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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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Archiv November 2008

30. November 2008

Das Blog-Teleskop #14

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

blogteleskop.jpg

Diesmal hat sich leider niemand gefunden, der das Blog-Teleskop beherbergen möchte - darum steht es wieder mal bei mir.

Was hat sich also getan, in den vergangenen 2 Wochen?

 
So - das wars für diese Ausgabe. Ich würde mich freuen, wenn das Blog-Teleskop in 2 Wochen wieder weiterzieht und eine temporäre Heimat in einem anderen Blog findet. Wer Interesse hat, soll sich bei mir melden (es muss auch nicht zwingend ein astronomisches Blog sein - das Teleskop kann überall aufgestellt werden ;) )

Autor: Florian Freistetter· 30.11.08 · 18:00 Uhr· 2 Kommentare

29. November 2008

Der Missbrauch des legitimen Gefühls des Staunens

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 48

Da es Amazon heute nicht geschafft hat, mir meine Bücher zu liefern (für was gibt es denn die Option Premiumversand dann eigentlich?) musste ich auf meine eigene Bibliothek zurückgreifen.

Das war aber auch kein Fehler - denn auch wenn ich "Der entzauberte Regenbogen. Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie" von Richard Dawkins schon kenne, ist es trotzdem immer wieder ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen!

regenbogen.jpg

Diesmal ist mir gleich zu Begin ein schönes Zitat aufgefallen. Dawkins bezeichnet Esoterik und Parapsychologie als

"(...) Missbrauch des legitimen Gefühls des Staunens (...), das eigentlich von echter Naturwissenschaft genährt werden sollte."

Das ist eine sehr gute Beschreibung der ganzen Esoterik- und Pseudowissenschaftsmisere. Der Mensch ist grundsätzlich neugierig und liebt das Geheimnisvolle. Diese Eigenschaft wird von den verschiedenen esoterischen und pseudowissenschaftlichen Disziplinen (wohl nicht immer absichtlich) ausgenutzt.

Eigentlich ist unser Universum an sich und alles was es enthält faszinierend genug, um den Wunsch der Menschen nach Faszination und Staunen zu befriedigen. Jeder der z.B. einmal ein Buch über moderne Kosmologie gelesen hat, wird mir zustimmen, dass die Realität interessanter und geheimnisvoller ist, als alles, was sich irgendein Esoteriker ausdenken könnte.

Aber viele Menschen sehen diese Seite der Naturwissenschaften nicht. Für sie ist alles was mit Wissenschaft zu tun hat, uninteressant, kompliziert, gefühllos, kalt, entmenschlicht, usw. Die vorherrschende Stimmung reicht von einfachem Desinteresse bis hin zu dezidierter Wissenschaftsfeindlichkeit. Eigentlich absurd, denn mehr als alles andere ist unsere moderne Welt durch Wissenschaft geprägt und entstanden. Da sollte man eigentlich meinen, dass sich mehr Menschen dafür interessieren, worauf ihre Welt und ihr Alltag eigentlich basiert.

Aber, ganz im Gegensatz dazu, wollen viele Menschen auch gar nicht erst Bescheid wissen bzw. Antworten auf Fragen erhalten. Das sind Leute, die (wie Dawkins schreibt)

"(...) sich im Rätselhaften aalen und sich verraten fühlen, wenn man ihnen eine Erklärung liefert."

Genau dieser Einstellung will "Der entzauberte Regenbogen" entgegen wirken. Der Titel bezieht sich auf ein Gedicht von John Keats, in dem dieser sich darüber beschwert, dass Newton durch seine optischen Experimente die Entstehung eines Regenbogens erklärt hatte und diesem Naturschauspiel damit sein Wunder und seine Erhabenheit genomme habe:

"Do not all charms fly
At the mere touch of cold philosophy?
There was an awful rainbow once in heaven:
We know her woof, her texture; she is given
In the dull catalogue of common things.
Philosophy will clip an Angel's wings,
Conquer all mysteries by rule and line,
Empty the haunted air, and gnomed mine--
Unweave a rainbow, as it erewhile made."

Wie falsch dieser Vorwurf ist, wird klar, wenn man Dawkins Buch liest. Gut erläutert hat diese Problematik hat auch der große Physiker Richard Feynman. Als ihm vorgeworfen wurde, dass ein Naturwissenschaftler, der eine Blume untersucht, deren Schönheit nicht  würdigen könnte, antwortete er:

"Die Schönheit, die sie für dich hat, entgeht mir keineswegs. Aber ich sehe auch eine tiefere Schönheit, die sich anderen nicht ohne weiteres erschließt. Ich sehe die komplizierte Wechselbeziehungen in der Blüte. Die Blüte ist rot gefärbt. Sie hat eine Farbe - bedeutet das, dass sie sich in der Evolution entwickelt hat, um Insekten anzulocken? Damit haben wir eine neue Frage. Können Insekten Farben sehen? Haben sie ein Gespür für Ästhetik? Und so weiter. Ich verstehe nicht, wie eine Blüte an Schönheit verlieren soll, wenn wir sie untersuchen. Es kommt immer nur Schönheit hinzu."

Genau das ist der Punkt! Wissenschaft und Erklärungen nehmen der Welt nichts von ihrem Reiz! Sie sorgen nur dafür, dass wir unsere Umwelt besser verstehen und ihre Schönheit, ihren Zauber tiefer und besser würdigen können! Wer die Wissenschaft ausschließt, der bringt sich selbst um einen gewaltigen Kosmos voller Wunder und Faszination!


Autor: Florian Freistetter· 29.11.08 · 19:26 Uhr· 48 Kommentare

28. November 2008

Wasser am Saturnmond Enceladus nachgewiesen?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

Über die Raumsonde Cassini und ihre Erforschung des Saturnmondes Enceladus habe ich schon Mitte August geschrieben. 2005 haben Forscher nach Auswertung der Cassini-Daten festgestellt, dass es auf Enceladus Kryovulkanismus gibt. Also im Prinzip vulkanischen Aktivitäten, die allerdings nicht auf geschmolzenen Gestein basieren, sondern auf Eis.

Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 2005 kann man erkennen, wie Eis- und Staubteilchen von der Oberfläche des Mondes ins Weltall schießen:

ence1.jpg

Diese Teilchen sind auch die Hauptquelle für das Material, aus dem der E-Ring (der breiteste der Saturnringe) besteht. Enceladus scheint also ein höchst interessanter Himmelskörper zu sein. Deswegen wurde er von Cassini auch nochmal besucht und diesmal aus allernächster Entfernung erforscht.
Mittlerweile haben die Wissenschaftler die ersten Ergebnisse erhalten. Und die sind nicht weniger spektakulär, als die bisherigen Resultate!

Eines der großen Rätsel war der genaue Mechanismus, wie die "Geysire" aus Eis und Staub auf Enceladus funktionieren. Und vor allem: ist bei diesen Prozessen flüssiges Wasser involviert oder nur Eis? Man vermutete, dass die Gezeitenkräfte von Saturn dafür sorgen, dass Risse in der Oberfläche des Mondes aufbrechen und dabei die beobachteten Ausbrüche aus Eis und Staub erzeugt. Die durchgeführten Messungen bestätigen diese Theorie aber nicht - die Ausbrüche hängen nicht mit den Gezeiten zusammen.

Candice Hansen vom Cassini Team fand aber Hinweise, dass eine andere Theorie, bei der flüssiges Wasser eine Rolle spielt, eventuell richtig ist. In der Arbeit "Water vapour jets inside the plume of gas leaving Enceladus" die gestern in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde, werden die Ergebnisse ihrer Messungen erklärt. Sie fanden, dass sich die Menge an Wasserdampf in den Geysiren entgegen der Erwarten von 2005 bis 2007 deutlich erhöht hat.

Die Autoren der Arbeit sind der Meinung, dass diese Mengen an Wasserdampf und Eisteilchen nur von einer warmen Quelle unterhalb der vereisten Oberfläche des Mondes erzeugt werden können (so ähnlich wie der unterirdische Wostoksee in der Antarktis). Die Risse in der Oberfläche von Enceladus (die sg. "Tiger Stripes") wirken dann wie Düsen, die die beobachteten Geysire erzeugen.

Noch ist die Sache etwas unklar - aber die Cassini Mission wurde verlängert. Und eines der wichtigsten Ziele ist nun die weitere Untersuchung von Enceladus - um genau die noch unklaren Fragen zu klären. Die Bestätigung, dass auf Enceladus tatsächlich flüssiges Wasser existiert, wäre wirklich außergewöhnlich und hätte großen Einfluss auf zukünftige astrobiologische Forschungen. Denn wo flüssiges Wasser ist, dort ist unter Umständen auch Leben nicht weit...

ence2.jpg

Autor: Florian Freistetter· 28.11.08 · 22:16 Uhr· 1 Kommentar

27. November 2008

Hilfsbedürftige Satelliten

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

G-ESP-2004-1-low.jpg

Gerade habe ich einen interessanten Vortrag im Instituts-Kolloquium gehört. Es geht dabei um den europäischen Satelliten GAIA (Bild rechts, ESA). Das bedeutet "Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik". Von diesem Satellit, der im Dezember 2011 starten soll, erwarten sich die Astronomen enorm viel!

Ziel der Mission ist es - simpel gesagt - die Positionen der Sterne in unserer Milchstrasse (zumindest der meisten) extrem genau zu vermessen. Das klingt vielleicht ein bisschen langweilig - ist aber ziemlich wichtig! Denn nur wenn die Positionen der Sterne genau genug bekannt sind, lässt sich weitere Forschung, z.B. über Entstehung und Entwicklung der Milchstrasse, darauf aufbauen.

