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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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16.12.08 · 08:57 Uhr

Gene und Verlierer

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 4

Was früher einmal Siegermentalität hieß, nennen die Verantwortlichen heute das Sieger-Gen, und es ist völlig klar, daß der FC Bayern München das hat. So kann man es im Fernsehen hören, wenn die Bayern wieder einmal Dusel hatten und in der Nachspielzeit durch ein Abseitstor den Sieg errungen haben. Und so kann man es heute in der Zeitung (FAZ vom 16.12.08, S. 30) lesen, wobei betont wird, daß das Gen zum Verein gehört und in ihm spürbar wird. Wie man jetzt etwa Herrn Beckenbauer erklären soll, was Gene wirklich sind und können, hat man keine Chance mehr. Die besteht auch nicht beim ZDF, das nach dem Tod eines Schauspielers, der einen Kommissar gespielt hat (Tappert als Derrick), erneut betonte, daß Derricks Assistent nicht sein Nachfolger werden konnte, da er ja das Assistenten-Gen in sich trug bzw. trägt. Demnächst erfahren wir sicher, daß es ein Intendanten-Gen oder so etwas gibt, und vielleicht stellt der Herr das selbst in der Wissenschaftssendung seiner Anstalt vor. Dann werden wir endgültig, was wir längst schon sind, Verlierer im Verständnis von Wissenschaft.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (4)

Kommentar-Direktlink Argent23· 16.12.08 · 14:30 Uhr

Ich finde das ja nur noch lustig, wofür die Leute überall Gene haben. Hsien-Hsien Lei von Eye on DNA bringt dazu regelmäßig nen Post, Stichwort In Your DNA! Neuster Streich: Das Handy "genetically engineered for your thumbs".
Und ohne Atempause muss man da sofort noch diesen Cartoon von Nearing Zero [JPG] nennen - ein Klassiker!

Kommentar-Direktlink Marcus· 16.12.08 · 15:01 Uhr

John Cleese hatte zulet auch schön erklärt, wo das Gott-gen sitzt und auch einige andere:
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2008/11/das-gottgen-entdeckt.php

Kommentar-Direktlink GeMa· 16.12.08 · 16:26 Uhr

Es gibt auch das Kommen-und-Gen. Letzteres wird nur irgendwie zu selten angeknipst bei den verantwortlichen Redaktionsleitern.

Kommentar-Direktlink Ingo Bad-ing· 12.06.09 · 06:58 Uhr

Gene für Gewalt jedenfalls gibt es, durchaus auch sehr persönlich zugeschnitten:

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/abgefischt/verhaltensforschung/2009-06-07/gangs-gene-und-gewalt

Ebenso gibt es Gene für ADHS, ebenso gibt es Gene für Altruismus/tänzerische Begabung/Partnertreue etc. pp.:

http://studgendeutsch.blogspot.com/2008/09/der-tanz-der-sozialen-beziehungen-der.html

(Natürlich sind es oft nur unterschiedliche Steuerungssequenzen von Genen.)

Deshalb hat es natürlich AUCH etwas mit Genen zu tun, wenn jemand Intendant oder Assistent wird - AUCH.

Davon zu sprechen jedenfalls kann man durchaus als bildungsnäher ansehen, als davon nicht zu sprechen.

Es gibt zweifellos auch Gene für IQ. Und über all das sollte viel mehr als weniger in der Öffentlichkeit gesprochen werden. Ein Gespräch entwickelt sich. Auch ein gesellschaftliches. Wenn man nicht mehr weiter weiß, fragt man den Experten, den Wissenschaftler. Wenn ER nicht mehr weiterweiß, FORSCHT er vielleicht mal konkreter? Und auf gesellschaftlich relevanteren Gebieten?

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