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31. Oktober 2008
Unsere Welt könnte so anders sein...
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Politik·Technik · Kommentare: 15

Ludmilas tolles Video vom Start einer Saturn-V-Rakete hat mich an ein anderes Video erinnert, das ich immer wieder toll finde. Es handelt sich dabei um den Trailer zum Film "Man Conquers Space".
Diese Independent Produktion wird vermutlich noch lange nicht im Kino zu sehen sein. Wenn wir Pech haben, vielleicht niemals. Aber allein die Idee die hinter diesem Film steckt ist schon großartig: Wie würde unsere Welt aussehen, wenn sich nach dem zweiten Weltkrieg die Raumfahrt ein bisschen anderes entwickelt hätte? Wenn die Energien und finanziellen Mitteln der Supermächte nicht in den kalten Krieg, sondern in eine friedlichen Nutzung des Weltraums geflossen wären? Wenn die Visionen von Raumfahrtpionieren wie Wernher von Braun Wirklichkeit geworden wären?
Der Trailer zum Film ist wirklich beeindruckend. Allerdings werde ich dabei immer auch ein bisschen melancholisch. Unsere Welt könnte so anders sein...
Autor: Florian Freistetter· 31.10.08 · 22:47 Uhr· 15 Kommentare
13 Fragen an die Homöopathen
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 360
Kommentator Ronny hat in der Diskussion zu meinem letzten Homöopathie-Beitrag eine Reihe sehr interessanter Fragen an die Homöopathie-Befürworter gestellt. Damit das alles nicht so unübersichtlich wird, stelle ich diese Fragen hier noch einmal als eigenen Beitrag ein und hoffe auf vernünftige Antworten. Das könnte eine interessante Diskussion werde.
Hier sind die Fragen von Ronny:
Thema starke Verdünnung => hohe Wirkung:
- 1) Warum ist es NUR bei Homöopathie andersrum, sonst ergibt eine höhere Dosis immer einen stärkeren Effekt ? Manchmal kehrt sich die Wirkung um (bei Vitaminen z.b.) aber eine Überdosis globuli führt höchstens zu einem Zuckerschock.
- 2) Gibt es einen erklärbaren Grund warum eine so geringe Dosis (inklusive der Wassergedächtnistheorie) einen höheren Effekt hat ?
- 3) Warum sterbe ich bei Nichteinnahme nicht an einer Überdosis ?
- 4) Jedes Glas Wasser kommt an vielen Substanzen vorbei bzw. beinhaltet diese, warum ist dieses Glas nicht eine hochwirksame Arznei ? Wäre billiger.
- 5) Beispiel Belladonna: Einige Tollkischen fallen sicher in einen Bach, d.h. Wasser aus z.b. dem Bodensee müsste doch ein hochwirksames Homöopathikum sein ? Die Verdünnung ist doch so als ob ich einen Tropfen der Wirksubstanz in die Quelle des Inn tropfe und dann einen Schluck Bodenseewasser nehme.
Thema Tests:
- 6) Warum zeigen selbst positive Tests nie eine sehr hohe Auswirkung, sondern nur eine marginale Abweichung ins positive
- 7) Warum müssen homöopatische Substanzen keine Freigabe als Arzneimittel bekommen ? Ich würde mir zumindest den Hinweis: Achtung, nicht durch klinische Tests bewiesen' wünschen.
- 8) Wieso liegt die Beweislast bei den Skeptikern ? Es müssten doch Homöopathen beweisen, dass die Therapie funktioniert.
Thema Anwendung:
- 9) Selbst wenn Homöopathie als Placebo wirken sollte (woran ja kaum ein Zweifel besteht) müsste dies auf der Packung stehen: Achtung, enthält keine Wirksubstanz.
- 10) Bei einer Bekannten funktionierts, bei mir nicht. Es liegt also nahe, dass es auf die Person ankommt, ergo folgere ich => Placeboeffekt.
- 11) Ist es gut in Kinder bei jeder Kleinigkeit Pillchen einzuwerfen ? Erzieht man sie da nicht zu Pillenjunkies ?
- 12) Ist es nicht unmoralisch ein eher wenig bis gar nicht funktionierendes Medikament sehr teuer zu verkaufen ? Ein Extrakt aus einer einzigen Gänseleber kann Millionen Euro an Gewinn erreichen. Da verblassen Anklagen an die 'gewinnorientierte Pharmaindustrie' doch ein bißchen :)
- 13) Wo bleiben die wirklich interessanten Anwendungen: Verdünnter Alkohol oder Cannabis (mal schlecht drauf, D30Cannabis und du bist 10 Tage am Trip). Oder etwas zur Schwangerschaftsverhütung oder Heilung eines kaputten Zahns usw.
Autor: Florian Freistetter· 31.10.08 · 10:50 Uhr· 360 Kommentare
Mit der Bahn nach Heidelberg
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 14
Die deutsche Bahn hat mir heute einen erlebnisreichen Tag beschert. Um 7 Uhr morgens hab ich einen Zug in Richtung Heidelberg bestiegen. Es folgte alles, was die deutsche Bahn ihren Reisenden an Aufregung und Unterhaltung zu bieten hat: stundenlange Verspätung, ausgefallene Züge, uninformiertes Servicepersonal und ein brennender Zug. Und das war nur die Hinfahrt! Ich kann nicht beschwören, dass der Zug tatsächlich gebrannt hat. Aber er hat auf jeden Fall gequalmt, gestunken und konnte nicht mehr weiterfahren. Immerhin hab ich so das schöne Neukirchen kennengelernt - auch wenn ich das nicht unbedingt bei Kälte und Schneefall sein hätte müssen. Mit 3 Stunden Verspätung bin ich dann immerhin doch noch in Heidelberg angekommen.
Die Rückfahrt nach Jena verlief dagegen richtig flott. Nur 2 ausgefallene Züge und 2 Stunden Verspätung. Nach nichtmal fünfeinhalb Stunden Fahrt war ich wieder zuhause.
In der Zwischenzeit hatte ich knapp 2 Stunden Zeit für Heidelberg. Die haben sich aber gelohnt - denn in Zukunft werde ich dort arbeiten! Ich habe endlich einen neuen Job gefunden: ab Mitte November werde ich am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg im Rahmen des German Astrophysical Virtual Observatory arbeiten.Ich werde sicher in den nächsten Tagen noch genaueres über meine zukünftige Arbeit schreiben - aber natürlich habe ich jetzt erstmal einiges damit zu tun, mich auf diesen neuen Job vorzubereiten. Ich vermute auch, dass ich in den nächsten Wochen nicht mehr ganz so viel zum bloggen kommen werde wie bisher. Ich hoffe aber, dass mir meine Leserinnen und Leser trotzdem weiterhin treu bleiben werden!
Autor: Florian Freistetter· 31.10.08 · 00:27 Uhr· 14 Kommentare
28. Oktober 2008
Dürre durch Sommerzeit
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik·Umwelt · Kommentare: 12
Wieder ein Fundstück - diesmal aus dem Internet. Zweimal im Jahr regen sich die Menschen regelmäßig auf: nämlich dann, wenn von Winter- auf Sommerzeit umgestellt wird und ein paar Monate später wenn die Uhren wieder zurückgedreht habe. Die Zeitungen schreiben dann garantiert über die diversen Beeinträchtigungen von Mensch, Tier und Wirtschaft die dadurch hervorgerufen werden sollen und sehr viele meckern über die Umstellung.
Mir persönlich macht diese Umstellung nicht wirklich was aus. Einmal hab ich sie verpasst und fast meinen Zug versäumt - aber das wars dann auch schon mit den Unannehmlichkeiten. Eigentlich mag ich die Umstellung: ich freue mich darüber, dass es jetzt wieder früher dunkel wird und endlich ein bisschen Herbst- bzw. Winterstimmung aufkommt. Und im Frühling freue ich mich genauso über die hellen Abende.
Aber manche Menschen scheinen wirklich ein Problem mit der Sommerzeit zu haben. Zum Beispiel dieser Leserbriefschreiber in der australischen Zeitung Border Mail:

Entweder jemand macht hier einen Scherz - oder hat ein gewaltiges Problem damit, zu verstehen, was "Sommerzeit" eigentlich bedeutet. Lustig ist es zumindestens.
Autor: Florian Freistetter· 28.10.08 · 22:46 Uhr· 12 Kommentare
27. Oktober 2008
Homöopathie aus der Apotheke
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 66
Ich bin immer noch ein wenig gestresst. Daher gibt es heute nur ein kurzes Fundstück, das ich gerade auf meinem abendlichen Spaziergang durch Jena entdeckt habe:
Die ganze Auslage dieser Apotheke ist vollgestellt mit Werbung der DHU (Deutsche Homöopathische Union). Die Slogans lauten (das Bild ist ein wenig unscharf geraten):
"Faszination Homöopathie. Gesundheit und Wohlbefinden. Jeden Tag aufs Neue" (Mitte)
"Homöopathie betrachtet den ganzen Menschen. Das finde ich spannend" (links oben)
"So einfach und so verträglich. Das ist die Homöopathie für mich. Wirklich faszinierend" (rechts oben)Ganz unten, schwer erkennbar, liegen noch einige getrocknete Pflanzen herum (von denen in den homöopathischen Mitteln natürlich nichts mehr enthalten ist). Unter anderem eine Schüssel mit Nux vomica (Brechnuss) - die laut Homöopathie u.a. zum Erbrechen führt.
Davon habe ich mir bei der Betrachtung dieser Auslage eine große Portion gewünscht!
Ähnliche Artikel: Abstimmen über Homöopathie, Gastbeitrag: Homöopathie auf Ö1 und der Kinderuni Wien, Homöopathie an der Kinderuni: Antwort der Verantwortlichen, Homöopathie-Propaganda für Kinder, Homöopathie, Placebos und Quantenunsinn, Homöopathie am LKH Klagenfurt, Homöopathie auf dem Prüfstand, Homöopathie-Propaganda in der Qualitätszeitung, Medikamente aus Hundekot, Erste deutsche Homöopathie-Professur ins Leben gerufen
Autor: Florian Freistetter· 27.10.08 · 22:45 Uhr· 66 Kommentare
25. Oktober 2008
Neues aus der Forschung: Wie man kostengünstig mit Außerirdischen redet
Kategorie: Naturwissenschaften·Neues aus der Forschung · Kommentare: 4
Ich bin im Moment etwas im Stress; darum gibt es heute nur einen kurzen Beitrag. Passend zu den außerirdischen Themen der letzten Tage, berichte ich von 2 neuen Veröffentlichungen, die sich mit SETI bzw. METI beschäftigen.
SETI steht für "Search for ExtraTerrestrial Intelligence", also die Suche nach außerirdischen Lebensformen. METI bedeutet "Messaging to ExtraTerrestrial Intelligence" - also Nachrichten versenden, die von Außerirdischen gehört werden sollen.
Mit beiden Themen beschäftigen sich 2 Arbeiten der Autoren James Benford, Gregory Benford und Dominic Benford (trotz des gleichen Namens sind sie alle an unterschiedlichen Forschungseinrichtungen in den USA beschäftigt; ich weiß leider nicht, ob sie auch alle miteinander verwandt sind). In der ersten Arbeit "Cost Optimized Interstellar Beacons: METI" untersuchen sie die Möglichkeiten, wie man möglichst effizient Nachrichten ins All senden kann. Effizient nicht nur im Sinne der bestmöglichen Leistung und Verbreitung sondern auch finanziell. Forschungsarbeiten die sich mit außerirdischen Lebensformen beschäftigen haben hier bei uns meistens immer ein Finanzierungsproblem - warum sollte es außerirdischen Forschern dann besser gehen? Die Benfords haben untersucht, wie sich solche Sendeanlagen am kostengünstigsten verwirklichen lassen und welche Art von Signalen sich daraus ergeben würden.
In ihrer zweiten Arbeit "Cost Optimized Interstellar Beacons: SETI" betrachten sie die Konsequenzen für irdische Suchprogramme wie SETI. Angenommen, Außerirdische sind ebenso wie wir auf der Suche nach anderen Lebensformen und verwenden dazu die kostengünstigen Geräte aus der ersten Arbeit: sucht SETI dann überhaupt auf die richtige Art und Weise nach Nachrichten aus dem All?
Eher nicht. Die Arbeit der drei Benfords erklärt, wo genau hier das Problem liegt und stellt am Ende Strategien zur Suche nach Außerirdischen vor, die eher zum Erfolg führen würden. Natürlich nur für den Fall, dass sich die Aliens Gedanken über die Kosten ihrer SETI/METI-Programme machen.
Ähnliche Artikel: Erich von Däniken: Götterdämmerung, 37964,97 außerirdische Zivilisationen, Uri Geller und die Aliens, Aus den astronomischen Archiven: Die Marskanäle, Unser seltenes Sonnensystem, Kommunizieren Außerirdische mit blinkenden Sternen?, Bilder von Exoplaneten, Interview mit den Planetenjägern, Neuer kleinster Exoplanet entdeckt, Weißt du wieviel Planeten stehen?
Autor: Florian Freistetter· 25.10.08 · 08:20 Uhr· 4 Kommentare
22. Oktober 2008
Neues vom LHC: Fehlersuche und offizielle Einweihung
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 9
Nach dem Start am 10. Oktober ist es mittlerweile ein bisschen ruhiger geworden: der Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) des europäischen Kernforschungszentrums CERN taucht nicht mehr so oft in den Medien auf und auch die Weltuntergangspropheten sind aus der Öffentlichkeit verschwunden.
Trotzdem wird dort natürlich weitergearbeitet. In den letzten Wochen war man hauptsächlich mit der Suche nach dem Fehler beschäftigt, der am 19. September eine Abschaltung des Teilchenbeschleunigers nötig machte.

Letzte Woche hat das CERN nun einen Bericht veröffentlicht, der genau erklärt, was damals schief gegangen ist. Eine der elektrischen Verbindungen zwischen zwei der großen Magneten ist ausgefallen (siehe Bild rechts). Ein elektrischer Spannungsüberschlag beschädigte die Maschine und Helium trat aus. Das Sicherheitssystem des LHC führte zu einer Abschaltung.
Normalerweise könnte man so etwas innerhalb weniger Tage reparieren. Der LHC ist aber eine supraleitende Maschine. Das bedeutet, dass der Strom widerstandsfrei fliessen kann, wenn die gesamten Anlagen auf sehr tiefe Temperaturen gekühlt werden. Ohne Supraleitung könnte der LHC nicht die Energie erreichen, die für die geplanten Experimente nötig sind. Das bedeutet einerseits, dass der komplette Beschleunigerring mit seiner Länge von 27 Kilometern mit flüssigen Helium auf -271,25 Grad gekühlt werden muss. Das bedeutet aber auch andererseits, dass die ganze Anlage erst wieder vorsichtig auf normale Temperaturen erwärmt werden muss, bevor man mit einer Reperatur beginnen kann. Das hat beim LHC knapp 2 Wochen gedauert.
Nun wird mit der Reperatur begonnen und danach muss der Teilchenbeschleuniger erneut gekühlt werden. Damit müssen sich die Forscher am LHC aber nicht beeilen - denn für den Winter war sowieso eine Pause eingeplant. Angesichts des allgemein im Winter erhöhten Energieverbrauchs war von vornherein geplant, den LHC abzuschalten. Die Experimente dort werden also erst im Frühjahr 2009 weitergehen.
Ebenfalls letzte Woche fand die offizielle Einweihung des Large Hadron Collider statt. Deutschland war durch Forschungsministerin Annette Schavan vertreten; für Österreich war Wissenschaftminister Johannes Hahn anwesend. Ich nehme an, auch die Schweiz war vertreten (und die anderen CERN-Mitgliedsländer) - habe aber auf die Schnelle keinen Namen gefunden. Schavan war besonders von den Möglichkeiten für deutsche Forscher begeistert:
"Wir wollen auch vielen jungen Wissenschaftern die Chance geben, am CERN zu arbeiten"
Auch Schüler sollen CERN besuchen und dort lernen können. Johannes Hahn hatte ebenfalls große Worte übrig:
"Der LHC ist ein eindrucksvoller Beweis für die Schlagkraft der Grundlagenforschung und deren Bedeutung für die technologische Weiterentwicklung"
Außerdem sieht er sich in seiner Forderung nach einer stärkeren Dotierung für Grundlagenforschung bestätigt. Schade nur, dass man seiner Politik nichts von dieser angeblichen Liebe für die Grundlagenforschung ansieht.
Ähnliche Artikel: Kein Weltuntergang - LHC ist sicher, Klage gegen den LHC wurde abgewiesen, LHC wurde abgeschaltet, Wissenschaftler, LHC und Science-Fiction Bücher, Wissenschaft am LHC: Die Suche nach dunkler Materie, LHC: Schlagzeilen-Check, Auch die Wissenschaftler am LHC sind Menschen, LHC: Das Sternentor zur Hölle
Autor: Florian Freistetter· 22.10.08 · 18:02 Uhr· 9 Kommentare
21. Oktober 2008
Indien macht sich auf den Weg zum Mond
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 11
Was Deutschland nicht schaffte, passiert heute Nacht in Indien: in einigen Stunden startet die Indian Space Research Organization (ISRO) ihre Sonde Chandrayaan-1 (rechts) die den Mond untersuchen wird. 2 Jahre lang wird sie den Mond umkreisen. Neben der wissenschaftlichen Datensammlung soll die Mission auch dazu dienen, Indiens Weltraumprogramm zu überprüfen und weiterzuentwicklen.
Mit an Bord sind Instrumente der europäischen Raumfahrtagentur ESA, der NASA und der bulgarischen Raumfahrtorganisation BSA. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit liegt bei der Untersuchung des Mondbodens, der Analyse seiner Zusammensetzung und der Suche nach Wassereis in den Polarregionen.
Der Start erfolgt voraussichtlich heute Nacht um 00:20 UT 00:50 UT (02:50 MESZ) vom Satish Dhawan Space Center in Sriharikota. Die Trägerrakte, eine PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle), wurde ebenfalls von Indien entwickelt. Die Reise zum Mond wird laut Plan fünfeinhalb Tage dauern. Diese Grafik der ISRO zeigt den Weg von Chandrayaan-1 zum Mond:

