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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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18.04.08 · 14:25 Uhr

Bildungslücken

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

Ich habe heute mit der Post die Aufforderung bekommen, mich einer Initiative anzuschließen, die sich BILDUNGSLÜCKENGEGNER nennt und zu der - was auch sonst - ein paar Prominente gehören - eine Schaupielerin namens Furtwängler, ein Professor namens Nida-Rümelin, ein Manager namens Kluge, ein Multitalent namens Henkel und so weiter. Sie sind sicher für Bildung und wahrscheinlich auch gebildet. Aber dann müsste Ihnen eingefallen sein, daß Bildung als offener und dialogischer Vorgang von Lücken lebt. Wie können sich zwei Menschen ohne Bildungslücken unterhalten. Wir sind alle voller Bildungslücken, und warum soll ich mein eigener Gegner sein?

Vermutlich wollen die BILDUNGSLÜCKENGEGNER etwas Hübsches, nämlich die Bildung ihrer Zeitgenossen verbessern. Nur - was heisst das? In Hamburg triumphieren jetzt die Grünen, weil sie den Schwarzen abgetrotzt haben, daß alle Kinder länger die gleiche Schulunlust erdulden müssen. Man betrachtet das als Beitrag zur Bildung, auf die man im politischen Denken ein Recht hat. Ich denke das Gegenteil. Wer die Fähigkeit zur Bildung hat, der wird diese Gabe als Verpflichtung betrachten und sich um sie kümmern. Daß sich dabei bis zum Ende seiner Tage Lücken auftun, sollte ihn weder entmutigen noch dazu verführen, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Bildung stellt ein offenes Abenteuer dar, bei dem man nur einen Gegner hat - sich selbst. Wenn die BILDUNGSLÜCKENGEGNER diesen Kampf meinen, dann bin ich dabei. Sonst bin ich weg.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (2)

Kommentar-Direktlink Monika Armand· 18.04.08 · 17:40 Uhr

Oh je, da kann ich meine sieben Sachen packen und aus der Blogger- und Webszene verschwinden, denn ich habe unglaublich viele Bildungslücken ;-)
Bei manchen Themen weiß ich sogar wo meine Lücken sind und bei anderen habe ich das Gefühl, dass ich das bereits endlos vorhandene Wissen, die vielen Theorien die tausenden Studien zu meinem Thema oft nur zum Teil, andere nur oberflächlich und den Rest gar nicht kenne. So ziehe ich mich ins Altertum zurück und zitiere etwas salopper jenen, der anderen vermeintlich die Furcht vor dem Wissen gelehrt hat: Ich weiß, dass ich nichts weiß und das wenige, was ich glaube zu wissen, weiß ich kaum......

Na, was würde wohl jener kluge, weise Mann sagen, wenn er zum Club der Bildungslückengegner eingeladen werden würde ?

Leben und leben lassen??? Vermutlich würde er sich äußern, wie Sie ;-) Allerdings stünde wohl ein Punkt dann gleich an erster Stelle der Tagesordnung:

Was sind Bildungslückengegner? Wie definieren wir dieses "neue" (Un-) Wort?

Kommentar-Direktlink corax· 18.04.08 · 20:55 Uhr

«Bildung ist etwas Wunderbares. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.»
Oscar Wilde

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