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31. Januar 2009
Ein Blog aus dem Jahr 1894
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Gerade habe ich ein äußerst interessantes Blogprojekt entdeckt: In Zusammenarbeit mit dem Blog zum Jahr der Astronomie, Cosmic Diary, wird auf Greenwich 1894 über die Arbeit der Astronomen am Greenwich Observatorium berichtet.
Grundlage sind die Arbeitstagebücher von William Henry Mahony Christie (der köngliche Astronom), Herbert Hall Turner (Hauptassistent von 1881-1894) und Frank Watson Dyson (Hauptassistent von 1894-1905). Die Einträge von damals werden nun immer auf den Tag genau 115 Jahre später im Blog veröffentlicht (editiert und kommentiert werden die Einträge von Rebekah Higgitt, Kuratorin am Royal Greenwich Observatory).
Die Lektüre dieses über hundert Jahre alten "Blogs" ist wirklich faszinierend - ich kann jedem nur empfehlen, reinzuschauen!
Autor: Florian Freistetter· 31.01.09 · 22:25 Uhr· 5 Kommentare
Wissenschaft für Kinder: Das Phyletische Museum in Jena
Kategorie: Naturwissenschaften·Wissenschaft für Kinder · Kommentare: 8
Jena ist ja nicht nur für Optik bekannt, sondern auch für Biologie. Immerhin lebte und wirkte dort u.a. der berühmte Zoologe Ernst Haeckel, der Darwins Lehren in Deutschland bekannt machte. Haeckel gründete 1907 in Jena auch das Phyletische Museum:
In diesem Museum wird die Phylogenese dargestellt - also die Stammesgeschichte und die Verwandschaftsbeziehungen der verschiedenen Lebewesen. Da zu den Lebewesen natürlich auch die Tiere gehören und da Kinder und Tiere immer gut zusammenpassen, stand ein Besuch des Phyletischen Museums ganz oben auf meiner Liste.
Interessant ist es dort auf jeden Fall: gleich im Eingangsbereich findet sich ein großes Aquarium voll mit Medusen. Es sieht enorm beeindruckend aus, wie diese Quallen da anmutig durchs Wasser schweben - und auch das Testkind war fasziniert.
Der Rest der Ausstellung ist dann aber eher weniger toll - zumindest für kleine Kinder. Es gibt natürlich jede Menge präparierte Tiere. Das gefällt sicher auch den Kindern - aber die Exponante zur Stammesgeschichte sind meistens doch ziemlich technisch gehalten. Auch "multimedial" und "interaktiv" sind Begriffe, die den Betreibern des phyletischen Museums nicht unbedingt wichtig zu sein scheinen. Es gibt zwar einige Bildschirme, an denen offensichtlich weitere Informationen zur Ausstellung abgerufen werden können. Leider hat nur ein einziger funktioniert. Die Interaktion im Museum beschränkt sich auf ein Mikroskop, mit dem hauptsächlich Steine betrachtet werden können - auch eine seltsame Wahl, angesichts des Themas des Museums. Spinnen wären viel besser gewesen, meinte zumindest mein kleiner Begleiter.
Das Museum wirkt auch relativ leer; man ist schnell durch und hat alle 5 Räume angesehen. Aber das lag vielleicht auch daran, dass im Moment dort keine Sonderausstellung stattfindet (was sonst recht oft der Fall der ist).
Ähnliche Artikel: Wissenschaft für Kinder: Das optische Museum in Jena
Autor: Florian Freistetter· 31.01.09 · 18:40 Uhr· 8 Kommentare
30. Januar 2009
Ich habe ein Teleskop!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 24
Ich muss mich jetzt hier mal outen: obwohl ich Astronom bin, habe ich bis heute noch nie ein Teleskop besessen. Ich gehöre auch zur kleinen Minderheit der Leute, die ein Astronomiestudium beendet haben, ohne in ihrem Leben jemals durch ein Teleskop geblickt zu haben.
Das liegt nicht daran, dass ich Himmelsbeobachtung langweilig finde - ganz im Gegenteil. Aber mein Weg zur Astronomie war etwas unkonventionell (darüber erzähle ich vielleicht anderes Mal mehr) und im Gegensatz zu den meisten anderen Astronomistudenten habe ich daher auch nie als Kind/Jugendlicher ein Teleskop besessen. Während meines Studiums habe ich mich dann völlig auf die theoretische Astronomie konzentriert. Mein Interesse für die beobachtende Astronomie ist dann erst vor einige Jahren, in meiner Zeit an der Unisternwarte Jena, erwacht. Ich habe dann aber sogar am Teleskop der Unisternwarte ein paar Nächte "professionell" beobachtet. Und seit dieser Zeit wollte ich mir auch immer endlich selbst ein eigenes Gerät anschaffen. Leider hat bis jetzt das Geld dafür nie gereicht (reicht es eigentlich immer noch nicht).
Wie auch immer - heute hab ich mein erstes Teleskop zusammengebaut. Und so sieht das gute Stück aus:
Den vielen (Amateur)Astronomen unter meinen Lesern wird dieses Gerät wahrscheinlich nicht mal ein müdes Lächeln entlocken ;) Es nennt sich "Omegon 60/700 AZ-1" und ist wohl wirklich nicht unbedingt ein Top-Instrument. Aber ich dachte mir, ich fange erst mal klein an, und lerne erst mal, wie man mit so einem Teleskop richtig umgeht, bevor ich mir ein besseres Gerät kaufe. Und da das Omegon laut Beschreibung "durchaus für erste spielerische Versuche bei der Himmelsbeobachtung geeignet" ist, werde ich damit wohl hoffentlich klar kommen ;)
Und wenn ich dann mal genug Geld für ein größeres Teleskop angespart habe, dann hoffe ich auch auf Unterstützung und Tipps durch die vielen kompetenten Beobachter unter meinen Lesern. Hier das richtige Gerät (und Zubehör) auszuwählen, scheint ja eine ganz eigene Wissenschaft zu sein ;)
Autor: Florian Freistetter· 30.01.09 · 19:25 Uhr· 24 Kommentare
27. Januar 2009
Ein Astronaut aus dem Mittelalter?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 13
Zur Zeit macht eine kuriose Geschichte über einen mittelalterlichen Astronauten die Runde im Internet. Ufo-"Forscher" wie z.B. Erich von Däniken weisen ja immer wieder auf angebliche Abbildungen von Raumschiffen, Flugzeugen, Astronauten u.ä. hin, die Jahrtausende alt sind. Hier lässt sich meist recht schnell zeigen, dass es sich um Fehlinterpretationen und Wunschdenken handelt. Nur weil z.B. altägyptische Reliefs entfernt wie eine Glühbirne aussehen, heisst das noch lange nicht, dass damals schon Elektrizität benutzt wurde. Und auch auf der Grabplatte von Palenque ist kein Raumschiff zu sehen. Man darf solche Dinge nicht außerhalb des Kontext der damaligen Zeit interpretieren.
Aber was ist dann von dieser Figur zu halten, die sich an der Kathedrale von Salamanca in Spanien (die zwischen 1513 und 1733 erbaut wurde) befindet:

Das ist absolut eindeutig ein Astronaut! Eine Fälschung? Nein, der Astronaut befindet sich tatsächlich an der Wand dieser Kathedrale. Oder doch der eindeutige Beweis, dass außerirdische Besucher früher schon auf der Erde waren so wie es Däniken & Co. immer behauptet haben?
Nun, mein erster Gedanke war: Wenn das Ding einen Astronauten zeigt, dann kann der auch erst entstanden sein, als die Menschen schon wußten, was Astronauten sind. Irgendwie ja auch logisch ;) Und eine kurze Recherche hat diese Ansicht schnell bestätigt.
Snopes.com (immer eine gute Anlaufstelle, wenn es um Internet-Hoaxes u.ä. geht) hat die Sache schon ausführlich recherchiert. 1992 wurde die Kathedrale renoviert - und einer der Künstler hat diesen kleinen Astronauten quasi als "Unterschrift" hinzugefügt:
"Die Restauration der Kathedrale von Salamanca im Jahr 1992 verband moderne Bilder mit den alten Motiven, unter anderem die Figur eines Astronauten. Dieses Bild steht in der Tradition der Kathedralenbaumeister und Restauratoren die zeitgenössische Motive unter die alten mischten um ihre Arbeit so zu signieren. Jeronimo Garcia, der für die Restauration zuständig war, wählte einen Astronauten als Symbol des 20. Jahrhunderts. (Quelle)"
Tja - wieder kein Erfolg für die Prä-Astronautik. Aber eine nette Geschichte - und wenn ich mal in die Nähe von Salamanca komme, dann steht ein Besuch dieser Kathedrale auf jeden Fall auf meinem Program!
Autor: Florian Freistetter· 27.01.09 · 19:30 Uhr· 13 Kommentare
Big Bang und Big Bang, zweiter Akt: Simon Singh vs Harald Lesch (Teil 2)
Kategorie: Kultur·Themenwoche · Kommentare: 16
Gestern habe ich schon ausführlich über das hervorragende Buch "Big Bang" von Simon Singh berichtet. Heute ist "Big Bang, zweiter Akt" von Harald Lesch und Jörn Müller an der Reihe. Und ganz im Gegensatz zu "Big Bang" gibt es hier einiges zu kritisieren.
Big Bang, zweiter Akt

Erstmal zum Inhalt: Lesch und Müller (ein Physiker) beschäftigen sich in diesem Buch mit dem Leben. Wie ist es entstanden und vor allem: welche Voraussetzungen mussten erfüllt sein, damit es entstehen konnte. Zuerst definieren die Autoren, was eigentlich Leben ist bzw. was wir darunter verstehen. Danach wird über die Materie gesprochen: welche Teilchen gibt es, wie halten die Atome und Moleküle zusammen und wie funktionieren die grundlegenden chemischen Prozesse. Schließlich wird auch erklärt, wie die Materie eigentlich beim Urknall und später in den Sternen eigentlich erzeugt wurde. Es folgt ein Abschnitt über Biochemie und die Entstehung des Lebens auf der Erde.
Dann machen sie Lesch und Müller auf die Suche nach Leben außerhalb der Erde. Alle Planeten in unserem Sonnensystem werden auf ihre Eignung für Leben hin untersucht (mit dem bekannten negativen Ergebnis: einzige Ausnahme ist die Erde). Im Anschluß wird allgemein diskutiert, welche Sterne überhaupt geeignet sind, um Leben zu unterstützen und welche Eigenschaften Planeten haben müssen, um Leben hervorzubringen.
Im nächsten Teil des Buches gibt es einen Überblick über die bisherigen Versuche der Menschheit, mit außerirdischer Intelligenz in Kontakt zu treten (OSZMA, SETI, etc). Hier wird auch diskutiert, wie man sich außerirdisches Leben eigentlich vorzustellen hat und was wir erwarten können? Aliens wie aus Star Trek, die nicht anders aussehen als wir und höchstens mal anders geformte Nasen oder Ohren haben? Oder gruselige Insektenmonster, wie aus den Hollywood-Horrorfilmen?
Auch der Raumfahrt wird ein Teil des Buches gewidmet. Angenommen, wir würden außerirdisches Leben entdecken: bestünde eine Chance, es auch zu besuchen? Wie weit kommt man mit der heutigen Technologie und welche Möglichkeiten würden zukünftige Technologien bieten?
Im letzten Teil schließlich, spekulieren Lesch und Müller darüber, warum unser Universum genau so ist, wie es ist. Wie würde das Universum aussehen, wenn die Naturkonstanten nur minimal anders wären? Wäre es immer noch lebensfreundlich?
Gutes Thema - Schlechte Umsetzung
Das Thema des Buches ist auf jeden Fall interessant - auch wenn vielleicht probiert wurde, ein bisschen zuviel Inhalt auf den knapp 400 Seiten unterzubringen. Die Umsetzung des Buchs ist jedoch sehr schlecht gelungen!
Eigentlich finde ich ja Harald Lesch richtig gut. Er macht genau das, was jeder Wissenschaftler machen sollte: er geht an die Öffentlichkeit und erzählt über seine Forschung. Und sehr viele Menschen sind sehr begeistert davon. Bei mir selbst "funktioniert" Lesch allerdings irgendwie nicht so gut wie bei anderen. Ich bin zwar beeindruckt von seiner Begeisterung für die Astronomie - aber seine Erklärungen vieler astronomischer Phänomene finde oft nicht ganz so gut gelungen. Aber das ist Geschmackssache, vermute ich. Harald Lesch hat jedenfalls durch seine öffentlichen Auftritt viele Menschen für die Astronomie und Wissenschaft begeistert. Deswegen tut es mir jetzt auch ein bisschen leid, dass ich das Buch kritisieren muss.
Aber daran führt kein Weg vorbei, denn die Umsetzung ist wirklich mies. "Lieblos" war das Wort, das mir beim Lesen ständig durch den Kopf gegangen ist. Und, für ein populärwissenschaftliches Buch, meiner Meinung nach viel zu verwirrend aufgebaut. In den ersten 4 Kapiteln wird der Text ständig durch "Boxen" unterbrochen - also vom eigentlichen Haupttext abgetrennte Einheiten, in denen verschiedene Dinge erklärt werden. All diese Dinge sind eigentlich für das Verständnis des Buches und des Themas durchaus wichtig - man hätte sie genauso gut in den Haupttext einbinden können. Außerdem ist der Text in den Boxen wesentlich komplizierter als man es normalerweise von einem populärwissenschaftlichen Buch erwarten würde. "Box 4: Energieniveaus der Elektronen eines Atoms" liest sich wie ein Ausschnitt eines einschlägigen Physik-Lehrbuchs und bereitet dem durchschnittlichen Leser vermutlich einige Verständnisschwierigkeiten.
Neben den Boxen wird der Lesefluss immer wieder durch Verweise auf den farbigen Abbildungsteil in der Buchmitte unterbrochen. Neben den normalen Schwarz-Weiss-Bildern im Text gibt es dort einen eigenen Abschnitt mit Farbbildern (die man eigentlich alle einigermassen vernünftig auch in Graustufen umsetzen hätte können).
In der ersten Hälfte des Buches ist man also ständig damit beschäftigt, hin und her zu blättern bzw. irgendwelche Boxen zu lesen. Das stört den Lesefluss ziemlich - und die teilweise sehr umständlich bzw. komplizierten Erklärungen der Autoren machen das nicht unbedingt besser. Sätze wie
"Die Proteine, die Eiweißkörper, sind makromolekulare hochpolymere Substanzen und die wichtigsten Baustoffe biologischer Organismen."
findet man überall im Buch. Natürlich handelt es sich um ein Wissenschaftsbuch und wissenschaftliche Sprache ist zu erwarten. Aber in dem Ausmaß wie bei "Big Bang, zweiter Akt" ist es meiner Meinung nach deutlich übertrieben. Immer wieder werden im Text auf Fachbegriffe verwendet und einfach gar nicht erklärt: "abiogen", "Valenz" sind nur ein paar Beispiel. Auch die Abbildungen wirken lieblos und irgendwie wahllos zusammenkopiert. Und auch hier sind manche, wie beispielsweise Abbildung 28, die die Gezeiten auf der Erde erklärt, unnötig kompliziert.
Man hat fast das Gefühl, Lesch und Müller hatten keine Lust dieses Buch zu schreiben bzw. waren nicht ganz bei der Sache. Auch die Kapitel selbst wirken schlecht organisiert: Inhalte wiederholen sich, Dinge werden erst erklärt, nachdem sie schon mehrmals früher im Text aufgetaucht sind, usw. Irgendwie scheint sich dieses Buch vor der Veröffentlichung niemand mehr allzu genau angesehen haben. So wird beispielsweise einmal geschrieben, dass das Wasserstoffbrennen (die Phase, in der die Sonne Wasserstoff zu Helium fusioniert) in der Sonne in etwa ein bis zwei Milliarden Jahren zu Ende geht und zwei Seiten weiter liest man auf einmal, das die Sonne noch 4,5 Milliarden Jahre lang Wasserstoff fusionieren wird (was auch stimmt). Manche Dinge sind schlecht recherchiert. Etwa dann, wenn behauptet wird, dass
"(...) die Verhältnisse in einem Doppelsternsystem reichlich verwickelt sind und vermutlich Planeten von Doppelsternen für Leben völlig ungeignet."
Da ich selbst früher über die Dynamik von Planeten in Doppelsternsystemen gearbeitet habe, kann ich hier nur widersprechen. Das, was Lesch und Müller sagen, mag vielleicht für Systeme gelten, bei denen die beiden Sterne sehr eng beieinander stehen (und selbst da gibt es oft noch genügend Ausnahmen) - aber bei den typischen Entfernungen zwischen den Komponenten eines Doppelsternsystems gibt es meistens ausreichend Platz für habitable Planeten. Und darüber wurden auch schon genügend Arbeiten veröffentlicht - das hätte man rausfinden können.
Und bei einem Satz habe ich mich wirklich gewundert, wie er ein Buch geraten konnte, dessen Autor auch Harald Lesch ist:
"Vielleicht müssen wir in Zukunft den Jupiter mit seinen Trabanten als ein eigenständiges Planetensystem im Sonnensystem betrachten."
Hier wurde über die Jupitermonde gesprochen, von denen manche durchaus die nötigen Eigenschaften zu haben scheinen, Leben zu entwicklen. Aber Jupiter und seine Monde als "Planetensystem" zu bezeichnen?? Es gibt so viele Menschen, die von Astronomie wenig Ahnung haben, und denen es schwer fällt, zwischen Planet/Stern, Sonnensystem/Galaxie, etc zu entscheiden. Da muss man mit so einem Satz (der astronomisch auch wenig Sinn macht) nicht auch noch zusätzlich Verwirrung stiften!