Genauso wie China hat Indien große Pläne für den Weltraum. Eine Nachfolgemission ist schon geplant: Chandrayaan-2 soll 2010/2011 zum Mond fliegen und diesmal auch einen ferngesteuerten Mondrover absetzen.
Wenn alles erfolgreich verläuft, dann soll als nächster Schritt sogar eine bemannte Landung auf dem Mond folgen. Das meint auf jeden Fall G.K. Menon, ehemaliger Leiter der ISRO.
Auch Japan plant übrigens für 2020 eine bemannte Landung auf dem Mond und China wird wohl ebenfalls solche Pläne haben.
Bis vor kurzer Zeit war Raumfahrt fast ausschließlich eine Domänie der USA und von Russland (bzw. der UdSSR). Europa hat mit seiner ESA ebenfalls erfolgreich mitgemischt. Aber wenn man sich die Fortschritte des chinesischen Weltraumprogramms - nach den USA und Russland das dritte Land das aus eigener Kraft Menschen ins All bringen kann - und die Pläne der anderen asiatischen Länder ansieht, dann fragt man sich, ob die Zukunft der Raumfahrt nicht in Asien liegt.
Der Westen, und vor allem Europa, sollte aufpassen, hier nicht den Anschluß zu verlieren! Aktionen wie die Streichung der deutschen Mondmission LEO (aus finanziellen Gründen) sind hier nicht wirklich förderlich.
Der Start von Chandrayaan-1 heute Nacht wird auf der Homepage der ISRO übertragen werden. Bis dahin informiert Daniel Fischer über seine Twitterseite über alle wichtigen Entwicklungen.
Autor: Florian Freistetter· 21.10.08 · 15:45 Uhr· 11 Kommentare
20. Oktober 2008
37964,97 außerirdische Zivilisationen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 64

Letzte Woche noch spekulierte Erich von Däniken über die Existenz von Außerirdischen und heute schon lese ich eine Arbeit von Duncan Forgan von der Universität Edinburgh, der die Zahl der außerirdischen Zivilisationen mit 37964,97 festlegt.
Ja, richtig gelesen: exakt 37964,97. Wie kommt man auf so eine Zahl? Zur Berechneung der Anzahl außerirdischer Zivilisationen existiert seit langem eine Formel: die Drake-Gleichung.
Diese Gleichung wurde 1960 vom Astrophysiker Frank Drake aufgestellt und sieht so aus:
Die einzelnen Terme haben dabei folgende Bedeutung:
- N ist die Anzahl der außerirdischen Zivilisationen in unserer Milchstrasse.
- R ist die mittlere Anzahl an neu entstehenden Sternen pro Jahr (in unserer Galaxie)
- fp ist die Anteil der Sterne die auch Planeten haben
- ne ist der Anteil der Planeten, die sich in der sg. habitable Zone befinden. Das ist der Bereich um einen Stern, in dem die Temperaturen gerade so sind, dass auf einem Planeten Leben existieren kann
- fl ist der Anteil der Planeten auf denen sich Leben entwickelt hat
- fc ist der Anteil der Planeten mit Zivilisationen die Interesse an interstellarer Kommunikation haben
- L ist die Lebensdauer einer technischen Zivilisation. Als "technische Zivilisation" gelten jene, die in der Lage sind, Radiosignale ins Weltall zu senden.
Die jährliche Sternentstehungsrate in der Milchstrasse lässt sich einigermassen gut berechnen (die Zahl liegt etwa zwischen 4 und 19). Auch für die Anzahl der Planeten und der Planeten in der habitablen Zone lassen sich halbwegs vernünftige Abschätzungen finden. Die restlichen Faktoren sind allerdings völlig unbekannt und man kann sie eigentlich nur raten.
Deswegen existieren auch viele verschiedene Abschätzungen für die Anzahl der außerirdischen Zivilisationen die aus dieser Formel abgeleitet werden können. Die Werte reichen hier von nur einer Zivilisation bis hin zu 4 Millionen. Der bekannte Astronom und Schriftsteller Carl Sagan errechnete übrigens einen Wert von 15.
In seiner Arbeit mit dem Titel "A Numerical Testbed for Hypotheses of Extraterrestrial Life and Intelligence" (die im International Journal of Astrobiology erscheinen wird) verwendet Duncan Forgan einen ganz anderen Ansatz. Er entwickelte eine Computersimulation in der zuerst eine Galaxie analog zu unserer gebildet wird. Die Sterne in dieser Galaxie entwickeln dann Planetensysteme. Je nach der Entfernung dieser Planeten zur habitablen Zone kann sich dort Leben entwickeln oder nicht. Auch die mögliche Evolution hin zu komplexen Leben wird (stochastisch) in die Simulation eingebunden.
Diese Simulationen wurden sehr oft, mit unterschiedlichen Anfangswerten und Parametern, durchgeführt. Jedesmal wurde ein Wert für die Anzahl der außerirdischen Zivilisationen berechnet; am Ende konnte Forgan aus allen Ergebnissen einen Durchschnittswert (mit Standardabweichung) berechnen.
Er untersuchte drei verschiedene Szenarien:
- Panspermie-Hypothese: wenn sich Leben auf einem Planeten entwickelt, dann können "Lebenskeime" von dort durch das Weltall auch auf andere Planeten übertragen werden.
- "Leben ist selten"-Hypothese: Leben auf erdähnlichen Planeten tritt sehr selten auf; entwickelt sich aber gut, wenn es auftritt.
- "Hase und Igel"-Hypothese: erdähnliche Planeten sind häufig; die Entwicklung von komplexen Leben dagegen ist schwer.
- Für die Panspermie-Hypothese sollen 37964,97 fortgeschrittene Zivilisationen in unserer Galaxie existieren (mit einer Standardabweichung von 20)
- Wenn Leben selten ist, dann sind es nur noch 361,2 (mit einer Standardabweichung von 2)
- Für die "Hase und Igel"-Hypothese existieren immerhin noch 31573,52 Zivilisationen (ebenfalls mit einer Standardabweichung von 20)
Dem Leser mag die hohe Exaktheit der angegeben Zahlen verdächtig vorkommen. Hier soll angemerkt werden, dass die Standardabweichung in der Tat klein ist und die Angaben präzise sind; ihre Genauigkeit dagegen ist nicht sicher. Die Ergebnisse sind nur so gut wie es die Ausgangsdaten erlauben. Die aktuell verfügbaren Zahlen über Exoplaneten werden zwar jeden Tag verbessert - sind aber immer noch zu ungenau um den Parameteraum von Massen und Bahnradien komplett abzudecken. In der Hinsicht sind die Ergebnisse noch fehlerhaft.Es gibt auch noch weitere Probleme mit dieser Arbeit als die unbekannten Ausgangsdaten. So schafft es die Simulation z.B. nicht, ein realistisches Verhältnis von Sternalter und der Metallizität des Sterns (also der Anteil an schweren Elementen) zu erzeugen. Man sollte den Zahlen also nicht unbedingt allzu viel Vertrauen entgegenbringen.
Forgan hat aber auf jeden Fall gezeigt, welches Potential in diesem Ansatz steckt. Wenn in Zukunft mehr über die Entstehung von extrasolaren Planeten (und über die Entstehung des Lebens) bekannt ist, läßt sich mit dieser Methode vielleicht einmal wirklich eine realistische Abschätzung für die Anzahl unser außerirdischen Nachbarn finden.
Ähnliche Artikel: Erich von Däniken: Götterdämmerung, Uri Geller und die Aliens, Aus den astronomischen Archiven: Die Marskanäle, Unser seltenes Sonnensystem, Kommunizieren Außerirdische mit blinkenden Sternen?, Bilder von Exoplaneten, Interview mit den Planetenjägern, Neuer kleinster Exoplanet entdeckt, Weißt du wieviel Planeten stehen?
Autor: Florian Freistetter· 20.10.08 · 18:55 Uhr· 64 Kommentare
Wer viel lernen will, der soll viel zahlen!
Kategorie: Politik · Kommentare: 10
Kurz vor den Nationalratswahlen im September wurden in Österreich die umstrittenen Studiengebühren abgeschafft. In einer außergewöhnlichen Koalition hatten SPÖ, Grüne und FPÖ für die Abschaffung gestimmt - gegen den erklärten Willen der ÖVP (die die Gebühren gemeinsam mit der FPÖ im Jahr 2000 eingeführt hatte).
Nach der Wahl sieht es so aus, als hätte die ÖVP und mit ihr der Wissenschaftsminister Johannes Hahn (dessen unrühmliches Verhalten in Sachen Esoterik hier auch schon Thema war) diese Tatsache immer noch nicht überwunden.Meine Meinung zu den Studiengebühren habe ich ja schon in einem eigenen Artikel kundgetan. Zur Verteidigung eines kostenpflichtigen Studiums wird von den Befürwortern immer wieder angeführt, dass sowieso nur die zahlen müssen, die es sich leisten können. Sozial Bedürftige bekommen die Gebühr, wenn schon nicht erlassen, dann zumindestens zurückerstattet.
Ich war von diesem Argument nie sonderlich begeistert. Auch wenn nicht jeder zahlen muss - allein die Tatsache, dass ein Studium kostenpflichtig ist, stellt meiner Meinung nach eine psychologische Abschreckung dar. Gerade Jugendliche aus bildungsfernen Schichten könnten so von einem Studium abgehalten werden.
Genau das bestätigt nun auch eine Studie des Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover die vom deutschen Bildungsministerium in Auftrag gegeben wurde. Hier wurden 5240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 befragt. Seit einigen Wochen ist die Studie abgeschlossen - das Ministerium hielt die Veröffentlichung allerdings zurück (kein Wunder bei diesen Ergebnissen).
Heute sind die Resultate doch durchgesickert: Studiengebühren schrecken ab! Allein 2006 haben etwa 18000 junge Menschen wegen der Studiengebühren kein Studium aufgenommen. Die Studie zeigt auch, dass gerade Abiturienten aus bildungsfernen Schichten durch Gebühren von einem Studium abgehalten werden. Die Studie belegt also genau das Gegenteil dessen, was Befürworter der Studiengebühren behaupten (mehr dazu gibt es in der Wissenswerkstatt).
Ein zweites Argument für die Studiengebühren ist die angebliche Beschleunigung des Studiums. Wer für sein Studium bezahlen muss, der wird dafür sorgen, so schnell wir möglich fertig zu werden. Es gibt keine "Bummelstudenten" mehr und die Absolventen stehen dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung.Ich persönlich bin ja nicht unbedingt der Meinung, dass ein schnelles Studium das Maß aller Dinge ist. Abgesehen davon müssen - gerade wegen der Studiengebühren - viele neben ihrem Studium arbeiten und brauchen erst Recht länger für einen Abschluss.
Ein neuer Vorschlag von Wissenschaftsminister Hahn führt aber auch dieses Argument ad absurdum. Er möchte eine "neue Art von Studiengebühren" einführen. Nun soll nicht mehr pauschal pro Semester bezahlt werden, sondern jeweils pro belegter Lehrveranstaltung. Die Höhe der Kursgebühr soll sich nach der Anzahl der ECTS-Punkte richten.
Ich habe keine Ahnung wie ein Wissenschaftsminister auf so eine unsinnige Idee kommen kann. Abgesehen vom bürokratischen Overkill ist das exakt die Umkehrung dessen, was man früher erreichen wollte. In diesem neuen System zahlt der am wenigsten, der wenig Vorlesungen belegt. Wer viele Lehrveranstaltungen besucht muss viel zahlen. "Bummelstudenten" werden durch diesen Vorschlag also massiv gefördert. Studenten würden dann wohl auch nur noch die Lehrveranstaltungen besuchen, die für den Abschluss des Studiums notwendig sind. Wer sich freiwillig zusätzliche Qualifikationen verschaffen will, der muss zahlen.
Während meines Studiums habe ich immer wieder mal Vorlesungen zu Themen besucht, die nicht unbedingt nötig für meinen Abschluss waren. Trotzdem waren die Lehrveranstaltungen zu z.B. Geophysik, Funktionalanalysis, Astrobiologie und Informatik sehr interessant und haben mir auch später genützt. Hätte ich dafür noch extra bezahlen müssen, wäre ich dort wohl nicht hingegangen.
Ich habe ja gedacht, dass es nach der unsäglichen Elisabeth Gehrer mit der österreichischen Wissenschaftspolitik nur noch aufwärts gehen kann. Aber Ministern Hahn tut sein Bestes, dem zu widersprechen. Man kann nur hoffen, dass er nicht mehr Teil der neuen österreichischen Regierung sein wird. Ansonsten wird Österreich wohl immer weiter in eine bildungspolitische Misere schlittern.
Autor: Florian Freistetter· 20.10.08 · 14:25 Uhr· 10 Kommentare
"If you open your mind too much, your brain will fall out"
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Ich bin vermutlich der letzte, der dieses Video des australischen Kabarettisten Tim Minchin entdeckt hat. Aber ich finde es so toll, dass ich es unbedingt auch hier nochmal posten muss.
Die "One Million Dollar Paranormal Challenge" der James Randi Educational Foundation dürfte ja vielen bekannt sein. Für den Nachweis übersinnlicher Fähigkeiten wird dort eine Prämie von einer Million Dollar angeboten. Trotzdem haben die wenigsten Astrologen, Homöopathen und Esoteriker Lust, sich diesem Wettbewerb zu stellen.
Vielleicht brauchen sie alle das Geld gar nicht? Tim Minchin macht ihnen ein anderes verlockendes Angebot: sein Klavier, ein Bein und seine Frau! Also liebe Esoteriker: auf gehts!
via Gwup-Blog (wo ich auch gleich noch die Überschrift geklaut habe)
Autor: Florian Freistetter· 20.10.08 · 11:16 Uhr· 2 Kommentare
19. Oktober 2008
Blog-Teleskop #11
Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Heute steht die elfte Ausgabe des Blog-Teleskops bei Stefan Taube im Lichtecho. Den Lichtecho-Blog gibt es erst seit Ende September; er ist also noch sehr jung. Aber trotzdem schon sehr empfehlenswert!
Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.
Autor: Florian Freistetter· 19.10.08 · 15:55 Uhr· 1 Kommentar
18. Oktober 2008
Erich von Däniken: Götterdämmerung
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 2565
Gestern hatte ich das "Vergnügen" mir den aktuellen Vortrag von Erich von Däniken anzuhören: "Götterdämmerung". Und wie versprochen kommt hier mein (ausführlicher) Bericht (Note: an english version of this article can be found at Aardvarchaeology).Der Saal im Volkshaus Jena war erstaunlich gut gefüllt. Ich schätze, dass etwa 650 bis 700 Zuhörer anwesend waren. Schon irgendwie ein seltsames Gefühl mit all diesen Leuten in einem Raum zu sein und zu wissen, dass wohl die Mehrheit von ihnen an das glauben wird, was Däniken heute erzählen wird.
Die Theorie

