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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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21.12.08 · 12:36 Uhr

100 - und kein bischen gebildet

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 12

Das ist mein 100. Blog-Beitrag unter dem Titel "Die andere Bildung", und es wird der letzte sein. Zum einen möchte ich im kommenden Jahr mehr auf das Haupthema der Evolution eingehen - geplant ist etwas unter dem Titel ANTISELEKTION, wenn es gefällt
-, und zum anderen werde ich bis zum 18. Januar in Westafrika sein.
Nun noch einmal zur Bildung bzw. ein paar mal zu diesem Thema:
Neulich im Seminar - es geht um "Madame Bovary" und ihren Ehebruch (was für ein schreckliches Wort), bei dem ja zudem die Gefahr einer Schwangerschaft besteht - "Warum nimmt Emma nicht die Pille?" fragt eine Seminaristin. Wer jetzt lacht, sollte sich überlegen,ob er oder sie sagen kann, wann, wo und wie die nötige Hormonchemie begonnen hat.
Neulich im Radio - es geht - im Winter - um Sonnenschutzcremes mit Nanopartikeln. Eine sich selbst kritisch nennende Wissenschaftlerin warnt vor Gefahren, wenn diese Partikel durch kleine Hautritze in Zellen gelangen "und dort den Gencode ändern". Au - tut das weh. Ein weiteres Beispiel für fachliche Unbildung im erweiterten Text.

Neulich im Lehrbuch - erneut und unverdrossen verkündet der Autor, die Lehre des Kopernikus sei 1616 von der Kirche verboten worden, weil sie fehlerhaft sei. Das klingt blöde für den Papst. Tatsächlich ist nicht die Lehre, sondern das Buch des Kopernikus aus den Bibliotheken geholt worden, weil es zu viele DRUCKFEHLER enthielt. Das klingt nur blöde für den Autor, der das nicht weiß.

Und so weiter und so fort - UNBILDUNG, wohin man schaut und hört. Man könnte dabei müde werden. Vielleicht sind wir ja in einem Jahr mehr über Darwin im Bilde, was mir einen ketzerischen Gedanken eingibt. Darwin - der hat doch irgendeiner Fakultät Schwierigkeiten bereitet - oder? Doch wohl den Theologen? In diesen Tagen erörtern die Akademien von Flensburg bis Konstanz, ob wir Gott oder der Darwinschen Biologie trauen sollen. Irgendwie scheint der Glaube durch das Wissen der Evolutionsbiologen gefährdet. Das ist aber Unsinn. Was gefährdert ist, das ist der Versuch der Philosophen, die großen Fragen der Menschheit - Was ist der Mensch? Warum leben wir in Familien? - zu beantworten, ohne von der Evolution Kenntnis zu nehmen. Die Selektion wird sich als gnadenlos erweisen. Was bleibt, stiftet das Tier, das dichtet und spürt, wie ihm das zum Leben hilft.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 12 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (12)

Kommentar-Direktlink F.O.· 21.12.08 · 13:35 Uhr

Das ist mein 100. Blogg unter dem Titel "Dia andere Bildung", [...]

Und das war nicht genug, um zu lernen, wie Blog geschrieben wird und was der Unterschied zwischen einem Blog und einem Blog-Beitrag ist? Tja, Unbildung, wohin man schaut.

[...] und es wird der letzte sein.

Ich werde das Blog nicht vermissen. Obwohl ich eigentlich in vielen Punkten mit Ihrer Sicht der Dinge übereinstimme, haben Sie mir hier zu häufig den Wissenschaftler gegeben, der glaubt, seine fachliche Qualifikation in einem Bereich erlaube es ihm, auch über Dinge zu Urteilen, von denen er keine Ahnung hat (ihr letzter Beitrag, "Keine Bildung, nirgends" war da ein Paradebeispiel).

Zum einen möchte ich im kommenden Jahr mehr auf das Haupthema der Evolution eingehen - geplant ist ein Blogg ANTISELEKTION, wenn es gefällt

Sie haben also auch nicht verstanden, wie man ein Blog etabliert, eine Leserschaft aufbaut, usw. Wenn Sie sich auf Evolution konzentrieren wollen, warum nicht an dieser Stelle, unter der bekannten Adresse (obwohl, allzu bekannt ist sie wohl gar nicht). Wie gesagt, (mediale) Unbildung, wohin man schaut.

Trotz allem: viel Glück mit dem neuen Blog, denn eigentlich brauchen wir Sie ja im Kampf gegen die Ignoranz.

Kommentar-Direktlink Tobias· 21.12.08 · 15:06 Uhr

Ich kann Ihre Entscheidung ebenfalls nicht nachvollziehen. Eine Änderung des Themenschwerpunktes muss doch nicht dazu führen, dass ein Blog eingestellt wird? Ich hoffe jedenfalls, weiterhin hier auf ScienceBlogs von Ihnen zu lesen.
Gute Erholung in Westafrika.
Tobias

Kommentar-Direktlink catta· 21.12.08 · 15:54 Uhr

Neulich im Seminar - es geht um "Madame Bovary" und ihren Ehebruch (was für ein schreckliches Wort), bei dem ja zudem die Gefahr einer Schwangerschaft besteht - "Warum nimmt Emma nicht die Pille?" fragt eine Seminaristin. Wer jetzt lacht, sollte sich überlegen,ob er oder sie sagen kann, wann, wo und wie die nötige Hormonchemie begonnen hat.

