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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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Kategorien
Archiv November 2008
23. November 2008
Vordenker und Vormacher
Kategorie: Kultur
Das merkwürdige Magazin CICERO hat herausgefunden, wer "Deutschlands wichtigste Vordenker" sind (Ausgabe 10/2008). Wenn man mir den Auftrag gegeben hätte, die dazugehörigen Listen von Philosophen, Naturwissenschaftlern, Historikern, Gesellschaftswissenschaftlern und Wirtschaftsexperten zusammenzustellen, hätte ich bei den Fernsehredaktionen angerufen und gefragt, wen man da (weswegen auch immer) kennt und einlädt. Wahrscheinlich wären dieselben Namen dabei zustande gekommen. Die von CICERO genannten Vordenker sind vor allem Vormacher, die schon lange nicht mehr durch Nachdenken auffallen. Als oberster Wirtschaftsexperte wird ein Herr Sinn gefeiert, der gerade erst viel antisemitischen Unsinn über Bankenkrisen abgesondert hat; als wichtigster Gesellschaftswissenschaftler tritt uns Ralf Dahrendorf entgegen, der in den 1960er Jahre das Ende der Literatur verkündet hat, weil das die Soziologie so viel besser kann. Zu den wichtigsten Historikern zählt das Magazin den ZDF-Filmemacher Guido Knopp und den Professor H.U Wehler, der gerade erneut bewiesen hat, daß für ihn Geschichte stattfindet, ohne daß es der Wissenschaft bedarf. Und so weiter. Was besondern albern ist: Während Philosophen und andere Vordenker als "wichtig" klassifiziert werden, erhalten Naturwissenschaftler das Attribut "prominent". Wichtig sind sie also nicht. Über diese Ansicht sollten die Vordenker einmal nachdenken.
Autor: Ernst Peter Fischer· 23.11.08 · 12:30 Uhr· 0 Kommentare
17. November 2008
Sex nicht im, sondern bei Fliegen
Kategorie: Naturwissenschaften
Vor ungefähr einhundert Jahren hat der Amerikaner Alfred Sturtevandt zum ersten Mal beschrieben, wie Fliegen - konkreter: Fliegen der Sorte Drosophila - zum Sex kommen - das Männchen entscheidet, einem Weibchen den Hof zu machen (durch einen Balzgesang), und das Weibchen entscheidet, ob ihr das Wahrgenommene zusagt und sie ihren Vaginalapparat öffnet oder wegfliegt. In den Jahrzehnten danach haben Genetiker um Seymor Benzer zahlreiche Mutanten gefunden, die das skizzierte Verhalten irgendwie nicht ganz auf die Reihe kriegen (von denen eine nach erfolgreicher Kopulation stecken bleibt). In den letzten Jahren haben immer mehr Biotechnologen einen Blick auf die neuronalen Schaltkreise geworfen, die das Paarungsverhalten und die dazugehörigen Entscheidungen steuern. Und in diesen Tagen konzentriert sich eine Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science (die vom 7.11.08) auf die Biologie des Vögels der Fliegen. Und wie fängt der Aufsatz an: "It is still early days...". Na, da können wir ja gespannt sein, wie lange es dauert, bis die Wissenschaft weiß, was wir zu machen haben, um zum Ziel zu kommen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.11.08 · 19:12 Uhr· 0 Kommentare
11. November 2008
Die Lichtigkeit des Seins
Kategorie: Naturwissenschaften
Nein - das ist kein Fehler in der Überschrift, da fehlt kein e, um eine Leichtigkeit des Seins entstehen zu lassen. Es geht um den Titel eines Buches von Frank Wilczek, das im amerikanischen Original "The Lightness of Being" heißt und die Doppeldeutigkeit aus der ersten Silbe des zweiten Wortes bezieht. Es geht dem Nobelpreistäger Wilczek darum, aus masselosem Licht Masse werden zu lassen und damit die reale Lichtigkeit der materiellen Seins zu verstehen. Sein Buch lohnt eine langsame Lektüre, die trotz vieler Witzchen nicht einfach ist. Das Schöne an seinem Buch besteht darin, daß sein Autor es versteht, deutlich zu machen, daß Quarks zwar als Teilchen vorgestellt werden, es aber nicht sind und eine andere Form von Wirklichkeit darstellen. Sie werden zusammengehalten von anderen Partikeln (Gluonen), die NUR noch Lösungen von Gleichungen sind: "Gluonen sind die Objekte, die den Gleichungen für Gluonen genügen." An dieser Stelle löst die der Unterschied zwischen der Welt (it) und unserem Wissen über sie (bit) auf. Das Sein (Its) des Seins ist die Information. Gut zu wissen. Jetzt sollte uns ein Licht aufgehen - die Lichtigkeit des Seins.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11.11.08 · 11:29 Uhr· 0 Kommentare
10. November 2008
Widerliche Wissenschaft oder widerspenstige Wissenschaftlichkeit
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Nein - die Wissenschaft selbst ist nicht widerlich. Widerlich ist hingegen, was oft aus kommerziellen oder anderen Gründen mit der Wissenschaft gemacht wird. Zum Glück gibt es jetzt ein glänzendes Buch mit dem Titel BAD SCIENCE, in dem der Brite Ben Goldacre (London 2008) darüber berichtet. Er packt den Stier direkt bei den Hörern und prüft schlicht und einfach nach, was die vielen TV-Experten über richtige Nahrung und alternative Medizinchen im Namen der Wissenschaft verkünden. Sie lügen das Blaue vom Himmel herunter, und sie können das tun, weil sie sicher sind, daß niemand in eine Bibliothek geht - vor allem nicht die und dauernd auf Recherche sein vorgaukelnden TV-Redakteure -, um ein Zitat zu finden oder zu prüfen. Wir amüsieren uns nicht nur zu Tode, wir lassen uns auch von hirnlosen (leider nicht harmlosen) Rhetorikwissenschaftlern belügen, bis wir selbst den Glauben an den Glauben verloren haben. Apropos Glauben - ich kann mich vor Einladungen, über den lieben Gott zu sprechen, nicht retten. Hängt da etwas zusammen?
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.11.08 · 09:13 Uhr· 3 Kommentare
04. November 2008
Präsidiale Wissenschaft
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Falls jemand meine Notizen vermisst hat - ich war entweder unterwegs, um mein neues Buch - Das große Buch der Evolution - vorzustellen, oder mit dem Herumtragen meiner Enkel beschäftigt und laboriere jetzt an meinen Rückenschmerzen herum. Unabhängig davon wählen die Amerikaner heute ihren neuen Präsidenten, und schon seit Wochen stellen viele Wissenschaftsjournale ihren Lesern vor, welche Einstellung welcher Kandidat zu welchem Thema hat, bei dem Wissenschaft mitmischt (Energie, Kernkraft, Umwelt, ...).
Reden wir in Deutschland jemals über Wissenschaft, wenn gewählt wird?
Inzwischen fangen einige Professoren in den USA an, sich buchlang Gedanken über die Frage zu machen, was ein Präsident zum Beispiel über Physik wissen muss: "Physics for Future Presidents" heißt das Buch, das Richard A. Muller von der UC Berkeley geschrieben hat.
Ein schönes Quiz für alle: Welche wissenschaftliche Sachverhalte bzw. Zusammenhänge muss ein regierender politischer Manager haben: Welches Wissen braucht die Macht? Auf Antworten warte ich gerne. Vielleicht wird dabei der Rücken besser.
Autor: Ernst Peter Fischer· 04.11.08 · 12:13 Uhr· 6 Kommentare
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