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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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Kategorien
Archiv Juni 2008
24. Juni 2008
Werft Windows aus dem Fenster
Kategorie: Technik · Kommentare: 10
"Es bringt einen zur Raserei, dieses Windows. Am liebsten würde ich die Kiste aus dem Fenster werfen." So tobt heute (24.6.08) ein Redakteur der FAZ auf der Technikseite T1 über seine Windowsmaschine, die ein banales Update nicht schafft, nur Chaos produziert und einem massenhaft Zeit stiehlt. Ich möchte mich dieser Klage aus vollem Herzen anschließen. Noch nie agierte ein Programm so blöde und unbeholfen wie das neue Microsoft Office Outlook 2007, das großkotzig mit einem Business Contact Manager kommt, den niemand braucht, den man aber auch nicht abschalten kann. Jeder Anfang von Outlook benötigt zwei völlig unnötige Befehle, und die Auskunft, die man von den Microsoft Experten bekommt, verstehen die wahrscheinlich selbst nicht. Das neue Microsoft Word ist auch unglaublich langsam, es braucht ewig, um zu merken, daß man mehr als drei Seiten geschrieben hat. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs von Versagen bei Windows, das keinen erweiterten Text braucht. Es reicht an dieser Stelle.
Autor: Ernst Peter Fischer· 24.06.08 · 19:34 Uhr· 10 Kommentare
17. Juni 2008
Sex - der Reihe nach
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Das schöne Wort SEX hat im Englischen zwei Bedeutungen. Eine ist die langweilige, und um die geht es hier, und zwar höchst langweilig. Es geht genauer um den Faktor, der das Geschlecht (sex) bestimmt und der vor Jahren große Aufregung verursachte, bloß weil er entdeckt wurde. Gemeint ist das Sry Gen, das unter anderem so heißt, weil es auf dem Y Chromosom sitzt, also bei Männern wirksam wird (und hier die Hodenproduktion auf den Weg bringt). Als das Gen 1990 kloniert werden konnte, rauschte die Lästerlust im Blätterwald, und die damals so berühmten kritischen Journalisten lauerten erneut auf manipulative Tricks der Gentechniker. Das Sry Gen brachte es sogar auf die Titelseiten überregionaler Blätter. Aber wenn man einen der Macher bzw. Berichterstatter heute fragen würde, was denn das Gen macht, würde er mit den Schultern zucken, falls er sich überhaupt erinnert (obwohl es um seine Hoden ging und geht). Die Biologen wissen auch nicht so genau, was das Sry Gen macht, aber sie haben jetzt einen Hinweis gefunden. Dazu mehr im erweiterten Text.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.06.08 · 19:08 Uhr· 1 Kommentar
16. Juni 2008
Wir werden zerstört - so aber nicht
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Die schottische Autorin A. L. Kennedy - A für Alison und L für Louise - hat den ersten Internationalen Eifel-Literaturpreis gewonnen, und die FAZ hat am 16.06.08 ihre dazugehörige Dankesrede abgedruckt. "Wir werden zerstört", lautet der Titel der Rede, in der unter anderem um die Liebe zu Lesen geht, das "etwas in sich hat", so A.L. Kennedy, "was, wie ich sagen würde, von Natur aus gut ist". Die Autorin weist auf den oft katastrophalen Umgang unserer Kultur mit Büchern hin, die wir zwar nicht mehr verbrennen, dafür aber "still und leise verschwinden" lassen.
Ich freue mich immer, wenn jemand einer Lesekultur das Wort redet (und füge die Frage hinzu, ob Bloggen dazu beiträgt oder zum Gegenteil führt), aber die Zustimmung zu der Autorin wird einem schwer gemacht, weil sie an einigen Stellen eine unglaubliche Ahnungslosigkeit durch sprachliche Nettigkeiten übertüncht.
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.06.08 · 20:16 Uhr· 2 Kommentare
Das Tier, das dichtet
Kategorie: Kultur
Es passiert einem immer wieder - man meint, sich in einem Thema auszukennen oder wenigstens die entsprechende Literatur zu überblicken, da erfährt man plötzlich durch einen Hinweis, daß man statt "überblicken" "übersehen" hätte sagen müssen. Da will ich verstehen, wie Natur und Kultur zusammenhängen, abgesehen davon, daß man dem Menschen keine Kultur zumuten kann, die seiner Natur widespricht - , und da schaffe ich es, die Text von Karl Eibl zu übersehen, vor allem sein Buch ANIMAL POETA, das 2004 erschienen ist und "Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie" liefert (Mentis Verlag, Paderborn). Allein schon, wie das Buch anfängt, wenn sich der Autor lustig macht über bornierte Kollegen, die das Biologische in jeder Kultur ignorieren und dabei Sätze produzieren, die "originell um den Preis der Unsinnigkeit" werden (Zitata im Buch). So klingt schon länger viel philosophische Gebrabbel der Neuzeit, das sich von den Naturwissenschaften abwendet, nur kann ich das jetzt rhetorisch gut konstatieren - "originell um den Preis der Unsinnigkeit".
