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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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15.07.09 · 11:48 Uhr
Die Erfindung des globalen Klimas
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 14
Rund ein Jahrhundert lang war das Klima eine lokale Angelegenheit. Schon im Handbuch der Klimatologie von 1883 wird das Klima als die "Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an irgend einer Stelle der Erdoberfläche kennzeichnen," definiert. Genau 100 Jahre später steht im Glossar des Guide to Climatological Practices der WMO noch immer etwas ganz ähnliches:
Climate: Synthesis of weather conditions in a given area, characterized by long term statistics of the variables of state of the atmosphere in that area.
Jahrzehntelang war das Klima eine lokale AngelegenheitUm das Klima eines Ortes zu ermitteln, darin waren sich Generationen von Meteorologen und Klimatologen, von Köppen über Blüthgen und Hendl bis Heyer und Hupfer einig, muss man die meteorologischen Messgrößen über einen hinreichend großen Zeitraum in ihren statistischen Verteilungen untersuchen. Unterschiedliche Orte haben nur dann das gleiche Klima, wenn sie sich in diesen Verteilungen nur unwesentlich unterscheiden und damit zur gleichen Klimazone gehören.
Das Globale Klima ist eine Erfindung der letzten Jahre
Heute allerdings wird der Begriff Klima in einem anderen Sinn verwendet. Im Glossar des IPCC steht die folgende Definition:
Climate in a narrow sense is usually defined as the 'average weather', or more rigorously, as the statistical description in terms of the mean and variability of relevant quantities over a period of time ranging from months to thousands or millions of years. These quantities are most often surface variables such as temperature, precipitation, and wind. Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system.
Das IPCC unterscheidet also ein „Klima im engeren Sinne", welches der herkömmlichen Definition entspricht, und ein „Klima im weiteren Sinne", welches als „Zustand des klimatischen Systems einschließlich seiner statistischen Beschreibung" gefasst wird. Letzteres ist das, was heute, auch von der WMO, als „Globales Klima" bezeichnet wird. Es ist, wie die „globale Mitteltemperatur" eine ziemlich junge Erfindung. Allerdings ist er sehr erfolgreich: Wenn heute vom „Klima" die Rede ist, geht es nicht um das mittlere Wetter in Berlin oder L'Aquila sondern um den allgemeinen Zustand des klimatischen Systems und dessen Änderung, der sich mit solchen Konstruktionen wie der „globalen Mitteltemperatur" beschreiben lässt.
Warum wird so ein neuer Begriff gebraucht? Die Wissenschaft, die sich mit dem Einfluss des Menschen auf das klimatische System beschäftigt, braucht zur internen Beschreibung und Kommunikation ihrer Ergebnisse sicher ein paar klare Variablen die sich aus der Flut der Modellergebnisse ableiten lassen. Die „globale Mitteltemperatur" gehört sicherlich dazu, auch wenn jedem Wissenschaftler klar ist, dass es sich dabei nicht wirklich um eine Temperatur handelt. Ganz im Sinne dessen, was Bruno Latour in „Die Hoffnung der Pandora" als „Blutkreislauf der Wissenschaft" bezeichnet, wird eine solche Größe zur Erhebung empirischer Daten ebenso benötigt wie zur Kommunikation mit Kollegen, und zur Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit.
Ähnlich ist es auch mit dem Begriff des „globalen Klimas" wobei dieser letztlich nur für den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit benötigt wird. Die Erfindung des „globalen Klimas" dient dazu, die globale Auswirkung der menschlichen Beeinflussung des klimatischen Systems zu verdeutlichen. Die Veränderung des Klimas an einem Ort, die Bewegung der Grenzen von Klimazonen, das ist alles sehr schwer zu vermitteln. Die Veränderung eines „globalen Klimas", die zudem noch durch den Anstieg einer simpel erscheinenden Größe, einer Temperatur, dargestellt werden kann, das lässt sich leicht vermitteln.
Wenn man das Problem simplifiziert darstellt, wächst die Gefahr falscher „Lösungen"Aber mit dieser übermäßigen Vereinfachung der Darstellung durch die Verwendung von Begriffs-Konstruktionen, die wissenschaftlich eigentlich fragwürdig oder sinnlos sind, wächst auch die Gefahr, dass falsche Schlussfolgerungen gezogen werden. Denn wenn es „nur" um die Reduktion der globalen Mitteltemperatur geht, könnte man doch auch dafür sorgen, dass mehr Sonnenlicht reflektiert wird, indem man z.B. auf den Ozeanen gigantische Wolkenbildungsmaschinen in Betrieb nimmt (siehe z.B. natur, 458, 30. April 2009, pp 1097-1100).