"Heute geht es um etwas grundsätzliches!", mit dieser Ankündigung beginnt Däniken seinen Vortrag. Und er erwähnte auch gleich selbstsicher seine zweifelhafte Reputation "Über mich erzählt man allen möglichen Unsinn". Dann verkündete er, dass er zuerst mit ein wenig "Theorie" beginnen müsse. "Die Wissenschaftler" glauben nämlich nicht, was er erzählt - und das muss er richtig stellen. Übrigens sprach er den ganzen Vortrag immer nur von "den Wissenschaftlern" oder den "schlauen Männern" ohne die Kritiker beim Namen zu nennen - im Gegensatz zu seinen Unterstützer die er ausführlichst vorstellte. Die ungläubigen Wissenschaftler jedenfalls meinen, dass 1) Außerirdische nicht existieren, dass sie 2) vollkommen anders als die Menschen aussehen würden und selbst wenn es sie gäbe, 3) niemals zur Erde kommen könnten weil die Distanzen zu groß sind.
Diese Aussagen will Däniken entkräften und sprach daher zuerst über Raumfahrt. Nach der kryptischen Aussage dass es "Triebwerke der Zukunft geben wird" erklärte er wie wir schon mit heutiger Technik zu den Sternen reisen könnten. Man müsste nur (50 Shuttle-Flüge pro Jahr sollten reichen) genug Material für ein großes Raumschiff in den Orbit bringen und dort zusammenbauen - am Besten ein rotierendes mit künstlicher Gravitation. Dieses Raumschiff könnte dann 2% der Lichtgeschwindigkeit erreichen und damit in 500 Jahren 10 Lichtjahre weit reisen. Auf so einem Generationenschiff würden die Menschen dann durchs Weltall reisen, leben und sterben und alles für den Bau eines zweiten Schiffs vorbereiten. Wenn sie dann nämlich einen bewohnbaren Planeten gefunden haben wird gleich das nächste Generationenschiff losgeschickt - usw. Mit diesem System könnte man die Milchstrasse innerhalb von 10 Millionen Jahren komplett besiedeln, meint Däniken.
Auch für die Ähnlichkeit zwischen Menschen und Außerirdischen hat Däniken eine Erklärung: Panspermie! Diese durch Svante Arrhenius (und später durch Fred Hoyle) bekannt gewordene Theorie besagt, dass das Leben auf der Erde aus dem Weltraum stammt. Laut dieser Theorie können sich einfachste Lebensformen auch im Weltall behaupten und beispielsweise mit Meteoriten auf die Erde kommen. Däniken betont extra, dass Arrhenius ein Nobelpreisträger war (er hat den Preis allerdings für andere Leistungen bekommen) - obwohl der eigentlich nicht von Außerirdischen spricht. Da hätte er sich lieber den Nobelpreisträger Francis Crick als Autorität aussuchen sollen: der ist nämlich ein Anhänger der gerichteten Panspermie. Außerirdische hätten gezielt Lebenskeime ins All gesandt, um so Leben auf so vielen Planeten wie möglich zu verbreiten. Das behauptet auch Däniken und da die Evolution unter ähnlichen Bedingungen auch angeblich immer ähnlich verläuft, ist es kein Wunder, wenn die Außerirdischen uns ähneln. Wo die ursprüngliche Zivilisation herkommt, kann aber auch Däniken nicht sagen. Er wirft allerdings noch einen seltsamen und unpassenden Satz in die Runde in dem er behauptet, dass "Schwarze Löcher Energie aussenden und ein neuer Urknall entsteht". Keine Ahnung was er damit sagen wollte.
Prinzipiell ist soweit noch alles in Ordnung. Die Idee der Generationenschiffe und der Panspermie sind - wenn auch sehr unwahrscheinlich - theoretisch möglich. Wenn die Menschen es wollten, könnten wir tatsächlich so ein Generationenschiff bauen. Das wäre zwar wahnsinnig kompliziert und aufwendig und unvorstellbar teuer - aber machbar. Auch die Panspermie-Theorie ist vielleicht korrekt.
So richtig schräg wird es dann aber im nächsten Teil des Vortrags.
Alte Überlieferungen
Nachdem klargestellt wurde, dass Außerirdische tatsächlich existieren könnten, will Däniken nun beweisen, dass sie uns regelmäßig besuchen. Denn das tun sie - um nach dem Rechten zu sehe, uns Menschen etwas beizubringen und evolutionär ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Dafür bringt Däniken "Indizien die man nicht widerlegen kann".
Im folgenden Teil kommt das was Däniken am besten kann: alte religiöse Texte und archäologische Belege so uminterpretieren, dass sie zu seinen Thesen passen. In schneller Folge wirft er nun Bilder an die Wand - meistens so schnell, dass mir kaum genug Zeit bleibt, um mir ausreichend Notizen für eine spätere Überprüfung zu machen.
Er beginnt mit Stonehenge. Däniken meint, es würde viele Theorien darüber existieren, was Stonehenge sein solle und "die mit dem Kalender ist die blödeste davon". Laut Däniken sei Stonehenge ein maßstabsgetreues Modell des Planetensystems - komplett mit Asteroidengürtel, den die Menschen damals natürlich noch nicht kennen konnten. Leider war das Bild dazu wieder so schnell verschwunden, sodass ich es noch nicht geschafft hatte, herauszufinden was er damit genau meinte. Laut Däniken würden noch 16 weitere prähistorische Modelle des Sonnensystems auf der Welt existieren.
Dann folgten die berühmten Linien und Kreise. Däniken zeigte Landkarten mit verschiedenen Orten, die sich alle durch eine Linie verbinden lassen. An diesen Orten finden sich prähistorische Bauwerke und die Tatsache, dass sie alle auf einer Linie liegen, ist ein Beweis für außerirdischen Einfluss. Jetzt wurde Däniken ein bisschen wirr. Er erzählte von Überlegungen wie man den Außerirdischen unsere Existenz klarmachen könne. Dazu gab es anscheinend früher mal die Idee, große Kornfelder in Dreiecksform anzulegen. Wenn man das aus dem All beobachtet, ist klar, dass hier eine Intelligenz am Werk war. Den gleichen Zweck sollen wohl die mysteriösen "Linien" erfüllen.
Mir ist das allerdings nicht ganz klar. Auch Außerirdische müssen sich an die Naturgesetze halten und können nicht so einfach Teleskope bauen mit denen sich Kornfelder auf der Erde aus einigen Lichtjahren Entfernung beobachten lassen. Und die "Linien" von Däniken sind ja auch keine großen Striche in der Landschaft sondern nur gedachte Verbindungen einiger Orte - das lässt sich noch viel schlechter beobachten. Wenn, dann müssten sie schon im Orbit um die Erde sein um das zu sehen - und dann wäre der Aufwand gar nicht mehr nötig. Und überhaupt: ich dachte, es wären die Außerirdischen gewesen, die den Menschen beim Bau dieser Anlagen geholfen hätten. Wozu müssen die etwas ins Weltall signalisieren?
Für Däniken scheint die Sache jedenfalls klar zu sein und er bringt munter weitere Beispiele. Im ganzen antiken Griechenland finden sich anscheinend Dreiecke; Repräsentationen des goldenen Schnitts und Kreise: man muss nur die Positionen bestimmter alter Städte verbinden. Auch hier folgen die Folien zu schnell aufeinander, als dass ich mir alles merken hätte können. Ein Beispiel konnte ich allerdings schnell noch abzeichnen: nimmt man Knossos auf Kreta als Mittelpunkt, dann könne man angeblich einen Kreis ziehen auf dem Sparta und Epidaurus liegen. Abgesehen davon, dass ich dieser Tatsache prinzipiell nicht allzu viel Bedeutung zugemessen hätte, ist das ein typisches Beispiel für die Dänikensche Pyramidologie: wenn man lang genug sucht, dann findet man immer irgendwelche Orte die in bestimmten geometrischen Mustern angeordnet sind. Wenn man Pyramiden oder andere Baumerke vermisst, kann man die erhaltenen Zahlen immer irgendwie so kombinieren, dass bestimmte Naturkonstanten dabei herauskommen - usw.
Für Däniken sind die diversen geometrischen Muster jedenfalls höchst bedeutend. Und die "schlauen Menschen die immer nur daher quatschen sollen einfach mal einen Zirkel und eine Karte von Griechenland nehmen und das Staunen neu lernen!". Das macht Däniken während seines Vortrags öfter: er fordert das Publikum auf, alles nachzulesen bzw. nachzurechnen. Alles sei ganz einfach von jedermann überprüfbar; niemand müsse sich auf sein Wort verlassen. Das klingt zuerst recht vertrauenserweckend - aber Däniken sagt sowas bevorzugt immer dann, wenn eine Nachprüfung gar nicht so einfach ist, wie man zu glauben meint (dazu später mehr).
Aber da ich ja ein "schlauer Mensch" bin, viel "daher quatsche" und auf jeden Fall "das Staunen neu lernen" möchte, habe ich das mit der Karte von Griechenland natürlich überprüft. Obwohl - eigentlich gäbe es dafür ja gar keinen Grund. Dänikens Bilder waren doch schon so klar und eindeutig - was soll man da noch überprüfen? Ich konnte leider kein Foto machen - aber bei ihm sah das in etwa so aus (die Karten stammen von Google Maps):
Die Götter sind Außerirdische
Nun packte Däniken die alten religiösen Überlieferungen aus. Von den Ureinwohnern Nord- und Südamerikas, über die alten Inder, bis hin zur Bibel präsentiert er Beispiel aus alten Texten, die seiner Meinung nach genau beschreiben wie Außerirdische vor vielen Jahrtausenden die Menschen besuchten.
Däniken erzählt von den Überlieferungen der Hopi-Indianer, die daran glauben, dass ihre Götter irgendwann einmal wiederkehren werden und er erzählt lange von Arjuna aus dem hinduistschen Mahabarata. Der sei nämlich von den außerirdischen Lehrern zu ihrem Mutterschiff in den Erdorbit gebracht worden. Und anhand der Angaben in den alten indischen Texten konnte Däniken das Raumschiff exakt rekonstruieren. So sah es aus:
Wow! Also ich kann leider kein Sanskrit und kann den Text im Original nicht nachlesen. Aber irgendwie bezweifle ich, dass das alles dort so exakt beschrieben wird. Dieses Bild stammt übrigens aus einer minutenlangen Filmsequenz in der noch ein paar andere große Raumschiffe zu sehen sind. Danach kommt Däniken auf die Apokryphen zu sprechen: die Texte, die von den bösen Kirchenvätern nicht in die Bibel aufgenommen wurden. Däniken ist generell nicht gut auf Religion anzusprechen und brachte immer wieder die eine oder andere Spitze gegen sie bzw. ihre Anhänger.
Das Buch Henoch beispielsweise erzählt von Henochs Tour durch den Himmel wo ihm Engel alles Mögliche zeigen. Die Engel waren natürlich Außerirdische und der Himmel ein Raumschiff. Däniken meint sogar anhand dieses Buches könne er allen außerirdischen "Lehrern" Namen und Fachgebiet zuordnen.
Der nächste Text den Däniken vorstellt, ist wieder ein wunderbares Beispiel für die selektive Art und Weise wie er seine "Indizien" präsentiert. Es geht um die "Apokryphen des Abraham". Dort wird von Abraham erzählt, wie er als Junge von Außerirdischen entführt und auf ihr Raumschiff gebracht wurde. Bei seinen Ausführungen deutet Däniken durch seine Art zu sprechen immer wieder an, dass es sich um exakte Zitate aus dem Text handelt. Und die klingen wirklich beeindrucken. Abraham sah Wesen die "hatten nicht eines Menschen Atem" - sie trugen nämlich Raumanzüge mit Atemmasken. Auf dem Raumschiff ging es ihm nicht gut, er "wünschte wieder auf die Erde nieder zu fallen" - also muss er ja wohl im Weltraum gewesen sein. Am Ende von Dänikens Ausführungen konnte man gar nicht anders als den Eindruck zu haben, hier würde tatsächlich eine außerirdische Entführung beschrieben. Selbst ich war ein wenig beeindruckt und hab mich gefragt, was dieser Text wohl zu bedeuten hat. Denn selbst Däniken wäre vermutlich nicht so dreist, das alles einfach zu erfinden.
Und auch hier hat er wieder darauf hingewiesen, dass jeder das alles leicht selbst nachprüfen kann. Man kann ja einfach nachlesen was dort geschrieben steht. Das habe ich natürlich probiert. Das war aber wieder nicht so einfach, wie Däniken es aussehen lässt.
Erstmal sind die "Apokryphen des Abraham" keine wirklichen Apokryphen und daher auch nicht in den gängigen Kompilationen zu finden. Nach ein bisschen Recherche war klar, dass es sich bei dem Text um die "Apokalypse des Abraham" handeln muss - eine Pseudoepigraphie aus dem ersten Jahrhundert. Der Text ist im Original verloren und nur in Altkirchenslawisch überliefert. Ich habe aber noch eine englische Übersetzung gefunden. Wo Däniken seine angeblichen deutschen Zitate her hat, kann ich nicht sagen - er meinte in seinem neuen Buch wären alle Quellen exakt aufgeführt. Liest man den englischen Text, dann erkennt man die Stellen wieder von denen Däniken gesprochen hat:
"And it came to pass when I heard the voice pronouncing such words to me that I looked this way and that. And behold there was no breath of man. And my spirit was amazed, and my soul fled from me. And I became like a stone, and fell face down upon the earth, for there was no longer strength in me to stand up on. (Kapitel 10, 1-2)"Für Däniken ist hier die Begegnung mit einem Außerirdischen beschrieben. In seinen Ausführungen hat er außerdem den Eindruck erweckt, die Geschichte würde nur aus dem Inhalt bestehen den er dem Publikum vorsetzt. In Wahrheit sind die von Däniken erwähnten Sätze über den ganzen Text verstreut und verlieren im Kontext und dem englischen "Original" enorm an Bedeutung was die Behauptung, einer außerirdischen Entführung angeht. Er hat sich hier ganz offensichtlich ein paar Sätze rausgesucht und sie kreativ seiner Theorie angepasst - so wie weiter oben bei den mysteriösen Kreisen und Linien in Griechenland.
Da mein Altkirchenslawisch leider ein bisschen eingerostet ist, kann ich hier keine tiefergehende Analyse durchführen - aber auch so ist klar, dass hier sehr viel von Dänikens Phantasie im Spiel ist und wenig eigentliche Fakten.
Zum Abschluss des religiösen Teils kommt natürlich noch die berühmte Hesekiel-Geschichte. Auch hier wird ein Prophet von Außerirdischen entführt und zu einem Raumhafen gebracht, den er dann vermessen soll, auf das die späteren Generationen genau Bescheid wüssten dass Außerirdische da waren. Meint zumindest Däniken. Er hat auch vor 30 Jahren einen "geheimen" Vortrag bei der NASA gehalten und dort von Hesekiel erzählt. Ein NASA-Ingenieur, Joseph Blumrich, war davon so angetan, dass er ausgehend vom Text aus der Bibel das entsprechende Raumschiff rekonstruiert hat. Auch hier wurde "kein Zentimeter vergessen oder hinzugefügt" wie Däniken betont - alles basiere rein auf dem biblischen Text.
Hier ein Ausschnitt aus dem relevanten ersten Kapitel des Hesekiel-Buchs:
"Und ich sah: und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer, sich ineinander schlingend, und ein Glanz rings um dieselbe; und aus seiner Mitte, aus der Mitte des Feuers her, strahlte es wie der Anblick von glänzendem Metall.In diesem Stil geht das noch ein bisschen weiter. Aber für Blumrich und Däniken ist es anscheinend eindeutig das dieser Text nichts anderes beschreibt als exakt dieses Raumschiff:
Und aus seiner Mitte hervor erschien die Gestalt von vier lebendigen Wesen; und dies war ihr Aussehen: Sie hatten die Gestalt eines Menschen.
Und jedes hatte vier Angesichter, und jedes von ihnen hatte vier Flügel. Und ihre Füße waren gerade Füße, und ihre Fußsohlen wie die Fußsohle eines Kalbes; und sie funkelten wie der Anblick von leuchtendem Erze.
Und Menschenhände waren unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; und die vier hatten ihre Angesichter und ihre Flügel.
Ihre Flügel waren verbunden einer mit dem anderen; sie wandten sich nicht, wenn sie gingen: Sie gingen ein jeder stracks vor sich hin.
Und die Gestalt ihres Angesichts war eines Menschen Angesicht; und rechts hatten die vier eines Löwen Angesicht, und links hatten die vier eines Stieres Angesicht, und eines Adlers Angesicht hatten die vier.
Und ihre Angesichter und ihre Flügel waren oben getrennt; jedes hatte zwei Flügel miteinander verbunden, und zwei, welche ihre Leiber bedeckten.
Und sie gingen ein jedes stracks vor sich hin; wohin der Geist gehen wollte, gingen sie; sie wandten sich nicht, wenn sie gingen.
Und die Gestalt der lebendigen Wesen: Ihr Aussehen war wie brennende Feuerkohlen, wie das Aussehen von Fackeln. Das Feuer fuhr umher zwischen den lebendigen Wesen; und das Feuer hatte einen Glanz, und aus dem Feuer gingen Blitze hervor. Und die lebendigen Wesen liefen hin und her wie das Aussehen von Blitzstrahlen"

