugreifen.

Dazu kann man z.B. ViZieR benutzen - eine Online-Datenbank des Centre de Données astronomiques de Strasbourg: http://webviz.u-strasbg.fr/viz-bin/VizieR

Das Eingabeformular ähnelt dem von Aladin. Auch hier gibt man im Feld „Target Name" Andromeda ein und im Feld für die Schlagwörter "Cepheid". Bei diesem Formular ist außerdem darauf zu achten, den Suchradius („Target Radius") groß genug zu wählen, um ausreichend Cepheiden in der Andromedagalaxie zu erfassen (20 Bogenminuten ist ein vernünftiger Wert). Mit einem Klick auf „Find Data" wird die Suche gestartet:

viz1.jpgEs werden nun alle gefundenen Kataloge mit Cepheiden in der Andromedagalaxie angezeigt; gleich als erstes der schon bekannte Katalog aus dem Jahr 2003.

viz2.jpgMit einem Klick auf die zugehörige Schaltfläche „J/A+A/402/113/table4" können wir diesen Datensatz weiter bearbeiten.

Im nun angezeigten Menü können wir auswählen, welche Daten des Katalogs angezeigt werden sollen. Für die Entfernungsbestimmung benötigen wir nur die Helligkeiten und Perioden der Cepheiden. Wir entfernen also die Häkchen im Bereich „Output preferences for Position" bei „r" und „Position". Außerdem werden die Häkchen bei „RAJ2000", „DEJ2000", „DeltaRc", „Age", „IcFile" und „RcFile" entfernt.

viz3.jpgEin Klick auf „Submit Query" startet die Bearbeitung.

Nun wird die bereinigte Tabelle angezeigt, die nur noch die Spalten für die Helligkeiten und Perioden der Cepheiden enthält. Im Menü „Output Layout" kann nun die Darstellung der Daten an die gewünschte Weiterverarbeitung ausgewählt werden.

viz4.jpgIn diesem Fall bietet es sich an, den Punkt „Tab seperated values" zu wählen. In diesem Format kann die Tabelle direkt in Kalkulationsprogramme wie Excel übernommen werden. Dort können dann die entsprechenden Berechnungen zur Entfernungsbestimmung (so wie im letzten Abschnitt beschrieben) durchgeführt werden.

4) Ein Bild der Andromedagalaxie

Auch wenn es für die Entfernungsbestimmung nicht nötig war, eine Aufnahme der Andromedagalaxie zu betrachten, ist dies mit virtuellen Observatorien natürlich möglich.

Dazu öffnen wir in Aladin die Suchmaske für die Bilderdatenbank:

Datei -> Öffnen...

Unter Ziel wird wieder „Andromeda" eingeben; ein Klick auf „Absenden" startet die Suche. Es werden nun alle in der Datenbank enthaltenen Aufnahmen angezeigt, auf denen die Andromedagalaxie zu sehen ist.

ala1.jpgEin Klick auf einen Eintrag zeigt detaillierte Informationen zur jeweiligen Aufnahme.

Es können nun beliebig viele Bilder ausgewählt werden. Ein Klick auf „Absenden" lädt die Bilder in den Stapel von Aladin, wo sie angezeigt werden.

Allerdings sind diese Bilder nur in Schwarz-Weiß. Da die astronomischen Aufnahmen immer  nur in einem bestimmten Wellenlängenbereich gemacht werden, fehlt vorerst die Farbinformation. Um ein farbiges Bild der Andromedagalaxie zu erhalten, müssen erst Aufnahmen aus verschiedenen Wellenlängenbereichen rechnerisch kombiniert werden. Das funktioniert mit der Schaltfläche „rgb" in der Werkzeugleiste. Im folgenden Menü gibt man drei bzw. zwei Bilder an, die mit einem Rot- bzw. Grün- oder Blau-Filter aufgenommen werden. Aladin berechnet daraus dann automatisch ein Farbbild.

Am einfachsten findet man Aufnahmen im passenden Wellenlängenbereich im DSS-Katalog (Digital Sky Survey). Dazu wird wieder die Bilderdatenbank geöffnet:

Datei -> Öffnen...

Diesmal wählen wir aus der Liste der Bilderserver (rechts) den Eintrag „DSS" aus (und dann einen der dort angezeigten Server). In der Suchmaske wird bei Ziel wieder „Andromeda" eingegeben. Unter dem Punkt „Sky Survey" kann nun der Wellenlängenbereich („DSS2-red" oder „DSS2-blue") gewählt werden.

ala2.jpgUm einen ausreichend großen Ausschnitt der Galaxie zu sehen, sollten für den Bildausschnitt („Height", „Width") mindestens 50 Bogenminuten gewählt werden.  Sobald die Bilder in den Stapel geladen wurden, kann mit einem Klick auf die „rgb"-Schaltfläche das Farbbild erstellt werden.

Bei „Rot" wird hier das rote DSS-Bild ausgewählt, bei „Blau" das blaue (ein grünes Bild wird weggelassen). Ein Klick auf „Erstellen" erzeugt das Farbbild.

ala3.jpgIm Stapel von Aladin wird nun ein Farbbild der Andromedagalaxie angezeigt.

5) Anregungen für weitere Untersuchungen

Für die Berechnung der Entfernung der Andromedagalaxie war die Formel für die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung von zentraler Bedeutung. Die hier angegebene Formel ist allerdings nur eine von vielen Versionen. Der Zusammenhang zwischen Periode und Leuchtkraft bei Cepheiden basiert auf dem sg. Kappa-Mechanismus der wiederum von der Metallizität der Sterne abhängt. Die Metallizität gibt an, wie viel Prozent eines Sterns nicht aus Wasserstoff und Helium bestehen. Da nun jeder Stern eine andere Metallizität hat (und bei Sternen verschiedenen Alters und Populationen können sich die Werte deutlich unterscheiden) ist auch der Zusammenhang zwischen Periode und Leuchtkraft nicht für alle Sterne identisch. Zusätzlich hängt die Beziehung auch immer davon ab, in welchen Wellenlängenbereich man die Helligkeit der Sterne misst.

In Lehrbücher oder Online (z.B. bei der Literaturdatenbank ADS, erreichbar unter   http://adsabs.harvard.edu/, kann recherchiert werden, welche Formeln in der Literatur existieren, und wie sie sich unterscheiden. Wie wirken sich die unterschiedlichen Formeln auf das Ergebnis aus? 

Das ganze Projekt kann man auch als pdf-Datei hier runterladen: Projekt M31.pdf

Autor: Florian Freistetter· 25.02.09 · 16:52 Uhr· 2 Kommentare

Johannes Kepler: Astronomia Nova - Die Einleitung (2)

Kategorie: Astronomia Nova·Kultur·Naturwissenschaften·Themenwoche

Nachdem sich Kepler im letzten Artikel ausführlich dem Kaiser gewidmet hat, geht es nun mit der richtigen Einleitung der "Astronomia Nova" weiter.

Und gleich die ersten Worte lassen erkennen, dass die weitere Lektüre anstrengend sein wird:

"Es ist heutzutage ein hartes Los, mathematische Bücher zu schreiben. Wahrt man nicht die gehörige Feinheit in den Sätzen, Erläuterungen, Beweisen und Schlüssen, so ist das Buch kein mathematisches. Wahrt man sie aber, so wird die Lektüre sehr beschwerlich, besonders in der lateinischen Sprache (...). Daher gibt es heute nur sehr wenig tüchtige Leser; die übrigen lehnen die Lektüre überhaupt ab. (...) Ich selber, der ich als Mathematiker gelte, ermüde beim Wiederlesen meines Werkes mit den Kräften meines Gehirns (...)."

Hu - wenn selbst Kepler die "Astronomia Nova" als ermüdenen Lektüre empfindet, dann kann das ja noch lustig werden ;)

Danach erklärt Kepler, dass er in dieser Einleitung einen kurzen Überblick über das gesamte Buch geben und die wichtigsten Argumente und Ergebnisse zusammenfassen wird:

"Besonders jenen zulieb, die sich zur Physik bekennen und mir; oder vielmehr dem COPERNICUS und somit dem äußersten Altertum zürnen wegen der durch die Erdbewegung bewirkten Erschütterung der Grundlagen der Wissenschaften, also ihnen zulieb will ich getreu die Grundsätze der Hauptkapitel angeben, die hierzu beitragen und ihnen alle Beweisgrundlagen vor Augen führen, auf die sich meine ihnen so sehr verhaßten Schlüsse stürzen."

Kepler fährt fort mit einer Erklärung der beiden hauptsächlichen Weltbilder nach Ptolemäus und Kopernikus und erwähnt auch das tychonische Weltbild (in dem sich die Planeten um die Sonne bewegen; allesamt sich aber um die ruhende Erde drehen). Er erwähnt auch dass
alle drei Theorie "in dem, was sie leisten, genau gleichwertig sind und auf eins hinauskommen." Die Vorhersagen der drei Weltsysteme eignen sich also nicht, um zu entscheiden, welches davon nun die Realität beschreibt und welche nicht.

Kepler möchte nun zeigen, dass seine Verbesserung des Kopernikanischen Systems die Beobachtungsdaten eindeutig besser beschreiben kann. Zuerst zeigt er, dass sein verändertes System mindestens genau so gute Ergebnisse liefert wie die alten und sogar besser ist:

"Im II.Teil habe ich die Sache selber in Angriff genommen; ich habe nach meinem Verfahren die Örter des Mars in der Opposition zur wahren Sonne nicht nur nicht schlechter, sondern sogar besser wiedergegeben als jene nach dem alten Verfahren (...)."

In der Einleitung erwähnt Kepler auch schon seine wichtigsten Ergebnisse:

"Denn ob sich die Erde oder die Sonne bewegt, jedenfalls ist sicher erwiesen, daß sich der Körper, der sich bewegt, in ungleichförmiger Weise bewegt, und zwar langsamer, wenn er weiter vom ruhenden entfernt ist, und schnell, wenn er dem ruhenden sehr nahe steht."

Das ist nichts anderes als das zweite Keplersche Gesetz!

Danach beschäftigt sich Kepler mit den Kräften, die für die Bewegung der Planeten verantwortlich sind. Die Begriffe sind hier für den modernen Leser relativ ungewohnt. Kepler spricht von "nichtseelischen, also körperlichen, magnetischen Kräften", wenn er die Art von Kraft meint, die dem heutigen physikalischen Fachbegriff entspricht.

Der Kraftbegriff stellt für Kepler auch einen wichtigen Hinweis auf die Gültigkeit des heliozentrischen Weltbildes dar:

Daß andererseits die Sonne an ihrem Ort im Mittelpunkt der Welt feststeht, ist unter anderem hauptsächlich deswegen wahrscheinlich, weil in ihr die Quelle der Bewegung mindestens für die fünf Planeten liegt, Denn man mag COPERNICUS oder BRAHE folgen, in beiden Fällen liegt in der Sonne die Quelle der Bewegung für fünf Planeten, nach COPENICUS auch noch für den sechsten, die Erde. Daß aber die Quelle aller Bewegung an ihrem Ort ruht, ist wahrscheinlicher als daß sie sich bewegt."

Dieses Argument der Einfachheit hat Kepler auch vorher schon die Theorie des Ptolemäus verwerfen lassen:

"Als erster wird PTOLEMAIOS ausgeklatscht. Denn wer möchte glauben, daß es ebensoviele (einander völlig ähnliche, ja sogar gleiche) Sonnentheorien als Planeten gibt; wo man doch sieht, daß dem BRAHE zu gleicher Leistung eine einzige Sonnentheorie reicht? Ist es ja in der Physik ein allgemein angenommenes Axiom: Die Natur verwendet so wenig Mittel als möglich."

Auch heute noch gilt in der Physik, dass eine Theorie umso besser ist, je einfacher sie ist.

Kepler findet noch 2 weitere vernünftige Argumente für das heliozentrische Weltbild:

"Nun aber schaue man sich die beiden Körper, den der Sonne und den der Erde, an und bilde sich ein Urteil, welchem von beiden die Quelle der Bewegung des anderen Körpers am ehesten zukommt, ob die Sonne, die die anderen fünf Planeten bewegt, die Erde bewegt oder die Erde die Sonne, die Bewegerin der anderen, die so vielmal größer ist als sie? Um nicht sagen zu müssen, die Sonne wird von der Erde bewegt, was sinnlos wäre, müssen wir der Sonne Unbeweglichkeit, der Erde aber Bewegung zuschreiben. Was soll ich über die Umlaufzeit von 365 Tagen sagen? Sie liegt in ihrer Größe nach zwischen denen des Mars von 687 Tagen und der der Venus von 225 Tagen. Bezeugt hier nicht die Natur mit lauter Stimme, daß der Umlauf, zu dem 365 Tage gebraucht werden, auch dem Ort nach mitten zwischen den Umläufen des Mars und der Venus uum die Sonne erfolgt, also auch selber um die Sonne erfolgt, so daß also dieser Umlauf der der Erde um die Sonne, nicht der der Sonne um die Erde ist?"

Im letzten Absatz hört man schon erste Anklänge an das dritte Keplersche Gesetz (das den Zusammenhang zwischen Umlaufzeit und Abstand von der Sonne eines Planeten beschreibt) heraus, das allerdings nicht in der "Astronomia Nova" veröffentlich wurde sonder erst 10 Jahre später in seinem Buch "Harmonices Mundi".

Im Rest der Einleitung beschäftigt sich Kepler ausführlich mit der Natur der Kraft, die die Planeten bewegt und geht ebenso ausführlich auf die Argumente derjenigen ein, die meinen, die Bibel würde eindeutig feststellen, die Erde sei in Ruhe und bewege sich nicht.

Dazu aber dann mehr in meinem nächsten Artikel.



Bisherige Artikel zur Astronomia Nova: Die Einleitung (1)
Noch mehr Buchrezensionen auf ScienceBlogs: 02_Sciencebooks_550.jpg

Autor: Florian Freistetter· 25.02.09 · 15:05 Uhr· 0 Kommentare

Giftig, grün und wunderschön: der Komet Lulin

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 19

Schon seit Wochen warte ich darauf, hier im Blog ein eigenes Bild des Kometen Lulin präsentieren zu können. Immerhin habe ich ja seit einiger Zeit ein Teleskop; außerdem soll der Komet unter passenden Bedingungen sogar mit freiem Auge sichtbar sein.

Aber leider macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Gestern stand er der Erde am nächsten - noch näher waren allerdings die Wolken, die eine Beobachtung unmöglich machten.

Andere Leute hatten mehr Glück. Z.B. James Champagne, der dieses tolle Foto von Lulin und Saturn machte:


lulin1.jpg

Bild: James Champagne


Bei Kometeninfo gibt es noch jede Menge andere tolle Bilder und auch Amanda von astropixie hat ein paar schöne Aufnahmen. Wer selbst probieren will, den Kometen zu beobachten, der kann sich bei Daniel Fischer darüber informieren wann der Komet wo sichtbar ist.

In den nächsten Tagen wird sich Lulin in Richtung des Sternbildes Löwe bewegen und sollte eigentlich gut zu finden sein:


lulin2.jpg

Bild: astronews.com


Aufsuchkarten für März findet man z.B. bei Sterne und Weltraum. Man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn man keinen Kometenschweif sieht. Im Moment zeigt der Schweif genau von der Erde weg. Lulin steht in Opposition zur Sonne und da der Sonnenwind dafür sorgt, dass der Schweif immer von ihr weg gerichtet ist, sehen wir ihn im Moment nicht.

Der Komet zeigt im Moment zwei sichtbare Schweife. Einen sg. Plasmaschweif, bestehend aus geladenen Molekülen die der Sonnenwind "wegbläst" (dieser Schweif ist daher immer von der Sonne weg gerichtet). Der zweite Schweif besteht aus schwereren Staubteilchen, die vom Strahlungsdruck der Sonne beeinflusst werden. Bei Lulin ist die Situation zur Zeit sogar so, dass beide Schweife in entgegengesetze Richtungen zeigen, wie man auf diesem Bild von Phillip Jones aus Texas, aufgenommen am 22. Februar, gut sehen kann:




Am besten sieht man Lulin, wenn man ein Fernglas oder ein Teleskop hat. Dann sollte Lulin als grünliches Objekt erscheinen, in etwa so groß erscheinen wie der Vollmond!

Vielleicht fragt jetzt jemand, warum Lulin eigentlich grün ist? Das liegt daran, dass ein Komet nicht einfach nur ein Stück Stein ist, dass um die Sonne fliegt. So ein Komet besteht aus Gestein und Eis, in dem Gase eingeschlossen sind. Kommt der Komet nun der Sonne nahe, verdampft das Eis, es entsteht der Kometenschweif und die Gase werden freigesetzt. Für die grüne Farbe von Lulin sorgen Kohlenstoff und Cyan. Wenn die durch das Sonnenlicht ionisiert werden, leuchten sie grün. (Cyan ist übrigens giftig und chemisch mit Blausäure verwandt - aber keine Angst; selbst wenn der Kometenschweif die Erde erreichen sollte - was er nicht tut - wird nichts davon durch die Erdatmosphäre dringen).

Im Moment ist hier in Heidelberg das Wetter halbwegs gut; ich hoffe, das ist auch heute Abend noch so (mein Teleskop ist allerdings in Jena; mit einem Foto wird es heute also nichts). Ich bin also optimistisch, den grünen Kerl doch noch zu Gesicht zu bekommen. Und vielleicht hat ja jemand der Leserinnen und Leser ebenfalls Glück, und kann von einer erfolgreichen Beobachtung berichten?