Das wäre möglicherweise ein Eingriff in das klimatische System, gegen den der CO2-Eintrag des Menschen vielleicht eine Kleinigkeit ist. Sollte durch diese riesigen Wolkengebilde tatsächlich merklich die Temperatur herabgesetzt werden, sodass es zu einer nennenswerten Absenkung auch der „globalen Mitteltemperatur" kommt, würden sich mit Sicherheit auch die globalen Zirkulationssysteme ändern - und welche Auswirkungen dass dann auf das Klima hat, und zwar auf das Klima im klassischen Sinne, das mittlere Wetter von Berlin, Johannesburg und Lima, das rechnen hoffentlich noch rechtzeitig die Klimatologen mit ihren Computer-Modellen aus.
Spätestens dann werden sie den politischen Entscheidern und den Großkonzernen, die sich schon auf die Bauaufträge für solche gigantischen Anlagen freuen dürften, klar machen müssen, dass es nicht um die zwei Grad mehr oder weniger bei der globalen Mitteltemperatur geht, sondern um die Stabilisierung der jeweiligen lokalen Klimate und Klimazonen, dass das „Globale Klima" und die „globale Mitteltemperatur" nur simple theoretische Konstruktionen sind, ganz brauchbar für die wissenschaftliche Kommunikation du hilfreich zur Mobilisierung der Öffentlichkeit aber keineswegs geeignet um zu bestimmen, ob wir unsere Umwelt auf eine noch erträgliche Weise verändern oder nicht.
Autor: Jörg Friedrich· 14 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (14)
Meep. Falsch. Das globale Klima und seine Veränderung waren bereits in den 70ern Thema bei Atmosphärenchemikern. Es ist nicht deren Schuld, dass das entsprechende Wissen 30 Jahre gebraucht hat um zu den Semantikern durchzusickern.
Niemand sprach in den 1970er Jahren vom "Globalen Klima", auch nicht die Atmosphärenchemiker. In dem verlinkten Interview steht wörtlich:
Das Montreal-Protokoll wurde 1987 verabschiedet.
Und außerdem spricht eben Rowland gerade nicht vom "globalen Klima", sondern von sehr unterschiedlichen lokalen Klimaänderungen.
Nene, ich weiß schon worüber ich mit ihm geredet hab. ;-) Rowland spricht von einer Änderung der Struktur der Stratosphäre, und dass die einen globalen Klimawandel zur Folge hat, war 1974 schon klar. Genau das ist der zentrale Punkt von Rowlands Antwort auf meine Frage (d.h. seit wann es sich mit dem globalen Klimawandel, also dem Thema seines Lindau-Vortrags, befasst). Wortlaut:
"When we first talked about the issue [Ozon], people would ask what the problem was, and what was going to happen. Three general categories were known: The first category was that the more you destroy ozone, the more ultraviolet radiation is going to reach the earth, and more UV radiation would have an effect on humans, giving us skin cancer. Second is, what are the biological effects on plants and animals? The answer there is, we don’t know. And the third is that one of the aspects of the destruction of the ozone layer that comes into play here is that when you attack the ozone layer itself, you’re changing the structure of the atmosphere and cause climate change. We published in 1974 that these three were the problems to worry about, climate change being one of them. And immediately, journalists would say, UV effects on humans, I understand that. UV on plants and animals, that we don’t know, so I don’t worrry about that. Changing the structure of the stratosphere – I don’t see what that problem is. So option two and three are eliminated, and everyone whould ask: What happens with me because of the skin cancer effect. So the climate was there in the Background, but was kept in the background, because the structure of the stratosphere was changing, but no one knew in which direction it would go. "
Du kannst dich natürlich immer noch auf den Standpunkt stellen, dass er im Nachhinein großen Unsinn erzählt...
Es ist natürlich eine ganz andere Frage, wann und wie diese Vorstellung von Klima in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist, aber das Konzept eines globalen Klimasystems ist beileibe nicht neu. Ansätze gab's schon in den 40ern, als man so langsam Anfing, Jetstreams und Rossby-Wellen im globalen Kontext zu verstehen.