Beeindruckend! Vor allem die Phantasie von Blumrich beeindruckt hier - denn ohne die hätte er dieses Raumschiff aus obigem Text wohl kaum "rekonstruieren" können. Der Hesekiel-Text mag zwar ein wenig seltsam klingen - aber es gibt wesentlich vernünftigere Interpretationen dazu als die mit dem Raumschiff (hier z.B.).
Auch die Abmessungen des Tempels die von Hesekiel beschrieben werden lassen laut Däniken eine "exakte" Rekonstruktion zu. Und heraus kommt natürlich eine Lande- und Wartungsstation für das Raumschiff. Für Däniken sind das jetzt keine Indizien mehr sondern "Beweise" für die Anwesenheit Außerirdischer auf der Erde.
Witzig ist dann noch Dänikens Kritik an den Theologen mit der er diesen Teil seines Vortrags beendet. Bei der Übersetzung und Kompilation der religiösen Texte spricht von einer "Verfälschung der alten Texte" und von "zusammengebogenen Texten damit sie zu den Vorstellungen der Autoren passen". Ich musste mir ein Lachen verkneifen ;)
Warum das alles?
Aber warum das alles? Warum machen sich die Außerirdischen die große Mühe überall auf der Welt Bauwerke und religiöse Texte zu inspirieren bzw. zu schaffen, die verschlüsselt Beweise für ihre Anwesenheit enthalten?
Laut Däniken sind das Botschaften an die Zukunft. Die Außerirdischen haben "eindeutige Beweise" zurückgelassen und wollten dass sie erst gefunden werden, wenn die Menschheit bereit dafür ist. Wir Menschen müssen nun nach den Beweisen suchen und werden deswegen von den Aliens auf diese "Schnitzeljagd" (so nannte es Däniken) geschickt. Längst hätten wir die Beweise finden können - wenn den die Menschen (bzw. die Wissenschaftler) nicht so schrecklich ignorant wären. Aber Däniken lässt sich nicht beirren und erleuchtet die Ungläubigen: "Herr Däniken, dass wussten wir alles gar nicht!" ist laut ihm die Antwort, die er "jedesmal" bekommt, wenn er Wissenschaftlern seine Theorien vorträgt. Die verkopften Forscher stecken so tief in ihrer Welt und schauen nie über den Tellerrand - solange bis Däniken sie auf das Offensichtliche hinweist.
Dann macht sich Däniken daran, die große Frage zu beantworten: "Wo ist der Beweis versteckt?". Leider verlässt er sofort nach dieser Frage das Thema um nie mehr darauf zurückzukommen (Ich würde sowas ja auf der Rückseite des Mondes verstecken. Einfach in großes Buchstaben "Hallo! Wir waren da!" in die Oberfläche einbrennen. Das können wir dann erst lesen wenn wir weit genug sind um Raumsonden um den Mond herum schicken zu können. Muss gleich mal schauen ob ich dazu in der Bibel was finde ;) )
Däniken will jetzt über den Maya-Kalender sprechen. Die haben nämlich 2 verschiedene Kalendersysteme. Einmal gibt es den Haab-Kalender - der wird für alltägliche Zwecke verwendet und hat 365 Tage, fast so wie unser Kalender mit 365,25 Tagen. Dann gibt es einen Kalender für rituelle Zwecke mit 260 Tagen (Tzolkin). Laut Däniken ist das wieder ein eindeutiges Anzeichen für außerirdischen Einfluss: denn warum sollte man sonst einen Kalender mit 260 Tagen haben? Die beiden Kalender laufen parallel und alle 52 Jahre stehen beide wieder auf Null. Dann gibt es aber auch noch den long-count: ein weiterer Kalender den die Mayas für astronomische Berechnungen bzw. für Geschichtschreibung nutzen, um auch Ereignisse die länger als 52 Jahre in Vergangenheit oder Zukunft lagen eindeutig beschreiben zu können. Aus diesem System ergeben sich Epochen, die jeweils 5125,36 Jahre dauern.
Und die aktuelle Epoche des Maya-Kalenders endet am 21.12.2012. Däniken interpretiert das folgendermaßen: Am Beginn der letzten Epoche - der vermutlich auf den 11. August 3114 v.Chr. gefallen ist - sind die Außerirdischen auf der Erde gelandet. Und wenn nun die Epoche in 4 Jahren zu Ende geht, werden sie wiederkommen! Däniken weist aber auch gleich auf eventuelle Umrechnungsprobleme bei den Kalendern hin - sollte am 21.12.2012 also nichts Außergewöhnliches passieren dann ist das noch lange keine Widerlegung seiner Theorie.
Schlechte Astronomie
Däniken ist sich aber trotzdem sehr sicher, dass der 21. Dezember 2012 ein ganz besonderes Datum darstellt. Und dafür bringt er astronomische "Beweise". Er erzählt dem Publikum von der Präzession der Erde. Damit beschreiben Astronomen die sich ändernde Orientierung der Erdachse.Heute zeigt sie (im Norden) in etwa auf den Polarstern. Die Erde "eiert" aber ein bisschen - so wie der Kreisel im Bild rechts. Grund dafür ist die Gravitationskraft die der Mond auf die Erde ausübt. Die Erdachse läuft dabei einmal in etwa 25800 Jahren im Kreis.
Nun behauptet Däniken, dass genau am 22.12.2012 um 00:00 die "Präzession endet". Sie laufe danach zwar wieder weiter - aber zu diesem Zeitpunkt ist die Erdachse auf eine ganz spezielle Art und Weise ausgerichtet: sie zeigt exakt auf das Zentrum der Milchstraße! Und von dort (auch das steht in den alten Texten) sind die Außerirdischen ja zu uns gekommen. Der ablaufende Maya-Kalender und die Ausrichtung der Erdachse sind untrügliche Beweise dafür, dass die Außerirdischen am 21.12.2012 wieder zur Erde zurückkehren werden "um neu zu ordnen was sie schufen".
Hui! Klingt beeindruckend - ist aber leider völlig falsch. Das Zentrum unserer Milchstraße befindet sich von der Erde aus gesehen im Sternbild Schütze. Dieses Sternbild liegt an der Ekliptik. Die beschreibt die scheinbare Bahn der Sonne, die wir am Himmel sehen bzw. entspricht der Bahn der Erde um die Sonne. Das Zentrum der Milchstrasse liegt also von der Erde aus gesehen in etwa in der Nähe der Ebene, die durch die Erdbahn definiert wird. Däniken behauptet also, dass in knapp 4 Jahren auch die Erdachse in dieser Ebene liegen wird und auf das Zentrum zeigt!
Was würde das bedeuten? Wenn die Erdachse in der Erdbahnebene liegt, dann wären wir in derselben Situation wie heute der Planet Uranus. Die Hälfte des Jahres würde also eine Hemisphäre der Erde immer der Sonne zugewandt sein, in der anderen Hälfte des Jahres wäre sie immer von der Sonne abgewandt. Wir hätten also ein halbes Jahr lang Tag und ein halbes Jahr lang Nacht! Das kann aber glücklicherweise nicht passieren - denn unsere Erdachse liegt nicht in der Bahnebene - sie ist 66,5 Grad ihr gegenüber geneigt und kann daher unmöglich, zu keinem Zeitpunkt auf das Zentrum der Milchstrasse zeigen. Um die Erdachse so extrem zu neigen müssten wir vorher schon mit einem anderen Planeten zusammenstoßen!
Däniken jedenfalls ist fest von seiner falschen Aussage überzeugt. Er zeigt sogar eine Animation in der man das Ablaufen des Maya-Kalenders und die Bewegung der Erdachse beobachten kann und genau sieht wie sie am Ende auf das Zentrum der Milchstrasse zeigt.
Verbreitet die Botschaft!
Genauso grandios wie dieser astronomische Blödsinn ist auch der Schluss seines Vortrags. Däniken befürchtet einen "Götterschock", eventuell "millionenhaften Selbstmord". Und das alles nur, weil die Menschen auf die Ankunft der Außerirdischen nicht vorbereitet sind. Aber man kann das ändern! Man muss nur genügend Menschen von seinen Theorien erzählen und sie davon überzeugen. Allerdings lassen sich vielleicht viele nicht überzeugen und halten alles für Unsinn? Das ist kein Problem - denn Däniken hat ja gerade heute Abend gezeigt dass alle seine Behauptungen belegt und überprüfbar sind. Aber vielleicht haben die Zuhörer schon wieder einiges vergessen - er hatte ja auch nicht so viel Zeit und hat viele Fakten gebracht. Aber auch das ist kein Problem. Denn es gibt ja eine DVD des Vortrags! Die kann man kaufen und sich in Ruhe noch mal alle Indizien und Beweise für die bevorstehende Wiederkehr der Äußerirdischen ansehen. Dazu sollte man am besten ein paar Freunde einladen. Und wenn die die Botschaft dann ebenfalls ein paar Freunde verteilen - usw. - dann ist die Menschheit am 21. Dezember 2012 gut genug auf die dramatische Landung der Außerirdischen vorbereitet.
Ich habe dann doch darauf verzichtet mir die DVD für 20 Euro zu kaufen. Ich hatte ja mein Notizbuch und erfülle jetzt hier natürlich auch gerne den Auftrag und verbreite das, was ich beim Vortrag gehört habe ;)

Autor: Florian Freistetter· 18.10.08 · 18:29 Uhr· 2565 Kommentare
17. Oktober 2008
Erich von Däniken und ich
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 410

