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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.

Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.

Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.

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21.06.10 · 16:15 Uhr

Konrad Zuse zum 100.

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 16

Der 100. Geburtstag eines wirklichen Pioniers der Computer-Welt steht ins Haus. Am 22.06.1910 wurde Konrad Zuse geboren, der Mann, der den ersten programmierbaren Computer der Welt gebaut hat, der die erste höhere Programmiersprache der Welt erdacht und den ersten Plotter gebaut hat.

Zuse war kein Wissenschaftler, er war Ingenieur und als solcher ein Bastler und Unternehmer. Sein Ziel war nicht, die Welt zu verstehen, sondern die Arbeit, wenn sie stumpfsinning und fehlerträchtig war, zu vereinfachen. Und ihm ging es immer darum, mit seinen Ideen Geld zu verdienen, Geld, das er wieder für neue Ideen investiert hat.

Schon der erste Rechner, der Z1 von 1938, hatte alles, was auch die Architektur eines moderen Computers vom PC bis zum Großrechner noch heute ausmacht: Rechenwerk, Programmwerk, Ein- und Ausgabeeinheiten und Speichereinheit. Er sollte Bauingenieuren mühselige statische Berechnungen abnehmen, Berechnungen, für die Zuse, nach eigener Aussage, selbst zu faul war.

Der Z3 von 1941 arbeitete nicht mehr mechanisch, sondern mit Telefonrelais - und war damit der erste funktionstüchtige Computer der Welt. Mit ihm wurden Berechnungen durchgeführt um Ursachen für Schwingungen von Flugzeugtragflächen, die zum Absturz führen konnten, zu finden.

Die Wissenschaft benutze Zuse als Materiallager: Er wollte nicht wissen, wie die elektrodynamische Theorie der Telefonrelais aussah - wichtig war, dass sie zuverlässiger funktionierten als mechanische Schaltwerke. Das sie das taten, war für Zuse keine Frage der physikalischen Theorie, sondern der Erfahrung der Telefongesellschaften.

So war Wissenschaft weniger die Voraussetzung für die Arbeit des Erfinders, sondern eher der Grund dafür, dass seine Bastelei überhaupt Sinn hatte: Denn wenn es nicht zuvor schon die Berechnungsverfahren für Materialeigenschaften von Bauwerken und Flugzeugen gegeben hätte, dann hätte Zuse schlicht nicht gewusst, was seine Maschine hätte ausrechnen sollen. Auch wenn man also nicht unbedingt sagen kann, dass Wissenschaft den Bau der ersten Computer ermöglicht hat, so hat sie doch dafür gesorgt, dass es sinnvoll war, Computer zu bauen.

Wenn man Zuses Werk ansieht fällt auf, dass er immer auf den praktischen Nutzen seiner Erfindungen aus war - und dass es ihm gelang, diesen Nutzen anderen zu vermitteln. Die investierten dann ihr Geld in seine Ideen, um von der Umsetzung zu profitieren. So begann das Computerzeitalter - und so ist es geblieben.

 

Autor: Jörg Friedrich· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (1)

Konrad Zuse: Der Mann, der den Maschinen das Rechnen lehrte · ScienceBlogs · 22.06.10 · 06:40 Uhr


Kommentare (16)

Kommentar-Direktlink Thomas J· 21.06.10 · 22:27 Uhr

@Jörg Friedrich

Was ist das "Computerzeitalter"?

Kommentar-Direktlink Arnd· 22.06.10 · 08:51 Uhr

@Thomas:
Worauf hast du diese Antwort geschrieben?

Author Profile Page Jörg Friedrich· 22.06.10 · 09:37 Uhr

@Thomas J: Gute Frage. "Zeitalter" ist ja immer ein großes Wort. Natürlich ist einen Einschätzung darüber, was einen bestimmten Zeitabschnitt prägt, auch immer eine optische Täuschung, die letzten paar Jahrzehnte scheinen da vielleicht immer wichtiger als alles, was davor war. Aber in kultureller und ökonomischer Sicht prägt der Computer unser Leben doch sehr, in den letzten Jahrzehnten, oder?

Kommentar-Direktlink Anne· 22.06.10 · 10:42 Uhr

der Mann, der den ersten programmierbaren Computer der Welt gebaut hat

Nichts gegen Konrad Zuse aber der Erfinderruhm gebührt eigentlich Charles Barbage. Seine Analytical Engine wurde zwar zu seinen Lebzeiten nie gebaut aber das sie funktioniert hätte weiß man. Genau wie jeder moderne Computer ist die Analytical Engine frei programmierbar, hat eine Eingabe und eine Ausgabe und benutzt eine Programmiersprache.

