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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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09.09.08 · 10:28 Uhr
Kein Einsehen beim Fernsehen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Irgendwann sind die schönen Tage von Aranjuez zuende, und der Alltag fordert seine Pflichten. Ich habe fast drei Wochen USA - vor allem LA - ohne einen Blick in einen Fernsehapparat geschafft, was wohl der Grund ist, weshalb mir nach der Rückkehr erneut die Werbung des ZDF auffiel, die Leute zeigt, die sich ein Auge zuhalten, weil sie dann besser sehen. "Mit dem Zweiten sieht man besser", heisst es dann dümmlicherweise, wobei mir egal ist, wenn das Sportreporter oder andere Ahnungslose machen. Was mir nicht egal ist - wenn der neue Leiter der Wissenschaft beim ZDF dabei mitmacht. Gemeint ist Harald Lesch, der sich jetzt auch in der Werbung ein Auge zuhält, um angeblich besser zu sehen. Er sieht doch nur weniger, wie er wissen müsste. Er sieht auf keinen Fall mehr und ganz gewiss nicht dreidimensional. Mit anderen Worten, das ZDF Wissen sagt uns, daß es nichts weiß. Doch wir wollen wissen, wir haben Lust auf Wissen. Und eins wissen wir jetzt - beim ZDF bekommen wir es nicht. Dort hält man sich die Augen zu.
Übrigens - wer auf Bildschirme statt in Bücher (oder in die Natur) schaut, bekommt sehr rach trockene Augen. Das Blinzeln unterbleibt zum großen Teil. Die Augenärzte können ein Lied davon singen. Wie jemand es toll finden kann, daß es demnächst elektronische Bücher gibt, bleibt mir ein Rätsel - es sei denn, er gehört zu den Herstellern von Flüssigkeiten für die Augen. Offenbar gibt es davon immer mehr - selbst im Feuilleton sitzen die entsprechenden Herren jetzt. Oder habe ich ds etwas falsch verstanden?
Autor: Ernst Peter Fischer· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Wir sollen also lieber weiter auf tote Bäume drucken, weil wir sonst nicht genug blinzeln? Das klingt mir alles sehr nach Altersfrust und nach "Früher war alles besser." Was jetzt gegen Harald Lesch einzuwenden ist, ist dem Eintrag auch nicht zu entnehmen, mir fällt jetzt keine abgehobene Metapher/Analogon/Whatever ein zu "durch wildes Aneinanderreihen von Metaphern/Analogons/Whatevers kann man auch nicht verstecken dass man keine Aussage macht."
Der Slogan bedeutet nicht das man mit einem Auge besser sieht als mit Zwei; sondern das man mit dem 'Zweiten' Auge besser sieht als mit dem ersten (oder dritten, vierten, fünften, wenn wir welche hätten). Die Werbung ist also nicht Dumm und Falsch, sondern einfach nur (zu) simpel/platt.
Die Werbung ist dumm und unverständlich. Und ärgerlich. Das Einzige, was ich daraus interpretiere ist ein Werbe-Angriff auf das Erste. Dass sich die Öffentlich-Rechtlichen nun auch noch mit GEZ Geldern "bekriegen" ist nur noch absurd.
Zum E-Book: Da scheint nun kürzlich wirklich ein Durchbruch gelungen zu sein:
http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,575467,00.html
Diese E-Ink Technologie hat genau die Nachteile von den üblichen Bildschirmen nicht mehr. Man dürfte damit deutlich besser lesen können, als das bei so manch schlecht gedruckten Buch ist. Und der angebliche Nachteil, dass man wie bei einem Buch ohne Licht nichts lesen kann, wird durch einen riesigen Vorteil ausgeglichen: Man kann unbeschwert bei Sonnenlicht lesen. Und Strom wird nur beim Umblättern gebraucht.
mal davon abgesehen, dass es auch meiner meinung nach so gemeint ist, wie marcel es beschreibt, hat man mit nur einem auge durchaus noch dreidimensionales sehen. einzig die querdisparation fällt weg, diese ist aber neben relativer größe, relativer höhe von objekten, verdeckung, bewegungsparallaxe usw nur eine (und natürlich keine unwichtige) quelle für räumliches sehen
@afldksaf: Die Interpretation über die 3-D Sicht ist natürlich richtig, geht aber ziemlich sicher am Thema vorbei, will man die Absicht dahinter ergründen.
Die Basis für diese Werbung ist das Phänomen, dass widersprüchliche Aussagen von Text und Bild bei Menschen reflexartig Aufmerksamkeit erregen. Gute Werbeagenturen wissen das und spielen damit. Das Problem dabei ist, dass man damit auf einem sehr schmalen Grat wandert. Der Text (Claim) "Mit dem Zweiten sieht man besser" ist witzig, die visuelle Umsetzung aber unglücklich. Der erste Punkt der Aufmerksamkeitserregung durch widersprechende Signale funktioniert zwar noch, aber die vermutlich angestrebte Rückführung in ein "Aha-Erlebnis" nicht mehr. Die beabsichtigte Botschaft dazu ist das Lächeln, welches wohl sagen soll, "ich halte mir das zweite Auge ja nur aus Spaß zu."
Funktioniert nicht. Es gibt viel zu viele Neben-Assoziationen. Das geht schon damit los, dass man nicht weiß, welches Auge das zweite denn sein soll.
Soweit vom neutralen Werbesachverständigen ;-)
Ist nicht weiter wichtig, außer dass eben die Botschaft "mit dem ersten sieht man schlechter" vermutlich am ehesten rüberkommt und damit eine völlig sinnlose Geldverschwendung ist. Wozu sollten die Öffentlich-Rechtlichen in einen von uns allen finanzierten Wettkampf eintreten? Man möchte ihnen zurufen: Macht keine Werbung, sondern ein besseres Programm! Das ist die beste Werbung!
Der arme Harald Lesch lässt sich halt (vermutlich vertragsgemäß) einspannen. So professionell er mit seiner Astrophysik ist, so naiv ist er (noch) in der neuen Branche.
Das einzig Positive ist, dass man beim ZDF vielleicht gemerkt hat, dass man was für die Qualität tun sollte und mit Mutantenstadeln aller Art sträflichen Unfug treibt. Insofern sieht man mit dem Zweiten nicht besser, nur etwas weniger schlechter.
das war auch hauptsächlich auf den satz "Er sieht auf keinen Fall mehr und ganz gewiss nicht dreidimensional." bezogen