Autor: Florian Freistetter· 25.02.09 · 13:53 Uhr· 19 Kommentare

24. Februar 2009

Astrologie vs. Klimawandel

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 22

Keine Angst! Ich habe nicht vor, hier schon wieder eine Astrologie-Diskussion oder gar eine Klimadebatte anzuzetteln. Davon hatten/haben wir ja schon genug. Aber es ist schon auffällig: wenn es um Astrologie oder den Klimwandel geht, dann schießen hier auf Scienceblogs regelmäßig die Kommentarzahlen in die Höhe. Meine beiden Beiträge über Astrologie im letzten Monat hatten zusammen knapp 900 Kommentare und bei den vielen Artikeln über das Klima sind es zusammen wohl noch mehr.

Das liegt natürlich daran, dass beide Themen ziemlich kontrovers sind. Nicht aus wissenschaftlicher Sicht - hier ist die Sachlage klar. Aber sowohl die Esoteriker als auch die "Klimaskeptiker" vertreten ein grundlegend anderes Weltbild und verteidigen dieses auch heftig.

Trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, dass es zwischen den beiden Fällen Unterschiede gibt. Dieser Gedanke kam mir bei der Lektüre einer der letzten Kommentarschlachten zum Klimawandel und seitdem habe ich darüber nachgedacht: sind die Astrologen bzw. "Klimaskeptiker" in ihrer Art zu diskutieren bzw. ihrer Motivation vergleichbar? Oder gibt es doch Unterschiede? Und wie halten es eigentlich die Esoteriker mit dem Klimawandel?

Viele Esoteriker lehnen die Wissenschaft generell ab. Die Wissenschaftsfeindlichkeit ist in der Szene weit verbreitet. Auch bei den "Klimaskeptikern" herrscht Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft - aber hier wird eher eine bestimmte Meinung abgelehnt; nicht die Wissenschaft an sich. Es fällt auch auf, dass die "Klimaskeptiker" viel eher mit Wissenschaft argumentieren - allerdings ist ihr Umgang mit wissenschaftlichen Daten und Artikeln eher pseudowissenschaftlich. Die Esoteriker berufen sich in ihren Kommentaren dagegen meist auf eine "Erkenntnis jenseits der Wissenschaft".

Eigentlich sollte man meinen, dass die Esoteriker ebenfalls Sympathien für die "Klimaskeptiker" hegen - schließlich ist es die "böse Wissenschaft", die erklärt, dass unser Klima sich ändert und das der Mensch dafür verantwortlich ist. Aber in der Esoterik spielt die "Liebe zur Natur" eine große Rolle. Das spricht eher dafür, dass man sich auch in der Esoterikszene Sorgen um unsere Umwelt macht.

Ich habe mich mal in den einschlägigen Foren umgesehen, wie hier die Meinungen aussehen. Ohne den Anspruch zu erheben, dass es sich bei meiner Recherche um eine vernünftige, repräsentative Studie handelt, habe ich doch einige interessante Sachen gefunden.

Bei astrologie.de scheint sich meine oben aufgestellte Vermutung erstmal zu bestätigen: hier macht man sich Sorgen über unsere Umwelt und die globale Erwärmung. Die Astrologin Christiane Durer verbindet den Klimawandel mit esoterischen Weltuntergangsängsten und Prophezeiungen.

Aber bei Esoterikforum.de wird dagegen schon heftig diskutiert. Hier treffen esoterische Umweltfreunde auf eoterische "Klimaskeptiker". Auch deren Existenz ist eigentlich nicht verwunderlich - schließlich sind ja Verschwörungstheorien in der Szene häufig anzutreffen. Und die Geschichte von den bösen Politikern, die der Welt aus sinistren Gründen einreden will, dass sich das Klima ändert, passt hier sehr gut ins Weltbild:

"Die Panikmache hat vor Allem ein Ziel - Atomstrom wieder interessanter zu machen - denn überall auf der Welt wollte man die Atomkraft zurückdrängen - warum ist klar - nichts ist gefährlicher als Atomstrom - sauber ist er auch nicht, er erwärmt die Flüsse erheblich und bringt in weitem Umkreis eines Kraftwerkes( etwa 100 Km) deutlich mehr Krebs durch die Strahlung."

Solchen Aussagen wird von der anderen Esoterikerfront heftig widersprochen - und passende Lösungsvorschläge gibt es gleich dazu:

"Aber: Wer jetzt noch seine Augen vor dem Wandel verschließt und behauptet dies sei alles "normal" ist schlicht und einfach blind und weltfremd - gerade Menschen mit einer erweiterten Sichtweise des Lebens sollten ihren Beitrag leisten um Mutter Erde für unsere nachfolgenden Generationen lebenswert zu erhalten - aus dem kleinsten Samen erwächst schließlich auch eine Frucht - das heisst konkret : Betet, schickt Reiki, haltet Heilzeremonien für die Erde ab, engagiert euch in Umweltbewegungen, recycelt, unterstützt NGO`s, fahrt Fahrrad-wenn möglich, bringt euren Kindern die Natur nahe."

Natürlich darf auch die "Unsere Erde (Gaia) lebt und braucht unsere Hilfe"-Fraktion nicht fehlen (hier wird diese Meinung interessanterweise von einem "Klimaskeptiker" vertreten):

"Deine Argumente das man sich um Mutter Erde kümmern soll kann ich nur dick unterstreichen!!! Denn sie weint, sie ist am ersticken....jedoch hat das nicht viel mit der Erderwärmung zu tuen sondern mit der Ignoranz der Menschen, zb wer redet denn noch mit den Pflanzen? Ich meine mit allen, nicht nur mit den Zimmerpflanzen, wer bedankt sich bei ihnen?
Nein stattdessen wird im großen Sinne "Massenpflanzenhaltung" betriebenDie Umweltverschmutzung, die Gifte die in Lady Gaia reingepumpt werden sind katastrophal, und es ist klar...VÖLLIG KLAR dass wir da was machen MÜSSEN...aber sie ist nur im ganz geringem Maße für die Erderwärmung Verantwotlich, den größten Teil des CO2 kommt von den Ozeanen...das ist nicht waeltfremd sondern VÖLLIG REAL!!!!!!! Es ist einfach FAKT"

Auch im österreichischen Esoterikform.at sind die Meinungen gespalten. Die Diskussion zum Thema verläuft ähnlich und eine Umfrage im Forum kommt zu folgendem Ergebnis: 

  • Ja der Bericht der Uno gibt mir zu denken der Klimawandel ist unsere Schuld: 43%
  • Nein,es ist eine Lüge weil es Klimaveränderungen schon immer gegeben hat sogar Extremere: 57%

Diese (sicher nicht repräsentative) Umfrage kommt ziemlich nahe an das Ergebnis einer Umfrage heran, über die im Juni 2008 im Guardian berichtet wurde. Demnach sind 60% der Briten der Meinung, dass die Klimaveränderung nicht menschengemacht ist bzw. nicht so schlimm ausfallen wird, wie es die Wissenschaftler behaupten.  

Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Esoterikszene in ihrer Einschätzung des Klimawandels nicht dramatisch vom Rest der Bevölkerung unterscheidet - was mich persönlich doch ein wenig überrascht.

Der Vollständigkeit halber müsste ich nun eigentlich noch herausfinden, wie die "Klimaskeptiker" über Esoterik und Astrologie denken. Aber das wird - zumindest was die Recherche angeht - wohl doch etwas schwieriger werden. Ich werde aber zumindest mal probieren, was sich herausfinden lässt und bei Gelegenheit darüber berichten. Oder ich frage einfach den Questico-Berater Kurt Schroeder. Der macht nämlich "auf Wunsch Aussagen zum Klimawandel".

Zum Abschluss noch ein paar optimistische Worte aus den "Astrologie-Wochenhoroskopen":

Klimakatastrophe: Der Wassermann rettet uns

(...)

Zum Glück aber ist Neptun in den Wassermann gegangen. Das bedeutet, dass der menschliche Geist und die Forschung neue Wege gehen. In der ganzen Menschheit wächst die Bereitschaft, sich umzustellen, sinnlose Verschwendung zu beenden. Es werden neue Brennstoffe erfunden, es wird neue Energiereserven geben.

(...)

Im Zeichen des Wassermann-Zeitalters werden wir die Siebenmeilenstiefel der Erkenntnis anziehen und die Grenzen unseres Bewusstseins und unserer Kenntisse ins Unendliche erweitern.

Und so werden wir auch die drohende Klimakatastrophe erkennen und abwehren können: Planet Mutter Erde wird nicht untergehen.

Da haben wir ja gerade nochmal Glück gehabt, dass sich Neptun rechtzeitig in den Wassermann bequemt hat ;) 

P.S. Ich hoffe wirklich, dass sich dieser Beitrag nicht zu einem weiteren Schauplatz der Klimawandel-Diskussion entwickelt. Andererseits wäre es vielleicht interessant zu sehen, was passiert, wenn Esoteriker und "Klimaskeptiker" hier in der Diskussion aufeinandertreffen

epem.jpg

Autor: Florian Freistetter· 24.02.09 · 07:30 Uhr· 22 Kommentare

23. Februar 2009

Das Blog-Teleskop #20

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften

Gestern habe ich einen Beitrag über das Astronomie-Blogportal "Cosmic Diary" geschrieben und angemerkt, dass die Blogger dort noch ein bisschen Popularität gebrauchen könnten. Da trifft es sich gut, dass die zwanzigste Ausgabe des Blog-Teleskops dort stattfindet! Stefan Uttenthaler, ein österreichischer Astronom der in Belgien arbeitet, hat dort in seinem Blog das interessanteste aus den letzten 2 Wochen zusammengetragen.

Auch die englischsprachigen Kollegen feieren wieder einen Carnival of Space, diesmal bei Next Big Future.

blogteleskop.jpg


Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 23.02.09 · 23:45 Uhr· 0 Kommentare

22. Februar 2009

Cosmic Diary: Astronomen aus aller Welt erzählen über ihre Arbeit

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

Ein Projekt des gerade laufenden internationalen Jahr der Astronomie (IYA) habe ich ja schon vorgestellt: die Kinderserie "Cosmic Quantum Ray". Heute möchte ich über ein zweites, sehr interesantes Projekt schreiben: Cosmic Diary.

cosmicdiary_dark.jpg

Cosmic Diary ist eines der 11 "Cornerstone Projects" des IYA und besteht aus einem großen Blog-Portal. Mehr als 60 professionelle Astronomen bloggen dort über ihre Forschung und zeigen vor allem, wie es ist, Astronom zu sein.

Cosmic Diary ist international: es gibt Blogger aus Indonesien, Griechenland, Israel, Brasilien, Litauen, Indien, dem Vatikan - und vielen anderen Ländern. Die sprachliche Vielfalt ist da leider schon geringer. Die meisten schreiben auf englisch - aber es finden sich auch immer wieder Beiträge in spanisch, portugiesisch, türkisch, japanisch oder deutsch.

Eigentlich ein enorm interessantes Projekt - trotzdem ist es in der Blogwelt noch nicht so richtig angekommen. In den diesjährigen Ausgaben des "Carnival of Space" (dem englischsprachigen Gegenstpck zum Blogteleskop) wurde beispielsweise noch nie über Cosmic Diary berichtet. Ich habe natürlich nicht alle Astronomie-Blogs überprüft - aber ich könnte mich nicht erinnern, dass Artikel aus dem Cosmic Diary irgendwo aufgegriffen wurde...

Dieser Mangel an Popularität ist schade - denn wann hat man schon mal die Chance, dutzenden Astronomen quasi "live" bei der Arbeit zuzsehen. Rogel Sese von den Philipinen erzählt dort zum Beispiel, wie es ist, Astronom in einem Entwicklungsland zu sein. Nando Patat aus Italien berichtet ausführlich von seiner Forschung am Very Large Telescope (VLT) in Chile - ebenso wie Gaitee Hussain aus Großbritannien, die vom "Telescope Hopping in Chile" erzählt. Gerard van Belle aus den USA erklärt die Welt der astronomischen Akronyme. Alberto Krone Martins freut sich, dass in Brasilien endlich ein eigenes Bachelor-Studium für Astronomie eingeführt wurde. Heidi Korhonen aus Finnland erzählt, was eigentlich ein "Day Astronomer" am Paranal in Chile so macht. Guy Consolmagno von der Sternwarte des Vatikan schreibt über die Probleme zwischen Astronomen und Journalisten. Avivah Yamani Rayadi aus Indonesien ist mir ihrem Teleskop in ein Dorf auf dem Land gefahren, um dort den Kindern über Astronomie zu erzählen. Stefan Uttenthaler aus Österreich erzählt eine "Kleine Geschichte der Forschung".

Cosmic Diary bietet also haufenweise interessante Artikel und ich kann jedem nur empfehlen, dort vorbeizuschauen bzw. den RSS-Feed zu abonnieren. 

Das die kosmischen Tagebücher ein bisschen unter mangelnder Popularität leiden, ist allerdings auch nicht so verwunderlich. Die Menschen, die dort schreiben, sind ja in erster Linie Astronomen, keine Blogger. Wenn sie nicht gebeten worden wären, sich am Cosmic Diary zu beteiligen, hätten die meisten wohl nie angefangen zu bloggen. Das die Blogger dort im Allgemeinen nicht mit der Blogosphäre und deren Mechanismen vertraut sind, merkt man auch daran, dass (zwei Blogs ausgenommen) niemand eine Blogroll eingerichtet hat. Aber Vernetzung ist in der Blogwelt eben etwas, was man nicht vernachlässigen darf. Manche Blogger haben auch immer noch nicht angefangen zu schreiben - und wenn man dann auf leere "Hello World"-Artikel stößt, wirkt das auch nicht gerade professionell (besonders wenn sie, so wie es jetzt im Moment gerade der Fall ist, direkt auf der Startseite an erster Stelle bei den neuen Postings verlinkt sein). Auch die Cosmic Diary-Seite selbst ist etwas unübersichtlich aufgebaut. Einige Blogger sind direkt dort, unter den jeweils neuesten Beiträgen verlinkt. Zu anderen Blogs gelangt man wiederum nur, wenn man am rechten Seitenrand auf die jeweilige Organisation klickt der sie angehören (ESO, NASA, ...).

Aber das Internationale Jahr der Astronomie ist ja noch lang - vielleicht verbessern die Organisatoren ja noch das eine oder andere und die Popularität des Cosmic Diary wächst (es gibt übrigens auch eine eigene Facebook-Gruppe). Zu wünschen wäre es diesem tollen Projekt - und vielleicht bleibt ja der eine oder andere Astronom der Blogwelt erhalten.

Übrigens: Die aktuelle Ausgabe Nr. 20 des Blog-Teleskops erscheint ausnahmsweise erst morgen - und dann im Cosmic Diary ;)


Autor: Florian Freistetter· 22.02.09 · 17:35 Uhr· 5 Kommentare

Wie beschreibt man die Bahn eines Himmelskörpers?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

Die Himmelsmechanik beschäftigt sich mit der Bewegung von Himmelskörpern (Sterne, Planeten, Asteroiden, Kometen, Monde, ...). Dafür braucht man natürlich ein Koordinatensystem.

Wenn wir z.B. Objekte in unserem Sonnensystem betrachten, dann wäre die heliozentrischen Koordinaten die einfachste Wahl. Dabei verwendet man einfach ein "normales" dreidimensionales kartesisches Koordinatensystem mit der Sonne im Ursprung. Ein Objekt, das sich um die Sonne bewegt hat dann 3 Ortskoordinaten (x,y,z) und drei Geschwindigkeitskoordinaten (vx, vy, vz) die angeben, wie schnell sich das Objekt in eine bestimmte Richtung bewegt. Durch diese 6 Koordinaten ist die Position eines Himmelskörpers eindeutig bestimmt.

Für bestimmte Anwendungen sind die heliozentrischen Koordinaten aber etwas unpraktisch. Was einen in der Himmelsmechanik oft interessiert, ist nicht die Bewegung eines Objekts an sich, sondern die Änderung der Bahn des Himmelskörpers. Laut Keplers ersten Gesetz bewegen sich Planeten und Asteroiden auf elliptischen Bahnen um die Sonne. Da nun aber nicht nur die Sonne eine gravitative Kraft auf die Planeten ausübt, sondern die Planeten sich auch untereinander beeinflussen, ändern sich diese Ellipsen aber im Laufe der Zeit!

Die Bahnellipsen der Planeten werden mit der Zeit normalerweise größer und kleiner, elliptischer und weniger elliptisch, sie drehen sich im Raum hin und her... Wenn sich die Planeten (oder Asteroiden, Kometen, ...) auf stabilen Bahnen befinden, dann finden diese Schwankungen nur innerhalb gewisser Grenzen statt. Bei Objekten auf instabilen/chaotischen Bahnen, werden diese Schwankungen immer größer und größer bis der Himmelskörper in die Sonne stürzt, aus dem Sonnensystem fliegt oder mit einem anderen Objekt kollidiert. Um nun herauszufinden, ob sich Objekte auf stabilen oder instabilen Bahnen befinden, untersuchen Himmelsmechaniker deswegen nicht die Änderungen der heliozentrischen Koordinaten (x,y,z,vx,vy,vz) sondern die Änderungen der Bahnelemente.

Diese Bahnelemente sind ein Koordinatensystem, basierend auf den Eigenschaften der Bahn eines Himmelskörpers. Sie setzen sich aus 6 verschiedenen Größen zusammen:


  • Die große Halbachse (a) der Bahn. Die Bahn eines Objekts um die Sonne wird durch eine Ellipse beschrieben. Die Form einer Ellipse ist definiert durch kleine Halbachse (grün) und große Halbachse (rot):

ellipse1.jpg
  • Die Exzentrizität (e) der Bahnellipse. Je exzentrischer eine Ellipse ist, desto größer ist die Abweichung von der Form eines Kreises. Die Exzentrizität wird mit einer Zahl zwischen 0 und 1 angegeben. Ein Kreis hätte eine Exzentrizität von e=0; mit steigender Exzentrizität wird die Ellipse immer langestreckter bis schließlich bei e=1 die Ellipse zu einer Linie wird.

