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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

Kommentare

Archiv Juli 2008

28. Juli 2008

Fasse Dich kurz!

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 3

Fasse Dich kurz! So stand es früher auf den heute (leider) abgeschafften Telefonzellen, was zunächst als Höflichkeit gegenüber den vor der Zelle Wartenden gemeint war. Fasse Dich kurz - so wurden wir dann in der Schule angehalten, wenn wir etwas zusammenfassen sollten. Es war nämlich eine Leistung, etwa den Inhalt von Wilhem Tell in zwei oder drei Sätzen vorzustellen. Damals wurde mir klar, daß das Kurzfassen eine lange Zeit braucht, um zu gelingen. Und später habe ich bei einem meiner Säulenheiligen, dem Physiker Wolfgang Pauli, den schönen Satz gefunden, daß er einen langen Brief schreibe, weil er keine Zeit habe, sich kurz zu fassen. "No time to be brief", wie es im Englischen lautet, dessen Pauli sich dabei bediente. Und weil ich so sehr das Kurze schätze, argert mich, wenn das kurze Wort "kurz" beliebig blöde benutzt wird.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 28.07.08 · 19:41 Uhr· 3 Kommentare

23. Juli 2008

30 Jahre ohne Fortschritt

Kategorie: Kultur

Das wird jetzt ganz persönlich. Meine (jüngere) Tochter Dorothee ist in diesen Tagen 30 Jahre alt geworden - so wie Louise Brown, die allerdings mehr Schlagzeilen gemacht hat. Louise war nämlich das erste "Superbabe", wie es die britischen Zeitungen nannten, sie war das erste Kind, das nach eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) zur Welt gekommen ist. Allem Anschein nach geht es Louise gut, was mich freut und gefeiert werden kann. Herzlichen Glückwunsch, Louise, möchte man sagen und sich freuen.
Nur freuen kann ich mich aber nicht, denn die Zeit vor 30 Jahren stand im Zeichen einer wachsenden Ablehnung von Wissenschaft undTechnik, von der wir uns noch nicht erholt haben. Louises Eltern wurden in Deutschland heftige Vorwürfe gemacht, die Wissenschaftlr, an die sich wendeten, wurden moralisch diffamiert, das Kind selbst wurde als "Retorbenbaby" disqualifiziert, und die Methode der IVF wurde gnaden- und gedankenlos mit der damals noch jungen Gentechnik in einen Topf geworfen, um vor den Gefahren von Manipulationen zu warnen.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 23.07.08 · 12:16 Uhr· 0 Kommentare

21. Juli 2008

edition unselig

Kategorie: Kultur

Edition suhrkamp - das war eine große verlegerische Idee der 1960 und 1970er Jahre, und ich habe mir viele der in den schönen Spektralfarben angelegten Bände besorgt, wenn ich dabei auch stets verärgert über die Borniertheit des Verlags war, den Naturwissenschaften bestenfalls einen Platz in der zweiten Reihe - sprich: nur ein paar Bände - zuzugestehen. Der Vater der Reihe, Siegried Unseld, ist vor einigen Jahren gestorben, und nun bringt der inzwischen von seiner Frau Ulla Berkéwicz geleitete Verlag eine neue Edition heraus - die edition unseld. Eigentlich ein Grund zur Freude, wie es schien, vor allem, nachdem klar war, daß diesmal auch die Geistesgrößen aus Frankfurt den Stellenwert der Naturwissenschaften erkannt hatten und ihnen die ersten (und nicht die letzten) Bände einräumen würden. Seit einigen Monaten liegen die ersten Büchlein vor - so alle gerade mal mit etwas mehr als 100 Seiten Umfang -, und bei der Durchsicht kommt mit immer wieder in den Sinn, statt edition unseld "edition unselig" zu sagen. Was vorliegt, ist grottenschlecht.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 21.07.08 · 15:06 Uhr· 0 Kommentare

Lechts und rinks

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 5

Am Wochenende mal wieder ein längeres Stück - statt mit der Eisenbahn - mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs. Dabei habe ich die Klagen der Leute verstanden, daß alle auf der linken Spur - der Überholspur - unterwegs sind. Das heißt, es sind fast alle dort unterwegs, und wenn sich nur irgendwo ein Bus oder ein Wohnwagen blicken lassen, dann fährt alles links. Darüber wird geschimpft oder gerätselt - je nach Temperament -, was mir aber unfair oder unnötig zu sein scheint. Der Grund für dieses Verhalten hat nicht mit einer Rennfahrermentalität oder so zu tun, sondern mit der schlichten Einsicht, daß die linke Seite der Straße die von Natur aus bevorzugte ist. Wenn die rechte Spur die Überholspur wäre, würde die nicht so schnell voll. Da muss es doch Erfahrungen aus England oder Japan geben. Kennt die jemand?

