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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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12.07.08 · 12:16 Uhr

Der Katz und die Katze

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

In der Physik tauchen immer mal wieder Katzen auf. Es gibt zum Beispiel die Chesire Katze, die verschwinden kann und nur ihr Grinsen zurücklässt, was von Verständigen als Metapher der Atomphysik gedeutet wird, die keine Gegenstände mehr kennt - Atome sind keine Dinge -, aber deren Wirkungen untersuchen kann.
Der dänische Physiker Niels Bohr hat Sprachprobleme der Wissenschaft durch folgende Logik verdeutlicht: Eine Katze hat einen Schwanz. Keine Katze hat zwei Schwänze. Also hat eine plus keine Katze - also eine Katze - drei Schwänze. Was ist daran falsch?, hat Bohr gefragt, woraufhin sein Sohn die Arme ausgestreckt und gerufen hat: Hier ist keine Katze, Papa; wo sind jetzt die beiden Schwänze?
Die am meisten erörterte Katze hat Erwin Schrödinger in die Welt gesetzt bzw. in eine Höllenmaschine. Dort ist sie entweder tot oder lebendig, je nachdem, ob ein Atom radioaktiv zerfallen ist und einen Tötungsmechanismus gesetzt hat oder nicht. Das heißt, wenn die Atomphysik stimmt, dann hat der Beobachter einen Einfluß. Tötet er die Katze, wenn er sie anschaut?

Mehr über Schrödingers Katze findet sich in meinem Buch "Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum". Das Tier wartet seit 1935 in der Höllenmaschine, die Schrödinger konstruiert hat, und eigentlich müsste sie längst geistig tot (uninteressant) sein. Aber sie wird immer wieder gerettet - von Leuten, die Quantenmechanik verstehen wollen -, und jetzt scheint da gar keine Gefahr mehr zu bestehen. Ein Physiker, der ausgerechnet Katz heißt, hat in einem Experiment gezeigt, daß ein kollabierender Quantenzustand - im Bild: eine sterbende Katze - nicht unbedingt vollständig zusammenbrechen muss, sondern gerettet - ins Leben zurückgeholt, reinkarniert - werden kann. Das wäre - physikalisch gesprochen - deshalb verrückt, weil die Quantenwelt eigentlich keine Zwischenzustände kennt. Entweder Zustand A oder B, entweder tot oder lebendig. Offenbar kann ein Quantensystem ganz konkret (real) sowohl A als auch B sein, sowohl links als auch rechts von mir liegen. Die Wirklichkeit ist noch verrückter als die Katzen und ihre Erfinder. Mir soll es recht sein. Ich stehe oft neben mir. Jetzt erlaubt die Physik sogar, daß ich dabei beide Seiten nutzen darf. Vielleicht ein Grund zum Grinsen.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink Walter Schmidt- Licht· 04.01.09 · 15:35 Uhr

Die Katzen-Syllogistik - mit Schluss : Also hat eine Katze drei Schwänze stammt ursprünglich nach meiner Literatur : Zb Schnellkurs Philosophie von Aristoteles.
Bor hat hier also lediglich zitiert.

Kommentar-Direktlink Schmidts Katze· 12.11.10 · 00:21 Uhr

Man muss nichts von Katzen wissen.
Aber man muss auch nichts über Katzen schreiben.

Kommentar-Direktlink Schmidts Katze· 12.11.10 · 01:08 Uhr

Es gibt zum Beispiel die Chesire Katze, die verschwinden kann und nur ihr Grinsen zurücklässt, was von Verständigen als Metapher der Atomphysik gedeutet wird, die keine Gegenstände mehr kennt

Die Cheshire Cat hat sich ein pädophiler Mathematiker ausgedacht.
Wer sollen denn da die "Verständigen" sein?

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