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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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21.10.08 · 08:43 Uhr
Kein Recht auf Bildung
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Der Bildungsgipfel steht vor der Tür, und nun überschlagen sich die Kommentare, die auf die Bedeutung von Bildung hinweisen. Dabei geht es darum gar nicht. Es geht um das, was Schulen treiben, und das ist keine Bildung, sondern einfach Unterricht. Und wenn die Gewerkschaften nun Plakate anbringen, auf denen ein Recht auf Bildung konstatiert wird, dann zeigen sie nur, dass sie seit dem 18. Jahrhundert geschlafen haben. Der preussische Staat hat damals kein Schulrecht, sondern eine Schulpflicht eingeführt, und zwar aus gutem Grund. Diejenigen, die heute ihr Recht auf Bildung einklagen, würden nämlich nicht zur Schule gehen, wenn sie nur das Recht dazu hätten. Man muss die Leute zu ihrem Glück zwingen, also zum Unterricht. Und wenn dabei jemand eine Ahnung von dem bekommt, was wir als Bildungsgut kennen, wird er sich - von ganz alleine - verpflichtet fühlen, mehr davon zu ergattern. Bildung wird ihm oder ihr zur innerer Pflicht, weil sie Lust bereiten kann.
Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Der Bildungsgipfel: Das Ende der Studiengebühren? · ScienceBlogs · 22.10.08 · 06:40 Uhr
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Kommentare (4)
Nein. Nicht nur muss man nicht, man darf die Leute auch nicht zu ihrem Glück zwingen. Dies ist die eine große Grundregel des menschlichen Zusammenlebens, dass man niemals Zwang initiiert.
Das Problem mit der Schulbildung ist einfach die gnadenlose Verstaatlichung des gesamten Systems. Wenn der Staat sich auf eine Bildungs-Grundversorgung für Mittellose beschränkte und den Rest des (im Moment völlig inexistenten) Bildungsmarktes Privatschulen überließe, wenn er seine Bildungsausgaben nicht in die Schulen, sondern in Bildungsgutscheine für die Schüler stecken würde, dann würde sich durch den entstehenden Wettbewerb bald eine gewaltige Qualitätsverbesserung ergeben. Aber daran ist unter den Verantwortlichen leider kaum jemand interessiert, es will ja jeder seine Pfründe sichern.
@Shin:
Qualitätsverbesserung durch Konkurrenz klingt zwar nett, aber nicht alles, was nett klingt, stimmt auch.
Ich habe noch keine Studie gesehen, die Systemen mit hohem Privatschulenanteil bessere Performance bescheinigt.
Südkorea hat ein außerordentlich erfolgreiches staatliches Bildungssystem, in dem Schüler ihrer teilweise sogar per Lotterie zugelost werden, um Qualitätsunterschiede zwischen den Schulen zu reduzieren.
Klar, wenn es viele private Schulen gibt, wird auch einige hervorragende Privatschulen geben. Dass die Durchschnittsqualität steigt, glaube ich ohne Belege nicht (siehe USA, wo es genug Privatschulen gibt). Eher werden die Kosten steigen, da die Nachfrage nach Bildung ja unelastisch ist (wer will schon bei seinen Kindern sparen).
Qualitätsverbesserung durch Konkurrenz ist ein altbekannter und bewährter Mechanismus, dessen bester Beleg die Evolution des Lebens ist. Ich sehe keinen Grund, warum dieser Mechanismus bei Bildung nicht funktionieren sollte. Dass die Kosten steigen werden, kann ich mir nicht vorstellen, denn auch ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis ist ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Entscheidend ist aber natürlich, dass nicht die Schulen selbst die staatliche Förderung erhalten, sondern die Schüler bzw. deren Eltern, damit sie sich die Schule aussuchen können, die ihren Ansprüchen am ehesten gerecht wird. Und wenn die Schulen so um die Gunst der Schüler als Kunden konkurrieren müssen, ist es in meinen Augen ganz logisch, dass die Qualität steigt. Die miserablen Schulen in den USA sind im Übrigen weitestgehend öffentliche Schulen. Wenn man diese aus der Statistik herausnimmt sieht es sicherlich ganz anders aus.
"Qualitätsverbesserung durch Konkurrenz ist ein altbekannter und bewährter Mechanismus, dessen bester Beleg die Evolution des Lebens ist. Ich sehe keinen Grund, warum dieser Mechanismus bei Bildung nicht funktionieren sollte."
Duh. Ich glaube auch, dass Märkte enormes Potential entfalten können (und auch tun), aber nicht unter allen Umständen (wie man jetzt gerade spektakulär beobachten kann, zB wie sich der Markt für Unternehmensbewertung selbst reguliert hat: http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=ac8Bkp_7F4Rc&refer=home ).
Ich weiß, dass der Gedanke, dass Märkte ineffizient sein können, mit dem Weltbild von Hayek/Friedmann-Jüngern grundsätzlich unvereinbar ist, aber in der Volkswirtschaftslehre ist man inzwischen weiter.
Stiglitz hat seinen Nobelpreis für die Forschung zu Informationsasymmetrien (die Ineffizienz verursachen) bekommen, und in der Spieltheorie (Nobelpreise 2005 und 2007) werden reihenweise Modelle behandelt, in denen rationale und allwissende Konkurrenten zu suboptimalen Ergebnissen kommen (das bekannteste und einfachste Beispiel ist hier das Gefangenendilemma).
Grundschulbildung hat alle möglichen Eigenschaften, die einen effizienten Markt unwahrscheinlich erscheinen lassen (Information ist teuer dh. schwer bewert- und vergleichbar, hohe Markteintrittsbarrieren, hohe Kosten beim Wechsel, sehr niedrige Preissensitivität, komplett unelastische Nachfrage, etc).
Außerdem vergisst du einen wichtigen Aspekt. Es ist volkswirtschaftlich wünschenswert, dass möglichst viele eine möglichst gute Schulbildung haben und nicht nur eine "Bildungs-Grundversorgung für Mittellose", die du hier quasi als Almosen verteilen willst, während Eltern mit genug Geld ihre Kinder auf eine "richtige" Schule schicken sollen.