Große Halbachse und Exzentrizität definieren die Form der Ellipse. Diese Bahnellipse hat nun aber auch eine bestimmte Lage im dreidimensionalen Raum. Daher werden noch 3 weitere Parameter benötigt, um zu definieren, wie die die Ellipse im Raum orientiert ist:

  • Die Inklination (i) der Bahn. Die Inklination bzw. Bahnneigung gibt an, wie stark die Bahnellipse gegenüber der Ekliptik geneigt ist. Die Ekliptik ist die Referenzebene im Sonnensystem und entspricht der (mittleren) Bahnebene der Erde. Eine Bahn mit z.B. einer Inklination von i=5° ist um 5° gegenüber der Erdbahn geneigt.

ebene1.jpg
  • Die Länge des aufsteigenden Knotens (Ω). Der Punkt, an dem die Bahn eines Himmelskörpers die Ekliptik von Norden nach Süden durchstößt, nennt man absteigender Knoten (). Der Punkt, an dem die Bahn die Ekliptik von Süden nach Norden durchstößt, nennt man aufsteigender Knoten ()1. Der Winkel zwischen der Verbindungslinie Sonne-Aufsteigender Knoten und der Verbindungslinie Sonne-Frühlingspunkt ist die Länge des aufsteigenden Knotens. Der Frühlingspunkt () ist ein fixer "Nullpunkt" der als Bezugspunkt für astronomische Koordinaten dient. Es ist jener Punkt am Himmel, an dem die Sonne genau am astronomischen Frühlingsanfangt steht).

knoten.jpg
  • Das Argument des Perihels (ω). Das Argument des Perihels ist der Winkel zwischen der Verbindungslinie Sonne-Perihel (der sonnennächste Punkt auf der Bahn) und der Verbindungslinie Sonne-aufsteigender Knoten.

perihel.jpg
Diese drei Parameter (i, Ω, ω) definieren die Lage der Ellipse im Raum. Die Bahnellipse des Himmelskörpers ist nun also durch große Halbachse, Exzentrizität, Inklination, Länge des aufsteigenden Knotens und Argument des Perihels eindeutig definiert. Es fehlt jetzt aber noch ein weiterer Parameter um die Position des Himmelskörpers auf dieser Bahn festzulegen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten; die häufigste ist

  • Die mittlere Anomalie (M). Zur Definition der mittleren Anomalie geht man von einem "mittlerem Objekt" aus, das die gleiche Umlaufzeit hat wie der echte Himmelskörper und auch zur gleichen Zeit das Perihel durchläuft. Dieses mittlere Objekt bewegt sich allerdings mit konstanter (Winkel)Geschwindigkeit auf einer Kreisbahn (mit einem Radius, der gleich der großen Halbachse des echten Objekts ist) um die Sonne. Der Winkel zwischen der Verbindungslinie Kreismittelpunkt-mittleres Objekt und der Verbindungslinie Kreismittelpunkt-Perihel ist die mittlere Anomalie.

    meananomaly.jpgSie lässt sich auch leicht mit folgender Formel berechnen:

    formel1.jpg t0 ist hier der Zeitpunkt des Periheldurchgangs und U die Umlaufperiode des Himmelskörpers.
Diese 6 Parameter (a, e, i, Ω, ω, M) sind die Bahnelemente! Mit ihnen läßt sich die Position und Geschwindigkeit eines Himmelskörpers genauso exakt beschreiben wie mit den heliozentrischen Koordinaten.

Will man nun wissen, wie sich die Bahn eines Himmelskörpers im Laufe der Zeit verändert, muss man untersuchen, wie sich die Bahnelemente im Lauf der Zeit ändern. Im folgenden Bild2 sieht man beispielsweise, wie sich die Exzentrizitäten von Erde und Venus während eines Zeitraums von 5 Millionen Jahren ändern:

lnp.jpg Hier sieht man was ich oben beschrieben habe: Die Exzentrizitäten werden periodisch größer und kleiner - aber die Änderungen finden nur innerhalb gewisser Grenzen statt: Die Bahnen von Erde und Venus sind stabil. Man sieht hier auch schön, dass die Bahnänderungen von Erde und Venus gekoppelt sind: immer dann, wenn die Exzentrizität der Erde größer wird, wird die der Venus kleiner (und umgekehrt).

Über Bahnelemente gäbe es noch viel mehr zu sagen - vor allem auch über die genauen Wege, wie man ihre Änderungen berechnet (und über die anderen Typen von Bahnelementen). Aber das würde jetzt zu weit führen...


Fussnoten:
1 "Norden" bezieht sich hier auf die Nordrichtung der Erdachse

2 Das Bild stammt aus dem Buch: "Chaos and Stability in Planetary Systems" (Rudolf Dvorak, Florian Freistetter, Jürgen Kurths), ISBN 978-3540282082


Dieser Artikel wurde schon früher in meinem alten Blog veröffentlicht. Da ich aber in nächster Zeit einige Beiträge schreiben möchte, für die die Bahnelemente wichtig sind, habe ich ihn hier nochmal eingestellt.


Autor: Florian Freistetter· 22.02.09 · 14:10 Uhr· 14 Kommentare

21. Februar 2009

Susi Neunmalklug erklärt die Welt

Kategorie: Naturwissenschaften·Wissenschaft für Kinder  ·  Kommentare: 111

Über ChinaFans Blog bin auf das Buch "Susi Neunmalklug erklärt die Evolution" gestossen. In diesem Kinderbuch von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke erklärt die kleine Susi Neunmalklug ("ist so schlau, wie Supermann stark ist und kann so gut denken, wie Spiderman klettern kann"), die Evolution. Ihr Lehrer in der Schule hat da eine ziemlich seltsame Geschichte darüber erzählt, wie die Welt angeblich entstanden ist (in sechs Tagen erschaffen, von einem Gott) - aber Susi sagt ihm, wie es wirklich war.

Zu diesem Buch gibt es auch ein witziges Video:


Susis Satz "Ihr Erwachsenen, Lehrer, Erzieher: nehmt euch in acht! Macht nicht den Fehler, mir Unsinn zu erzählen." kann ich jedenfalls nur zustimmen. Kindern Unsinn zu erzählen, ist immer falsch! Und es ist erstaunlich, wie viel die Kleinen schon verstehen - man kann ruhig mal mutig sein, und den Kindern die echte Wissenschaft beibringen!

Ich werde mir das Buch auf jeden Fall mal besorgen und dann hier darüber berichten.

Nachtrag: Hier gibt es die Rezension des Buches.

Die anderen Artikel aus der Serie "Wissenschaft für Kinder": Botanischer Garten Jena, Optisches Museum Jena, Phyletisches Museum Jena, Cosmic Quantum Ray (Fernsehserie)


Autor: Florian Freistetter· 21.02.09 · 07:30 Uhr· 111 Kommentare

20. Februar 2009

Wissenschaft für Kinder: Der botanische Garten in Jena

Kategorie: Naturwissenschaften·Wissenschaft für Kinder  ·  Kommentare: 6

Ich liebe ja botanische Gärten (ich hätte fast Botanik studiert, wenn ich mich dann nicht doch noch für Astronomie entschieden hätte). Und wenn es außerdem noch so kalt und winterlich ist, wie im Moment, dann gibt es nichts besseres, als sich in gut beheizten Gewächshäusern aufzuhalten. Deswegen fiel die Wahl des dieswöchigen Bildungsausflugs leicht: wir besuchen den botanischen Garten in Jena (keine Angst, es kommen auch noch mal andere Städte an die Reihe ;) ).

Der botanische Garten der Universität Jena ist, vergliche mit anderen Einrichtungen eher klein. An den botanischen Garten in Berlin kommt er bei weitem nicht heran (aber das ist auch ziemlich schwer; immerhin ist das der drittgrößte der Welt - und ein Besuch absolut empfehlenswert). Aber er kann locker z.B. mit dem botanischen Garten in Wien mithalten und schlägt z.B. den Potsdamer botanischen Garten ohne Probleme.

Der Eintritt ist billig (Studenten der Uni Jena zahlen überhaupt nichts) und man findet sich gleich in einer beeindruckenden Kakteen-Sammlung wieder:

botanischergarten1.jpg
Da sind schon einige gewaltige Exemplare dabei... Auch die Sammlung fleischfressender Pflanzen im nächsten Raum beeindruckt (besonders die Kinder). So richtig gemütlich wirds dann aber im größten Gewächshaus: hier herrschen angenehm warme Temperaturen, die Pflanzen sind tropisch, ein kleiner Bach plätschert und die Frösche pfeifen (ja, laut Aushang soll es dort auch pfeifende Frösche geben - wir haben aber keinen gehört oder gesehen). Auf den bequemen Stühlen unter einem gigantischen Bananenbaum sitzend, fühlt man sich fast wie im Urlaub. Im nächsten Raum findet man dann ein großes Becken mit vielen Wasserpflanzen - normalerweise zumindest. Diesmal war der Teich fast leer. Das war besonders schade, weil Fabian sich schon auf die riesigen Seerosen (Victoria) gefreut hat (Ich auch, die sind echt toll!). Naja, immerhin konnte man so die Piranhas im Becken besser sehen (Ich habe übrigens das Warnschild ignoriert und mal einen Finger ins Wasser gesteckt - es sind noch alle 10 dran ;) ).

Den großen Aussenbereich des botanischen Gartens haben wir uns heute gespart. Erstens hat es ziemlich fies geregnet und zweitens ist der im Winter sowieso nicht so beeindruckend. Aus meinen früheren Besuchen im Sommer kann ich allerdings nur gutes berichten: eine schöne und ruhige Alternative zum oft etwas überlaufenden Paradispark in Jena. Details liefere ich dann beim nächsten Besuch im Frühling nach.

Für Kinder ist so ein botanischer Garten erstmal ein wenig langweilig. Im Gegensatz zu den Tieren im Zoo sind Pflanzen ja eher wenig aktiv und kindertauglich. Botanische Gärten sind auch i.A. keine großen Fans von modernen Museumskonzepten. In Jena gibt es - so wie meistens - nur jede Menge Pflanzen und Schilder mit lateinischen Namen. Will man das Kind ein bisschen für die Pflanzenwelt begeistern, ist also Eigeninitiative gefragt. Das klappt aber eigentlich ganz gut - den die meisten der dort vorhandenen Pflanzen sieht man ja so in der Natur eher selten. Und meterhohe Kakteen oder noch höhere Palmen beeindrucken auch Kinder. Man sollte ihnen natürlich auch entsprechende Geschichten dazu erzählen: wie die fleischfressenden Pflanzen es anstellen, Fliegen zu fangen; wie aus dem unscheinbaren Baum hier die Grundzutat für die Schokolade gewonnen wird, usw - dann kann auch ein Besuch in einem botanischen Garten ein nettes Erlebnis für ein kleines Kind werden.

Zum Abschluss haben wir im Tropenhaus noch ein schönes Beispiel für "Dumm gelaufen" gefunden. Dort befindet sich nämlich dieses, erstmal sehr mysteriöse Hinweisschild:

schild1.jpg

Fasst man das große Blatt dann an und hebt es hoch, um zu lesen, was auf diesem Schild steht, findet man das:

schild2.jpgTja... Uns geht es aber trotzdem gut (zumindest im Moment noch...)

Die anderen Artikel aus der Serie "Wissenschaft für Kinder": Optisches Museum Jena, Phyletisches Museum Jena, Cosmic Quantum Ray (Fernsehserie)


Autor: Florian Freistetter· 20.02.09 · 22:16 Uhr· 6 Kommentare

19. Februar 2009

Esoterik-Spam von Karin Kristall-Licht

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 21

Das sich in meiner Mailbox jeden Tag haufenweise Nachrichten von netten Leuten befinden, die mir kleine blaue Pillen, Uhren oder sonstigen Kram verkaufen wollen, daran habe ich mich schon gewöhnt. Auch an die Briefe von Diktatoren-Witwen aus Afrika, die Hilfe bei der Geldanlage brauchen oder die Aufforderungen netter Frauen, mal einen Seitensprung zu wagen.

Aber das Email, das ich heute gefunden habe, war neu. Diese Art von Spam erlebe ich zum ersten Mal. Hat jemand anderes auch schonmal so einen Esoterik-Spam bekommen?

"Hallo Renate,

Du glaubst es nicht, aber ich hab die Kartenlegerin nach 2 Jahren wieder gefunden. Erinnerst Du Dich, ich hab Dir doch erzählt, dass mir vor zwei Jahren eine Kartenlegerin namens "Shiva" das Leben gerettet hat. Sie half mir dann auch bei meiner Scheidung, und hat mir meinen jetzigen Lebenspartner, den Herbert so genau beschrieben, dass ich ihn bei unserer ersten Begegnung sofort erkannte. Leider war sie von dem Portal plötzlich verschwunden und keiner konnte mir sagen, wo ich die Dame wieder finden konnte. Jetzt nach 2 Jahren hab ich sie durch Zufall auf einem neuen Portal wieder gefunden. Das portal heißt www.spirit-talk.de und ist nagelneu. Die eröffnen offiziell erst zum 20.02.09, Du kannst aber bei ihr schon
vorher anrufen, sie meinte das sei in Ordnung.

Übrigens, werde ich mich auch bei diesem Portal als Beraterin anmelden, Du weißt ja, bei einem neuen Portal hat man noch große Chancen sich in die Top-Ten zu arbeiten. Bei den großen Portalen ist das nicht mehr möglich, oder nur sehr schwer. Und wirklich Geld verdienen kann man nur, wenn man ganz vorne ist.

Ich würde mich gerne unter den Beraternamen "Kristall-Licht" anmelden. Wie findest Du ihn? Kannst mir ja auch ein paar Beraternamen vorschlagen.

Ach ja, gestern hat Tante Brunni nach Dir gefragt. Melde Dich mal bei Ihr, ich glaube es geht um das Tee-Service.

Wir sehen uns ja morgen im Training, dann erzähl ich Dir was "Shiva" mir erzählt hat.

Viele Knutscher

Karin :)

Ich weiß zwar nicht, warum mich die gute Karin "Kristall-Licht" für eine Frau namens "Renate" hält - aber wenn sie nicht mal das Geschlecht ihrer Klienten auf die Reihe kriegt, dann sehe ich schwarz für den Einzug in die Top-10. Aber am besten frag ich sie morgen im Training mal, was das soll. Und jetzt geh ich mal gucken, ob ich irgendwo das Tee-Service von Tante Brunni finde ;)


Autor: Florian Freistetter· 19.02.09 · 13:02 Uhr· 21 Kommentare

18. Februar 2009

Homöopathie für Babys

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 60

Immer wieder stoße ich im Internet auf absurde bzw. seltsame Nachrichten über Pseudowissenschaften oder Esoterik. Heute war es ein Artikel in der Online-Ausgabe "Ausgburger Allgemeinen" (bzw. eine Kopie der entsprechenden Pressemitteilung einer Krankenkasse).

Unter der Überschrift "Homöopathie für Babys" freut man sich darüber, dass in der Kinderklinik in Neuburg a.d. Donau nun auch eine homöopathische Betreuung von Neugeborenen angeboten wird: 

"Damit Vater und Mutter auch bei kranken Neugeborenen beruhigt das Elternglück genießen, können Frühgeborene auf den beiden neonatologischen Intensivstationen der Kinderklinik in Neuburg und am Klinikum Ingolstadt zusätzlich mit einer homöopathischen Behandlung im Krankenhaus versorgt werden."

Wäre ich Vater eines Neugeborenen und wüsste ich, dass es von Ärzten betreut wird, die nichts dabei finden, mein Kind mit unwirksamen "Medikamenten" zu behandeln, dann könnte ich mein "Elternglück" nicht wirklich genießen. Ich würde schnellstens dafür sorgen, dass die medizinische Betreuung von Ärzten übernommen wird, die den Unterschied zwischen Medizin und Aberglaube kennen!

Dr. Ivo Henrichs, Chefarzt der Klinik in Neuburg gehört da wohl nicht dazu:

„Neben den anerkannten Therapiemethoden kann die Homöopathie bei der medizinischen Betreuung von Frühgeborenen und erkrankten Neugeborenen mit eingesetzt werden. Die Homöopathie kann so bei besonderen Indikationen eine erwünschte Ergänzung in der therapeutischen Palette der neonatologischen Intensivmedizin sein."

Na immerhin werden die Kinder dort auch noch mit echter Medizin behandelt und nicht nur mit Zuckerkügelchen. Der Halbsatz "Neben den anerkannten Therapiemethoden" ist übrigens der einzige vage Hinweis darauf, dass die Homöopathie eventuell vielleicht doch nicht die tolle Therapie ist, für die sie anscheinend von vielen gehalten wird. Ansonsten ist der Artikel frei von jeglicher Kritik an der Homöopathie. 

Aber das ist man mittlerweile ja schon gewohnt. Die Homöopathie-Propaganda von der "sanften, pflanzlichen Alternativmedizin" hat unsere Gesellschaft mittlerweile schon so stark durchdrungen, dass es fast sinnlos ist, darauf hinzuweisen, dass es sich hier weder um eine sanfte, noch um eine pflanzliche und schon gar nicht um Medizin handelt. Die zutiefst abergläubischen Vorstellungen, die hinter der Homöopathie stehen werden gerne ausgeblendet.