Und als Nebenprodukt wird GAIA noch jede Menge andere Objekte am Himmel entdeckt. Man schätzt dass

  • bis zu einer Million Asteroiden und Kometen innerhalb unseres Sonnensystems
  • dreißigtausend Planeten außerhalb unseres Sonnensystems
  • fünfzigtausend "misslungene" Sterne, sogenannte Braune Zwerge
  • mehrere hunderttausend erloschene Sternüberreste, sogenannte Weiße Zwerge
  • zwanzigtausend explodierende Sterne, sogenannte Supernovae
  • hunderttausende weit entfernte aktive Galaxien, sogenannte Quasare
von GAIA entdeckt werden können (Quelle). Und eventuell auch die Werkzeugtasche von der ISS ;)

Und das ist dann doch recht beachtlich. Kein Wunder also, dass Astronomen auf der ganzen Welt auf eine erfolgreiche Mission der europäischen Weltraumagentur ESA hoffen.

Damit GAIA aber so exakt funktioniert, wie man es sich erhofft, ist es notwendig, die Position des Satelliten am Himmel genau zu kennen (der Ort muss auf etwa 150 Meter und die Geschwindigkeit auf 2,5 mm pro Sekunde bekannt sein). Denn wenn man nicht genau weiß, wo sich der Satellit befindet, kann man auch die Positionen der Himmelsobjekte nicht genau bestimmen (bzw. nur mit einer geringeren Genauigkeit). Am Besten wäre es also daher, wenn man 2 seperate Bodenstationen hätte - dann kann der Satellit aus 2 verschiedenen Richtungen angepeilt werden und die Positionsbestimmung ist kein Problem.

Nun will (kann?) die ESA aber kein Geld für eine zweite Bodenstation ausgeben und man muss sich etwas anderes überlegen, um die Position von GAIA zu bestimmen. Dieses Problem war Thema des Vortrags. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass man probiert, den Satelliten mit Teleskopen von der Erde aus zu beobachten. Das ist allerdings nicht unbedingt trivial: so ein Satellit ist der Erde zwar vergleichsweise nahe (GAIA befindet sich aber mit 1,5 Millionen Kilometern trotzdem sehr weit entfernt), er ist aber auch extrem klein und leuchtschwach (GAIA wird in etwa 19 Magnituden haben). 

Hinzu kommt, dass der Satellit für die gesamte Dauer der Mission (mindestens 5 Jahre) täglich beobachtet werden muss. Die Leute von GAIA-GBOT (GAIA-Ground Based Optical Tracking) müssen im Moment also jede Menge technische und astronomische Probleme lösen, um GAIA von der Erde aus so genau beobachten zu können. Sie sind aber auch auf der Suche nach Sternwarten, die ein bisschen ihrer Beobachtungszeit für die GAIA-Messungen zur Verfügung stellen. Den idealerweise sollte der Satellit von mehreren Sternwarten aus ins Visier genommen werden (und ein paar sollte man auch immer in Reserve haben, falls mal schlechtes Wetter ist).

Schon irgendwie absurd: Da wird eine Weltraummission der Superlative gestartet und knapp eine halbe Milliarde Euro investiert. Aber eine vergleichsweise kleine Summe für eine zweite Bodenstation, um die Fähigkeiten des Satelliten optimal auszunutzen und die hohe Genauigkeit der Messdaten zu bekommen, ist dann nicht mehr drin. Stattdessen ist man nun auf den guten Willen der internationalen astronomischen Community angewiesen die hoffentlich genug Beobachtungszeit an geeigneten Teleskopen zur Verfügung stellt.

Aber so was kommt leider öfter vor als man denkt. Zuerst wird viel investiert - und später werden schon geringste Kosten gescheut, die aber nötig wären um z.B. die Daten, die man aus einer teuren Weltraummission erhalten hat, auch vernünftig auszuwerten.

Naja - ich denke mal die GAIA-Mission wird trotz allem höchst erfolgreich sein. Es werden sich sicherlich genügend Sternwarten finden, die hier bei der Beobachtung mithilfen (außerdem gibt es noch alternative Pläne falls das mit der bodengebundenen Beobachtung doch nicht klappen sollte). Aber ein bisschen gewundert habe ich mich über die europäische Weltraumforschung trotzdem wieder mal.

Autor: Florian Freistetter· 27.11.08 · 13:55 Uhr· 6 Kommentare

23. November 2008

Planet bei Beta Pictoris gefunden?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 8

Erst vor knapp einer Woche habe ich über die erste (diesmal vermutlich wirklich) direkte Aufnahme eines extrasolaren Planeten berichtet. Am Freitag wurde eine weitere (mögliche) direkete Beobachtung bekanntgegeben: französische Forscher haben vielleicht einen Planeten um den Stern Beta Pictoris gefunden - und ich habe das vorhergesagt ;) !

Beta Pictoris ist ein sehr junger Stern; außerdem ist er von einer sg. Trümmerscheibe aus Asteroiden und anderen Kleinkörpern umgeben. Das weiß man, weil man eine ausgedehnte Scheibe aus Staub um diesen Stern beobachten kann. Und dieser Staub muß irgendwo produziert werden - das erledigen Kollisionen zwischen den Asteroiden. Wegen verschiedener Anomalien in der Struktur des Staubs vermutet man schon länger, dass sich dort mindestens ein Planet befindet.

Anne-Marie Lagrange von der Universität Grenoble und ihr Team haben so einen Planeten nun möglicherweise entdeckt! Dazu war es nötig, die helle Strahlung des Sterns rechnerisch zu "entfernen". Auf dem verbleibenden Bild war eine helle, punktförmige Quelle zu erkennen (zum Vergrößern anklicken):

phot-42b-08-fullres.jpg

Man sieht hier deutlich die Staubscheibe (in rot-gelb). Der innere Bereich und das Licht das Sterns wurde ausgeblendet; der mögliche Planet ist als hellblauer Punkt zu erkennen (er wird im Bild als "Beta Pictoris b" bezeichnet).

Die Forscher vermuten, dass dieser Planet etwa achtmal schwerer als Jupiter ist und sich etwa so weit von seinem Stern entfernt befindet, wie der Saturn von unserer Sonne. Natürlich besteht noch die Möglichkeit, dass es sich um ein Hinter- bzw. Vordergrundobjekt handelt, das mit Beta Pictoris nichts zu tun hat. Aber erste Analysen älterer Aufnahmen sprechen dagegen. Außerdem könnte dieser Planet auch die Anomalien in der Staubscheibe erklären - die Chancen stehen also gut, dass es sich hier wirklich um einen Planeten handelt!

Beta Pictoris interessiert mich persönlich ganz besonders. Vor 2 Jahren habe ich nämlich selbst eine Arbeit veröffentlicht, in der ich mich mit eventuellen Planeten von Beta Pictoris beschäftigt habe. Ich habe dabei die Interaktion von Asteroiden mit Planeten untersucht und wollte dabei folgende Frage beantworten: Wie viele Planeten mit welchen Eigenschaften sind nötig, um die Asteroiden gravitativ so zu stören, dass genau die beobachtete Staubverteilung entsteht.

Ich habe verschiedene Simulationen durchgeführt und schließlich gefunden, dass mindestens 3 Planeten nötig sind: ein sehr schwerer sehr nahe am Stern und 2 leichtere Planeten (vergleichbar mit Saturn und Neptun) weiter außen. Folgendes Diagram aus meiner Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen:

betapic.jpgAuf der x-Achse ist die Entfernung der Planeten von Beta Pictoris aufgetragen (der Wert ist logarithmisch und in Astronomischen Einheiten angegeben); auf der y-Achse die Masse der Planeten (ebenfalls logarithmisch; in Einheiten der Jupitermasse). In schwarz sind die Planeten eingezeichnet, die ich vorhergesagt habe; grau ist die Vorhersage einer anderen Arbeit (nicht von mir) und in rot habe ich die Position des neu entdeckten Planeten eingezeichnet.

Eigentlich sollte der Planet auf der schwarzen Linie liegen: denn dann würde er ein der Anomalien in der Staubscheibe erklären: eine Verdrehung, den sogenannten "warp". Die Masse von Beta Pictoris b ist aber noch recht ungenau bestimmt - es kann gut sein, dass sie etwas kleiner ist und dann würde der Planet auch auf der Linie landen (und gut mit meiner und den anderen Vorhersagen übereinstimmen). So sehen das auch die Entdecker in ihrem Artikel (und haben meine Arbeit sogar zitiert ;) ).

Eine spannende Sache jedenfalls! Ich hoffe, ich finde in meinem aktuelle Stress bald ein bisschen Zeit, um mir das alles genauer ansehen zu können. Wenn sich die Entdeckung bestätigt, dann wäre das die erste direkte Beobachtung eines sehr nahen Exoplaneten - die bisher direkt beobachteten Planeten befinden sich ja alle sehr weit entfernt von ihrem Stern. Diese Entdeckung wäre dann ein weiterer wichtiger Schritt vorwärts bei der Erforschung der extrasolaren Planeten!

Autor: Florian Freistetter· 23.11.08 · 21:00 Uhr· 8 Kommentare

19. November 2008

Anthroposophische Streukügelchen gegen Erkältung?

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 154

Ich bin immer noch gewaltig im Stress. Nachdem ich mich in den letzten Tagen mit dem bürokratischen Overkill beschäftigt habe, der anfällt, wenn man an einer deutschen Uni arbeiten möchte und festgestellt habe, dass es fast unmöglich ist, in Heidelberg ein WG-Zimmer zu kriegen muss ich morgen früh um 5 schon nach Frankfurt um ein Flugzeug nach Madrid zu kriegen.

Keine Zeit also für lange Artikel. Aber ein kleines Fundstück von meiner Bahnfahrt am Montag möchte ich noch präsentieren. Ich habe mich ja schon mal über Homöopathie-Werbung in Apotheken geärgert. Diesmal habe ich dieses schöne Plakat an einem Bahnsteig gesehen (ich konnte es leider nicht in seiner Gesamtheit fotografieren, darum gibt es mehrere Bilder):


bild1.jpg
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Der Hinweis auf die Familie und die Mutter mit Kind darf natürlich auch hier nicht fehlen. Aber immerhin scheint jetzt endlich mal jemand ein Mittel gegen Schnupfen gefunden zu haben!

