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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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11.10.08 · 15:53 Uhr
Die Kinder an der Börse
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Die amerikanische Lehmann Bank ist pleite, wie man gelesen hat, und wir wissen inzwischen auch, wie die Manager das geschafft haben. Sie wussten nach eigenen Angaben längst, daß sie auf Pleitekurs waren, rechneten aber damit, daß dies anderen auch so gehe, was den Staat zur Rettung zwingen würde. Mit anderen Worten - die Börsenspekulanten benehmen sich wie Kinder, die die Regeln von Spielen kennen (und wissen, was sie nicht dürfen), die zugleich aber auch wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Wenn es schief geht, greifen die Eltern ein, und das ist bei den Kindern in den Banken der Staat. Es ist nicht unbedingt die vielfach zitierte Gier - inzwischen auch die Gier der kleinen Leute -, die Spekulanten agieren läßt. Es ist auch die Sicherheit von Väterchen Staat, der seine Kinder zuletzt aus der Scheiße hebt. Man braucht sich nur im Bekanntenkreis umzusehen. Von ihren Börsengeschäften reden vor allem die Kindsköpfe. Eigentlich sollte man sie schmoren lassen oder in die Ecke stellen. Dann kehrt Ruhe ein.
Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Volle Zustimmung. Aber das hätte sich Vater Staat lange vorher überlegen müssen. Jetzt ist es zu spät, das Schlamassel ist da, und Versprechungen wie jüngst von Frau Merkel tragen keineswegs zu einer Entwöhnung des Marktes von seinem staatlichen Kindermädchen bei.
dh. die Geburtenrate steigt wieder, bei so vielen Kindern?
Was würde denn 'in die Ecke stellen und schmoren lassen' konkret bedeuten?
Es gibt durchaus Gründe sich aufzuregen über Dinge die falsch gelaufen sind (oder falsch laufen). Aber nur darüber herzuziehen was falsch gemacht wird, ohne eine mögliche Alternative aufzuzeigen halte ich nicht für konstruktiv.
Ist die ganze Angelegenheit nicht zu ernst und zu kompliziert um es einfach mit einem 'die sind wie Kinder' und man sollte sie 'in die Ecke stellen' weil dann 'Ruhe ist' abzutun? Das klingt in meinen Ohren mehr nach frustriertem Rückzug und Rundumschlag als nach einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Thema. Genau letzteres wäre aber nötig wie ich meine. Viele haben Angst, sind verunsichert und verstehen nicht was da passiert. Mit solcher allgemeiner Kritik mag man gut Ressentiments ansprechen aber hilfreich ist sie nicht. Wo bleibt die 'andere Bildung'?
Ernst Peter Fischer:
Sie sprechen das Problem des Moral Hazard und das "Too big to fail"-Phänomen an, was in der Tat beides Riesenprobleme sind. Durch gewaltige Kreditaufnahmen der Investmentbanken (und auch der Hedgefonds), die nur durch ein Mini-Eigenkapital gedeckt sind (Verhältnis bei einigen Investmentbanken etwa 33:1), entstehen riesige Handelsvolumen. Explodiert eine solche Bank, weil sie sich mit dem geliehenen Geld verspekuliert hat, reißt das x andere Banken und Investoren mit, die das Geld, das sie ihr ausgeliehen haben, nicht zurückbekommen und damit ihren eigenen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Der Dominoeffekt setzt ein. Deshalb jetzt beispielsweise der Vorschlag, die Eigenkapitalratio zu beschränken.
Doch dem Staat blieb bislang oft nichts anderes übrig, als die Missetäter zu retten, da sonst das ganze System zusammenbrechen würde. Man wählt also das kleinere Übel. Dass dies nicht mehr so weitergehen kann, ist klar. Das ganze System muss geändert werden. In diese Richtung zielen ja eine Menge Vorschläge, die derzeit diskutiert werden.
Ich möchte Ihnen auch noch etwas anderes sagen: Die Art, wie Sie ihre Bloggs starten, finde ich meist nicht gut, auch weil ihre Anfangsaussagen oft nicht klar, sondern eher verwirrend formuliert sind. Man versteht oft nicht genau, welche Diskussion Sie eigentlich anregen wollen.
Ganz schlecht finde ich auch, dass Sie sich dann in der Regel verkrümmeln und man nichts mehr von Ihnen hört. Ein Blog muss auch geführt werden, sonst stirbt er irgendwann! Genau ist bei den meisten Ihrer Blogs auch der Fall!
Ein persönlicher Tipp: Lesen Sie mal im Enneagramm nach, welcher Persönlichkeitstyp Sie sind. Nach meiner Einschätzung eine Fünf. Fünfer (auch der "Beobachter" genannt) sammeln gern aus der Distanz Wissen, um dann ihre perönlichen Schlüsse daraus zu ziehen. Sie mögen es jedoch nicht, ihre Festung zu verlassen und sich ins Getümmel des Lebens zu werfen. Das passt gut auf Ihr Verhalten: Sie werfen ein Thema in die Arena und schauen dann aus der Distanz zu, was die Leute so dazu zu sagen haben. In die entstehende Diskussion einzugreifen, ist jedoch nicht Ihr Fall, denn dann müssten Sie sich ja "ins Getümmel" werfen.
Doch leider ist das nicht gut für die Blogs, sie sterben ab.