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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

Kommentare

Archiv September 2008

17. September 2008

Der Wissenschaftsmacher

Kategorie: Kultur

"Der Wissenschaftsmacher" - so heißt ein bei Beck erschienenes Buch, in dem sich der Historiker Paul Nolte mit Reimar Lüst unterhält. Lüst (Jahrgang 1923) war Vorsitzder des Wissenschaftsrats, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und ein guter Physiker, der bei Werner Heisenberg gelernt und bei dessen Schüler Carl Friedrich von Weizsäcker promoviert hat. Da mich neulich eine (ehemalige) Abgeordnete des Deutschen Bundestages gefragt hat, was eigentlich die Max-Planck-Gesellschaft sei, nehme ich nicht an, die jedem bekannt ist, was die anderen genannten Institutionen bedeuten. Immerhin hat ein Historiker (Nolte) begriffen, daß die Unkenntnis solcher Einrichtungen der Naturwissenschaft, die seinem Doktorvater noch selbstverständlich war, wenig hilft, wenn man die Geschichte der deutschen Gesellschaft verstehen will.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 17.09.08 · 20:19 Uhr· 0 Kommentare

Die RAF ist nicht die Royal Air Force

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 19

Nun bejubeln wir sie wieder (im Kino) - die RAF Bande, die sich gerne Guerilla nannte und mordete, was das Zeug hielt. Und jetzt verdienen einige Leute wieder - wie der ehemalige Spiegel-Herausgeber -, und zwar das große Geld auf dem Rücken der armen Schweine, die ins Gras beißen mussten. Haben wir wirklich nichts Besseres zu tun, als Leuten, die einer naiven Lust an der Gewalt nachgegeben und beim Herumballern Spaß empfunden haben, filmische Denkmale zu setzen? Können wir nicht einmal fragen, was wirklich Wichtiges passierte - etwa in der Raumfahrt, der Kommunikationstechnik, der Bioforschung -, als kleine Leute große Verbrecher wurden und dafür vom Durchschnittsbürger beachtet wurden? Wieviele Bücher, Filme, Talkrunden und anderes gibt es zur RAF, während das, was uns am Leben hält, in der Medien untergeht? Wir sollten sehen, was großartig war, und übersehen, wer größenwahnsinnig geworden ist. Warum blenden wir aus, was unseren Alltag damals wirklich geprägt hat? Die RAF Berichterstattung verdummt damals wie heute - gerade weil sie sich so aufgeklärt gibt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 17.09.08 · 15:25 Uhr· 19 Kommentare

16. September 2008

Besser als Einstein

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Steven Weinberg,ein amerikanischer Nobelpreisträger für Physik, hat in der letzten Ausgabe des "New York Review of Books" in einem Beitrag, der von dem Verhältnis der Wissenschaft zu Gott handelt, in einer Nebenbemerkung die Ansicht vertreten, daß heute jeder habilitierte Theoretische Physiker Einsteins Gravitationstheorie besser verstehe als der Urheber selbst. Weinberg meint das so, daß jeder der genannten Physiker mit besseren mathematischen Methoden umgehen kann, um Einsteins Einsichten in den Kosmos zu Papier zu bringen. Aber - sind Verstehen und Rechnen identisch? Ich denke, daß dies nicht der Fall ist. Es gibt zum Beispiel viele Leute, die Einsteins Theorien nachrechnen können und von ihrer Richtigkeit überzeugt sind, die sich aber trotzdem irgendwie die dreidimensionale Oberfäche einer vierdimensionalen Entität nicht so recht vorstellen können, auf der wir leben. Verstehen ist etwas anderes als Rechnen. Was Einstein verstanden hat, ist nicht die Mathematik, sondern das, was er durch sie sieht, was er sieht, wenn er sie durchschaut. Kann das wirklich jemand besser als er?


Autor: Ernst Peter Fischer· 16.09.08 · 18:56 Uhr· 4 Kommentare

Schon wieder schwarze Löcher

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 15

Jahrzehnte haben die Physiker an dem Ding bei Genf gebaut. Zehntausend Wissenschaftler möchten mit dem neuen Beschleuniger am CERN verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Milliarden Euros sind für Grundlagenforschung ausgegeben worden. All dies und mehr könnte man erörtern und besprechen, um an einem gegenwärtigen Geschehen in der Welt der Wissenschaft teilhaben zu können. Und was macht die Öffentlichkeit bzw. was machen die Medien?
Sie fragen, ob da ein schwarzes Loch auftreten kann, nur weil ein nicht ganz gescheiter (eher gescheiterter) Physiker das Thema aufgeworfen hat. Wir wollen offenbar nichts lernen bzw. keine wichtigen Themen besprechen. Wir wollen verblöden, und wir greifen jeden Stuss auf, den die Welt dafür bietet. Von einem public understanding of science kann keine Rede sein. Nur von einem schwarzen Loch des allgemeinen Wissens. Auch das haben wir teuer bezahlt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 16.09.08 · 18:47 Uhr· 15 Kommentare