Und nun werden schon die Neugeborenen homöopathische behandelt. Ich will mich lieber nicht weiter dazu äußern - jedesmal, wenn ich sehe, wie Kindern pseudowissenschaftliche und potentiell schädliche Lehren aufgezwungen werden, macht mich das zu wütend, um noch halbwegs objektiv schreiben zu können. Bleibt zu hoffen, dass in der Neuburger Klink noch einige Kinderärzte arbeiten, die wissen, wie man Krankheiten wirklich behandelt und keine Kinder zu Schaden kommen.


Ähnliche Artikel: Medikamente aus Hundekot, 13 Fragen an die Homöopathen, Homöopathie-Propaganda für Kinder, Homöopathie aus der Apotheke, Anthroposophische Streukügelchen gegen Erkältung, Abstimmen über Homöopathie, Gastbeitrag: Homöopathie auf Ö1 und der Kinderuni Wien, Homöopathie an der Kinderuni: Antwort der Verantwortlichen, Homöopathie, Placebos und Quantenunsinn, Homöopathie am LKH Klagenfurt, Homöopathie auf dem Prüfstand, Homöopathie-Propaganda in der Qualitätszeitung, Erste deutsche Homöopathie-Professur ins Leben gerufen

Autor: Florian Freistetter· 18.02.09 · 18:20 Uhr· 60 Kommentare

17. Februar 2009

Wie bewertet man wissenschaftlichen Erfolg?

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 16

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Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal bei Technorati gestöbert habe, habe ich auch darüber nachgedacht, wie man den Erfolg eines Blogs messen kann. Dieses Thema wurde in der Blogwelt ja schon ausgiebig diskutiert - ohne eine endgültige Antwort zu finden. Meistens wird die sg. "Technorati-Authority" benutzt: also die Anzahl der Links die von anderen Blogs auf ein bestimmtes Blog gesetzt werden.

Das ist sicherlich ein gutes Meßinstrument - einflußreichere (und damit wohl auch erfolgreichere) Blogs werden öfter verlinkt. Aber Links sind natürlich nicht alles. Ein Blog, dass sich z.B. nur mit der Welt der Blogs beschäftigt, kann leicht eine hohe authority bekommen, denn dann ist es nicht verwunderlich, wenn viele Blogs darauf verweisen. Aber außerhalb der (eigentlich doch relativ kleinen) Blogwelt werden solche Beiträge kaum Interesse hervorrufen. Andererseits kann es Blogs geben, die kaum oder keine Verlinkungen aufweisen - aber doch von sehr vielen Leuten gelesen werden.

Es ist also leicht zu sehen, wie schwer es ist, den Erfolg eines Blogs zu bewerten - und auch ich kenne keine vernünftige Lösung für dieses Problem. Aber diese Situation hat mich an ein anderes Bewertungsproblem erinnert: Wie bewertet man den Erfolg von Wissenschaftlern?

Was macht einen Wissenschaftler zu einem guten Wissenschaftler? Individuell lässt sich diese Frage meistens beantworten: setzt man sich lang genug mit der Arbeit eines konkreten Forschers auseinander (und hat man Ahnung vom Forschungsthema), dann kann man recht gut einschätzen, ob hier gute oder schlechte Arbeit geleistet wird. Aber was macht man, wenn man z.B. 50 Bewerbungen für eine PostDoc-Stelle vorliegen hat, und entscheiden soll, wer den Job bekommt? Da braucht es dann irgendeine andere Möglichkeit, die Entscheidung zu treffen.

Und genau wie für den Erfolg von Blogs meistens eine einzelne Zahl (die Technorat-authority) verwendet wird, gibt es auch bei der Bewertung von Wissenschaftlern (zumindest in den Naturwissenschaften) eine entsprechende "Meßgröße": die Publikationsliste.

Publikationen sind das für alle sichtbare Endprodukt eines wissenschaftlichen Projekts: nach Abschluß einer Forschungsarbeit werden die Ergebnisse mitsamt der Methode zusammengefasst und aufgeschrieben. Fachgutachter prüfen die Arbeit und (bei bestandender Prüfung) sie wird in einer passenden Zeitschrift veröffentlicht und so dem Rest der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugängig gemacht.

Die Publikationsliste ist quasi eine erweiterte Visitenkarte eines Forschers, die dessen bisherige Karriere kurz wiedergibt. Aber auch hier ergeben sich einige Probleme: um tatsächlich zu bewerten, ob die publizierten Arbeiten gut oder weniger gut (schlechte Arbeiten sollten es ja eigentlich gar nicht bis zu einer Veröffentlichung schaffen) sind, sollte man sie lesen. In der Praxis ist dafür selten Zeit - oft reicht es nur dazu, die Artikel kurz zu überfliegen und meistens nichtmal dazu. Deshalb wird darauf geachtet, in welchen Zeitschriften, die Artikel erschienen sind. Es gibt nämlich "gute" und "schlechte" Journale - und genau wie die authority bei den Blogs bestimmen auch hier gegenseitigen "Verlinkungen" über die Güte einer Zeitschrift.

Die entsprechende Zahl heisst "Impact Factor" und bestimmt sich daraus, wie oft Atrikel aus der Zeitschrift in anderen Artikel zitiert werden. Je mehr Zitate, desto höher der Impact Factor und desto "besser" die Zeitschrift. Und je mehr Artikel man selbst in Zeitschriften mit einem hohen Impact Factor veröffentlicht hat, desto höher wird die Qualität der Publikationsliste (und damit der eigenen Forschungsarbeit) eingeschätzt.

Natürlich ist diese Methode nicht ganz unproblematisch. Da Veröffentlichungen in Zeitschriften mit hohem Impact Factor mehr zählen, versucht man natürlich meistens, seine Artikel auch dort unterzubringen. Journale, die sich auf bestimmte Bereiche stark spezialisiert haben, gehen da leicht ein bisschen unter. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsbereich, der Himmelsmechanik: Da gibt es die Zeitschrift "Celestial Mechanics and Dynamical Astronomy" (CMDA) die sich speziell mit Himmelsmechanik, störungs- bzw. chaostheoretischen Anwendungen und Astrodynamik beschäftigt. Im Editorial Board sitzen führende Himmelsmechaniker, die Qualitätsstandards sind hoch und trotzdem ist der Impact Factor von CMDA vergleichsweise niedrig. Ich habe deswegen schon öfter Artikel, die thematisch eigentlich genau zu CMDA gepasst hätten, lieber in Astronomy & Astrophysics (A&A) veröffentlicht (einer Zeitschrift, die sich mit allen Themen der Astronomie beschäftigt und einen vergleichsweise hohen Impact Factor hat). Das führt dann natürlich wieder dazu, dass der Impact Factor von A&A die Chance hat, größer zu werden während der von CMDA kleiner wird (und eine Publikation dort noch unattraktiver - es wird aber trotzdem bald ein neuer Artikel von mir dort erscheinen).

Je nach Zeitschrift, in der ein Artikel veröffentlicht wird, wird dieser "besser" oder "schlechter" - auch wenn sich am eigentlich Inhalt des Artikels nichts ändert. Ein anderer Artikel von mir soll beispielsweise in den "Astronomischen Nachrichten" erscheinen - immerhin die älteste noch existierende astronomische Fachzeitschrift der Welt! Trotzdem ist ihr Impact Factor ziemlich klein. Ich hätte meinen Artikel sicherlich auch bei Astronomy & Astrophysics oder z.B. den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society unterbringen können. In diesem Fall waren es aber organisatorische Gründe die zur Veröffentlichung in den Astronomischen Nachrichten geführt haben - und damit dann auch die "Qualität" meines Artikels verringern.

Ein gewisses Gegengewicht zu dieser Entwicklung hat die Digitalisierung der Zeitschriftendatenbanken gebracht. Während früher Artikel in unbekannteren bzw. "unwichtigeren" Journalen tatsächlich nicht gelesen oder zur Kenntnis genommen wurden (weil die entsprechenden Zeitschriften nur in wenigen Bibliotheken vorhanden waren), sorgen heute Datenbanken wie z.B. das Astrophysics Data System (ADS) für mehr Sichtbarkeit. Wer nach Artikeln zu bestimmten Themen sucht, findet alle - egal ob sie in Nature, Science, A&A, CMDA oder den Astronomischen Nachrichten erschienen sind.

Das ändert aber nichts daran, dass die Zeitschriften, in denen man veröffentlicht, immer noch eine sehr wichtige Rolle spielen, wenn es daran geht, eine wissenschaftliche Karriere zu bewerten. Das System ist unfair - aber ich habe mir schon öfter Gedanken darüber gemacht, ohne wirklich eine bessere Lösung zu finden. Wenn man nicht tatsächlich alle Artikel eines Wissenschaftlers detailliert studiert, dann muss man zwangsläufigt irgendwelche Näherungswerte suchen, die die Qualität beschreiben können - und das kann wohl nie eine befriedigende Lösung sein. Oder haben meine Leserinnen und Leser vielleicht eine geniale Idee?

Ein weiteres wesentliches Problem ist die Beschränkung der Beurteilung auf die Publikationen. Nicht umsonst heisst die Redewendung ja "Publish or Perish!" - "Publiziere oder gehe unter!". Wer nicht publiziert, existiert in der wissenschaftlichen Welt quasi nicht.

Ich habe ja hier schon öfter gefordert, dass man Wissenschaftler nicht allein nach ihrer Forschungsarbeit bzw. Publikationen beurteilen sollte. Nicht, weil Forschung nicht wichtig ist. Selbstverständlich, ist Forschung ein fundamentaler Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit. Aber eben nicht alles. Meiner Meinung nach sollte die Vermittlung des Wissens (Lehre und Öffentlichkeitsarbeit) eine mindestens ebenso wichtige Rolle für die Forschung spielen. Diese Themen werden an den Universitäten meist etwas stiefmütterlich behandelt. Das ist auch nicht verwunderlich - wenn der Erfolg eines Wissenschaftlers rein an der Forschung und an den Publikationen gemessen werden, dann wird man auch nicht sonderlich viel Zeit auf die Lehre oder gar Öffentlichkeitsarbeit verwenden. Ob man gute oder schlechte Vorlesungen hält, sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert oder nicht, spielt bei der Bewertung wissenschaftlicher Karrieren kaum eine Rolle - und dementsprechend "wichtig" wird sie auch genommen.

Wenn auch diese Dinge eine wichtige Rolle bei der Messung des wissenschaftlichen Erfolgs spielen würden, dann könnte man vielleicht von der reinen Fixierung auf Publikationen und die damit verbundenen Probleme abkommen. Aber das ist wohl nur eine Wunschvorstellung...

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Autor: Florian Freistetter· 17.02.09 · 21:16 Uhr· 16 Kommentare

15. Februar 2009

Wie Galileo Galilei die Welt veränderte

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 26

Heute vor 445 Jahren wurde Galileo Galilei geboren. Und vor 400 Jahren, im Jahr 1609, veränderte er nachhaltig die Welt. Und das kam so...

Zur Zeit Galileis gab es 2 konkurrierende Systeme, die das damals bekannte Universum beschrieben. Einmal war da das alte ptolemäische Weltbild, in dem die Erde im Mittelpunkt stand und alle Himmelskörper sich um sie herum bewegten. Und es gab das neue, kopernikanische Weltbild (das Buch "De Revolutionibus Orbium Coelestium" erschien erst knapp 150 Jahre vorher, im Jahr 1543) in dem die Sonne im Zentrum stand und sich alle Planeten um sie herum bewegten.

Beide Theorien beschrieben die Beobachtungsdaten hinreichend gut - es war also bis damals nicht möglich, zu unterscheiden, welche richtig war und welche falsch. Das änderte sich allerdings, als Galileo Galilei 1609 das erste Mal ein Teleskop auf den Himmel richtete.

Der erste Hinweis, den er fand, waren die Monde des Jupiter. Als Galilei den großen Planeten im Fernrohr betrachtete, fand er noch 4 kleinere Himmelskörper, die sich eindeutig um Jupiter herum bewegten (siehe die untere Hälfte des Manuskripts):

Galileo.script.arp.600pix.jpg

Es gab also ganz eindeutig Himmelskörper, die sich nicht um die Sonne bewegten! Aber das war noch nicht eindeutig genug - viele Kritiker des kopernikanischen Weltbildes waren immer noch nicht überzeugt, dass sich deswegen auch alle anderen Himmelskörper um die Sonne bewegten.

Den Umschwung brachte erst eine andere Beobachtung des Galileo Galilei. Es gab nämlich eine Möglichkeit, wie man zwischen Ptolemäus und Kopernikus entscheiden könnte: indem man die Phasen der Venus beobachtet.

So wie der Mond Phasen von Vollmond über Halbmond bis Neumond zeigt, so zeigt auch die Venus Phasen. Die Art und die Abfolge der Phasen unterscheidet sich aber je nach Weltbild. Wenn sich alle Himmelskörper um die Erde drehen, dann sollte die Venus folgende Phasen zeigen:


Nach Ptolemäus durfte die Venus also nur verschieden sichelförmige Phasen zeigen. Wenn allerdings Kopernikus recht hat und die Sonne im Zentrum steht, dann müssen die Venusphasen so aussehen:


Hier werden, wie beim Mond, alle Phasen von Voll- über Halb- bis Neuvenus durchlaufen werden. Allerdings war die genaue Beobachtung der Venusphasen mit freiem Auge bisher nicht wirklich gut möglich gewesen. Galileo hatte aber nun sein Teleskop - und das lieferte ihm folgende Abfolge der Phasen der Venus (untere Hälfte des Bildes):

galileo_12.jpg

Und sie dreht sich doch! Auch wenn Galileo diesen Satz in Wahrheit nie gesagt hat - nun war klar: die Erde bewegt sich um die Sonne, das kopernikanische Weltbild ist richtig!


Autor: Florian Freistetter· 15.02.09 · 12:52 Uhr· 26 Kommentare

14. Februar 2009

Einen schönen Valentinstag (aber wissenschaftlich)!

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Der Valentinstag am heutigen 14. Februar gehört zwar nicht zu den Feiertagen mit astronomischen Hintergrund (wie z.B. Ostern) - trotzdem spricht nichts dagegen, auch diesen Tag der Liebe mit ein bisschen Wissenschaft aufzupeppen.

Bei Ironic Sans beispielsweise gibt es wunderbare Valentinstagskarten mit wissenschaftlichem Hintergrund. Zum Beispiel diese hier:

valentine-darwin.gif valentine-newton.gif Sogar der Mars präsentiert sich heute ganz romantisch:

marsherzen.jpg
Bild:NASA

Für die romantischen Chemiker gibt es bei The Scientific Activist jede Menge schöne Gedichte. Zum Beispiel:

If I could draw a structure of our love,
I'd draw it in Lewis dot.
Fuck the Fischer projections, baby,
Cause your lone pair gets me so hot.

--Jen Dulin
(Ok, das versteh ich nicht ;) )

Und Randall Munroe von xkcd hat ein tolles Valentinstags-Sierpinski-Dreieck gezeichnet:

sierpinski_valentine.jpg
Viel Spaß noch heute!

Autor: Florian Freistetter· 14.02.09 · 06:37 Uhr· 3 Kommentare

13. Februar 2009

Johannes Kepler: Astronomia Nova - Die Einleitung (1)

Kategorie: Astronomia Nova·Naturwissenschaften·Themenwoche  ·  Kommentare: 8

Vor knapp einem Monat habe ich angekündigt, das Jahr der Astronomie zu nutzen, um Johannes Keplers großes Werk "Astronomia Nova" zu lesen und darüber hier in meinem Blog zu berichten.

Jetzt ist es endlich soweit; ich habe meine deutschsprachige Ausgabe erhalten (Danke an den Marixverlag für das Rezensionsexemplar) und hatte Zeit, mit der Lektüre zu beginnen.


Die Einleitung

kepler4-1.jpg

Wie bei so alten Werken üblich, dauert es ein wenig, bis es so richtig zur Sache geht. Der volle Titel von Keplers Buch lautet:

Neue, ursächlich begründete Astronomie oder Physik des Himmels. Dargestellt in Untersuchungen über die Bewegungen des Sternes Mars. Aufgrund der Beobachtungen des Edelmannes Tycho Brahe. Auf Geheiß und Kosten Rudolphs II. Römischer Kaiser usw. In mehrjährigem, beharrlichem Studium ausgearbeitet zu Prag von Sr. Heil. Kais. Maj. Mathematiker Johannes Kepler.

Hmm - irgendwie schade, dass solche barocken Titel heutzutage aus der Mode gekommen sind.

Bevor es mit der eigentlichen Einleitung losgeht, wendet sich Kepler erstmal an seinen Finanzier und Arbeitsgeber:

"Erhabenster Herrscher! Dem durchlauchtigstem Namen Ew. Heil. Kais. Majestät, sowie des ganzen Hauses Österreich Heil und Segen! Auf Geheiß Ew. Majestät führe ich endlich einmal den hochedlen Gefangenen zur öffentlichen Schaustellung vor, dessen ich mich schon vor einiger Zeit unter dem Oberbefehl Ew. Majestät in einem beschwerlichen und mühevollen Krieg bemächtigt habe."