Es hat doch noch geklappt! Heute Abend werde ich (dank Unterstützung von Markus Griesser) mir den Vortrag "Götterdämmerung - die Rückkehr der Götter" von Erich von Däniken anhören.
Hier nochmal die Kurzzusammenfassung des Inhalts:
Ich bin ja schon gespannt ob Däniken dazu noch weitere astronomische Informationen bringt. Auf den ersten Blick erscheint mir das ein wenig fragwürdig ;)"Nur alle 25.800 Jahre steht die Sonne an der Wintersonnenwende in einer Ebene mit dem Zentrum unserer Galaxis. Am 22. Dezember 2012 wird die Menschheit erstmals Zeuge dieses astronomischen Ereignisses. Kurioserweise kannte dieses Datum auch das Volk der Maya, ihr Kalender läuft in der Nacht zuvor, am 21. Dezember 2012, aus. Anschließend, so behaupten sie, beginne ein völlig neues Erdzeitalter, sogar die Götter würden zurückkehren.
Götter? Welche Götter?"
Ich werde jedenfalls gut zuhören, mir Notizen machen und dann am Wochenende einen ausführlichen Bericht veröffentlichen.
Nachtrag: der Bericht ist hier fertig und hier zu finden!
Autor: Florian Freistetter· 17.10.08 · 15:46 Uhr· 410 Kommentare
16. Oktober 2008
Ein halbes Jahr Astrodicticum Simplex
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 22
Genau vor 6 Monaten, am 16. April 2008 gab es den ersten Beitrag von Astrodicticum Simplex. Naja - eigentlich stimmt das nicht; der allererste Beitrag wurde am 3. Februar 2008 veröffentlicht. Aber dieses Jubiläum habe ich irgendwie verschlafen - also freue ich mich jetzt über ein halbes Jahr Astrodicticum Simplex bei ScienceBlogs.
Ich möchte den Anlass für einen kleinen Rückblick auf das nützen, was hier bisher so alles geschehen ist.Gleich zu Beginn war der Weltuntergang ein Thema auf meinem Blog: es ging um die Möglichkeit eines Asteroideneinschlags im Jahr 2036. Asteroiden und die Gefahren eines Einschlags wurden später immer wieder behandelt:
- (Kein) Weltuntergang in 28 Jahren
- Zuständigkeiten: Wer rettet die Welt?
- Asteroid rast auf Thüringen zu
- Tunguska, Riesenkrater und die Asteroidenabwehr
- Ein Traktorstrahl zur Asteroidenabwehr
- Erdnahe Asteroiden und Fuzzy-Logic
- Erdnahe Asteroiden und das Chaos
- Rosetta nähert sich dem Asteroiden Steins
- Trojaner am Himmel
- Rosetta macht coole Bilder vom Asteroid Steins
- Gemeinsam gegen gefährliche Asteroiden
- Was würdet ihr tun wenn ein Asteroideneinschlag bevorsteht?
- Ein Asteroid kollidiert heute Nacht mit der Erde
- Der Asteroid der mit der Erde kollidierte
Neben den Asteroiden gehören auch die Planeten unseres Sonnensystems und extrasolare Planeten zu meinem Arbeitsgebiet als Astronom. Deswegen gab es auch dazu einige Artikel:
- Chaos im Sonnensystem
- Rätselhafte Ankündigung einer Entdeckung
- Was ist ein Sol?
- Neuer kleinster Exoplanet entdeckt
- Planeten, Pluto und die Plutoiden
- Weißt du wieviel Planeten stehen?
- Aus den astronomischen Archiven: Die Marskanäle
- Unser seltenes Sonnensystem
- Die große Planetendebatte
- Cassini, Enceladus und der Riesenring des Saturn
- Bis an die Grenzen des Sonnensystems
- Bilder von Exoplaneten
- Interview mit den Planetenjägern
- Haumea, der fünfte Zwergplanet
- Planetenbilder ohne Teleskop
- Eine Tasse Kaffee? Nein, das ist Saturn!
- Der Mond: Entstehung durch Chaos
- Der Mond: Entstehung durch Chaos (Nachtrag)
- Der Mond: Die Gezeiten
- Kein Leben ohne Mond
- The Outcast: der Stern der aus der Milchstrasse abhaut
- HD 124448: der Stern der fast nur aus Helium besteht
- Sirius: hellster Stern und Heimat der Außerirdischen?
- Acrux: der Stern von der brasilianischen Flagge
- PSR B1919+21: der erste Pulsar
- Beta Pictoris: ein Stern mit Staub und Planeten
- WOH G64: ein verdammt großer Stern
- Barnards Stern: der Schnellläufer am Himmel
- Nemesis: der Stern, der nicht da ist
- Castor: ein Stern, viele Sterne
- S2: Stern im Zentrum der Milchstrasse
- Iota Horologii: der Planet in der Pendeluhr
- HE1327-2326: der älteste Stern im Universum
- Nunki: der Stern hinter den Planeten
- Die allerersten Sterne
- Geheimnisvolle NASA-Meldung
- Jüngste Supernova in unsere Galaxis entdeckt
- Ein seltsames grünes Ding aus dem All
- Kann man Sterne kaufen? Alles über Sternnamen
- Der erste Österreicher bei der ESO
- Dunkle Materie entdeckt?
- Überleben im Vakuum
- Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstrasse
- Kommunizieren Außerirdische mit blinkenden Sternen?
- Kollidierende Galaxienhaufen und dunkle Materie
- Ein mysteriöses Objekt am Himmel
- Die dunkelste Galaxie
- Kollidierende Planeten
- Hinter die Grenze des beobachtbaren Universums
- Frühreife Galaxie: zu jung für ihr Magnetfeld
- Eine galaktische Spur der Zerstörung
- Astronomie im Fernsehen
- Phoenix ist gelandet
- Phoenix bei Landung fotografiert
- Neue Bilder von Phoenix
- Zu salzig für Leben: wird Phoenix scheitern?
- Ein Fußabdruck am Mars: neues von Phoenix
- Der Marsboden unter dem Mikroskop
- Phoenix hat Probleme
- Probleme bei Phoenix gelöst
- Phoenix findet Eis!
- Der Marsboden könnte Leben enthalten
- "Wir haben Wasser!"
- Hat Phoenix Leben auf dem Mars entdeckt?
- Kein Weltuntergang: LHC ist sicher!
- LHC: Das Sternentor zur Hölle
- Auch die Wissenschaftler am LHC sind Menschen
- LHC-Schlagzeilen-Check
- Wissenschaft am LHC: Suche nach dunkler Materie
- Wissenschaftler, LHC und Science-Fiction Bücher
- LHC wurde abgeschaltet
- Klage gegen den LHC wurde abgewiesen
Neben den wissenschaftlichen Themen habe ich auch immer wieder kritisch über diverseste pseudowissenschaftliche und esoterische Bereiche geschrieben:
- Kollidierende Planeten: Velikovskys seltsame Theorien
- Vom richtigen Zeitpunkt: esoterischer Schwachsinn über den Mond
- Landung auf dem Titan: eine Verschwörungstheorie der NASA?
- Schon da: die Phoenix-Verschwörung
- Global Scaling - eine neue Universaltheorie?
- Die Mondlandungslüge stirbt nicht
- Wissenschaftsorden für Granderwasser bleibt
- Wenn Minister (nicht) antworten: Herr Hahn und das Granderwasser
- Klassische Musik soll Wurst besser machen
- Erich von Däniken kommt nach Jena
- Esoterik im Physik-Unterricht
- Uri Geller und die Aliens
- EM 2008 und Astrologie
- Update: EM 2008 und Astrologie
- Ich habe ein Horoskop bekommen!
- Aszendent Liebe: Ein selten dummer Film
- Astrologen mögen mich nicht
- Astrologie und Galileo Mystery
- Die Finanzkrise und die Astrologie
- EM 2008 und Homöopathie
- Medikamente aus Hundekot
- Homöopathie-Propaganda in der Qualitätszeitung
- Homöopathie auf dem Prüfstand
- Homöopathie am LKH Klagenfurt
- Homöopathie, Placebos und Quantenunsinn
- Homöopathie-Propaganda für Kinder
- Abstimmen über Homöopathie
- Homöopathie auf Ö1 und der Kinderuni Wien
- Homöopathie an der Kinderuni: Antwort der Verantwortlichen
- Physik für Mädchen
- Hochschulrektorenkonferenz in Jena
- Endlich: Österreich wird ESO-Mitglied
- MeinProf.de: Verstoß gegen den Datenschutz?
- Schulen: Kein Vergleich erwünscht
- Das zentrale Lemma über die Anwendung neuer Technologien
- Wissenschaftsrat fordert bessere Lehre an den Universitäten
- Karriere nach dem Betrug
- Österreich schafft die Studiengebühren ab
- Wissenschaft ist teuer? Unsinn!
- Nebenjob Doktorarbeit
Dann war da natürlich auch noch das Blog-Teleskop - ein Projekt von mir zur Vernetzung der deutschsprachigen Astronomieblogs:
- Vernetzung der deutschsprachigen Astronomieblogs
- Informationen zum Blog-Teleskop und Links zu allen bisherigen Ausgaben
- Teilchenphysik zum Kuscheln
- Alltag eines arbeitslosen Astronomen
- Mein Arbeitsplatz
- Geheimnisvolle Veganer
- Ich ärgere mich über die österreichische Politik
- Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
- Schockierendes Ergebnis der Wahl in Österreich
- Marcel Reich-Ranicki, Kochsendungen im Fernsehen und kulinarische Experimentalphysik
- Wissenschaftsbloggen im 17. Jahrhundert
- Wird Wikipedia seriös?
- Sind Klimakonferenzen schlecht für das Klima?
- Zeitreisen
Insgesamt habe ich in den 6 Monaten 175 Einträge geschrieben und dazu 2100 Kommentaren erhalten. Das sind 0,96 Beiträge pro Tag und 12 Kommentare pro Beitrag - eigentlich nicht schlecht.
Die Top-10 der meistgelesenen Artikel sieht so aus:
- 1) Kein Weltuntergang: LHC ist sicher!
- 2) EM 2008 und Astrologie
- 3) Vom richtigen Zeitpunkt: Esoterischer Unsinn über den Mond
- 4) Medikamente aus Hundekot?
- 5) (Kein) Weltuntergang in 28 Jahren
- 6) Schockierendes Ergebnis der Wahl in Österreich
- 7) Neue Bilder von Phoenix
- 8) Ein Asteroid kollidiert heute Nacht mit der Erde
- 9) Die Mondlandungslüge stirbt nicht
- 10) Global Scaling: eine neue Universaltheorie?
Der Artikel über den LHC war dabei die absolute Nummer eins - nicht nur was die Zahl der Leser angeht sondern auch die Kommentare: aktuell wurden 560 Kommentare dazu geschrieben!
Mir hat dieses halbe Jahr bei Scienceblogs jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Ich habe viele nette neue Leute kennengelernt und mich sehr über die Diskussionen und Gespräche gefreut (naja - manchmal, bei der hundersten absurden Frage zum LHC war es auch etwas anstrengend).
Ich hoffe das ich auch weiterhin Spaß am Schreiben und vor allem viele zufriedene Leserinnen und Leser haben werde!
Autor: Florian Freistetter· 16.10.08 · 11:46 Uhr· 22 Kommentare
15. Oktober 2008
Nebenjob Doktorarbeit
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 38
An den Universitäten wäre Forschungsarbeit ohne Doktoranden vermutlich fast nicht mehr möglich.
Professoren bzw. Arbeitsgruppenleiter sind oft durch Verwaltungsaufgaben, Lehre, Drittmitteleinwerbung und Ähnlichem so belegt dass für eigentliche Forschungsarbeit kaum mehr Zeit bleibt - sie werden fast zu hauptberuflichen "Forschungsmanagern" die Ideen ausarbeiten, die Richtung vorgeben und hoffentlich auch helfen und unterstützen - aber die Arbeit machen Doktoranden.
Trotzdem ist die Forschung für eine Doktorarbeit keine Arbeit im eigentlich Sinn - besonders dann, wenn man sich die Bezahlung ansieht. In vielen Fällen verkümmert die Doktorarbeit zu einer Nebenbeschäftigung die durch andere Arbeit finanziert werden muss.
Eine gestern präsentierte Studie des Graduiertenzentrums Sozialwissenschaft der Universität Wien und der Arbeiterkammer Wien die von der in{}fem Forschungswerkstatt für feministische Interdisziplinarität durchgeführt wurde beschäftigt sich mit genau diesem Thema. Die Autorinnen Christa Markom, Petra Ziegler und Doris Bammer haben untersucht wie die Arbeitssituation der österreichischen Doktoranden aus den sozialwissenschaftlichen Fächern aussieht.
Laut dieser Studie arbeiten 55 Prozent der Doktoranden mehr als 30 Stunden in der Woche um ihre Doktorarbeit zu finanzieren. Ein Drittel aller Befragten verdient zwischen 500 und 1.000 Euro netto pro Monat, knapp ein Viertel zwischen 1.000 und 1.500 Euro und nur ein Fünftel zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 20 Prozent haben ein Stipendium bekommen; 80 Prozent sind auf Nebentätigkeiten angewiesen.
Wenn man 30 Stunden pro Woche arbeitet und vielleicht auch noch eine Familie hat und sich um Kinder kümmern muss kann man sich vorstellen wie schwierig es ist, Zeit für wissenschaftliche Arbeit zu finden. Auch die finanzielle Situation ist nicht sonderlich befriedigend. Wer selbst schon eine Doktorarbeit geschrieben hat, weiß dass das eigentlich nichts ist, was man nebenbei macht. Von Doktoranden wird auch immer mehr erwartet, quasi ständig in "Bereitschaft" zu sein - Überstunderegelungen sind mir bei Doktoranden bis jetzt noch nicht begegnet. Dann auch noch mit einem unterdurchschnittlichem Gehalt auskommen zu müssen kann frustrierend sein.
Überraschenderweise sehen das die Doktoranden selbst nicht so. Ein Siebtel der Befragten meinte sie würden mit ihren finanziellen Mitteln "sehr gut" auskommen, ein Drittel bewertete ihre Situation mit "gut", ein weiteres Drittel mit "mittel" und nur ein Fünftel mit "weniger gut" oder "gar nicht gut". Das scheint zu bestätigen das Wissenschaftler immer noch etwas für Idealisten ist.
Bei orf.on gibt es noch ein ausführliches Interview mit den Autorinnen der Studie.
In dieser Studie wurden nur die Sozialwissenschaften untersucht - aber ich würde vermuten dass es in den anderen Disziplinen ähnlich ist. Genau Daten dazu habe ich leider nicht - aber ich kann ja mal erzählen wie es bei mir persönlich war.
Ich habe in den ersten beiden Semstern meines Doktoratsstudiums überhaupt nichts verdient. Die Studienbeihilfe (in Österreich eine Förderung für finanziell bedürftige Studenten) hatte ich als Doktorand nicht mehr bewilligt bekommen und sonst war leider kein Geld zur Verfügung. Ich habe in der Zeit allerdings auch gerade meinen Grundwehrdients beim Bundesheer absolviert also bin ich über die Runden gekommen. Die nächsten vier Semster habe ich über Drittmittelprojekte 600 Euro netto pro Monat bekommen; in den letzten beiden Semestern des Studiums waren es etwa 800 Euro netto.
Das ist zwar nicht wirklich viel - aber es hat für mich zum Leben gereicht. Natürlich ohne großen "Luxus", Auto, regelmäßige Urlaube etc. und gewohnt habe ich zu der Zeit in einem 10 m² großem Zimmer im Studentenheim. Dafür konnte ich mich aber ganz aufs Studium konzentrieren und musste nicht nebenbei noch arbeiten. Hätte ich aber zu der Zeit schon eine Familie gehabt, dann wäre das so sicher nicht möglich gewesen.
Ich war ja finanziell gesehen auch noch relativ gut dran. Viele meiner Freunde und Kollegen haben während der Zeit ihrer Doktorarbeit nur sehr sporadisch eine Finanzierung bekommen. Ohne Arbeitslosengeld (bekommen in Österreich auch Studenten bzw. zumindest Doktoranden) bzw. Nebenjobs hätte viele ihr Studium nicht beenden können.
Es ist wirklich schade dass eine Doktorarbeit oft nur im Zuge finanzieller Einschränkungen oder als Nebentätigkeit möglich ist. Viele potentiel gute Studenten schreckt das natürlich ab und sie schlagen nach ihrem Diplom eine weitere wissenschaftliche Laufbahn aus. Auf diese Art und Weise können Staat und Universitäten vielleicht ein wenig Geld sparen (angesichts der aktuellen Förderungen im Zuge der Finanzkrise sind diese Beträge aber sowieso verschwindend gering) - aber eine vernünftige Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs sieht anders aus!
Autor: Florian Freistetter· 15.10.08 · 12:27 Uhr· 38 Kommentare
14. Oktober 2008
Eine Tasse Kaffee? Nein, das ist Saturn!
Kategorie: Naturwissenschaften
Die Raumsonde Cassini sorgt schon seit Jahren für wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse und spektakuläre Bilder. 2005 setzte ihr Lander Huygens auf dem Saturnmond Titan auf; im gleichen Jahr untersuchte sie detailliert die Ringe des Saturn und fand unter anderem im Eisvulkanismus des Mondes Enceladus das Reservoir für die Ringteilchen.
Und nun liefert Cassini spektakuläre Bilder des Saturn selbst. Diese gestern veröffentlichte Aufnahme zeigt die Südpolregion des Ringplaneten zehnmal detaillierter als es bisher möglich war (anklicken zum Vergrößern):
Was aussieht wie Milch in einer Tasse Kaffee sind in Wahrheit gewaltige Wirbelstürme in Saturns Atmosphäre. Der gesamte Strudel hat einen Durchmesser von etwa 4000 Kilometern! Der Grund für seine Existenz heisst Konvektion: Warme Gase steigen auf; kalte sinken tiefer; so entsteht ein Strömungszyklus. In der Mitte des Strudels zeigt die klare Atmosphäre warme Luft an; man sieht aber auch viele Wolken die eine S-förmige Gestalt haben. Diese Verformung wird durch die schnelle Rotation des Saturn verursacht.
Diese Aufnahme zeigt einen Blick direkt auf den Südpol des Saturn; ein anderes Bild zeigt den Strudel aus einer anderen Perspektive und ist ebenso beeindruckend:
Und hier ist noch eine Infrarot-Aufnahme des kompletten Südpolgebiets; die hochaufgelöste Zentralregion der vorherigen Bilder kann man als kleinen Kreis im Zentrum sehen:
Nicht nur Saturns Ringe sind beeindrucken! Cassini wird sich noch mindestens bis zum Jahr 2010 im Saturnsystem herumtreiben - und sicherlich noch viele weitere spektakuläre Bilder liefern.
13. Oktober 2008
Marcel Reich-Ranicki, Kochsendungen im Fernsehen und kulinarische Experimentalphysik
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 13

Zur Zeit wird hier bei Scienceblogs an vielen Stellen über die Qualität des Fernsehens im Allgemeinen und über Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises im Speziellen diskutiert.
Ich möchte hier gar nicht viel über Reich-Ranickis "Eklat" bei der Preisverleihung sagen. Aber in dem Interview das er der FAZ gegeben hat, ist mir ein interessanter Satz aufgefallen:
"So ging es den ganzen Abend, und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich.
Das hat Sie so aufgebracht? Die Köche?
Ja, natürlich, die auch."
"Immer wieder Köche, nichts als Köche". Dieser Satz ist mir auch schon oft durch den Kopf gegangen als ich vor dem Fernsehapparat gesessen bin.
Eigentlich habe ich nichts gegen Kochsendungen. Ich koche selbst auch oft und sehr gerne und hab mir früher gerne auch mal Kochsendungen angesehen. Aber irgendwie nimmt das mittlerweile etwas überhand. Fast jeder Sender hat mindestens eine Kochsendung im Programm, in den "Wissens"sendungen wie Galileo wird ständig gezeigt wie irgendwelche Leute Essen herstellen oder in XXL-Portionen verdrücken. Wenn man zu einer beliebigen Zeit den Fernsehapparat einschaltet ist die Chance groß, eine Kochsendung zu finden. Oder eine der verwandten Reality-Shows wie "Das perfekte Dinner". Es werden auch ständig "neue" Formate entwickelt ("Kocharena", "Mein Restaurant",...).
Ich weiß nicht - aber irgendwie ist mir das schon lange zuviel. Kochen ist ja schön und gut aber diese ständige Bombardierunge mit neuen Fernsehköchen, neuen Sendungen, neuen Pseudodokumentationen gehen mir langsam aber sicher auf die Nerven.
Ich verstehe auch nicht, warum kein Fernsehsender mal ne neue Idee hat. Seit Jahren werden immer wieder neue Kochshows auf den Markt geworfen - ist deren Quote wirklich so gut? Bin ich der einzige, dem diese Kochorgien auf die Nerven gehen?
Als Alternative kann ich Werner Gruber empfehlen. Der kocht zwar auch ab und zu im Fernsehen - ist aber kein Koch sondern Experimentalphysiker an der Universität Wien (und Mitglied der Sciencebusters). In seinen Bücher, Sendungen und Vorlesungen erklärt er äußerst amüsant die Physik die hinter dem Kochen steckt und entwickelt auch schon mal eine Formel um die optimale Brattemperatur einer Weihnachtsgans zu ermitteln.
Hier ist ein Beispiel:
P.S. Gerade hab ich den Fernseher eingeschalten und was läuft auf Pro 7? Galileo zeigt, wie man "Euter-Schnitzel" kocht...
Autor: Florian Freistetter· 13.10.08 · 21:12 Uhr· 13 Kommentare
12. Oktober 2008
Sendung mit der Maus erhält Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 7