Ich druecke mich mal ganz lieb aus, damit es nicht zu weiteren Verstimmungen kommt.
1) Das Paper von Essex/McKitrick/Andresen ist grandioeser Unsinn mit einer Reihe reiner Rechenfehlern gewuerzt (Verwechslung von Kelvin mit Celsius in der Stefan/Bolzmann Formel)
http://rabett.blogspot.com/2007/03/open-book-test-in-comments-over-at.html
Falls Sie irgendeinen besonderen Aspekt dieses Paper verteidigen wollen, koennen wir da noch mal drauf zurueckkommen. Einer sinnvollen Diskussion tut es eher gut, das ganze Paper zu vergessen.
2) Ich bin ja dabei eine Reihe zur Geschichte des Treibhauseffekts zu schreiben. (es gibt erst zwei Folgen). Ein Blick in Arrhenius Meilenstein-Paper zeigt aber, dass das Konzept des globalen Klimas 1896 bekannt war. Tatsaechlich kann man das noch weiter zurueckverfolgen bis in die Diskussionen um die Ursache der Eiszeiten (verweise da insbesondere auf den Schotten James Croll). Das Paper Arrhenius hat einen absolut modernen und globalen Ansatz und wo er sich verhaut und warum am Ende doch wieder alles stimmt, werde ich noch bei mir erklaeren. In jedem Fall rechnet Arrhenius Explizit eine globale Klimaaenderung von 4°C-5°C bei 2.5 fachen CO2 Gehalt aus.
3) Das Konzept des globalen Klimas ergibt sich dann, wenn man Strahlungsbilanzen rechnet. Es ist wie gesagt in der Wissenschaft im Prinzip mehr als 100 Jahre alt und mit einer heute noch gueltigen Rechnung seit den 50er/60er Jahren.
@Fischer:
Das Klima-System ist nicht das selbe wie das Klima. Das Klima-System oder das klimatische System als Gesamtheit der verschiedenen Elemente (Atmosphäre, Lithosphäre, Kryosphäre, Ozeane,..) die mit ihren Wechselwirkungen, den internen und externen Einfluss-Kräften und ihrer je eigenen Dynamik das jeweilige Klima eines Ortes oder einer Region bestimmen, ist schon länger Untersuchungsgegenstand der Klimatologie.
Der Punkt ist, dass bis vor ein paar Jahren deshalb niemand von einem "globalen Klima" sprach, sondern dass Klima immer lokal beschrieben wurde. Das ist etwas völlig anderes als wenn man plötzlich von einem "globalen Klima" spricht, das man mit räumlichen Mittelwerten von meteorologischen Messgrößen beschreiben will.
Worauf ich hinweise ist, dass dieses Reden von einem so verstandenen "globalen Klima" zwar hilfreich ist, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren, gleichzeitig aber die Gefahr ermöglicht, dass Lösungen an der falschen Stelle gesucht werden.
Ganz vergessen, hier ist Arrhenius paper
http://www.math.umn.edu/~mcgehee/Seminars/ClimateChange/references/Arrhenius1896-image.pdf
Ich für meinen Teil, finde die Beobachtung, daß es jahrzehntelang gedauert hat, bis die Begrifflichkeit des "globalen Klimas" wirklich nennenswert Resonanz fand, ja durchaus bemerkenswert.
Daß solche Begriffe bzw. eher: Konzepte erstmal von einzelnen Personen/Wissenschaftlern benutzt werden, dann von kleinen Gruppen aufgegriffen und erst später eine "Karriere" machen liegt ja auf der Hand. Interessant ist einfach, wie unterschiedlich die Karrierewege solcher Konzepte verlaufen, weshalb manche dann irgendwann wirklich populär werden und auf diesem Weg auch neue Konnotationen erhalten und dann auch wieder in die Wissenschaft (und auf Forschungsprojekte) zurückwirken, wie im Fall des "globalen Klimas".
@Georg Hoffmann: Auf die Diskussion um die "globale Mitteltemperatur" werde ich ein andermal zurückkommen, ich habe zu den einzelnen Punkten des Artikels von Essex/McKitrick/Andresen sehr unterschiedliche Standpunkte.