Der "Gefangene" ist der Planet Mars und Kepler reizt die Kriegsmetapher noch ein paar Seiten lang aus und erzählt, wie mühsam der "Kampf" mit diesem Himmelskörper war, bevor er ihm seine Geheimnisse entlocken konnte. Dabei spricht er auch kurz diejenigen an, die sich mit Mars hauptsächlich wegen seiner astrologischen Bedeutung beschäftigen - etwas, was Kepler nicht vorhat, zu tun:

"Ich selber wil mich hievon zu etwas anderem wenden, was meinen Kräften eher entspricht. Dabei will ich mich aber nicht auf jenem Gebiet meiner Kunst aufhalten, auf dem ich mit meinen Gefährten in Spannung geraten könnte. Sie mögen sich meinetwegen in ihrer Weise darüber freuen, daß nun der in die Ketten der Rechnung geschlagen ist, der so oft ihren Händen und Blicken entschlüpfte und Vorhersagen von großer Bedeutung zunichte machte, Vorhersagen über Krieg, Sieg, Herrschaft, militärische Auszeichnungen, leitende Stellungen, Spiel, ja sogar Entscheidungen über Tod und Leben. (...) Er ist schließlich auch der Herrscher im Widder, dem nach ihrem Glauben Deutschland unterstellt ist, und so hat er zugleich mit Ew. Heil. Kais, Majestät hier die Herrschaft inne. Diesen Teil des Triumphs mögen also meinetwegen jene Männer feiern. An so einem festlichen Tag möchte ich ihnen keine Ursache zum Streit geben. Es sei ihnen ihre Freude verstattet, wie man Soldatenspässe hingehen lässt. Ich selbst aber will mich zur Astronomie wenden und von dem Triumphwagen aus den weiteren, mir ganz besonders bekannten Ruhm unseres Gefangenen sowie aller Phasen des Krieges, den ich geführt und nun abgeschlossen habe, darlegen."

Kepler war also durchaus bewusst, das Astrologie und Astronomie zu trennen sind (von Seiten der Astrologen hört man ja oft Anderes) und nimmt, wenn man nach dieser Einleitung geht, die Astrologen nicht wirklich ernst.

Im Text geht es weiter mit der Beschreibung des Krieges gegen Mars und Kepler beschreibt die erfolglosen Versuche der Vergangenheit, die Bewegung dieses Planeten zu erklären. Schön ist hier der Fall des Georg Joachim Rhaeticus (Schüler des Kopernikus), der angeblich sogar einen Geist beschwörte, um hinter das Geheimnis der Marsbewegung zu kommen:

"Da habe der unholde Beschützer gereizt den lästigen Frager am Haar gepackt und abwechselnd mit dem Kopf oben an die Decke angeschlagen und dann wieder herabgelassen und seinen Körper auf den Boden niedergestoßen, wozu er den Orakelspruch fügte: >>Das ist die Bewegung des Mars.<<."
Kepler hält nicht viel von solchen Geistergeschichten und erklärt:

"Es ist jedoch ganz wohl glaubhaft, daß Rheticus verwirrten Geistes wütend aufgefahren ist, als seine Spekulationen keinen Erfolg brachten und seinen Kopf selber an die Wand angeschlagen hat."

Natürlich lobt er dann auch die Arbeit seines Vorgängers, Tycho Brahe. Ohne dessen Beobachtungen hätte Kepler seine "Astronomia Nova" nicht verfassen können. Es gibt zwar Gerüchte, dass Kepler beim Tod seines Vorgängers etwas nachgeholfen hatte, um schneller an dessen Daten zu kommen - aber das konnte bis jetzt nie bestätigt werden.

Nach weiteren Kriegs- und Feldzugsmetaphern hat Kepler den Mars schließlich gefangen genommen. Der eingekerkerte Mars hat nun aber noch einen Wunsch an Rudolph II:

"Um eines bittet er nun, Ew. Majestät: Er besitzt in den Ätherregionen viele Verwandte (Jupiter ist sein Vater, Saturn sein Großvater, Venus seine Schwester und zugleich seine Freundin, sowie schon früher sein besonderer Trost, als er in Fesseln lag, Merkur sein Bruder und treuer Unterhändler). Wegen der Übereinstimmung in der Lebensart trägt er nach ihnen und sie nach ihm großes Verlangen. Darum möchte er wünschen, daß sie wie er in Verkehr mit den Menschen treten und gleichfalls der Ehre, die im angetan wird, teilhaftig werden. Darum wolle Ew. Majestät ihm so bald als möglich seine Gefährten wiedergeben, indem der Feldzug, der nach seiner Unterwerfung weiter keine Gefahr mehr birgt, vollends entschlossen zu Ende geführt wird. Hierzu biete ich (wohlgeübt im Kampf mit dem Streitbarsten und des Geländes kundig) meine nicht unnützen und beneso wie treuen Dienste bereitwillig an, wobei ich Ew. Kais. Majestät einzig bitte und beschwöre (...) den Schatzmeistern zu befehlen, sie mögen an den Lebensnerv des Krieges denken und mir von neuem Geld zur Werbung von Soldaten zur Verfügung stellen."

Das ist mal eine originelle Art, um Fördergelder zur bitten. Vielleicht sollte ich in Zukunft meine DFG-Anträge ebenso formulieren ;)

Nun folgen noch einige Seiten mit Gedichten zum Thema - und erst dann geht es los, mit der eigentlichen Einleitung. Dazu aber dann mehr beim nächsten Mal.

Noch mehr Buchrezensionen auf ScienceBlogs: 02_Sciencebooks_550.jpg

Autor: Florian Freistetter· 13.02.09 · 16:32 Uhr· 8 Kommentare

12. Februar 2009

Der richtige Schmuck fürs Darwin-Jahr

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 16

Passend zum heute stattfindenen 200. Geburtstag von Charles Darwin habe ich hier noch ein nettes Fundstück: Die Wiener Designergruppe Formik hat ein "Darwin-Bracelet" entworfen: 

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Wahlweise in Gold, Silber oder aus Porzellan sind hier die Schädel von Australopithecus, Homo habilis, Homo erectus, Homo neanderthalensis und Homo sapiens aufs modischste vereint.

Ganz billig ist das Armband nicht - 400 Euro muss man anlegen - aber dafür bekommt man dann auch ein ziemlich einzigartiges Schmuckstück. Formik plant übrigens noch weitere wissenschaftliche Designerstücke: als nächstes stehen, inspiriert durch Heisenbergs Unschärferelation, "unscharfe Tassen und Glasvasen" auf dem Program.

(via Falter, Ausgabe 7/09, Seite 41)


Autor: Florian Freistetter· 12.02.09 · 18:13 Uhr· 16 Kommentare

Halt! Im Namen der Naturgesetze!

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Wissenschaft für Kinder  ·  Kommentare: 17

Anfang des Jahres habe ich über einige Aktionen zum Internationalen Jahr der Astronomie berichtet. Dazu gehört auch die Kindersendung "Cosmic Quantum Ray", die derzeit auf dem Kinderkanal (KiKa) läuft.

In dieser Sendung (die in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institur für extraterrestrische Physik gestaltet wurde), sollen physikalisch-astronomische Begriffe und Konzepte ("Gravitation", "dunkle Materie", etc) kindgerecht erklärt werden. Ich hatte nun endlich Zeit, um mir einige der Folgen anzusehen.

"Cosmic Quantum Ray" ist erstmal eine Zeichentrickserie für Kinder. Hier kämpft das "Team Quantum" gegen diverse Bösewichte (u.a. die Comtessa de Wurm, gesprochen von Hella von Sinnen und Prof. Gehirnkopf, synchronisiert von Dieter Hallervorden) um das Universum zu retten.

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Bild:KiKa

Das "Team Quantum" besteht aus dem "neundimensionalen Superheld Quantum Ray". Der kann zwar seinen Körper beliebig umwandeln und modifizieren - aber weil sein Kopf ständig mit neun Dimensionen beschäftigt ist, zählt er nicht gerade zu den Geistesgrößen des Team Quantum. Diese Rolle übernimmt dafür der Roboter Buckingham. Der weiß alles und kann auch alles erklären. Das Raumschiff (die "Quantum") wird von den beiden Pilotinnen A-Te und G-Ce gesteuert, die gemeinsam ihre "Double-Helix-Power" einsetzen können um die bösen Jungs zu bekämpfen. Und dann ist da schließlich noch die Hauptperson der Serie: Robby Shipton. Eigentlich ein ganz normaler Junge und Schüler, stößt er als heimlicher Superheld nach Schulschluß zum Team Quantum.

Wie gesagt - erstmal ist Cosmic Quantum Ray eine normale Zeichentrickserie für Kinder. Dafür aber eine mit wesentlich originelleren Geschichten als man sie sonst so im Kinderfernsehen sieht. Richtig interessant wird es dann aber, wenn die Geschichte zu Ende ist. Dann folgt immer noch ein kleines "Special", in dem der Roboter Buckingham eines der vielen physikalischen Konzepte aus der jeweiligen Sendung kurz erklärt (dabei werden dann auch schon mal so abstrakte Themen wie z.B. Inflatonen angegangen). Danach wird diese Erklärung von Buckingham gemeinsam mit einem KiKa-Moderator noch vertieft.

Gerade habe ich mir beispielsweise die Sendung "Die Piraten der dunklen Materie" (Piraten! und dunkle Materie! Das kann nur Spaß machen ;) ) angesehen. Nach der eigentlichen Geschichte (der böse Killer-Keim Kronecker hats wieder mal nicht geschafft, glücklicherweise) wird erklärt, was dunkle Materie ist. Natürlich kann man in den paar Minuten, die diese Sendung dauert keine ausführliche Erklärung erwarten - aber die Grundidee kann man auf jeden Fall vermitteln: die unerwartete Bewegung der Himmelskörper zeigt uns, dass da irgendwo was sein muss, was wir nicht sehen können. Auch wenn den Kindern danach wahrscheinlich nicht alles klar ist, so werden sie vielleicht doch neugierig. Und dann sind hoffentlich Eltern in der Nähe, die die Fragen beantworten können. Das kann manchmal ganz schön schwierig sein: als ich letztens gefragt wurde, warum sich alle Planeten um die Sonne drehen musste ich erstmal ein bisschen nachdenken, bevor ich eine einigermaßen akzeptable Erklärung für einen Vierjährigen gefunden hatte ;)

Vielleicht kommt ja noch jemand auf die gute Idee, die 26 Folgen der Serie, gemeinsam mit ausführlichen wissenschaftlichen Erläuterungen als DVD-Box herauszubringen. Ich würde sowas auf jeden Fall kaufen.

Denn ich finde die Serie toll! Abgesehen vom wissenschaftlichen Inhalt ist Cosmic Quantum Ray auch im Vergleich zu anderen Kinderserien wirklich gut. Und am allerbesten gefällt mir Quantum Rays Ausruf, wenn er sich daran macht, die Bösewichte zu stellen: "Halt! Im Namen der Naturgesetze!". Diesen Satz hätte ich bitte gerne auf T-Shirts und Kaffeetassen gedruckt ;) In den hier oft stattfindenden Diskussionen mit Esoterikern und Pseudowissenschaftlern wird er sich jedenfalls sehr gut einsetzen lassen.

Und zum Abschluß gibts noch nen kleinen Ausschnitt aus der Serie:


Autor: Florian Freistetter· 12.02.09 · 11:14 Uhr· 17 Kommentare

Die anderen Darwins

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Heute feiern wir ja den 200. Geburtstag von Charles Darwin. Da ich nun aber Astronom bin und kein Biologe überlasse ich es lieber meinen Kollegen aus der Biologe hier bei ScienceBlogs über seine revolutionäre Arbeit zu schreiben.

Ich möchte mich heute den "anderen Darwins" widmen, die im Ruhm des großen Charles oft ein bisschen verblassen. Charles Darwin hatte viele Kinder und Enkelkinder - und auch sie waren oft hervorragende Wissenschaftler. Francis Darwin war Botaniker, Leonard Darwin ein Ökonom und Horace Darwin ein Ingenieur - und das waren nur 3 seiner Kinder. Mich interessiert aber besonders Charles Darwins zweiter Sohn: George Howard Darwin, ein Astronom und Mathematiker.

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George Howard wurde 1845 als fünftes Kind von Charles Darwin geboren. Er studierte am Trinity College in Cambridge wo er 1868 auch Fellow wurde. 1883 wurder er zum Plumian Professor of Astronomy and Experimental Philosophy ernannt. Seit dieser Zeit beschäftigte er sich auch verstärkt mit dem Problem der Gezeiten. George Darwin war auch der erste, der eine auf mathematischen Methoden basierende Theorie der Mondentstehung vorlegte. Seiner Vorstellung nach rotierte die frühe Erde sehr viel schneller als heute. Da sie damals noch nicht so fest war heute, hat sich der Mond durch diese schnelle Drehung von der zähflüssigen Erde abgespalten.

Diese Theorie war nicht schlecht. Sie erklärte die geringe Dichte des Mondes, der ja demnach nur aus dem äußeren Mantelgestein der Erde bestehen würde. Auch die Größe des Mondes lässt sich gut durch eine Abspaltung aus dem Äquatorwulst der Erde erklären. Manche Geolgen meinten damals auch, im großen "Loch" des Pazifiks die Überreste dieser Abspaltung von der Erde zu sehen.

Allerdings wissen wir heute, dass Darwins Theorie falsch ist. Die Erde hätte enorm schnell rotieren müssen und es gibt keinen vernünftigen Mechanismus, der das hätte leisten können. Wir wissen zwar, dass die Erde früher tatsächlich schneller rotierte (Grund dafür ist die Gezeitenreibung) - allerdings nicht so schnell, wie es für Darwins Theorie nötig gewesen wäre. Die Mondbahn ist außerdem um etwa 5 Grad gegenüber der Erdbahn geneigt - auch das lässt sich mit einer Abspaltung schwer erklären. Und auch der Pazifik entstand durch die Plattentektonik und nicht durch die Abspaltung des Mondes.

Wir können heute mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Mond durch eine Kollision der Erde mit einem Protoplaneten entstanden ist. Aber auch wenn Darwins Theorie falsch ist, war sie als erste mathematisch begründete Theorie doch sehr wichtig.

Neben dem Problem der Mondentstehung hat sich George Darwin auch mit dem Dreikörperproblem beschäftigt. Hier interessierte er sich besonders für periodische Bahnen und deren Einteilung in verschiedene Gruppen. Seine Arbeiten dazu sind im Volltext verfügbar und wirklich interessant - besonders diejenigen, in denen er Bahnen in Form einer 8 untersucht (allerdings haben sie diese Bahn nur in speziellen Koordinatensystemen). Und viele seiner anderen wissenschaftlichen Arbeiten findet man hier als Volltext.

1892 wurde George Darwin die Goldmedaille der Royal Astronomical Society verliehen, deren Präsident er dann später auch wurde.

Charles Galton DarwinAber auch die nächste Generation der Darwins trat in die Fußstapfen ihrer berühmten Vorgänger. Der 1887 geborene Sohn von George Darwin, Charles Darwins Enkel Charles Galton Darwin wurde ein erfolgreicher Physiker.

Wie sein Vater studierte er Mathematik am Trinity College in Cambridge, verlegte sich dann aber auf die Physik. Nach seinem Abschluß 1910 arbeitete er an der Universität Manchester gemeinsam mit Ernest Rutherford und Niels Bohr an deren berühmten Atommodell. Später beschäftigte er sich mit Röntgenstrahlen und deren Einsatz zur Untersuchung von Kristallen. Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete er über statistische Mechanik (die "Darwin-Fowler-Methode" stammt aus dieser Zeit - ich habe aber leider keine Ahnung, worum es sich dabei handelt). 1924 wurde er Professor an der Universität Edinburgh und beschäftigte sich mit quantentheoretischen Problemen. Auch in dieser Disziplin hat er mit dem "Darwin-Term" dauerhaften Spuren hinterlassen. Dieser Korrekturterm wird gebraucht, wenn man die Feinstruktur im Spektrum des Wasserstoffs genau beschreiben möchte. 

Auch er erhielt eine Medaille, die "Royal Medal" der Royal Society. Von 1938 bis 1949 war er Direktor des National Physics Laboratory und arbeitete am Manhattan-Projekt mit, bei dem die erste Atombombe entwickelt wurde. 

Und auch in der nächsten Generation gingen die wissenchaftlichen Karrieren weiter. Die Tochter von Charles Galton, die 1926 geborene Cecily Darwin - Urenkelin von Charles Darwin - wurde ebenfalls Physikerin und spezialisierte sich auf Röntgen-Kristallographie. Wie es danach weiterging, habe ich dann nicht mehr rausgefunden. Aber es wäre nicht überraschend, wenn einige der heute lebenden (Ur)Ururenkel von Charles Darwin ebenfalls eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen.

Es handelt sich jedenfalls um eine ganz außerordentliche Familie, über die man noch viel mehr erzählen konnte (auch die diversen Geschwister der hier vorgestellten Darwins und die Vorfahren von Charles Darwin selbst, haben interessante Karrieren eingeschlagen)


Autor: Florian Freistetter· 12.02.09 · 02:00 Uhr· 6 Kommentare

11. Februar 2009

LHC Neustart im September

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 103

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Letztes Jahr im September war der Start des Large Hadron Collider (LHC) des europäischen Kernforschungszentrums CERN ja das Topthema hier im Blog und in den Medien. Weltuntergangspropheten verbreiteten Panik; die Zeitungen schrieben von gefährlichen schwarzen Löchern, die an diesem Teilchenbeschleunigern angeblichen erzeugt werden sollen und man hat sogar probiert, den Start des LHC per Gerichtsbescheid zu verhindern.

Trotz all dieser Aufregung ist dem LHC am 10. September 2008 ein Bilderbuchstart geglückt - alles funktionierte hervorragend. Leider gab es ein paar Tage später aber einen kleinen technischen Defekt. Bei "normalen" Teilchenbeschleunigern wäre die Reparatur keine große Sache gewesen - aber der LHC ist eine riesige Maschine (27km lang), die komplett auf supraleitende -271° abgekühlt werden muss. Auch für kleine Reparturen muss hier erst langsam wieder die Temperatur erhöht werden, bevor man mit der Arbeit beginnen kann. Und das Kühlen braucht dann auch wieder seine Zeit. Und natürlich hat man, gewarnt durch diesen Vorfall, nochmal alles genau überprüft.