Fazit
Ok - jetzt habe ich wirklich genug gemeckert. Das Buch hat nämlich auch durchaus seine guten Seiten. Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn Lesch und Müller über SETI, die Suche nach Außerirdischen, über Raumfahrt und die Möglichkeit, die Sterne zu erreichen, sprechen. Hier stören auch keine Boxen mehr, die Erklärungen sind gut und einfach und das Lesen macht Spaß und ist interessant (Immerhin hab ich jetzt endlich mal verstanden, wie ein Bussard-Rammjet funktioniert - und warum man vermutlich nie einen bauen wird können). Hier scheinen Harald Lesch und Jörn Müller wieder Freude am Schreiben gehabt zu haben. Lesch und Müller sind beides keine Fachleute für Biologie/Chemie - vielleicht ist das der Grund für die geringere Qualität im ersten Teil, der sich hauptsächlich mit diesen Themen beschäftigt? Vielleicht haben sich die beiden hier nicht so wohl gefühlt, wie bei der Astronomie und der Raumfahrt?
Um zum Ende zu kommen: Das Buch ist durchaus interessant. Aber leider schlecht umgesetzt und deswegen auch oft schlecht zu lesen und schlecht zu verstehen. Zu den Themen des Buches (Urknall, Entstehung der Materie, Entstehung des Lebens, Außerirdische,...) gibt es auch andere, bessere Bücher. Aber am besten ist es, jeder bildet sich selbst ein Urteil. Hat jemand der Leserinnen und Leser dieses Buch vielleicht schon gelesen? Über Kommentare würde ich mich freuen. Habe ich das Buch vielleicht zu kritisch beurteilt?
Autor: Florian Freistetter· 27.01.09 · 19:11 Uhr· 16 Kommentare
Big Bang und Big Bang, zweiter Akt: Simon Singh vs Harald Lesch (Teil 1)
Kategorie: Naturwissenschaften·Themenwoche · Kommentare: 19
Ich habe gerade 2 Bücher mit sehr ähnlichem Titel gelesen. Einmal "Big Bang" von Simon Singh und danach "Big Bang, zweiter Akt" von Harald Lesch und Jörn Müller. Allerdings sind sie thematisch nur teilweise verwandt. Die jeweiligen Untertitel zeigen, womit sich die beiden Bücher beschäftigen: Singh schreibt über den "Ursprung des Kosmos und die Erfindung der modernen Naturwissenschaft" und Lesch/Müller sind "Auf den Spuren des Lebens im All". Und sehr unterschiedlich fand ich auch die Qualität der beiden Bücher...
Big Bang

Schon bevor ich die erste Seite gelesen hatte, war mir eigentlich klar, dass es sich um ein gutes Buch handelt. Bis jetzt war noch jedes Buch von Simon Singh hervorragend - es wäre überraschend, wäre es diesmal anders. Die Lektüre hat dieses Urteil dann auch absolut bestätigt. Singh beschreibt in seinem Buch nicht nur die physikalischen Vorgänge beim und Hintergründe des Urknalls sondern beschäftigt sich vor allem auch mit der historischen Entwicklung dieser Theorie.
Angefangen bei den alten Griechen bis hin zur Nobelpreisverleihung im Jahr 2006 berichtet Singh ausführlich über die Entwicklung unseres Bildes vom Kosmos. Zuerst gab es nur die Erde, die den Mittelpunkt des Universums darstellte, umgeben von ätherischen Sphären, auf denen sich die Planeten bewegen. Die himmelsmechanische Theorie des Claudius Ptolemäus beschrieb die Bewegung der Planeten auf ihrer Bahn um die Erde und blieb Jahrhunderte lang unangefochten die akzeptierte Beschreibung des Kosmos. Natürlich gab es auch damals schon alternative Theorien, die die Sonne in den Mittelpunkt stellten und nicht die Erde. Richtig durchsetzen konnte sich dieses heliozentrische Weltbild allerdings erst viel später. Auch wenn die grundlegende Beschreibung dazu von Nikolaus Kopernikus stammt, war es doch Galileo Galilei, der dem geozentrischen Weltbild den Todesstoß versetzte.
Hier beschreibt Singh nicht nur spannend und verständlich die Entwicklung der Astronomie; er erklärt auch hervorragend, wie sich wissenschaftliche Theorien durchsetzen. Denn auch wenn wir heute wissen, dass das heliozentrische Weltbild der Realität entspricht, hatte es damals eher die Außenseiterrolle. Auch wenn die ptolemäische Epizykeltheorie der Planetenbewegung im Vergleich zum kopernikanischen Weltbild kompliziert und unelegant war, war sie doch in der Lage, die Bewegung der Planeten genauer vorherzusagen. Dieses Problem wurde erst durch Johannes Kepler gelöst, der feststellte, dass sich die Planeten auf Ellipsen bewegen und nicht auf Kreisbahnen. Aber selbst dann wurde das heliozentrische Weltbild immer noch nicht von allen akzeptiert. Beide Theorien waren mehr oder weniger gleichwertig; es gab keine konkrete Möglichkeit festzustellen, welche richtig ist - also wählten die meisten die Theorie, die der alltäglichen Erfahrung am ehesten entspricht.
Die Wende brachte (wie immer in der Wissenschaft) erst das Wechselspiel aus Vohersage und Beobachtung. Es gab nämlich eine Möglichkeit, festzustellen, wer Recht hatte. Kopernikus hatte in seiner Arbeit eine konkrete Vorhersage gemacht: je nachdem, ob sich die Himmelskörper um die Erde oder die Sonne drehen, würde man eine andere Abfolge der Venusphasen beobachten können. Leider waren zu dieser Zeit die Teleskope noch nicht erfunden und es war nicht möglich, die Phasen der Venus zu sehen. Als aber Galileo Galilei als erster sein Teleskop zum Himmel richtete, war er sich natürlich bewusst, dass er nun die Möglichkeit hatte, den Streit der Theorien zu entscheiden. Er beobachtete die Abfolge der Venusphasen und stellte fest, dass sie genau dem entsprachen, was das heliozentrische Weltbild vorhersagte. Und von dem Moment an war klar, dass man das geozentrische Weltbild aufgeben wird müssen.
Eine ähnliche Revolution wie zu Beginn des 17. Jahrhunderts spielte sich auch 400 Jahre später, am Beginn des 20. Jahrhunderts ab. Damals versuchten die Astronomen, die "große Debatte" zu lösen: bestand das Universum nur aus unserer Milchstrasse oder ist es noch größer? Man hatte im Laufe der Zeit am Himmel viele "Nebel" beobachtet: verschwommene Lichtflecken, von denen man nicht genau wusste, was sie darstellen. Viele Astronomen waren der Meinung, es handle sich um Objekte, die Teil unserer Galaxie sind. Andere waren der Ansicht, es seien andere Galaxien, außerhalb unserer Milchstrasse und das Universum damit viel größer als bisher gedacht. Wieder waren beide Möglichkeiten gleich plausibel und wieder musste man auf entsprechende Beobachtungen warten, um den Streit zu entscheiden.
Diese Beobachtung wurde 1929 von Edwin Hubble gemacht. Er fand eine spezielle Art von Sternen (sg. Cepheiden) die es im ermöglichten, die Entfernung eines dieser Nebel zu bestimmen: er lag eindeutig außerhalb der Milchstrasse!
Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt für eine noch größere Revolution. Aus späteren Messungen folgerte Hubble, dass sich die Nebel (bzw. Galaxien) alle von uns fortbewegten und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind! Daraus kann man aber auch schließen, dass sie früher viel näher beieinander waren als heute. Und ganz früher war vielleicht alle Materie des Universums an einem einzigen Punkt vereint. Das Universum schien also einen Anfang zu haben!
Auch diese Hypothese war anfangs sehr unpopulär. Es gab immer noch große Probleme bei der Bestimmung der Entfernung und des Alters der Himmelskörper. Es gab große Probleme zu erklären, wie denn die Materie überhaupt entstehen konnte (den wenn das Universum einen Anfang hat, dann ist so eine Erklärung nötig). Einer der größten Kritiker dieser Theorie war Fred Hoyle. Hoyle war ein genialer Astronom - einer der bedeutensten (vielleicht sogar der bedeutenste) Astronomen des 20. Jahrhunderts. Er löste das Problem, wie neue Elemente in Sternen entstehen können. Und er war überzeugt, dass das Universum keinen Anfang hatte. Er entwickelte die sg. "Steady-State-Theorie", die besagt, dass das Universum sich zwar ausdehnt - es aber trotzdem keinen Anfang gegeben hat. Im durch die Ausdehnung "freiwerdenen" Raum entstünde laufend neue Materie so dass das Universum immer gleich aussieht - egal wie alt es ist. Zu seinem Ärger war es Hoyle selbst, der den Namen "Big Bang" erfand. Er verwendete diese eigentlich abwertende Bezeichung für die Theorie seiner Konkurrenten in einer öffentlichen Radiosendung und irgendwie blieb er dann hängen.
Wieder standen beide Theorien gleich gut bzw. schlecht da. Es gab keine Möglichkeit, zu entscheiden, wer Recht hatte und wer nicht. Die Astronomen entschieden mangels anderer Möglichkeiten mehr oder weniger nach Gefühl, welcher Theorie sie den Vorzug gaben. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es langsam voran. Physiker berechneten, dass ein "Big Bang" eigentlich heute noch nachweisbar sein müsste - und zwar in Form einer über das ganze Universum verteilten Strahlung. Und tatsächlich gelang es 1964 Arno Penzias und Robert Wilson (mehr durch Zufall) diese kosmische Hintergrundstrahlung zu beobachten!
Nun zweifelten nur noch wenige Wissenschaftler an der Urknall-Theorie - einer davon war Fred Hoyle. Er modifizierte seine Steady-State-Theorie so, dass auch die Hintergrundstrahlung erklärt werden konnte. Aber es lief immer schlechter für seine Theorie. Allerdings gab es auch für den Urknall Probleme: Wenn die Urknall-Theorie tatsächlich die Realität beschreibt, dann durfte die Hintergrundstrahlung nicht völlig gleichförmig sein. Es musste winzig kleine Variationen geben (Variationen, die mit Hoyles Theorie nicht in Einklang zu bringen wären). Also machte man sich auf die Suche - fand aber nichts. Die Hintergrundstrahlung schien völlig gleichförmig zu sein.
Einer, der an dieser Suche maßgeblich beteiligt war, war George Smoot. Von 1976 bis 1989 arbeitete er an der Entwicklung eines Satelliten, der diese Variationen endlich aufspüren sollte. Und als der Cosmic Background Explorer (COBE) endlich die ersten Daten lieferte, konnte man 1992 die vorhergesagten Variationen der Hintergrundstrahlung tatsächlich messen!
Dieses Ergebnis stellte das Ende der Steady-State-Theorie dar und der Paradigmenwechsel hin zum Big Bang war abgeschlossen. 2006 wurde Smoot (zusammen mit John Mater) für seine Entdeckung auch mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Ein geniales Buch
Hmm - man merkt an der Beschreibung des Inhalts (die sehr ausführlich geworden ist), dass mich dieses Buch wirklich fasziniert hat. Auch wenn ich als Astronom über viele der beschriebenen Dinge schon vorher Bescheid wusste, hat Simon Singh sie doch auch so spannende Art beschrieben und verknüpft, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Man lernt in diesem Buch nicht nur die Hintergründe einer der wichtigsten wissenschaftlichen Theorien kennen - sondern auch die Personen, die hinter dieser Theorie stehen. Diese persönlichen Einblicke und Biografien der einzelnen Wissenschaftler machen das Buch besonders lebendig und interessant.
Ich kann "Big Bang" nur uneingeschränkt empfehlen! Ein hervoragendes Buch - genauso soll Wissenschaft beschrieben werden!
Morgen, im zweiten Teil widme ich mich dann "Big Bang, zweiter Akt" von Harald Lesch und Jörn Müller. Dieses Buch war etwas enttäsuchend - aber dazu mehr morgen. (Nachtrag - der zweite Teil befindet sich hier.)
Autor: Florian Freistetter· 27.01.09 · 17:00 Uhr· 19 Kommentare
26. Januar 2009
Kein Weltuntergang am 21. 12. 2012
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 1616
- Wer wissen, will, ob es den "Planet X" bzw. "Nibiru" wirklich gibt, kann das HIERnachlesen.
- Wer wissen möchte, wie das mit dem Polsprung ist, findet HIER alle Infos.
- Wer sich um einen möglichen "Sonnensturm" sorgt, der sollte HIER nachlesen.
- Und HIER gibt es Antworten auf alle möglichen anderen Fragen und Links zu entsprechenden detaillierten Artikeln.
Meine kurze Notiz über den Kinofilm "2012" zieht immer noch jeden Tag dutzende Besucher an, die sich offenbar über die Vorgänge am 21.12.2012 informieren wollen. Weil der Artikel in dieser Hinsicht aber etwas dürftig ist und weil es bei diesem Thema am Rande auch um Astronomie geht, möchte ich hier nun einen etwas ausführlicheren Beitrag schreiben.
Was haben die Maya mit 2012 zu tun?

In der esoterischen Szene ist der 21. Dezember 2012 ein ganz besonderes Datum. Man ist sich zwar noch nicht ganz einige, was genau dann passieren wird (dazu später mehr) - aber das etwas passieren wird, scheint sicher. Warum? Weil an diesem Tag der Maya-Kalender endet!
Naja - das wird zumindest in wenig-seriösen Zeitungen oder Internetforen behauptet. Und deswegen sollen an diesem Tag alle möglichen schlimmen (Asteroideneinschlag, Flut, Angriff von Außerirdischen) oder guten (Aufstieg der Erde in "höhere Dimensionen") Sachen stattfinden - aber dazu später mehr. Zuerst möchte ich mich einmal mit den Tatsachen beschäftigen.
Der Kalender der Maya endet natürlich nicht an diesem Tag - aber in kalendarischer Hinsicht ist er schon bedeutend. Dazu muss man sich aber erstmal das Kalendersystem der Maya genauer ansehen.
Die Maya benutzten zwei wichtige, verschiedene Kalender: die Tzolkin-Zählung für rituelle Zwecke und den Haab-Kalender für den zivilen Gebrauch. Das klingt vielleicht seltsam - aber auch heute noch gibt es genügend Beispiele für die parallele Benutzung zweier Kalender. Für alltägliche Sachen wird fast überall auf der Welt der für uns normale Gregorianische Kalender verwendet - aber wenn es z.B. um religiöse Angelegenheiten geht, dann gibt es viele verschiedene Alternativen, die noch in Gebrauch sind. Der 20. Januar 2009 ist beispielsweise der 24. Tewet 5769 im jüdischen Kalender, der 23. Muharram 1430 im islamischen Kalender, der 12. Tobe 1725 des koptischen Kalenders - usw.
Der Tzolkin-Kalender der Maya hat eine Periode von 260 Tagen, der Haab-Kalender basiert auf dem scheinbaren Umlauf der Sonne um die Erde und hat deswegen eine Periode von 365 Tagen. Man kann ein Datum also nun entwender im Tzolkin-System (z.B. 6 Edznab) oder als Haab-Datum (z.B. 11 Yax) angeben (mehr zur Namensgebung des Maya-Kalenders findet man z.B hier). Starten beide Kalender am gleichen Tag, dann dauert es 52 Jahre, bis sich eine Kombination aus Haab- und Tzolkin-Angabe (z.B. 6 Edznab 11 Yax - der Todestag von Pacal I, Herrscher von Palenque) wiederholt.
Innerhalb dieser 52 Jahre lässt sich ein Tag durch Angabe von Haab und Tzolkin also eindeutig beschreiben. Will man allerdings auch längere Zeiträume behandeln, wird es schwierig. Das wäre so, als würde wir nur Tag und Monat angeben, aber kein Jahr. Wenn man dann vom 14. August spricht, weiß niemand, welcher Tag genau gemeint ist. Dazu muß man auch das Jahr angeben.
Deswegen gibt es bei den Maya auch noch einen dritten Kalender - den sg. "long count" bzw. die Lange Zählung. Basierend auf dem Zwanzigersystem (im Gegensatz zu unserem Zehner/Dezimalsystem) durchlaufen hier 5 Ziffern jeweils die Zahlen von 0 bis 19 (bzw. 4; eine Stelle läuft nur bis 17). Der 20. Januar 2009 kann dann beispielsweise als 12.19.16.0.9 geschrieben werden (bzw. als 12 Baktun 19 Katun 16 Tun 0 Uinal 9 Kin).
Mit dieser Zählung lässt sich ein viel längerer Zeitraum abdecken. Für die Maya war die 13 (neben der 20) eine wichtige Zahl - das sieht man auch am Tzolkin-Kalender der 13 mal 20 = 260 Tage umfasst - und deswegen vermutet man, dass eine sg. Epoche genau 13 Baktun dauert. Also von 0.0.0.0.0 bis 13.0.0.0.0. (das entspricht etwa 5125 Jahren) - danach beginnt die neue Epoche wieder bei 0.0.0.0.0. Das ist allerdings nicht ganz sicher - genauso könnte es sein, dass eine Epoche bis 20.0.0.0.0 läuft. Wann genau der Nullpunkt der langen Zählung war, ist ebenfalls nicht ganz sicher. Die meisten Forscher glauben, dass es der 11. August 3114 v.u.Z war. Und wenn das stimmt, dann fällt 13.0.0.0.0 der langen Zählung genau auf den 21.12.2012.