Das "Kleingedruckte" lässt mich dann aber doch ein bisschen zweifeln:

bild4.jpg"Streukügelchen" - das klingt irgendwie sehr nach homöopathischen Globuli. Und vor allem der Satz:

"Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis."
zeigt, dass es sich hier kaum um seriöse Medizin handeln kann. Die wirre Weltsicht des Rudolf Steiner, gepaart mit homöopathischen Hokuspokus, ist sicher nicht geeignet, irgendwelche konkreten Krankheiten zu heilen.

Kennt jemand vielleicht diese Produkte besser und kann erklären, was es mit diesem seltsamen Satz von den anthroposophischen Anwendungsgebieten auf sich hat?

Autor: Florian Freistetter· 19.11.08 · 17:56 Uhr· 154 Kommentare

16. November 2008

Das Blog-Teleskop #13

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Heute steht die dreizehnte Ausgabe des Blog-Teleskops in Frank Leiters Blog Asterythms. Dieses Blog ist eines der wenigen deutschsprachigen Blogs (wenn nicht gar das einzige) eines Amateurastronomen. Die dort veröffentlichten astronomischen Bilder sind aber trotzdem auf jeden Fall sehenswert! Schaut mal vorbei.

blogteleskop.jpg


Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 16.11.08 · 16:15 Uhr· 2 Kommentare

Auf dem Weg nach Heidelberg

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 13

ari-front1.jpgMorgen geht's nach Heidelberg! Wie ich schon vor 2 Wochen geschrieben habe, habe ich dort für die nächsten 2 Jahre eine Stelle am Astronomischen Recheninstitut (ARI). Am Dienstag ist mein erster Arbeitstag; am Donnerstag darf ich gleich zu einer Konferenz nach Madrid fliegen. Es wird also vermutlich eine stressige Woche werden - also nicht wundern, wenn wenig bis keine neuen Einträge hier im Blog bzw. Antworten auf Kommentare kommen.

Ich hoffe, dass ich mich schnell einlebe und dann wieder im gewohnten Rhythmus bloggen kann. Einige längere Artikel sind schon in Planung: ich will eigentlich schon seit Wochen endlich mal einen ausführlichen Artikel zur Astrologie schreiben. Sicher kommen wird auch noch eine Nachbetrachtung zu Uri Gellers Alien Sendung von gestern. Ich habe dazu schon einige interessante Kommentare von Prof. Heino Falcke gesammelt (der in dieser Show als Astronomieexperte teilgenommen hat). Da scheint sich eine spannende Diskussion zum Thema "Wie geht man als Wissenschaftler mit unwissenschaftlichem Unsinn in den Medien um?" abzuzeichnen.

Für heute ist eigentlich auch noch die Veröffentlichung des Blog-Teleskops #13 geplant. Diesmal soll es in Frank Leiters Blog Asterythms stattfinden - eins der wenigen (das einzige?) Blogs eines Amateurastronomen. Sobald der Beitrag dort erscheint, werde ich aber nochmal gesondert darauf verlinken.

Und meine Leserinnen und Leser aus Heidelberg muss ich noch fragen, was man in Heidelberg auf gar keinen Fall verpassen darf. Über entsprechende Tipps und Hinweise würde ich mich freuen!


Autor: Florian Freistetter· 16.11.08 · 15:27 Uhr· 13 Kommentare

15. November 2008

Uri Gellers Alien-Show: ein Livebericht

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 31

ufo.jpgHeute Abend startet Pro7 zu einem neuen Höhenflug in Sachen Publikumsverdummung. Löffelbieger Uri Geller will mit Außerirdischen reden.

Dazu hat er sich "kompetente" Unterstützung in die Show geholt. Erich von Däniken wird da sein - über seine seltsamen Theorien habe ich ja erst letztens einen Beitrag geschrieben. Auch die mittlerweile völlig durchgeknallte Nina Hagen wird gemeinsam mit Uri Geller auf Alien-Suche gehen. Sie mag ja früher mal das eine oder andere gute Lied gesungen haben ("Du hast den Farbfilm vergessen" mag ich wirklich gerne) - aber im Laufe der Zeit ist sie immer weiter in grenzwertige Bereiche abgedriftet. Sie hält sich vermutlich selbst für einen offenen und toleranten Mensch - aber wenn man sich ansieht, wie sie mit Kritikern umgeht, dann verblasst dieser Eindruck schnell. Jemanden, der Joachim Bublath mit George W. Bush vergleicht und ihn als "evil alien" bezeichnet, kann ich nicht ernst nehmen. Als dritter im Bunde wird Vincent Raven mit dabei sein. Den werden die meisten wohl schon vergessen haben - er war der seltsame Schweizer "Mentalist" der mit seinen Geistergeschichten die Show "The next Uri Geller" gewonnen hat.


Dieses "Experten"-Team will also Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen. Natürlich auf irgendeine geistige, telepathische Art und Weise. Wozu Geller dann trotzdem ein großes Radioteleskop benötigt, weiß keiner. Wahrscheinlich soll damit der Eindruck erweckt werden, es handle sich um eine wissenschaftliche und seriöse Angelegenheit. Ich hab ja schon in meinem früheren Beitrag gerätselt, welche Einrichtung ihr Teleskop für so eine Sendung zur Verfügung stellt. So wie es aussieht, hat Geller irgendwo in der Ukraine ein Teleskop aufgetrieben. Vielleicht gar das UTR-2 (Ukrainian T-shaped Radio telescope, second modification) der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften - das größte Kurzwellenradioteleskop der Welt? Außerdem soll auch noch ein "Professor für Astrophysik und Radioastronomie" sein, der den "technischen Ablauf überwacht". Ich bin schon gespannt, ob sich da wirklich ein echter Radioastronom für diese Show hergegeben hat. Das es vollkommen sinnlos ist, in einer Fernsehshow, die nur ein paar Stunden dauert, per Radiosignal mit Außerirdischen reden zu wollen, sollte ja jedem klar sein, der auch nur rudimentäre naturwissenschaftliche Kenntnisse hat.

So dumm diese Sendung auch werden wird - sie bietet mir zumindestens die Möglichkeit, mal ein neues Tool auszuprobieren: Cover it live. Damit soll sich eine "Live-Berichterstattung" mühelos in ein Blog einbinden lassen. Ich werde das heute Abend mal während der Geller-Sendung ausprobieren. Wenn alles klappt, sollte hier dann ab 20:15 mein Livebericht zur Sendung erscheinen:



Wenn es irgendwelche Probleme bei der Betrachtung geben sollte, sagt einfach Bescheid!

Nachtrag: Hat ja recht gut funktioniert mit dem Live-Blog. Am Ende haben 124 Leute mitgelesen. Wer die ganze Sache nachlesen möchte - einfach auf die Anwendung oben klicken.


Autor: Florian Freistetter· 15.11.08 · 14:52 Uhr· 31 Kommentare

14. November 2008

Weltuntergang 2012: bald auch im Kino

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 348

Vorschaubild für 2012bannerneu.jpg

(Anmerkung: Hier gibt es nur eine kurze Information zum Kinofilm "2012". Hier findet man einen ausführlichen Artikel zum Maya-Kalender, zum Planeten Nibiru und zum angeblichen Weltuntergang am 21.12.2012). Nicht nur Erich von Däniken erwartet Besonderes (die Landung von Außerirdischen) für den 21. Dezember 2012. In den diversen Esoterik- und Pseudowissenschaftsforen sammeln sich die Spekulationen, was an diesem "mysteriösen" Tag, an dem der Maya-Kalender endet (genauer: eine Epoche geht zu Ende, eine neue beginnt), passieren wird. Von einer Kollision mit dem Planeten Nibiru, über den Einschlag eines Asteroiden bis hin zum Übertritt der Erde in höhere, feinstoffliche Ebenen bzw. Dimensionen (?), ist alles zu finden. Natürlich gibt es keinerlei Grundlage für die Vermutung, an diesem Tag würde irgendetwas Außergewöhnliches passieren.

Das hindert Hollywood aber nicht, die 2012-Thematik für einen Film zu nutzen. Roland Emmerich hat sich des Weltuntergangs angenommen. Nun gibt es einen ersten Trailer zu seinem Film "2012":


Hmm - das sieht wirklich nach Weltuntergang aus ;) Ich bezweifle zwar stark, dass ein Tsunami dieser Größenordnung überhaupt entstehen kann. Falls doch, dann kommt als Auslöser wohl nur eine Kollision der Erde mit einem (großen!) Asteroiden in Frage. Und so ein Ereignis lässt sich - im Gegensatz zur Behauptung im Trailer - nicht geheimhalten.

Es scheint sich also um einen Film der Gattung "Hirn abschalten und amüsieren" zu handeln -
mal sehen, wie es wirklich wird (bei "Armageddon" hat diese Taktik zumindest gut funktioniert).

