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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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- Ingo Bad-ing · 12.06.09 · 06:58 Uhr Gene und Verlierer
Kategorien
Neues in der Kategorie Naturwissenschaften
05. Dezember 2008
Der Widerling
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Wer bei Burda bloggt, bekommt (ab und zu) das Magazin SEED, das im Untertitel die schöne Behauptung aufstellt, SCIENCE IS CULTURE. In der Dezemberausgabe 2008 findet man den Genforscher und Unternehmer Craig Venter auf dem Titelbild. Im Heft selbst findet sich sein Beitrag mit dem Totel BIGGER, FASTER, BETTER, der wohl an den Geist der Olympischen Spiele erinnern soll - Schneller, höher, weiter. Venters Beitrag ist widerlich und selbstherrlich. Der Mann selbst ist es auch. Er hat die (wissenschaftliche) Welt mehrfach betrogen, in dem er zum Beispiel sein eigenes genetisches Material in die Regaszgläser geschmuggelt hat, mit denen zum Jahtausendwechsel das humane Genom freigelegt werden sollte. Er hat auch genau gewusst, daß nicht einmal 20% der Genoms bekannt war, als er - zum Wohle seiner Aktienkurse - davon sprach, das Projekt stünde vor dem Abschluss. Venter ist ein Widerling, der in einer Gesellschaft, die vor allem kommerziell interessiert ist, Aufmerksamkeit erregt. Er hat sie nicht verdient. Sein Aufsatz in SEED ist voller Unsinn. Von einer Kultur kann keine Rede sein.
Autor: Ernst Peter Fischer· 05.12.08 · 08:33 Uhr· 2 Kommentare
17. November 2008
Sex nicht im, sondern bei Fliegen
Kategorie: Naturwissenschaften
Vor ungefähr einhundert Jahren hat der Amerikaner Alfred Sturtevandt zum ersten Mal beschrieben, wie Fliegen - konkreter: Fliegen der Sorte Drosophila - zum Sex kommen - das Männchen entscheidet, einem Weibchen den Hof zu machen (durch einen Balzgesang), und das Weibchen entscheidet, ob ihr das Wahrgenommene zusagt und sie ihren Vaginalapparat öffnet oder wegfliegt. In den Jahrzehnten danach haben Genetiker um Seymor Benzer zahlreiche Mutanten gefunden, die das skizzierte Verhalten irgendwie nicht ganz auf die Reihe kriegen (von denen eine nach erfolgreicher Kopulation stecken bleibt). In den letzten Jahren haben immer mehr Biotechnologen einen Blick auf die neuronalen Schaltkreise geworfen, die das Paarungsverhalten und die dazugehörigen Entscheidungen steuern. Und in diesen Tagen konzentriert sich eine Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science (die vom 7.11.08) auf die Biologie des Vögels der Fliegen. Und wie fängt der Aufsatz an: "It is still early days...". Na, da können wir ja gespannt sein, wie lange es dauert, bis die Wissenschaft weiß, was wir zu machen haben, um zum Ziel zu kommen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.11.08 · 19:12 Uhr· 0 Kommentare
11. November 2008
Die Lichtigkeit des Seins
Kategorie: Naturwissenschaften
Nein - das ist kein Fehler in der Überschrift, da fehlt kein e, um eine Leichtigkeit des Seins entstehen zu lassen. Es geht um den Titel eines Buches von Frank Wilczek, das im amerikanischen Original "The Lightness of Being" heißt und die Doppeldeutigkeit aus der ersten Silbe des zweiten Wortes bezieht. Es geht dem Nobelpreistäger Wilczek darum, aus masselosem Licht Masse werden zu lassen und damit die reale Lichtigkeit der materiellen Seins zu verstehen. Sein Buch lohnt eine langsame Lektüre, die trotz vieler Witzchen nicht einfach ist. Das Schöne an seinem Buch besteht darin, daß sein Autor es versteht, deutlich zu machen, daß Quarks zwar als Teilchen vorgestellt werden, es aber nicht sind und eine andere Form von Wirklichkeit darstellen. Sie werden zusammengehalten von anderen Partikeln (Gluonen), die NUR noch Lösungen von Gleichungen sind: "Gluonen sind die Objekte, die den Gleichungen für Gluonen genügen." An dieser Stelle löst die der Unterschied zwischen der Welt (it) und unserem Wissen über sie (bit) auf. Das Sein (Its) des Seins ist die Information. Gut zu wissen. Jetzt sollte uns ein Licht aufgehen - die Lichtigkeit des Seins.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11.11.08 · 11:29 Uhr· 0 Kommentare
10. November 2008
Widerliche Wissenschaft oder widerspenstige Wissenschaftlichkeit
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Nein - die Wissenschaft selbst ist nicht widerlich. Widerlich ist hingegen, was oft aus kommerziellen oder anderen Gründen mit der Wissenschaft gemacht wird. Zum Glück gibt es jetzt ein glänzendes Buch mit dem Titel BAD SCIENCE, in dem der Brite Ben Goldacre (London 2008) darüber berichtet. Er packt den Stier direkt bei den Hörern und prüft schlicht und einfach nach, was die vielen TV-Experten über richtige Nahrung und alternative Medizinchen im Namen der Wissenschaft verkünden. Sie lügen das Blaue vom Himmel herunter, und sie können das tun, weil sie sicher sind, daß niemand in eine Bibliothek geht - vor allem nicht die und dauernd auf Recherche sein vorgaukelnden TV-Redakteure -, um ein Zitat zu finden oder zu prüfen. Wir amüsieren uns nicht nur zu Tode, wir lassen uns auch von hirnlosen (leider nicht harmlosen) Rhetorikwissenschaftlern belügen, bis wir selbst den Glauben an den Glauben verloren haben. Apropos Glauben - ich kann mich vor Einladungen, über den lieben Gott zu sprechen, nicht retten. Hängt da etwas zusammen?