So weit die Fakten. Der 21.12.2012 ist also für die Maya so etwas wie ähnliches wie der 31.12.1999 für uns - alle Stellen des Kalenders ändern sich und zahlenmäßig beginnt eine neue Epoche. Mystisch ist daran noch lange nichts (und auch die Maya haben mit diesem Datum nicht wirklich den Weltuntergang in Verbindung gebracht).
Das hindert natürlich viele modernen Esoteriker nicht, ihre ganz eigenen Theorien über den 21. Dezember 2012 zu entwickeln. Und da gibt es mittlerweile einige.
Was passiert am 21.12.2012 ?
Alle verschiedenen esoterischen und pseudowissenschaftlichen Theorien, die zu diesem Datum existieren aufzuzählen, ist fast unmöglich. Ich werde mich daher zwangsweise nur auf ein paar beschränken.
Der bekannte Ufo-"Forscher" Erich von Däniken glaubt zum Beispiel, dass an diesem Tag die Götter (d.h. Außerirdische) zur Erde zurückkehren werden. Darüber habe ich in einem anderen Artikel schon ausführlich geschrieben und auch erklärt, warum Dänikens astronomische Überlegungen zur Ausrichtung der Erdachse an diesem Tag Unsinn sind.
Ähnlich seltsame Sachen gibt auch der Biophysiker Dr. Dieter Broers in einem Interview mit der Hörzu von sich. Ich kannte den Mann zwar vorher nicht - aber eine kurze Google-Suche liefert jede Menge einschlägige, esoterische Ergebnisse, die gut zu dem passen, was er "exklusiv" der Hörzu erzählt hat. Zuerst scheint alles noch streng wissenschaftliche; Broers erzählt vom Einfluss der Sonnenstrahlung auf das menschliche Leben. Danach wird es aber sehr schnell sehr absurd - so soll angeblich der Sonnenfleckenzyklus Auswirkungen auf die menschliche Psyche haben weswegen es auf der Erde regelmäßig zu Revolutionen u.ä. kommt (auch der Mauerfall 1989 hängt nach Meinung von Broers mit der Sonnenaktivität zusammen). Für 2012 sagt Broers eine besonders starke Aktivität voraus, denn da wird der 11jährige Sonnenfleckenzyklus gerade sein Maximum haben.
Naja... den Sonnenfleckenzyklus gibt es tatsächlich, und auch das Maximum wird circa 2012 stattfinden. Aber so exakt wie ein Uhrwerk verhält sich die Sonne nicht - es kann genauso gut 2011 oder 2013 sein. Die Astronomen jedenfalls können das noch nicht genau vorhersagen. Aber spätestens wenn Broers über die Beeinflussung der Menschen durch die Sonne spricht, wird klar, dass er mit echter Wissenschaft nicht viel am Hut hat:
"Wenn wir verstehen, dass unsere Körper selber elektromagnetisch ihre Funktionen aufrechterhalten, und erkennen, dass naturgegebene äußere Felder unsere Lebensfunktionen lenken, werden wir Demut vor dem "großen Lebensplan" erfahren."
Und nach dieser astreinen esoterischen Aussage gehts gleich noch viel dramatischer weiter. Es kommt nämlich 2012 ein "Synchronisationsstrahl" aus dem Zentrum der Milchstrasse, der die "Menschen neu ausrichtet". Das alles haben angeblich die Maya vorausgesagt und auch, dass es - wegen des Synchronstrahls - 2012 zu jeder Menge Chaos auf der Erde kommen wird. Und Broers hat noch mehr "Beweise": er hat nämlich in Russland mit "Extrasensitiven" bzw. "professionellen Sehern" gesprochen. Und keiner konnte über das Jahr 2012 hinaus in die Zukunft sehen. Wir werden also am 21.12.2012 einen "Bewusstseinssprung" vom "Menschen zum Übermenschen" machen. Der Rest des Interviews ist noch wirrer... es geht um das "kosmische Erbe", "Alphafrequenzen", um "Gotteskinder, die ihr Erbe bisher nicht angenommen haben" - und dann erzählt Broers noch, wie er mit seinen neu entwickelten Methoden, als unheilbar krank geltende Menschen heilen kann. Dabei sagt er so fragwürdige Sachen wie
"Jede Krebszelle verhält sich asozial. Sie nimmt mehr, als sie gibt, und vergisst, dass sie so nicht überleben wird. Sie entzieht ihrem Wirt sämtliche Lebensgrundlagen und damit auch sich selbst. Der naturgemäße Urzustand basiert aber auf sozialem Verhalten. Erst wenn die Krebszelle sich ihrer Tugenden erinnert, kann sie überleben."Mit ein bisschen religiösen Geschwafel über Bibel und die Offenbarung des Johannes und den üblichen esoterischen "Licht & Liebe"-Geschwurbel endet das Interview dann (endlich).
Broers steht hier exemplarisch für viele andere Esoteriker. Wer sich auf entsprechenden Foren und Websites umsieht, findet eine Vielzahl an Variationen des "Aufstiegs in eine höhere Dimension". Hier beispielsweise wird behauptet, dass die Erde 2012 in die "fünfte Dimension" aufsteigt. Aber Achtung:
"Bei dem Dimensionswechsel können wir Menschen der Erde nicht einfach folgen. Nur wer seine Schwingung weit genug erhöht hat (d.h. liebevoll genug ist), wird ebenfalls in die 5. Dimension mitgenommen. Alle Anderen werden die Erde vorher verlassen müssen und werden vermutlich auf andere Planeten der 3. Dimension umgesiedelt."Wer das schon für seltsam hält, der soll den Rest der Geschichte lesen: da gehts um den Kampf zwischen Licht und Dunkel vor langer, langer Zeit; um Drachenwesen und um 12-strängige DNS, um böse Experimente mit den Menschen, um Lichtkörper und Sternentore - da könnte man einen großartigen Science-Fiction Roman draus machen...
In diesem Forum geht es nicht ganz so dramatisch zu; dafür spricht man von Polsprüngen, Energiefeldern und einem "Christusgitter", dass dann irgendwie zum Tor in die fünfte Dimension wird.
Hier wird ebenfalls lang und breit von einer "Reinigung der Erde" im Jahr 2012 gesprochen.
Und ganz wild wird es bei Ancient Mysteries: Auch hier muss die Erde gereinigt werden; es herrscht eine große Verschwörung, die den Menschen wichtiges Wissen (Heilmittel gegen Krebs) vorenthält, alle Medien lügen. Wir hätten es fast schon geschafft und wären der Galaktischen Förderation des Lichts beigetreten - aber dann hat jemand Kennedy erschossen und jetzt müssen wir selbst sehen, wo wir bleiben... Aber bald wird alles gut, denn die Erde ist 1998 in einen "12-bändige[n] gigantische[n] universelle[n] Lichtwirbel" eingetreten, aus dem sie 2012 wieder austritt. Und zusammen mit den Menschen aus dem Inneren der Erde gibts dann die große Revolution und wer brav an Gott glaubt, ist danach unsterblich.
Ich könnte hier jetzt noch seitenlang den schlimmsten esoterischen Unsinn beschreiben, der sich in den Weiten des Internet tummelt. Aber das halte ich nervlich nicht aus ;) Wer noch nicht genug hat, kann ja selbst auf die Suche gehen - oder sich eines der vielen Bücher zum Thema zulegen (mit der Angst der Menschen lässt sich immer noch viel Geld verdienen).
Ich möchte jetzt noch zu einem Thema kommen, dass oft in Verbindung mit 2012 auftritt: der Planet Nibiru (oder Planet X).
Hilfe, ein Planet kommt!
Viele Verschwörungstheorien sprechen von einem zusätzlichen Planeten in unserem Sonnensystem. Dieser Planet ist meist als "Nibiru" oder "Planet X" bekannt. Und bei den Vorgängen am 20.12.2012 soll er eine wichtige Rolle spielen.
Denn bald soll sich Nibiru wieder der Erde nähern und dabei jede Menge Chaos anrichten. So war Nibiru angeblich für die 10 biblischen Plagen verantwortlich, denn seine Umlaufzeit um die Sonne beträgt 3600 Jahre und das als er das letzte Mal da war, habe Moses sein Volk gerade aus Ägypten geführt.
Hier wird ebenfalls eine Umlaufzeit von 3600 Jahren angegeben - allerdings soll Nibiru kein Planet sein, sondern ein sogenannter Brauner Zwerg. Braune Zwerge sind eine Art Mittelding zwischen Planeten und Sternen. Sterne können selbst Energie produzieren und das für sehr lange Zeiten; Planeten nicht. Braune Zwerge sind massiv genug um ein bisschen Energie zu erzeugen - allerdings nicht sehr lange. So ein brauner Zwerg ist also mindestens dreizehnmal größer als Jupiter (alles darunter ist ein Planet) und höchstens etwa 75mal schwerer als Jupiter (darüber wäre er ein Stern). Auf der oben verlinkten Seite erfährt man auch ein bisschen was über die Bewohner von Nibiru (die in diesem Fall auf einem Mond des Braunen Zwerges leben), die Anunnaki. Die
"(...) sind eine humanoide Art (Mensch-Reptil-Hybriden), mit unterschiedlichen Aussehen. Sie sehen uns Erdenmenschen teilweise sehr ähnlich. Haarfarbe: blond bis schwarz auch rot. Größe der Männer: 2m - 2,20m; Frauen: 1,80m - 2,20m. Sie kommen aus dem Aldebaran System, im Sternbild Stier. Ihre Nachfahren sind in den Plejaden gesiedelt."
Natürlich wissen die Astronomen über Nibiru Bescheid - das Wissen wird aber geheimgehalten und die Öffentlichkeit getäuscht:
"Der Vatikan, große Teile der Wissenschaft, alle wissen davon. Sie halten schön still und sind ruhig und hoffen dafür auf ihre versprochene Fahrkarte zum Überleben. Tief unten in den Schächten der Erde, die extra für "die Elite" und für "den Zeitpunkt" gebaut wurden."Aber keine Angst - die Wahrheit kann nicht unterdrückt werden! Es ist ganz einfach, jeder kann Nibiru selbst sehen: "Fotografier die Sonne und du kannst es sehen." fordert uns der Autor der Seite auf. Und präsentiert als "Beweis" dann Fotos wie diese:
Dieses Bild stammt von der Seite Zetatalk, wo noch eine Vielzahl weiterer "Beweisfotos" zu sehen sind... Zetatalk ist eine tolle Seite:
"Zetatalk führt euch durch die umfangreiche Menge an Informationen, die die Zetas als Antwort auf Fragen an ihre Abgesandte Nancy übermitteln. Die Zetatalk-Antworten behandeln solche Inhalte wie die unheilvollen Vorzeichen für einen Polsprung, und wie das mit der Transformation zusammenhängt, die im Gange ist; wie das Leben in der Nachzeit auf den Polsprung folgend anders als heute sein wird; die egozentrische oder dienstbereite spirituelle Orientierung sowohl von Menschen als auch Aliens von anderen Welten, und wie man durch versehentliches Aussenden des Rufes an Aliens in Kontakt mit der einen oder anderen Gruppe kommen kann; (...)"Die "Zetas" informieren auf dieser Homepage die Menschheit über den bevorstehenden Untergang der Erde, ausgelöst durch einen "Polsprung". Der entsteht deswegen, weil der "Planet X" der Erde nahekommt. Das behauptet zumindest Nancy Lieder, die in ständigem Kontakt mit den Zetas steht. Eigentlich hätte das alles ja schon 2003 stattfinden sollen - aber später haben die Zetas uns dann mitgeteilt, dass das nicht ernst gemeint sei und sie das nur gesagt haben, um die Führungsschichten der Erde zu verwirren. Eigentlich findet der Polsprung 2012 statt (wenns nicht wieder nur ein Witz der Aliens war ;) ).
Sehr amüsant finde ich auch diese Seite von Andreas Bunkahle: "Kommt es im Jahre 2003 zur Rückkehr des Weltenwanderers Planet X (Nibiru) in unser Sonnensystem?" fragt er sich und heute können wir diese Frage mit einem klaren "Nein!" beantworten. Er hat sich auch mit den "astrologischen Auswirkungen" des Nibiru beschäftigt - sie aber leider auf seiner Homepage nicht veröffentlicht. Dafür aber diese schöne Grafik, die die "Bahn" von Nibiru am Himmel zeigen soll:
Ich frage mich, welche Himmelsmechanik hinter so einer Bahn stecken könnte. Selbst mit sämtlichen Epizyklen und Deferenten der antiken Epizykeltheorie könnte man so eine Bahn nicht erklären; und schon gar nicht mit den modernen Theorien. Aber wie siehts denn nun wirklich aus mit Planet X?
Keine Angst vor Planet X
Will man sich dem Thema Nibiru wissenschaftlich nähern, muss man erstmal unterscheiden, ob es allgemein um die Suche nach unbekannten Himmelskörpern im Sonnensystem geht oder speziell um Nibiru. Schon seit dem 19. Jhdt. haben die Wissenschaftler intensiv nach Planeten im äußeren Sonnensystem gesucht. Damals untersuchte man die Abweichungen des Planeten Uranus von der vorhergesagten Bahn und glaubte, dafür wäre ein zusätzlicher Planet verantwortlich. Dieser Planet - Neptun - wurde tatsächlich entdeckt. Bis heute findet man in den äußeren Bereichen des Sonnensystems immer neue Himmelskörper - dabei handelt es sich aber um Asteroiden des Kuiper-Asteroidengürtels und nicht um Planeten oder gar Braune Zwerge!
Wie steht es aber nun mit Nibiru? Wenn man mal davon ausgeht, dass die Umlaufzeit von 3600 Jahren stimmt, dann müsste der Planet eine große Halbachse (also einen mittleren Abstand von der Sonne) von 234 Astronomischen Einheiten haben - er wäre 234mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Ein Planet (selbst ein brauner Zwerg), der so weit von der Erde entfernt ist, kann getrost vernachlässigt werden. Er könnte keinen relevanten gravitativen Einfluss auf sie ausüben. Das stimmt aber nur, wenn die Bahn von Nibiru annähernd kreisförmig ist, so wie die der anderen Planeten. Nun behaupten die Esoteriker aber, dass sich Nibiru der Erde extrem annähern wird. Das bedeutet, seine Bahn muss auch extrem von der Kreisform abweichen und stark elliptisch sein. Wenn der sonnennächste Punkt der Bahn von Nibiru in der Nähe der Erde liegen soll, dann muss seine Bahn eine Exzentrizität von 0,996 haben! (Ein Kreis hat eine Exzentrizität von 0; ein Wert von 1 würde keiner geschlossenen Bahn um die Sonne mehr entsprechen sondern einer Parabelbahn). Es gibt Himmelskörper, die so enorm elliptische Bahnen haben - aber dabei handelt es sich um langperiodische Kometen die aus den alleräußersten Bereichen des Sonnensystems stammen und nicht um Planeten.
Ein Planet, der wie Nibiru es sein soll, größer als die Erde (oder gar ein brauner Zwerg; größer als der Gasriese Jupiter) ist und der auf einer höchst elliptischen Bahn in regelmäßigen Abständen das gesamte Sonnensystem durchquert und die Orbits der anderen Planeten stört, wäre auf keinen Fall mehr stabil! Er wäre im Laufe der Zeit schon längst mit einem anderen Planeten kollidiert und zerstört bzw. aus dem Sonnensystem geworfen worden. Ein Planet mit den Eigenschaften, die die Esoteriker Nibiru zuschreiben, kann schlicht und einfach nicht existieren.
Und selbst wenn Nibiru wie durch ein Wunder bis heute überlebt hätte, wäre er schon längst entdeckt worden. Wenn er 2012 seinen sonnennächsten Punkt erreicht, dann muss er sich heute (das sagen die Keplerschen Gesetze) weit innerhalb der Uranusbahn befinden. Ein Planet, mindestens so groß wie die Erde, der sich so nahe an der Sonne befindet wäre auf jeden Fall beobachtet worden. Und zwar nicht nur von den bösen Wissenschaftlern, die alles geheim halten sondern auch von Amateur-Astronomen, deren Ausrüstung für diese Beobachtung mehr als ausreichend ist.
Mit minimalen Aufwand an Recherche hätten die Esoteriker das alles recht einfach herausfinden können - aber wieso sollte man sich so eine tolle Gelegenheit entgehen lassen?. Mit der Angst der Menschen lässt sich eben immer noch vorzüglich Geld verdienen. Und ein Weltuntergangsszenario, noch dazu angereichert mit esoterischen Hokuspokus, erzeugt eben leider bei vielen Menschen Angst (hier nur eine beispielhafte Diskussion von vielen). Wen wundert es also, wenn man in den Bücherläden immer öfter so etwas findet:
Ich bin trotzdem schon gespannt auf den 21.12.2012 - aber nur, weil ich neugierig bin, wie sich die Esoteriker das Ausbleiben des Weltuntergangs bzw. des "Aufstiegs in die 5. Dimension" diesmal erklären werden. Und zum Abschluss verweise ich noch auf sechs Prophezeiungen über 2012, die garantiert eintreten werden!
