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Alexander Knoll ist Biologe. Für seine Promotion am Karlsruher Institut für Technologie versucht er, die DNA-Reparatur und -Rekombination in Pflanzen besser zu verstehen.

Emanuel Heitlinger promoviert an den Universitäten Karlsruhe und Edinburgh. Er untersucht mit Hilfe von Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung die Evolution eines Wirt-Parasit-Systems.

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Archiv Juni 2009

30. Juni 2009

Verleitet open access zum Betrügen?

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Im letzten Post habe ich Nature noch gelobt, heute ist dann Kritik fällig. Aber der Reihe nach. Angefangen hat alles nämlich mit einem kleinen Skandal um den Verlag Bentham Science Journals.

Kommunikationswissenschaften-Student Philip Davis hat mit Hilfe eines Computerprogramms ein zwar sprachlich korrektes, vom wissenschaftlichen Inhalt aber komplett sinnfreies Paper [PDF] erstellt, das er bei "The Open Information Science Journal" von Bentham zur Publikation einreichte. Ein Grund soll wohl auch gewesen sein, dass er von Email-Aufforderungen des Journals, ein Paper einzureichen genervt war. Nachdem das erfundene Paper angeblich den Peer Review Prozess durchlaufen hatte, erhielt Davis die Nachricht vom Journal, dass sein Paper für eine Publikation angenommen sei. Da es sich um einen Open Access Journal handelt, sollte er dafür 800 $ zahlen [1]. Daraufhin zog er dann sein Paper zurück, machte den Vorfall aber öffentlich.

Man kann hier wunderbar über verschiedenste Probleme des Peer Review diskutieren (in der Blogosphäre wird das auch gemacht, auch auf deutsch), das zwar unsere bisher beste Methode ist, um ein Paper auf technische Fehler vor der Publikation abzuklopfen, aber sicher keine unfehlbare. Sofern Bentham überhaupt ein Peer Review durchgeführt hat, muss man sich natürlich fragen: Hätten die Reviewer das Paper gelesen, hätten sie es schon nach den ersten paar Sätzen ablehnen müssen. Wieso nicht?

Ich will hier aber auf einen anderen Aspekt hinaus: Dieser Vorfall wird unter anderem von Nature ausgenutzt, um Open Access als Modell in ein schlechtes Licht zu rücken.

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Autor: Alexander· 30.06.09 · 22:18 Uhr· 3 Kommentare

28. Juni 2009

Wissenschaftliche Konferenzen und Web 2.0

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 5

Vor Jahren wurden mit der Verbreitung von Digitalkameras Knipsverbote in den Postersessions von wissenschaftlichen Konferenzen erlassen, dass ja niemand die unveröffentlichten Daten von der Konkurrenzgruppe abschreiben kann.

Heute ist es gar nicht mehr so unüblich, dass während eines Vortrags ein Wissenschaftler in den hinteren Reihen sitzt und per Netbook oder Smartphone live die neusten Informationen in Blogs, soziale Netzwerke oder Dienste wie Twitter oder Friendfeed weitergibt. [1]

Das wirft natürlich Fragen auf: Wie ist das für den Vortragenden, der über unveröffentlichte Ergebnisse berichtet? Wie steht es mit Embargos von Journals wie Nature, die den Wissenschaftlern verbieten, mit den Medien über ihre aktuell eingereichten aber noch nicht veröffentlichten Paper zu sprechen? Mehr noch, stellt das Wissenschaftler in Konkurrenz zu Journalisten, die über die Forschungsberichte aus einem Meeting schreiben wollen?

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Autor: Alexander· 28.06.09 · 20:09 Uhr· 5 Kommentare

24. Juni 2009

"Ein genetischer Defekt, der 100% aller männlichen Menschen betrifft"

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Die Online Mendelian Inheritance in Man (OMIM) ist eine Datenbank, in der Krankheiten mit genetischem Hintergrund gelistet werden. Das Ganze ist eigentlich für Experten gedacht, also hauptsächlich für die Grundlagenfoschung in den Lebenswissenschaften. Entsprechend trocken sind auch die Inhalte: Der Eintrag für das Gen BRCA1 (OMIM 113705), das eine wichtige Rolle bei erblich bedingtem Brustkrebs spielt, packt auf über 30 DIN A4-Seiten Informationen zur Entdeckung des Gens, dessen Position auf Chromosom 17, die Funktionen, vorhandenen Mutationen und vor allem jede Menge Literaturangaben.
Entsprechend erstaunt war ich dann, als ich eher zufällig über einen recht kurzen Eintrag gestolpert bin, der zumindest nicht vollkommen ernst gemeint ist.