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.11.08 · 09:13 Uhr· 3 Kommentare
20. Oktober 2008
Nobelpreise der besonderen Art
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Anfang Oktober wird verkündigt, wer die Nobelpreise bekommt, und Ende Oktober haben wir schon vergessen, wer im Dezember nach Stockholm darf. Wir behalten als Deutsche natürlich den Deutschen, und wir erinnern uns vielleicht an den Amerikaner, der zu Hause bleiben muss. Gemeint ist Robert Gallo, der einstmals sicher war, über das HI-Virus zum Nobelpreis zu kommen, dem dafür jedes Mittel recht war und den man jetzt bedauert. Ist das wirklich a) nötig und b) in der Öffentlichkeit ausreichend erörtert? Hier verschenken die Medien ebenso spannenden Stoff wie den, den es am 2. Oktober an der Harvard Unversität zu besichtigen gab, als die Ig-Nobel-Preise verliehen wurden - für die Untersuchungen von Cola-Spülungen als Mittel der Geburtenkontrolle, von Placebo-Effekten durch Preisschwindel, durch den Nachweis, daß Männer doch wissen, ob Frauen ihre fruchtbaren Tage haben (gemessen durch das Trinkgeld, das Stripperinnen bekamen), und noch einiges mehr. Alles wunderbar zu erzählen, alles Wissenschaft zur Unterhaltung - aber wenn wir in die Röhre schauen, sehen wir nur Gottschalks Bemühungen, sein Grinsen so auszudehnen, daß er ein Brot quer essen kann. Alles vertane Zeit.
Autor: Ernst Peter Fischer· 20.10.08 · 11:21 Uhr· 1 Kommentar
02. Oktober 2008
Fehler über Fehler
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Die Reihe der Bücher über Albert Einstein bricht nicht ab - immer wieder neue Darstellungen seiner Wissenshaft, vor allem in den USA. Jetzt hat Hans Ohanian einen besonderen Twist hinzugefügt, nämlich ein Buch über Einsteins Fehler ("Einstein´s Mistakes", New York 2008). Die Rezensenten können dabei zuächst herzlich über zahlreiche Fehler des Autors lachen - er schlägt zum Beispiel drei Jahre vor, in denen Einstein der Nobelpreis verliehen worden ist, und wirft auch bei Newton einiges durcheinander -, sie bemerken aber, daß in dem Ansatz mehr als nur Gag steckt. Aus Fehlern (Schaden) wird man klug, lautet eine alte Volksweisheit, und warum nicht von den Fehlern Einsteins lernen, die zum Teil in der Mathematik liegen und auch das Physikalische betreffen (wenn Einstein etwa auf einen statischen Kosmos beharrt). Was man mit den Fehlern machen kann, erläutert der erweiterte Text.