Nachtrag: Hier gehts zum zweiten Teil des Artikels: Kein Weltuntergang am 21.12.2012: Teil 2
Ähnliche Artikel: 2012-FAQ, Kein Weltuntergang am 21.12.2012 Teil 1, Kein Weltuntergang am 21.12.2012 Teil 2, NASA und Nibiru, Warum es Planet X nicht geben kann, 2012 und der gefährliche Sonnensturm, Werden die Planeten 2012 in einer Reihe stehen?, Es kommt kein Synchronisationsstrahl aus dem Zentrum der Milchstrasse, Es wird 2012 keinen Polsprung geben, Alles dreht sich, alles bewegt sich: die Sonne, die Milchstrasse und 2012, Das "Institut für Human Continuity" ist ein Fake, Nicht jeder Planet X ist gefährlich, 2012 und der mysteriöse Bunker in Norwegen, Was sagen eigentlich die Maya zum Weltuntergang 2012, Die Jagd nach Planet X, Nibiru- und 2012-Unsinn gesucht, Der neue Stern von Benjamin Creme, Penn & Teller: Bullshit 2012, Planet X ist weit weg, Weltuntergang 2012: bald auch im Kino, 2012 - Das Ende aller Zeiten (Buch), Erich von Däniken: Götterdämmerung, 2012, die Maya und Roland Emmerich: ein neuer Trailer
Autor: Florian Freistetter· 26.01.09 · 09:01 Uhr· 1616 Kommentare
25. Januar 2009
Blog-Teleskop #18
Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Das Blog-Teleskop #18 steht diesmal in Wien, bei "Supernova"; dem Blog der österreischischen Astronomiesendung des Senders Okto (ich habe darüber schon berichtet). Maria Pflug-Hofmayr berichtet kritisch (u.a.) über Lichtverschmutzung und die Astrologie-Debatte.
Übrigens: auch das englischsprachige Vorbild des Blog-Teleskops, der Carnival of Space, hat heute eine neue Ausgabe veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit, sich über die Vorgänge bei den englischen Blogs zu informieren.
Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.
Autor: Florian Freistetter· 25.01.09 · 14:20 Uhr· 1 Kommentar
23. Januar 2009
Hat der Mond sich umgedreht?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9

Seit das erste Mal ein Mensch ein Fernrohr auf den Mond gerichtet hat, sind schon 400 Jahre vergangen und in der Zwischenzeit hat man ihn nicht nur sehr gut erforscht; Menschen sind sogar schon dort gelandet. Trotzdem ist unser nächster Nachbar im All immer noch für eine Überraschung gut!
Wir wissen ja schon seit langem, dass der Mond der Erde immer die selbe Seite zuwendet. Grund dafür sind die Gezeitenkräfte, die zwischen den beiden Himmelskörpern wirken (hier habe ich das im Detail erklärt). Zwei Wissenschaftler aus Frankreich haben aber nun herausgefunden, dass der Mond sich zwischenzeitlich einmal "umgedreht" hat.
Mark Wieczorek und Matthieu Le Feuvre vom Institut de Physique du Globe de Paris haben vor kurzem eine Arbeit mit dem Titel "Did a large impact reorient the Moon?" in der Fachzeitschrift Icarus veröffentlicht. Darin haben sie Alter und Anzahl der Mondkrater statistisch untersucht. Eigentlich wäre zu erwarten, dass sich auf der westlichen Hemisphäre des Mondes ("westlich" bezieht sich hier auf die Sicht von der Erde aus) mehr Krater befinden als auf der östlichen. Das liegt daran, dass diese Seite in die Bewegungsrichtung des Mondes zeigt. Und genauso wie Fahrradfahrer im Sommer (leider) immer viele Mücken ins Gesicht klatschen und wenig auf den Hinterkopf, sollte auch diese Seite des Mondes rein statistisch gesehen mehr Asteroiden abbekommen.
Eine Analyse der Krater ergab nun folgendes Bild: die jüngeren Krater des Mondes treten tatsächlich gehäuft auf der Westseite auf, genauso wie es zu erwarten war. Bei den älteren Kratern ist es dagegen genau umgekehrt: hier findet man mehr auf der Ostseite. Wieczorek und Le Feuvre haben nun berechnet, dass nur eine Wahrscheinlichkeit von 0.3% besteht, dass diese Konfiguration Zufall ist. Sie postulieren, dass der Mond sich in der Vergangenheit (vor etwa 3.9 Milliarden Jahren) einmal um 180 Grad gedreht hat und das, was wir heute als "Vorderseite" bezeichnen - also die Seite, die wir von der Erde aus sehen können - früher die Rückseite des Mondes war.
Grund für diese Drehung könnte der Einschlag eines großen Himmelskörpers auf dem Mond gewesen sein. Das so etwas in der Frühzeit des Sonnensystems durchaus öfter vorkommen konnte, wissen wir. Schließlich ist ja der Mond selbst durch den Einschlag eines Protoplaneten auf der frühen Erde entstanden.
Ich muss mir erst noch den Volltext des Artikels besorgen um genau zu sehen, was Wieczorek und Le Feuvre gemacht haben. Besonders interessieren würde mich, ob es dazu auch schon numerische Simulationen gibt, die diese These unterstützen. Damit könnte man eventuell auch die genaueren Parameter des Himmelskörpers herausfinden, der damals den Mond umgedreht hat.
Faszinierend ist die Vorstellung allerdings auf jeden Fall...
Autor: Florian Freistetter· 23.01.09 · 22:20 Uhr· 9 Kommentare
21. Januar 2009
Wissenschaft für Kinder: Das optische Museum in Jena
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Technik·Wissenschaft für Kinder · Kommentare: 11
2009 ist ja nicht nur das Internationale Jahr der Astronomie sondern auch das Internationale Darwin-Jahr. Viel Wissenschaft also und überall gibt es viele entsprechende Angebote. Daneben sollte man aber auch die "Standard"-Möglichkeiten nicht vergessen, die immer vorhanden sind, wenn man sich über Wissenschaft informieren möchte.
Ich habe mir daher vorgenommen, in diesem Jahr möglichst viele Museen und ähnliche Einrichtungen zu besuchen. Und da ich es für besonders wichtig halte, auch Kinder schon möglichst früh in Kontakt mit der Wissenschaft zu bringen, werde ich bei meinen Besuchen speziell darauf achten, was die einzelnen Einrichtungen für Kinder zu bieten haben. Wann immer es möglich ist, werde ich die Museen also gemeinsam mit meinem "Testkind" (4,5 Jahre alt) besuchen ;)
Das Optische Museum in Jena
Den Anfang habe ich letzte Woche im optischen Museum in Jena gemacht. Optik ist ja durch Carl Zeiss und Otto Schott (und deren Firmen) in Jena sehr präsent. Diese Präsenz spiegelt sich in der Größe des optischen Museum allerdings nur bedingt wieder. Auf einem und zwei halben Stockwerken erfährt man dann aber doch einiges über die Geschichte der Optik und die Entwicklung und Funktionsweise der verschiedensten Instrumente.
Sehr interessant ist z.B. die Ausstellung über Brillen - von den allerersten Sehhilfen bis zu den modernen Produkten bekommt man hier anhand vieler Ausstellungsstücke einen guten Überblick. Für kleine Kinder ist dieser Teil des Museums eher weniger interessant. Das gilt auch für die historische Abteilung, in der die Entstehung und Entwicklung der Firmen Zeiss und Schott dargestellt wird.
Dann schon lieber in die augenoptische Abteilung: neben der Vielzahl an Meßinstrumenten, die ein Augenarzt so braucht und brauchte, hat man hier auch die Möglichkeit, seine Augen selbst zu überprüfen. An 5 Stationen kann man im Selbstversuch testen, wie sich Fehlsichtigkeit auswirkt und wie sie korrigiert werden kann. Allerdings haben auch hier eher nur die größeren Kinder was davon - jüngere Besucher sind zu klein für die Geräte.
Richtig interessant wird es aber, wenn es um die Unterhaltung geht. 2 Räume sind den Vorläufern des Kinos gewidmet und beschäftigen sich mit der Camera Obscura, Dioramen, Stereoskopen u.ä. Hier gibt es jede Menge Anschauungsmaterial; in den Wänden neben den Ausstellungsstücken finden sich immer wieder Gucklöcher, die die verschiedensten Dioramen zeigen - das finden die Kinder immer sehr spannend ;)
Als Astronom interessiert mich natürlich die Ausstellung über Teleskope besonders. Von den ersten Teleskopen bis hin zu (einigermaßen) modernen Geräten kann man hier die Entwicklung verfolgen. 4 kleine Teleskope sind so montiert, dass man selbst durchsehen kann - zu betrachten gibt es allerdings nur ein großes Bild an der gegenüberliegenden Wand. Trotzdem macht es Spaß, und wer nicht damit rechnet ist meist überrascht, dass das Bild im Teleskop auf dem Kopf steht:
Im ersten Stock selbst gibt es dann nur noch einen weiteren Ausstellungsraum, der sich mit Astronomie und der Geschichte der Planetarien beschäftigt. Hier hat man als Kind vermutlich am meisten Spaß. In diesem abgedunkelten Raum gibt es haufenweise Knöpfe, mit denen sich die Ausstellungsstücke aktivieren lassen. Da leuchtet dann ein Regenbogen auf, ein Planetenmodell beginnt sich zu drehen, eine Sonnenfinsternis findet statt, ...
Alles in allem kann ich einen Besuch im optischen Museum auf jeden Fall empfehlen. Auch wenn es nicht groß ist, ist es auf jeden Fall interessant. Auch Kinder kann man ruhig dorthin mitnehmen. Es gibt zwar durchaus Museen, die interaktiver und kindgerechter sind - aber langweilen werden sie sich im optischen Museum trotzdem nicht!
Außerdem bietet das Museum in den Ferien spezielle Führungen für Kinder an; und auch Lehrer können mit Schulklassen aller Altersstufen Führungen machen. Und sogar Kindergeburtstage lassen sich dort feiern (mit einer "Museumsrallye" - ich glaube, dass müssen wir nochmal extra ausprobieren, das klingt interessant).
Autor: Florian Freistetter· 21.01.09 · 16:35 Uhr· 11 Kommentare
20. Januar 2009
Wozu ist Twitter eigentlich gut?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Technik · Kommentare: 17
Vor ein bisschen mehr als einem halben Jahr habe ich mich erstmals bei Twitter registriert (und auch darüber gebloggt). Bis heute habe ich es auf immerhin 308 Twitter-Beiträge gebracht und 65 Leute finden das anscheinend so interessant, dass sie meine "Follower" wurden.
Ich benutze Twitter gerne und es macht Spaß. Aber irgendwie ist mir immer noch nicht ganz klar, wozu Twitter eigentlich gut ist und vor allem, warum es in der Web 2.0-Szene so populär ist?
Falls jemand jetzt keine Ahnung hat, wovon ich rede: Twitter ist eine Möglichkeit, kurze Nachrichten, die maximal 140 Zeichen lang sein dürfen, in die Weiten des Internets zu schicken. Die eigenen "Followers" werden automatisch über diese Nachrichten informiert - und hat man keine Follower, dann werden die 140 Zeichen höchstwahrscheinlich ungelesen verschwinden. Man kann auf Nachrichten bestimmter Personen direkt antworten, so wie bei einem Chat oder private Nachrichten verschicken.
Wenn ich mir ansehe, welche Tweets bei mir so einlaufen, dann besteht ein großer Teil davon erstmal nur aus Meldungen über das Privatleben der diversen Leute. Der Schriftstellerin Corina Bomann wurde beispielsweise heute Morgen der Strom abgedreht (mittlerweile ist der Strom aber wieder da). Bastian Greshake hingegen geht Mittagessen in die Mensa, Johannes Kretzschmar hat heute viel zu tun und Benedikt Koehler hat gestern Abend gut gegessen.
Einen zweiten großen Teil der Tweets machen Unterhaltungen aus, denen ich nicht folgen kann, weil nur eine der sich unterhaltendenen Personen auf meiner "Follow"-Liste steht (Hier ist ein Beispiel).
Und dann gibts natürlich auch noch richtig informative Tweets. Zum Beispiel die von Daniel Fischer, der laufend (mittlerweile schon fast 1800 Beiträge) über Neuigkeiten in Astronomie und Raumfahrt berichtet und dabei die erlaubten 140 Zeichen optimal ausnutzt.
Aber was ist nun eigentlich das Tolle an Twitter? Chatten kann man komfortabler auch anderswo. Nachrichten an Leute zu versenden geht mit jedem Email-Program. Und mit einem Blog kann ich ebenso Texte im Internet veröffentlichen, ohne mich auf 140 Zeichen zu beschränken.
Liegt es an der Kombination? Oder ist es vielleicht gerade der ständige Strom an eigentlich irrelevanten und privaten Nachrichten (u.a. auch von Prominenten), der das Interesse erweckt?
Ich muss zugeben, ich habe mich noch nicht wirklich intensiv mit der "Twitterforschung" auseinandergesetzt. Vielleicht gibt es mittlerweile schon konkrete Anwendungen für Twitter, die anders nicht möglich wären? Viele Firmen twittern mittlerweile - was sehen sie darin? Nur Werbung?
Werbung für mein Blog zu machen ist auch einer der Gründe, warum ich Twitter nutze. Aber auch die seltsame Art der Plauderei via Twitter finde ich ganz nett. Aber so richtig verstanden habe ich Twitter wohl immer noch nicht? Vielleicht wissen ja meine Leserinnen und Leser mehr... Oder ist Twitter vielleicht doch nur die neueste und interessanteste Art der Prokrastination:
Autor: Florian Freistetter· 20.01.09 · 18:02 Uhr· 17 Kommentare
18. Januar 2009
Video: Feuerball über Nordeuropa
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 25
Gestern Abend konnte man in Nordeuropa eine großartige Lichterscheinung am Himmel beobachten. Ein kleiner Asteroid verglühte in der Erdatmosphäre - und das ziemlich spektakulär!Im Prinzip ist gestern genau das passiert, was auch schon im Oktober passierte. Damals habe ich über den Asteroiden 2008 TC3 geschrieben, bei dem man vorhersagen konnte, dass er mit der Erde kollidieren wird. Auch er war zu klein, um Schaden anzurichten und verglühte in der Atmosphäre über dem Sudan. Solche "Boliden" gibt es häufig - nur meistens finden sie entweder so hoch oben in der Atmosphäre statt, dass sie vom Boden aus nicht zu sehen sind oder sie verglühen über dünn besiedelten Gebieten.
Diesmal hatten die Menschen Glück. Erstmal, weil der Asteroid nicht am Erdboden aufschlug und Schaden anrichtete. Und zweitens, weil die beeindruckende Leuchterscheinung diesmal von vielen Menschen beobachtet werden konnte (auch wenn viele den Boliden für ein UFO hielten).
Eine Überwachungskamera in Schweden konnte den Feuerball sogar filmen: Hier ist ein Bild aus diesem Film; das ganze Video kann man sich beim Sydsvenskan Dagbladet ansehen (leider habe ich noch keine Version gefunden, die ich hier einbinden kann)
Autor: Florian Freistetter· 18.01.09 · 18:16 Uhr· 25 Kommentare
17. Januar 2009
Astrologie ist immer noch Unsinn: eine Nachlese
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 698
In einem meiner letzten Beiträge habe ich postuliert, das Astrologie Unsinn sei. Außerdem habe ich eine (eigentlich einfache) Frage gestellt, die jeder Astrologe schnell beantworten können müsste, wenn an der Astrologie tatsächlich was dran ist.
Mittlerweile haben sich zu diesem Artikel knapp 500 Kommentare angesammelt und die Diskussion ist etwas unübersichtlich geworden. Da sich vermutlich nicht jeder durch den kompletten Kommentarteil kämpfen möchte, möchte ich hier nochmal die wichtigsten Punkte und vor allem die "Antworten" der Astrologen auf meine Frage zusammenfassen.
Ich habe eigentlich nur eine Frage gestellt: Woher wissen die Astrologen, welche Himmelskörper sie für ihre Arbeit berücksichtigen müssen? Es gibt ja keine klare, verbindliche Definition der Astrologie - manche Astrologen verwenden nur die "klassischen" Planeten, die auch in der Antike bekannt waren; manche verwenden auch die später entdeckten Planeten Neptun und Uranus. Manche verwenden Asteroiden (Chiron, Ceres,...) oder Zwergplaneten (Pluto) und manche verwenden Objekte, die gar nicht existieren (Transneptunier). Welche Himmelskörper sind nun also wichtig und warum? Man sollte denken, diese Frage wäre für alle, die ernsthaft Astrologie betreiben, leicht zu beantworten gewesen.
Falsch gedacht... Es dauerte lange, bis sich etwas herauskristallisierte, das annähernd als Antwort durchgehen kann. In der Zwischenzeit postete der Börsenastrologe Hannes Bongard einen Link zu einem Horoskop von Osama bin Laden, in dem mehr Himmelskörper als üblich verwendet wurden und hielt das für eine Antwort. Questico-Astrologe Markus Termin war von Bongards "Antwort" begeistert und erklärte den Lesern, das alle Himmelskörper für das Horoskop wichtig sind. Warum dann allerdings nicht auch immer alle Himmelskörper verwendet werden, wollte er vorerst nicht sagen.
Dann kam länger nichts Neues von astrologischer Seite - solange, bis Kommentator karem die Astrologie als "Geisteswissenschaft" bezeichnet und von "gewissen Energieformen" spricht. Das griff Markus Termin sofort auf. Er wollte mir auf meine Frage zwar immer noch nicht Antworten (weil ich so respektlos war und die Astrologie als Unsinn bezeichnet habe). Ausgehend von karems Kommentar wollte er nun, dass ich zuerst erkläre, was "Geist" ist, bevor er meine Frage beantworten kann. Er schrieb aber auch folgenden verheißungsvollen Satz:
"Es läßt sich natürlich ganz klar und eindeutig sagen, warum und wieso Astrologen welchen Himmelkörper für welche Aussage, ect. heranziehen."