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Ähnliche Artikel: 2012-FAQ, Kein Weltuntergang am 21.12.2012 Teil 1, Kein Weltuntergang am 21.12.2012 Teil 2, NASA und Nibiru,Der Nostradamus-Effekt: Weltuntergang 2012, Warum es Planet X nicht geben kann, 2012 und der gefährliche Sonnensturm, Werden die Planeten 2012 in einer Reihe stehen?, Es kommt kein Synchronisationsstrahl aus dem Zentrum der Milchstrasse, 9/11, Weltuntergang 2012 und das Beben in Japan, Bewusstseinssprung 2012 Teil 1, Bewusstseinssprung 2012 Teil 2, Es wird 2012 keinen Polsprung geben, Alles dreht sich, alles bewegt sich: die Sonne, die Milchstrasse und 2012, Das "Institut für Human Continuity" ist ein Fake, Nicht jeder Planet X ist gefährlich, 2012 und der mysteriöse Bunker in Norwegen, Was sagen eigentlich die Maya zum Weltuntergang 2012, Die Jagd nach Planet X, Nibiru- und 2012-Unsinn gesucht, Beteigeuze und der Weltuntergang 2012, Weltuntergang 1999, Wann können wir Planet X sehen?, Es gibt keine Bilder von Planet X, Ein spontaner Polsprung?, Kann uns Planet X überraschen?, "Sonnenstürme - Bedrohung aus dem All" beim ZDF, Ist das Vogelsterben ein Vorbote des Weltuntergangs?, 2012, Chemtrails und die vielen Erdbeben, Der falsche Maya-KalenderDer neue Stern von Benjamin Creme, Penn & Teller: Bullshit 2012, Planet X ist weit weg, Weltuntergang 2012: bald auch im Kino, 2012 - Das Ende aller Zeiten (Buch), Erich von Däniken: Götterdämmerung, 2012, die Maya und Roland Emmerich: ein neuer Trailer

Autor: Florian Freistetter· 14.11.08 · 14:52 Uhr· 348 Kommentare

13. November 2008

Das erste Bild eines extrasolaren Planeten (diesmal wirklich)!

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 30

Heute hat die NASA ihre angekündigte "große Entdeckung" veröffentlicht. Es ist gelungen, einen extrasolaren Planeten direkt zu fotografieren!

Aber hatten wir das nicht schon mal? Richtig - Mitte September ging schonmal das "erste Bild" eines Exoplaneten durch die Medien (Ludmila berichtete). Und auch davor gab es schon einige "erste" Bilder - in meinem Beitrag "Bilder von Exoplaneten" habe ich damals schon über diese Problematik geschrieben.

Aber wo genau liegt den nun das Problem mit der Abbildung von Exoplaneten?

Nur ein heller Fleck

Bis jetzt fand man die meisten Exoplaneten indirekt - also ohne sie wirklich zu sehen. Man benutzte dazu z.B. die Tatsache, dass ein Stern mit einem Planeten ein kleines bisschen "wackelt", weil der Stern vom Planet gravitativ beeinflusst wird. Dieses Wackeln kann man messen und man weiß sofort, dass dieser Stern einen Begleiter haben muss und kann auch die Masse einigermassen gut abschätzen. Ist der Begleiter klein genug, hat man einen Planeten entdeckt.

Bei der direkten Beobachtung ist das anders. Hier sieht man erstmal nur 2 Lichtpunkte die nahe bei einander stehen. Das kann in diesem Stadium noch alles mögliche sein. Um herauszufinden, ob es sich um einen Planeten handelt, muss man zuerst sicherstellen, dass der Stern und der potentielle Begleiter sich auch gemeinsam am Himmel bewegen. Denn bei dem "Planeten" könnte es sich ja auch um einen schwach leuchtenden Hintergrundstern handelt. Deswegen misst man die Eigenbewegung der beiden Objekte (was oft einige Jahre dauern kann) und hofft, dass sich beide auf die gleiche Art und Weise bewegen. Ist das der Fall, weiß man aber immer noch nicht, ob es sich um einen Planeten handelt oder beispielsweise einen braunen Zwerg. Dazu muss man die Masse des Objekts bestimmen. Nach der momentan gültigen Konvention unter den Astronomen darf ein Planet nicht mehr als dreizehnmal so schwer sein wie Jupiter.

Hat man allerdings nur die Informationen aus der direkten Fotografie, ist es sehr schwer, die Masse zu bestimmen. Man muss dazu die Bestandteile des Lichts analysieren, die der vermutete Planet aussendet. Dieses Spektrum kann dann mit Modellen verglichen werden aus denen sich die Masse bestimmen läßt (die meistens mit sehr großen Fehlern behaftet ist).

Hinzu kommt, dass man Planeten meistens am besten im Infrarot-Licht sieht. Es ist also einfacher, ihre Wärmeabstrahlung zu beobachten als den Planeten selbst, im optischen Licht. Auch deswegen sollte man bei vielen "direkten Beobachtungen" eher von "Thermalbildern" oder "Wärmebildern" sprechen, als einfach nur von "Bildern".

Aber wie sieht das nun mit der "großen Entdeckung" der NASA aus?

Ein Planet bei Fomalhaut

Wie in der morgigen Ausgabe von Science zu lesen sein wird, hat ein Team um den amerikanischen Astronom Paul Kalas, einen Planeten beim Stern Fomalhaut direkt beobachtet.

Dort hatte man schon lange einen Planeten vermutet. Dieser Stern (der knapp 25 Lichtjahre entfernt ist) ist von einer großen Scheibe bzw. einem Ring aus Staub und Trümmern (Asteroiden) umgeben, wie man auf dieser Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops sehen kann (das Licht des Sterns wurde hier künstlich abgeschwächt um den Ring sichtbar zu machen):

800px-Fomalhaut_ring_hst_2004.jpg
Bild: NASA/ESA

Verschiedene Anomalien in dieser Staubscheibe legten die Vermutungen nahe, dass sich dort ein Planet befinden könnte (Ludmila hat heute schon mehr zum Thema Planeten und Staubscheiben geschrieben). Und dieser Planet wurde nun scheinbar wirklich entdeckt!

Auf dieser Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops kann man ihn sehen:

fomalhaut2.jpg
Bild: NASA/ESA

Dieser Planet leuchtet etwa eine Milliarde mal schwächer als der Stern - man kann sich also vorstellen, wie schwer es war, ihn zu finden. Deswegen dauerte es lange, bis man sich sicher war, das es sich um einen Planeten handelte. Aus Aufnahmen, die 2004 und 2006 gemacht wurden, konnte Paul Kalas feststellen, dass sich Stern und der vermutete Planet wirklich gemeinsam bewegen (siehe den Ausschnitt rechts unten):


fom_move.jpg
Bild: NASA/ESA

Aus den Untersuchungen über den Ring von Fomalhaut hat man eigentlich einen Planeten mit etwa 3 Jupitermassen erwartet. Der gefundene Planet ist allerdings zu hell, um so eine kleine Masse zu haben. Deswegen vermuten die Forscher, das Fomalhaut b (wie der Planet genannt wird) vielleicht - so wie der Saturn - einen sehr großen Ring hat!

Fomalhaut b wurde übrigens tatsächlich im optischen Licht beobachtet und nicht im Infrarot-Bereich. Es handelt sich hier also um ein "echtes" Bild und kein Wärmebild.

Der Planet ist noch relativ jung: etwa 100 Millionen Jahre alt. Seine weitere Untersuchung könnte daher interessante Daten über die Entwicklung von Planeten liefern. Aber auch jetzt ist es schon eine tolle Entdeckung - auch Paul Kalas war sichtlich begeistert:

"Ich bekam fast einen Herzinfarkt, als sich Ende Mai herausstellt, dass sich Fomalhaut b tatsächlich um den Stern herum bewegt. Es ist ein tiefschürfendes und überwältigendes Erlebnis, einen Planeten mit eigenen Augen zu betrachten, der noch nie vorher gesehen wurde."
Ich muss mir in den nächsten Tagen die Veröffentlichung nochmal genau ansehen; besonders den Teil mit der Massebestimmung des Planeten. Aber die Chancen stehen gut, dass es sich diesmal wirklich um das "erste Bild" eines Exoplaneten handelt.

Noch mehr Planeten!

Aber das war noch nicht alles. Mit dem Hubble-Weltraumteleskop konnten um den Stern HR8799 gleich 3 Planeten direkt beobachtet werden!

Christian Marois vom Herzberg Institute of Astrophysics in Victoria, Kanada und sein Team konnten gleich ein ganzes Planetensystem fotografieren. Sie benutzten dazu das Keck- und die Gemini-Teleskope. Schon im Oktober 2007 konnten sie 2 Planeten identifizieren; dieses Jahr im Sommer kam ein dritter Planet dazu. Sie befinden sich 25, 40 bzw. 70 mal soweit von ihrem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne und sind sieben bis zehnmal so schwer wie der Jupiter. So wie Neptun sich am Rande des Kuipergürtels befindet, bewegt sich auch der äußerste Planet von HR8799 am Rand eines Asteroidengürtels.

Zwei dieser Planeten sind auf dieser Aufnahme zu sehen (auf der wieder das Licht des Zentralsterns ausgeblendet wurde):

hrplanets.jpg
Bild: Gemini Observatory

Mit "b" und "c" wurden die Lichtpunkte bezeichnet, die die Planeten darstellen. Im Gegensatz zu Fomalhaut handelt es sich hier aber wieder um ein Thermalbild - die Planeten wurden also nicht direkt "gesehen".

Diese Aufnahme zeigt alle 3 Planeten (das bunte Ding in der Mitte ist der Stern):

hrplanetsall.jpg
Bild: National Research Council Canada

Diese Planeten sind noch jünger als Fomalhaut b: ihr Alter beträgt nur 60 Millionen Jahre (verglichen mit den etwa 5 Milliarden Jahren, die unser Sonnensystem alt ist).So wie bei Fomalhaut b sehen wir also sehr junge Planeten - bzw. gleich ein sehr junges Planetensystem! Auch hier dürfen für die Zukunft wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung von Planeten erwartet werden.

Diesmal hat die NASA mit ihrer "großen Entdeckung" nicht zuviel versprochen! Das erste echte Bild eines extrasolaren Planeten und ein Bild eines ganzen Planetensystems! Die Planeten von Fomalhaut und HR8799 werden die Astronomen in Zukunft wohl stark beschäftigen. Wir haben hier die Möglichkeit, Planeten zu beobachten, die den Planeten in unserem Sonnensystem sehr ähneln. HR8799 sieht wie eine aufgeblasene Version unseres Sonnensystems aus; komplett mit äußerem Asteroidengürtel.

