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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

Kommentare

Archiv Mai 2008

31. Mai 2008

Einfach komplex und einfach dumm

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

Der Philosoph Karl Popper hat Studienanfängern den Rat gegeben, daß sie dann, wenn sie ein offensichtliches Problem lösen wollen, erst einmal nachsehen sollen, ob sich nicht schon vor ihnen jemand darum bemüht hat. Diesen Rat könnte man der amerikanischen Professorin Sandra Mitchell geben, die uns in einem Buch mit dem Titel "Komplexitäten" (in der Edition Unseld, die eher wie eine Edition Unselig wirkt) auf den merkwürdigen Widerspruch hinweist, der zwischen den einfachen Gesetzen der Physik und den komplexen Wirklichkeiten besteht. Sie zieht daraus den Schluss, daß die Physik die Welt nicht erklären kann, daß wir - so in einem nachgeschobenen SPIEGEL ONLINE Essay - vielmehr eine neue Erkenntnistheorie benötigen, um zu verstehen, daß das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
Tatsächlich hat Sandra Mitchell nur ihre Hausaufgaben nicht erledigt und das ignoriert, was Physiker seit Jahrzehnten (Plural) über komplexe Systeme wissen und publizieren. Und es wäre ganz einfach gewesen, das herauszufinden. Mehr dazu im erweiterten Text.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 31.05.08 · 12:55 Uhr· 5 Kommentare

25. Mai 2008

Der Blick in den Raum

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Der vielfach gelobte und geehrte Kunsthistoriker Hans Belting hat ein vielfach gelobtes und bestauntes Buch mit dem Titel "Florenz und Bagdad" vorgelegt, in dem er eine "westöstliche Geschichte des Blicks" erzählt. Der Anstoß zu diesem Buch verdankt sich einer wissenschaftshistorischen Entdeckung ersten Ranges, mit der klargelegt wurde, daß die Erfindung der Perspektive in der europäischen Renaissance nicht aus dem Nichts heraus passierte, sondern in der islamischen Naturwissenschaft - in den in der islamischen Welt Jahrhunderte zuvor aufgestellten optischen Theorien - vorbereitet worden ist. Wie wir im Westen die Welt sehen, hat uns also der Osten zu lernen geholfen. Der westöstliche Blick - ein wunderbares Thema für einen bildungswilligen Menschen in politisch unruhigen Zeiten, und so öffnet man das Buch von Belting sehr gespannt.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 25.05.08 · 21:01 Uhr· 1 Kommentar

Kein Zentrum für Intelligenz

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

"Es gibt kein Zentrum für unsere Intelligenz". So der Titel eines Interviews mit dem amerikanischen Biologen Robert Plomin in der FAZ vom 24.Mai 2008, in dem es um die Verbindung zwischen Genen und Gehirnen ging. Die zitierte Aussage stimmt wahrscheinlich allgemein; sie stimmt auf jeden FAll für die besondere Variante, die klarstellt, daß sich in der FAZ Redaktion tatsächlich kein Zentrum für Intelligenz finden lässt. Wie sonst kann man erklären, daß das Interview mit der (nicht von dem Befragten) stammenden (vollkommen unsinnigen) Frage eingeleitet wird, "Können Gene verhindern, daß intensives Hirntraining wirkt?". Die Frage ist so blöde, daß man sich minutenlang verwundert die Augen reibt - immer in der Vermutung, nicht richtig gelesen zu haben, Tatsächlich antwortet der amerikanische Genforscher auf die Frage, ob die Gene dem Gehirn im Wege stehen, mit der einzig möglichen Antwort: "Im Gegenteil".

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Autor: Ernst Peter Fischer· 25.05.08 · 20:36 Uhr· 3 Kommentare

15. Mai 2008

Vom Elend der Wissenschaftsgeschichte

Kategorie: Kultur

"Historische Epistemologie zur Einführung". Da klingt nicht nach einem Bestseller. So lautet aber der Titel eine Buches, in dem ein Wissenschaftshistoriker die Geschichte der von ihm vertretenen Wissenschaftsgeschichte erzählt. Wir wollen übersehen, daß sich die Gelehrten erneut im Gefängnis der Selbstbezüglichkeit einsperren, und fragen, ob die Bewertung des Buches durch die FAZ gerechtfertigt sein kann, daß hier ein "Erfolgsfall" dokumentiert wird. Tatsächlich kann die Antwort nur Nein lauten. Man braucht nur die Handvoll Wissenschaftshistoriker, die in Deutschland (noch) tätig sind, mit den Tausenden von Kunsthistorikern zu vergleichen und daran zu denken, daß jede Geschichte die Aufgabe hat, zum Vertständnis der Gegenwart beizutragen. Diese Gegenwart ist aber genau die Gegenwart von Wissenschaft und Technik. Solange ihre Geschichte in den normalen Schulbüchern verschludert wird, kann keine Rede von einem Erfolg der Wissenschaftsgeschichtes sein.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 15.05.08 · 13:58 Uhr· 0 Kommentare