Es scheint also eine Antwort auf meine Frage zu geben, die noch dazu "klar und eindeutig" ist! Leider durften wir sie (noch) nicht erfahren, weil ich ja die Astrologie beleidigt hatte! Etwas später gab Markus Termin einen weiteren "Hinweis" preis:
"karems Hinweis diesbezüglich ist tatsächlich die einzige Möglichkeit, Dir Deine Frage nach dem Grund, warum Astrologen sich welche Himmelskörper und deren Lauf für ihre Horoskope aussuchen, zu beantworten. Die Antwort selbst ist einfach, die Voraussetzungen sind aber komplex."und ermahnte mich:
"Du benimmst Dich, wie ein Buchhalter, der versucht, ein Gedicht zu verstehen, indem er die Seite ißt."Dann griff noch ein weiterer Astrologe in die Diskussion ein: Stefan Arens, der allerdings eine etwas andere Philosophie zu verfolgen schien, als Markus Termin. Er erklärte folgendes:
"Grundsätzlich hat jeder Himmelskörper für die Astrologie eine gewisse Bedeutung. Die grossen Himmelskörper, das dürfte Ihnen bekannt sein, erweisen sich als bestimmend für die Verhältnisse in diesem Sonnensystem, was zum Beispiel Umlaufbahnen angeht. So gut in Astrophysik und Astronomie bin ich nun nicht bewandert und ich hoffe, dass ich da nicht falsch liege. Jedenfalls, so erkläre ich mir, warum die Hauptplaneten in der Astrologie an RANG den Asteroiden überlegen sind. Die Asteroiden erlauben nur zusätzliche Einblicke, die aber ohne die Hauptplaneten nicht richtig zu gewichten sind."Stefan schien also die Bedeutung der Himmelskörper auf ihre Gravitationswirkung zurückzuführen. Ich habe probiert, ihm zu erklären, warum das keinen Sinn macht - es hat aber leider wenig genutzt.
Stefan hat auch selbst "Forschungen" angestellt, über die astrologische Bedeutung des Asteroiden Chiron - konnte aber leider auch das nicht genauer erklären.
In der Zwischenzeit konnte auch Markus Termin sich nicht durchringen, seine "klare und eindeutige" Antwort bekannt zu geben sondern wollte lieber von mir wissen, wo sich der Mond befindet, wenn ich ihn beobachte.
Stefan ruderte mittlerweile zurück und meinte, nicht die Gravitation sei ausschlaggebend, sondern das "Raumverhältnis". Seine Erklärung war gespickt mir astronomischen Fehlinformationen - aber am Schluß erklärte er, dass er eigentlich auch keine wirkliche Antwort hat:
"Warum das alles so ist, glauben Sie mir, ich frage mich das seit den ersten Tagen."Derweil ärgert sich Markus wieder, dass man nicht geneigt ist, "auf Fragen des menschlichen Bewußtseins erkenntnistheorietisch einzugehen, vermutlich, weil man sie gar nicht versteht".
Und ohne das gibt es anscheinend keine Antwort auf meine Frage. Meine Aussagen zum Thema "Geist" haben ihm nicht gefallen, auch nicht, dass ich angemerkt hatte, die anwesenden Astrologen hätten erstaunlich wenig Ahnung von Himmelsmechanik, die ja eigentlich die Grundlage der Astrologie ist:
"Die Himmelsmechanik ist nicht die Grundlage der Astrologie, das ist ja gerade Dein Mißverständnis. Und typisch ist es obendrein. Die Himmelsmechanik ist die Grundlage der Astronomie, und die ist, mit Verlaub, ein Werkzeug der Astrologie, die wiederum dem Menschen dient, wie das alle Wissenschaften eigentlich tun sollten."
Stefan wollte sich mittlerweile verabschieden und verlinkte zum Abschied auf seine "statistische Forschung" zum Thema Chiron, die angeblich klar nachweist, dass Astrologie funktioniert.
Er ist aber dann doch geblieben und hat noch weiteres (leider wenig konkretes) über den Wirkmechanismus der Astrologie erklärt:
"Und wir müssen annehmen, dass es gewisse Kräfte, Felder und Energien gibt, die an sich physikalisch nichts bewirken, also nicht beobachtbar sind wie das Licht, aber dennoch prägend wirken auf die innere Qualität der Materie und des Bewusstseins"
Andreas Kyriacou hat sich unterdessen der "statistischen Forschung" von Stefan angenommen und nachgewiesen, dass er genaugenommen gezeigt hat, "sich die Horoskope der Schachspieler nicht signifikant von denjenigen der Gesamtbevölkerung unterschieden" - also genau das Gegenteil dessen, was Stefan eigentlich zeigen wollte (leider ohne viel Ahnung von Statistik zu haben).
Auch Markus Termin beschäftigte sich mit der Statistik und brachte die mittlerweile längst widerlegten Untersuchungen von Gauquelin als "Beleg" für die Gültigkeit der Astrologie an. Im Zuge dieses Kommentars fiel auch diese denkwürdige Aussage:
"Wir denken nicht daran, uns unsere heilige Kunst der Astrologie durch platte Statistik und reinen Materialismus ruinieren zu lassen."Eine weitere Astrologin, Maria, meldete sich - leider nur kurz, leider auch ohne Antwort; nur mit dem Hinweis, dass die Wissenschaftler skrupellos, käuflich und narzistisch wären.
Ruth lockerte die Debatte wieder ein bisschen auf und merkte an, dass im Gegensatz zu den Aussagen der Astrologen, die Sterne doch lügen - darüber gibt es sogar wissenschaftliche Arbeiten:
"wer sagt dass die sterne nicht lügen???Ein sehr entlarvender Kommentar kam später von Stefan als Reaktion auf die Analyse seiner "statistischen Forschung":"Stars Lie Within Enormous Disk of Dark Matter"
die lügen sogar innerhalb einer riesigen scheibe dunkler materie!!
(http://sciencenow.sciencemag.org/cgi/content/full/2008/916/2)
unglaublich..."
"wenn das so ist, wie die Statistikentheorie annimmt, dann dürfen auch solche Tests auf die Astrologie bezogen überhaupt nicht angewendet werden (um sie zB zu widerlegen)"Wenn die Statistik die Astrologie zu bestätigen scheint, ist also alles ok. Aber wehe, es läuft schlecht für die Astrologie: dann darf man die Theorie natürlich nicht anwenden ;)
Er hatte auch noch ein paar weitere "Erklärungen" für das Funktionieren der Astrologie:
"Materie ist konzentrierte Energie. E=mc2 bedeutet Energie. Sehr viel Energie.Die Planeten bewegen sich sehr schnell.
Die Sonne entstand nicht aus der Erde. Aber die Erde und alle Planeten dieses Systems entstanden aus der SONNE. Die Sonne entstand aus dem anzunehmenden Urknall. Alles hat EINEN Ursprung. Wir sehen zur Zeit die Expansion, das heisst wir sehen nicht diese Einheit. Wir sehen wie Erde und Sonne getrennt sind.
Ein These ist, dass aufgrund der ursprünglichen Einheit, alles noch immer zusammenhängt. Das war es, was ich mit Einheit von Raum und Zeit weiter oben meinte."
Dann, endlich, kam die "klare und eindeutige" Antwort, die Markus Termin schon seit Tagen angekündigt hatte. Einem Rilke-Zitat folgten knapp 2800 Wörter die vom Mondeinfluss über die pseudowissenschaftlichen Theorien von Emoto und Sheldrake, die Psychologie des C.G. Jung, morphische Resonanzen, Keplers "Harmonia Mundi" (sic), Pythagoras Zahlenmystik, Rudolf Steiners Anthroposophie, der Akasha-Chronik, Wiedergeburt und kosmische Reisen ein Paradebeispiel an esoterischer Schwurbelei darstellt.
Probiert man, ein bisschen Klarheit in diesen Text zu bringen, dann kann man die Antwort auf meine Frage nach der Bedeutung der Himmelskörper folgendermaßen zusammenfassen: Es sind genau die Himmelskörper für das Horoskop wichtig, die auf irgendeine Art und Weise für den Menschen wichtig sind. Dadurch, dass beispielweise die Planeten der Antike immer sichtbar waren, hat sich ihr Schicksal und ihre Bewegung irgendwie mit dem Bewusstsein der Menschen verknüpft (man fragt sich, was dann mit den Fixsternen ist, die man ja auch immer schon am Himmel gesehen hat). Deswegen sind es auch vor allem sie, die wichtig sind, und nicht die vielen Asteroiden und die anderen weniger prominenten Himmelskörper. Auch die später entdeckten Planeten (Uranus, Neptun,...) haben Bedeutung für das Schicksal der Menschen - allerdings endet das Ganze 1977 mit der Entdeckung des Asteroiden Chiron; alle danach gemachten Entdeckung sind nicht mehr so wichtig für das Horoskop (ja, das hat Markus Termin tatsächlich gesagt).
Das war also die große Antwort: Die Astrologen halten diejenigen Himmelskörper für wichtig, die auf die eine oder andere Art und Weise bekannt genug sind. Markus "Erklärung" kam übrigens meiner "Vorhersage" aus dem eigentlichen Beitrag ziemlich nahe:
"Und wahrscheinlich gibt es auch wunderbar-absurde Erklärungen, warum bestimmte Objekte verwendet werden und andere nicht. Ich nehme an, dass sich die Himmelskörper den Astrologen auf geheimnisvolle Art und Weise"aufdrängen" und deswegen auch nur genau die verwendet werden, die wichtig sind."
Zum Abschluss wurde die Debatte nochmal ein bisschen lustig, als mich Kommentator human being fragte, ob ich Sex mit einer Astrologin aus ideologischen Gründen ablehnen würde...
Es kam dann noch ein weiterer Astrologe, Andreas, der mit einer Aussage aufhorchen lies:
"Wer nichts über die fraktale Struktur des Raumes versteht, kann sowie so niemals begreifen, warum Astrologie funktioniert.Leider hat er seit dem nichts mehr von sich hören lassen - was schade ist, denn mit fraktalen Dimensionen kenne ich mich zufällig recht gut aus.
Alles was ich als Astrologe sagen kann, könnte ich auch aus einem "zufällig" gepflückten Kleeblatt herauslesen."
Markus Termin hat später nochmal eine stark verkürzte Version seiner Erklärung veröffentlicht:
"1. Der Mond beeinflusst nachweislich nicht nur unseren, sondern alle Wasserkörper der Erde. Florians scheinbare Widerlegung ist Mumpitz. Die gravitative Wirkung einer Masse wirkt selbstverständlich auf jedes Atom.Dies läßt sich analog auf alle anderen Himmelkörper übersetzen, und nicht unbedingt für das Wasser, nicht einmal nur in Bezug auf materielle Dinge.
2. Wellen, Energie, Teilchen, oder was auch immer, denn diesbezüglich gibt es in der Naturwissenschaft noch keine Klarheit, die in einem bestimmten Winkel aufeinander treffen, wirken entweder dissonant oder harmonisch, immer jedoch nach bestimmten, vorhersehbaren Mustern. Diese Muster erklären auch rein materiell die "Wirkung" astrologischer Aspekte. Auch hier ist die einfachste Analogie das Wasser.
3. Historisch gewachsene Strukturen des Bewußtseins haben für die Astrologie dieselbe Qualität, wie materielle Strukturen oder Energien. Diese Strukturen werden von der Astrologie als geometrische Figuren erkannt, die durch die rhythmische Bewegung der Planeten im Raum beschrieben wird. Es sind dieselben Strukturen, nach denen alles Lebendige hier und sonst im Weltall sich formt und bildet. Daher lassen sich auf dieser Grundlage in Verbindung mit Beobachtung und Erfahrung Aussagen treffen. Aus genau dem selben Grund werden auch bestimmte Himmelskörper mit mehr Relevanz von der Astrologie bemerkt, wie andere. Dies kann sich jedoch historisch ändern.
4. Der Mensch lebt als seelisches Wesen im ganzen Kosmos und inkarniert sich mehr als einmal in einem materiellen Umfeld. Die Erfahrungen, die er auf anderen und mit anderen Spähren gemacht hat, bringt er historisch und individuell in sein Bewußtsein mit ein. Durch die Astrologie kann dies entschlüsselt werden."
Astrologie lässt sich anscheinend nicht ohne massiven Einsatz von esoterischen Buzzwords erklären. Aber das überrascht mich eigentlich nicht sonderlich.
Die Diskussion endete mit 2 interessanten Ereignissen: Rose schrieb den 5000. Kommentar bei Astrodicticum Simplex und Markus Termin machte eine große Ankündigung:
@christian: "Und jetzt Butter bei die Fische: WAS PASSIERT KONKRET AM 15.11.2009 ??? wichtig für den Wahrsagerscheck."
Ach so, mein Wort drauf: an diesem Tag werden Sie einsehen, dass an der Astrologie doch was dran ist.
Leider hat er sich nicht dazu herabgelassen, etwas konkreter zu werden - insofern ist diese Ankündigung leider relativ nutzlos.
Das Fazit nach 10 Tagen und 469 Kommentaren: es ist den Astrologen scheinbar nicht möglich, einen vernünftigen Grund anzugeben, warum bestimmte Himmelskörper wichtig für die Astrologie sind und andere nicht. Die meisten Astrologen konnten überhaupt keine Erklärung abgeben; Stefans Antworten standen meistens in direktem Widerspruch zur beobachteten Realität und Markus Erklärungen machen nur in einer höchst esoterischen Welt Sinn, in der Vernunft und Realität keine Bedeutung haben.
Trotz allem war es eine interessante Diskussion. Auch wenn man nicht viel neues über die Astrologie gelernt hat, hat sie zumindest ein bisschen Licht auf die Welt geworfen, in der Esoteriker und Astrologen leben.
P.S. Auch hier wurde über dieses Thema diskutiert. Um die eh schon lange Zusammenfassung aber nicht noch länger zu machen, verzichte ich auf entsprechende Berichte:
*) esoterikforum.at*) astrologie.de
*) esoterikforum.net
*) esoterikforum.de
Autor: Florian Freistetter· 17.01.09 · 17:50 Uhr· 698 Kommentare
16. Januar 2009
Ich lese die Astronomia Nova
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Ein Grund, warum 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie gewählt wurde, ist das 400jährige Jubiläum der Erstveröffentlichung der "Astronomia Nova" von Johannes Kepler. 1609 erschien die "Neue Astronomie" und hat die Astronomie bis heute nachhaltig beeinflusst.
Natürlich habe ich mich als Himmelsmechaniker viel mit Keplers Gesetzen beschäftigt - aber das Originalbuch habe ich nie gelesen. Angeregt durch einen Kommentar von Daniel Fischer in seinem Blog, habe ich mich nun entschieden, dies nachzuholen.
Und so wie mein amerikanischer Kollege John Whitfield, der auf Blogging the Origin passend zum Darwin-Jahr 2009 über "The Origin of Species" bloggt, möchte auch ich meine Lektüre bloggend begleiten.
Sobald ich mein Exemplar der "Astronomia Nova" erhalten habe, geht es los (Ich lese eine deutsche Übersetzung; für den Originaltext ist mein Latein zu schlecht). Ich werde dann probieren, regelmäßig (möglichst einmal pro Woche) über das zu bloggen, was ich gelesen habe.
Vielleicht hat ja noch jemand Lust, das Jahr der Astronomie mit entsprechender Lektüre zu begehen und darüber zu bloggen? Wichtige Texte gäbe es noch genug. Wer Latein kann, findet hier eine digitalisierte Version des Almagest von Ptolemaeus. Eine englische Übersetzung der Harmonices Mundi von Kepler findet man hier (und hier eine wundervolle Multimedia-Version des Originaltextes; mit Übersetzungen und Animationen). De Revolutionibus Orbium Coelestium von Nikolaus Kopernikus gibt es hier im Original und hier in englischer Übersetzung. Das "erste Science-Fiction Buch", Somnium von Kepler, gibt es hier. Galileo Galileis Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo kann man hier auf italienisch und hier auf englisch lesen. Und natürlich gibt es alle Bücher auch im Buchhandel (und dann meistens auch in deutscher Übersetzung).
Ich würde mich über Mitstreiterinnen und Mitstreiter bei diesem Projekt freuen!
Autor: Florian Freistetter· 16.01.09 · 19:32 Uhr· 6 Kommentare
15. Januar 2009
Wenn Planeten unpünktlich sind...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 16
...dann hat sie vielleicht ein anderer Planet aufgehalten.
Das sich die Planeten nicht so exakt bewegen, wie ein Uhrwerk, wissen wir spätestens seit den Arbeiten von Henri Poincaré aus dem Jahr 1889. Die Störungen im scheinbar regelmäßigen Ablauf der Planetenbewegung können aber durchaus auch praktisch sein: nämlich dann, wenn man neue Planeten entdecken will.
Wie man Planeten findet
Will man außerhalb unseres Sonnensystems neue Planeten entdecken, dann muß man kreativ sein. Eine direkte Beobachtung ist extrem schwierig und funktioniert nur selten. Die Astronomen haben sich daher die verschiedensten Methoden für einen indirekten Nachweis von Exoplaneten ausgedacht. Bisher am erfolgreichsten war die Radialgeschwindigkeitsmethode, bei der man die Tatsache ausnützt, dass ein Stern ein klein wenig "wackelt", wenn er von einem Planeten umkreist wird. Aber auch die Transitmethode wird immer wichtiger.
Hier beobachtet man die Helligkeit der Sterne und misst, ob die sich verändert. Das tut sie natürlich so gut wie immer - kaum ein Stern hat immer exakt konstant die selbe Helligkeit. Aber interessant wird es immer dann, wenn sich die Lichtmenge periodisch ändert. Wenn das passiert, ist es erstmal wahrscheinlich, dass man einen veränderlichen Stern entdeckt hat. Es gibt verschiedenste Gründe, warum sich die Helligkeit eines Sterns periodisch ändert - manchmal sind es interne Vorgänge (z.B. Pulsationsveränderliche), manchmal aber auch externe Gründe wie z.B. bei den Bedeckungsveränderlichen. Da umkreisen sich 2 Sterne gegenseitig und mal bedeckt der eine anderen, mal der andere den einen. Und dadurch ändert sich natürlich die Gesamthelligkeit, die wir auf der Erde beobachten können.