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat die "Sendung mit der Maus" mit der Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik ausgezeichnet. Sie würdigt damit
"die großartige Arbeit der „Sendung mit der Maus" zur Popularisierung und Erklärung von naturwissenschaftlichen und physikalischen Themen. Diese TV-Sendung ist Generationen übergreifend und trägt in ganz hervorragender Weise dazu bei, Neugier und Begeisterung für die Naturwissenschaften bei Kindern und auch bei Erwachsenen zu wecken."
Da kann ich nur zustimmen! Ich habe die Sendung mit der Maus schon als Kind gerne gesehen und selbst heute finde ich die Beiträge dort immer noch interessant! (das Durchschnittsalter der Zuseher liegt übrigens bei 40 Jahren ;) ). Kürzlich erst habe ich eine tolle Sendung gesehen in der erklärt wurde, wie Solarzellen funktioniern. Es gibt vermutlich im Moment nichts besseres im deutschsprachigen Fernsehen um Kinder an die Naturwissenschaften heranzuführen. Angebliche "Wissenschafts"sendungen wie Galileo können da absolut nicht mithalten!
Diese Medaille haben in der Vergangenheit u.a. auch Harald Lesch, Joachim Bublath oder Ernst-Peter Fischer (der hier bei ScienceBlogs schreibt) bekommen.
Ich freue mich jedenfalls sehr für die Maus und den Elefanten und hoffe dass sie nach 37 Jahren voller toller Beiträge auch noch viele weitere Jahre den Kinder beibringen, wie toll Wissenschaft ist!Und falls jemand wirklich noch etwas von der Maus gehört haben sollte: die Sendungen gibt es auch als Podcast.
Autor: Florian Freistetter· 12.10.08 · 21:35 Uhr· 7 Kommentare
Astronomie im Fernsehen: Supernova
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Angeregt durch die Diskussion über Wissenschaft im Fernsehen möchte ich auf eine interessante Sendung hinweisen: Supernova. Astronomische Programme sind ja relativ rar im Fernsehen. Da gibt es natürlich Alpha Centauri mit Harald Lesch - sollte das jemand wirklich noch nicht kennen kann ich es nur empfehlen!
Auch Supernova kann ich empfehlen. Diese Sendung läuft im offenen Wiener Kanal "okto". Wer nicht das Glück hat, in Wien zu wohnen, kann diesen Sender aber leider nicht empfangen. Zumindest nicht mit dem Fernsehapparat. Denn glücklicherweise gibt es auch einen Webstream über denn das Programm abrufbar ist.
Über Inhalt und Sendezeiten von Supernova kann man sich auf dem Blog der Sendung informieren. Die Macher von Supernova sind Mitarbeiter und Studenten des Instituts für Astronomie der Universität Wien - es handelt sich also tatsächlich um Experten. Die Sendungen sind natürlich nicht so professionell wie "echtes" Fernsehen - aber die Leute machen das immerhin alles umsonst und in ihrer Freizeit!
Einige der vergangenen Sendungen sind mittlerweile auch rund um die Uhr im Internet abrufbar: die Ausgabe für Februar/März 2008, die für April/Mai 2008, die für Juni/Juli 2008 und eine Sondersendung.
Ich wünsche viel Spaß beim Zusehen - und binde eine Sendung binde gleich hier mit ein damit es sofort losgehen kann:
Autor: Florian Freistetter· 12.10.08 · 19:55 Uhr· 2 Kommentare
11. Oktober 2008
Neues aus der Forschung: eine galaktische Spur der Zerstörung
Kategorie: Naturwissenschaften·Neues aus der Forschung
NGC 4438 ist eine Galaxie die sich etwa 52 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt befindet. Ihre Spiralarme allerdings sehen nicht ganz so aus wie man das eigentlich erwarten würde; sie sind etwas "verwickelt". Außerdem befindet sich dort unterdurchschnittlich wenig interstellares Gas. Beides deutet darauf hin, dass früher eine andere Galaxie mit NGC 4438 kollidierte - aber welche?
Um das herauszufinden haben amerikanische Astronomen unter der Leitung von Jeffrey Kenney von der Yale University NGC 4438 nochmal genau unter die Lupe genommen. Sie haben ihre Umgebung mit dem 4-Meter Teleskop des Kitt Peak National Observatory mit sehr langen Belichtungszeiten aufgenommen und dabei dieses spektakuläre Bild bekommen (anklicken zum Vergrößern):
Links im Bild ist NGC 4438 - rechts sieht man die 400.000 Lichtjahre entfernte elliptische Galaxie M86. Beide verbinden lange Filamente aus intergalaktischem Wasserstoff (in rot). Das ist ein klarer Beweis dafür, dass M86 und NGC 4438 miteinander kollidierten. Dabei wurde der Wasserstoff aus einer der beiden Galaxien herausgerissen und bildete die Spuren die wir jetzt noch beobachten können.
Das kam etwas überraschend für die Astronomen - den bisher vermutete man eigentlich, dass NGC 4438 mit einer anderen Galaxie (NGC 4435) kollidierte und nicht mit M86.
Die Arbeit von Kenney wird im November im Astrophysical Journal veröffentlicht und ist hier als preprint frei verfügbar ("A Spectacular H-α Complex in Virgo: Evidence for a Collision Between M86 and NGC 4438 and Implications for Collisional ISM Heating of Ellipticals").
Besonders interessant ist diese Forschung für das Verständnis des Gases in elliptischen Galaxien. Normalerweise ist das Gas dort sehr heiß - weswegen sich daraus auch seltener Sterne bilden. Unklar ist allerdings immer noch warum dass Gas dort so hohe Temperaturen hat.
"Irgendetwas muss das Gas aufheizen so dass es nicht abkühlen und Sterne bilden kann. Viele aktuelle Studien vermuten dass die Energie dafür aus aktiven Galaxienkernen in Verbindung mit supermassiven Schwarzen Löchern stammt. Unsere Studie zeigt aber, dass auch die gravitative Wechselwirkung mit anderen Galaxien dafür verantwortlich sein kann."
sagt Jeffrey Kenney. Galaxienkollisionen mit hohen Geschwindigkeiten können nicht nur das Gas aus den Galaxien herausreissen sondern es auch so stark aufheizen, dass sich daraus keine Sterne mehr bilden.
Weitere Untersuchungen dieser und ähnlicher Kollisionen können neue wichtige Erkenntnisse über diese Prozess und die Entwicklung der elliptischen Galaxien bringen.
Autor: Florian Freistetter· 11.10.08 · 09:26 Uhr· 0 Kommentare
10. Oktober 2008
Die Finanzkrise und die Astrologie
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 100

Ich kenne mich ja mit Wirtschaft und Banken nicht wirklich gut aus und kann daher wenig dazu beitragen die aktuelle Finanzkrise zu erklären. Das kann Ali von zoon politicon viel besser; er hat auch heute einen schönen Beitrag dazu geschrieben. Wer ebenfalls meint, sich in der Hinsicht gut auszukennen sind die Astrologen.
Wirklich vorhergesagt haben die Astrologen den aktuellen Börsencrash natürlich nicht. Wie denn auch - Astrologie ist denkbar ungeeignet irgendetwas vorherzusagen. Nichtsdestotrotz gibt es jetzt jede Menge "Analysen" und Prognosen der Sternendeuter. Ein paar davon habe ich mir angesehen.
Malkiël Rouven Dietrich scheint ein echter Experte zu sein. Schon seit sieben (!) Generation wird in seiner Familie Astrologie betrieben. Er absolvierte ein dreijähriges "Vollzeitstudium der astrologischen Wissenschaften" (ja, dort steht tatsächlich "Wissenschaften") und gehört angeblich zu den "bekanntesten und beliebtesten Astrologen in Deutschland". Bei diesen Referenzen muss er ja sicher auch Profundes zur Finanzkrise zu sagen haben.
Auf Astrologie.de findet sich seine Analyse zur Lage. Die beginnt gleich ziemlich überraschend:
Im Horoskop der USA deuten alle Zeichen auf einen deutlichen Verlust hin.
Wer hätte das gedacht! Er sagt auch vorraus das es noch viel schlimmer wird:
Ende November bis Mitte Dezember dieses Jahres wird es wohl zu einem größeren Börsencrash kommen.
Das führt dann in weitere Folge dazu dass der neue Präsident der USA seine Amtszeit nicht vollenden kann und vorzeitig abgewählt wird. Aber Dietrich hat auch wertvolle Tipps für die Leser:
Generell kann man sagen, dass sämtliche Anlageformen, die mit Anteilsscheinen in den Vereinigten Staaten zu tun haben, derzeit alles andere als ratsam sind.
Puh - und ich war gerade kurz davor mein ganzes Vermögen in amerikanischen Banken zu investieren. Nochmal Glück gehabt ;) Überraschenderweise stellt er zum Schluß fest, dass die amerikanische Regierung in Zukunft wohl etwas sparen muss.
Vor ein paar Tagen hat Dietrich dann auch noch eine neue Prognosen veröffentlicht. Auch hier stellt er nochmals fest dass die Krise noch weitergehen wird.
Seinen Berechnungen nach wird es Ende Oktober/Anfang November zu einem noch stärkeren Einbruch kommen. Saturn gehe eine gefährliche Verbindung mit Mars und dem Finanzhaus des Horoskops ein und schüre größere Ängste und bringe deutlich mehr Verluste als bisher.
Außerdem ist da noch der fiese Uranus der das Horoskop seit 23. September "ungünstig bestrahlt". Tja, da kann man wohl nichts machen...
Im Februar 2009 wechselt dann aber netterweise der Saturn ins "Finanzhaus des Horoskops" und es wird wieder etwas besser. Optimistisch endet die Analyse:
Der schwarze Freitag 1929 sei eine Kinderkakaogeburtstagsparty im Vergleich zu diesen massiven Aspekten, die aktuell vorherrschen.
Auch Gabrielle Mooq hat auf Astrologie.de ihre Analyse der Finanzkrise veröffentlicht. Dort erklärt sie zuerst einmal wie es überhaupt zu dem ganzen Schlamassel kommen konnte:
Die Versäumnisse oder Fehleinschätzungen der vergangene Jahre in dem Pluto sich im Schützen befand und dadurch ein Übermaß (Schütze) von Schulden (Pluto) erzeugt wurde, begann ihren Tribut zu fordern.
Hmm - da hat sich Ali bei seiner Erklärung wohl geirrt. Nicht die Immobilienblase in der USA waren die Ursache. Sondern Pluto, weil er sich unbedingt im Schützen rumtreiben musste. Und jetzt ist der Kerl auch noch rückläufig und macht alles nur noch schlimmer!
Wie im Lehrbuch, lässt sich nun beobachten, dass sich in der letzten Phase der Rückläufigkeit, z.B. bevor ein Planet endgültig in ein neues Zeichen wechselt, besonders starke Auswirkungen und Konsequenzen der jeweiligen Thematik zeigt.
Aber bald kommt der Jupiter und geht zum Wassermann und macht alles wieder gut:
Wahrscheinlich wird man in den nächsten Monaten, nämlich dann, wenn der Jupiter in den Wassermann geht (5. Januar 2009 bis 18. Januar 2010), feststellen, dass Wachstum sich darin ausdrückt, innovative und richtungsweisende neue Technologien zu fördern; dies bezieht sich in erster Linie auf alternative, rückstandsfreie und erneuerbare Energien im Wind- und Solarbereich, Hybridfahrzeuge etc..
Innovative und richtungsweisende neue Technologien zu fördern ist also gut für die Wirtschaft. Diese Aussage wird wohl ein Schock für die Ökonomen sein - ein Dank an die Astrologie ob dieser revolutionären Erkenntnis ist wohl angebracht!

Ich habe übrigens auch mal nachgesehen was mein besonderer Freund, der Astrologe Markus Termin, zur Finanzkrise zu sagen hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen von Astrologie.de behauptet er:
"die "Finanzkriese" (sic) ist am 3. Dezember gelaufen".
Der Rest des Artikels ist wie üblich ziemlich wirr und wegen der seltsamen Angewohnheit vieler Astrologen ihre Texte ohne Absätze oder Zwischenüberschriften zu formatieren sehr schwer zu lesen. Termin philosophiert noch ein bisschen über die "Zeitenwende" die uns im Jahr 2012 bevorsteht (ich dachte da kommen die außerirdischen Götter zurück? Oder kümmern die sich dann um unsere Finanzprobleme?). Etwas seltsam mutet auch dieser Aufruf an:
"Deswegen: keine Angst vor fallenden Kursen, hier wird kein "Geld vernichtet, wie unsere parallelgeschaltete Aktienbesitzerpresse behauptet, oder wollte jemand Angst vor einem Spielkasino haben? Wir werden gut davonkommen, solange die Leute ihr Geld auf der Bank lassen. Deswegen: wir selbst haben es in der Hand. Wir sind das Volk!"
Naja - wie zu erwarten war können die Astrologen auch nur den üblichen seltsamen Kauderwelsch bzw. Allgemeinplätze von sich geben. Unverständlicherweise gibt es leider immer noch haufenweise Menschen die so etwas für echte Informationen halten. Börsen- und Finanzastrologen werden weiterhin genügend Kunden haben die auf der Suche nach optimalen Anlageformen sind. Mich wundert nur dass den Astrologen selbst nicht auffällt, wie sinnfrei ihre "Prognosen" eigentlich sind. Da muss schon jede Menge Selbsttäuschung im Spiel sein.
Dass es Firmen (durchaus auch größere) und Banken gibt die bei wichtigen Entscheidungen Astrologen konsultieren ist ja ein offenes Geheimnis. Ich frage mich, wie weit dieser Einfluss wirklich geht (In Norwegen musste übrigens kürzlich eine Abgeordnete des Parlaments zurücktreten weil sie auf Kosten der Steuerzahler 10000 Euro bei Wahrsagerhotlines vertelefonierte). Anderseits passt ein nicht funktionierendes Prognosesystem das auf altem Aberglauben basiert ja auch recht zu gut zur Börse die ja eigentlich auch nichts anderes als ein Glücksspiel ist das ebenso von Irrationalitäten und Aberglauben abhängig ist wie die Astrologie.
Ähnliche Artikel: Astrologie und Galileo Mystery, Astrologen mögen mich nicht, Aszendent Liebe: ein selten dummer Film, Ich habe ein Horoskop bekommen, EM 2008 und Astrologie, Update: EM 2008 und Astrologie
Autor: Florian Freistetter· 10.10.08 · 16:30 Uhr· 100 Kommentare
09. Oktober 2008
Wissenschaft ist teuer? Unsinn!
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 17
(Achtung - dieser Beitrag wird ein wenig polemisch ;-) )
Heute hat der Bund der Steuerzahler sein "Schwarzbuch 2008" vorgestellt in dem über die Verschwendung öffentlicher Gelder berichtet wird. Nicht alle der aufgeführten Beispiele halte ich für gerechtfertigt. Aber die Lektüre des Schwarzbuchs ist ein guter Anhaltspunkt um zu sehen, wieviel Geld für alle möglichen Dinge ausgegeben und leider auch verschwendet wird.
Ich als Wissenschaftler - noch dazu als Grundlagenforscher - muss mir ja sehr oft anhören, dass meine Forschung Geldverschwendung ist und das dieses Geld anderswo viel besser angewendet werden könnte. Immer wenn in den Medien über ein neues großes Forschungsprojekt (z.B. der Large Hadron Collider oder die Marssonde Phoenix) berichtet wird dauert es nicht lange bis die Stimmen laut werden, die sich über das viele Geld aufregen, dass hier angeblich sinnlos verpulvert wird.
Im Vergleich zu den Kosten für andere Dinge ist Wissenschaft und Forschung aber regelrecht billig! Und natürlich bringt Forschung (auch bzw. gerade Grundlagenforschung!) natürlich später auch wieder Geld ein.
Ich habe ein paar Beispiele aus dem Schwarzbuch des Bundes deutscher Steuerzahler herausgesucht um zu demonstrieren wo in Deutschland Geld ausgegeben bzw. verschwendet wird und wie sich diese Summen im Vergleich zu entsprechenden Forschungsprojekten ausnehmen (ich beschränke mich hier auf astronomische Forschung - davon hab ich die meiste Ahnung).
- In Weilburg (Hessen) wurde für 4,5 Millionen Euro ein Parkhaus gebaut. Allerdings wusste man schon vorher, dass die Stadt ein neues Parkhaus nicht wirklich benötigt. Jetzt steht es leer und verursacht der Stadt Kosten von 280.000 Euro pro Jahr. Für die 4,5 Millionen Euro die dieses unnötige Parkhaus gekostet hat könnte man etwa 10 Forscher (Post-Doktoranden) für 10 Jahre beschäftigen. Oder eine ganze Arbeitsgruppe, bestehend aus einem Professor und jeweils einigen Post-Doktoranden, Doktoranden und Diplomanden. Die 280.000 Euro pro Jahr die das leerstehende Parkhaus verursacht wären mehr als ausreichend um dieser Arbeitsgruppe die nötigen Computer, Geräte, Reise- und Publikationskosten zu finanzieren.
Schon ärgerlich: einerseits gibt es in Deutschland exzellente Arbeitsgruppen die aus Einsparungsgründen aufgelöst werden - andererseits wird öffentliches Geld für solche unnötigen Bauvorhaben verschwendet. - Durch finanzielle Spekulationen ("Spread-Ladder-Swaps") mit öffentlichen Geldern verloren die Städte Hagen, Remscheid, Neuss, Mülheim, die Entsorgungs-Gesellschaft Westmünsterland und die Würzburger Versorgungs-und Verkehrs GmbH insgesamt etwa 85 Millionen Euro. Das ist ziemlich genau die Hälfte von dem, was das Weltraumteleskop CoRoT kostet. Hunderte andere Kommunen in Deutschland haben solche riskanten Swap-Geschäfte abgeschlossen - weitere Verluste sind also in den nächsten Jahren zu erwarten. Das Geld, das nur eine Handvoll deutscher Gemeinden durch unnötige und riskante finanzielle Spekulationen verspielt haben würde also ausreichen um eine Forschungsmission zu finanzieren, die im Moment nur von einem internationalen Zusammenschluss europäischer Raumfahrtagenturen finanziert werden kann.
- 75 Millionen Euro wurden für den Bau eines Snow-Funparks (eine Indoor-Skihalle) in Wittenburg ausgegeben. 17 Millionen davon hat das Land Mecklenburg-Vorpommern bezahlt. Nun steht der Park kurz vor dem Aus. Für das Geld das diese kaum benützte Indoor-Skianlage gekostet hat, hätte man auch ein Groß-Observatorium vom Kaliber des Keck-Observatoriums auf Hawaii bauen können.
Es gäbe noch Beispiel zuhauf: 450.000 Euro für eine teure Natursteinverblendung von nur 8 Autobahnbrücken in Sachsen. 900.000 Euro Subvention pro Jahr an das Rock'n Popmuseum in Gronau. 500.000 Euro Baukosten und 170.000 Euro jährliche Kosten für einen Infopavillion zum U-Bahn-Bau in Hamburg. 450.000 Euro jährliche Kosten weil die Stadt Wiesbaden ihren Mitarbeitern den Besuch in privaten Fitnesscentern finanziert.
Diese Ausgaben des Staates sind noch relativ harmlos wenn sie man mit anderen Summen vergleicht: 100 Millionen Euro zahlt z.B. die ARD pro Saison für die Übertragunsrechte an der Fußball-Bundesliga. Der amerikanische Sender NBC zahlte 2008 knapp 570 Millionen Euro für die Übertragung der olympischen Schwimmwettbewerbe an das Internationale Olympische Komittee. Damit könnte man die Marsonde Phoenix fast zweimal finanzieren (die kostete etwa 300 Millionen Euro) oder die Raumsonde New Horizons (die den Pluto und den Kuipergürtel erforschen soll) und etwa 445 Millionen Euro kostet. Für die gesamten Übertragungsrechte der olympischen Spiele von 2000 bis 2008 zahlte NBC übrigens 3,5 Milliarden Euro - das entspricht in etwa dem, was der Teilchenbeschleuniger LHC gekostet hat.
Man könnte vermutlich noch seitenlang weiter Beispiele anführen. Fakt ist, dass überall auf der Welt Unsummen für alles mögliche ausgegeben werdeb. Manche mögen Sportübertragungen für "sinnvoller" halten als wissenschaftliche Forschung. Andere sehen es umgekehrt. Aber darum geht es eigentlich nicht - sowohl Sport als auch Forschung haben ihre Berechtigung und sind wichtig. Aber wenn irgendwo gewaltige Summen für Sport (oder Kinofilme o.ä.) ausgegeben werden, dann stört das kaum jemanden. Wenn allerdings die Wissenschaft vergleichsweise billige Experimente durchführt dann wird überall von Geldverschwendung geredet.
Man wird nicht Wissenschaftler um reich zu werden. Verglichen mit ähnlichen Berufen werden Wissenschaftler ziemlich schlecht bezahlt. Dazu kommen Arbeitsbedingungen (auf ein paar Jahre befristete Verträge, ständige Ortswechsel, ...) die anderswo ebenfalls eher nicht akzeptiert werden würden. Und als Bonus darf man sich ständig anhören, wieviel Geld man mit seiner sowieso unnützen Arbeit verschwendet.
Glücklicherweise gibt es immer noch genügend Leute die sich das alles antun und in die Forschung gehen. Diese Menschen treibt nämlich meistens nicht das Geld oder die Suche nach gesellschaftliche Anerkennung - sondern der Wunsch, herauszufinden wie die Welt funktioniert!
Der Bund deutscher Steuerzahler schätzt die Summe der jährlich in Deutschland verschwendeten öffentlichen Gelder übrigens auf 30 Milliarden Euro. Schade - mit diesem Geld könnte sich Deutschland eine eigene bemannte Mission zum Mars leisten.
Autor: Florian Freistetter· 09.10.08 · 22:00 Uhr· 17 Kommentare
08. Oktober 2008
Der Asteroid der mit der Erde kollidierte
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 14
Im Rummel um den deutschen Nobelpreisträger Harald zur Hausen ging am Montag eine weitere eigentlich spektakuläre Meldung fast unter: in der Nacht von Montag auf Dienstag kollidierte ein (kleiner) Asteroid mit der Erde!
Ich habe darüber berichtet; unterstützt von Markus Griesser der die ganze Nacht die neuesten Informationen per Kommentar veröffentlichte. Heute, am Tag nach dem Einschlag habe ich mich mal umgesehen, ob es mittlerweile schon neue Erkenntnise und vielleicht sogar Fotos des Ereignisses gibt.
Aber zuerst noch einmal eine kurze Zusammenfassung der Vorgänge der letzten beiden Tage. Am Montag entdeckten Astronomen am Mount Lemmon Observatorium in Arizona einen neuen Asteroiden. Wie üblich werden die Daten an das Minor Planet Center weitergeleitet. Automatisierte Überwachungsprogramme der NASA (JPL Sentry) und der Universität Pisa (neodys) haben daraufhin festgestellt, dass dieser Asteroid in Kürze mit der Erde kollidieren wird! Aus den Beobachtungen konnte man aber auch schliessen dass der Asteroid, der nun die provisorische Bezeichnung 2008 TC3 trug, nur sehr klein ist und keine Gefahr für die Erde darstellen wird. Man berechnete dass die Kollision am Dienstag (7. Oktober) um 3:53 MESZ stattfinden wird.
Nach dem Bekanntwerden dieser Informationen haben Astronomen überall auf der Welt probiert, 2008 TC3 zu beobachten um die vorläufigen Bahndaten verbessern zu können. Durch diese neuen Daten konnte seine Größe genauer bestimmt werden; man schätzt dass der Asteroid zwischen einem und fünf Metern Durchmesser hat. Damit ist auch klar dass er in der Atmosphäre der Erde verglühen und als "Bolide" (eine helle Feuerkugel am Himmel) sichtbar sein wird. Der Zeitpunkt der Kollision wird nun mit 4:46 MESZ angegeben; der vorhergesagte Einschlagsort liegt über dem nördlichen Sudan:

