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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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06.09.10 · 13:51 Uhr
Wer ist hier eigentlich paranoid?
Kategorie: Kultur
In Städten wie Münster gibt es eine vielfältige Theater-Landschaft. Natürlich gibt es Städtische Bühnen, mit Sprechtheater, Oper und Ballett. Daneben gibt es zwei bis drei mittelgroße Bühnen in freier Trägerschaft. Und dann gibt es da noch eine Vielzahl kleiner Spielstätten in Altbauten und Hinterhöfen, in denen engagierte und talentierte Theatermacher und Schauspieler einem meist überschaubaren Publikum hervorragendes, lebensnahes und provozierendes Theater bieten.
Zu diesen Theatern gehört in Münster Der kleine Bühnenboden im Hinterhaus der Schillerstraße 48. Hier gab es am vergangenen Freitag die Premiere des Stückes "Blue Orange" von Joe Penhall.
In einer Psychiatrischen Klinik in London streiten der engagierter Assistenzarzt Bruce (Tilman Rademacher) und der spöttisch-abgeklärter Oberarzt Robert (Andreas Ladwig) um die Entlassung des jungen schwarzen Patienten Christopher (Julius Douglas Dombrink). Während der junge Arzt, ganz überzeugt von den Lehrsätzen seiner Ausbildung, eine Schizophrenie diagnostiziert, die unbedingt weiter behandelt werden muss, glaubt sein Chef, dass der Junge ganz gut in der Welt draußen klar kommen wird. Oder hat er nur das Budget und die Bettenauslastung der Klinik im Blick? Ist sein junger Kollege vielleicht eher ein Idealist, der den Menschen, unabhängig vom Geldbeutel und von der Finanzlage seines Arbeitgebers helfen will?
Wie im wirklichen Leben ist hier nichts sicher, kein Urteil hält sich länger als bis zum nächsten Akt. Prallt Schulwissen hier auf Lebenserfahrung? Oder Idealismus auf Realismus und Abgebrühtheit?
Zunehmend fragt sich der Zuschauer, wer hier eigentlich paranoid ist: Der junge Patient, der sich von der Medizin der weißen Männer verfolgt sieht, die seine Individualität nicht wahrhaben wollen? Oder der Assistenzarzt, der gegen eine Verschwörung der Klinikleitung zu kämpfen glaubt?
Der kleine Bühnenboden hat diesen Dreierkonflikt in drei Akten unter der Regie von Monika Stermann so in Szene gesetzt, dass das Publikum sich dem Kampf der Drei um Freiheit, Macht und Richtigkeit einer Diagnose nicht entziehen kann. Dafür sorgt vor allem auch die Raumgestaltung von Henri Alain Unsenos: Die 30 Zuschauer sitzen im ersten und dritten Akt an den Längstseiten des Saals aufgereiht, dazwischen, auf einem glatten weißen Läufer, bewegen sich die Protagonisten. Für den zweiten Akt ziehen alle gemeinsam in den Vorraum um, hier sitzen die Schauspieler inmitten der Zuschauer am Tisch.
Da es der Premierenabend war, stand am Ende für jeden, ob Schauspieler, Ensemble-Mitglied oder Zuschauer ein Glas Sekt bereit. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion über das Stück, die Inszenierung, das Theaterspielen überhaupt, die erst spät in der Nacht endete, wobei es bei dem einen Glas Sekt nicht blieb - was tut man nicht alles zur Unterstützung der Theaterszene in Münster.
Weitere Termine:
Freitag, 10.09.2010 | Samstag, 11.09.2010 | Donnerstag, 23.09.2010 | Freitag, 24.09.2010 | Freitag, 01.10.2010 | Samstag, 02.10.2010 | jeweils um 20.30 Uhr
Autor: Jörg Friedrich· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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