Das alles hat dazu geführt, dass der LHC im Moment immer noch nicht wieder in Betrieb ist. Nun hat aber das CERN einen neuen Zeitplan für die Experimente am LHC veröffentlicht. Wenn alles nach Plan läuft, wird im September 2009 neu gestartet und die ersten Kollisionen zwischen den Teilchen sollen schon im Oktober 2009 erfolgen! Über Weihnachten 2009 wird es dann einen weiteren technischen Stop geben; danach soll die Maschine bis zum Herbst 2010 durchlaufen.

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Bis September 2009 hat der LHC dann auch ein komplett neues Überwachungssystem bekommen, damit so ein Unfall, wie er letztes Jahr passierte, nicht mehr vorkommen kann. Damals ist eine der elektrischen Verbindungen zwischen zwei der Magneten im LHC ausgefallen was zu einem Spannungsüberschlag und einem Austritt von Helium führte.

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass schon dieses Jahr mit den ersten Experimenten am LHC begonnen werden kann. Vom LHC werden ja schließlich auch große Ergebnisse erwartet. Wenn alles gut läuft, finden wir vielleicht endlich das Higgs-Boson und können so ein völlig neues Verständnis für die fundamentalsten Eigenschaften unseres Universums gewinnen. Es bestehen auch gute Chancen, dass der LHC endlich das Rätsel um die Beschaffenheit der dunklen Materie lösen kann.

Ich hoffe, dass sich die Panikmacher und Weltuntergangspropheten letztes Jahr genug ausgetobt haben und der Neustart des LHC mit ein bisschen weniger Hysterie begangen werden kann.



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Autor: Florian Freistetter· 11.02.09 · 16:55 Uhr· 103 Kommentare

10. Februar 2009

1999 RQ36: Kollidiert in 160 Jahren ein Asteroid mit der Erde?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 32

Alle Jahr wieder... kommt ein Asteroid. Zumindest in die Medien. Vor knapp einem Jahr wurde diskutiert ob der Asteroid Apophis im Jahr 2036 die Welt untergehen läßt. Und heute liest man (ausgelöst durch einen wissenschaftlichen Artikel, der Ende Januar veröffentlicht wurde) überall über den Asteroiden 1999 RQ36. Der soll eventuell in 160 Jahren mit der Erde zusammenstoßen. Müssen wir uns also Sorgen um unsere (Ur)Enkelkinder machen?

Vielleicht... Es besteht tatsächlich eine geringe Chance, dass der Asteroid irgendwann in den Jahren 2169 bis 2199 mit der Erde kollidiert. Zur Zeit befindet er sich auf einer Bahn, die ihn nahe an die Erde heranführt:

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Bild: NASA/JPL

Die Bahn von 1999 RQ36 (noch hat er es nicht zu so einem dramatischen Namen wie Apophis gebracht) ist leicht exzentrisch und kreuzt die Umlaufbahnen von Mars und Erde. Es besteht also prinzipiell die Möglichkeit einer Kollision. Solche potentiell gefährlichen Objekte ("PHAs" - potentially hazardous objects) werden von 2 Einrichtungen überwacht: dem "Near Earth Object Program" der NASA und dem NEODyS-Projekt der Universität Pisa.

Die NASA (bzw. NEODyS) gibt dem Asteroiden im Moment eine Kollisionwahrscheinlichkeit von 0.071% Das entspricht einer Trefferquote von 1 : 1410 bzw. einer Chance von 99.929%, dass uns 1999 RQ36 verfehlt. Auf der Palermo-Skala hat der Asteroid einen Wert von P=-1.52. Die Palermo-Skala bewertet das Risiko eines Einschlags und der Wert hängt von der Kollisionswahrscheinlichkeit und der erwarteten Einschlagsenergie ab. Ein Wert von 0 entspricht dem "Hintergrundrisiko" (d.h. dem durchschnittlichen Einschlagsrisiko eines Objekts vergleichbarer Größe). Ein positiver Wert gibt also ein Risiko an, dass größer ist als das Hintergrundrisiko (die Skala läuft logarithmisch. P=1 entspricht also dem 10fachen Risko, P=2 dem 100fachen, usw). Ein negativer Wert zeigt ein geringeres Risko an (P=-2 entspricht einem Risiko von 1% des Hintergrundwertes). Im Allgemeinen werden alle Asteroiden mit Werten größer als P=-2 genauer beobachtet.

Auf der Turiner-Skala (einer anderen Risikobewertungsskala, die meist in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt wird) entspricht das einem Wert von T=1. Das fällt in die Klasse von "Ereignissen die sehr unwahrscheinlich sind" und die zwar beobachtet werden sollten, vor denen man aber keine allzu große Angst zu haben braucht.

1999RQ36.jpg

Radarbild von 1999 RQ36 (NASA)

Und genau das wird auch geschehen: der Asteroid wird beobachtet. Denn je mehr Beobachtungsdaten vorhanden sind, desto besser läßt sich seine Bahn bestimmen. Und um so genauer kann man sagen, ob er tatsächlich mit der Erde kollidieren wird oder nicht. Im Allgemeinen ist es fast immer so, dass nach ausreichenden Beobachtungen und verbesserten Bahnberechnungen das Kollisionsrisko deutlich gesenkt werden kann, auf einen Wert, der uns keine Sorgen mehr bereitet. Aber auch falls dies nicht geschehen sollte, haben die Wissenschaftler Pläne.

Sollte sich 1999 RQ36 tatsächlich auf einer Kollisionsbahn befinden, darf man das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Asteroid ist etwa 560m groß - das ist schon ein ordentlicher Brocken! Der Krater den er schlägt, wird 20 km etwa 5 bis 8 km durchmessen - und fällt er ins Wasser (was angesichts der vielen Ozeane wahrscheinlich ist), wird der entstehende Tsunami alle Küstenregionen in Mitleidenschaft ziehen. Wir brauchen uns keine Sorgen über das Aussterben der Menschheit zu machen - dazu ist 1999 RQ36 zu klein. Aber die Zerstörung bei einer Kollision wäre trotzdem gewaltig.

Was also tun? Leider gibt es ja immer noch keine koordinierten Pläne, wie im Falle einer bevorstehenden Kollision vorzugehen ist. Aber man schlägt vor, die Zeit zwischen 2060 und 2080 zu nutzen, um den Asteroiden abzulenken. In diesem Zeitraum kommt er der Erde nämlich nahe und wir müssten ihn nur ein kleines Stücken (etwa einen Kilometer) von seiner Bahn abbringen, um eine Kollision in der Zukunft zu vermeiden. Das könnte man z.B. durch den gezielten Einsatz von Atomwaffen erreichen, die man knapp über der Asteroidenoberfläche zur Explosion bringt. Verpasst man diese Gelegenheit, wird es schwierig. Denn bis zu einer eventuellen Kollision kommt der Asteroid der Erde nie mehr so nahe und man müsste ihn viel weiter ablenken, um eine Kollision zu verhindern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Moment noch kein wirklicher Grund zur Sorge besteht. Jetzt müssen die Astronomen erstmal die Bahn genauer beobachten und bestimmen, ob wirklich eine Kollision bevorsteht oder nicht (wahrscheinlich nicht). Und falls doch, dann bleibt uns noch genug Zeit, um etwas dagegen zu unternehmen.


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Autor: Florian Freistetter· 10.02.09 · 20:55 Uhr· 32 Kommentare

Ich habe schon wieder ein Horoskop bekommen!

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 23

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Das es zwischen mir und den Astrologen ein paar Spannungen gibt, dürfte den regelmäßigen Lesern meines Blogs ja bekannt sein. Zu diesem Thema gab es bisher schon sehr viele und lange Diskussionen. Trotzdem will man mich aber anscheinend an den Ergebnissen der astrologischen Lehre teilhaben lassen und erstellt Horoskope für mich.

Letztes Jahr hat mir Markus Termin ein Horoskop zukommen lassen und dann später in einem eigenen Blogbeitrag meine charakterlichen Schwächen genau erläutert (leider hat er diesen amüsanten Beitrag mittlerweile wieder gelöscht).


Heute hat mir der Astrologe Volker Doormann (hier im Blog unter dem Namen "Tucholsky" bekannt) ein Geburtshoroskop erstellt. Und da stehen wirklich einige beeindruckende Dinge drin!


"In Deiner Grundhaltung bist Du ein Vermittler. Mit Deiner Lebendigkeit, und Beweglichkeit, gepaart mit Deiner ausgesucht liebenswürdigen und gewinnenden Art überwindest Du Gegensätze, wo immer welche auftreten. Hilfsbereitschaft und Zuvorkommendheit und Einfühlungsvermögen in andere Menschen lassen Dich erfolgreich sein."
Das ist ein klassischer Barnum-Text. So gut wie jeder wird diesen Text wohl als für sich passend bezeichnen.


"Beruflich beschäftigst Du Dich in Bereichen, wo Dein Fleiß, Dein Engagement, Deine Beweglichkeit auch große Entfernungen zu überwinden und Deine handwerklichen Fähigkeiten gefragt sind. Vor allzu konsequenten Fragen weichst Du eher zurück. Für die Nüchternheit der Politik hast Du keine Basis."

Hmm - also für meinen Job brauch ich nicht wirklich handwerkliche Fähigkeiten. Allerdings ist es als Wissenschaftler essentiell, konkrete Fragen zu stellen. Und in meiner Jugend war ich politisch sehr aktiv (als Schülervertreter und Jugendgemeinderat).

"Du hast Dir eine Fülle von Erfahrungen auf allen möglichen Gebieten erworben und Du benutzt sie mit Deiner Dir eigenen geistigen Beweglichkeit, allen Herausforderungen zu begegnen. Du bist beweglich und anpassungsfähig."

Wieder ein klassischer Barnum-Text, der auf so ziemlich jeden zutrifft.

"Du gehörst zu den Intellektuellen. Du kommunizierst gern, mit jedem, über alles, immer. Deine geistigen Fähigkeiten scheinen unbegrenzt."
Bei solchen schmeichelhaften Texten sag ich natürlich auch gerne: Klar, das stimmt! ;) Abgesehen davon ist es nicht schwer, einem Wissenschaftsblogger Intellekt und den Drang nach Kommunikation zu bescheinigen ;)

"Was machst Du damit? Ist das Leben für Dich etwa ein Quiz? Wenn Du nicht nur alles weißt, sondern auch alles - und Dich selbst - im besonderen - verstehst, wirst Du nicht mehr der Spinner sein, für den Dich die Leute manchmal halten. Wenn Du wieder einmal zu weit mit Deinen Gedanken unterwegs warst, und Dich wieder 'erden' möchtest, dann gönne Dir ein gutes, scharf gewürztes Essen. Das macht Dir wieder die körperliche Ebene des Daseins bewusst, und Du wirst empfänglicher für die Gefühle anderer."

Hmm - das ist jetzt blöd. Zu scharfes Essen macht meinem Magen Probleme. Aber keine Angst, es gibt noch genug andere Methoden, mir die körperliche Ebene des Daseins bewußt zu machen ;)

"Falschverstandene Loyalität macht Dein Handeln verwirrt und gelähmt. Oft vertuscht Du Deine Vorhaben. Du suchst nach einer ungewöhnlichen emotionalen Befriedigung, die sich mit den praktischen Notwendigkeiten des Lebens nicht in Einklang bringen lässt."

Ok, dass ist Geschwurbel, dass dramtisch klingt, aber nichts aussagt.

"Du pflegst Traditionen und bist stolz auf Deine Herkunft. Du bist fähig mittels strategischen Denkens viele schwierige Aufgaben zu lösen. Mit Deiner Ausdauer und Deiner Konzentrationsfähigkeit bist Du erfolgreich analytisch tätig."

Äh - also ich hab nichts dagegen, Österreicher zu sein (bzw. auch halber Deutscher, je nachdem wie man es sieht) - aber "stolz" darauf bin ich nicht.

"Innere Bilder verarbeitest Du im Alter schöpferisch. Aufgrund Deiner unnachgiebigen Kraft und Deiner Einsichtsfähigkeit könntest Du der Menschheit im Bereich der Naturwissenschaften große, neue und wichtige Erkenntnisse schenken."

Schleimer! ;)

"Mit Deinem fröhlichen, überschwänglichen Optimismus faszinierst Du alle.
Du bist eine ernsthafte Persönlichkeit und bist behutsam in Beziehungen.
"

Was jetzt - bin ich fröhlich und überschwenglich oder ernsthaft? (Die beiden Sätze standen wirklich gleich hintereinander im Horoskop).

"Du bist eigenwillig und widerspenstig und hast Probleme mit Deinem Egoismus."

Ich dachte ich bin eine fröhlich-überschwängliche, ernsthaft-behutsame Persönlichkeit? Jetzt auch noch ein eigenwilliger Egoist?

In diesem Leben wirst Du viel über Selbstaufopferung und die Bedürfnisse anderer Menschen lernen. In Deinen vielen vergangenen Leben hast Du daran gearbeitet, Selbstvertrauen und Selbstachtung aufzubauen. Dieses musst Du nun auf andere übertragen.

Ach schön - Reinkarnation ist auch mit dabei.

Deine bisherige Einstellung »Ich komme zuerst« bringt Dir jetzt einschneidende und schmerzvolle Erfahrungen, da Du nun die Lektionen der Zusammenarbeit lernst. Du musst Dich zurückhalten und Dich vergewissern, daß alles, wofür Du arbeitest, von Bedeutung ist, in Deiner Ehe und engen Partnerschaftsbeziehungen genauso so wie in allen anderen Beziehungen zu Menschen. Du wirst lernen, Deinem Leben die Schärfe zu nehmen, und beginnen, ausgewogen zu sein. Obwohl Die der Mittelweg nicht sehr attraktiv erscheint, ist er doch der einzige Weg zu Deinem Glück.

Warum "muss" ich? Ich muss gar nichts. Außerdem bin ich ja eh "behutsam in Beziehungen", da klappt das mit der Partnerschaft schon...

"In jeder Hinsicht musst Du Deine Selbstsucht und Eitelkeit zügeln, wenn Du Dich nicht alleine wiederfinden willst. Gewöhnlich fühlst Du Dich selbst zu irgend etwas angetrieben, aber Du verstehst nicht, was es ist und warum das so ist."

Hey - wo sind die schönen schleimerischen Sätze hin ;) Frage an die, die mich persönlich kennen: bin ich eitel oder selbstsüchtig?

"Ungeduldig fühlst Du Dich in neue Richtungen gedrängt. Doch bei jeder Ankunft an Deinem Bestimmungsort bist Du überrascht, dass das Ziel nicht das Ziel an sich war, noch war der Bestimmungsort das Ende der Reise. Verwirrt sitzt Du nun da und versuchst, die Umstände abzuschätzen, von denen Du hoffst, das sie Dir den Weg zu Deiner nächsten erfolgreichen Aktion zeigen werden. Und doch bringt Dich jedes Ziel, jeder Ehrgeiz, jeder Endspurt und jedes Streben immer zu dem Punkt, »der auf dem halben Wege liegt« !"

Schön geschwurbelt!

"Als Ergebnis einer eher selbstsüchtigen Einstellung aus früheren Leben bist Du wahrscheinlich sehr von Dir selbst eingenommen. Jetzt ist die Zeit damit aufzuhören. Viele der gegenwärtigen Ereignisse sind schmerzhafte Schläge für Dein Ego. Du musst aufpassen, dass Du nicht verbittert wirst, wenn Du siehst, dass so viele Deiner eigenen Wünsche versagt und anderen erfüllt werden."

Ach, ich bin eigentlich ganz zufrieden, was die Erfüllung meiner Wünsche angeht.

"Wahrscheinlich spürst Du einen tief sitzenden Ärger, der aus der Erinnerung an Frustrationen resultiert, die Deinen Selbstausdruck blockieren."

Da muss ich doch gleich mal zum Psychoanalytiker!

"In diesem Leben besitzt Du offensichtlich eine sehr angenehme körperliche Erscheinung, die Teil Deiner karmischen Lektion ist, die Eitelkeit zu überwinden."

Ha! Danke, das war nett. Wenns denn nur so wäre...

"Bis Du Deine Wünsche von früheren Inkarnationen hinter Dir gelassen hast, sind Deine unbewussten, unaufhörlichen Forderungen so stark, dass Du dazu neigst, Energie von anderen abzuziehen, ja, sie sogar in Schlaf zu versetzen. In der Tat bist Du ein wandelnder Anästhesist und wunderst Dich ständig, warum die Menschen es vermeiden, länger als ein paar Minuten mit Dir zu sprechen."

Hey! Ich bin weder ein Energie-Vampir noch ein Langeweiler! Ich bin der Höhe- und Mittelpunkt jeder Party! ;) Naja, vielleicht nicht ganz - aber noch ist niemand eingeschlafen, während ich geredet habe (und ich hab einige Vormittagfs-Vorlesungen in überheizten Hörsäälen gehalten ;) ).

"Du bist die Autorität, hast einen großen Übereifer und schaffst Dir Ansehen.
Irgendwie bist Du bist unnahbar. Zu Höherstehenden unterwürfig und zu Untergebenen anmaßend. Mit Feuer und Schwert behauptest Du Dich."