Tut mir leid, aber das ist wirklich ein bisschen übertrieben. Nein, wann und wo und wie die nötige Hormonchemie begonnen hat, kann ich auf Anhieb nicht sagen. Das ist in diesem Fall aber auch völlig überflüssig -- denn um zu wissen, daß die Frage lächerlich ist, reicht das Wissen darüber, ab wann die unglückliche Emma tatsächlich in der Lage gewesen wäre die Pille zu erwerben. Sogar ungefähres Wissen reicht dazu aus - die Seminarteilnehmerin liegt in etwa hundert Jahre daneben.

Das Erschreckende ist nicht die fehlende Detailkenntnis, sondern das fehlende rudimentäre Basiswissen. Und als Auslöser für Gelächter reicht das bei den Zuhörern/Lesern vorhandene rudimentäre Basiswissen auch aus!

Wann die Grundlagenforschung passiert ist, ist dabei völlig unerheblich, so sehr sie die Wissenschaftsgeschichte auch lieben mögen. Kenntnis derselben ist zwar eine feine Sache, aber in den meisten Situationen - wie in der oben beschriebenen - nicht zwingend erforderlich, jedenfalls nicht in der von ihnen anscheinend gewünschten Tiefe.

Also bitte, Herr Fischer: Ich unterstütze jegliche Versuche, mehr und tiefergehendes Wissen zu verbreiten. Es gibt allerdings eine Detailstufe, die für das Zurechtkommen im Alltag (und in Literaturseminaren) zwingend notwendig ist, und eine Detailstufe, die für die Mehrheit der Bevölkerung eher eine Art Luxusgut darstellt. Um letztere zu verbreiten, hilft es nicht, sie als relevanter darzustellen als sie ist. Da müssen andere Ansatzpunkte her -- reine Neugierde, nicht zweckgebundener Spaß am Wissen und das, was Menschen in Literaturseminare treibt: Freude an einer wirklich guten Geschichte.

A propos relevante und nicht relevante Kenntnisse: Eine vernünftige Rechtschreibung sowie das Wissen, daß auch Blogeinträge korrekturgelesen und ordentlich formatiert werden müssen, sollte für sie schon relevant sein - aber selbst nach der Korrektur von Blogg zu Blog-Eintrag ist da noch einiges, das jede durchschnittliche Rechtschreibprüfung bemerken müsste. In diesem Sinne hat F.O. schon recht - fachliche Qualifikation in einem Bereich erlaubt nicht automatisch derart verheerende Urteile über andere Gebiete. Wobei die Betonung auf "derart verheerende" liegt. Ein bisschen mehr Wissen über die eigenen blinden Punkte, und man kann ihrer Klage über die fehlende Bildung uneingeschränkt zustimmen.

Kommentar-Direktlink Arnulf· 21.12.08 · 22:21 Uhr

bischen?

Kommentar-Direktlink F.O.· 22.12.08 · 16:38 Uhr

Und dann noch nachträglich Korrekturen am Beitrag vornehmen, ohne das kenntlich zu machen -- auch das wirft ein schlechtes Licht auf Ihre Blog(g)-Bildung.

Ich hoffe aber trotz meiner Kritik, dass Sie den ScienceBlogs.de erhalten bleiben, denn hier bloggen eindeutig zuviele Journalisten und nicht genug Wissenschaftler.

@Arnulf: Nein, bisschen ist schon richtig.

Kommentar-Direktlink Benny· 23.12.08 · 00:00 Uhr

Unfassbar. Wie die Geier stürzen sich hier einige auf Fehler und nutzen diese, um jemanden, der sicherlich gebildeteter ist als viele andere hier, Kompetenzen abzusprechen.

Kritisiert wird in diesem Blog doch die mangelnde Bildung. Eine ganz andere Dimension als 3 Rechtschreibfehler. Das Maß an Bildung, das Herr Fischer erwartet, ist nicht gleichzusetzen mit der Perfektion des Individuums.

Offensichtlich erwarten die hier Kritisierenden aber diese Perfektion von dem Verfasser dieses Blogs - folglich müssen sie auch selbst derart perfekt sein, denn sie kritisieren ja, dass jemand Kritik austeilt, der selbst scheinbar nicht perfekt ist. Ist das so?

Kommentar-Direktlink Sil· 24.12.08 · 09:51 Uhr

Tippfehler beim Bloggen sind Lappalien, das sehe ich genauso Benny.

Bei mir liegt heute Abend übrigens "Das große Buch der Evolution" unterm Baum und ich freue mich drauf.

Kommentar-Direktlink Andy· 26.03.09 · 13:16 Uhr

schade, ich hab gern in diesem Blog gelesen...

Kommentar-Direktlink Thomas· 16.03.10 · 10:23 Uhr

...habe gerade gelesen, dass Sie ihren Blog nehr oder weniger aufgelöst haben. Habe immer gern bei Ihnen reingelesen.

Alles Gute!

Thomas

Kommentar-Direktlink antiker· 20.04.10 · 17:35 Uhr

is doch sowas wie ein scherz oder?

Kommentar-Direktlink Inga· 07.09.10 · 14:38 Uhr

Nach dem 100. Post und der Erkenntnis nicht schlauer geworden zu sein, scheint er das Bloggen wohl aufgegeben zu haben.

Kommentar-Direktlink Lothar· 01.01.12 · 15:51 Uhr

Schade das er aufhört.Habe eigentlich gerne in seinen Blogs gelesen.Das mit dieser Hormoncemie da kann man ja auch mal daneben liegen.

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