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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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16.09.08 · 18:56 Uhr

Besser als Einstein

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Steven Weinberg,ein amerikanischer Nobelpreisträger für Physik, hat in der letzten Ausgabe des "New York Review of Books" in einem Beitrag, der von dem Verhältnis der Wissenschaft zu Gott handelt, in einer Nebenbemerkung die Ansicht vertreten, daß heute jeder habilitierte Theoretische Physiker Einsteins Gravitationstheorie besser verstehe als der Urheber selbst. Weinberg meint das so, daß jeder der genannten Physiker mit besseren mathematischen Methoden umgehen kann, um Einsteins Einsichten in den Kosmos zu Papier zu bringen. Aber - sind Verstehen und Rechnen identisch? Ich denke, daß dies nicht der Fall ist. Es gibt zum Beispiel viele Leute, die Einsteins Theorien nachrechnen können und von ihrer Richtigkeit überzeugt sind, die sich aber trotzdem irgendwie die dreidimensionale Oberfäche einer vierdimensionalen Entität nicht so recht vorstellen können, auf der wir leben. Verstehen ist etwas anderes als Rechnen. Was Einstein verstanden hat, ist nicht die Mathematik, sondern das, was er durch sie sieht, was er sieht, wenn er sie durchschaut. Kann das wirklich jemand besser als er?

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (4)

Kommentar-Direktlink MartinB· 16.09.08 · 20:11 Uhr

Ich denke, der Kommentar von Weinberg hat einiges für sich. Zahlreiche Konsequenzen (schwarze Löcher, diverse Lösungen der Feldgleichungen) sind schließlich erst deutlich später entdeckt worden. Ich glaube es war Dirac, der gesagt hat, man versteht eine Theorie, wenn man ihre Lösungen erraten kann, ohne sie zu berechnen, und das fällt uns heute sicher leichter. Auch die mathematische Struktur ist dank Differentialgeometrie heutzutage leichter zu erfassen, denke ich.
Was natürlich Einsteins Leistung in keiner Weise schmälert, eher im Gegenteil

Kommentar-Direktlink Tors10· 17.09.08 · 02:56 Uhr

Dieser Unterschied führt aber auch zu einer Vielzahl an unsinnigen
Schlussfolgerungen und vor allen zu Leichtgläugigkeit.
(meine nicht die ART selbst)

Nur weil eine Theorie mathematisch zu 99% die erfassbare Realität beschreibt,
ist sie nie mit ihr gleichzusetzen.

Schlieslich sind die Mechanismen , die das Universum inne hat, auf unzählich viele
Modelle abstrahierbar, die in unserem Beobachtungs- und Experimentalhorizont alle
das gleiche beschreiben können.


Kommentar-Direktlink Flatty· 17.09.08 · 08:05 Uhr

Ich frage mich eher, ob das Genie von Einstein im "Verstehen" oder doch eher im "Erkennen" liegt. Ich denke schon, das es heute möglich ist die Relativitätstheorie genau so gut zu verstehen bzw. anwenden zu können wie Einstein. Zumal die theoretischen Grundlagen in unzählbaren Quellen dargeboten und betrachtet werden. Jeder hat die Möglichkeit sich in viele verschiedene Sichtweisen einzuarbeiten und dazu die bewährten mathematischen Methoden zu bemühen. Doch hatte dies Einstein? Nein - er kam durch Überlegung und Gedankenexperimente erstmal auf die Idee die er dann systematisch verfolgte und sich lange erarbeitete. All das, was "Neulingen" so in den Schoß fällt. Deshalb denke ich, das jener der die Mathematik versteht auch "formal" die Relativitätstheorie genauso versteht wie Einstein. Doch sie so sehen wie Einstein kann niemand. Dies bleibt auf Ewig Ihm, dem Entdecker, vorbehalten!

Kommentar-Direktlink Flatty· 17.09.08 · 08:06 Uhr

Ich frage mich eher, ob das Genie von Einstein im "Verstehen" oder doch eher im "Erkennen" liegt. Ich denke schon, das es heute möglich ist die Relativitätstheorie genau so gut zu verstehen bzw. anwenden zu können wie Einstein. Zumal die theoretischen Grundlagen in unzählbaren Quellen dargeboten und betrachtet werden. Jeder hat die Möglichkeit sich in viele verschiedene Sichtweisen einzuarbeiten und dazu die bewährten mathematischen Methoden zu bemühen. Doch hatte dies Einstein? Nein - er kam durch Überlegung und Gedankenexperimente erstmal auf die Idee die er dann systematisch verfolgte und sich lange erarbeitete. All das, was "Neulingen" so in den Schoß fällt. Deshalb denke ich, das jener der die Mathematik versteht auch "formal" die Relativitätstheorie genauso versteht wie Einstein. Doch sie so sehen wie Einstein kann niemand. Dies bleibt auf Ewig Ihm, dem Entdecker, vorbehalten!

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