Ich bin mir sicher, dass hier noch einige wichtige Entdeckungen zu erwarten sind. Und die Planetenjäger werden nicht aufhören zu suchen - es wartet immer noch der erste erdähnliche Planet darauf, entdeckt (und direkt beobachtet) zu werden!

Autor: Florian Freistetter· 13.11.08 · 21:08 Uhr· 30 Kommentare

11. November 2008

Phoenix ist tot

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 4

Die Marssonde Phoenix der NASA ist nun wohl endgültig tot. Seit über einer Woche schon konnte kein Kontakt mehr zu Phoenix hergestellt werden. Die Mission wurde nun offiziell als beendet erklärt.

Anstatt der geplanten 90 Tage war Phoenix fast die doppelte Zeit aktiv. Man konnte Wassereis im Marsboden direkt nachweisen. Man konnte die chemische Zusammensetzung des Marsbodens analysieren. Und man konnte sogar Schneefall in der Atmosphäre des Mars nachweisen. Alles in allem eine höchst erfolgreiche Mission.

"Die Sonde" hat sich gestern Nacht per Twitter verabschiedet:

01010100 01110010 01101001 01110101 01101101 01110000 01101000 <3

Diese Nachricht kann jeder selbst entziffern - ist nicht schwer ;)

Auch im Blog der Sonde hat Phoenix noch standesgemäß, mit einem kitschigen Bild, auf Wiedersehen gesagt:

lander-goodbye.jpg

Auch für ein passendes Epitaph wurde gesorgt: bei Wired gibt es einen Wettbewerb für die beste Grabinschrift. Im Moment führt dort:

Veni, vidi, fodi

Also: "Ich kam, sah und grub". Aber auch "So long and thanks for all the ice" hat was, oder (mein Favorit) "Tell Voyager, I love her". (Ebenfalls schön, wenn auch sehr pragmatisch: "I dug my own grave. And analyzed it.")

Was auch immer auf Phoenix fiktiven Grabstein stehen wird - es war auf jeden Fall eine großartige, spannende und erfolgreiche Mission!


Ähnliche Artikel:Phoenix ist gelandet,Phoenix bei Landung fotografiert,Neue Bilder von Phoenix,Zu salzig für Leben: wird Phoenix scheitern?,Ein Fußabdruck am Mars: neues von Phoenix,Der Marsboden unter dem Mikroskop,Phoenix hat Probleme,Probleme bei Phoenix gelöst,Phoenix findet Eis!,Der Marsboden könnte Leben enthalten,"Wir haben Wasser!",Hat Phoenix Leben auf dem Mars entdeckt?

Autor: Florian Freistetter· 11.11.08 · 23:15 Uhr· 4 Kommentare

10. November 2008

Die Welt besteht aus Atomen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 28

A_New_System_of_Chemical_Philosophy_fp.jpgIch lese gerade das hervorragende Buch "Der Stoff, aus dem der Kosmos ist" von Brian Greene. Ich bin zwar noch nicht durch - kann es aber absolut empfehlen! Selten habe ich so eine eingängige und verständliche Erklärung der Quantenmechanik gelesen (und gelesen hab ich schon einige). Und auch der Kosmologie-Teil dürfte sehr gut werden.

In diesem Buch spricht Greene einmal kurz über ein Zitat des großen Physikers Richard Feynman. Gefragt, wie er die wichtigsten Ergebnisse der Naturwissenschaft in nur einem Satz mitteilen würde, entschied er sich für "Die Welt besteht aus Atomen".

Das Originalzitat (aus "The Feynman Lectures on Physics") lautet:

"If, in some cataclysm, all scientific knowledge were to be destroyed, and only one sentence passed on to the next generation of creatures, what statement would contain the most information in the fewest words? I believe it is the atomic hypothesis (or atomic fact, or whatever you wish to call it) that all things are made of atoms -- little particles that move around in perpetual motion, attracting each other when they are a little distance apart, but repelling upon being squeezed into one another. In that one sentence you will see an enormous amount of information about the world, if just a little imagination and thinking are applied."

Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann steckt in dieser "simplen" Aussage wirklich enorm viel Information. Physik, Kosmologie, Astronomie, Biologie, Chemie, usw - fast alle modernen Ergebnisse dieser Disziplinen basieren auf die eine oder andere Weise auf der Tatsache, dass die Welt aus Atomen besteht.

Gibt es noch bessere Version für den "einen Satz", der unser gesamtes naturwissenschaftliches Wissen zusammenfasst? Oft genannt wird auch "Den Gesetzen des Universums liegen Symmetrien zugrunde" (oder Variationen davon). Mir fällt so spontan kein guter Satz ein - auch, weil ich denke, dass Feynmans Beispiel wirklich schwer zu übertreffen ist.

Aber vielleicht haben ja die Leserinnen und Leser noch gute Ideen?

Autor: Florian Freistetter· 10.11.08 · 15:35 Uhr· 28 Kommentare

Granderwasser im Schulunterricht

Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 41

wasser.jpgÜber "Granderwasser" wurde ja hier bei Scienceblogs schon öfter berichtet. Gerade in Österreich hat es diese "Erfindung" des Herrn Johann Grander ja leider zu höchsten Weihen gebracht. Ihm wurde ein Wissenschaftsorden verliehen und der zuständige Wissenschaftsminister weigerte sich mit fadenscheinigen Begründungen, diese Ehrung wieder zurückzunehmen. Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich bietet "Fortbildungskurse" für Lehrer an, in denen der Johannes Larch, Forschungsleiter der Firma Grander, Werbung für sein esoterisches Produkt machen darf.
Und wenn schon an östereichischen Universitäten Homöopathie gelehrt wird und selbst kleine Kinder mit esoterischer Propagande bedacht werden, dann wundert es auch nicht, wenn esoterische Lehren ihren Weg in die Schulen finden.

Das zeigt sich sehr schön in diesem Gastbeitrag von Michael Pürmeyer; 19 Jahre alt und Schüler der 13. Schulstufe an einer Handelsakademie in Oberösterreich. Er beschreibt, was er in Sachen Granderwasser im Biologieunterricht erlebt hat:


Gleich vorweg: Ich habe noch nie einen Beitrag in einem wissenschaftlichen Blog verfasst und bitte deshalb um Verständnis, wenn mein Text nicht so schön zu lesen ist wie von Florian gewöhnt.

Am Dienstag vor einigen Wochen machte unser Biologie-Professor uns auf einen Film aufmerksam. „Unser Wissen ist ein Tropfen" war der Titel. Er lief auf 3sat und wurde daraufhin von einer Mitschülerin aufgenommen (es gibt hier in „Kritisch Gedacht" einen Beitrag, in dem auch der genannte Film behandelt wird).

Der Punkt, welcher die Aufmerksamkeit meines Professors erregte, war das Granderwasser. Nun, da ich dem Unterricht meist nur so mit einem Ohr folge habe ich das nicht sofort mitgekriegt, aber als ich es dann auch kapiert hatte, ging ich nach dem Unterricht zum Professor um zu protestieren. Dieser Protest endete damit, dass ich eine Art Strafarbeit, genannt „Forschungsauftrag", zum Thema Granderwasser bekam. Das war mir ziemlich recht, denn ich wollte ohnehin diese Aufführung eines Films voller Halb- und Pseudowissenschaft nicht einfach so durchgehen lassen.

Am Donnerstag darauf wollte ich also, gut vorbereitet und mit 2 gleich aussehenden Gläsern für eine Art Doppelblindversuch gerüstet, meinen Forschungsauftrag präsentieren. Dies wurde mir allerdings von meinem Professor verweigert, was in einem weiteren Protestbesuch nach dem Unterricht resultierte (ich kritisiere Professoren niemals vor versammelter Klasse). Ich bekam dank meiner Hartnäckigkeit die Zusage, meinen Forschungsauftrag folgenden Dienstag zu präsentieren.

Das tat ich dann auch und war überzeugt, dass sich dieser Unsinn von wegen Granderwasser binnen weniger Minuten erledigt haben müsste. Dem war aber nicht so. Ich hatte zwar die Klasse ziemlich schnell überzeugt (dazu genügte eine Demonstration der „Grander-Technologie" und die Information, Johann Grander hätte sein Wissen von Jesus Christus persönlich). Mein Professor aber zog aus meinem kleinen Vortrag ganz andere Schlüsse: „Ich sehe schon, das ist noch nicht ganz heraus ob da auch was dahinter ist." Aus Zeitmangel (ich hatte meine Präsentation erst am Ende der Stunde halten können) musste ich auf den Doppelblindversuch verzichten. Damit war die Sache für mich erledigt. Mochte der Professor denken was er wollte, zumindest meine Mitschüler hatten den Film nicht für voll genommen.

Gleich in der nächsten Biologiestunde aber schlug dann überraschend der Gong zu einer weiteren Runde Esoterikunterricht. Plötzlich forderte der Professor selbst eine Art Doppelblindversuch (eine Art deshalb, weil er nur einen einzigen Durchgang machen wollte), und da einer meiner Mitschüler zufällig (das war wirklich Zufall, denn der Ausruf „Granderwasser" war zu unserem neuen Insider-Witz geworden) in einem Miethaus mit Granderwasserversorgung wohnt und auch eine Flasche davon mit hatte, konnte dieser gleich stattfinden. Unnötig zu erwähnen, dass bei einem einzigen Durchgang keinesfalls ein aussagekräftiges Ergebnis erwartet werden konnte. Lustigerweise vertippte sich der Professor dann auch noch und klassifizierte Leitungswasser als „besser". Nach einer Schrecksekunde beeilte er sich dann aber, sein Ergebnis zu relativieren: Natürlich war das Granderwasser nicht frisch aus der Leitung und damit nicht so wohlschmeckend. Überzeugen konnte ich ihn also nicht und so steht zu befürchten, dass er in anderen Klassen denselben Unsinn propagiert. Wobei dann wohl meistens kein Schüler aufsteht und protestiert.