Danke für den Link zu dem Arrhenius-Text. Ich werde den noch gründlich lesen, beim ersten Durchblättern zeigt sich aber, dass auch dort "Klima" sicherlich noch in dem ganz klassischen Sinne der einschlägigen Definitionen lokal gemeint war. Wie gesagt, dass sich die lokalen Klimate aus den globalen Wechselwirkungen der Komponenten des klimatischen Systems ergeben, ist den Klimatologen natürlich schon länger bekannt. Neu ist die Rede von einem "globalen Klima" - also einem Ding, dessen Zustand sich durch die Angabe von ein paar Messgrößen (im wesentlichen sogar von einer!) angeben lässt. Und dieses Konzept ist es, in dem ich ein Problem sehe.
Na, ich glaube nicht dass ich den Essex Artikel diskutieren koennte, ohne Blutdruckschwankungen.
Entscheidend ist bei Arrhenius genau das, was Sie "globales Klima" nennen. Man muss zur Berechnung der No-Feedback Temperaturwirkung des CO2 immer alle Breitengrade und alle Jahreszeiten nehmen (Arrhenius Tabelle 6) und dann nachher kann man alles flaechenwichten und mitteln. Er kommt am Ende mit der klassischen Klimasensitivitaet heraus so wie Sie auch heute noch vom IPCC angegeben wird. Das ist der entscheidende Punkt. Ich kann im Ansatz (wie gesagt es ist sehr lehrreich zu sehen, wo Arrhenius sich verrechnet hat) keinen Unterschied zu Rechnungen wie etwa hier sehen:
http://xweb.geos.ed.ac.uk/glghome/Sue.Rigby/GEP/GEP%20precis%202/Climate%20change%20over%20last%201000%20years.pdf
@Alle: Mir wäre doch wichtig, den zentralen Punkt meines Textes noch einmal zu betonen: Klimawandel wird in den letzten Jahren zunehmend als Änderung eines Dinges Namens „Globales Klima“ diskutiert, und diese Änderung, so scheint es in der öffentlichen Diskussion, die ich zitierte, lässt sich als die Änderung vor allem einer Zustandsgröße, nämlich der „globalen Mitteltemperatur“ beschreiben. So entsteht der Eindruck, dass man nur das weitere Wachstum dieser Größe stoppen müsste, und alles sei in Ordnung. Dazu werden sogar weitere gigantische Eingriffe ins Klimasystem erwogen, wie z.B. das künstliche Erzeugen riesiger Wolkenfelder.
Fasst man aber den Klimabegriff in seiner klassischen, lokalen Bedeutung dann wird schnell klar, dass ein solcher Eingriff in das klimatische System die Klimate (Mehrzahl!) auf der Erde wahrscheinlich gravierend verändern würde, dass der Klimawandel nicht gestoppt würde, auch wenn die globale Mitteltemperatur vielleicht sinken würde, sondern noch gravierender wäre. (Eine solche Veränderung des klimatischen Systems würde ich übrigens auch befürchten, wenn große Teile der Sahara tatsächlich mit Parabolspiegeln zugepflastert würden um den Energiebedarf der Welt zu decken – ich hoffe, dass Klimatologen den Effekt einmal durchrechnen)
> Das Globale Klima ist eine Erfindung der letzten Jahre
Eine mutige These, immerhin war vor der "Klimaerwärmung" die menschenverursachte Eiszeit lange Jahre, aber eher wenig beachtet, auf dem Markt.
Die "Klimaerwärmung" entspricht den Bedürfnissen der modernen westlichen Menschen, es geht wohl auch um eine Art Religionsersatz, zudem um sozialistische Elemente die nun erstmals international durchsetzbar scheinen.
Schwer zu sagen wie die Sache endet, man kann nur hoffen, dass es in den nächsten Jahre kühler wird und die (ungenügenden) Klimamodelle nachweisbar versagen, dann wird es nicht so teuer. Dürfte allerdings schwer fallen die Strukturen wieder abzubauen, die geschaffen sind.
@Webbär: So mutig ist meine These gar nicht, sie besagt ja nicht, dass die Klimate sich nicht ändern und auch nicht, dass in den meisten Klimaten keine Erhöhung der Temperaturen zu verzeichnen ist.
Nicht der Klimawandel ist eine neue Erfidung, sondern das Konzept eines "globalen Klimas".