Autor: Ernst Peter Fischer· 02.10.08 · 10:42 Uhr· 3 Kommentare
01. Oktober 2008
100 Wörter
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
In Venedig sind 100 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren gebeten worden, 100 Wörter auszuwählen, die unberingt zur Wissenschaft gehören. Wissenschaft in 100 Wörtern also - die Auswahl findet man unter www.100parole.it. Zu den ausgewählten Wörtern gehören natürlich Atom und Gen, aber auch Aggregatszustand und Temperatur. Was merkwürdigerweise fehlt: Zufall und Zahl zum Beispiel. Dafür gibt es Chaos und Wahrscheinlichkleit. Wie wäre es, wenn die Blogger auch ihre Topliste erstellen und jeder seine TopTen anbietet? Meine lauten (alphabetisch): Atom, Energie, Entropie, Evolution, Experiment, Gen, Molekül, Naturgesetz, Naturkonstante, Protein, Quantum der Wirkung, Raumzeit, Zelle - mein Gott, das sind ja schon mehr als ein Dutzend.
Autor: Ernst Peter Fischer· 01.10.08 · 14:53 Uhr· 8 Kommentare
16. September 2008
Besser als Einstein
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Steven Weinberg,ein amerikanischer Nobelpreisträger für Physik, hat in der letzten Ausgabe des "New York Review of Books" in einem Beitrag, der von dem Verhältnis der Wissenschaft zu Gott handelt, in einer Nebenbemerkung die Ansicht vertreten, daß heute jeder habilitierte Theoretische Physiker Einsteins Gravitationstheorie besser verstehe als der Urheber selbst. Weinberg meint das so, daß jeder der genannten Physiker mit besseren mathematischen Methoden umgehen kann, um Einsteins Einsichten in den Kosmos zu Papier zu bringen. Aber - sind Verstehen und Rechnen identisch? Ich denke, daß dies nicht der Fall ist. Es gibt zum Beispiel viele Leute, die Einsteins Theorien nachrechnen können und von ihrer Richtigkeit überzeugt sind, die sich aber trotzdem irgendwie die dreidimensionale Oberfäche einer vierdimensionalen Entität nicht so recht vorstellen können, auf der wir leben. Verstehen ist etwas anderes als Rechnen. Was Einstein verstanden hat, ist nicht die Mathematik, sondern das, was er durch sie sieht, was er sieht, wenn er sie durchschaut. Kann das wirklich jemand besser als er?
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.09.08 · 18:56 Uhr· 4 Kommentare
10. September 2008
Keine Angst vor schwarzen Löchern
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
In diesen Tagen geht die grosse Maschine am CERN in Betrieb, und die fast 10.000 Wissenschaftler sind in Hochspannung. Nicht nur sie, denn tatsächlich dringen die Forscher in unbekannte Regionen der energetischen Wirklichkeit vor, und wer kann schon vorhersagen, was dabei zu sehen ist bzw. was da passiert? Vielleicht gelingt es der Physik dabei, wieder die alte Wissenschaftlichkeit er erlangen, die sie berühmt gemacht hat. In den letzten Jahren wurde sie von Theoretikern wie Stephen Hawking dominiert, die sich über Bedingungen Gedanken machen, die sich keiner Überprüfung mehr fügten. Physik war spekulativ und ironisch abgedriftet, und es wird höchste Zeit, daß sich die Nachfolger Newtons auf ihre methodischen Grundlagen besinnen und Experimenten den Vorrrang einräumen. Wie verwirrt die Zunft geworden ist, zeigen die Klagen bzw. Sorgen, daß am CERN schwarzes Löcher entstehen können, die alles verschlucken. Da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Jedes schwarze Loch ist von einem Ereignishorizont umgeben, an dem die Zeit still steht. Das tut sich in unserer Welt niemals - selbst wenn wir es uns oft wünschen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.09.08 · 10:06 Uhr· 3 Kommentare
13. August 2008
Intelligenz und Komplexität
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 13
Die menschliche Intelligenz hat zuerst herausgefunden, daß die Welt komplex ist ("Ach", hätte Loriat gesagt,) Dann hat sie versucht, die Komplexität zu kontrollieren. Und jetzt merkt sie, daß die Welt - in ihrer Komplexität - besser dran ist, wenn man sie alleine lässt. Wir können nur entwerfen, was nicht komplex - also einfach - ist. Damit wird ein Gedanke besonders einfach, nämlich der, daß ein intelligenter Designer darauf verzichten würde, die Welt im Ganzen an der Leine zu halten. Er gibt ihr vielmehr die Chance zu der freien Entwicklung, die wir als Evolution kennen - wenn er intelligent ist. Mit anderen Worten, ein intelligenter Designer würde die Evolution erfinden. Und das hat er doch tatsächlich, wie die Wissenschaft zeigt. Wie immer die Welt entstanden ist, wenn sie da ist, bleibt nur die Evolution, um ihre Komplexität zu garantieren. Alles andere ist viel zu einfach und somit nur langweilig.
Autor: Ernst Peter Fischer· 13.08.08 · 11:31 Uhr· 13 Kommentare
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