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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

Kommentare

Über die andere Bildung

Naturwissenschaft und Bildung gehören in Deutschland nicht unbedingt zusammen. Mir sind jedenfalls viele Menschen bekannt, die sich als gebildet in dem Sinne bezeichnen, dass sie Intelligenzblätter - wie die "Zeit" oder den "Spiegel" - lesen, dass sie ins Theater gehen - etwa in die "Schaubühne am Halleschen Ufer" -, dass sie nur klassische Musik auf dem CD-Player spielen und dass sie zwar Romane zum Beispiel von Martin Walser, aber nicht von Gabi Hauptmann lesen, während sie zugleich gerne und bereitwillig zugeben, von den Naturwissenschaften nichts zu verstehen. Sie kennen zwar Gedichte, aber keine Gesetze (der Natur), und sie halten es nicht für wichtig, dies zu tun.

Auf diese unterschiedliche Gewichtung von Wissen hat besonders deutlich der britische Physiker, Dichter und Staatsmann Charles P. Snow hingewiesen, als er seine berühmte Trennung der zwei Kulturen einführte, mit der sich die natur- und die geisteswissenschaftliche Tradition gleichsetzen lassen. Snow machte die Differenz an den Sonetten Shakespeares und dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik fest, indem er bemerkte, dass jeder nickt und verständnisvoll tut, wenn von den Sonetten die Rede ist, während jeder verständnislos den Kopf schüttelt, wenn die Wärmelehre und einer ihrer Hauptsätze angesprochen wird.

Wer die Frage, wie viel Wissenschaft ein gebildeter Mensch braucht, in Kürze beantworten will, könnte sagen: Er braucht soviel Wissenschaft, dass er in der Lage ist, die Betrachtung und Diskussion ihrer Inhalte zu genießen, um dabei zu verstehen, dass Wissenschaft in ihm steckt und zu ihm - und damit zum Menschen allgemein - gehört. Nur aus dieser Verbindung kann die Anteilnahme - die Dialogbereitschaft - entstehen, die nötig ist, damit alle die Verantwortung übernehmen können, die Wissenschaft heute benötigt.
Es kommt dabei vor allem auf die aktive Komponente an, denn Teilhabe an der Kultur kann heute nicht mehr das Festhalten an einem Brauchtum bedeutet; zu dieser Teilhabe gehören Lernen und Reflexion - eben Bildung. Deshalb gibt es dieses Blog, einen aktiven Beitrag mit der Einladung zu vielen aktiven Beiträgen Seitens der User.

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