Ähnliche Artikel: Wissenschaftsorden für Granderwasser bleibt, Wenn Minister (nicht) antworten: Herr Hahn und das Granderwasser, Esoterik im Physikunterricht, Bildungsauftrag vs. Bullshit - 0:5, Science Busters über Granderwasser

Autor: Florian Freistetter· 10.11.08 · 08:27 Uhr· 41 Kommentare

08. November 2008

NASA kündigt eine bedeutende Entdeckung an

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 25

planet.jpg

Die NASA kündigt ja gerne mal eine Entdeckung an, ohne vorher genau zu sagen, um was es sich dabei handelt. Auch gestern wurde wieder eine Pressemitteilung veröffentlicht in der eine "major extrasolar planet discovery"; also eine bedeutende Entdeckung im Bereich der extrasolaren Planeten, verkündet wurde.


Diese "einzigartige Entdeckung" ("unique discovery") wurde vom Hubble Weltraumteleskop (bzw. dessen Advance Camera for Surveys) gemacht. Um was es sich genau handelt, wird allerdings erst am Donnerstag (13.November) um 16:30 20:30 (MEZ) bekannt gegeben.

Natürlich kann man schon mal ein bisschen spekulieren. Ich bezweifel irgendwie, dass es sich um die erste Entdeckung eines wirklich erdähnlichen Planeten handelt. Vielleicht hat man ja einen Planeten bei Alpha Centauri entdeckt? Das wäre dann der Exoplanet, der uns am nächsten liegt (und man vermutet ja schon länger, dass sich dort Planeten befinden).

Daniel Fischer (von Cosmos4u) weiß schon, um was es sich handelt - will es aber nicht verraten ;)

Ich bin jedenfalls schon gespannt und werde mich am Donnerstag überraschen lassen (und dann hier natürlich auch über die Entdeckung berichten)



Autor: Florian Freistetter· 08.11.08 · 12:31 Uhr· 25 Kommentare

07. November 2008

Der tiefste Blick ins Universum

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Die europäische Südsternwarte ESO hat heute ein phantastisches Bild veröffentlicht. 55 Stunden Beobachtung! 27 Millionen Pixel! Der bisher tiefste Blick ins Universum! Und so sieht es aus:

esodeep.jpg

Sieht auf den ersten Blick nicht sooo beeindruckend aus. Aber die ganzen Punkte, die man vielleicht für Sterne hält, sind Galaxien! Diese Aufnahme (die größtenteils im UV-Licht gemacht wurde) konnte noch Objekte abbilden, die eine Milliarde mal schwächer leuchten, als die Sterne, die wir mit freiem Auge sehen können. Man sieht hier in eine Zeit zurück, als das Universum gerade mal erst 2 Milliarden Jahre alt war.

Wer will, kann sich die hochaufgelöste Version runterladen (als .jpg 32 MB). Die Pressemeldung der ESO weist auch noch auf einen der wenigen echten Stern im Bild hin. Da er - im Vergleich zu den entfernten Galaxien - sehr nahe ist und sich daher während der Belichtungszeit von uns aus gesehen ein bisschen bewegt hat, erscheint er auf dieser Aufnahme seltsam bunt und verformt:

phot-39a-08.jpgMit der hochaufgelösten Version kann man vermutlich Stunden verbringen und nach interessanten Objekten suchen. Phil Plait von Bad Astronomy hat schon auf ein paar dieser besonderen Galaxien hingewiesen.

Ich hatte noch nicht genug Zeit, um mir alles anzusehen. Aber immerhin habe ich schon eine Rakete gefunden, die durchs Bild fliegt ;)

rocket.jpg

Autor: Florian Freistetter· 07.11.08 · 20:12 Uhr· 6 Kommentare

Alt aber gut: Joachim Bublath spricht über Wunderheiler

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 31

Um der aktuelle laufenden Diskussion über Homöopathie (bei Ulrich und bei mir) ein bisschen Hintergrundmaterial zu liefern, habe ich drei schöne Videos gefunden. Sie sind zwar schon ein Jahr alt - aber trotzdem äußerst sehenswert: Joachim Bublath berichtete in seiner (mittlerweile eingestellten Sendung) über "Die modernen Wunderheiler".

Auch die Begebenheiten rund um die Austrahlung dieser Sendung sind interessant. Vielen wird das wahrscheinlich schon bekannt sein; falls nicht, kommt hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung:

Nach der Ausstrahlung am 5 September 2007 gab es in der Szene der Alternativ"mediziner" einen großen Aufschrei: Der "Bund deutsche Heilpraktiker und Naturheilkundiger e.V." rief seine Mitglieder dazu auf, Protesbriefe an das ZDF zu schreiben:

"Ich sprach mit der [ZDF] Redaktion in München. Dort ist man sehr erschreckt über die Flut der Reaktionen und man fürchtet sich vor noch mehr. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, bei der Flut mitzuhelfen! Es macht Sinn, wenn alle Verbände ihre Mitglieder dazu aufrufen. Die Damen und Herren Reporter dürfen endlich merken, wie weit sie von der Volksmeinung entfernt sind und
Volksverdummung betreiben." (BDHN Präsidentin Monika Gerhardus)

Dieser Anlass wurde vom BDHN auch gleich genutzt, um die Mitglieder des Vereins bei der Stange zu halten:

"Erst gestern haben wir erfahren, dass eine Kollegin aus dem Verband ausgetreten ist, nachdem sie die berufliche Anfangszeit hinter sich gebracht hat. Sie konnte sich auf Chiropraktik und Osteopathie spezialisieren und war der Meinung, der Verband könne für sie nichts mehr tun und damit den Verbandsbeitrag sparen. Falsch gedacht! Auch wenn ihr Therapieverfahren nicht direkt betroffen ist, wer sagt ihr denn, ob nicht in der nächsten Zeit gerade darüber falsch berichtet wird? Wenn sie keinem Verband angehört, wird sie nicht informiert und kann sich nicht an den immer stärker in der Zukunft erforderlichen konzertierten Aktionen beteiligen."

Auch der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte reagierte mit einer beleidigten Presseaussendung.

Solche Reaktionen von dieser Seite waren vorhersehbar. Viel schlimmer war der Einbruch des ZDF. Wegen der Reaktionen der Alternativheiler wurde die Sendung von der ZDF-Homepage entfernt.

Bublaths Reaktion darauf kann ich mich nur hunderprozentig anschließen:

"Stellen Sie sich vor, wir betreiben in Zukunft nur noch den Journalismus, der den Betroffenen genehm ist. Wenn genügend Zweifler an der Mondlandung schreiben, nehmen wir dann die Astronomiesendungen aus dem Netz? Wissenschaft als Abstimmungsergebnis, das ist der Sieg des Irrationalen."

Und hier ist nun die "umstrittene" Sendung. Viel Spaß damit!




Autor: Florian Freistetter· 07.11.08 · 18:10 Uhr· 31 Kommentare

04. November 2008

Sternbilder und Sternzeichen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Jeder der sich auf die eine oder andere Weise mit Astronomie beschäftigt, trifft früher oder später auf die Sternbilder. Oft gehören sie sogar zu den ersten Dingen, mit denen man sich beschäftigt. In der professionellen Astronomie sind sie heute von geringer Bedeutung und nur noch von historischem Interesse (sie tauchen eigentlich nur noch bei der Benennung der Sterne auf). Aber das Erkennen von Sternbildern und das Aufsuchen der Bilder am Himmel ist immer noch sehr beliebt - und vor allem macht es viel Spaß, auf diese Weise den Nachthimmel zu beobachten.

Sternbilder

Aber was genau sind Sternbilder? Die Sterne, die wir mit freiem Auge sehen können, sind mehr oder weniger willkürlich am Himmel verteilt. Bestimmte Gruppen von Sternen sehen oft so aus, als würden sie zusammengehören. Manchmal ist das auch so: man nennt das dann Sternhaufen. Ein Beispiel dafür sind die Plejaden:

plejaden.jpg

Die Sterne in dieser auffälligen Gruppe, die auch mit freiem Auge gesehen werden kann,
sind alle etwa gleich weit von der Erde entfernt (440 Lichtjahre) und alle etwa gleich alt (100 Millionen Jahre). Sie sind zur gleichen Zeit entstanden und bilden einen echten Sternhaufen.

Auch diese Gruppe - Collinder 339 - wirkt so, als würden die Sterne zusammen gehören:

cr399.jpg
In Wirklichkeit haben diese Sterne allerdings keine Gemeinsamkeiten - sie bilden nur zufällig und scheinbar eine Gruppe. So eine scheinbare Ansammlung von Sternen nennt man Asterismus.

Solche Asterismen gibt es haufenweise. Das liegt daran, dass wir die Verteilung der Sterne nicht dreidimensional wahrnehmen können. Wir sehen sie nur als zweidimensionale Projektion an einer imaginären Himmelskugel. Und diese zufällige Verteilung der Sterne hat die Menschen schon seit Jahrtausenden inspiriert. Genauso, wie man in vorüberziehenden Wolken Gestalten und Dinge erkennen kann, hat man auch die Sterne am Himmel zu Figuren angeordnet:

china_stars.jpg
Dunhuang Sternenkarte aus China (700 n.Chr)

In eine willkürliche Anordnung von Punkten kann man natürlich alles mögliche hinein interpretieren. Deswegen gibt es auch keine Übereinstimmungen zwischen den Sternbilderen der einzelnen Völker und Zeiten. Meistens hatten sie aber mit Religion und Mythologie zu tun.
Viele der Sternbilder der Antike haben bis heute Bestand: Orion, Cepheus, Auriga, Andromeda - das alles sind nicht nur Namen aus der griechischen Mythologie sondern auch Sternenkonstellationen am Himmel, die schon von Eratosthenes und Ptolemäus beschrieben wurden. Über Ptolemäus' großes Werk (den Almagest) wurden sie bis ins Mittelalter überliefert und dort von den europäischen Astronomen aufgegriffen.