Kommentar-Direktlink miesepeter3· 22.06.10 · 12:36 Uhr

Warum erfindet der Mensch Maschinen, die ihm die Arbeit abnehmen?
Weil er zu faul ist, sie selbst zu machen.
Ein Hoch auf die Faulpelze!

Kommentar-Direktlink Basilius· 22.06.10 · 12:59 Uhr

@Anne
Naja, leider wurde sie eben nicht fertig gebaut. Und leider gilt halt in der harschen Realität ein: "Im Prinzip hätte sie funktioniert!" grad mal gar nix. Ich finde aber auch, daß man seine ganz formidable Leistung trotzdem immer neben Zuse erwähnen sollte.
btw: Hieß der Herr nicht "Charles Babbage"?

@miesepeter3
Und auch ein Hoch auf die miesepeters?!?

Kommentar-Direktlink miesepeter3· 22.06.10 · 13:14 Uhr

@Basilius

"Und auch ein Hoch auf die miesepeters?!?"

Auf die besonders!

Author Profile Page Jörg Friedrich· 22.06.10 · 13:30 Uhr

@alle: Ein Hoch auf die Faulpelze, die sich wegen ihrer Faulheit an die Arbeit machen! Der Mann war zwar zu faul zum Rechnen, aber zum Glück nicht zu faul zum Basteln.

@Anne: Ich denke natürlich auch, in den 1930er Jahren lag die Erfindung des Computers quasi in der Luft, sicher gab es viele Bastler, die unabhängig voneinander gearbeitet haben. Bei "Plankalkül" war's ja genau umgekehrt, da hat Zuse was erfunden, was nie implementiert wurde (oder erst viel später, aus historischem Interesse) und andere haben später die erste wirklich genutzte höhere Programmiersprache entwickelt.

Aber wie auch immer: Zuse ist heute Geburtstagskind und deshalb wird er heute gefeiert.

Kommentar-Direktlink Anne· 22.06.10 · 13:34 Uhr

Basilius·
22.06.10 · 12:59 Uhr

Hieß der Herr nicht "Charles Babbage"?

Stimmt. Ich hatte den Namen immer falsch in Erinnerung. Danke für den Hinweis.
Was die harsche Realität angeht: Leonardo hat auch eine Menge Dinge nur erdacht und trotzdem wird er entsprechend gewürdigt (Fallschirm, Hubschrauber etc.). Charles Babbages Entwicklung hat wohl den Nachteil das sie nicht so einfach zu verstehen und zu durchschauen ist wie ein recht einfaches Ding aus Leinen und Holz.
Wenn ich so darüber nachdenke: hier fehlt ein Blog zur Wissenschaftsgeschichte ;)

Author Profile Page Jörg Friedrich· 22.06.10 · 13:41 Uhr

@Anne: "hier fehlt ein Blog zur Wissenschaftsgeschichte" Wie wahr! Wenn Du das übernehmen willst, wende dich an unseren Redakteur, der empfängt dich mit offenen Armen!

Kommentar-Direktlink Anne· 22.06.10 · 13:48 Uhr

@Jörg

Ich will Zuses Pioniertat nicht herab würdigen. Zumal ich das Glück hatte den Mann persönlich kennen zu lernen (durch seine Enkelin). Zuse war ein sehr interessanter Mann. Er hatte jedoch im Grunde nur den Vorteil das ihm damals einfach Relais und später Röhren zur Verfügung standen um das umzusetzen was andere bereits vor ihm erdacht hatten. Babbage war auch nicht der einzige der sich ein Jahrhundert vorher bereits mit Rechenmaschinen beschäftigt hatte. Schon Leibniz hat eine Rechenmaschine konstruiert die bereits das binäre Prinzip nutzte. Einen Nachbau davon steht glaube ich in Dresden.

Unabhängig davon: Happy Birthday Konrad :)

Kommentar-Direktlink Anne· 22.06.10 · 13:52 Uhr

Jörg Friedrich·
22.06.10 · 13:41 Uhr

@Anne: "hier fehlt ein Blog zur Wissenschaftsgeschichte" Wie wahr! Wenn Du das übernehmen willst, wende dich an unseren Redakteur, der empfängt dich mit offenen Armen!

Ich hab ja noch nicht mal einen Blog. Vielleicht sollte ich mal einen starten. Wissenschaftsgeschichte fasziniert mich schon lange und was da teilweise an Irrtümern auch hier auf Science Blogs zu lesen ist, ist echt traurig.