In der Zeit vor dem Einschlag gelang es einigen Astronomen Aufnahmen von 2008 TC3 zu machen. Auf dieser Aufnahme des Observatorio de La Sagra in Andalusien (Spanien) ist der Asteroid als Strich in der Bildmitte zu sehen wie er sich von Westen nach Osten bewegt:
Das Observatorio Nazaret auf Fuertoventura hat sogar ein Video veröffentlicht auf dem der Asteroid zu sehen ist:
Ein Video gibt es auch vom CAST (Circulo AStrofili Talmassons) aus Talmassons in Italien:
Auch S.Korotkiy und T.Kryachko vom Astrotel Observatorium der Kazan State University in Russland haben bewegte Bilder veröffentlicht:
Eric Allen vom Observatoire du Cegep de Trois-Rivieres in Kanada machte ebenfalls eine sehr schöne Aufnahme:
Zwischen den einzelnen Aufnahme die in diesem Bild kombiniert sind liegen nur jeweils 10 Sekunden. Trotzdem bewegt sich der Asteroid schon so schnell, dass man ihn nur noch als gestrichelte Linie sieht. Dann kam der Einschlag - 20 Stunden nachdem 2008 TC3 entdeckt wurde. Der nördliche Sudan ist nicht wirklich dicht besiedelt und deshalb ist es nicht verwunderlich dass bis jetzt noch keine Bilder von der Feuerkugel aufgetaucht sind. Der Impakt wurde aber mittlerweile bestätigt. Ein Pilot der sich mit einer KLM-Maschine etwa 1400 Kilometer vom vorhergesagten Einschlagspunkt entfernt befand, berichtete dass er kurz vor der erwarteten Einschlagszeit um 4:46 MESZ einen hellen Lichtblitz gesehen hat. Ein anderer Pilot der sich gerade über Europa befand bestätigte diese Sichtung.
Auch seismische Messstationen konnten den Einschlag bestätigen. Peter Brown von der University of Western Ontario berichtete von einer Messung des Kenyian Infrasonic Array das eine Luftwelle aus Richtung des vorhergesagten Einschlagsorts detektierte.
Und schließlich gibt es doch noch ein Bild des Impakts: Der Wettersatellit Meteosat 8 konnte den Feuerball aufnehmen den 2008 TC3 beim Verglühen in der Atmosphäre verursachte:
Nicht ganz so beeindruckend wie man sich das vorgestellt hätte. Aber es wohl leider sehr wahrscheinlich, dass niemand vor Ort war, der ein besseres Bild des Boliden machen konnte.
Ein Bild des Einschlags gibt es auch noch von Eumetsat (Ich bin mir nicht sicher ob das nicht das selbe Bild wie oben ist; nur anders bearbeitet):
Anhand aller vorhandener Daten weiß man nun, dass am 7. Oktober 2008 um 02:45:45 Greenwich Mean Time (oder 04:45:45 MESZ) ein etwa drei Meter großer Asteroid über dem nördlichen Sudan in der Erdatmosphäre verglühte und dabei eine Explosion mit einer Energie von 0.9 bis 1 Kilotonnen TNT erzeugte.Das ist genaugenommen kein besonderes Ereignis. Asteroiden dieser Größe treffen die Erde ein paar Mal pro Jahr und die entsprechenden Boliden werden oft auch registriert. Das außergewöhnliche an 2008 TC3 ist, dass sein Einschlag vorhergesagt worden ist! Das internationale Netzwerk aus Profi- und Amateurastronomen die ständig auf der Suche nach potentiell gefährlichen Asteroiden sind; die Organisation der Beobachtungen über das Minor Planet Center; die Berechnungen der Einschlagswahrscheinlichkeiten von neodys und JPL Sentry - all das hat wunderbar funktioniert. Innerhalb von 19 Stunden wurden 570 Beobachtungen von 26 verschiedenen Observatorien gemacht. Das Minor Planet Center hat 24 MPECs (Minor Planet Electronic Circulars) herausgegeben.
2008 TC3 war nur ein sehr kleiner Asteroid. Deswegen hat auch nie irgendeine Gefahr für die Erde bestanden. Zwischen Entdeckung und Einschlag lagen aber nur 20 Stunden. Wäre der Asteroid groß genug gewesen so dass man mit einem Einschlag am Erdboden rechnen hätte müssen, wäre das vermutlich viel zu wenig Zeit gewesen um grundlegende Rettungs- bzw. Evakuierungsarbeiten durchzuführen (und an eine Verhinderung des Einschlags ist in dieser kurzen Zeit sowieso nicht zu denken). Ein größerer Asteroid wäre allerdings auch heller und vermutlich (hoffentlich!) früher entdeckt worden.
Wir haben auf jeden Fall gesehen dass das System funktioniert. Das ist nicht zuletzt auf die Arbeit vieler Amateurastronomen zurückzuführen die überall auf der Welt ihre Freizeit opfern um auf die Suche nach Asteroiden zu gehen. Dieser Vorfall sollte aber auch den Politiker zu denken geben. Präsidentschaftskandidat McCain hat ja z.B. schon sein Missfallen gegenüber Planetarien ausgedrückt - die er als "foolishness" (Unsinn) bezeichnet hat - und für die er in Zukunft gerne kein Geld mehr ausgeben wollen würde. Bei so einer Einstellung steht zu befürchten dass er auch bei Beobachtungsprogrammen an Sternwarten Einsparungspotential sieht.
Gestern haben wir (wieder einmal) vor Augen geführt bekommen, dass Asteroiden tatsächlich mit der Erde kollidieren! Nicht nur in der Vergangenheit - auch in der Zukunft werden Kollisionen stattfinden. Und nicht immer werden die Brocken harmlos in der Atmosphäre verglühen (und im Gegensatz zum LHC hätte so ein Impakt unter Umständen tatsächlich das Potential die Menschheit zu vernichten). Die Möglichkeit, rechtzeitig über einen gefährlichen Einschlag Bescheid zu wissen und ihn vielleicht sogar zu verhindern sollte uns ein bisschen Geld Wert sein!
Ähnliche Artikel: Was würdet ihr tun wenn ein Asteroideneinschlag bevorsteht?, Gemeinsam gegen gefährliche Asteroiden, Erdnahe Asteroiden und Fuzzy Logic, Erdnahe Asteroiden und das Chaos, Chaos im Sonnensystem, Zuständigkeiten: Wer rettet die Welt?, (Kein) Weltuntergang in 28 Jahren, Tunguska, Riesenkrater und die Asteroidenabwehr, Ein Traktorstrahl zur Asteroidenabwehr
Autor: Florian Freistetter· 08.10.08 · 23:23 Uhr· 14 Kommentare
06. Oktober 2008
Ein Asteroid kollidiert heute Nacht mit der Erde
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 35

Letzte Woche habe ich noch gefragt: Was würdet ihr tun wenn ein Asteroideneinschlag bevorsteht? Und heute wurde ein Asteroid entdeckt der in ein paar Stunden mit ziemlicher Sicherheit mit der Erde kollidieren wird. Allerdings ist es nur ein kleiner Asteroid - es muss sich also niemand Sorgen machen.
Trotzdem ist diese Entdeckung (auf die mich Markus Griesser von der Sternwarte Eschenberg hingewiesen hat) außergewöhnlich: das erste Mal hat man einen Asteroiden entdeckt bei dem sich herausstellt dass er in sehr kurzer Zeit mit der Erde kollidieren wird.
Das Objekt mit der Bezeichnung 8TA9D69 oder 2008 TC3 wurde vom Mount Lemmon Survey entdeckt - einem Program zur Suche nach erdnahen Asteroiden an einer Sternwarte in Arizona. Dort wurde ein Mindestabstand zur Erde von 5866 km berechnet den der Asteroid heute Nacht um 01:53 UT bzw. 03:53 Uhr unserer Zeit erreichen soll (Update: die aktuelle Uhrzeit für die Kollision ist 4:46 MESZ) . Da der Radius der Erde aber größer als 5866 km ist bedeutet das, dass der Asteroid mit der Erde kollidieren wird.
Die Bahn ist natürlich noch nicht exakt bekannt. Bill Gray vom Project Pluto hat einige Simulationen dazu durchgeführt bei denen in 90 Prozent aller Fälle eine Kollision stattfand. Die Wahrscheinlichkeit dass es dazu kommt ist also wirklich sehr hoch!
Das Objekt ist allerdings relativ klein. Mit einer Größe zwischen 10 und 20 Metern wird der Asteroid den Erdboden nicht erreichen sondern in der Atmosphäre verglühen. Im Prinzip so wie bei einer Sternschnuppe - nur wesentlich spektakulärer. Wenn so ein großer Körper in der Atmosphäre verbrennt dann nennt man die entstehende Leuchterscheinung "Bolide". Das kann dann zum Beispiel so aussehen:
Nachfolgende Beobachtungen des Siding Spring Observatoriums in Australien haben die vorläufigen Bahnen bestätigt: den aktuellen Beobachtungen nach wird der Asteroid einen Mindestabstand von 6088 Kilomtern zur Erde haben. Eine Kollision ist wahrscheinlich!
Aufgrund der noch nicht exakt bestimmten Bahn ist derzeit auch noch nicht klar wo genau der Asteroid in die Erdatmosphäre eintreten wird. Letzten Informationen des Minor Planet Centers zufolge soll das Objekt um 4:46 MESZ (2:46 UTC) über dem Sudan in der Atmosphäre verglühen. Markus Griesser probiert derzeit an der Sternwarte Eschenberg trotz des bedeckten Himmels ein paar Fotos des Objekts zu machen. Wenn es Neuigkeiten gibt, dann werde ich Bescheid sagen (sollte ich noch wach sein ;) ).
Und wer heute Nacht kurz vor Vier noch munter und ist kann ja mal den Himmel beobachten. Vielleicht hat er oder sie ja Glück und kann einen tollen Boliden beobachten! und sich im Sudan befindet kann vielleicht einen tollen Boliden beobachten!
Nachtrag 2: In einem Kommentar bei Bad Astronomy meint Christine Pulliam vom Harvard-Smithonian Center for Astrophysics das eventuell auch in Europa Chancen bestehen, das Ding zu sehen. Wer also munter ist sollte also ruhig mal zum Himmel schauen.
Ähnliche Artikel: Was würdet ihr tun wenn ein Asteroideneinschlag bevorsteht?, Erdnahe Asteroiden und Fuzzy Logic, Erdnahe Asteroiden und das Chaos, Chaos im Sonnensystem, Zuständigkeiten: Wer rettet die Welt?, (Kein) Weltuntergang in 28 Jahren, Tunguska, Riesenkrater und die Asteroidenabwehr, Ein Traktorstrahl zur Asteroidenabwehr
Autor: Florian Freistetter· 06.10.08 · 19:55 Uhr· 35 Kommentare
05. Oktober 2008
Blog-Teleskop #10
Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften
Die "Jubiläumsausgabe", das Blog-Teleskop Nummer 10 findet sich diesmal gleich nebenan: Ludmila von Hinterm Mond gleich Links hat sich diesmal umgesehen was es bei den Astro-Blogs für Neuigkeiten gibt.
Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.
Autor: Florian Freistetter· 05.10.08 · 14:26 Uhr· 0 Kommentare
04. Oktober 2008
Homer Simpson wählt Obama
Kategorie: Politik · Kommentare: 9
Homer Simpson wählt Barack Obama. Naja - zumindest versucht er es. Aber die Wahlmaschine ist anscheinend dagegen - in Amerika soll so etwas ja durchaus vorkommen ;)
Die Simpsons sind toll!
Autor: Florian Freistetter· 04.10.08 · 20:39 Uhr· 9 Kommentare
Frühreife Galaxie: zu jung für ihr Magnetfeld
Kategorie: Naturwissenschaften·Neues aus der Forschung · Kommentare: 4
Genauso wie Sterne und (manche) Planeten haben auch Galaxien ein Magnetfeld. Das entsteht aus geladenen Teilchen die bei Supernova-Explosionen in den interstellaren Raum geschleudert werden. Im Laufe der Zeit werden diese Teilchen durch die Rotation der Galaxie ausgerichtet und das Magnetfeld wird langsam stärker. Dieser Prozess dauert Milliarden von Jahren und deswegen haben auch nur alte Galaxien starke Magnetfelder.
Das dachte man zumindestens bis jetzt. Am Donnerstag aber wurde in der Zeitschrift Nature ein Artikel von kalifornischen Wissenschaftlern veröffentlicht. In "An 84-µG magnetic field in a galaxy at redshift z = 0.692" haben Arthur Wolfe und seine Kollegen eine Galaxie entdeckt deren Magnetfeld zehnmal so groß ist wie das unserer Milchstrasse. Diese Galaxie - DLA-3C286 - ist allerdings viel jünger. Unsere Milchstrasse ist etwa 13 Milliarden Jahre alt; DLA-3C286 nur etwa 4 Milliarden. Es war also absolut nicht zu erwarten, dass hier so ein starkes Magnetfeld existiert.

