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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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05.07.10 · 17:44 Uhr
Sechs Stunden Heidegger
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 6
War Martin Heidegger ein Technikfeind? Hat er unverständliche Sätze formuliert, die nichts bedeuten und nichts bewirken können als Konfusion? War er ein Nazi oder hat seine Philosophie den Nationalsozialismus befördert? Kein Philosoph des 20.Jahrhunderts ist so umstritten, kein Denker ist in seinem Heimatland so wenig geachtet wie Heidegger. Zu Recht?
Da ich heute statt des Zuges das Auto nutzen musste, habe ich mal wieder ein Hörbuch gehört das ich nun, obwohl ich erst bei der Hälfte angekommen, gern weiterempfehlen möchte. In Rundfunk-Originalaufnahmen sprechen Intellektuelle wie Hans-Georg Gadamer und Rüdiger Safranski darüber wie sie Heidegger verstehen.
Auch Heidegger selbst ist zu hören - wenn auch nur in einem späten Radio-Interview, in dem die Eindringlichkeit seiner Rede nicht so deutlich wird wie in der berühmten Aufzeichnung des Vortrags Der Satz der Identität. Aber auch die anderen Stimmen lohnt es sich anzuhören, wenn man einmal von den ersten ca. 20 min "Streitgespräch" absieht.
Vor allem wird deutlich, wo Heidegger im denken des 20.Jahrhunderts wirklich steht, welchen Einfluss sein Werk genommen hat. Nichts wird dabei ausgeklammert, weder seine kurzzeitige Unterstützung der Nazis, noch seine Nähe zum Handwerk und zur Bäuerlichkeit, aber auch nicht der merkwürdige Umgang der deutschen Nachkriegs-Intelligenz mit ihrem großen einsamen Denker. Während alle Welt seine Werke las wurde er in Deutschland offiziell lange fast totgeschwiegen, aber wenn er irgendwo vortrug, war kein Hörsaal groß genug, und von Hans Carossa bis Werner Heisenberg lauschten die klugen Köpfe des Landes den Fragen des Philosophen.
Es ist lange her, dass ich mich auf eine Autofahrt gefreut habe. Aber nun überlege ich schon, wann ich mal wieder auf die Autobahn muss - schließlich fehlen mir noch drei Stunden Hörbuch über Heidegger.
Autor: Jörg Friedrich· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
...
Ich hab mal gehört, daß man Hörbücher auch im Zug hören kann. Angeblich sogar besser als im Auto, weil man im Zug die Hände frei hat. Dadurch soll man auf wundersame Weise auch besser hören können...
;-)
@Ockham:
Das läßt sich auch noch steigern. ;)
Wenn man schon im Zug sitzt, kann man es sogar selber lesen, als Buch. Mal langsamer, mal schneller, mal einen Satz zweimal, ganz nach Bedarf. Und dabei sanfte (oder andere als passend empfundene) Musik hören.
(Disclaimer: ich fahre täglich 3 Stunden Zug)
(p.s.: kürzlich hab ich sogar mal gelesen, daß beim Autofahren die Konzentration sowohl auf das Hörbuch als auch auf die Straße deutlich eingeschränkt sein sollen. War hier irgendwo nebenan.)
Ich fahre pro Woche rund 10 Stunden mit dem Zug und dort entstehen die meisten der Blog-Artikel, die bei Arte-Fakten erscheinen. Insofern hoffe ich, dass es nicht zum allgemeinen Trend unter den Kommentatoren wird, mir für die Zugfahrten Hörbücher zu empfehlen ;-)
@ JF
Da kann die Empfehlung dann nur sein: fahren Sie mehr mit der Bahn...