Kommentar-Direktlink Robert Bahmann· 22.06.10 · 20:01 Uhr

Klar haben sich viele vorher auch schon in der Theorie damit beschäftigt.
Aber Zuses Z3 war nun mal der erste Turing-vollständige Rechner der auch _funktionierte_. ;-)

Kommentar-Direktlink schlappohr· 22.06.10 · 22:47 Uhr

Telefonrelais sind eigentlich auch mechanisch, zum Teil jedenfalls. Und in diesen - aus heutiger Sicht - primitiven Bauelementen steckt eine Menge Wissenschaft: Feldtheorie, Materialwissenschaft, Mathematik... (Streng genommen ist ein Telefonrelais komplizierter als ein Transistor). Insofern meine ich, dass die Wissenschaft schon auch Voraussetzung für den Bau der Z3 war. Zuse hat das getan, was alle Wissenshaftler und Ingenieure tun: Er hat aus bereits vorhandenen Ergebnissen etwas Neues konstruiert. In seinem Fall etwas wirklich revolutionäres Neues. In diesem Sinne, Happy Birthday Konrad.

Author Profile Page Jörg Friedrich· 23.06.10 · 10:18 Uhr

@Schlappohr: Natürlich braucht man Wissenschaft (und damit meine ich jetzt im engeren Sinne moderne, theoriegeleitete Wissenschaft), um die Funktionsweise eine Relais zu erklären. Aber braucht man sie auch, um ihn zu bauen? Ich hatte diese Frage ja schon einmal aufgeworfen und will die alte Diskussion nicht unbedingt wiederbeleben. Wahrscheinlich sind wir einig wenn wir festhalten, dass man vieles durch probieren und beobachten hinkriegen kann, dass es aber auch nicht schadet, wenn man eine physikalische Theorie zur Hand hat, mit der man versteht, was da passiert. Was man aber in jedem Falle für eine technische Entwicklung braucht ist Unternehmergeist und Geld.

Kommentar-Direktlink Heinz Mailüfterl· 01.09.10 · 18:54 Uhr

Im Juli dieses Jahres verbrachte ich eine erholsame Woche in Bad Hindelang. Der absolute Höhepunkt des Aufenthalts war eine Veranstaltung am 21. Juli im Kurhaus, auf der ein Mann namens Horst Zuse, der sich als gebürtiger Hindelanger vorstellte, handgefertigte Computer seines Hauses in einer Multimediahow präsentierte.

Beeindruckend fand ich das präsentierte Modell Z1, das ohne Lüfter auskommt und dennoch keinerlei thermische Probleme kennt. Der geniale Trick: Verzicht auf übertriebene Dual-Core-Technologie und Reduktion der Taktfrequenz auf 1 Hertz! Darüber hinaus arbeitet der Computer nicht mehr elektronisch, sondern rein mechanisch. 30.000 Bleche habe der Computer im Prozessor und im Arbeitsspeicher sagte der Referent. Freilich sei es unvermeidlich, dass mal das eine oder andere Blech klemmt. Diese Bugs würden durch ländliche Stubenfliegen hervorgerufen, erklärte er, die sich in den Zwischenräumen der Bleche festsetzten. Das unvermeidliche Bugfixing betreibe man dann am besten mit einer Pinzette. Die herausgeholten Stubenfliegen könne man dann in einer Vitrine ausstellen, sagte Horst Zuse. Im Amerika, wo er schon einmal gewesen sei, mache man das auch so.

Und dann präsentierte Horst Zuse die neueste Kreation seines Hauses: Ein noch nicht ganz fertiggestellter ganz in Blau gehaltener Prototyp namens Z3, den er, wie er erläuterte, einer alten Familientradition folgend in der guten Stube, im Wohnzimmer seines Anwesens baut. Aus drei riesigen wandhohen Schränken besteht er. - Und hätte ihm seine Frau nicht die Schiebetüre zugeschoben, wäre der Rechner wahrscheinlich noch größer geworden. "Dies ist..." und Horst Zuse machte mit beiden Arme eine ausladende Bewegung, um die Wirkung seiner Worte zu verstärken, "...dies ist der erste frei programmierbare, in Gleitpunktarithmetik arbeitende, negative Binärzahlen in Zweierkomplement darstellende, universale und turingfähige Rechner der Welt" - Bohhhh! Beeindruckt erhob sich das oberallgäuer Publikum von den Bierbänken und zollte Horst Zuse stehende Ovationen.

Leider blieb offen, ob die Computer demnächst am örtlichen Bauernmarkt zum Kauf angeboten werden - Schade.

Heinz Mailüfterl

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