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Autor: Alexander· 24.06.09 · 14:44 Uhr· 10 Kommentare

15. Juni 2009

Gutes für die Ohren: Stayin' alive

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 2

In der neusten Folge des WNYC Radio Lab Podcast habe ich einen tollen Beitrag gehört, den ich mit euch teilen will. Darin ging es um ein Problem, das es wohl bei der Herzdruckmassage geben soll: Es kommt auf die richtige Geschwindigkeit der Pumpstöße an, dass sie effektiv sind. Pumpt man zu langsam, dann reicht der Druck nicht aus um das Blut ausreichend zum Fließen zu kriegen. Zu schnelles Pumpen ist aber auch nicht gut, weil dann das Herz sich nicht schnell genug wieder auffüllt. Der optimale Rhythmus sind 100 Kompressionen pro Minute - doch wie bringt man Laien in der Ersthelferausbildung bei, wie schnell diese 100 BPM sind?

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Autor: Alexander· 15.06.09 · 19:28 Uhr· 2 Kommentare

14. Juni 2009

Wie und wann wurden Würmer Parasiten

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

Dimmitis.jpgGanz andere Parasiten, was die Komplexität angeht möchte ich als gelernter Parasitologe zum Bierologie-Parasitentag beschreiben. Der auffälligste Unterschied zwischen Alex' und meinen Parasiten, ist dabei sicher die Anzahl der "Hilfsmoleküle" die gebraucht werden, damit sich die "parasitierende-DNA" auf Kosten des Wirts replizieren kann. Oder weniger kompliziert: Es geht um Würmer.
Das Bild (Quelle) zeigtDirofilaria immitis: Einen Wurm (Klade 3), der im Herzen von Hunden und Katzen im Süden Europas und der USA vorkommt.

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Autor: Emanuel Heitlinger· 14.06.09 · 16:24 Uhr· 1 Kommentar

Ein Parasit im Genom als Haustier der DNA-Reparaturforscher

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

ResearchBlogging.orgDas wird also mein Beitrag zum Parasiten-Tag, ins Leben gerufen von Bierologie. Mein Parasit ist aber weder Tier noch Pflanze, er ist noch nicht einmal ein Lebewesen. Vielmehr handelt es sich bei meinem Parasiten um ein Gen, das sich über einen interessanten Mechanismus in der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae ausbreiten kann.
Die Geschichte wird umso interessanter, weil dieses Gen seit seiner Entdeckung zu einem sehr nützliches Werkzeug in der Erforschung der DNA-Reparatur und -Rekombination wurde. In Zukunft könnten angepasste Varianten dieses Gens beziehungsweise seines Proteinprodukts in der gerichteten Veränderung von DNA-Sequenzen eingesetzt werden, beispielsweise in der Gentherapie von schweren Erkrankungen des Menschen.

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Autor: Alexander· 14.06.09 · 09:23 Uhr· 5 Kommentare

13. Juni 2009

reviewing german research blogging - biology

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 23

Die meisten Leser hier auf scienceblogs.de werden wohl auch research-blogging kennen.
Was die Plattform will kann man in ihren Richtlinien nachlesen. Am wichtigsten ist dabei wohl, dass über begutachtete (peer-reviewed) Veröffentlichungen, die zur Gänze gelesen und verstanden wurden geschrieben werden soll. Der daraus resultierende Blogpost soll natürlich eigene Gedanken zum Artikel enthalten. Posts die diese Anforderungen erfüllen werden auf der Seite aggregiert.
Grundsätzlich sollten diese Richtlinien wohl in einer Art gemeinschaftlicher Selbstkontrolle (fast einer Art peer-review) durchgesetzt werden. Daher jetzt diese neue Serie. Ich werde versuchen regelmäßig an die besten und leider auch die schlechtesten Artikel des deutschen researchblogging ein paar Zeilen zu verschwenden. All das wird natürlich in keiner Weise -selbst was nur Evolutionsbiologie angeht- umfassend sein, da ich mal ne Woche wenige Blogs lese, und das dann auch nicht unbedingt nachholen werde.

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Autor: Emanuel Heitlinger· 13.06.09 · 14:44 Uhr· 23 Kommentare

12. Juni 2009

Wie lang ists her?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Ich habe gerade die tolle Time Tree Seite gefunden. Das ist wirklich ein praktischer Service, der mir sicher weiterhelfen wird. Immer wieder kriege ich von Studenten die Frage gestellt, wann der gemeinsame Vorfahre von verschiedenen Organismen lebte.
Das lässt sich heute nicht nur über die Datierung von Fossilien, sondern auch mit Hilfe von DNA- und Proteinsequenzen abschätzen - sofern man die Mutationsrate einigermaßen gut kennt. Die sogenannte molekulare Uhr sagt einem dann: Zwischen Art A und B gibt es X Unterschiede in der Sequenz, und pro Million Jahre treten genau Y Unterschiede auf. So kann dann auf das ungefähre Alter der Aufspaltung von A und B zurückgeschlossen werden.

