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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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28.05.10 · 17:24 Uhr
Intelligenz, Kontextwissen oder Motivation
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Gestern war ein Gedächtnistrainer in der Stadt. Gregor Staub erklärte vor rund 800 Leuten im H1 der Uni Münster, wie man sich zwanzig-stellige Telefonnummern merken kann indem man sich würfelnde Zwerge auf Bäumen vorstellt. Jeder der Teilnehmer kann jetzt die letzten 10 amerikanischen Präsidenten aufsagen, wenn er in Gedanken noch mal durch den H1 geht.
Das ist alles sehr hilfreich, auch wenn die Telefonnummern in Deutschland nur 10stellig sind (die 0 zählt nicht). Wirklich interessant war jedoch die Antwort auf die Frage, was für ein gutes Gedächtnis wirklich wichtig ist: Intelligenz, Kontextwissen oder Motivation?
(Ich mache an dieser Stelle eine kleine Pause, damit Sie, verehrte Leser darüber nachdenken können... ... ...)
Ok. Intelligenz ist es natürlich nicht, das geht nur zu 10% ein. Aber Motivation ist es auch nicht, die macht nur 25% aus. Wer hätte das gedacht, wo doch immer alle glauben, man müsste nur motiviert sein, dann klappt es mit den Fremdwörtern, den Gedichten, den Geschichts-Fakten.
Das Wichtigste, mit 65%, ist das Kontext-Wissen. Das brauche ich, um das neue Wissen mit dem Wissen, das ich schon habe, verknüpfen zu können. Mich erinnerte das an eine Diskussion aus dem Februar bei der es darum ging, ob es besser ist, Informationen zu ergooglen oder aus Lexika und persönlichem Fragen zu gewinnen. Ich hatte seinerzeit schon auf die Flüchtigkeit der Informationen hingewiesen, die wir mal eben "aus dem Netz fischen". Wenn wir uns solche Daten nicht merken, weil wir sie immer und jederzeit im Internet finden, werden wir dann überhaupt noch viel lernen können? Wird das neue Wissen, das wir behalten wollen, ob es Witze oder politische Zusammenhänge sind, noch Ankerpunkte im Gedächtnis finden?
Vielleicht lerne ich ja übers Wochenende die Teilnehmer-Länder des Gesangswettbewerbs in Oslo auswendig. Oder doch lieber einen Monolog von Goethe?
Autor: Jörg Friedrich· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Wenn man mal davon ausgeht, dass das Medium, über das der Text übertragen wird, den ich lese und man erfahren genug ist, sich zuverlässige Quellen zu suchen (das gilt auch nicht für jedes Buch), meinen Sie wohl, dass man früher Informationen ohne Anlass gelernt hat? Wer heute etwas lernen will oder sich wegen einer Arbeit etc. informiert, wird sich das irgendwo durchlesen und dann vergessen oder nicht. Reine Fakten, die man nicht braucht oder erst in Zukunft, hat man früher zeitnah in der Bibliothek nachgeschlagen und heute im Netz. Und?
Früher hat man sich auch über die Schrift beschwert, weil niemand mehr etwas auswendig lernen wollte. Wo könnten wir heute sein, wenn jeder Wissenschaftler seine Lehrbücher auswendig wüsste!
PS: Lernen Sie nix davon, aber lesen Sie den Monolog ruhig. Der lief schon zu Goethes Zeiten nicht weg.
Beruhen die Zahlen (10%, 25%, 65%) auf Experimenten oder ist das nur geraten bzw. geschätzt?
(Und was ist überhaupt damit gemeint, daß ein Faktor zu 10% oder 25% eingeht? Können sich motivierte Unintelligente 2,5 mal so viel merken wie unmotivierte Intelligente, oder wie ist das zu verstehen?)
Wb·
29.05.10 · 12:24 Uhr
Muss hier nicht unterschieden werden zwischen Konzeptwissen und Faktenwissen, wobei letzteres nur insofern gemerkt wird, dass der Merkende sich den Ort merkt, wo er dieses jederzeit wiederfinden kann? - Oder wäre das jetzt schon "intelligenz"?Gedächtnistrainer, der Webbaer genoss vor ca. 30 Jahren einen dbzgl. Vortrag, merken sich Daten mit Hilfe bestimmter Techniken; übersetzen Daten bspw. in Geschichten, halten für Zahlen/Ziffern bspw. Objekte bereit, die in Kombination gemerkt werden. An sich nichts Cooles zu Zeiten der Textdatei.
MFG
Wb
PS: Die 10-25-65-%-Geschichte irritiert den Webbaer ebenfalls ein wenig.
@Thilo Kuessner, Webbär: Die Zahlen und ihre Quelle wurden zu Beginn des Vortrags genannt, da war mein Gedächtnis noch nicht trainiert, darum konnte ich mir die Quelle leider nicht merken ;-)
Im Ernst: Ich gebe auf die Zahlen auch nicht viel, sie bestätigen nur mein Vorurteil. Ich finde es plausibel, dass man zum Lernen von Neuem am Besten an vorhandenes Wissen anknüpft, und dass noch so viel Motivation nichts nützt, wenn man nicht weiß, wo man das neue Wissen einordnen soll.
Die Verwirrung bzgl der Prozentgeschichte kann ich nicht teilen. Ich finde sie sogar sehr gut, da sie veranschaulicht, was vor allem zum Tragen kommt, wenn man lernt.
Ich selbst habe diesen Vortrag in Magdeburg (ebenfalls H1 ;) ) gehört und mir die CD`s gekauft. Ich rate ihnen das Periodensystem bis zur 100 zu lernen (am besten mit einem Programm wie jMemorize). So gehen die Bilder für die Zahlen nicht verloren.
MfG
Christian
Ich frage mich, wo der Nachteil in Wikipedia und Co liegen soll. Es ist von Vorteil, auf praktisch alles Wissen der Menschheit jederzeit Zugriff zu haben, doch was passiert, wenn das in ferne Zukunft versagt? Man merkt sich immer das eine oder andere, das man liest aber ob der Zusammenbruch des Internets nicht auch das Ende der Welt wäre?