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.06.08 · 11:08 Uhr· 0 Kommentare
10. Juni 2008
Die Renaissance bleibt mit uns
Zu den Grundideen der Renaissance gehört die Vorstellung, daß die Welt im Kleinen - der Mikrokosmos - und die Welt im Großen - der Makrokosmos - sich entsprechen müssen. Wir Menschen in der Mitte - im Mesokosmos - können das zum Beispiel bei Leonardo da Vinci nachlesen, der in einem "Traktat über das Wasser" im Jahre 1492 - als Kolumbus auf dem Wasser unterwegs war - davon geschrieben hat, daß so, wie die Erde ein Weltmeer hat, der Mensch über einen Blutsee verfügt.
Auf jeden Fall - so Leonardo und seine Zeitgenossen - sind sich der Mensch und die Welt einander sehr ähnlich, und was der italienische Künstler für den Blick nach außen beschrieben hat, haben jetzt israelische Forscher für den Blick nach innen nachvollzogen. Sie haben als Physiker verstanden, wie sich die wichtigsten Moleküle umarmen, die wir haben, die Proteine, und das ist schön so.
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.06.08 · 19:32 Uhr· 0 Kommentare
09. Juni 2008
Besser als das Leben
Kategorie: Naturwissenschaften
Als ich ein kleiner Junge war, bin ich gerne gerannt. Ich wollte schneller sein als die anderen, merkte aber bald, daß die Frage, wer ein Rennen gewinnt, nicht alleine von der eigenen Person, sondern von den Schuhen abhing, die man trug. Irgendwie kam es auf die Ausrüstung an, was mich nach und nach deprimierte. Inzwischen gibt es einen Sprinter, den Südafrikaner Oscar Pistorius, der ohne eine besondere Ausrüstung gar nicht laufen kann, weil ihm die Füsse fehlen. Er hat sich J-förmige Prothesen anfertigen lassen, die als Cheetah Flex-Foot bezeichnet werden, und er will damit an den Olympischen Spielen teilnehmen, und zwar nicht an denen, an denen sich Behinderte messen, sondern an denen, an denen die Unbehinderten (und hoffentlich Undedopten) teilnehmen. Ob er das darf, ist eine Frage, um die (öffentlich) gestritten wird, während es eine andere gibt, um die im Stillen gerungen wird. Sie hat mit der Beobachtrung zu tun, daß Pistorius - Messungen zufolge - 25% weniger Energie als ein normaler Läufer verbraucht, wenn er rennt. Kann das tatsächlich der Fall sein? Und kann man generell Prothesen bauen, die besser sind als die menschlichen Organe, nach denen sie geformt werden?
Autor: Ernst Peter Fischer· 09.06.08 · 20:32 Uhr· 0 Kommentare
02. Juni 2008
Die Liebe zum Buch
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
Wir leben in seltsamen Zeiten - ein Satz, den wahrscheinlich jede Generation einmal das Gefühl hatte, aussprechen zu müssen. Nachdem wir Jahrhunderte hindurch Bücher von Brockhaus in der Hand hielten, gibt es jetzt die dazugehörigen Informationen immer mehr Online. Und zur gleichen Zeit fängt die Internet Enzyklopädie Wikipedia an, sich gedruckt unter die Leute zu begeben. Wir sieht sie also auch, "The Library in your Future", so fragt Robert Darnton, der Direktor der Bibliothek an der Harvard Universität in einem Essay, der im NEW YORK REVIEW OF BOOKS (Ausgabe vom 12. Juni 2008) erschienen ist. Der Büchernarr bekennt sich auch als Gogglefan, nur beantwortet diese doppelte Liebe nicht die Frage, wie wir denn in Zukunft lesen werden. Klar ist, daß derjenige irrt, der meint, mit Googles Plan, alle Bücher im Netz verfügbar zu machen - GOOGLE BOOK SEARCH -, sei so etwas wie die ultimative Lösung des Aufbewahrungsproblems von Texten gekommen. Der Irrtum zeigt sich sofort, wenn man an die Mikrofilme denkt, die vor Jahren denselben Anspruch erhoben und die heute kaum noch jemand kennt oder nutzt. Die nötigen Apparate gehen kaputt, und das wird bei Google & Co. nicht anders sein.
Autor: Ernst Peter Fischer· 02.06.08 · 11:21 Uhr· 1 Kommentar
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