10. September 2008

Deutsche Geschichte als Schweizer Käse

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

In diesen Tagen ist - im Rahmen physikalischer Experimente - viel von schwarzen Löchern die Rede, die entstehen können. Sie brauchen aber gar nicht erzeugt zu werden. Sie gibt es bereits, und zwar in der deutschen Geschichte, und das massenhaft. Wer sie finden will, braucht sich nur zu fragen, wie wir mit den großen Figuren der Wissenschaft umgehen. Ihre Biographien werden im Ausland geschrieben. Der bedeutende Physiker Max Born, der große Biologe Ernst Haeckel, der grandiose Mathematiker Bernard Riemann und viele andere - ihr Leben wird von angelsächischen Autoren geschildert, und wir vegessen fast vollständig, daß Wissenschaft und Wissenschaftler nicht nur zu unserer Geschichte gehören, sondern die überhaupt erst machen: "Weder die Wechselfälle der politischen oder militärischen Verhältnisse noch die Ökonomie können ... erklären, wie sich unsere heutige Lebensweisen durchgesetzt haben;dazu bedarf es einer Geschichte der Wissenschaften und Techniken." Die deutschen Intellektuellen weigern sich beharrlich, diesen Sazu des französischen Philosophen Michel Serres zur Kenntnis zu nehmen. Sie produzieren dabei die schwarzen Löcher, in der unsere Kultur versinkt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 10.09.08 · 10:30 Uhr· 1 Kommentar

Keine Angst vor schwarzen Löchern

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

In diesen Tagen geht die grosse Maschine am CERN in Betrieb, und die fast 10.000 Wissenschaftler sind in Hochspannung. Nicht nur sie, denn tatsächlich dringen die Forscher in unbekannte Regionen der energetischen Wirklichkeit vor, und wer kann schon vorhersagen, was dabei zu sehen ist bzw. was da passiert? Vielleicht gelingt es der Physik dabei, wieder die alte Wissenschaftlichkeit er erlangen, die sie berühmt gemacht hat. In den letzten Jahren wurde sie von Theoretikern wie Stephen Hawking dominiert, die sich über Bedingungen Gedanken machen, die sich keiner Überprüfung mehr fügten. Physik war spekulativ und ironisch abgedriftet, und es wird höchste Zeit, daß sich die Nachfolger Newtons auf ihre methodischen Grundlagen besinnen und Experimenten den Vorrrang einräumen. Wie verwirrt die Zunft geworden ist, zeigen die Klagen bzw. Sorgen, daß am CERN schwarzes Löcher entstehen können, die alles verschlucken. Da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Jedes schwarze Loch ist von einem Ereignishorizont umgeben, an dem die Zeit still steht. Das tut sich in unserer Welt niemals - selbst wenn wir es uns oft wünschen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 10.09.08 · 10:06 Uhr· 3 Kommentare

09. September 2008

Kein Einsehen beim Fernsehen

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 6

Irgendwann sind die schönen Tage von Aranjuez zuende, und der Alltag fordert seine Pflichten. Ich habe fast drei Wochen USA - vor allem LA - ohne einen Blick in einen Fernsehapparat geschafft, was wohl der Grund ist, weshalb mir nach der Rückkehr erneut die Werbung des ZDF auffiel, die Leute zeigt, die sich ein Auge zuhalten, weil sie dann besser sehen. "Mit dem Zweiten sieht man besser", heisst es dann dümmlicherweise, wobei mir egal ist, wenn das Sportreporter oder andere Ahnungslose machen. Was mir nicht egal ist - wenn der neue Leiter der Wissenschaft beim ZDF dabei mitmacht. Gemeint ist Harald Lesch, der sich jetzt auch in der Werbung ein Auge zuhält, um angeblich besser zu sehen. Er sieht doch nur weniger, wie er wissen müsste. Er sieht auf keinen Fall mehr und ganz gewiss nicht dreidimensional. Mit anderen Worten, das ZDF Wissen sagt uns, daß es nichts weiß. Doch wir wollen wissen, wir haben Lust auf Wissen. Und eins wissen wir jetzt - beim ZDF bekommen wir es nicht. Dort hält man sich die Augen zu.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 09.09.08 · 10:28 Uhr· 6 Kommentare

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