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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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16.12.08 · 09:07 Uhr
Keine Bildung, nirgends
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Genforscher kümmern sich um Gene, die es sicher irgendwo gibt. Zellforscher kümmern sich um Zellen, die es ebenfalls irgendwo gibt. Und was machen Bildungsforscher? Sie beweisen uns unentwegt, daß es den Gegenstand, um den sie sich zu kümmern haben, gar nicht gibt. Ich habe einen Vorschlag - statt nach Bildung zu suchen, sollten sie sie vermitteln bzw. sich selbst etwas von dieser Qualität aneignen. Dann kämen sie auch nicht auf die Idee, dem Publikum durch Verwirrspiele mit Sekundarstufen und Konzepten wie Beschulbarkeit (ein grauenhaftes Wort) und Kompetenzdimensionen ein X für ein U vorzumachen und dauernd neue Bildungskandale zu vermessen (vgl. FAZ vom 16.12.08, S. 37). Ich kann die Bildungsstatistiken nicht mehr ertragen, in denen mir mitgeteilt wird, daß ein Bildungsforscher festgestellt hat, daß 26,4% von Schülern mit einem 45%tigen Migrationshintergund bei einem Teil der Kernkompetenzen in Flächenstaaten 2,56 mal besser abschneiden, wenn sie regelmäßig Regelschulen besucht haben - oder so ähnlich. Es wäre besser, die Kinder zu unterrichten, als sie dauernd zu zählen. Das ist viel leichter und dummerweise auch populärer (was ich als kleinen Bildungsskandal betrachte). Wenn ich Lehrer wäre - ich glaubte keiner Statistik über Bildung. Sie kann man ebenso wenig messen wie die Zuneigung, die Schülerinnen und Schüler zu ihren Lehrern fassen. Auf sie kommt es aber an.
Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Ich will da widersprechen. Ihr Wunsch ist wohl ein Bildungssystem, wo jeder Lehrer und jede Lehrerin nach Intuition, mit viel Liebe und auf gut Glück alles Mögliche an die Kinder dranwirft und hofft, dass etwas hängenbleibt. Wenn man das System in Frage stellt, oder wissen will, ob es Anzeichen gibt, dass man überhaupt das Richtige tut, heißt es: "Das kann man gar nicht messen". Ein solches System ist blind für eben diejenigen Fragen, die man nur durch große statistische Erhebungen beantworten kann: Produziert oder beseitigt die Schule soziale Ungleichheit? Verbessert oder verschlechtert sie die Zukunftschancen von Migranten? Welche "Kompetenzen" bringt sie eigentlich hervor (z.B. Taktieren gegenüber übersteigerten Leistungsanforderungen vonseiten der Schule und des Elternhauses, naturwissenschaftliche Neugier oder ein lebenslanges schlechtes Gewissen, weil man irgendwelche "Klassiker" nicht mag)? etc. Wenn ich Lehrer wäre, glaubte ich auch keiner Statistik über Bildung, denn im Zweifelsfall habe ich nie gelernt, wie empirische Bildungsforschung funktioniert (das ist kein Vorwurf an Lehrer, so ist eben meist deren Hintergrund). Ich würde vor allem mitbekommen, dass die Forschungsergebnisse unter dem Aspekt diskutiert werden, ob nun dieses Bundesland im Vergleich zum letzten Mal ein paar Punkte besser abgeschnitten hat. Ich würde das für politische Taktik halten und nicht für seriöse Forschung - Ende des Themas. Das ändert aber nichts daran, dass ein Bildungssystem, in dem jeder nach bestem Wissen und mit viel Zuneigung an seiner Sache arbeitet, trotzdem unerwünschte Effekte haben kann, wie etwa soziale Selektivität. Außerdem können solche Studien auch entlastend wirken bzw. einen gewissen Realismus einkehren lassen: Es wird deutlich, was die Schule leisten kann, wenn es an anderer Stelle fehlt (nicht im Sinne der gelegentlich üblichen Schuldzuweisung an die Eltern, sondern mit Blick auf zahlreiche gesellschaftliche Probleme, die in der Schule fortwirken). Der eigentliche Skandal liegt also meiner Meinung nach darin, dass eifrig getestet wird (es mögen auch methodisch zweifelhafte Studien darunter sein), aber niemand daraus ernsthafte Schlüsse zieht, weder die Praktiker, noch die Politik. Die wirklichen Erkenntnisse versauern in irgendwelchen Fachpublikationen. Ferner wird das eifrige Testen von der Politik schon als Mittel angesehen zur Verbesserung, nach dem Prinzip: Wenn man nur oft genug testet, wird es schon irgendwann besser werden. Die Verbesserung des Bildungssystems fängt mit Wissen an, hört aber nicht mit Studien auf, und erschöpft sich schon gar nicht in Länderranglisten. Man sollte jedoch nicht die Datensammlung (und die Sammlung positiver Fallbeispiele) und die Anstrengung um bessere Bildung, auf politischer wie individueller Ebene, gegeneinander ausspielen.
PISA-KRISE
DANK
GEHRER LIESE
-- Protestplakat gegen Elisabeth Gehrer, österreichische Bildungsministerin von 2000 bis 2006.
@david:
das interessante an der pisa-studie ist übrigens auch: das studiendesign. dass das wissenschaftlich durchgegangen ist, wundert mich noch immer.....