Wieder Widersprüchliches: Bin ich jetzt unterwürfig oder habe ich Autorität. Und mein Flammenschwert muß ich leider zuhause lassen - mein Arbeitsplatz in der Bibliothek des Instituts, damit wollten die mich nicht reinlassen. 

"In Deiner Generation gibt es viele neue falsche Propheten."

Bin ich da jetzt dran schuld?

"Du hast ein gutes Bild von Deinem Vater und kannst das konstruktiv nutzen."

Ja, meinen Vater hab ich gern (aber auch meine Mutter!). Aber jetzt bitte nicht mit Familienaufstellungen anfangen, ok?

So, dass wars. Ich habe hier jetzt nicht das komplette Horoskop wiedergegeben. Viel davon war einfach nur nichtssagendes Geschwurbel bzw. auf alles und jeden passende Barnum-Floskeln. Wer will, kann sich alles hier durchlesen.

Schön ist auch die Abschlußbemerkung:

"Hier wird der Anspruch erhoben, dass das Ausgesagte empirisch aus den Himmelsspiegelungen und den nachempfundenen Äußerungen als ein festes Regelwerk entstanden ist."

Ich glaube, ich muss zum Vergleich mal zu nem unbekannten Astrologen gehen der nicht weiß, dass ich Astronom bin und Astrologie nicht ganz so toll finde. Wäre interessant, herauszufinden, wie so jemand mich charakterisiert...


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Autor: Florian Freistetter· 10.02.09 · 16:22 Uhr· 23 Kommentare

Warum ist es nachts dunkel?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 40

Auf den jeweils 10 km, die ich jeden Tag mit dem Fahrrad über Feldwege zur (bzw. von der) Universität fahre, habe ich immer jede Menge Zeit, mir Gedanken zu machen. Gestern zum Beispiel über eine alte Frage der Astronomie: Warum ist es nachts eigentlich dunkel?

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Das ist eine sehr schöne Frage. Festzustellen, dass sich auf der Erde längere Perioden von Helligkeit und Dunkelheit abwechseln, ist so ziemlich die einfachste astronomische Beobachtung, die man machen kann. Aber denkt man konsequent über die eigentliche Ursache nach, dann kann man zu wirklich fundamentalen Ergebnissen kommen!

Eigentlich ist es ziemlich klar, warum es nachts dunkel ist. Die Sonne beleuchtet immer nur eine Seite der Erdkugel. Und da sich die Erde dreht, bekommt jeder Punkt auf der Erde mal Sonnenlicht ab und mal nicht. Deswegen gibt es den Wechsel von Tag zu Nacht.

Aber wenn das schon alles wäre, dann würde ich da sicher keinen Artikel drüber schreiben ;) Könnte es also Gründe geben, warum es nachts nicht dunkel sein sollte?

Nun ja - auch in der Nacht gibt es natürliche Lichtquellen - den Mond, die Planeten und die Sterne. Deren Licht reicht aber nicht aus, die Nacht taghell zu erleuchten. Aber warum eigentlich nicht? Wenn es unendlich viele Sterne gäbe, die über das ganze Universum verteilt sind und die Erde (nach dem kopernikanischen Prinzip) keine Sonderstellung im Universum einnimmt, dann müsste eigentlich an jedem Punkt des Himmels, auf den unser Blick fällt, irgendwo ein Stern zu sehen sein. Und wenn jeder Punkt des Himmels von einem Stern erleuchtet wird, dann dürfte die Nacht nicht schwarz sein, sondern strahlend hell!

Diese Frage geht auf den Astronomen Heinrich Olbers zurück, der sie 1826 veröffentlichte und ist deswegen auch als Olberssches Paradoxon bekannt (das Problem war allerdings auch schon vorher bekannt).

Der Nachthimmel ist nun aber sehr offensichtlich dunkel - wo ist also das Problem bei unserer Überlegung. Im 19. Jahrhundert wusste man im Vergleich zu heute noch nicht viel über die Struktur und den Aufbau des Universums. Man wusste z.B. nicht, wie Sterne funktionieren und warum sie leuchten. Und das ist schon der erste wichtige Punkt!

Aus der Tatsache, dass der Himmel nachts dunkel ist, folgt direkt, dass Sterne nicht ewig leben können. Heute wissen wir, dass in Sternen nukleare Fusionsprozesse ablaufen, die Licht und Energie erzeugen. Irgendwann hört die Fusion aber auf, nämlich dann, wenn das Material, aus dem der Stern besteht, nicht weiter zu neuen Elementen fusioniert werden kann. Die Lebensdauer von Sternen ist also begrenzt und beträgt im Durchschnitt etwa 10 Milliarden Jahre. Der Nachthimmel wäre nur dann hell, wenn Sterne ewig leben und strahlen. Wenn sie irgendwann damit aufhören, sehen wir nichts mehr.

Aber auch das Universum kann nicht unendlich alt sein (wie man damals noch dachte). Licht hat eine begrenzte Geschwindigkeit und wenn das Universum erst ein bestimmtes Alter hat, hat uns vielleicht noch nicht das gesamte Licht erreicht. Und das Licht, das wir sehen könnten, können wir vielleicht gar nicht mehr sehen. Denn das Universum expandiert ja auch und das Licht weit entfernter Lichtquellen, die sich wegen er Expansion enorm schnell von uns wegbewegen, wird aufgrund des Dopplereffekts zu höheren Wellenlängen hin verschoben, die wir nicht mehr sehen können. Das "Licht des Urknalls" ist z.B. heute bis in den Mikrowellenbereich verschoben worden. Könnten wir diese Strahlung mit unseren Augen direkt sehen, würde der Himmel tatsächlich gleichmäßig erhellt sein. Da wir aber nur einen engen Wellenlängenbereich direkt wahrnehmen können, bleibt uns diese Art der Strahlung verborgen.

Es ist also nachts deswegen dunkel, weil das Universum einen Anfang hatte, weil sich das Universum ausdehnt und weil die Sterne ebenfalls nicht ewig leben sondern entstehen und vergehen wie alles andere auch. Das sind ziemlich fundamentale Einsichten für so eine simple Beobachtung...


Autor: Florian Freistetter· 10.02.09 · 10:30 Uhr· 40 Kommentare

09. Februar 2009

Ein unprofessionelles Foto vom Mond

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 9

Ich habe ja seit kurzem ein eigenes Teleskop. Leider spielt das Wetter noch nicht so richtig mit - aber einmal konnte ich schon ein bisschen beobachten und auch gestern hat es wieder geklappt.

Und diesmal habe ich auch mein erstes Astrofoto gemacht! Naja, "erstes" stimmt nicht ganz. Ich habe ja auch ein paar Mal an der Beobachtungsstation Großschwabhausen der Unisternwarte Jena professionel beobachtet. Aber das ist was ganz anderes, als Bilder mit einem Amateurteleskop zu machen.

Und so wirklich beeindruckend ist das Bild jetzt auch nicht. Ich war zu faul, um noch runter auf die Straße zu gehen und habe deswegen das Teleskop gleich aus meinem Zimmerfenster gerichtet (direkt neben einer Strassenlaterne). Und die Kamera hab ich einfach ans Teleskop gehalten und abgedrückt. So sah das dann aus:

mondfoto.jpg.JPG
Naja - wie gesagt, es könnte besser sein (vielleicht hätte ich es noch ein bisschen nachbearbeiten sollen?). Aber ich hab ja noch viel Zeit um zu üben. Und bis dahin verlinke ich noch auf ein wesentlich besseres Bild vom Mond, an dem gerade die ISS vorüberschwebt - sehenswert!

Autor: Florian Freistetter· 09.02.09 · 20:58 Uhr· 9 Kommentare

08. Februar 2009

Das Blog-Teleskop #19

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften

Kaum ist Jörg mit seinem Blog Diax's Rake bei ScienceBlogs eingezogen, kriegt er auch schon das Blog-Teleskop vors Fenster gestellt. Was er damit alles in der Astro-Blog-Szene gefunden hat, kann man in seinem Beitrag nachlesen.

Auch die englischsprachigen Kollegen feieren wieder einen Carnival of Space, diesmal bei The Moon Society Blog.

blogteleskop.jpg


Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 08.02.09 · 13:20 Uhr· 0 Kommentare

05. Februar 2009

Spontane Sidewalk-Astronomie in Jena

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Ganz überraschend war der Himmel über Jena heute Abend einigermaßen klar und der Mond war schön zu sehen. Also konnte ich endlich mal mein neues Teleskop benutzen, um Objekte am Himmel zu beobachten. Da ich mitten im Zentrum von Jena wohne, war der Himmel ziemlich hell und es eignete sich wirklich nur der Mond für eine Beobachtung. Der war aber im Teleskop ein wunderbarer Anblick!

Und nicht nur ich war vom Mond begeistert:

SDC11092.JPG

Autor: Florian Freistetter· 05.02.09 · 23:35 Uhr· 10 Kommentare

Wünschelrute, Geomantie und Elektrosmog: Das Europäische Zentrum für Umweltmedizin

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 128

Anfang der Woche hat Ulrich von Kritisch Gedacht sehr eindrucksvoll beschrieben, wie und wo in Österreich Esoterik und Pseudomedizin auch an staatlichen Einrichtungen vertreten sind. In dieser Liste fehlt allerdings ein ganz besonderes Institut, auf das ich im Zuge meiner Recherchen über den Biophysiker Dieter Broers gestoßen bin: Das Europäische Zentrum für Umweltmedizin (EZU) in St. Pölten (Niederösterreich).

Hinter diesem seriös klingendem Namen versteckt sich eine Einrichtung, die ihr Arbeitsgebiet folgendermaßen definiert:

"Die Arbeitsbereiche umfassen gesundheitsrelevante Themen aus der Umwelt. Derzeit liegen die Schwerpunkte neben der Radiästhesie und Geomantie auf Elektrosmog, die nach wie vor - völlig zu Unrecht - zu den Randgebieten der Medizin zählen."
Das wissenschaftlich klingende Wort "Radiästhesie" meint nichts anderes als Wünschelrutengehen. "Geomantie" bezeichnete früher eine spezielle Art des Wahrsagens und steht heute eher für Lehren, die dem Feng-Shui ähneln.

18th_century_dowser.jpgWünschelruten, Geomantie, Feng-Shui - das sind alles klassisch abergläubische Pseudowissenschaften die zwar schon seit langer Zeit existieren - für die aber nie irgendwelche glaubhaften Belege geliefert werden konnten. Jenseits von anektdotischen "Belegen" konnte keine wissenschaftlich durchgeführte Studie nachweisen, dass man mit Wünschelruten irgendetwas (Wasser, Metall, etc) verläßlich aufspüren kann. Die GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften) veranstalten jedes Jahr einen großen Test, bei dem die Rutengeher ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können - bis jetzt ist noch jeder dabei durchgefallen (Hier gibt es mehr Informationen dazu und auch ein Video).

Natürlich gab es auch noch jede Menge anderer Studien zur Wirksamkeit des Rutengehens. Hier bietet sich das gleiche Bild wie bei der Homöopathie: die überwiegende Mehrheit der Studien zeigen, dass dieses Phänomen nicht existiert. Dort, wo doch ein geringer Effekt gemessen wird, ist meist die Qualität der Studie schlecht. Und schließlich gibt es keinen vernünftigen Mechanismus, der nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht, der erklären kann, wie das überhaupt funktionieren soll. Was es allerdings gibt, sind Erklärungen, warum Wünschelrutengeher glauben, sie könnten etwas finden.

Ok, Leute und "Institute" die sich mit esoterischen und pseudowissenschaftlichen Themen beschäftigen gibt es ja zuhauf. Was ist am EZU also so besonders?  Das sieht man, wenn man mal schaut, wer hinter diesem Zentrum steht:

"Das Europäische Zentrum für Umweltmedizin ist Teil der NÖ Landesakademie und wird von
  • der NÖ Landesregierung,
  • den NÖ Krankenversicherungsträgern,
  • der Landeshauptstadt St. Pölten,
  • der NÖ Ärztekammer und
  • dem Gesundheitsforum NÖ
unterstützt."

Das EZU ist also eine Einrichtung die massiv von der niederösterreichischen Landesregierung
und verschiedenen anderen staatlichen Institutionen unterstützt wird!

Nun habe ich mir natürlich besonders genau angesehen, was an diesem Institut so alles "erforscht" wird.

In Sachen Wünschelruten wurde 2005 ein Projekt mit dem Titel „Geopathogene Zonen im Wohnbereich und Stress" bei der Niederösterreichischen Wohnbauforschung als Forschungsprojekt eingereicht und bewilligt. Die Ergebnisse dieser Studie kann man hier nachlesen. Sehr schön liest sich die Entstehungsgeschichte des Projekts:

"Das Projekt entstand aus den Überlegungen, die im Rahmen der Mitarbeit von Rutengehern beim EZU getroffen wurden, dass möglicherweise Krankheiten aus dem Stress, den eine „geopathogene" Erdstrahlung auslöst, entstehen. Die Erfahrungen der Rutengeher gingen in diese Richtung und wurden bereits in einigen Erfahrungsberichten beschrieben (Bachler 2006, Freiherr von Pohl, 1932). Vereinzelt wurden auch wissenschaftliche Studien zu diesem Thema veröffentlicht (Bergsmann 1994, König, Betz 1989). In Niederösterreich haben punktuell Versuche stattgefunden, welche die Erfahrungen der Rutengeher belegen sollten. Leider blieben sie unveröffentlicht und wurden nur im Rahmen der Radiästhetischen Gesellschaften, die sie betrieben, bekannt."

Wenn ich so eines meiner astronomischen Projekte begründen würde, würde man mir meinen Antrag (zu Recht) um die Ohren hauen! Anektdoten und unveröffentliche Arbeiten sind keine vernünftige Grundlage (Eine der "wissenschaftlichen Studien" ist übrigens ein im Selbstverlag veröffentlichtes Buch). Interessant sind auch die Vorbereitungen auf die Studie:

"In mehreren Arbeitssitzungen wurden folgende Gegebenheiten des Erdinneren als „geopathogen" klassifiziert:
• Wasseradern
• Kreuzungspunkte des Curry-Gitternetzes (Diagonalgitternetz)
• Verwerfungen
• sowie Kombinationen aus diesen Dreien"
Hartmann_Gitter.jpg

Hmm - ja. Das es "Wasseradern" so eigentlich gar nicht gibt (bzw. nur sehr selten) wissen die Geologen schon lange. Und auch das "Curry-Gitter" existiert (genauso wie das "Hartmann-Gitter") nur in den Köpfen der Rutengeher. Vernünftige Nachweise für dieses angeblich vorhandene Netz aus "Störstreifen" konnten bis jetzt keine gefunden werden.

Den Rest der Studie darf sich jeder gerne selbst durchlesen (hier ist eine Kurzfassung) - aber es ist wohl nicht überraschend, wenn am Ende folgende Schlußfolgerung gezogen wird:

"Der Anteil der Schlafstörungen auf als „geopathogen" klassifizierten Schlafplätzen sind signifikant erhöht."

und

"Es sollten weiterführende Untersuchungen bezüglich des Einflusses „geopathogener" Strahlung durchgeführt werden."
(Nachtrag: Ulrich von "Kritisch gedacht" hat die Studie im Detail unter die Lupe genommen)

Passend dazu lesen sich auch die Literaturempfehlungen des EZU. Da finden sich Titel wie "Kein Krebs ohne Wasserader!", "Pendel und Rute für Sie. Radiästhesie als Lebenshilfe und Wegbegleiter zur Harmoniefindung" oder "Strukturen und Wesen der Energie. Ein radiästhetischer Weg in die Energetik".

Und wer sind die Leute, die solch "wissenschaftliche Forschung" betreiben? Das EZU hat sogar einen "Wissenschaftlichen Beirat". Den Vorsitz führt ein Hofrat Prof. Franz Rupp der das EZU auch gegründet hat. Ansonsten befinden sich im Beirat noch einige Ärzte und der einschlägig bekannte "Bio"physiker Herbert Klima. Wie die Ärzte ihre Ausbildung sehen, beschreibt der Mitarbeiter Dr.med. Engelbert Dechant (der auch im Beirat sitzt) recht schön:

"Aufgeschlossen für Randgebiete der Medizin ist es für mich wichtig, althergebrachtes Wissen der Menschheit auch im 21. Jahrhundert zum Wohle von Patienten nutzbar zu machen. Als akademisch ausgebildeter, jedoch der Schulmedizin durchaus kritisch gegenüberstehender Arzt möchte ich Erkenntnisse aus der Forschungsarbeit des EZU auch für skeptische Mediziner zugänglich machen."
Ärzten, die selbst das Wort "Schulmedizin" verwenden, stehe ich prinzipiell etwas mißtrauisch gegenüber. Und die Geschichte vom "althergebrachten Wissen" wird mit der Zeit auch etwas langweilig. Es ist ja nicht so, als hätte man sich damit nicht beschäftigt - man hat eben herausgefunden, dass viel von diesem "althergebrachten Wissen" einfach falsch wahr. Im Gegensatz zu dem, was viele anscheinend glauben, wächst das Wissen der Menschheit ständig an. Heute wissen wir mehr und besser Bescheid als die Leute in der Vergangenheit. Und die Menschen der Zukunft werden mehr wissen, als wir. Aber der "Zauber" und das "Mysteriöse", das dieses Wissen aus der Vergangenheit zu umgeben scheint, lässt viele Leute anscheinend jede Vernunft vergessen.