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Autor: Ernst Peter Fischer· 21.07.08 · 14:51 Uhr· 5 Kommentare

16. Juli 2008

The dark side of the moon

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

In diesen Tagen, in denen die Hirnforschung wird, was sie eigentlich von Hause aus sein sollte - nämlich aufregend -, verkündet sie etwas Neues. Sie hat - tätä tätä - entdeckt, daß Nervenzellen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen noch wachsen und sich (zurecht) finden können. Neu ist daran nicht, daß man bislang gewusst hat, daß ältere Gehirne über kein Zellwachstum mehr verfügen. Neu ist, daß man nun weiß, daß das falsch war, was man sich vorher gedacht hat. Tatsächlich! Die Hirnforscher hatten vorher keine Ahnung, sie haben uns aber verkündet, sie hätten Ahnung, und nun staunen die darüber, daß sie vorher keine Ahnung hatten.
Das ist nicht neu in der Geschichte der Wissenschaft. Was für die jetzt entdeckte Dynamik von Hirnzellen gilt, hat sich in den 1980er Jahren für die Gene gezeigt. Die Molekularbiologen haben - vor den Tagen der Gentechnik - nicht gewusst, was mit den Genen ist, sie haben nur behauptet, es zu wissen. Sie hatten nie den Mut, ihre Unkenntnis einzuräumen, und haben es dann sogar fertig gebracht, ihre überwundene Ahnungslosigkeit als Revolution auszugeben.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 16.07.08 · 15:41 Uhr· 1 Kommentar

12. Juli 2008

Kosmische DNA am komischen CERN

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 8

Am CERN werden große Dinge vorbereitet. Am 1. August (dem Schweizer Nationalfeiertag) soll der größte Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb genommen werden, der LHC (Large Hadron Collider) heißt und die Aufgabe hat, das sogenannte Higgs-Teilchen (wie beim Schluckauf zu sprechen) zu finden. Das heißt, mit dieser (physikalischen) Aufgabe geben sich die Forscher am CERN nicht zufrieden (dafür hätten sie auch nicht die Milliarden bekommen, die ihr Tun verschlingt). Sie verkünden statt dessen, nicht das Kleinste (ein Teilchen), sondern das Grösste (nämlich Gott) zu suchen, und sie werden ihn bzw. es auch finden, und zwar in jedem Teilchen. Und wenn das nicht klappt, dann entdecke man eben die Superschnüre, die als Strings die Welt aufbauen und wie eine kosmische DNA unser Leben verkleben und stringent leiten. Dafür lohnen die Millionen, und so harrt die Menschheit aus und erwartet die Genfer Verkündigung der Wahrheit. Es ist manchmal schon komisch, das kosmische Gebahren der Großforscher, die alles Mögliche sind, nur keine großen Forscher.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 12.07.08 · 12:43 Uhr· 8 Kommentare

Der Katz und die Katze

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

In der Physik tauchen immer mal wieder Katzen auf. Es gibt zum Beispiel die Chesire Katze, die verschwinden kann und nur ihr Grinsen zurücklässt, was von Verständigen als Metapher der Atomphysik gedeutet wird, die keine Gegenstände mehr kennt - Atome sind keine Dinge -, aber deren Wirkungen untersuchen kann.
Der dänische Physiker Niels Bohr hat Sprachprobleme der Wissenschaft durch folgende Logik verdeutlicht: Eine Katze hat einen Schwanz. Keine Katze hat zwei Schwänze. Also hat eine plus keine Katze - also eine Katze - drei Schwänze. Was ist daran falsch?, hat Bohr gefragt, woraufhin sein Sohn die Arme ausgestreckt und gerufen hat: Hier ist keine Katze, Papa; wo sind jetzt die beiden Schwänze?
Die am meisten erörterte Katze hat Erwin Schrödinger in die Welt gesetzt bzw. in eine Höllenmaschine. Dort ist sie entweder tot oder lebendig, je nachdem, ob ein Atom radioaktiv zerfallen ist und einen Tötungsmechanismus gesetzt hat oder nicht. Das heißt, wenn die Atomphysik stimmt, dann hat der Beobachter einen Einfluß. Tötet er die Katze, wenn er sie anschaut?

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Autor: Ernst Peter Fischer· 12.07.08 · 12:16 Uhr· 3 Kommentare

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