In der Neuzeit begannen die Astronomen aus Europa auch damit, die Sterne des Südhimmels zu beschreiben. Hier entfernte man sich von der antiken Mythologie und zelebrierte bei der Benennung der Sternbilder die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik. Die Südsternbilder tragen deshalb Namen wie Teleskop, Schiffskompass, Pendeluhr oder Luftpumpe (für diese technische Namen war vor allem der französische Astronom Nicholas Louis de Lacaille verantwortlich).

Bis zu Beginn des 20. Jahrhundert gab es keine verbindlichen Regeln, was die Sternbilder betraf. Verschiedene Leute veröffentlichten verschiedene Definition. Julius Schiller publizierte beispielsweise 1627 seinen Coelum Stellatum Christianum in dem er die "heidnischen" Sternbilder der Antike durch christliche Bilder ersetzte:

arche.jpg
Julius Schiller: Sternbild XL - Noahs Arche

Viele Hofastronomen veröffentlichten eigene Himmelskarten mit Sternbildern, mit denen sie ihre jeweiligen Herrscher ehrten. Dazu gehört z.B. das Sternbild Taurus Poniatovii - der königliche Stier von Poniatowski oder Frederici Honores (Friedrichs Ruhm) zu Ehren von Friedrich dem Großen.

Besonders kurios sind die Sternkarten von Alan Patrick Herbert, der 1944 das Buch "A better sky, or, name this star" veröffentlichte. In seinen Karten finden sich Sterne mit Namen wie Hitler, Kublai Khan oder Mussolini die Teil des Sternbilds "Die Tyrannen" sind. Washington, Roosevelt und Lincoln gehören zum Sternbild der "Vereinigten Staaten" und Stalin und Tolstoi zu "Russland". Grimm, Anderson, Alice und Puck bilden die "Kinderecke". Hier ist Herberts komplette Karte (anklicken zum Vergrößern):

bettersky.jpgDie 88 Sternbilder der IAU

Auf der ersten Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) schlug 1922 der amerikanischen Astronom Henry Norris Russell eine verbindliche Liste von 89 Sternbildern vor. Eine minimal geänderte Liste mit 88 Sternbildern wurde dann schließlich akzeptiert. 1925, bei der zweiten Generalversammlung wurde der belgische Astronom Eugéne Delporte damit beauftragt, die Grenzen dieser Sternbilder festzulegen, damit in Zukunft jeder Punkt des Himmels einem konkreten Sternbild zugeordnet werden konnte. Schließlich wurde Delportes Liste 1928 auf der dritten Vollversammlung offiziell angenommen. 1930 wurde Delportes Katalog veröffentlicht ("Delimitation Scientifique des Constellations"). Eine Liste dieser 88 Sternbilder findet man z.B. bei Wikipedia.

Sternzeichen

Und was ist mit den Sternzeichen? Die heißen offiziell eigentlich Tierkreiszeichen und es handelt sich dabei um 12 Bereiche entlang der scheinbaren Bahn der Sonne um die Erde (die sg. Ekliptik). Ihre Namen beruhen auf 12 Sternbildern des Zodiaks. Dieser Zodiak (oder Tierkreis) ist ein 20 Grad breiter Streifen um die Ekliptik herum, die in dessen Mitte liegt. Die Tierkreiszeichen haben allerdings nur noch dem Namen nach mit den zugehörigen Sternbildern zu tun.

Die Astrologen, die die Tierkreiszeichen verwenden, haben die Ekliptik in 12 gleich große, jeweils 30 Grad durchmessende Abschnitte, eingeteilt. Die wirklichen Sternbilder die man an der Ekliptik findet, haben allerdings jeweils unterschiedliche Größen. Außerdem liegt noch ein dreizehntes Sternbild in der Ekliptik (Ophiuchus bzw. Schlangenträger), das von der astrologischen Einteilung ignoriert wird.
Zusätzlich führt die Präzession der Erdachse (eine Schwankung die von der Anziehungskraft des Mondes verursacht wird) dazu, dass sich die wahre Position der Sternbilder im Laufe der Zeit von der Position der Tierkreiszeichen unterscheidet. Vor etwa zweitausend Jahren stimmten beide noch mehr oder weniger überein. Das heisst, die Sonne stand, während sie sich in einem bestimmten Sternbild befand, auch meistens im entsprechenden Tierkreiszeichen. Heute hat die Präzession der Erdachse zu einer Verschiebung geführt, so dass, wenn die Sonne zwar z.B. im Sternbild Löwe steht die Astrologen immer noch von der "Sonne in der Jungfrau" sprechen.

Die Sternzeichen haben also mittlerweile nichts mehr mit der tatsächlichen Position der Himmelskörper und Sterne am Himmel zu tun - eine Tatsache, die von den Astrologen gerne ignoriert wird.

Autor: Florian Freistetter· 04.11.08 · 22:35 Uhr· 10 Kommentare

03. November 2008

Bücher! Ganz viele Bücher!

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 21

Ich habe in letzter Zeit jede Menge Bücher gelesen, bei denen ich mir dachte: Da sollte ich einen Blogeintrag dazu schreiben. Irgendwie hab ich es aber nie geschafft - deswegen kommen hier jetzt gleich mehrere Kurzberichte über verschiedene Bücher.

Botanik

pflanzenjäger.jpg

Ich habe ja die Botanik sehr gerne. Natürlich nur als Laie - wissenschaftlich gesehen habe ich keine Ahnung davon. Ich habe zwar kurzfristig mal überlegt, Botanik zu studieren - schlußendlich ist es aber dann doch Astronomie geworden. Aber ich freue mich jedesmal, wenn ich ein gutes, populärwissenschaftliches Buch zu diesem Thema finde (was leider nicht sehr oft ist). Letztens habe ich in der Jenaer Bücherei genau so eines gefunden: "Pflanzenjäger: In fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies" von Kej Hilscher und Renate Hücking. Die Autoren beschreiben hier das Leben und die Arbeit von acht deutschen "Pflanzenjägern". In diesen sehr spannenden und unterhaltsamen Biografien von Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Phillipp Franz von Siebold, Georg Schweinfurth, Paul Hermann, Amalie Dietrich, Wilhelm Micholitz und Curt Backeberg erfährt man, woher viele der Pflanzen eigentlich kommen, die heute in unseren europäischen Gärten herumstehen und die großen Mühen, die diese Leute auf sich genommen haben, um die unbekannten Pflanzen aufzuspüren und nach Europa zu bringen. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

botanikbegierde.jpg

Auch interessant war das Buch "Die Botanik der Begierde" von Michael Pollan. Es hat mir allerdings nicht ganz so gut gefallen wie "Pflanzenjäger". Pollan wirft hier einen speziellen Blick auf vier verschiedene Pflanzen: Apfel, Tulpe, Cannabis und Kartoffel. Besonders interessiert er sich für deren Einfluß und Interaktion mit dem Menschen. Seine These: nicht nur wir haben diese Pflanzen domestiziert; sie haben genauso uns "abgerichtet", ihnen zu Diensten zu sein. Würden wir Tulpen nicht so schön finden oder Äpfel so schmackhaft, dann hätten sich die Menschen nie die Mühe gemacht, diese Pflanzen zu kultivieren oder so viele verschiedene Arten zu züchten. Auch wenn mir diese biologischen Thesen manchmal etwas zweifelhaft vorgekommen sind: interessant zu lesen waren die Geschichten auf jeden Fall. Ob das nun die ausführliche Geschichte des Johnny Appleseed war oder - höchst aktuell - der "Tulpencrash" in Holland.

Sollte zufällig jemand noch andere gute Bücher über Botanik kennen: immer nur her damit!

Paläontologie

dinos.jpg

Nicht nur über Pflanzenjäger gibt es Bücher - auch über "Dinosaurierjäger". Deborah Cadburys Buch: "Dinosaurierjäger. Der Wettlauf um die Erforschung der prähistorischen Welt." kann ich absolut empfehlen! Die Geschichte um die Entdeckung der ersten Dinosaurierfossilien und deren Erforschung liest sich wie ein Krimi. Von Mary Anning, der Sammlerin, die 1811 die ersten Fossilien fand, geht die Erzählung weiter zum packenden "Duell" zwischen Gideon Mantell und Richard Owen - ein höchst ungleiches Paar. Mantell, Sohn armer Eltern, musste sich als Landarzt seinen Lebensunterhalt verdienen und konnte seine große Leidenschaft - die Paläontologie - nie hauptberuflich betreiben. Owen hingegen hatte niemals Geldsorgen und stieg zu einem der angesehensten Naturforscher Europas auf. Die beiden Männer verband eine lebenslange Feindschaft (die hauptsächlich von Owen auszugehen schien). Owen wollte die Forschungsergebnisse unbedingt mit der Religion in Einklang bringen während Mantell den frühen Ideen der Evolution anhing und seine wissenschaftliche Arbeit unabhängig von religiösen Ideen betrieb.

Dieses Buch hab ich fast in einem Rutsch durchgelesen - eine wirklich spannende Geschichte!

Geologie

schneeball.jpg

Ebenso rar wie gute Bücher über Botanik sind gute Bücher über Geologie (zumindest ich kenne wenige). Das Buch "Schneeball Erde. Die Geschichte der globalen Katastrophe, die zur Entstehung unserer Artenvielfalt führte" von Gabrielle Walker gehört leider auch nicht unbedingt dazu. Das Thema an sich wäre hoch interessant: es geht um die "Schneeball-Erde"-Hypothese, die besagt, dass unser Planet in der Frühzeit der Erdgeschichte mindestens einmal komplett vereist war. Es gibt gute geologische Hinweise, dass diese Hypothese tatsächlich stimmt - es gibt aber auch Hinweise, die dagegen sprechen. Auf jeden Fall eine sehr spannende Geschichte.