Tja - wieder einmal hat sich Österreich als ein Land präsentiert, das Esoterik nicht von Wissenschaft unterscheiden kann. Da braucht man sich dann eigentlich auch gar nicht wundern, wenn einem Wasserbeleber ein offizieller Orden der Republik verliehen wird, wenn Esoterik in Schulen und Universitäten gelehrt wird oder wenn Firmen mittlerweile völlig öffentlich Jobs anhand von Sternzeichen vergeben. Wenn dann gleichzeitig auch noch die Wissenschaft totgespart wird, dann lässt das für die Zukunft nicht gerade hoffen.

Nachtrag: Hier findet man eine Stellungnahme des EZU zu diesem Artikel

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Autor: Florian Freistetter· 05.02.09 · 12:25 Uhr· 128 Kommentare

04. Februar 2009

Wissenschaftsblogs-Auslese 2008: Das Ergebnis

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 12

Auslese2008_500.jpgSeit gestern steht fest, wer 2008 die interessantesten Beiträge in Wissenschaftsblogs geschrieben hat. Die Wissenschaftsblogs-Auslese 2008 (ein Projekt von Fischblog und Wissenschaftscafe) ist da: 15 Artikel wurden von einer fachkundigen Jury aus allen Einsendungen ausgewählt. Und zwar diese (in alphabetischer Reihenfolge):

Ich freue mich natürlich ganz besonders, dass auch mein Artikel über die Gezeiten ausgewählt wurde. Und das mit Ludmila und Tobias noch zwei weitere ScienceBlogger in der Auswahl vertreten sind. Mit 4 Artikeln ist die Astronomie ebenfalls sehr stark in der Auslese präsent (und das, wo es nur relativ wenig deutschsprachige Astronomie-Blogs gibt).

Ein schönes Ergebnis für ein schönes Projekt! Ich freue mich schon auf eine Wiederholung und die Auslese für 2009.

Autor: Florian Freistetter· 04.02.09 · 14:16 Uhr· 12 Kommentare

Planeten und Doppelsterne

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Gestern wurde die Entdeckung des ersten erdähnlichen extrasolaren Planeten bekanntgegeben. Das ist ein großartiges Ergebnis - aber Exoplaneten sind prinzipiell eine tolle Sache und darum möchte ich heute über ein Thema schreiben, mit dem ich mich früher mal beschäftigt habe: extrasolare Planeten in Doppelsternsystemen.

Wir haben ja nur einen Stern - unsere Sonne (vermutlich; es besteht eine sehr kleine Chance, dass die Sonne noch einen bisher unentdeckten Begleitstern hat). Aber eigentlich sind einzelnen Sterne eine Ausnahme. Man nimmt an, dass mindestens die Hälfte aller Sterne sich in Doppel- bzw. Mehrfachsternsystemen befinden. Das liegt an der Entstehungsgeschichte: wenn eine Gaswolke kollabiert und daraus ein Stern entsteht, dann ist die Chance groß, dass dadurch auch in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Kollaps ausgelöst wird und ein zweiter Stern entsteht.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich die Exoplanetenforscher auch Gedanken über Planeten in solchen Mehrfachsternsystemen machen. Aber wie sieht es denn nun aus: kann es dort überhaupt Planeten geben? Ich habe letztens über ein Buch von Harald Lesch und Jörn Müller berichtet, in dem behauptet wurde, dass die Planetenbahnen dort sehr kompliziert wären und mögliche Planeten ungeeignet für die Entstehung von Leben.

Nun, beides stimmt nicht.

Planetenbahnen in Doppelsternsystemen

Schon 1977, lange bevor der erste extrasolare Planet tatsächlich entdeckt wurde, hat sich Robert Harrington mit dem Problem der Planetenbahnen in Doppelsternsystemen beschäftigt und festgestellt, dass stabile Bahnen dort prinzipiell möglich sein können.1984 bzw. 1988 (immer noch 4 Jahre vor der ersten Entdeckung eines Exoplaneten) hat dann Rudolf Dvorak von der Universität Wien das Ganze genauer untersucht und 2 mögliche Konfigurationen unterschieden. 

Bei Bahnen vom P-Typ (planetary type) bewegt sich ein Planet um beide Sterne des Doppelsternsystems herum. Bei Bahnen des S-Typs (satellite type) kreist der Planet nur um einen der beiden Sterne:

ptyp.jpgstyp.jpg
Der Planet kann also quasi ganz außen oder ganz innen sein - nur in der Mitte wird es, gravitativ gesehen, etwas chaotisch. Dort können keinen stabilen Bahnen mehr garantiert werden. Die genauen Verhältnisse hängen von der speziellen Konfiguration des Systems ab: wie groß sind die beiden Sterne; wie weit sind sie voneinander entfernt und wie stark weichen die Sternorbits von der Kreisform ab.

Gibt es sowas denn überhaupt?

Die Theorie zur Planetenbewegung in Doppelsternsystemen kannte man also schon Ende der 80er Jahre recht gut. Aber das muss ja noch lange nicht heissen, dass es solche Planeten auch wirklich gibt. Nun, mittlerweile wissen wir, dass es tatsächlich Exoplaneten gibt, die sich in Doppelsternsystemen befinden. Ich kann im Moment nicht genau sagen, wieviele es sind (es gibt anscheinend noch keine entsprechende Liste; ich denke, sowas muß ich mal anlegen) - aber es werden etwa ein Dutzend sein. Vermutlich sind es sogar mehr - denn oft weiß man zwar, dass ein Stern von einem Planet umkreist wird - aber nicht, ob der Stern Teil eines Mehrfachsystems ist oder nicht. Das findet man meistens erst später heraus, wenn der Stern genauer untersucht wird.

Artist's_impression_of_pulsar_planet_B1620-26c.jpgAlle bisher entdeckten Planeten in Doppelsternsystemen haben S-Typ-Bahnen; umkreisen also nur einen der beiden (oder mehreren) Sterne. Eine Ausnahme ist der Planet PSR B1620-26 b, der ein Doppelsystem bestehend aus einem Pulsar und einem Weißen Zwerg umkreist. Da aber sowohl Pulsare als auch weiße Zwerge keine richtigen Sterne mehr sind, sondern verschiedene Arten von "toten" Sternen (je nach Masse endet ein Stern entweder als Pulsar bzw. Neutronenstern oder als weißer Zwerg, wenn sein Brennstoff aufgebraucht ist), werden solche Planeten meist nicht richtig mitgezählt, wenn man von Exoplaneten spricht.

Bei den Planeten auf S-Typ-Bahnen spielt es meistens gar keine Rolle, ob ein Begleiter da ist, oder nicht. Die Exoplaneten, die wir kennen, befinden sich im Allgemeinen in sehr engen Orbits um ihren Stern und die Begleitsterne sind oft sehr weit entfernt. Die Entfernungen betragen oft das hundert- oder tausendfache der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Ein zweiter Stern, der so weit entfernt ist, hat keinen nennenswerten Einfluss mehr auf den Planeten, der sich um den anderen Stern bewegt.

Es gibt aber auch einige bekannte Systeme, bei denen die Sterne sehr nahe bei einander stehen. Ein Beispiel dafür ist der Stern Gamma Cephei: Die beiden Sterne Gamma Cephei A und Gamma Cephei B sind 20 Astronomische Einheiten voneinander entfernt - also in etwa so weit, wie der Uranus von unserer Sonne entfernt ist. Um den Stern A kreist noch ein Planet: er ist fast zweimal so groß wie Jupiter - aber nur 2 Astronomische Einheiten vom Stern entfernt. Dieses System haben meine Kollegen von der Unisternwarte Wien und ich untersucht und gefunden, dass hier trotzdem noch Platz für einen weiteren Planeten wäre. Und das auch noch in der habitablen Zone - also jenem Bereich um einen Stern, in dem die Temperaturen auf der Oberfläche eines Planeten genau passend wären, um Leben entstehen zu lassen.

HD 41004 A

Ein anderes schönes Beispiel ist der Stern HD 41004 A. Hier ist die Situation besonders verwickelt. Erstmal ist da ein Stern; etwas kleiner als die Sonne. Zu diesem Stern ein anderer, noch kleinerer Stern. Der erste Stern wird von einem Planeten umkreist; der zweite von einem braunen Zwerg (das nennt man "hierarchisches Quadrupel-System"). Die beiden Sterne sind wieder etwa 20 Astronomische Einheiten voneinander entfernt (so wie bei Gamma Cephei). Weil die Masse des zweiten Sterns aber recht klein ist und der Planet sich sehr nahe am ersten Stern befindet (er ist knapp 1,3 Astronomische Einheiten von ihm entfernt; vergleichbar mit der Entfernung des Mars von der Sonne), ist sein Einfluss auf die Stabilität der Planetenbahnen relativ gering.

Das sieht man an diesen Bildern recht schön:

hd41004.jpg
Man sieht hier folgendes: auf der x-Achse ist der Abstand vom ersten Ersten Stern aufgetragen (in Astronomischen Einheiten). Der gezeigte Bereich stellt übrigens gerade die habitable Zone von HD 41004 A dar. Auf der y-Achse sieht man die Inklination - also die Neigung der Bahn eines Himmelskörpers gegenüber einer Referenzebene. Für jeden Punkt in diesem Gitter aus Werten von Abstand und Inklination haben wir nun berechnet, ob ein eventueller Planet, der eine Bahn mit entsprechendem Abstand und entsprechender Bahnneigung hätte, stabil bleiben würde oder nicht. Die Stabilität der Bahn ist durch die Farben angezeigt: Kombinationen aus Abstand und Bahnneigung, die stabile Bahnen liefern, sind in rot/orange/gelb eingezeichnet; je grüner/blauer/violetter, desto instabiler bzw. chaotischer werden die Bahnen. Und schließlich sieht man links das Bild, das sich ergibt, wenn man den gravitativen Einfluss des Begleitsterns berücksichtigt und rechts das Bild, das man bekommt, wenn man den Begleitstern einfach ignoriert.

Man erkennt zwar Unterschiede - aber qualitativ sind die Bilder gleich. Auf der linken Seite (also dort, wo der zweite Stern noch berücksichtigt wurde) sind die sg. Mean-Motion-Resonanzen etwas deutlicher ausgeprägt (das sind die blau/violetten instabilen Streifen, die senkrecht durchs Bild verlaufen). Diese Instabilitäten werden etwas geringer, wenn der zweite Stern ignoriert wird.

Man sieht aber trotzdem, dass in beiden Fällen genügend Bereiche übrig sind, in denen sich zusätzliche Planeten auf stabilen Bahnen in der habitablen Zone bewegen können. Das heißt nicht, dass dort auch noch Planeten sein müssen! Aber wenn sie dort sind, und wenn sie klein genug wären, um erdähnlich zu sein, dann könnte sich dort ganz vielleicht sogar Leben entwickeln. Und das wäre sicherlich interessant, in einem System, in dem es nicht nur einen Stern gibt, sondern gleich zwei (und noch einen braunen Zwerg dazu).


Ähnliche Artikel: Wenn Planeten unpünktlich sind, Chaos im Sonnensystem, Seltsame Welten: Trojanerplaneten, Seltsame Welten: Wechselplaneten, Seltsame Welten: Sitnikovplaneten, Erdnahe Asteroiden und das Chaos, Erdnahe Asteroiden und Fuzzy Logic

Autor: Florian Freistetter· 04.02.09 · 09:17 Uhr· 4 Kommentare

03. Februar 2009

Firma vergibt Jobs anhand von Sternzeichen

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 74

In den langen Diskussion, die hier in letzter Zeit über Astrologie geführt wurden, kam immer wieder mal der Hinweis, dass man die Astrologie nicht ganz so ernst nehmen soll. Wenn jemand unbedingt daran glauben möchte, dann soll er doch - tut doch niemandem weh.

Abgesehen davon, dass dieses Argument generell unrichtig ist, gibt es nun ein passendes Beispiel, das zeigt, wie der Glaube an Astrologie auch völlig unbeteiligte Menschen schädigen kann: eine österreichische Firma vergibt Jobs nur an Bewerber mit passenden Sternzeichen.

In den Salzburger Nachrichten erschien am Samstag eine Stellenanzeige mit folgendem Text:

"Wir suchen Personen ab 20 Jahren für nebenberufliche Tätigkeit im Verkauf/Management mit folgenden Sternzeichen: Steinbock, Stier, Wassermann, Widder oder Löwe."

Tja... es lebe die Gegenaufklärung! Dass viele große Firmen sich gerne mal von Astrologen beraten lassen, ist ein offenes Geheimnis. Aber meistens geht man damit nicht so direkt an die Öffentlichkeit, wie in diesem Fall. Das dies nun so zwanglos gemacht wird, zeigt, wie weit sich die Gesellschaft schon von Wissenschaft und Vernunft entfernt hat.

"Wir haben eine Auswertung gemacht und haben uns die besten Mitarbeiter in ganz Österreich angeschaut - und die waren fast immer eines der fünf [Sternzeichen]. Und dann haben wir gesagt: Da bleiben wir bei dem System und holen uns wieder die Besten."

Das meint die verantwortliche Person der besagten Firma. Ich weiß leider nicht, um wen es sich da genau handelt - ansonsten würde ich gerne mal nachfragen, wie diese "Auswertung" den im Detail aussieht. Es liegt der Verdacht nahe, dass hier jemand wenig Ahnung von Statistik handelt (bzw. generell wenig Ahnung - wie sonst kommt man überhaupt auf die Idee, so eine Auswertung zu machen).

Und anscheinend ist das, was hier gemacht wird, auch noch rechtens. Angela Riegler, eine Expertin der Arbeiterkammer Salzburg meint:

"Wenn ich mich als Unternehmen jetzt an bestimmte Sternzeichen richte und sage: Ich will beispielsweise nur Fische haben, dann ist davon auszugehen, dass innerhalb dieser Gruppe von Menschen, die im Sternzeichen Fische geboren sind, Alte und Junge sind, Frauen und Männer et cetera. Es wäre zwar auch eine Einschränkung, aber keine Diskriminierung."

Ich bin ja nun kein Experte für Arbeitsrecht - aber wenn ich, obwohl ich genauso gut qualifiziert wäre wie ein Mitbewerber, den Job nur deswegen nicht bekomme, weil ich am falschen Tag geboren bin und das falsche Sternzeichen habe... dann klingt das für mich sehr nach Diskriminierung.

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Praxis auf dem Arbeitsmarkt nicht durchsetzt. Ich kann die Astrologie- und sonstigen Berater schon direkt vor mir sehen, wie sie nun darauf warten, Lehrgänge und Kurse an den Arbeitsämtern durchführen zu können. Und wenn ich mir die österreichische Politik so ansehe, dann ist es nicht völlig unwahrscheinlich, dass sich bald vielleicht sogar hochoffiziell die Arbeitsvermittlung an den Sternzeichen orientiert.

Vielleicht findet sich ja jemand, der von dieser Diskriminierung (ich halte das immer noch eher für eine Diskriminierung als für eine Einschränkung) betroffen ist und die Sache gerichtlich klären lässt. Das wäre auf jeden Fall ein sehr interessanter Prozess.


Nachtrag: Christian hat Näheres über die Hintergründe zu dieser Geschichte herausgefunden:


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Autor: Florian Freistetter· 03.02.09 · 15:45 Uhr· 74 Kommentare

CoRoT hat etwas Tolles entdeckt!

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 24

445px-Planet_HD_189733b.jpg

Der europäische Satellit CoRoT ist schon seit einiger Zeit auf der Suche nach extrasolaren Planeten. Diese Woche findet in Paris nun das erste internationale Symposium statt, bei dem sich die Wissenschaftler mit den bisherigen Ergebnissen der Mission beschäftigen. Und so wie es aussieht, hat CoRoT etwas ziemlich beeindruckendes entdeckt. Heute Nachmittag um 15:00 gibt es eine Pressekonferenz auf der die Entdeckung bekannt gegeben wird. Was entdeckt wurde, kann man dann bei Ludmila lesen - sie gehört ja zum CoRoT-Team und steckt mitten drin in der ganzen Geschichte ;)

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt (und ärgere mich ein bisschen, dass ich theoretischer Astronom bin und nie solche tollen Entdeckungen bekannt geben kann).


Update: Das Embargo wurde anscheinend nicht eingehalten und man kann nun schon überall lesen, dass CoRot den bisher kleinsten Exoplaneten entdeckt hat. Der Radius von CoRoT-Exo-7b beträgt nur 1,75 Erdradien. Bewohnbar wird dieser Planet aber trotzdem nicht sein - er befindet sich extrem nahe am Stern und ist viel zu heiss. Mehr zu diesem interessanten Objekt wird dann aber sicher noch Ludmila erzählen


Autor: Florian Freistetter· 03.02.09 · 10:25 Uhr· 24 Kommentare

02. Februar 2009

Palindrome: Wie man die Welt ändern muss, um Astronom zu werden

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

palindrome.jpg

Bei Ludmila gab es schon den Trailer zum internationalen Jahr der Astronomie und den Song zum internationalen Jahr der Astronomie.

Was noch fehlt, ist der Film zum internationalen Jahr der Astronomie: Palindrome. Dieser Film ist ein offizieller Beitrag zum Jahr der Astronomie aus Neuseeland. Ein junger Mann probiert sich selbst zu töten. Er findet sich in einer seltsamen Stadt voller Fremder wieder, die ihn dazu bringen, Dinge aus seiner Vergangenheit so zu verändern, dass sich sein Kindheitstraum erfüllen kann: Astronom zu werden.

Ich habe zwar noch nicht herausgefunden, wann der Film zu sehen sein wird (und wo) - aber der Trailer ist auf jeden Fall schon mal recht sehenswert:


Bleibt nur zu hoffen, dass der Film auch wirklich zu Ende produziert werden kann und noch 2009 in die Kinos kommt!

Autor: Florian Freistetter· 02.02.09 · 21:40 Uhr· 5 Kommentare

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