Bei Time Tree kann man nun zwei Arten oder auch größere Taxa eingeben, und bekommt (sofern Daten vorhanden sind) einen relativ genauen Wert für die Aufspaltung dieser Linie zurück.

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Autor: Alexander· 12.06.09 · 09:48 Uhr· 3 Kommentare

11. Juni 2009

Protein-Polymorphismus und die neutrale Theorie

Kategorie: Naturwissenschaften

ResearchBlogging.orgIn der Zeit bevor man schnell und günstig DNA sequenzieren konnte wurde hauptsächlich eine auf Verschiedenheiten in Enzymen basierende Methode verwendet um Variabilität innerhalb von Populationen zu untersuchen. Masatoshi Nei und Dan Graur haben zu den so gewonnenen Daten, eine sehr fundierte und gut zu lesende Metaanalyse durchgeführt; sozusagen das letzte Wort zu diesen Daten in der Populationsgenetik...
Masatoshi Nei, Dan Graur (1984). Extent of protein polymorphism and the neutral mutation theory Evolutionary biology.

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Autor: Emanuel Heitlinger· 11.06.09 · 23:48 Uhr· 0 Kommentare

05. Juni 2009

Satelliten pimpen und Kampfroboter bauen - aus Liebe

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 3

Zum Wochenende gibts endlich mal wieder ein wenig Musik (und für nen echten Post hätte ich eh grad keine Zeit).

Das erste Lied ist mal ganz ohne Video, einfach nur zum Anhören. In "Pimp My Satellite" [MP3, Liedtext] schlägt Norm Sherman vom Drabblecast vor, doch einfach das Hubble Teleskop ein wenig aufzumotzen, wenn die da oben schon am reparieren sind. Und diese Spinner und die Hydraulik machen schon was her ;-) Und ja, ich weiß, eigentlich bin ich ein paar Tage zu spät damit, die Hubblereparatur ist längst vorbei. Soll ich euch das deswegen vorenthalten? Nein!

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Autor: Alexander· 05.06.09 · 21:44 Uhr· 3 Kommentare

03. Juni 2009

Die Ironie der Satire

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 6

ResearchBlogging.orgHeute bewege ich mich weit außerhalb meines Fachbereichs, aber das Paper über das ich ein wenig erzählen will ist einfach zu gut! Man verzeihe mir daher, wenn ich zwischendurch irgendeinen Mist verzapfe, der für einen Soziologen oder Politologen offensichtlich ist.

Die Forschergruppe um Heather L. LaMarre von der Ohio State University haben im International Journal of Press/Politics einen (frei zugänglichen!) Artikel veröffentlicht, von dem ich gleich den Titel geklaut habe: "The Irony of Satire: Political Ideology and the Motivation to See What You Want to See in The Colbert Report".
Wenn es nach mir ginge, hätte dieser Artikel einen Ig-Nobelpreis verdient. Diese Preise werden bekanntlich vergeben für Forschung, die einen erst zum Lachen bringt, und dann zum Nachdenken. Und ich gestehe gleich vorweg - Titel und Abstract des Papers haben bei mir zunächst nur den Lachnerv gekitzelt, das Nachdenken kam erst mit Lesen des Artikels.

510px-Stephen_Colbert_4_by_David_Shankbone.jpgDie Forscher haben sich mit Eindruck von Zuschauern einer amerikanischen Comedysendung beschäftigt, dem Colbert Report. Diese Sendung ist aufgemacht wie ein politisches Talk- und Nachrichtenformat, vielleicht am ehesten noch vergleichbar mit Harald Schmidts Late-Night-Shows. Der Unterschied zu Harald Schmidt ist aber, dass der Moderator Stephen Colbert die gesamte Sendung hindurch die Rolle eines Menschen mit einer erzkonservativen Einstellung annimmt, und sich auch dementsprechend seinen geladenen Gästen gegenüber verhält. Die in dieser Show verwendete Art des Humors wird als deadpan bezeichnet, eine Art von trockenem Humor frei von Mimik und Gestik, die auf eine humoristische Aussage hindeuten könnten [1].

Hat das totale Fehlen von Signalen, dass es sich um die satirische Darstellung eines konservativen Menschen statt der tatsächlichen politischen Einstellung des Moderators handelt, einen Einfluss auf die Eindrücke unterschiedlicher Zuschauergruppen? LaMarre et al. wollten es herausfinden.

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Autor: Alexander· 03.06.09 · 22:48 Uhr· 6 Kommentare

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