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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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16.06.08 · 11:08 Uhr

Das Tier, das dichtet

Kategorie: Kultur

Es passiert einem immer wieder - man meint, sich in einem Thema auszukennen oder wenigstens die entsprechende Literatur zu überblicken, da erfährt man plötzlich durch einen Hinweis, daß man statt "überblicken" "übersehen" hätte sagen müssen. Da will ich verstehen, wie Natur und Kultur zusammenhängen, abgesehen davon, daß man dem Menschen keine Kultur zumuten kann, die seiner Natur widespricht - , und da schaffe ich es, die Text von Karl Eibl zu übersehen, vor allem sein Buch ANIMAL POETA, das 2004 erschienen ist und "Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie" liefert (Mentis Verlag, Paderborn). Allein schon, wie das Buch anfängt, wenn sich der Autor lustig macht über bornierte Kollegen, die das Biologische in jeder Kultur ignorieren und dabei Sätze produzieren, die "originell um den Preis der Unsinnigkeit" werden (Zitata im Buch). So klingt schon länger viel philosophische Gebrabbel der Neuzeit, das sich von den Naturwissenschaften abwendet, nur kann ich das jetzt rhetorisch gut konstatieren - "originell um den Preis der Unsinnigkeit".

Selbst die Fußnoten lohnen bei Eibls ANIMAL POETA. In der zweiten Fußnote zitiert der Autor das von mir stets als undurchsichtig gemiedene, von vielen wissenschaftsfeindlichen Soziologen aber verehrte Buch "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" des Duos Berger/Luckmann mit dem Satz: "Eine biologische Natur des Menschen, die als solche sozio-kulturelle Gebilde und ihre Mannigfaltigkeit bestimmte, gibt es nicht." Was dramatisch und bombastisch gelehrt klingt und sich als Wahrheit präsentiert, verpufft bei Eibl wirkungslos. Er kommentiert: "Je nach dem, wie man ´als solche´ und ´bestimmen´ auslegt, ist die Aussage entweder falsch oder trivial." Leider gibt es die Denkungsweise doch, die sprachliche Verwirrspiele dieser Art für philosophisch fundierte Soziologie halten und damit beanspruchen, den Menschen zu deuten. Sie verstehen das Tier, das dichtet, dabei aber gerade nicht.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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