Vielleicht fragt sich jemand an diesem Punkt wie man denn das Magnetfeld einer Galaxie messen kann. Noch dazu bei einer wie DLA-3C268, die 6,5 Milliarden Lichtjahre weit entfernt ist? Hier haben die Astronomen die Tatsache ausgenutzt das sich (von der Erde aus gesehen) direkt hinter der Galaxie ein Quasar befindet. Die Strahlung dieses Quasars muss auf ihrem Weg zu uns durch die Galaxie - und wird dabei von den dort vorhandenen Wasserstoffatomen absorbiert und dann wieder bei einer ganz bestimmten Frequenz absorbiert. Wenn dort allerdings starke Magnetfelder existieren, dann sorgt der sogenannte Zeeman-Effekt dafür dass nicht nur bei einer sondern bei zwei Frequenzen abgestrahlt wird. Anhand dieser Aufspaltung lässt sich dann die Stärke des Magnetfelds berechnen.
Die Galaxie ist also eigentlich viel zu jung um so ein starkes Feld zu besitzen. Aber vielleicht gab es in DLA-3C286 schon besonders viele Supernovae und deswegen auch besonders viele geladene Teilchen? Auch das hat man überprüft - denn bei Supernova-Explosionen werden schwere Elemente aus dem Sterninneren ins All geschleudert. In DLA-3C286 wurde aber kein erhöhter Anteil an schweren Elementen gemessen.
Es gibt aber noch andere Möglichkeiten dieses Magnetfeld zu erklären. Vielleicht entstand DLA-3C286 durch eine Kollision von zwei Galaxien - und das hat das Magnetfeld verstärkt?
Wolfe und seine Kollegen wollen nun auch das Magnetfeld einer noch jüngeren Galaxie - sie ist nur eine Milliarde Jahre alt - untersuchen. Wenn auch diese ein ungewöhnlich starkes Magnetfeld hat, dann wird man sich wohl Gedanken über einen neuen Mechanismus der Magnetfeldentstehung bei Galaxien machen müssen.
Aber auch jetzt schon wird diese Entdeckung Auswirkungen auf die theoretischen Modelle haben. Bis jetzt hat man die Magnetfelder von Galaxien bei Modellen der Galaxienentwicklung oft vernachlässigt weil man dachte ihr Einfluss wäre nicht allzu groß. Wenn sich jetzt aber herausstellt das auch junge Galaxien ein sehr starkes Magnetfeld haben können dann wird man diese Felder zukünftig berücksichtigen müssen. Man vermutet, dass starke Magnetfelder die Entstehung von Sternen aus interstellarem Gas behindern. Das scheint auch die Untersuchung von DLA-3C286 zu bestätigen: Obwohl es dort sehr viel Gas gibt gibt es sehr wenig Sternentstehung.
Ich finde es immer faszinierend, wenn etwas entdeckt wird dass nicht so ganz zu den aktuellen Theorien passt. Das bedeutet nämlich dass wir kurz davor sind, etwas neues zu lernen! Und was besseres kann einem in der Wissenschaft doch nicht passieren!
Autor: Florian Freistetter· 04.10.08 · 20:10 Uhr· 4 Kommentare
03. Oktober 2008
Uri Geller und die Aliens
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 32

Löffelbieger Uri Geller hat ja schon Anfang dieses Jahres auf Pro 7 sein Unwesen getrieben und seine alten Zaubertricks als übersinnliche Fähigkeiten verkauft. Ich habe damals schon über diese Sendung geschrieben; ebenso die Kollegen von Plazeboalarm (hier und hier) und Ludmila von Hinterm Mond gleich links (hier und hier).
Anscheinend lässt sich mit Geller immer noch genug Geld machen. Denn Pro 7 plant für November schon die nächste Show mit ihm: "Uri Geller live - Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment".
Dabei will Geller mit einem Radioteleskop (!) Nachrichten an Außerirdische senden und dann im Studio - vermutlich telepathisch - ihre Antwort empfangen.
Ich weiß fast gar nicht, was ich da noch dazu sagen soll. Will Pro 7 austesten, wieviel Blödsinn man den Leuten zumuten kann? Um diese Show auch nur irgendwie ernst nehmen zu können muss man sein Gehirn schon komplett abschalten.
Da werden also mit einem Radioteleskop Nachrichten ins All geschickt. Vielleicht sollte jemand Geller und Pro 7 mal die Sache mit der Lichtgeschwindigkeit erklären? Radiowellen bewegen sich nämlich genau mit dieser Geschwindigkeit und nichts kann schneller sein. Wenn Geller also nicht vorhat mit den Astronauten von der ISS zu reden wird er lange warten müssen bis irgendwelche Außerirdische seine Nachricht empfangen. Der nächste Stern ist knapp 4 Lichtjahre entfernt - das bedeutet dass eine Nachricht von der Erde dort auch erst in 4 Jahren ankommt! Und auf eine Antwort müssten wir dann ebenfalls 4 Jahre warten. Ich gehe mal nicht davon aus, dass Pro 7 acht Jahre lang senden will - also kann es sich bei dieser Show nur um Schwachsinn handeln.
"Alles kann passieren. Alles ist möglich. Diese Tatsache macht die Show für mich zum Aufregendsten, was ich jemals getan habe. Vielleicht werden wir Weltgeschichte schreiben"
meint Geller.
Klar - Weltgeschichte! Vielleicht stellt Geller den Rekord für die plumpeste Verarschung auf - aber mehr auch nicht. Auch die Leute von CENAP (Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene) sind über diese Sendung eher amüsiert als wirklich erfreut.Tatkräftig unterstützt wird Geller von einschlägigen Experten: Vincent Raven, der Gewinner der letzten Geller Zauber-Show; UFO-Guru Erich von Däniken und die unsägliche Esoterik-Tante Nina Hagen.
Diese 4 in einer Sendung - das muss wohl ziemlich schlimm werden. Ich bin ja schon gespannt wo Geller ein Radioteleskop herkriegen will? Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich eine Universität oder gar das Max-Planck-Institut für Radioastronomie mit seinem 100 Meter Teleskop in Effelsberg für sowas zur Verfügung stellt. Aber wahrscheinlich wird Pro 7 einfach irgendwo ne kleine Schüssel aufstellen und fertig - ist ja sowieso nur Requisite.
Zu sagen ich wäre gespannt auf diese Sendung ist ein wenig zu viel. Eher fürchte ich mich vor dem geballten Unwissen das am 15. November den Fernsehzuschauern vorgesetzt werden wird.
Autor: Florian Freistetter· 03.10.08 · 21:10 Uhr· 32 Kommentare
Neues aus der Forschung: Hinter die Grenze des beobachtbaren Universums!
Kategorie: Naturwissenschaften·Neues aus der Forschung · Kommentare: 17
Dunkle Materie und Dunkle Energie haben Zuwachs bekommen: jetzt gibt es auch einen "dark flow" - eine Dunkle Strömung.
Alexander Kashlinsky vom Goddard Space Flight Center der NASA und seine Kollegen aus den USA und Spanien haben vor kurzem eine Arbeit im Astrophysical Journal veröffentlicht: "A Measurement of Large-Scale Peculiar Velocities of Clusters of Galaxies: Results and Cosmological Implications". Sie haben ausgehend von den Daten des Satelliten WMAP die Bewegung von weit entfernten Galaxienhaufen gemessen.
"Die Haufen zeigen eine kleine aber messbare Geschwindigkeit die unabhängig von der Ausdehung des Universums ist und sich auch nicht ändert je weiter die Haufen entfernt sind. Wir hätten nicht damit gerechnet so etwas zu finden."
meint Alexander Kashlinsky.
Die Verteilung der Materie im beobachtbaren Universum kann diese Eigenbewegung der Galaxienhaufen nicht erklären. Aber was ist dann die Ursache? Die große Ausdehnung dieser "dunklen Strömung" - auch Galaxien in Milliarden Lichtjahren Entfernung sind davon betroffen - ist für Kashlinsky ein Hinweis darauf dass sie sich auch hinter die Grenze des beobachtbaren Universums erstreckt.
Den der Bereich des Universums den wir mit unseren Teleskopen beobachten können ist vermutlich noch lange nicht alles. Das Licht weit entfernter Objekte muss ja erst einmal zu uns auf die Erde gelangen damit wir sie überhaupt sehen können. Je weiter ein Objekt entfernt ist, desto länger dauert es. Unser Universum ist "erst" 13,73 Milliarden Jahre alt: ist eine Galaxie also weiter entfernt als 13,73 Milliarden Lichtjahre dann hatte das Licht noch keine Zeit uns zu erreichen.
Die aktuellen Beobachtungen von Kashlinsky und seinen Mitarbeitern sind ein Hinweis darauf, dass kurz nach dem Urknall tatsächlich eine sogenannte "inflationäre Phase" stattgefunden hat wie sie von den kosmologischen Modellen vorhergesagt hat. Damals dehnte sich das Universum für eine kurze Zeit extrem schnell aus - schneller als die Lichtgeschwindigkeit (diese superluminare Expansion verletzt übrigens nicht die Relativitätstheorie). Deswegen gibt es auch heute noch Bereiche im Universum die so weit entfernt sind dass das Licht von dort keine Zeit hatte um bis zu uns zu gelangen.
Kashlinsky vermutet nun, dass die dunkle Strömung durch den gravitativen Einfluss von Materie verursacht wird, die hinter den Grenzen des von uns beobachtbaren Universums liegt. Wenn das stimmt, wäre das natürlich eine großartige Sache! Aus Messungen wie sie Kashlinsky und seine Kollegen durchgeführt haben könnte man dann nämlich Informationen über den Zustand des Universums vor der inflationären Phase ableiten!
Deswegen wird im Moment auch daran gearbeitet die Meßmethoden zu verbessern und die Ergebnisse genauer zu machen. Danach sollen umfangreichere Untersuchungen der dunklen Strömung folgen. Faszinierende Sache!

WMAP-Bild der kosmischen Hintergrundstrahlung im Universum. Die Galaxienhaufen bewegen sich in Richtung der violetten Ellipse (Bild: NASA/WMAP/Kashlinsky et al.)
Autor: Florian Freistetter· 03.10.08 · 14:40 Uhr· 17 Kommentare
02. Oktober 2008
Was würdet ihr tun, wenn ein Asteroideneinschlag bevorsteht?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 47
Ein Kommentar zu meinem Artikel über den Asteroiden Bericht der Association of Space Explorers von Markus Griesser von der Sternwarte Eschenberg hat mich zum Nachdenken gebracht. Er schrieb folgendes:
"In Vorträgen mit jungen Menschen, namentlich mit jungen Erwachsenen, initiiere ich noch ganz gerne mal eine Diskussion, in dem ich die Frage stelle: "Was würdet ihr tun, wenn morgen gemeldet würde, ein grösserer Asteroid sei im Anflug und schlage nächste Woche, nächsten Monat bei uns ein?" Da wird anfänglich immer etwas gefrotzelt. Es kommen Antworten so im Stil "noch alles Geld verjubeln", "das Leben nochmals richtig genießen", "all das noch tun, was ich bis dahin immer wollte, aber nie durfte", "zur zweiten Freundin noch eine dritte zutun" usw.
Und erst nach dieser "Aufwärmphase" kommen die Leute dann ernsthaft zur Sache: Da werden Gedanken eingeworfen, ob man sich durch einen Suizid dem zu erwarteten Schrecken entziehen sollte. Und was tun wohl die Angehörigen, die Freunde?"
Da Kollisionen von Asteroiden mit der Erde ja zu meinem engeren Arbeitsgebiet gehören habe ich mir über dieses Thema natürlich auch schon oft Gedanken gedacht. Das ist gar keine so simple Angelegenheit. Wenn wir davon ausgehen, dass ein riesiger Asteroid auf Kollisionskurs ist der sowieso alles Leben ausrotten wird, dann hat die Frage nicht mehr viel mit Asteroiden zu tun sondern wird allgemein: Was tue ich, wenn ich weiß das ich in naher Zukunft sterben werden muss?Aber wie verhält man sich, wenn "nur" ein Asteroid kommt, der große Teile der Welt zerstört aber nicht alle Menschen umbringt? Wie verhalte ich mich dann? Wie plane ich mein Überleben? Was ist die optimale Strategie um mit den Folgen (Erdbeben, Überschwemmungen, Dauerregen, "nuklearer Winter", ... ) eines Impakts mit globalen Auswirkungen fertig zu werden? Ist man auf sich selbst gestellt? Oder kann man gemeinsam mehr erreichen?
Es gibt zu diesem Thema auch ein hervorragendes Buch das ich nur empfehlen kann: Lucifer's Hammer von Larry Niven und Jerry Pournelle. Dieses Science-Fiction Buch stammt zwar schon aus dem Jahr 1977 - ist aber auch heute noch wissenschaftlich weitesgehend korrekt. Es beschäftigt sich mit der Entdeckung eines großen Kometen der auf Kollisionskurs mit der Erde ist und den Auswirkungen die das auch die Gesellschaft hat. Im zweiten Teil des Romans sieht man, wie die verschiedenen Menschen mit dem Einschlag und seinen Folgen fertig werden. Hochinteressant - und es regt zum Nachdenken an.
Aber mich interessiert auch die Meinung meiner Leser: wie würdet ihr euch verhalten? Sieht die Strategie eines Wissenschaftlers anders aus als die des Durchschnittsmenschen? Oder ist es vielleicht sowieso besser, gar nichts zu tun und einfach abzuwarten was so passiert?
Also: Was macht ihr, wenn der Asteroid kommt? Ich bin gespannt auf die Antworten!
Autor: Florian Freistetter· 02.10.08 · 09:04 Uhr· 47 Kommentare
01. Oktober 2008
Planetenbilder ohne Teleskop
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Gestern gab es beim Astronomy Picture of the Day wieder mal ein außergewöhnlich schönes Bild:
Heutzutage sind wir ja aus der Astronomie immer fasznierende Bilder von Groß- oder Weltraumteleskopen gewohnt. Darüber vergisst man oft, dass der Nachthimmel auch mit freiem Auge einen fantastischen Anblick bietet (wenn nicht gerade die Lichtverschmutzung zu stark ist). Und bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts war die Himmelsbeobachtung mit freiem Auge die einzige Möglichkeit die den Astronomen zur Verfügung stand um mehr über das Weltall herauszufinden. Die frühen Zivilisationen hatten ein enorm exaktes Wissen über den Lauf der Planeten - alles nur durch freiäugige Beobachtungen.
Von den Planeten die man mit freien Auge am Himmel sehen kann (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn) habe ich bis auf Merkur schon alle gesehen. Merkur ist ziemlich knifflig: wegen seiner Nähe zur Sonne ist er nur kurz vor Sonnenaufgang bzw. kurz nach Sonnenuntergang in der Nähe des Horizonts zu sehen. Und die Lichtverschmutzung macht solche Beobachtungen leider sehr schwierig.
Wie auch immer - ich finde dieses Bild einfach nur schön. Und vielleicht habe ich ja mal Glück und kriege den Merkur doch noch mal zu Gesicht.
Autor: Florian Freistetter· 01.10.08 · 22:47 Uhr· 4 Kommentare
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