Leider erfährt man im Buch nicht allzu viel darüber. Walker widmet dem Leben von Paul Hoffman (einem der prominensten Verfechter dieser Theorie) unverhältnismäßig viel Zeit. Das Buch beginnt gleich mit einer seitenlangen Beschreibung eines Marathonrennes, an dem Hoffmann einmal teilnahm und immer wieder werden die geologischen Erklärungen durch ausführliche Szenen aus Hoffmans Leben, die sich seitenlang hinziehen, unterbrochen. Auch alle anderen auftretenden Wissenschaftler werden in langen biografischen Beschreibungen eingeführt. Und zu allem Überfluss liest sich die Hoffmansche Biografie wie eine Heldensage - von Objektivität keine Spur.

Ich habe ja prinzipiell nichts dagegen, auch etwas über die Wissenschaftler hinter der Theorie zu erfahren. Ganz im Gegenteil: solche Informationen sind oft enorm nützlich um ein Gefühl für das Thema zu bekommen. Aber das, was Walker hier macht, ist völlig überzogen.

Leider bin ich nach diesem Buch immer noch nicht schlauer, was den aktuellen Stand der Schneeball-Hypothese angeht. Aber vielleicht weiß ja Paul Hoffmans Namensvetter Georg dazu mehr?

magma.jpg

Auch geologisch motiviert ist der Roman "Magma" von Thomas Thiemeyer. Die Story wird viele ein bisschen an "Der Schwarm" von Frank Schätzing erinnern - ich finde sie aber doch sehr originell. Geologen finden überall auf der Welt millionenjahre alte seltsame Kugeln aus unbekannten Material. Bei dem Versuch, sie näher zu untersuchen, kommt es zu katastrophalen Folgen. Gleichzeitig gibt es überall auf der Welt verstärkt Erdbeben und Vulkanausbrüche - und es scheint ein Zusammenhang zu den mysteriösen Kugeln zu bestehen. Eine Vulkanologin probiert, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen - bevor die weltweiten Vulkanausbrüche die Erde unbewohnbar machen. Der Schluß - den ich hier nicht verraten möchte - ist, im Vergleich zu anderen Büchern dieser Art, doch einigermaßen originell.

Auch wenn "Magma" keine große Literatur ist und mit "Der Schwarm" nicht mithalten kann, bietet es doch eine sehr kurzweilige Lektüre. Die Wissenschaft im Buch ist nicht allzu falsch (soweit ich das als geologischer Laie beurteilen kann). "Magma" ist ein typisches Buch, dass man für eine lange Zugfahrt in einer Bahnhofsbuchhandlung kaufen sollte - genau so hab ich es gemacht ;)

Zum Schluß auch hier mein Aufruf: wer gute Bücher über Geologie kennt - bitte Bescheid sagen!

Mathematik

ramanujan.jpg

Bei meinem letzten Besuch in der Bibliothek des Mathematik-Insituts der Uni Jena habe ich ein sehr nettes Buch von Robert Kanigel gefunden: "Der das Unendliche kannte: Das Leben des genialen Mathematikers Srinivasa Ramanujan". Ramanujan war der Sohn einer armen indischen Familie der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und war ein mathematisches Genie. Autodidaktisch brachte er sich die höhere Mathematik bei und lebte ausschließlich für seine mathematische Leidenschaft. Durch diese enge Fokussierung und seine schwierige Persönlichkeit schaffte er es lange nicht, an einer Universtät unterzukommen und endete schließlich als Verwaltungsbeamter des Hafens von Madras. Dort schrieb er Briefe mit seinen mathematischen Erkenntnissen an englische Mathematiker. Einer von ihnen - der große Godfrey Hardy aus Cambridge - erkannte die Genialität seiner Arbeit und lud ihn nach England ein. Dort begann eine höchst fruchtbare Zusammenarbeit der unterschiedlichen Charaktere: Hardy war ein extremer Formalist; Ramanujan verließ sich auf seine Intuition und war weniger an strengen Beweisen interessiert. In England war Ramanujan endlich erfolgreich - er wurde Fellow des Trinity Collge und sogar in die Royal Society aufgenommen. Leider wurde er während des ersten Weltkriegs schwer krank; kehrte nach Indien zurück und starb dort. Aber seine Arbeit dauert bis heute an; immer noch sind Mathematiker damit beschäftigt, seine Notizbücher auszuwerten und gewinnen daraus neue Erkenntnisse.

Ramanujan war wirklich eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der Mathematik. Genauso außergewöhnlich wie seine Arbeit war auch sein Leben. Kanigel schafft es hervorragend, dieses Leben spannend zu beschreiben. Vor allem macht er nicht den Fehler, in seinem Buch auf Mathematik zu verzichten. Will man Ramanujan auch nur ein wenig verstehen, dann muss man auch einen Blick auf seine Arbeit werfen, der er sein ganzes Leben gewidmet hat.

Religion

gotteswahn.jpgNach langer Zeit habe ich es auch endlich geschafft "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins zu lesen. Sollte jemand dieses Buch noch nicht gelesen haben: unbedingt nachholen! Das Dawkins es wie kein anderer versteht, einfach und verständlich zu schreiben ist ja spätestens seit seinem Buch "Das egoistische Gen" bekannt (meiner Meinung nach eines der allerbesten Wissenschaftsbücher überhaupt!).
In "Der Gotteswahn" betrachtet Dawkins die Religion aus allen möglichen Blickwinkeln. Er legt sehr überzeugend dar, wieso nicht nur Fundamentalisten und Fanatiker gefährlich sind, sondern wieso die Religion ganz allgemein negativ einzuschätzen ist. Er geht auf die verschiedenen Arten von "Gottesbeweisen" ein und zeigt, wie leicht diese zu wiederlegen sind und bringt dann seinerseits Gründe dafür, dass Gott nicht existiert. Als Fachmann für Evolution untersucht er auch die Frage, wie sich Religion überhaupt entwickelt hat und wie die evolutionären Grundlagen dafür aussehen.
Dawkins wird ja in der Öffentlichkeit von seinen Kritikern gern als "aggresiver Atheist" oder "fundamentalistischer Atheist" bezeichnet. Dieses Buch ist weder aggresiv noch fundamentalistisch. In der selben klaren und verständlichen Sprache die schon aus seinen biologischen Büchern bekannt ist, spricht Dawkins hier über Religion. Natürlich sehen viele Menschen jegliche Kritik an (nicht fundamentalistischer) Religion generell als unpassend und schlechten Stil an - aber auch dazu hat Dawkins in seinem Buch einiges zu sagen.
Jeder der sich für das Spannungsfeld zwischen Religion und Wissenschaft interessiert, sollte dieses Buch lesen. Selbst für überzeugte Atheisten enthält es noch jede Menge Neues - und auch schon Bekanntes liest sich in Dawkins klaren Worten gerne nochmal.

Science-Fiction

credo.jpg

Gerade habe ich ein Buch zugeschlagen, über das ich hier schon einmal geschrieben habe: "Credo" von Douglas Preston. Es geht um den Teilchenbeschleuniger ISABELLA - größer und stärker als selbst der LHC des CERN. Der wurde von der amerikanischen Regierung gebaut und soll neue Erkenntnisse über das Universum (und seltsamerweise auch neue Energiequellen) liefern. Bei der ersten Kollision der Teilchen kommt es zu einem Zwischenfall: plötzlich kommt aus dem Teilchenbeschleuniger eine Nachricht: "Seid gegrüßt!". Im weiteren "Gespräch" bezeichnet sich dieses seltsame Wesen als "Gott".

Soweit, so absurd. Die Wissenschaftler kommunizieren weiter mit "Gott", der überraschende Erkenntnisse über das Universum mitzuteilen hat. Verkompliziert wird die Story noch durch einen Fernsehpfarrer, der ISABELLA für die Ausgeburt Satans hält und einen Pastor, der zu einem bewaffneten Kreuzug gegen den Teilchenbeschleuniger aufruft. Auch die Regierung will wissen, was dort los ist und fällt mit Armee und Sonderkommandos dort ein.

Dieses Buch würde ich nicht empfehlen - zumindest sollte niemand Geld dafür ausgeben. Wer es sonst irgendwie in die Hände bekommt, soll es ruhig lesen. Die Story ist an sich nicht schlecht - aber leider total schlecht umgesetzt. Figuren und Handlung sind völlig unglaubwürdig: da ist z.B. der Leiter von ISABELLA - ein Genie, das mit 30 Jahren schon den Nobelpreis (!), eine Fields-Medaille und den Pulitzer-Preis bekommen hat. Der riesige Teilchenbeschleuniger wird von nur 12 Leuten (unter strengster Geheimhaltung) betrieben. Ein unbekannter Pfarrer kann einfach per Kettenmail im Internet tausende Christen für einen bewaffneten Angriff gegen ISABELLA rekrutieren. Von den vielen physikalischen Fehlern will ich gar nicht erst sprechen. Eigentlich schade - die Geschichte wäre wirklich spannend gewesen. Leider hat sich Preston mehr auf die Action-Szenen konzentriert. Aber über Spezialeinheiten, die irgendwo Krieg führen, kann ich auch in anderen Büchern lesen.

Schade, dass diese Geschichte nicht von einem echten Science-Fiction Autor aufgegriffen wurde. Die Grundidee - "Wissenschaft als Religion" anstatt "Wissenschaft gegen Religion" - wäre sehr vielversprechend gewesen.


So - das war der Überblick über meine Lektüre der letzten Woche. Jetzt muss ich mich auch die Suche nach neuen Büchern machen ;)


Autor: Florian Freistetter· 03.11.08 · 23:57 Uhr· 21 Kommentare

Blog-Teleskop #12

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften

Heute (mal am Montag) steht die zwölfte Ausgabe des Blog-Teleskops bei Marc Scheloske in der Wissenswerkstatt. Das ist zwar kein Astronomie-Blog - aber auf jeden Fall lesesnwert!


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Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 03.11.08 · 10:23 Uhr· 0 Kommentare

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