Aber manchmal hat man Glück. Manchmal beobachtet man nur eine ganz kleine, periodisch auftretende Helligkeitsveränderung. Man sieht, wie eine Stern für kurze Zeit dunkler wird, seine Helligkeit verringert sich dabei vielleicht nur um Bruchteile eines Prozent (alleine, das wir so etwas mittlerweile messen können, ist eine geniale Leistung!). Natürlich gibt es immer noch mehrere Möglichkeiten, zu erklären, was man hier beobachtet: aber vielleicht war es ein extrasolarer Planet!
Wenn das Planetensystem des fremden Sterns zufälligerweise gerade so orientiert ist, das wir von der Erde aus genau auf dessen "Kante" sehen, dann kann es vorkommen, dass ein Planet genau in unserer Sichtlinie vor dem Stern vorbeizieht. Dabei verdeckt er ein winziges Stückchen der Sternenscheibe und es gelangt weniger Licht zu uns. Und das kann man messen!
Hier ist ein Beispiel für so eine Entdeckung beim Stern HD 209458:
Man sieht deutlich, wie während des Transits die Helligkeit des Sterns absinkt. Die animierte Lichtkurve zeigt übrigens echte Messwerte; die Simulation des Planetentransits darüber ist natürlich nur eine künstlerische Darstellung - so etwas kann man in Wirklichkeit nicht beobachten!
Aus Lichtkurven werden Planeten
Aus diesen Lichtkurven kann man die Parameter des Planeten bestimmen. Das ist absolut nicht trivial. Um aus der Helligkeitsänderung eines Sterns auf Bahn und Masse eines ihn umkreisenden Planeten zu schließen, muss man sehr komplexe Analysen durchführen und viel mit Modellen und Simulation arbeiten (Ludmila hat ein bisschen was darüber geschrieben).
Dafür ist es wichtig, den Transit nicht nur einmal, sondern möglichst oft zu beobachten. Je mehr Daten man hat, desto genauer werden die Analysen. Natürlich ist das schwierig - denn das bedeutet, dass man das Teleskop genau im richtigen Augenblick auf den Stern richten muss. Aber dann regnet es vielleicht gerade. Oder der Transit findet nicht in der Nacht, sondern am Tag statt. Oder ein Kollege braucht das Teleskop für seine wichtige Forschung. Aber irgendwann (meist viele Monate später) hat man es dann geschafft und ausreichend Daten zusammengetragen. Einer der Parameter, die man dann möglichst genau bestimmen möchte, ist die Umlaufzeit des Planeten. Dazu muß man z.B. den Zeitpunkt, an dem der Planet exakt in der Mitte vor dem Stern steht, möglichst genau bestimmen (an der Kurve oben sieht man schon, wie schwierig das werden kann).
Macht man diese Art der Analyse, und hat man genügend gute Daten, dann kann man die Periode des Planeten und den Transitzeitpunkt oft mit einer Genauigkeit von Minuten oder Sekunden bestimmen! Und wenn man sehr großes Glück hat, macht man vielleicht noch eine zweite Entdeckung: der Planet ist unpünktlich!
Warum Planeten zu spät kommen...
Der Planet findet sich nicht nach der berechneten Zeit wieder exakt am Ausgangspunkt ein, sondern ein bisschen früher oder später. Was hat das zu bedeuten? Wahrscheinlich, dass der Planet nicht alleine ist. Um diesen Stern kreist noch mindestens ein zweiter Planet und dessen gravitative Störungen verändern die Bahn des beobachteten Planeten ein wenig. Durch sorgfältige Analysen dieser Variationen der Transitzeit (Transit Time Variations - TTV), kann man nun auch auf die Eigenschaften des zweiten Planeten schließen. Das funktioniert auch, wenn der zweite Planet nicht vor dem Stern vorbeizieht - z.B. weil seine Bahn ein wenig gegenüber der des ersten Planeten geneigt ist. Obwohl wir ihn also rein aus den Helligkeitsschwankungen nicht identifizieren könnten, verraten ihn die Störungen, die er auf den ersten Planeten ausübt, schlußendlich doch (auf ähnliche Art und Weise wurde ja auch der Planet Neptun in unserem Sonnensystem entdeckt).
Unter Umständen lassen sich auf diese Art und Weise sogar Trojanerplaneten entdecken! Es wäre sogar möglich, durch die TTVs herauszufinden, ob ein Exoplanet einen Mond hat!
Bis jetzt wurde noch kein neuer Planet über TTVs eines Transitplaneten entdeckt (ich hoffe, ich täusche mich hier nicht; die Situation bei den Exoplaneten ändert sich ja fast täglich). Aber Beobachter überall auf der Welt sind dabei, diese Methode zu testen und zu nutzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Planet auf diese Weise gefunden wird!
Auch ich beteilige mich ein bisschen daran. Ich bin zwar kein Beobachter - aber man kann ja auch theoretisch berechnen, wo sich in den Exoplanetensystemen überhaupt zusätzliche Planeten aufhalten könnten und wie dann ihre Auswirkungen auf die Transitzeit eines bekannten Planeten wären. Solche Informationen erleichtern den Beobachtern die Arbeit und ersparen Beobachtungen, die sowieso kein Ergebnis liefern hätten können. Im Moment bin ich gerade dabei, solche Berechnungen durchzuführen - und gespannt, was sich daraus später mal für konkrete Ergebnisse ergeben.
Ich finde es jedenfalls wieder mal faszinierend, was man für vielfältige Informationen aus ein klein wenig Licht extrahieren kann. Wir können die Sterne nicht untersuchen, wie es z.B. Physiker und Biologen bei ihren Forschungen machen können. Wir dürfen die Sterne nur ansehen, "anfassen" ist verboten. Die große Entfernung zu ihren Forschungsobjekten hat die Astronomen in dieser Hinsicht besonders kreativ gemacht. Auch wenn uns von den Himmelskörpern nur ein paar Photonen erreichen, haben wir dennoch ein enorm detailliertes Wissen über sie!
Autor: Florian Freistetter· 15.01.09 · 08:23 Uhr· 16 Kommentare
13. Januar 2009
The next next Uri Geller
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 5

Schon wieder Uri Geller auf Pro 7. Über seine unsägliche Alien-Show im November wurde hier ja ausführlich berichtet und diskutiert. Nun wird im Fernsehen wieder nach einem "Mentalisten" gesucht, der in die Fußstapfen des Löffelbiegers treten soll (als ob man das wollen würde ;) ) - heute Abend geht es los.
Diesmal werde ich mich allerdings blog-mäßig nicht mit der Sendung beschäftigen. Erstens mal, weil ich hier in Heidelberg keinen Fernsehapparat habe und mir den Unsinn gar nicht erst ansehen kann. Und zweites, weil ich letztes Jahr schon alles darüber gesagt habe, was es zu sagen gibt.
Wieder werden wir einige mehr oder weniger begabte Zauberer sehen, die behaupten müssen, übersinnliche Kräfte zu haben. Wieder werden sie nur Tricks vorführen, die sich in jedem gut geführten Zauberladen kaufen lassen bzw. die von jedem Bühnenmagier leicht erklärt werden können. Wieder werden die Pro 7 Moderatoren und Uri Geller jede Menge über Mystik und Geheimnis schwafeln. Vermutlich darf der Gewinner der letzten Staffel, Vincent Raven, auch wieder seine Gruselgeschichten erzählen und seinen Raben durchs Studio fliegen lassen. Und Geller wird wieder mit seinen altbekannten Tricks hausieren gehen und behaupten, es sei Übersinnliches.
Es ist also nichts Neues zu erwarten. Wer trotzdem eine kritische Betrachtung der Sendung verfolgen möchte, der sollte bei cimddwc vorbeischauen. Dort wird heute (fast) live über die Sendung berichtet (und später auch über die folgenden). Auf YouTube wird es nach den Sendungen auch sicher wieder Videoanalysen der Tricks samt Aufklärung geben.
Ich erspare es mir diesmal, mich über die Sendung zu ärgern. Obwohl manche der Zaubertricks aus der letzten Staffel wirklich beeindruckend waren! Ich verstehe ja auch nicht, wieso Pro 7 unbedingt immer diese Mystik-Schiene fahren muß. Eine Show á la "Deutschland sucht den Supermagier" wäre sicher ebenso interessant und unterhaltend - und sie hätte den großen Vorteil, ehrlich zu sein! Aber nein, man muß den Leuten wieder das Übernatürliche reindrücken...
Autor: Florian Freistetter· 13.01.09 · 18:45 Uhr· 5 Kommentare
In Österreich gibt es keine Forschungsgelder mehr
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 14
"Katastrophal" nennen die Verantwortlichen an den österreichischen Universitäten die aktuelle finanzielle Lage. Es herrscht akuter Geldmangel. Die in der Regierungsvereinbarung zwischen SPÖ und ÖVP versprochenen Gelder werden nun aufgrund von Budgetproblemen nicht ausbezahlt.
Aber nicht nur die Universitäten haben kein Geld, auch der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschungzur wissenschaftlichen Förderung (FWF) ist pleite. Der FWF ist eine staatliche Einrichtung, die Fördergelder für Grundlagenforschung vergibt (analog zur Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Deutschland). Für viele Doktoranden und junge PostDocs ist der FWF die einzige Möglichkeit, Geld für ihre Forschungen zu bekommen - nur leider hat der Fonds nun selbst kein Geld mehr zu vergeben.
Die jährliche kleine Erhöhung der Gehälter der Forscher, die über den FWF angestellt sind, musste vorerst abgesagt werden. Und auch die für nächste Woche geplante Sitzung des Vergabe-Kuratoriums findet nicht statt. Da man nicht weiß, wieviel Geld in Zukunft zur Verfügung steht bzw. ob 2009 überhaupt Geld da sein wird, können vorerst keine Förderungen für neue Projekte beschlossen werden.
Wer sich im österreichischen Forschungsbetrieb auskennt, und weiß, wieviele Leute hier von FWF-Geldern abhängig sind, der kann sich auch vorstellen, was solche Nachrichten bedeuten. An der Unisternwarte in Wien war (und ist) es durchaus normal, dass beispielsweise Doktoranden keine Finanzierung bekommen. Ich selbst bekam damals nur für 4 der 8 Semester meines Doktoratstudiums Geld für meine Arbeit (und selbst während dieser Zeit hatte ich niemals eine volle Doktorandenstelle). Diese Situation wird sich jetzt noch verschärfen, wenn es von der Regierung wirklich kein Geld für den FWF geben sollte.
Aber wehe, die verantwortlichen Politiker dürfen öffentlich über Forschung in Österreich reden. Dann wundert man sich über den "brain-drain" und die Abwanderung der Forscher ins Ausland. Dann werden wieder große Reden geschwungen, über "Rückholaktionen" für Wissenschaftler im Ausland, über den "Forschungsstandort Österreich" und darüber, wie man Österreich "international zu einem Frontrunner machen" kann. Und auch für das Vorzeigeobjekt der österreichischen Wissenschaftspolitik, das Institute of Science and Technology (IST) Austria, ist anscheinend immer noch genug Geld übrig. Dass man eine Eliteuniversität (die das IST ja werden soll) nicht einfach so aus dem Boden stampfen kann, hat sich bei den Wissenschaftspolitikern in Österreich noch nicht wirklich herumgesprochen. In ein paar Jahren, wenn das IST fertig ist, findet sich vielleicht wirklich der eine oder andere Spitzenforscher, der sich dort ansiedeln will. Wenn der Rest der österreichischen Forschungslandschaft aber weiterhin finanziell ausgehungert wird, dann werden die übrig gebliebenen Forscher am IST sich aber ziemlich bald einsam fühlen.Spitzenforschung erreicht man nicht durch den Bau neuer Institute! Dazu muss man die Forschung konstant und über lange Zeit vernünftig fördern und dem Nachwuchs ebenso vernünftige und sichere Zukunftsperspektiven bieten! Aber diese Vorstellung hat sich in Österreich leider noch nicht durchgesetzt.
Passend dazu: Tipps für ein billiges Leben bei ScienceBlogs.com
Autor: Florian Freistetter· 13.01.09 · 17:10 Uhr· 14 Kommentare
12. Januar 2009
Astronomie wird Pflichtfach an Schulen
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 24
Astronomie wird ein Pflichtfach in der Schule. Leider nur an den Thüringer Gymnasium. Astronomieunterricht gibt es - wenn auch nicht immer verpflichtend - auch noch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die östlichen Bundesländer haben eine lange Tradition, was Astronomie in der Schule angeht. Zu DDR-Zeiten war Astronomie seit 1959 ein Pflichtfach, dass ab in der 10. Schulstufe unterrichtet wurde.
Nach der Wiedervereinigung wurde dieser Unterricht leider nicht für alle Bundesländer übernommen - im Westen gibt es heute immer noch keinen eigenständigen Astronomieunterricht sondern nur (bzw. immerhin) entsprechende Arbeitsgruppen oder Wahlpflichtfächer. Aber auch in Sachsen wurde 2007 der verpflichtende Astronomieunterricht abgeschafft.
Umso erfreulicher, dass nun in Thüringer wieder alle Gymnasiasten Astronomieunterricht bekommen. Die Beschäftigung mit Sternen, Planeten und dem Universum ist viel zu interessant, als das sie nur nebenbei im Physik- oder Geografieunterricht abgehandelt werden sollte. Und für die Schüler ist der Astronomieunterricht sicherlich nützlich.
Über die "Nützlichkeit der Astronomie" hat übrigens erst kürzlich der Astronom John Hearnshaw bei Cosmic Diary einen schönen Beitrag geschrieben. Darin zitiert er den französischen Astronomen Camille Flammarion, der 1880 in seinem Buch Astronomie Populaire folgendes schrieb:
"Ja, wirklich: Wenn die Menschheit - vom einfachen Bauern auf den Feldern und dem schuftenden Arbeiter in den Städten, über Lehrer, Menschen mit Vermögen und Menschen, die den Gipfel des Ruhms und Erfolgs erreicht haben, bis hin zu den leichtfertigsten Gesellschaftsdamen - wüsste, was für tiefgründige Freuden diejenigen erwartet, die den Himmel beobachten, dann wäre Frankreich, nein, das gesamte Europa, mit Teleskopen überzogen und nicht mit Bajonetten, und es würde allgemeines Glück und Frieden begünstigt."
Etwas weniger poetisch aber nicht weniger richtig kommentiert Prof. Karl-Heinz Lotze vom Institut für Didaktik der Physik und Astronomie an der Universität Jena, den Astronomieunterricht in Thüringen:
"Wichtig für die Schüler ist zudem die Beschäftigung mit weltanschaulichen Fragen, die schon immer Teil der Astronomie sind. Die Jugendlichen müssen eine Vorstellung davon bekommen, welche Position die Erde im Weltraum hat. Dadurch lernen sie, wie verletzlich unser Planet ist und hoffentlich einen verantwortungsvollen Umgang mit ihm."
Ich kann Flammarion und Lotze hier nur zustimmen: vom Astronomieunterricht können die Schüler nur profitieren.
Autor: Florian Freistetter· 12.01.09 · 18:20 Uhr· 24 Kommentare
11. Januar 2009
Blog-Teleskop #17
Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften
Das Blog-Teleskop #17 steht diesmal in Heidelberg bei Stefan Taube von Lichtecho. Wieder mal gibt es einen interessante Überblick über die Welt der astronomischen Blogs. In 2 Wochen findet ihr das Teleskop dann an einem ganz neuen Platz ;)
Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.
Autor: Florian Freistetter· 11.01.09 · 19:22 Uhr· 0 Kommentare
07. Januar 2009
Astrologie ist Unsinn
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 632
"Astrologie ist Unsinn" - diese Überschrift dürfte wohl die meisten der Leserinnen und Leser wenig überraschen. Dass Astrologie nichts anderes ist, als esoterischer Aberglaube und dass es damit nicht möglich ist, irgendetwas vorherzusagen, wurde in der Vergangenheit schon oft genug dargelegt.
Auch hier in meinem Blog wurde über dieses Thema schon oft diskutiert. Ich habe mich trotzdem entschieden, nochmal einen eigenen Artikel dazu zu schreiben. Astrologie passt ganz gut zum Jahresanfang - da findet man ja Prognosen und Vorhersagen überall. Außerdem ist es als Referenz für später ganz praktisch, wenn ich meine Meinung zur Astrologie einmal ordentlich aufschreibe.
Eine ausführliche Kritik der Astrologie würde ganze Bücher füllen. Deswegen werde ich mich notgedrungen auf bestimmte Aspekte beschränken müssen. Ich möchte außerdem gar nicht auf konkrete Details eingehen. Das würde nur dann funktionieren, wenn die Astrologie in sich konsistent wäre und wenn sich die Astrologen darauf einigen könnten, was alles Astrologie ist, und was nicht. Die Astrologie ist allerdings kein organisiertes, zusammenhängendes Gedankengebäude (wie es beispielsweise eine Wissenschaft wäre). Je nach Region und Erdteil gibt es die unterschiedlichsten astrologischen Lehren. Und auch innerhalb der einzelnen Richtungen gibt es verschiedenste Schulen, die die Sterndeutung unterschiedlich praktizieren.