Nichts los auf der Kaltenburg

Kategorie: Kultur

Die FAZ erwählt ab und zu ´mal ihre Lieblinge. In diesen Tagen ist es der Schriftsteller Marcel Beyer, der einen langweiligen und zähen Roman mit dem Titel "Kaltenburg" geschrieben hat und zum Dank dafür - unter freundlicher Ermunterung aus Frankfurt - jetzt am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin arbeiten darf. Der Grund für diesen Wechsel steckt darin, daß Kaltenburg ein Wissenschaftler ist, der den Eindruck erweckt, die Züge von Konrad Lorenz zu tragen (bei dem bestimmte Leute gleich wieder an die NS-Zeit denken). Erst lobt die FAZ den Roman, dann meldet sie jeden Schritt des Autors, der offenbar die Lücke zwischen den Kulturen schließt, und in der Ausgabe vom 15. Mai kann man Beyer in die Augen schauen. Die FAZ hat ihn zu einem Interview gebeten, in dem uns der forschende Schriftsteller mitteilt, wie sehr es ihn überrascht habe, daß Wissenschaftler, die sich bei Pflanzen auskennen, dabei nicht stehenbleiben, sondern auch etwas über Tiere wissen. "Ach", hätte Loriot da gesagt, und man könnte im Kollektiv lachen. So muss ich alleine weinen.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 15.05.08 · 13:36 Uhr· 0 Kommentare

14. Mai 2008

Die Niederlage der Historiker

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

In diesen Tagen fand in Halle die Tagung der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte statt. Ich ulke gerne, in dem ich sage, daß die meisten Wissenschaftshistoriker weder die Wissenschaft noch die Geschichte kennen. Sie können höchstens Geschichten aus einer Wissenschaft erzählen. Die Tagung in Halle macht mich nicht optimistischer. Die Wissenschaftshistoriker habe sich hinter der Philosophie versteckt - viele von ihnen scheinen gescheiterte Philosophen zu sein - und schwungvoll mit alten Begriffen der Theorie hantiert (Revolutionen, Paradigmenwechsel). Sie scheinen nicht zu merken, daß die Entstehung von Wissenschaft nicht in den publizierten und reflektierten Texten zu finden ist. Natürlich ist das Publizierte wichtig - es läßt uns immerhin verstehen, wie die Gegenwart geworden ist. Durch ihre Ergebnisse prägt Wissenschaft tatsächlich die Geschichte, und mir scheint es sehr dringlich, diesen Einfluß vorzustellen. Nur - warum tun die Historiker das nicht? Wir haben zu wenig Wissenschaftshistoriker, und die wenigen, die wir haben, beackern den Boden, der nicht interessiert. Eine Wissenskultur kann dabei nicht entstehen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 14.05.08 · 09:19 Uhr· 2 Kommentare

Der sich bildende und der gebildete Mensch

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften

Da ist es bzw. sie wieder, das Wort vom bzw. die Angst vor dem Designerkind. Irgendwo in New York - wo sonst? - sollen Forscher mit merkwürdigen Namen - Nikica Zaninovic - einen menschlichen Embryo genetisch verändert und erst wachsen gelassen und dann getötet haben. Bejubeln wird das Experiment niemand, und ethische Einwände lassen sich sicher im Sechserpack finden und vortragen.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 14.05.08 · 08:52 Uhr· 0 Kommentare

07. Mai 2008

Die heilige Vierzahl

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

"Das vierte Element" - so der Titel eines Kommentars in NATURE (Ausgabe vom 1.5.08, S. 42), in dem die Entdeckung eines neuen elektronischen Schaltelements gefeiert wird, das in derselben Ausgabe der Zeitschrift auf S. 80 vorgestellt wird. Hier erfährt man auch, wie das Schaltelement heißt, nämlich Memresistor. Der Name stammt dabei aus dem Jahre 1971, als Leon Chua aus Symmetriegründen die Idee kam, daß elektronische Schaltkreise neben einem normalen Widerstand, einem Kondensator und einer Induktionssspule noch über ein viertes Element verfügen könnten. Es sollte sich um einen Widerstand (englisch resistance) handeln, dessen Effekt von der Vorgeschichte der an ihm angelegten Spannung abhängt. Daher der Name Memresistor, in dessen erster Silbe das englische Wort für Gedächtnis (memory) zu erkennen ist.
Die Elektronikfachleute sind fasziniert, weil sie nun sehen, wie es gelingen kann, das seit 1965 funktionierende Mooresche Gesetz mit der permanenten Verdopplung der Leistungsfähigkeit von Chips in die Zukunft hinein zu verlängern. Es gibt aber noch einen weiteren Grund der Frohlockens.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 07.05.08 · 14:31 Uhr· 2 Kommentare

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