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Alexander Stirn ist Wissen-schafts- und Technikjournalist in München. Wenn er nicht gerade Nasa-TV schaut, schreibt er über Luft- und Raumfahrt, Astronomie sowie alles, was Drähte, Schrauben oder Schaltkreise hat.
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07.05.10 · 13:56 Uhr
Der erste letzte Flug
Kategorie: Technik · Kommentare: 5
Es heißt Abschied nehmen. Drei planmäßige Space-Shuttle-Flüge stehen noch aus, drei Orbiter starten zu ihrer jeweils letzten Mission. Den Anfang macht nächste Woche die Raumfähre „Atlantis".
Die Raumfähre "Atlantis" wird auf dem Launch Pad 39A auf ihren letzten Start am 14. Mai vorbereitet. (Foto: Nasa)
Die Atlantis, die am 14. Mai zu ihrer letzten Mission starten soll, war für mich immer die Unscheinbare im Shuttle-Quintett, eine Raumfähre, mit der ich persönlich nichts verbinde, die mir weder positiv noch negativ aufgefallen ist, die zuverlässig aber unspektakulär ihre Runden drehte.
Klar Columbia und Challenger, die ersten beiden Orbiter, die Mitte der 80er Jahre Ulf Merbold und die D-1-Mission ins All gebracht haben, gehören seit ihrem tragischen Ende eh in eine anderen Kategorie. Und Endeavour, die Jüngste im Bunde, war (und bleibt wohl) die einzige Raumfähre, deren Start ich mit eigenen Augen gesehen habe - damals, im Januar 1996, in einer eisigen Nacht am Nasa Causeway. So etwas verbindet. Vier Jahre später brachte sie außerdem Gerhard Thiele und die deutsch-amerikanische Shuttle Radar Topography Mission ins All.
Discovery, die Fleißigste und Dienstälteste, ist dagegen die Raumfähre, die immer wieder die Kohlen aus dem Feuer holen musste. Sowohl nach der Explosion der Challenger als auch nach dem Absturz der Columbia war sie die Fähre, die das Shuttle-Programm erneut auf Kurs brachte. Die Discovery beförderte das Weltraumteleskop Hubble ins All, und sie hat von allen noch fliegenden Raumfähren die meisten deutschen Astronauten in den Orbit und wieder zurück gebracht.
Und die Atlantis?

Ein Blick in die Chroniken zeigt, dass ich ihr eigentlich Unrecht tue: Die Raumfähre, die ihren Erstflug (Foto: Nasa) am 3. Oktober 1985 feiern konnte, war zwar zu Beginn hauptsächlich in geheimer Mission für das Verteidigungsministerium unterwegs, sie hat aber auch viele wissenschaftliche Sonden auf den Weg gebracht: unter anderem die Venus-Sonde Magellan, die Jupiter-Sonde Galileo, das Compton Gamma Ray Observatory. Sie dockte als erster Orbiter an die russische Raumstation Mir an.
Vor allem aber brachte sie vor zwei Jahren Hans Schlegel und das europäische Weltraumlabor Columbus zur ISS - wobei (zu meiner Verteidigung) Columbus und der vorübergehend unpässliche Schlegel deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben als der Orbiter ;-)
Insgesamt war die Atlantis bei 31 Missionen bislang 282 Tage und 28 Sekunden unterwegs. 185 Astronauten waren laut Wikipedia an Bord, der Kilometerzähler steht vor dem finalen Flug bei 176.717.006 Kilometern. Eine durchaus ansehnliche Lebensleistung
Also dann: Guten letzten, unspektakulären Flug, Atlantis!
Autor: Alexander Stirn· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (3)
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Your Face in Space: Die letzte Shuttle-Mission digital begleiten · Frischer Wind · 09.06.10 · 21:23 Uhr
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Kommentare (5)
Du hast ja fast ein liebevolles Verhältnis zu den Transportern ...
@Marcus: Wir hatten damals ja nichts anderes - also raumfahrttechnisch gesehen ;-)
Oder um es anders auszudrücken: So wie unsere Generation politisch zwangsläufig von Helmut Kohl geprägt wurde, war es auf der Raumfahrtseite der Space Shuttle. Für manche Dinge entwickelt man dann eben eine Abneigung, für andere ein eher inniges Verhältnis...
Das Space Shuttle ist bisher das eleganteste aller Raumfahrzeuge.
http://www.youtube.com/watch?v=xlWcnWj8cxQ
Wird lange dauern bis mal was vergleichbares entwickelt wird.
Ich applaudiere, dieser Text hat mir Vergnügen bereitet.
Für mich waren "die Shuttles" bisher nahezu baugleiche Transportmittel, naja von der "Enterprise", dem Prototypen für Landungsexperimente mal abgesehen. Der Ansatz jedes Shutle und seine Missionen individuell zu sehen ist erfrischend neu und wirft die Frage auf, in wie weit sich die Shuttles eigentlich unterscheiden (bzw. bei den verlorenen Exemplaren sich unterschieden haben).
Also erstmal gebührt ein "Danke" für diese interssante Sichtweise, gefolgt von einer netter und höflichen Bitte etwas über die tatsächlichen Unterschiede der Shuttles zu schreiben. Wäre doch jetzt der idale Zeitpunkt, oder?