Genauso wenig konnten sich die Astrologen bis heute noch auf eine "Theorie" einigen, die beschreiben würde, wie eigentlich Astrologie funktioniert. Es existiert also kein einheitliches theoretisches Fundament und es existiert keine einheitliche Praxis in der Astrologie. Im Prinzip kann jeder Astrologe selbst entscheiden, wie und auf welche Art und Weise er Astrologie betreiben möchte (siderischer oder tropischer Tierkreis, Wahl des Häusersystems, äquale oder inäquale Häuser, usw). Wegen dieser Beliebigkeit macht es wenig Sinn, die Kritik an der Astrologie an einzelnen Details aufzuhängen.
Ich möchte mich daher zuerst einmal auf die allen astrologischen Richtungen zugrundeliegenden Gemeinsamkeiten beschränken.
Der Einfluß der Himmelskörper
Egal welche Auslegung der Astrologie benutzt wird - die zugrunde liegende Voraussetzung ist immer gleich: Aus der Position der Himmelskörper lassen sich konkrete Informationen für und über das Leben der Menschen auf der Erde gewinnen. Ob die Himmelskörper uns Menschen nun direkt (auf welche Art und Weise auch immer) beeinflussen oder ob sie nur "Meßgeräte" sind, an denen sich unser Schicksal ablesen lässt, ist vorerst nicht wichtig. Auch so zeigt sich, dass die astrologischen Lehren völlig widersprüchlich sind und nicht funktionieren können.
Dass die Himmelskörper keine tatsächliche Kraft ausüben, die uns Menschen in unserem Handeln beeinflusst, lässt sich so einfach widerlegen, dass ich hier gar nicht näher darauf eingehen möchte. Wer will, kann darüber einen sehr guten Artikel bei Bad Astronomy lesen.
Aber viele Astrologen haben ja sowieso eine andere Sicht der Dinge, und behaupten, aus der Stellung der Planeten zu einem bestimmten Zeutpunkt lassen sich relevante Informationen über den Charakter einer Person ablesen oder sonstige Erkenntnisse gewinnen. Diese Behauptung ist erstmal nicht völlig absurd. Es könnte ja vielleicht wirklich irgendeine Art von übergeordneten Prozess geben, der sich sowohl auf die Position der Himmelskörper auswirkt als auch auf unser menschliches Leben (Dieses Prinzip des "wie oben, so unten" ist ja in der Esoterik weit verbreitet).
Untersucht man das Problem weiter, zeigt sich allerdings schnell, dass diese Position nicht haltbar ist. Sollte sich aus der Position der Himmelskörper wirklich irgendeine Information über unser Leben ablesen lassen und sollte die Astrologie wirklich die Methode sein, mit der sich diese Informationen gewinnen lassen, dann würde man erwarten, dass sie einen entsprechenden Satz an konkreten Regeln besitzt, die dazu verwendet werden können.
Völlige Beliebigkeit
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als gäbe es diese Regeln in der Astrologie auch. Je nach Position der Planeten in den Häusern bzw. je nach den Aspekten zwischen den einzelnen Himmelskörper erkennt der Astrologe bestimmte Zusammenhänge. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings eine enorme Beliebigkeit der astrologischen "Gesetze". Dass es teilweise große Unterschied in der Definition und Deutung der Häusersysteme bzw. der Interpretation des Horoskops gibt, habe ich schon weiter oben erläutert. Aber selbst, wenn man zu den Fundamenten der Astrologie geht, zeigt sich, wie beliebig diese Lehre ist.
In der klassischen, antiken Astronomie war die Stellung der 7 damals bekannten "Planeten" von großer Bedeutung. Das waren neben Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn auch Mond und Sonne. Andere Himmelskörper (ausgenommen Sterne und einige Kometen) waren damals mit freiem Auge auch nicht zu sehen.
Später, als weitere Planeten (Uranus, Neptun, Pluto) entdeckt wurden, bezogen einige Astrologen auch diese in ihre Horoskope ein. Es gibt auch Astrologen, die für ihre Horoskope einige der größeren Asteroiden (z.B. Ceres oder Chiron) benutzen. Und einige benutzen sogar die Position von "Himmelskörpern" die gar nicht existieren (Cupidos, Kronos, Admetos, Vulkanus,...).
Hier stellt sich sofort eine Frage, die mich schon immer beschäftigt hat: Woher wissen die Astrologen, welche Himmelskörper sie für ihre Horoskope berücksichtigen müssen und welche nicht? Die physikalischen Eigenschaften der Planeten können ja offensichtlich keine Rolle spielen. Der Riesenplanet Jupiter ist für die Erstellung eines "korrekten" Horoskops genauso wichtig wie der kleine Mars. Der weit entfernte Saturn ist von gleicher Bedeutung wie die erdnahe Venus. Der Mond der Erde darf nicht ignoriert werden; genauso wenig wie die riesengroße Sonne.
Aber warum berücksichtigen Astrologen z.B. nur den Mond der Erde und nicht auch z.B. Ganymed, ein Mond des Jupiter (und größer als unser Erdmond)? Warum wird die Sonne berücksichtigt und nicht einer der tausenden anderen Sterne, die wir von der Erde aus am Himmel sehen können?
Und besonders absurd wird es, wenn man von der klassischen Astrologie zu den diversen modernen Formen blickt. Dort ist z.B. Pluto ein wichtiges Objekt. Pluto ist aber absolut nichts Außergewöhnliches - er ist ein größerer Asteroid (nichtmal der größte) des Kuiper-Asteroidengürtels. In der Nähe des Pluto gibt es eine ganze Gruppe von Asteroiden (die Plutinos) - warum können die alle vernachlässigt werden, aber Pluto nicht?
Und was ist mit den hunderttausenden bekannten Asteroiden im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter; mit den tausenden Asteroiden in der Nähe der Erde (siehe Bild links)? Wieso haben die alle keine Auswirkung auf das Horoskop? Wieso wissen Astrologen, dass z.B. "Mars das siebte Haus beherrscht", wenn zu jedem Zeitpunkt jedes astrologische Haus voll ist mit tausenden Himmelskörpern aller Art? Und dann gibt es ja noch jede Menge extrasolarer Planeten...
Natürlich kann man diese Frage aus historischer Sicht leicht beantworten. Die Astrologen halten genau jene Objekte für wichtig, die in irgendeiner Hinsicht "prominent" sind. Das waren zuerst natürlich die Planeten, die mit freiem Auge sichtbar waren. Hier könnte man noch halbwegs esoterisch-logisch argumentieren, dass eben diese Himmelskörper wichtig sind, weil wir sie sehen können. Was wir nicht sehen können, hat keinen Einfluß auf uns.
Aber seit vor 400 Jahren das Teleskop erfunden wurde, wissen wir, dass die 5 antiken Planeten nur einen winzigen Ausschnitt unseres Sonnensystems darstellen (und einen vernachlässigbaren kleinen Teil des gesamten Universums). Mittlerweile haben die Astrologen wirklich Probleme, zu erklären, warum Pluto wichtig ist, aber nicht z.B. Ixion. Warum hat der Asteroid Ceres Einfluß auf das Horoskop, aber nicht z.B. die Asteroiden (165347) Philplait oder (153298) Paulmyers?
Erklärungen
Der scheinbar "wissenschaftliche" Anstrich der Astrologie, mit all ihren Regeln und Gesetzen ist also nichts weiter als Fassade. Dahinter steckt eine gewaltige Beliebigkeit. Das Horoskop bietet nur eine Projektionsfläche, die der Astrologe dazu nutzen kann, frei über bestimmte Themen zu fabulieren. Ein Zusammenhang mit der Realität besteht nicht (Die Stellung der Planeten im Horoskop entspricht auch in den seltensten Fällen der Stellung der Planeten am Himmel - aber das ist wieder eine andere Geschichte).
Mir ist natürlich klar, dass sich kein überzeugter Astrologe von meinen Ausführungen beeindrucken lässt. Wahrscheinlich wird mir vorgeworfen, ich würde Astrologie nicht verstehen. Und wahrscheinlich gibt es auch wunderbar-absurde Erklärungen, warum bestimmte Objekte verwendet werden und andere nicht. Ich nehme an, dass sich die Himmelskörper den Astrologen auf geheimnisvolle Art und Weise"aufdrängen" und deswegen auch nur genau die verwendet werden, die wichtig sind (so wie sich die Babys ja angeblich einen Geburtszeitpunkt "aussuchen", der ihrem Charakter entspricht). Und wenn die Menschheit wieder mal in ein neues Zeitalter eintritt, dann werden sich sicher die entsprechenden neuen Himmelskörper präsentieren.
Außerdem, so wird sicher argumentiert werden, sieht man doch, das Astrologie funktioniert! So viele zufriedene Kunden, so viele passende Erklärungen - das muss doch richtig sein, oder?
Naja - nicht wirklich. Wie die Astrologie selbst, sind auch Auslegung des Horoskops und die entsprechenden Texte völlig beliebig. Wenn es um nachträgliche Analysen geht (etwas, dass Astrologen gerne machen), dann kann man aus dem gewaltigen Arsenal an astrologischen Möglichkeiten immer etwas finden, das schon Bekanntes bestätigt. Und wenn es um Vorhersagen geht, sorgt der Barnum-Effekt für eine garantierte Trefferquote. Diese Texte sind immer so allgemein halten, dass sich jeder in ihnen wiedererkennt. Daher ist es auch kein Wunder, wenn astrologische "Analysen" immer passend sind. Das liegt einfach daran, dass jeder Text passend ist. Es wurde schon oft gezeigt, dass Menschen nicht in der Lage sind, zwischen einem persönlich für sie erstellten Horoskop und einem anderen zu unterscheiden (diese psychologische Seite der Astrologie wäre eigentlich einen eigenen Artikel wert).
Wie gesagt - ich weiß, dass sich ein überzeugter Gläubiger von meinen Ausführungen nicht beeinflussen lassen wird. Aber vielleicht regt dieser Text manche Menschen ein bisschen zum Denken an. Und ich würde mich wirklich freuen, wenn mir Astrologen die oben gestellte Frage beantworten können: Warum haben manche Himmelskörper eine Bedeutung für das Horoskop und manche nicht? Wie findet man heraus, welche wichtig sind, und welche nicht?
Nachtrag 17.01.2009: In diesem Artikel habe ich die folgende sehr lange Diskussion ein bisschen zusammengefasst.

Ähnliche Artikel: Überprüfung verboten? Astrologische Prognosen dürfen nicht zitiert werden, Suspended: No Astrology Allowed, Die Prophezeiung 2009: Wahrsagen auf RTL, Über den Umgang mit Pseudowissenschaften und Esoterik, Die Finanzkrise und die Astrologie, Astrologie und Galileo Mystery, Astrologen mögen mich nicht, Aszendent Liebe: ein selten dummer Film, Ich habe ein Horoskop bekommen, EM 2008 und Astrologie, Update: EM 2008 und Astrologie
Autor: Florian Freistetter· 07.01.09 · 16:48 Uhr· 632 Kommentare
06. Januar 2009
Mathematiker haben die besten Jobs
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 17
Thilo vom Mathlog kann sich freuen: der Beruf des Mathematikers führt die Liste der "besten Berufe" an, die kürzlich von JobsRated.com veröffentlicht wurde.
Auf Platz 2 liegen die Versicherungsmathematiker, gefolgt von den Statistikern. Die Astronomen haben es immerhin noch auf Platz 20 geschafft - immerhin einen Platz besser als der Job des Öl-Ingenieurs:
- 1. Mathematiker
- 2. Versicherungsmathematiker
- 3. Statistiker
- 4. Biologe
- 5. Software-Entwickler
- 6. Computer-Systemberater
- 7. Historiker
- 8. Soziologe
- 9. Industrie-Designer
- 10. Buchhalter
- 11. Ökonom
- 12. Philosoph
- 13. Physiker
- 14. Bewährungshelfer
- 15. Meteorologe
- 16. Medizin-Labortechniker
- 17. Rechtsanwaltsgehilfe
- 18. Programmierer
- 19. Filmredakteur
- 20. Astronom
Wer wissen möchte, wie diese Reihenfolge berechnet wurde, kann das hier nachlesen. Arbeitsbedingungen, Stressfaktoren, Zukunftsaussichten, Einkommen und noch einige andere Kriterien wurde berücksichtigt.
Vermutlich kann man die Liste nicht wirklich so einfach auf europäische Verhältnisse umlegen (laut dieser Statistik verdienen Astronomen angeblich auch 6290 € im Monat - das kann ich so nicht bestätigen ;) ).
Aber es ist zumindest recht interessant, darin zu stöbern. Der Allgemeinarzt liegt als schlechtester akademischer Job nur auf Platz 142. Und "child-care workers" (ich weiß nicht, welchem Beruf das auf deutsch genau entspricht) sind erschreckenderweise nur auf Platz 182 gelandet. Lehrer sind auch nicht viel weiter vorne - nur auf Platz 127. Ganz am Ende der Liste steht auf Platz 200 übrigens der Beruf des Holzfällers.
Autor: Florian Freistetter· 06.01.09 · 18:40 Uhr· 17 Kommentare
05. Januar 2009
Wow! Was für ein Bild!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Auf Hubbelsite.org wurde gerade eine Bild veröffentlicht, welches das Zentrum unserer Milchstrasse zeigt. Ich habe ja mittlerweile schon einige beeindruckende astronomische Bilder gesehen - aber diese Aufnahme macht mich sprachlos:
Bild: NASA, ESA, Q.D. Wang (University of Massachusetts, Amherst), Jet Propulsion Laboratory, and S. Stolovy (Spitzer Science Center/Caltech)
Für diese atemberaubende Aufnahme wurde Bilder des Hubble-Teleskops und des Spitzer-Weltraumobservatoriums kombiniert. Dieses Panomarabild zeigt die zentrale Region der Milchstrasse (etwa 300 Lichtjahre im Durchmesser), 26000 Lichtjahre entfernt, im Infrarotlicht.
Das Bild, das ich oben eingefügt habe, ist nur eine kleine Version. Bei Hubblesite gibt es das Bild noch in viel höherer Auflösung (6192x2902).
Auf der Aufnahme sieht man den Staub und das heiße Gas, das sich in der Zentralregion befindet. Durch Sternenwind, Supernovae, entstehende Sterne und andere Prozesse wurde das Gas "verblasen" und bildet die jetzt sichtbaren Strukturen.
Ich kann nur empfehlen, dass Bild in höchster Auflösung runterzuladen und in Ruhe die Details zu betrachten. Das werde ich zumindest jetzt tun.
Wow!
Autor: Florian Freistetter· 05.01.09 · 23:10 Uhr· 12 Kommentare
Seltsame Welten: Sitnikov-Planeten
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 16
In den vorherigen Teilen dieser Serie habe ich schon Trojanerplaneten und Wechselplaneten vorgestellt. Im letzen Teil möchte ich nun über eine extrem außergewöhnliche Planetenkonfiguration schreiben: das Sitnikov-Problem.
Das unlösbare Dreikörperproblem
Seit Newtons Gravitationstheorie kannte man die mathematischen Gleichungen, mit denen sich die Bewegung der Himmelskörper beschreiben lassen. Man konnte sie nur nicht lösen. Sobald man die gravitative Interaktion von mehr als 2 Körpern betrachtete, wurden die Gleichungen so komplex, dass man sie nur noch näherungsweise lösen konnte. 1889 zeigte Henri Poincaré, dass diese nicht am Unvermögen der Wissenschaftler lag, sondern ein prinzipielles Problem ist: er konnte beweisen, dass sich diese Gleichungen niemals lösen lassen, wenn mehr als 2 Körper beteiligt sind. Das bedeutet auch, dass wir die Vorstellung vom "Sonnensystem als Uhrwerk" fallen lassen müssen. Man kann also die Bewegung der Planeten nicht für jeden beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft exakt vorhersagen. Der Grund dafür ist, dass solche komplexen Systeme immer auch chaotische Eigenschaften aufweisen. Das gilt auch für unser Sonnensystem.
In erster Näherung kann man den gravitativen Einfluss, den die Planeten untereinander ausüben, vernachlässigen. Der Einfluß der Sonne auf die Planeten ist viel größer - die Bewegung eines Planeten um die Sonne kann also näherungsweise als Zweikörperproblem beschrieben werden. Das ist glücklicherweise exakt lösbar - und die Lösung entspricht den bekannten Keplerschen Gesetzen.
Aber was passiert, wenn sich der Einfluss eines dritten Körpers nicht mehr vernachlässigen lässt? Wenn man z.B. die Bewegung des Mondes beschreiben will und hier Sonne und Erde berücksichtigen muss. Oder wenn man die Bewegung eines Planeten in einem Doppelsternsystem betrachtet? Dann hat man ein Dreikörperproblem - und das lässt sich nicht mehr analytisch lösen.
Es gibt allerdings Spezialfälle, die einfacher zu behandeln sind. W.D. MacMillan fand 1911 tatsächlich so einen Fall, für den eine allgemeine Lösung existiert.
Zwei Sterne und ein Planet
Dieser Fall sieht so aus: zwei Sterne mit gleicher Masse kreisen um ihren gemeinsamen Massenschwerpunkt. Die Bahnen sind dabei kreisförmig. Ein dritter Körper, der Planet, hat eine Masse, die gegenüber der Masse der Sterne vernachlässigbar klein ist. Dieser Planet befindet sich anfänglich genau im Massenschwerpunkt. Unter der gravitativen Wirkung der beiden Sterne bewegt er sich nun senkrecht zur Bewegungsebene der beiden Sterne!
Hier existiert eine allgemeine Lösung: während die beiden Sterne immer ihre Kreise umeinander ziehen, bewegt sich der Planet zwischen ihnen auf und ab!
"Berühmt" wurde dieses Problem durch eine 1960 erschienene Arbeit des Russen Kirill Aleksandrovich Sitnikov. Sitnikov betrachtete nun den allgemeinen Fall von MacMillans Konfiguration. Die Sterne müssen sich nicht mehr nur auf kreisförmigen Bahnen bewegen, sondern können auch elliptischen Orbits folgen. Diese Erweiterung führt dazu, dass das Problem wieder unlösbar wird - man kann keine allgemeine Lösung mehr angeben.
Sitnikov fand aber, dass trotzdem immer noch Lösungen existieren, in denen der Planet für unbeschränkte Zeit stabil auf und ab oszilliert. Ob dies passiert, oder ob der Planet sich chaotisch bewegt oder gar aus dem System herausgeworfen wird, hängt von den Anfangsbedingungen ab: wie stark weicht die Bahn der Sterne von der Kreisform ab; wie groß ist die Anfangsgeschwindigkeit des Planeten - usw.
Obwohl die Ausgangslage sehr simpel ist, zeigt dieses Sitnikov-Problem alle Charakteristiken eines komplexen dynamischen Systems mit all seinen chaotischen Eigenschaften. Das sieht man sehr gut an diesem Bild:
Bild: ADG Wien
Auf der x-Achse wird die Zeit angezeigt; die y-Achse zeigt an, wie weit sich der Planet über bzw. unter dem Schwerpunkt befindet. Die 3 Kurven zeigen 3 sehr eng benachbarte Anfangspositionen: der Unterschied in der anfänglichen Position des Planeten beträgt nur ein Millionstel! Trotzdem sieht man ein völlig unterschiedliches Verhalten: 2 Kurven (rot und grün) zeigen chaotisches Verhalten: nach 12,5 Zeiteinheiten fliegt der Planet aus dem System (einmal nach unten, einmal nach oben). Die dritte Kurve hingegen zeigt stabile Bewegung.
J. Moser (der an der Entwicklung des Kolmogorov-Arnold-Moser-Theorems (KAM-Theorem) beteiligt war: das grundlegende Theorem der Chaostheorie) hat eine sehr interessante Eigenschaft des Sitnikov-Problems aufgezeigt, das dessen chaotisches Verhalten schön demonstriert. Man kann jede Lösung des Sitnikov-Problems als Zahlenreihe darstellen, wobei jede Zahl die Abfolge der verschiedenen Perioden der Lösung darstellt. Man bestimmt dazu die Zeit, die zwischen zwei Passagen des Planeten durch den Schwerpunkt vergeht und wandelt sie in eine Zahlenreihe um. Diese Zeiträume können im Falle einer regulären Bewegung immer gleich lang sein - dann wäre z.B. [2,2,2,2,2,...] eine Zahlenreihe, die so eine Lösung beschreibt. Aber wie man oben im Bild im Falle der blauen Kurve sieht, können die Zeiträume auch unterschiedlich lang sein ( [2,5,3,1,1,...] könnte z.B. eine Zahlenreihe sein, die die blaue Kurve beschreibt). Moser zeigte nun, dass man sich eine beliebige Zahlenreihe ausdenken kann und egal, wie kompliziert sie aufgebaut ist: es wird immer einen passenden Anfangszustand des Sitnikovproblems geben, der zu einer entsprechenden Lösung führt!
Die AstroDynamik-Gruppe der Universitätssternwarte stellt übrigens auf ihrer Homepage ein nettes Java-Applet zur Verfügung, mit dem jeder selbst ein bisschen experimentieren und zusehen kann, wie sich Planet und Sterne bewegen.
Kann es Sitnikov-Planeten wirklich geben?
Im Fall der Trojanerplaneten stehen die Chancen gut, dass sie wirklich existieren und bei den Wechselplaneten haben wir immerhin die Saturnmonde Janus und Epimetheus als reale Beispiele. Das Sitnikov-Problem ist allerdings wirklich nur ein rein theoretisches - es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass sich so ein System auch in Wirklichkeit bilden könnte.
Trotzdem beschäftigen sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten immer wieder mit diesem Problem. Auch wenn es keine reale Konfiguration darstellt, ist es doch ein hervorragendes Modell, um die Eigenschaften komplexer dynamischer Systeme zu untersuchen. Wegen seiner einfachen Ausgangslage lässt es sich leicht untersuchen; Computerprogramme, die das Problem numerisch lösen sind schnell geschrieben.
Auch wenn es mit aller Wahrscheinlichkeit nie dazu kommen wird: aber es wäre vermutlich sehr interessant, auf einem Sitnikov-Planeten zu leben. Die "Jahreszeiten" wären komplett anders als hier auf der Erde - mal würden wir uns den beiden Sternen nähern, dann wieder davon entfernen. Und das eventuell auch noch in unregelmäßigen Zeiträumen. Eventuelle Aliens, die unter solchen Bedingungen leben, würden es wohl ziemlich schwer haben, einen Kalender zu entwickeln.
Dieser Artikel war der letzte in meiner kleinen Serie "Seltsame Welten". Ich bin ziemlich gespannt, ob wir in Zukunft einige dieser Welten vielleicht wirklich finden können.
Ähnliche Artikel: Seltsame Welten: Trojanerplaneten, Seltsame Welten: Wechselplaneten
Autor: Florian Freistetter· 05.01.09 · 19:13 Uhr· 16 Kommentare
04. Januar 2009
Merkur beobachten: heute Abend!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Merkur ist der kleinste Planet in unserem Sonnensystem - und er ist der Sonne von allen Planeten am nächsten. Deswegen ist er auch so schwer mit freiem Auge zu beobachten. Am Himmel entfernt er sich nie recht weit von der Sonne und ist immer nur kurz nach Sonnenuntergang bzw. kurz vor Sonnenaufgang in der Dämmerung zu beobachten. Die Lichtverschmutzung macht es dann noch zusätzlich schwer, ihn zu sehen.Heute Abend bietet sich aber eine gute Möglichkeit, Merkur vielleicht doch noch mal zu fassen. Merkur erreicht heute seine größte östliche Elongation und damit seine beste Abendsichtbarkeit:

Von der Erde aus gesehen erreicht Merkur also heute seinen größten Abstand von der Sonne (Position 4 im Bild) und ist damit am leichtesten zu entdecken. In der unteren Konkunktion (Position 1) erscheint er zwar am größten - wir können ihn aber nicht sehen, weil wir in dieser Konfiguration nur die nicht von der Sonne angestrahlte Seite sehen ("Neumerkur"). Später, bei der größten westlichen Elongation (Position 2) ist Merkur dann wieder gut in der Morgendämmerung zu beobachten.
Im Laufe der nächsten Woche sollte Merkur jedenfalls kurz nach der Abenddämmerung am Horizont im Südwesten sichtbar sein! Man kann auch freie Planetariumsprogramm Stellarium benutzen, um sich die Position für bestimmte Zeitpunkte und Orte genau anzeigen zu lassen.
Also zieht euch heute Abend warm an und geht mal raus! Vielleicht habt ihr Glück mit dem Wetter und könnt den kleinen Merkur finden. Ich werde es sicher probieren (auch wenn hier in Jena der Himmel im Moment komplett dicht ist) - denn bis jetzt habe ich es noch nie geschafft, Merkur mit freiem Auge zu beobachten - vielleicht klappt es diesmal.
Autor: Florian Freistetter· 04.01.09 · 13:35 Uhr· 8 Kommentare
03. Januar 2009
Die Prophezeiung 2009: ein Livebericht
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 31
Heute Abend wird auf RTL die Sendung "Die Prophezeiung 2009" ausgestrahlt. Ich habe darüber schon vor einiger Zeit berichtet.
Dem Esoterik-Trend kann (bzw. will) sich wohl auch RTL nicht entziehen. Nun dürfen also auch dort die verschiedensten Wahrsager - wie z.B. die unsägliche Madame Teissier - auftreten. Die hätte ihre Karriere eigentlich schon längts beenden sollen. Zumindest hat sie versprochen, dass zu tun, falls wider erwarten die Raumsonde Cassini 1999 nicht auf Paris stürzen sollte.
Zusammen mit ihr und anderen "Propheten" will RTL uns also heute Abend vorhersagen, was wir von 2009 erwarten dürfen. Vermutlich werden wir wieder die gleichen allgemeinen Aussagen zu hören bekommen, die auch jetzt schon von den diversen Wahrsagern für 2009 abgegeben wurden ("viele Katastrophen", "schwere Stürme in der Karibik", usw. - die Details können in Michael Kunkels Blog Wahrsagercheck nachgelesen werden).
Ich möchte die Sendung heute Abend wieder mit einem Live-Blog begleiten. Das hat schon bei der unsäglichen Pro 7 Alien-Sendung mit Uri Geller so schön funktioniert. Heute Abend um 22:40 gehts los! (Und wer wissen möchte, wie RTL auf die Idee kam, so eine Sendung zu produzieren, der kann das hier nachlesen.)
Autor: Florian Freistetter· 03.01.09 · 13:30 Uhr· 31 Kommentare
Das internationale Jahr der Astronomie, kosmische Tagebücher und eine neue Blogroll
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5

Vorgestern hat nicht nur ein neues Jahr begonnen - sondern auch das internationale Jahr der Astronomie! In Erinnerung an Galileo Galilei und dessen Entdeckungen mit dem ersten Fernrohr und der zur gleichen Zeit stattgefundenen Veröffentlichung von Keplers "Astronomia Nova" im Jahr 1609 hat die UNESCO 2009 zum "Internation Year of Astronomy" (IYA) erklärt.
Das ganze Jahr über wird es überall auf der Welt Aktionen geben, die der Bevölkerung die Astronomie näher bringen sollen. Ich habe es noch nicht geschafft, mir selbst einen Überblick zu verschaffen (aber werde hier im Blog natürlich über interessante Veranstaltungen berichten). Aber auf den Seiten des IYA kann jeder nachsehen, was das Astrojahr zu bieten hat.
Auch Daniel Fischers Astrojahr-Blog, wo schon das ganze letzte Jahr über die Vorbereitung des IYA berichtet wurde, ist eine gute Anlaufstelle, um sich über die astronomischen Aktivitäten zu informieren.
Das IYA nutzt aber auch ausgiebig die anderen Möglichkeiten des Web 2.0: es gibt z.B. eine Facebook-Gruppe, einen YouTube-Channel und einen Twitter-Account.
Zwei Aktionen des IYA habe ich aber schon länger verfolgt und möchte sie hier kurz vorstellen. Bei der ersten handelt es sich um eine Zeichentrickserie für Kinder: "Cosmic Quantum Ray" die ab 25. Januar bei KiKa ausgestrahlt wird. In den 26 Folgen sollen astronomisch-physikalische Konzepte wie "Gravitation", "Dunkle Materie", "Schwarze Löcher" u.ä. kindgerecht erklärt werden. Unterstützt wurde die deutsch-amerikanische Produktion durch das Max Planck Institut für extraterrestrische Physik.
Ich habe die Serie (außer der Vorschau auf KiKa) noch nicht gesehen. Aber ich bin schon sehr gespannt, wie das Konzept umgesetzt wurde. Kindern Wissenschaft zu vermitteln halte ich für enorm wichtig! Gerade kleine Kinder sind an solchen Themen sehr interessiert - und wenn man ihren Wissensdurst stillen kann und gleichzeitig ihr Interesse für die Wissenschaft wachhalten kann, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie auch als Jugendliche bzw. Erwachsene eine positive Einstellung zur Wissenschaft behalten. Insofern kann man solche Projekte nicht hoch genug einschätzen. Sobald die ersten Folgen ausgestrahlt werden, werde ich hier nochmal ausführlich darüber berichten.
Ein zweites interessantes Projekt ist das "Cosmic Diary". Dieses Blogportal des IYA wurde am 1. Januar gestartet. 27 Astronomen aus aller Welt bloggen über ihre Arbeit, ihr Leben, und darüber, wie es ist, Astronom zu sein:
"The Cosmic Dairy aims to put a human face on astronomy: professional scientists will blog in text and images about their lives, families, friends, hobbies and interests, as well as their work, their latest research findings and the challenges that face them. The bloggers represent a vibrant cross-section of female and male working astronomers from around the world, coming from five different continents."
Das verspricht, sehr interessant zu werden. "Leider" sind fast alle Blogs in englisch geschrieben, nur der österreichische Astronom Stefan Uttenthaler hat sich für ein deutsches Blog entschieden. ("Leider" deswegen, weil es immer noch viel zu wenig deutschsprachige Astroblogs gibt. Aber immerhin handelt es sich ja um das "internationale" Jahr der Astronomie - da ist englisch sicher keine schlechte Wahl um möglichst viele Menschen zu erreichen).
Ich kann allen, die an der Astronomie interessiert sind, nur empfehlen, regelmäßig beim Cosmic Diary vorbeizuschauen bzw. den Feed zu abonnieren.
Und schließlich habe ich das neue Jahr auch genutzt, um meine Blogroll mal wieder zu aktualisieren. Ich habe mich dazu entschieden, alle Links zu meine Kolleginnen und Kollegen von Scienceblogs.de zu entfernen. Nicht, weil ich die Blogs nicht gut finde (ganz im Gegenteil!). Aber die ScienceBlogs sind durch die Plattform sowieso alle recht gut untereinander vernetzt - da wollte ich den Platz in der Blogroll lieber für Links zu externen Blogs nutzen. Ich habe meine Links nun auch nach Themengebieten sortiert. Einige neue Blogs sind neu in die Liste gekommen. Z.B. amphibol, das Blog des Geologen Gunnar Ries oder Strange Maps, ein wunderbares Blog über seltsame und interessante Karten aller Art. Neu in der Blogroll sind auch die Physik-Blogs Timeblog und physikBlog oder Rational Moms und Science-Based Parenting, zwei Blogs, die sich mit Kindererziehung beschäftigen (und auch der Rest der Blogroll ist natürlich lesenswert!)
Ich wünsche allen viel Spaß im Jahr der Astronomie und viel Spaß beim Lesen der diversen Blogs!
Autor: Florian Freistetter· 03.01.09 · 00:50 Uhr· 5 Kommentare
01. Januar 2009
Überprüfung verboten? Astrologische Prognosen dürfen nicht zitiert werden
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 68

Michael Kunkel nimmt auf Wahrsagercheck.de und dem zugehörigen Blog schon seit Jahren die Prognosen der diversen Astrologen, Wahrsager und Seher unter die Lupe.
Das Jahresende ist dort immer eine sehr arbeitsreiche Zeit - denn da steht die große jährliche Überprüfung an: stimmten die Vorhersagen, die für das vergangene Jahr getroffen wurden?
Da die Antwort meistens "Nein" lautet, sind die Propheten verständlicherweise nicht sehr begeistert von Kunkels Analysen. Nun will sogar einer von ihnen, Malkiel Rouven Dietrich (der sich auch "Lestat" nennt), juristisch dagegen vorgehen, dass man seine geplatzen Vorhersagen erwähnt. Kunkel wurde aufgefordert, alle direkten Zitate aus Dietrichs Vorhersagen und alle Verlinkungen zu den entsprechenden Seiten zu entfernen (nichtmal speichern darf Kunkel die Texte von Dietrich).
Freundlicherweise kam Kunkel diesen Wünschen nach - verzichtete aber trotzdem nicht darauf, in seinem Blogeintrag darzulegen, dass Dietrichs Vorhersagen falsch waren. Dies scheint wohl auch das eigentliche Problem zu sein - denn gestern verkündete Dietrich, dass er die Angelegenheit nun von seinem Medienanwalt prüfen lassen will.
Ich bin absolut kein Jurist - aber es gibt immerhin ein Zitatrecht. Und wenn ein Astrologe seine Vorhersagen frei zugänglich im Internet veröffentlicht, dann muss er auch damit rechnen, dass er zitiert wird. Vielleicht liest ja eine Juristin oder ein Jurist mit, und kann Bescheid sagen, ob hier wirklich ein Verstoß gegen das Urheberrecht vorliegt.
Mir scheint es aber eher so zu sein, dass Dietrich verärgert ist, dass man ihn an seine falschen Prognosen erinnert. Immerhin "wurde ihm die Kunst des Wahrsagens schon in die Wiege gelegt" und seine Familie "beschäftigt sich seit sieben Generationen mit der Astrologie und dem Kartenlegen". Außerdem hat er ein "dreijähriges Vollzeitstudium der astrologischen Wissenschaften (sic!)" absolviert und "besitzt die Gabe, in einer leichten Trance einen exakten Schicksalsweg des Fragenden zu sehen". Bei so einem Lebenslauf ist es natürlich ärgerlich, wenn einem öffentlich nachgewiesen wird, dass es mit der Prognosefähigkeit doch nicht immer so ganz klappt. Es scheint sich wieder mal der Eindruck zu bestätigen, dass viele Anhänger esoterischer Disziplinen Kritik eher schlecht vertragen.
Hier einem Blogger gleich mit dem Anwalt zu drohen ist natürlich keine recht gute Idee von Dietrich gewesen. So etwas funktioniert im Web 2.0 kaum (das konnte man erst kürzlich beobachten, als der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann (Die Linke) Wikipedia verklagte).
Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Sache weitergeht. Und Michael Kunkel wünsche ich viel Erfolg mit seinem Blog und weiterhin gutes Gelingen bei der Überprüfung der Propheten!
Nachtrag: Mittlerweile wird zu diesem Thema auch bei Stefan-Niggemeier diskutiert. Und Herr Dietrich hat dort sogar einen Kommentar abgegegen.
Autor: Florian Freistetter· 01.01.09 · 18:52 Uhr· 68 Kommentare
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